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Dienstag, 19. Mai 2026

Schlägereien und Schimpfreden 1745/46 - Brawling and rants in 1745/46

Man findet immer wieder Beispiele von Schlägereien wegen Nichtigkeiten und von verschieden gravierendem Ausgang. Je nach Schwere der Verletzungen richtete sich auch die Strafe wie bei einem David Bölz aus Bibersfeld, der einen Michel Kübler aus dem selben Dorf im dortigen Wirtshaus so hart geschlagen hatte, dass er eine Strafe von 3 fl aufgebrummt bekam [1]. In Rieden hat ein Bauer einen anderen des Holzdiebstahls bezichtigt und wurde dafür zu einer höheren Strafe (1 fl.) verurteilt, als der somit Geschädigte (20 ß Strafe), der im Gegenzug seinem Widersacher eine "Maulschelle" verabreichte [2]. 

Ohrfeigen, damals "Maulschelle" genannt, waren sehr üblich und führten auch bei einem Riedener namens Hans Jörg Sanwald [3] nebst Schmähungen zu einer Geldstrafe von 1 fl [4].

Examples of brawls over trivial matters, with varying degrees of severity, are frequently found. The punishment depended on the severity of the injuries, as in the case of David Bölz from Bibersfeld, who beat Michel Kübler, also from Bibersfeld, so severely in the local inn that he was fined 3 florins [1]. In Rieden, a farmer accused another of stealing wood and was sentenced to a higher fine (1 florin) than the alleged victim (20 shillings), who retaliated by slapping his adversary [2].

Slaps, then called "Maulschelle" (literally "mouth slaps"), were very common and, along with insults, resulted in a fine of 1 florin for a resident of Rieden named Hans Jörg Sanwald [3] [4].

 

Das Holz wurde nicht durch einen Holzdiebstahl erworben - versprochen. - The wood is not stolen - promised. (Foto: C. Behnke, 2024)


Hochzeiten sind oft Anlässe für größere Schlägereien und Beschimpfungen wie auf der des Schultheißen Hans Jörg [5] Mugler in Rieden 1745. Als dieser nämlich wider der Polizeiordnung [6] seine Trauerzeit nicht beachtete und die Magd des Jörg Michel Blözen ein Eheversprechen gab, führte sich Hans Jörg Alho nicht nur "unzüchtig und ärgerlich" auf, sondern schlug auch den Schmied Bohler blau wie es dort heißt. Im Gegenzug hatte sich der Schwiegervater des Bräutigams, nämlich besagter Schmied aus Uttenhofen, auch nicht eben besser aufgeführt und Alho "auf den Kopf geschlagen, und die Haar ausgeropfet" [7].

Es nimmt etwas wunder, dass jemanden zu schlagen dasselbe Strafmaß hatte wie Beschimpfungen. So hat der Untertan Michael Deininger aus dem kleinen Weiler Röthenhof seine Nachbarin, "Johann Georg Schneiders Weib", geschlagen und musste ebenso nur 1 Gulden zahlen [8] wie ein Bibersfelder Einwohner, der den ihm vorgesetzten Schultheißen "ohnerfindlich bezichtigt" hatte etwas begangen zu haben, was offenbar auch unter Schimpf abgehandelt wurde [9].

 

Weddings are often occasions for major brawls and insults, as was the case at the wedding of Mayor Hans Jörg Mugler in Rieden in 1745. When Mugler disregarded the police regulations [6] and the maid of Jörg Michel Blözen made a promise of marriage, Hans Jörg Alho not only behaved "indecently and offensively," but also, as the record states, beat the blacksmith Bohler black and blue. In return, the groom's father-in-law, the aforementioned blacksmith from Uttenhofen, had behaved no better, striking Alho "on the head and pulling out his hair" [7].

 It is somewhat surprising that striking someone carried the same penalty as insults. Thus, the subject Michael Deininger from the small hamlet of Röthenhof beat his neighbor, "Johann Georg Schneider's wife", and only had to pay 1 gulden [8], as did a resident of Bibersfeld who had "unbelievably accused" the mayor in charge of him of having done something, which was apparently also dealt with under insults [9].

 

Dem Bräutigam mit dem Dreispitz hier im Bild wurden gewiss nicht die Haare ausgerupft! - The groom in this picture with the tricorn lost not his hair because it was plucked out! (Foto: S. Winter, 2018)

Nicht immer führten Beschimpfungen zu Schlägereien wie im Falle von Muglers Hochzeit, sondern viele mündeten nur in geringen Amtsstrafen wie bei Hans Jörg Schwarzer aus Westheim, der Conrad Hofmann "geschmäht" hatte, wobei sich bei der Streiterei scheinbar ein Wort das andere gab, so dass beide 1 Gulden Strafe zahlen mussten [10] - immerhin mehr als für unerlaubtes oder zu langes Tanzen [11].

Interessant wird es, wenn wir erfahren, warum jemand geschmäht wurde. So kamen sich der Comburger Untertan Kurtz aus Hagenbach und Johann Georg Haas, der "Ziegler" gewesen sei "wegen Abgrabung eines UnterRains" ins Gehege, weshalb Haas den Comburger Untertan schmähte und im Gegenzug als "4 fachen Schelmen" bezeichnete, was scheinbar so schwer wog, dass Kurtz 15 ß mehr als Haas zahlen musste [12].

Insults didn't always lead to brawls, as in the case of Mugler's wedding; many resulted only in minor fines, as in the case of Hans Jörg Schwarzer from Westheim, who had "insulted" Conrad Hofmann. During the argument, one word apparently led to another, so that both had to pay a fine of 1 gulden [10] – still more than for unauthorized or excessively long dancing [11].

It becomes interesting when we learn why someone was insulted. For example, the Comburg subject Kurtz from Hagenbach and Johann Georg Haas, who was a "bricklayer," got into a dispute "over the digging of a lower ravine." Haas insulted the Comburg subject and, in turn, called him a "fourfold scoundrel," which apparently carried so much weight that Kurtz had to pay 15 shillings more than Haas [12].


Ein Amtmann mit seinem Amtsschreiber in Kleidung der 1740er. - The "Amtmann" with his secretary in typical 1740s clothes. (Foto: C. Hanselmann, 2014)

Montag, 2. März 2026

Seuchen und Krisen 1626 - Plagues and Crisis in 1626

Die große in Württemberg grassierende Seuche, die nicht zuletzt von den Söldnern wie denen unter Sachsen-Lauenburg eingeschleppt wurde, ist kein vorrangiges Thema auf unserer Veranstaltung. Dennoch will ich es nicht so ganz unerwähnt lassen. In einer Haller Chronik wird die Dramatik der Ereignisse im angrenzenden Württemberg geschildert, Dort regnete es 10 Wochen lang, so dass das Korn ungenießbar wurde, die Ärmsten, die von ihrem Handwerk nicht mehr leben konnten, gezwungen waren "Graßdisteln, Melten und dergleichen" zu verzehren. Noch härter soll es Bayern getroffen haben, weil man dort sehr einseitig auf den Anbau von Roggen setzte, wodurch viele ihr Land verließen und in Württemberg oder gar dem Elsass betteln gehen mussten. Auf die Missernte folgte in Württemberg die Pest, von der 28.000 Menschen dahingerafft wurden [1].

