Dienstag, 10. Februar 2026

Das württembergische Zollhaus in Bubenorbis 1626 - The Wurttemberg customs house at Bubenorbis in 1626

Dieses Jahr soll es auch um das Zollhaus in Bubenorbis im Jahr 1626 gehen. Die Geschichte der Querelen zwischen der Reichsstadt Schwäbisch Hall und dem Herzogtum Württemberg wegen dem Zoll- und Wirtshaus ist lang. Zwar musste die Reichsstadt 1532 die Zugehörigkeit der Schmiede und des Zollhauses in Bubenorbis zu Württemberg anerkennen, aber nach der Wiedererrichtung des Zoll- und Wirtshauses 1558 vermehrten sich eher die Konflikte mit Hall. Ihren Höhepunkt fanden sie in dem Zusammenstoß zwischen dem württembergischen Zöllner Matthias Dörner und zwei Haller Metzgermeistern, deren Hirte 1564 brutal vom Zöllner angegriffen wurde. Obwohl die beiden Metzger Römig und Groß beteuerten den Zoll für ihre hundert Schweine entrichtet zu haben, setzte sich der Zöllner anschließend mit Unterstützung von Seiten seiner Landesherrschaft durch und die Haller Metzger sollten bestraft werden, statt dem übergriffigen Zöllner, der behauptet hatte, dass er von den Hallern mit Wehr und Büchse bedroht worden war, zu veruteilen. Immerhin erfahren wir, dass die Metzger damals hätten 8 Schilling Zoll für ihre Schweine entrichten müssen [1].

This year's focus will also be on the customs house in Bubenorbis in 1626. The history of the disputes between the Imperial City of Schwäbisch Hall and the Duchy of Württemberg over the customs house and inn is long. Although the Imperial City had to acknowledge the Württemberg affiliation of the smithy and customs house in Bubenorbis in 1532, conflicts with Hall only intensified after the customs house and inn were rebuilt in 1558. These conflicts culminated in the clash between the Württemberg customs officer Matthias Dörner and two master butchers from Schwäbisch Hall, whose shepherd was brutally attacked by the customs officer in 1564. Although the two butchers, Römig and Groß, insisted they had paid the toll for their one hundred pigs, the toll collector subsequently prevailed with the support of his sovereign, and the Haller butchers were to be punished instead of condemning the overzealous toll collector, who had claimed that he had been threatened with weapons and a rifle by the Haller men. We do, however, learn that the butchers would have had to pay 8 shillings in toll for their pigs at that time [1]. 

 

Württembergische Musketiere 1623 anlässlich des Einrückens der Kompanie des Hammer von Marbach mit Fahne. - Musketeers from Württemberg in 1623 during the indent of Hammer of Marbach's company with their flag. (photo: A.-K. Kemmer)


Der Konflikt wegen dem einzigen württembergischen Untertan in Bubenorbis schwellte anschließend weiter und wurde auch damit nicht behoben, dass man sich einigte wie weit die württembergische Rechtssprechung sich erstrecken sollte [2] und Schwäbisch Hall 1590 dem Zöllner die völlige Wirtschaft, also das Recht als richtiges Gasthaus sein Gebäude betreiben zu dürfen, gestattete. 1615 einigten sich Schwäbisch Hall und der Herzog von Württemberg über den Ankauf des Amtes Hohnhardt für Stadt und Spital [3]. 1617 wurde die Pflege Westheim für 60.000 Gulden von Hall erworben [4] - also ein Gebiet innerhalb desselben Amtes - nämlich Rosengarten - wo auch das Dorf Bubenorbis lag.

The conflict over the sole Württemberg subject in Bubenorbis continued to escalate and was not resolved even after an agreement was reached on the extent of Württemberg jurisdiction [2] and Schwäbisch Hall granted the toll collector full economic rights in 1590, meaning the right to operate his building as a proper inn. In 1615, Schwäbisch Hall and the Duke of Württemberg agreed on the purchase of the Hohnhardt district for the town and hospital [3]. In 1617, Hall acquired the Westheim bailiwick for 60,000 guilders [4] – an area within the same district – namely Rosengarten – where the village of Bubenorbis was also located.