The great epidemic raging in Württemberg, which was brought in part by mercenaries like those under Saxe-Lauenburg, is not a primary topic at our event. Nevertheless, I don't want to leave it entirely unmentioned. A chronicle from Hall describes the dramatic events in neighboring Württemberg. There, it rained for ten weeks straight, rendering the grain inedible, forcing the poorest, who could no longer make a living from their trades, to eat "grass thistles, ragwort, and the like." Bavaria was said to have been hit even harder because of its heavy reliance on rye cultivation, which led many to abandon their land and beg in Württemberg or even Alsace. The crop failure in Württemberg was followed by the plague, which claimed the lives of 28,000 people [1].

Wir haben damals keine Disteln gekocht auf unserer Landleben 1619 Veranstaltung. - We didn't cook any thistles on our Landleben 1619 event. (photo: S. Winter, 2019)


Die Auswirkungen der Krise sieht man auch im Kleinen, beispielsweise wenn wiederholt Bäcker in Schwäbisch Hall wegen "übel gebackenen" Brot wie David Hoffmann am 12. Mai 1626 oder "zu gering gebackenen Brodt" wie Endris Löchner belangt wurden. Die Reichsstadt hatte klare Maße, welche die Bäcker bei einem gewissen Brotpreis, der vom Magistrat erhöht oder gesenkt werden konnte, eingehalten werden musste, wenn man nicht wie hier mit 4 Talern Strafe belegt werden wollte. Bezeichnenderweise ging die Hälfte von Hoffmanns Strafe, also 2 Taler, an den Haller Bettelvogt [2]. Der Rat erließ im 17. Jahrhundert mehrfach Verbote einheimisches Brot oder Getreide ohne Wissen des Rates auszuführen. Da scheint es beinahe übermäßig milde, wenn dem "weib" des Balthasar Widmann nur eine Strafe von 2 Gulden auferlegt wurde, weil sie "Burgers brot hinaus geben" [3]. Die Vergehen wegen veruntreuten Brotes häufen sich im Frühsommer 1626. Besonders schwer wurde der Bäcker Hans Caspar Glock bestraft, weil er im Juli 40 Laib Brot "zunicht gebacken" wofür er nicht weniger als 12 fl Strafe zahlen musste [4].

The effects of the crisis can also be seen on a smaller scale, for example, when bakers in Schwäbisch Hall were repeatedly fined for "poorly baked" bread, as David Hoffmann was on May 12, 1626, or for "bread baked too thinly," as Endris Löchner was. The imperial city had strict regulations that bakers had to adhere to at a certain bread price, which could be raised or lowered by the city council, if they wanted to avoid a fine of 4 talers, as in this case. Significantly, half of Hoffmann's fine, 2 talers, went to the Hall beggar bailiff [2]. During the 17th century, the council repeatedly issued prohibitions against exporting local bread or grain without its knowledge. In comparison, it seems almost excessively lenient that Balthasar Widmann's wife was only fined 2 guilders for "giving away citizens' bread" [3]. Offenses involving embezzled bread increased in the early summer of 1626. The baker Hans Caspar Glock was punished particularly severely because he "wasted" 40 loaves of bread in July, for which he had to pay a fine of no less than 12 florins [4].

Arbeit am Backofen bei Landleben 1625. - Work at the oven on our Landleben 1625 event. (photo: S. Winter)

Dienstag, 10. Februar 2026

Das württembergische Zollhaus in Bubenorbis 1626 - The Wurttemberg customs house at Bubenorbis in 1626

Dieses Jahr soll es auch um das Zollhaus in Bubenorbis im Jahr 1626 gehen. Die Geschichte der Querelen zwischen der Reichsstadt Schwäbisch Hall und dem Herzogtum Württemberg wegen dem Zoll- und Wirtshaus ist lang. Zwar musste die Reichsstadt 1532 die Zugehörigkeit der Schmiede und des Zollhauses in Bubenorbis zu Württemberg anerkennen, aber nach der Wiedererrichtung des Zoll- und Wirtshauses 1558 vermehrten sich eher die Konflikte mit Hall. Ihren Höhepunkt fanden sie in dem Zusammenstoß zwischen dem württembergischen Zöllner Matthias Dörner und zwei Haller Metzgermeistern, deren Hirte 1564 brutal vom Zöllner angegriffen wurde. Obwohl die beiden Metzger Römig und Groß beteuerten den Zoll für ihre hundert Schweine entrichtet zu haben, setzte sich der Zöllner anschließend mit Unterstützung von Seiten seiner Landesherrschaft durch und die Haller Metzger sollten bestraft werden, statt dem übergriffigen Zöllner, der behauptet hatte, dass er von den Hallern mit Wehr und Büchse bedroht worden war, zu veruteilen. Immerhin erfahren wir, dass die Metzger damals hätten 8 Schilling Zoll für ihre Schweine entrichten müssen [1].

This year's focus will also be on the customs house in Bubenorbis in 1626. The history of the disputes between the Imperial City of Schwäbisch Hall and the Duchy of Württemberg over the customs house and inn is long. Although the Imperial City had to acknowledge the Württemberg affiliation of the smithy and customs house in Bubenorbis in 1532, conflicts with Hall only intensified after the customs house and inn were rebuilt in 1558. These conflicts culminated in the clash between the Württemberg customs officer Matthias Dörner and two master butchers from Schwäbisch Hall, whose shepherd was brutally attacked by the customs officer in 1564. Although the two butchers, Römig and Groß, insisted they had paid the toll for their one hundred pigs, the toll collector subsequently prevailed with the support of his sovereign, and the Haller butchers were to be punished instead of condemning the overzealous toll collector, who had claimed that he had been threatened with weapons and a rifle by the Haller men. We do, however, learn that the butchers would have had to pay 8 shillings in toll for their pigs at that time [1]. 

 

Württembergische Musketiere 1623 anlässlich des Einrückens der Kompanie des Hammer von Marbach mit Fahne. - Musketeers from Württemberg in 1623 during the indent of Hammer of Marbach's company with their flag. (photo: A.-K. Kemmer)

Dienstag, 13. Januar 2026

Die Haller besetzen die Heg - The people of Hall occupy the border 1626

Bewaffnete Bauern an einem Durchgang der Heg bei Landleben 1619. - Armed peasants at a passage through the heg on our Landleben-1619 event. (photo: A. Schwark)


Dieses Jahr gibt es auf unserer Landleben-Veranstaltung zwei unterschiedliche Themen, die nicht viel miteinander zu tun haben: das Zollhaus von Bubenorbis und die Besetzung der Landheg durch Untertanen und Bürger von Schwäbisch Hall.

This year, our Landleben-event will feature two different topics that don't have much to do with each other: the customs house of Bubenorbis and the occupation of the Landheg by subjects and citizens of Schwäbisch Hall.

Dieses Gemälde zeigt wie Söldner ihre Waffen abgeben. Es bildet aber auch umgedreht wahrscheinlich die Ausstattung von Bewaffneten ab. - That painting shows mercenaries giving back their weapons. But in contrary it maybe illustrates well how soldiers were equiped. Pauweis van Hillegaert: "The disbanding of the "Wardtgelders" by prince Maurits" 1627, Rijksmuseum Amsterdam (photo: A. Hanselmann, 2023)

Ähnlich wie schon 1619 doch mit weniger dramatischem Ausgang [1], wurden auch 1626 erneut Bauern und andere Landleute zur Besetzung der Landheg aufgeboten. Der Haller Rat befürchtete einen erneuten Einfall kaiserlicher Reiter [2], daher ließ er immerhin 300 Bürger aufbieten und nach Lachweiler an die Heg führen [3]. Die Bürger, die ja in den Stadtkompanien organisiert waren, wurden einige Wochen vor dem Ausmarsch am 8. Mai 1626 auf der Unterwöhrd gemustert. Schon am 23. Mai schickte man an einen "Geheimen von Hohenlehr" ein Schreiben, worin man bereits das Vorhaben bekundete aus Bürgern "und Bauren" einen "Ausschuss zumachen". Die Besetzung der "Schlupf" sollte unter der Führung des Stadthauptmannes geschehen [4].  In der Nacht vom 24. auf den 25. Mai lagerten 300 Mann aus dem Bühler-Amt auf der Michelfelder Heide. Dann marschierten diese weiter Richtung Lachweiler und vereinigten sich mit 400 Bürgern, die aus Hall angerückt kamen. So befand sich dann eine Streitmacht von 1.000 Mann schließlich bei Lachweiler an der Landheg. Eine Art Hauptquartier dürfte die 7-köpfige Abordnung des Haller Magistrats gebildet haben [5], die im Stock-Wirtshaus [6] untergebracht war. Am 25. Mai musste der Haller Rat 150 Laibe Brot und 11 Eimer Wein an die versammelten Männer austeilen lassen. Am 26. Mai wurden immerhin noch 120 Laibe und 4 Fässer Wein ausgegeben. Als am 27. Mai die Lebensmittel ausgingen, gab der Haller Kanzlist den Befehl zum Rückmarsch [7]. Später hat man den nicht stattgefundenen Einfall durch die Aufbietung dieser Kontingente erklärt [8]. Holderbusch untermauert den Eindruck der reinen Abschreckung. So wären die befürchteten heran rückenden Reiter 500-600 Mann stark gewesen, hätten aber den hällischen Ausschuss ihrerseits für 3-4000 Mann stark gehalten und daher vom Eindringen aus dem Weinsperger Tal Abstand genommen und wären wieder abgezogen [9].

Similar to 1619, but with a less dramatic outcome [1], peasants and other rural people were again called up to occupy the Landheg in 1626. The Hall council feared another invasion by imperial cavalry [2], therefore it called up 300 citizens and led them to Lachweiler at the Heg [3]. The citizens, who were organized into the town companies, were mustered at Unterwöhrd a few weeks before the march on May 8, 1626. As early as May 23, a letter was sent to a "Secretary von Hohenlehr" announcing the intention to form a "committee" from citizens "and peasants." The garrison of the "Schlupf" (a fortified position) was to be under the command of the town captain [4]. On the night of May 24-25, 300 men from the Bühler district camped on the Michelfeld Heath. They then marched on towards Lachweiler and joined up with 400 citizens who had arrived from Hall. Thus, a force of 1,000 men was eventually stationed near Lachweiler at the Landheg (a defensive earthwork). A kind of headquarters was likely formed by the seven-member delegation from the Hall magistrate [5], who were housed in the Stock Inn [6]. On May 25, the Hall council had to distribute 150 loaves of bread and 11 buckets of wine to the assembled men. On May 26, at least 120 loaves and 4 barrels of wine were distributed. When the food ran out on May 27, the Hall clerk gave the order to march back [7]. Later, the failure to invade was explained by the mobilization of these contingents [8]. Holderbusch reinforces the impression of pure deterrence. The feared approaching cavalry would have numbered 500-600 men, but they themselves estimated the Hallian contingent to be 3000-4000 men strong and therefore refrained from invading from the Weinsperger Valley and withdrew [9].


Ein weiteres Detail des Gemäldes. Wie die Reiter auf der Linken des Gemäldes darf man sich wahrscheinlich auch Offiziere wie Rauchhaubt vorstellen. - One more detail of the same painting. Maybe Rauchhaubt was looking like the riders at the left. (photo: A. Hanselmann, 2023)


Durch die Chronik des J. K. Holderbusch - ein Zeitgenosse, der auch seine persönlichen Ansichten mit einstreute - wissen wir sehr detailiert über den turbulenten Auszug an die Heg und die Unterbringung der Männer bescheid [10]. Man musste Bürgerquartiere nehmen, denn im Zeughaus von Schwäbisch Hall sind auf jeden Fall keine Zelte 1619 dokumentiert worden [11]. Der Ort Stock, der bei German erwähnt wird, bestand nur aus dem Wirtshaus selbst, während Lachweiler damals nur ein kleiner Weiler war und wohl ebenfalls keine 1.000 Bewaffnete untergebracht hätte. Auch ist kein eigener Fuhrpark dokumentiert, welcher den Antransport der Brote hätte bewerkstelligen können. Bei Anlässen wie der Fronarbeit auf der Molkensteiner Wiese wurden Fuhrwerke von Untertanen gegen Bezahlung organisiert. Noch im 18. Jahrhundert sollten für den Transport kranker Soldaten Ochsenfuhrwerke aufgeboten werden [12]. Holderbusch sagt, die Bürger wären "theils beim Stock, theils zu Mainhard, theils im neuen Wirthshaus und theils beim Fuxschwanz gesessen, zecht und sich ergözt". Die Versorgungslage kann insgesamt nicht so gut gewesen sein, denn die Frauen seien aus der Stadt gelaufen und haben den vielen Bürgern "tapfer zu essen und zu trinken gebracht" [13]. 

Thanks to the chronicle of J. K. Holderbusch—apparently a contemporary who also included his personal views—we know in great detail about the turbulent exodus to the Heg and the accommodation of the men [10]. They had to take up quarters with local citizens, as no tents are documented in the armory of Schwäbisch Hall in 1619 [11]. The Stock hamlet, mentioned by German, consisted only of the inn itself, while Lachweiler was then just a small hamlet and probably could not have accommodated 1,000 armed men either. No dedicated fleet of vehicles is documented that could have transported the bread. On occasions such as the forced labor on the Molkenstein meadow, carts were organized by subjects for a fee. Even in the 18th century, oxcarts were to be used to transport sick soldiers [12]. Holderbusch says that the citizens were "partly at the Stock, partly at Mainhard's, partly in the new inn and partly at the Fuxschwanz, drinking and enjoying themselves". The overall supply situation cannot have been so good, because the women ran out of town and "bravely brought food and drink" to the many citizens [13].


Ein bewaffneter Bürger auf unserer Landlebenveranstaltung 2025. - An armed citizen at our Landlebenveranstaltung. (photo: D. Klotz 2025)

Spannenderweise erfahren wir aber sogar, was mit Bürgern geschah, die nicht der Aufforderung an die Heeg zu marschieren nachkamen. Es findet sich nämlich der aus Unterlimpurg [14] stammende Lienhardt Greiner, der am 21. Juni 1626 2 Gulden Strafe zahlen musste, weil er "ungehorsam gewest" und unterlassen hatte "sich bei der heeg einzustellen" wie es in einer Auflistung der Strafen heißt [15]. Holderbusch erwähnt sogar "150 ungehorsame Burgersöhne", die nicht nur mit den besagten 2 fl Strafe belegt sondern bei Wiederholung der Tat auch samt "Weib und Kinder" zur Stadt "hinaus geschafft" werden sollten nachdem man ihnen das Bürgerrecht entzogen habe [16]. Es gab aber nicht nur Strafen in dem Zusammenhang, so wurde beschlossen denen "so uff dem Lanthuren Wacht gehalten" ein "Wachtgelt" in Höhe von 12 ß zu zahlen [17].

Intriguingly, we even learn what happened to citizens who did not comply with the order to march to the town crier. For example, there is Lienhardt Greiner from Unterlimpurg [14], who had to pay a fine of 2 guilders on June 21, 1626, because he had been "disobedient" and had failed to "report to the town crier," as stated in a list of fines [15]. Holderbusch even mentions "150 disobedient sons of citizens" who were not only fined the aforementioned 2 guilders but, if they repeated the offense, were also to be "taken out of the city" along with their "wives and children" after their citizenship had been revoked [16]. However, there were not only penalties in this context; it was decided to pay a "watch fee" of 12 shillings to those "who kept watch on the Landtower" [17].


So wird wohl das Lager der Haller nicht ausgesehen haben. Es ist aber sehr anschaulich. (Germanisches Nationalmuseum Nürnberg) - The camp of the citizens of Hall naturally was not looking so. But these models are very nice. (Germanisches Nationalmuseum) [18] (photo: C. Hanselmann, 2023)

 

Freitag, 11. April 2025

Viel erlebt im März - A lot in March

Dieses Jahr habe ich viel für das nächste Jahr recherchiert. Das ist eher ungewöhnlich, liegt aber nicht zuletzt daran, weil ich das Buch von Wilhelm German [1] relativ günstig erwerben konnte. In diesem Versuch einer Haller Chronik gibt es einfach Hinweise auf Ereignisse, die man anderswo nicht findet. In derselben Zeit waren auch unsere Mitstreiter nicht untätig. Ein Darsteller bereitet die Schützenscheibe für 1625 [2] zu.

This year I've done a lot of research for next year. This is rather unusual, but it's not least because I was able to acquire Wilhelm German's book [1] relatively inexpensively. This attempt at a Hall chronicle simply contains references to events that cannot be found elsewhere. During this same period, our fellow campaigners were also not idle. A performer prepares the shooting target for 1625 [2].

Einer unserer Darsteller [3] hat die Ausstattung als Kürisser begonnen fertigzustellen. Das passt natürlich zu den 1625 einquartierten Kürissern. - One of our participants had started to finish his equipment for a cuirassier. Naturaly that's for our 1625 event. (photo: Daniel Klotz, 2025)




Wir waren auch in Köln, wo ich mich davon überzeugen ließ, dass es in der Stadt ein paar aus unserem Blickwinkel interessante Ecken gibt - sogar ein paar Stadthäuser aus dem 17. Jahrhundert. Wir haben in diesem Monat noch ein wenig Honours of War gespielt und sogar zwei verschiedene Schlachten. Von einer der beiden kann ich hier Bilder zeigen.

We also went to Cologne, where I was convinced that the city has a few interesting spots from our perspective—even a few 17th-century townhouses. We played a bit of Honours of War this month and even played two different battles. I can show pictures of one of them here.

Hier die preußische Wagenkolonne in dem Gefecht bei Domstadtl 1758. - Here the Prussian column of waggons at the encounter at Domstadtl in 1758. (photo: L. Fischer)

Zieten kommt heran um die Kolonne vor dem Angriff der Österreicher unter Laudon zu retten. - Zieten is coming to rescue the column while Laudon's Austrians are attacking. (photo: L. Fischer)

Ich spielte einen Teil der Österreicher unter Siskowitz und wir hatten kaum eine Chance gegen die preußische Infanterie. Daher konzentrierten wir uns darauf so schnell wie möglich Wagen zu erobern und die weniger gute Eskorte des Zuges zu schlagen. - I played a section of the Austrians under Siskowitz and we had little chance against the Prussian infantry. Therefor we were much focussed on taking the waggons and to rout the weaker parts of the escort. (photo: L. Fischer)

Donnerstag, 3. April 2025

Die Achtung vor dem Amtmann - The respect for the bailiff (in 1775)

Es ist spannend wie penibel die Amtspersonen im 18. Jahrhundert auf ihre Würde achteten. So bestand man darauf, dass dem Amtmann die nötige Achtung entgegen gebracht wurde. Wir versuchen das auch auf unseren Veranstaltungen in unserem Verhalten widerzuspiegeln. Normalerweise findet man keine Vergehen, die sich gegen die Würde der Obrigkeit verging, was auch heißen kann, dass man früher nicht so akribisch darauf geachtet hatte. Es ist indessen auch nicht so, dass die Vertreter der Reichsstadt in der Fläche wie die Schultheißen selbst immer ganz vorbildlich sich verhielten. So habe ich in den Jahren meiner Recherchen schon einmal einen Schultheiß gefunden, der mehrfach straffällig wurde indem er einfach so Einwohner seines Dorfes mit seiner Flinte bedrohte und beschimpfte.

It is exciting how meticulously officials in the 18th century paid attention to their dignity. So it was insisted that the bailiff was shown the necessary respect. We also try to reflect this in our behavior at our events. Normally you don't find any offenses against the dignity of the authorities, which may also mean that they weren't so meticulous in the past. However, it is not the case that the representatives of the imperial city in the area, like the mayors themselves, always behaved in an exemplary manner. In the years of my research, I have already found a mayor who committed multiple crimes by simply threatening and insulting the residents of his village with his gun.

Der Amtmann 1763 im Steigengasthaus mit dem damaligen Pfarrer und seiner Frau. Bei Kirchenvisitationen speiste der Amtmann regelmäßig mit den Pfarrern in den Wirtshäusern in seinem Amt. - The bailiff in the tavern together with the vicar and his wife in 1763. At the occassion of the "Kirchenvisitationen" the bailiff regulary took his meal with the priests in the inns of his district. (photo: M. Paulick 2013)

 

Konkrete Beispiele findet man immer wieder in einer der besten Quellen zum Leben der Bauern untereinander und mit der Obrigkeit in Form der Amtsrechnungen. Die Häufung solcher Fälle von scheinbar gedemütigtem Stolz der Vertreter des Staates ist 1775 aber wirklich ungewöhnlich. Ich habe ja zuvor bereits viele Amtsrechnungen anderer Jahre durchgesehen. Ein Bauer aus Hegenau[1] beispielsweise trat am 25. Juli vor eine Deputation ohne seinen Hut abzuziehen, wobei es scheinbar allein schon schlimm genug war, dass er die „HeydStuben“ betrat mit Hut auf dem Kopfe. Der Bauer sollte 1775 1 fl. Strafe für diese „Grobheit“ bezahlen[2]

Concrete examples can always be found in one of the best sources on the lives of farmers among themselves and with the authorities in the form of official accounts. The accumulation of such cases of seemingly humiliated pride among state representatives is really unusual in 1775. I have already looked through many official accounts from other years. A farmer from Hegenau[1], for example, appeared before a deputation on July 25th without taking off his hat, although it was apparently bad enough that he entered the “HeydStuben” with a hat on his head. In 1775 the farmer had to pay a fine of 1 fl. for this “rudeness” [2].

 

Der Amtmann siegelt 1769 ein Schreiben. - The bailiff put his seal on a writing in 1769. (photo: C. Behnke, 2019)

Ebenso wollte auch ein Schultheiß keinen Schimpf auf sich sitzen lassen. So verklagte der Schultheiß des kleinen Dorfes Rieden einen Hans Jörg Weidner, ebenfalls von dort, der ihn damit beleidigt haben soll, dass er angeblich besser zum „Eselstreiber“ statt zum Schultheißen getaugt hätte[3]. Wenige Tage danach am 12. August verging sich auch ein Bauer, Jörg Adam Haug, aus Biebersfeld, welcher die Herrschaften in der Amtsstube geärgert habe indem er ohne anzuklopfen und mit dem Hut auf dem Kopf eingetreten sei[4]. Leider wird die Amtsstube nicht näher beschrieben und ich habe bislang nichts weiter darüber gefunden. Der Amtmann des Amtes Rosengarten selbst hatte auf dem Land keinen Amtssitz[5] sondern wohnte in den Mauern der Reichsstadt, wo er bei Anliegen der Untertanen wie Anzeigen von Straftaten scheinbar in ihrer Privatwohnung aufgesucht wurde.

Beleidigungen mit groben Worten wurden aber härter geahndet. Ähnlich wie es dem Riedener Schultheiß ergangen war, wurden auch die beiden Schultheißen [6] von Uttenhofen und auch der dortige Wirt Seckel durch Friedrich Zörn "elende Tropfen" genannt, wofür Zörn immerhin 3 fl. Strafe zahlen musste [7].

Likewise, a mayor (Schultheiß) did not want to endure any insults. The mayor of the small village of Rieden sued Hans Jörg Weidner, also from there, who is said to have insulted him by saying that he would have been better suited to be a “donkey driver” instead of a mayor[3]. A few days later, on August 12th, a farmer, Jörg Adam Haug, from Biebersfeld, also committed himself because he annoyed the people in the office by entering without knocking and with his hat on his head[4]. Unfortunately, the office is not described in more detail and I have not found anything further about it so far. The bailiff of the Rosengarten office himself did not have an official residence in the countryside[5] but lived within the walls of the imperial city, where they were apparently visited in their private apartment if their subjects had concerns such as reporting crimes.

However, insults with harsh words were punished more severely. Similar to what happened to the Rieden mayor, the two mayors [6] of Uttenhofen and the local innkeeper Seckel were called "miserable drops" by Friedrich Zörn, for which Zörn had to pay a fine of 3 fl. [7].

Freitag, 14. Februar 2025

Salzträger und Salzkärrner - Salt carriers and salt carters

 Dieses Jahr soll das Thema unserer Veranstaltung im August der Transport von Salz sein. Das ist ziemlich anspruchsvoll, da wir dazu zum einen sehr viel recherchieren mussten und zum anderen auch der Forschung manche Details nicht ganz bekannt sind. So scheint es auch dem Experten unglaubwürdig, wenn wir erfahren, dass die Salzträger 6-8 Meß Salz (das wären 98 bis 130 Kilo) geschleppt haben sollen [1].

This year the theme of our event in August will be the transport of salt. This is quite challenging because, on the one hand, we had to do a lot of research and, on the other hand, some details are not entirely known to researchers. It also seems unbelievable to the expert when we learn that the salt carriers were said to have carried 6-8 measuring salt (that would be 98 to 130 kilos) [1].

In die Kiepe von dem Mann links passen sicher keine 6-8 Meß Salz. - It seems that there are not 6-8 "Meß" of salt in the basket of the men at the left. (Foto: Michael Paulick, 2010 - von unserer ersten Anno Domini-Veranstaltung!)

 

Wie dem auch sei, darf man sich das Leben des Salzträgers für die Haller im Jahre 1775 als wohl kein besonders rosiges vorstellen. Der Verdienst, auf den wir weiter unten eingehen werden, war so gering, dass er den Bewohnern landwirtschaftlich besser nutzbarer Gebiete als zu unlukrativ erschien. Daher übernahmen beinahe ausschließlich die Leute des Mainhardter Waldes, von denen in den 1750ern bis 70ern einige Räuber wurden, aus Not diese Arbeit als Nebenerwerb [2]. Immerhin waren die Salzträger offenbar anders als die Fuhrleute durch die von der hällischen Obrigkeit eingerichteten Einschränkungen auf Straßen und Wegen weniger betroffen. Die Landheeg und anderen Einrichtungen sollten ja dazu dienen die Warentransporte durch das Land zu steuern [3] und beispielsweise die Kaufleute dazu zwingen bestimmte Straßen zu verwenden an denen die Zollstationen von Schwäbisch Hall - wie beispielsweise am Michelfelder Landturm - lagen. Dahingegen bewegten sich die Salzträger recht frei durch das Land, was wir daran sehen wie wenig Notiz man zum Beispiel von den Räubern nahm, die getarnt als Salzträger an einem der großen Coups - dem Überfall auf die Postkutsche an der Cröffelbacher Steige 1768 [4]. Auch das Ende der Mainhardter Bande 1773 [5] stellte keine Zäsur für den Salztransport dar, auch wenn einige Salzträger dadurch ihr Leben verloren. Im Gegenteil war durch die Inovationen in der Salzgewinnung [6], die zu einer Erhöhung der Produktion von 20.000 Zentnern auf 65.000 bis 80.000 Zentner die Mengen, die transportiert werden mussten, entsprechend auch gewaltig gestiegen.

Be that as it may, one cannot imagine the life of the salt carrier for the people of Hall in 1775 as being particularly rosy. The income, which we will discuss below, was so low that it seemed too unlucrative to the residents of areas with better agricultural use. Therefore, almost exclusively the people of the Mainhardt Forest, some of whom became robbers in the 1750s to 70s, took on this work as a sideline out of necessity [2]. After all, unlike the carters, the salt carriers were apparently less affected by the restrictions on roads and paths imposed by the Hellenic authorities. The Landheeg and other facilities were intended to control the transport of goods through the country [3] and, for example, to force merchants to use certain roads on which the customs stations of Schwäbisch Hall - such as the Michelfelder Landturm - were located. The salt carriers, on the other hand, moved quite freely through the country, which we can see in how little attention was paid to the robbers, for example, who, disguised as salt carriers, took part in one of the big coups - the attack on the mail coach on the Cröffelbacher Steige in 1768 [4]. The end of the Mainhardt gang in 1773 [5] did not represent a turning point for salt transport, even if some salt carriers lost their lives as a result. On the contrary, due to the innovations in salt production [6], which increased production from 20,000 hundredweight to 65,000 to 80,000 hundredweight, the quantities that had to be transported also increased enormously.

Samstag, 4. Januar 2025

Allerhand Einquartierungen Anno 1625 - Some billeting in 1625

Die diesjährige Veranstaltung in unserer Landleben-Reihe wird die "Wunderzeichen" behandeln, welche die Menschen im 17. Jahrhundert besonders beachteten. Man denke an den Kometen über Augsburg von 1618. Im Jahr 1625 wurden drei Regenbogen übereinander wahrgenommen und ein See bei Esslingen soll sich rot verfärbt haben [1]. 

This year's event in our Country Life series will focus on the "miracle signs" that people in the 17th century paid particular attention to. Think of the comet over Augsburg in 1618. In 1625, three rainbows were seen one above the other and a lake near Esslingen is said to have turned red [1].


Ein einquartierter bayerischer Söldner - hier ein Musketier. -  
A quartered Bavarian mercenary - in this case a musketeer. (Foto: C. Hanselmann, 2021)

 

Anders als 1624 lassen sich konkrete Einheiten fassen, die in das hällische Territorium eindrangen, welches ziemlich hilflos den Einquartierungen gegenüber stand. Am Ostermontag 1625 kamen 1.000 Reiter [2] ins Hällische, die in den Dörfern Haßfelden, Hohenberg, Hörlebach, Altdorf und Wolpertshausen sowie die Stadt Ilshofen einquartiert wurden [3]. Kurz nach den Abzug dieses kaiserlichen Reiterregiments im Mai kamen 80 Fahnen bayerischer Reiterei und wurden in und um Sulzdorf ab dem 27. Mai untergebracht [4]. Wie wir das schon aus früheren Jahren aus Chroniken kennen, wo es heißt man habe dem "Reutter" einen Taler unter den Teller legen müssen [5] - so taten sich diese Reiter insbesondere durch Gelderpressungen hervor. Zu kämpfen gab es im Hällischen ohnehin nicht. Oberst Truchseß richtete sein Hauptquartier im Wirtshaus von Michelfeld ein [6]. Der Wirt, Hans Eckh, geriet kurz zuvor am 8. April 1625 bereits in Konflikt mit dem Rat von Schwäbisch Hall über eine Forderung, weshalb ihm von Seiten der Reichsstadt eine Strafe angedroht wurde [7]. Die Reitertruppen unter Truchseß wurden von Münkheim im Norden bis Westheim im Süden verstreut auf die Dörfer untergebracht und behielten 100 Paar Ochsen, die ihnen von Hall zum Vorspann gestellt worden waren [8] [9]. Zu den erpresserischen Methoden der Reiterregimenter passt sehr gut, dass man für 1.000 Taler nicht nur das Einrücken weiterer 4 Cornets abwendete, sondern auch den Amtsvorsteher des Amtes Jenseits der Bühler namens Balthasar Moser auslöste, den die Soldaten entführt hatten.

In contrast to 1624, concrete units can be identified that penetrated the Hellenic territory, which was quite helpless in the face of the billetings. On Easter Monday 1625, 1,000 riders [2] came to Hällisches, who were quartered in the villages of Haßfelden, Hohenberg, Hörlebach, Altdorf and Wolpertshausen as well as the town of Ilshofen [3]. Shortly after the withdrawal of this imperial cavalry regiment in May, 80 flags of Bavarian cavalry arrived and were housed in and around Sulzdorf from May 27th [4]. As we already know from chronicles in previous years, where it is said that one had to put a thaler under the plate of the "Reutter" [5] - these riders particularly distinguished themselves by extorting money. There was no fighting in Hell anyway. Colonel Truchseß set up his headquarters in the Michelfeld inn [6]. Shortly before, on April 8, 1625, the innkeeper, Hans Eckh, came into conflict with the council of Schwäbisch Hall over a demand, which is why the imperial city threatened him with a punishment [7]. The cavalry troops under Truchseß were scattered across the villages from Münkheim in the north to Westheim in the south and kept 100 pairs of oxen that had been provided to them by Hall [8] [9]. The blackmailing methods of the cavalry regiments are very consistent with the fact that for 1,000 thalers they not only averted the arrival of another 4 cornets, but also released the head of the office Beyond the Bühler named Balthasar Moser, whom the soldiers had kidnapped.

Donnerstag, 31. Oktober 2024

Eindrücke aus Schwäbisch Hall

Heute, am Reformationstag, sind wir zurück aus Schwäbisch Hall. Wir waren vor allem dort um das Archiv aufzusuchen und dort für die nächstjährigen Veranstaltungen zu recherchieren. Unser Fokus ist diesmal auf den Salzhandel um 1775, Fuhrleute, Träger und Diebe gewesen. Vor allem die Ratsprotokolle von 1775 sind da sehr ergiebig gewesen [1]. Soweit es die Zeit zuließ, die wir an den beiden Tagen in Hall hatten durchsuchten wir auch Inventare aus diesem Jahr [2].

Abendstimmung am Kocher. (Foto: C. Hanselmann, 2024)


Zufälligerweise stießen wir dabei auch auf das Inventar eines Bürgers von Hall aus dem frühen 17. Jahrhundert [3], das wir zu einem späteren Zeitpunkt gesondert darstellen werden. Im 17. Jh. gestaltet sich die Recherche wegen der schwer leserlichen Schrift und den sehr dünnen Angaben in den Ratsprotokollen stets sehr schwierig. Immerhin haben wir in einer Chronik aus dem frühen 20. Jh. [4] einige weitere Anhaltspunkte zu den Ereignissen 1625 gefunden, die so in der Form bei Riegler [5] nicht zu finden waren.

Freitag, 5. April 2024

Historiker von nebenan/historians alongside: Daniel Klotz P 1

Hallo lieber Daniel,

ich habe mir überlegt, dass es für ein Interview mit Dir jetzt die richtige Zeit ist, da die Eindrücke der Veranstaltung noch recht frisch sind. Du darfst unser Gespräch auch gerne als Werbung für Dein Regiment Wolf nutzen.
 
Ich habe es ja bei Deinem Vortrag zu Einquartierungen in Wackershofen am Ostersonntag [1] schon gehört, aber willst Du kurz vorstellen, was Du im Hobby machst und ob das mit dem Beruf zu tun hat?
 

Daniel Klotz: Hallo André,

 

Ja sehr gerne! Ich denke da bekommen wir einige interessante Inhalte zusammen für das Interview.

 

Ich betreibe Reenactment im „Kurbairischen Dragonerregiment Johann Wolf e. V.“. Wir sind über 50 Mitglieder aus ganz Deutschland und Österreich und stellen militärisches und ziviles Leben in der zweiten Hälfte des Dreißigjährigen Krieges dar. In der Darstellung des Regiments bin ich als Unteroffizier tätig. Zudem bin ich der Verantwortliche für Ausrüstung und Bekleidung unseres Regiments. Ich kümmere mich also um alle Belange in diese Richtung und helfe unseren Mitgliedern beim Herstellen und Beschaffen und halte auch regelmäßig Workshops zum Thema ab. Im richtigen Leben bin ich eigentlich Forschungsingenieur für Medizintechnik. Ich habe beruflich also nichts mit Geschichte zu tun, wobei mir die wissenschaftliche Arbeitsweise meines Berufs auch sehr im Geschichtshobby hilft. Vor allem bei der Forschung zu unserer Regimentsgeschichte ist diese sehr hilfreich.

 

Wir sind zusammen auf der Landlebenveranstaltung 2022. - We are here together on one of the Landleben-events in 2022. (photo: Stefan Winter, 2022)



André Hanselmann: Hello dear Daniel,


I thought that now is the right time for an interview with you, as the impressions of the event are still quite fresh. You are also welcome to use our conversation as advertising for your Regiment Wolf.


I already heard it during your lecture on quartering in Wackershofen on Easter Sunday [1], but would you like to briefly introduce what you do as a hobby and whether it has anything to do with your job?


Daniel Klotz: Hello André,


Yes very much! I think we'll get some interesting content together for the interview.


I do reenactment in the “Kurbairisches Dragonerregiment Johann Wolf e. V.”. We have over 50 members from all over Germany and Austria and represent military and civilian life in the second half of the Thirty Years' War. I work as a non-commissioned officer in the representation of the regiment. I am also responsible for our regiment's equipment and clothing. So I take care of all matters in this direction and help our members with production and procurement and also hold regular workshops on the topic. In real life I'm actually a research engineer for medical technology. So my job has nothing to do with history, although the scientific approach of my job also helps me a lot in my history hobby. This is particularly helpful when researching our regimental history.


Bei dem Vortrag zu Einquartierungen im Freilandmuseum Wackershofen am 31.03.24. - At the lecture about quartering in the open air museum Wackershofen on March 31 2024. (photo: Marie Schlosser)





André Hanselmann: Ich glaube, wir haben uns durch die Talk aus der Wachtstube-Sendungen kennen gelernt [2] [3] [4]. Ich habe Dich da gesehen und dachte gleich, da gibt es ja jemanden, der recherchiert genauso intensiv wie ich. Dadurch ist es ja auch zu unserer gemeinsamen zweiteiligen Sendung gekommen [5] [6]. Hat Dich die Vorbereitung auf diese Formate auch etwas motiviert noch mehr nachzuforschen? Erzähl mal bitte wie auch ein bisschen Dein Eindruck dabei war!


Daniel Klotz: Zum Thema militärische und zivile Bekleidung und Ausrüstung recherchiere ich schon seit einiger Zeit recht intensiv. Das hängt auch damit zusammen, dass wir einen großen Teil unserer Bekleidung und Ausrüstung selbst herstellen. Da ist es einfach notwendig, viel zu recherchieren und die Ergebnisse unseren Mitgliedern zur Verfügung zu stellen. Für unsere zweiteilige Sendung über das Verhältnis von Soldaten und Landbevölkerung bei Talk aus der Wachstube habe ich mich noch einmal extra vorbereitet. Dazu kannte ich bis dahin nur die Schilderungen in der bekannteren Literatur, wie z.B. das Tagebuch des Peter Hagendorf oder die Chronik des Andechser Abtes Maurus Frisenegger, die einen guten Einstieg in das Thema bieten. Erst bei meinen Recherchen wurde mir bewusst, wie gut das Thema eigentlich publiziert ist. Neben weiteren zeitgenössischen Chroniken gibt es auch viele Fachartikel und einige Bücher, die sich mit dem Thema beschäftigen. Seitdem fasziniert mich das Thema sehr, ich recherchiere regelmäßig und kann sagen, dass ich durch unsere Sendungen und die damit verbundenen Recherchen sehr viel gelernt habe. Die Recherche zu unseren Sendungen hat mir sehr viel Spaß gemacht und wieder einmal gezeigt, wie vielfältig unser Hobby ist. Besonders spannend finde ich bei der Recherche immer wieder, wie schnell man von einer Quelle zur nächsten springt, sich vertieft, hier und da noch eine Info findet und plötzlich sind mehrere Stunden vergangen.

 

Daniel als früher Dragoner im Jahre 1624 vor dem ältesten Gebäude im Hohenloher Freilandmuseum Wackershofen. - Daniel as early dragoon in the year 1624 in front of the oldest building of the open air museum Wackershofen. (photo: Stefan Winter 2024)

 


André Hanselmann: I think we got to know each other through the Talk from the Wachtstube shows [2] [3] [4]. I saw you there and immediately thought, there is someone who researches as intensively as I do. This is how our joint two-part program came about [5] [6]. Did the preparation for these formats motivate you to do more research? Please tell me a bit about your impression of it!


Daniel Klotz: I have been researching the topic of military and civilian clothing and equipment quite intensively for some time. This is also due to the fact that we produce a large part of our clothing and equipment ourselves. It is simply necessary to do a lot of research and make the results available to our members. I made special preparations for our two-part show about the relationship between soldiers and the rural population on "Talk aus der Wachstube". Until then, I only knew the descriptions in the better-known literature, such as the diary of Peter Hagendorf or the chronicle of the Andechs abbot Maurus Frisenegger, which offer a good introduction to the topic. It was only during my research that I realized how well published the topic actually is. In addition to other contemporary chronicles, there are also many specialist articles and some books that deal with the topic. Since then, I have been very fascinated by the topic, I research it regularly and can say that I have learned a lot through our shows and the associated research. I really enjoyed researching our shows and once again showed how diverse our hobby is. What I always find particularly exciting when researching is how quickly you jump from one source to the next, delve deeper, find information here and there and suddenly several hours have passed.




André Hanselmann: Apropos Recherche. Ähnlich wie ich und Cecilia mit unserem Blog versuchst Du mit der Homepage Deiner Gruppe Dragonerregiment Wolf Wissen unter die Leute zu bringen [7]. Ich habe den Eindruck durch unsere Homepage meiner eigenen Militärgruppe [8], dass viel Wissen an einem Ort auch Außenstehende, die erstmal nichts mit unserem Hobby zu tun haben, in das Hobby lockt. Da wäre bei meiner anderen Zeitstellung der Napoleoniker, der durch Veranstaltungsberichte und Topinhalte (meistens von Oliver Schmidt [9] zusammengetragen) bei euch wahrscheinlich der Interessierte am Dreißigjährigen Krieg. Was meinst Du? Führt Information zu verteilen auch dazu, dass wir Leute für unser Hobby heiß machen? Wie sind Deine Erfahrungen auch etwa durch unsere Talkrunden?


Daniel Klotz: Auf jeden Fall! Wir erhalten regelmäßig tolle Rückmeldungen zu unserer Website von verschiedensten Personengruppen. Vor allem Lehrer, Studierende und Geschichtsvereine schauen regelmäßig auf unsere Website und nutzen die angebotenen Informationen. Oft wissen Hobbyfremde gar nicht, dass es eine Szene und Veranstaltungen zu unserer Epoche gibt. Wir haben auch schon einige Male erlebt, dass Leute sich das live anschauen wollten und zu einer Veranstaltung kamen. Aber auch innerhalb der Szene hören wir immer wieder, dass die Informationen auf unserer Website genutzt werden. Besonders beliebt ist immer unser „Zeughaus“, in dem wir selbstangefertigte Kleidung und Ausrüstung zeigen. Es freut uns auf jeden Fall sehr, wenn die Arbeit, die wir uns machen, gesehen wird und auch anderen helfen kann. Beim Talk aus der Wachstube ist es ganz ähnlich. Ich glaube, die Sendungen haben vielen Leuten gezeigt, wie interessant unsere Epoche sein kann und dass der Einstieg in unser Hobby bzw. unsere Epoche gar nicht so schwer ist. Wir selbst im Regiment haben durch die Sendungen sogar einige neue Mitglieder gewinnen können. Wir bekommen bis heute weiterhin Nachrichten von Personen, die unsere Sendungen gesehen haben und eine Frage haben, interessiert sind oder sogar mit dem Hobby beginnen wollen. 


André Hanselmann: Speaking of research. Similar to me and Cecilia with our blog, you are trying to bring knowledge to the people with the homepage of your group Dragoon Regiment Wolf [7]. I get the impression from my own military group's homepage [8] that a lot of knowledge in one place also attracts outsiders who initially have nothing to do with our hobby into the hobby. In my other time period there would be the Napoleonic, who is probably the person interested in the Thirty Years' War through event reports and top content (mostly compiled by Oliver Schmidt [9]). What do you think? Does distributing information also lead to us attracting people to our hobby? What are your experiences with our talk groups?


Daniel Klotz: Absolutely! We regularly receive great feedback about our website from a wide range of people. Teachers, students and historical societies in particular regularly check our website and use the information it offers. Often people outside the hobby don't even know that there is a scene and events related to our era. We've also experienced a few times where people wanted to see it live and came to an event. But we also hear again and again within the scene that the information on our website is being used. Our “armoury store”, where we show self-made clothing and equipment, is always particularly popular. We are definitely very happy when the work we do is seen and can help others. It's very similar with talk from the guardroom. I think the shows showed a lot of people how interesting our era can be and that getting into our hobby or our era isn't that difficult. We ourselves in the regiment were even able to gain some new members through the broadcasts. To this day, we continue to receive messages from people who have seen our shows and have a question, are interested or even want to start the hobby.

 

Als Sergeant mit Hellebarde auf einer Schlachtveranstaltung. Man beachte hier die roten Feldzeichen. -  As a sergeant with a halberd on a battle event. Please note the red field signs. (photo: Rudi Ziijlstra)

Donnerstag, 14. März 2024

Posthalter / Postmaster: Johann Caspar Schmidt

 Als 2. Teil unserer Serie von Recherchen für unsere Veranstaltung

"Anno Domini 1734 - Die Post kommt"

wenden wir uns diesmal dem Posthalter zu nachdem wir zuletzt Postreiter und Briefträger angeschaut haben [1]. Da wir im Fall des 1734 tätigen Posthalters Johann Caspar Schmidt erstaunlich viel über sein Leben wissen, werden wir weniger auf andere Beispiele schauen. Von den Haller Postreitern kennen wir ja aus der für uns interessanten Zeitspanne nur Philipp Reichart Grätter (gestorben 1724?) [2] [3] und Hans Caspar Schmidt.

 

As the 2nd part of our series of research for our event

"Anno Domini 1734 - The post is coming"

This time we turn to the postmaster after we last looked at the postman and letter carrier [1]. Since we know a surprising amount about the life of the postmaster Johann Caspar Schmidt, who worked in 1734, we will look less at other examples. Of the Hall post riders, we only know Philipp Reichart Grätter (died 1724?) [2] [3] and Hans Caspar Schmidt from the period that interests us.

Ansicht von Schwäbisch Hall nach dem großen Stadtbrand von 1728. Ganz links bei den zwei schmalen Türmen liegt die Gelbinger Gasse. - A view on Schwäbisch Hall after the great fire of 1728. At the far left near the two slim towers is the Gelbinger Gasse. (photo: André Hanselmann)


Der Posthalter war der Vorsteher einer Posthalterei. Im Falle von Schwäbisch Hall lässt sich nachweisen, dass Johann Caspar Schmidt beide Häuserhälften der heutigen Gelbinger Gasse 91 erwarb. Bereits 1692 hatte Hans Caspar Schmidt, der offenbar mit Johann Caspar Schmidt identisch ist, als Postreiter die eine Haushälfte, die seinem Vorgänger als Postreiter Phil. R. Grätter gehört hatte, der Stadt für 510 Gulden abgekauft. Am 13. September 1692 heiratete Schmidt zum ersten Mal [4]. Schmidt konnte schließlich für 490 Gulden auch die andere Haushälfte erwerben [5]. 1724 kam Schmidts Vorgänger als Posthalter namens Johann Michael Rohnfelder arbeitsunfähig ins Spital [6]. Offensichtlich war Johann Caspar Schmidt ein erfolgreicher Bürger der Reichsstadt, da er es sogar bis in das Amt eines Mitglieds des Äußeren Rates brachte. Der Äußere Rat hatte allerdings kaum Befugnisse, konnte weder in der Außenpolitik noch in der Rechtsprechung mitwirken [7], wozu freilich die oft juristisch gebildeten Mitglieder des Inneren Rates auch deutlich besser geeignet waren.

The postmaster was the head of a post office. In the case of Schwäbisch Hall, it can be proven that Johann Caspar Schmidt purchased both halves of the house at today's Gelbinger Gasse 91. As early as 1692, Hans Caspar Schmidt, who is apparently identical to Johann Caspar Schmidt, as "Postreiter", bought one half of the house that had belonged to his predecessor as Postreiter Phil. R. Grätter from the city for 510 guilders. On September 13, 1692, Schmidt married for the first time [4]. Schmidt was finally able to purchase the other half of the house for 490 guilders [5]. In 1724, Schmidt's predecessor as postmaster, Johann Michael Rohnfelder, was hospitalized because he was unable to work [6]. Apparently Johann Caspar Schmidt was a successful citizen of the imperial city, as he even achieved the position of member of the Outer Council. However, the Outer Council had hardly any powers and could neither participate in foreign policy nor in jurisprudence [7], for which the members of the Inner Council, who were often legally trained, were much better suited.

Samstag, 2. März 2024

Postreiter und Briefboten - Post rider and letter carrier

Unsere nächste Anno Domini-Veranstaltung wird den Titel "Die Post ist da!" tragen. Daher werden wir uns verschiedenen Aspekten zu dem Thema zuwenden. Daneben wird das Jahr 1734 in Bezug auf Schwäbisch Hall eine große Rolle spielen. Die Ereignisse vor allem des Polnischen Thronfolgekrieges boten viel Material für die damaligen Zeitungen, die auch von der Post befördert wurde.

 

Our next Anno Domini event will be titled “The Post is here!”. We will therefore address various aspects of the topic. In addition, the year 1734 will play a major role in relation to Schwäbisch Hall. The events, especially the War of the Polish Succession, provided a lot of material for the newspapers of the time, which were also carried by the post office.

Diese Schützenscheibe zeigt neben einer weiblichen Postreiterin (wohl berittene Briefträgerin) auch zahlreiche interessante Details im Hintergrund wie die Landschaft mit einem Landturm rechts. - The shooting target shows a female rider (obviously it is a letter carrier) and there are some interesting details in the background such as the landscape and a land tower. (Schützenscheibe, Hällisch-Fränkisches Museum, Foto: Kim Krawiec)

Zuerst wollen wir bei der Post auf die untere Charge an Personal schauen: den Postreitern. Postreiter beförderten Post auf den Postcoursen von einer Poststation zur nächsten. Die Posthaltereien dienten vor allem zur Unterbringung der Postpferde für diese Reiter und als Übernachtungsmöglichkeit. Zahlreiche Postcourse wurden ja auch nur von Postreitern bedient. Im Fall von Schwäbisch Hall haben wir mindestens die Postlinie von Heilbronn nach Crailsheim, die über die Reichsstadt verlief [1].

 

First we want to look at the lower level of staff at the post office: the post riders. Post riders transported mail from one post station to the next on the post courses. The post offices were primarily used to accommodate the post horses for these riders and as a place to stay overnight. Many post courses were only served by post riders. In the case of Schwäbisch Hall we have at least the postal line from Heilbronn to Crailsheim, which ran via the imperial city [1].

Schon als Postreiter gehörte Johann Caspar Schmidt die Hälfte vom Haus Gelbinger Gasse 91. - Even as a postrider Johann Casper Schmidt already had half of the building Gelbinger Gasser 91. (photo: M. Leyendecker, 2024) 


Als Postreiter konnte man viel erleben. Interessant ist ein Postreiter namens Johann Georg Grätter, der versuchte auf Nebenwegen das Hohenloher Territorium zu durchqueren. Deswegen beschwerte sich die Regierung von Hohenlohe-Neuenstein 1698 bei Hall. Als der Postreiter ertappt wurde, ließ er sich zu "Scheltworten" hinreißen, was wohl zu weiterem Unmut führte [2].