 

Württemberger auf dem Platz vor unserem Wirtshaus 1623. - The Württemberger at the place in front of our inn in 1623. (Foto: A.-K. Kemmer)


Warum aber soll dieses Jahr dieses Zollhaus in den Fokus gerückt werden? 1626 wurden 10 württembergische Musketiere in dem Wirtshaus einquartiert [5]. Das ist auch von daher interessant, weil das Verhältnis von Schwäbisch Hall zu Württemberg durch den ganzen Krieg bis zu dem Zeitpunkt recht ambivalent war. Einmal kamen ja 2 Kompanien württembergische Musketiere nach Hall zur Unterstützung, was bereits Thema auf einer Veranstaltung gewesen ist [6]. Schwäbisch Hall war Mitglied in der Union und mehrfach Ort der Unionstage [7]; der Bruder des regierenden Herzogs namens Magnus (1594-1622) fiel als Befehlshaber in der Armee der Union bei Wimpfen. Herzog Johann Friedrich von Württemberg (1582-1628) selbst aber pflegte teilweise enge Beziehungen zum Kaiser. 1626 suchte Württemberg erneut den Konflikt mit der Reichsstadt. So fielen am 8. April 1626 300 Mann Fußvolk und Reiterei unter dem württembergischen Obristlieutenant Gröll [8] im hällischen Hohnhardt ein, forderten viel Geld und besetzten das Schloss [8]. Bei dem "Gröllischen Einfall" wurde durch die württembergische Pferde allein schon an Hafer ein Wert von 39 Gulden verzehrt [9]. Durch die Pest, die in Württemberg wütete [10], war generell auch das Militär Württembergs in einem schlechten Zustand oder war "durch die Laidige Seüch" durch eine "starckh vorgangene Geringerung der Manschafft" sehr geschwächt [11]. Die Frage wäre inwieweit der Einfall bei Hohnhardt im Zusammenhang mit der Bewachung des Zollhauses von Bubenorbis zu sehen ist. Riegler ewähnt beide Ereignisse nicht [12]. 

But why is this customs house being highlighted this year? In 1626, ten Württemberg musketeers were quartered in the inn [5]. This is also interesting because Schwäbisch Hall's relationship with Württemberg had been quite ambivalent throughout the war up to that point. Two companies of Württemberg musketeers had come to Hall to provide support, a topic that has already been discussed at an event [6]. Schwäbisch Hall was a member of the Union and hosted the Union Diets several times [7]; the reigning duke's brother, Magnus (1594-1622), fell as a commander in the Union army at Wimpfen. Duke Johann Friedrich of Württemberg (1582-1628) himself, however, maintained close ties with the Emperor at times. In 1626, Württemberg once again sought conflict with the imperial city. Thus, on April 8, 1626, 300 infantry and cavalry under the Württemberg lieutenant colonel Gröll invaded Hohnhardt in the Hall region, demanded a large sum of money, and occupied the castle [8]. During the "Gröll invasion," the Württemberg horses alone consumed oats worth 39 guilders [9]. Due to the plague raging in Württemberg [10], the Württemberg military was generally in poor condition or was severely weakened by the plague and a significant reduction in manpower [11]. The question is to what extent the incursion at Hohnhardt is related to the guarding of the customs house at Bubenorbis. Riegler does not mention either event [12].

 

Der württembergische Offizier hatte eine gute Zeit vor dem Wirtshaus. Leider war der Fidibus nicht sein Freund wie es scheint. - The officer of the troops of Württemberg had a good time in front of our tavern. Unfortunately the "fidibus" was not his friend. (Foto: M. Leutebecher)

Der Tagebuchschreiber Holderbusch, weiß von dem Obristlieutenant Gröll, über den sich die Reichsstadt auch beim Herzog von Württemberg beschwerte. Der Herzog und die Stadt schickten dann gemeinsam eine Abordnung bestehend aus einem württembergischen Offizier, einen Gesandten des Herzogs, "Junker Adler", und einem hällischen Forstmeister. Gröll gehorchte aber dem herzoglichen Gesandten nicht und gab diesem sogar "noch böse Worte" und rückte erst am 24. April wieder ab [13]. Auch die Reichsstadt hat Gröll die Böswilligkeit offenbar krumm genommen, da ein Eintrag, wo man Zehrkosten für Trunk und Speisen von Gröll in der Reichsstadt dann gestrichen wurde. Der Offizier hatte im renomierten "Adler" im März 1626 für über 25 Gulden gezecht [14].

The diarist Holderbusch knows of Lieutenant Colonel Gröll, about whom the Imperial City also complained to the Duke of Württemberg. The Duke and the city then jointly sent a delegation consisting of a Württemberg officer, an envoy of the Duke, "Junker Adler," and a forester from Halle. Gröll, however, disobeyed the ducal envoy and even "spoke harsh words" to him, and did not leave until April 24th [13]. The Imperial City also apparently took offense at Gröll's spitefulness, as an entry was subsequently removed from the accounts where expenses for Gröll's food and drink in the Imperial City were claimed. The officer had spent over 25 guilders drinking at the renowned "Adler" inn in March 1626 [14].

Der Adler existiert noch immer am Markt nahe der Michaeliskirche. - The "Adler"-tavern is still existing at the market next to the Michaelis-church. (photo: C. Hanselmann, 2021)



Fotos: M. Leutebecher, A.-K. Kemmer
Text: André Hanselmann

Notizen / Notes:
1) Günther Dürr: „Der böse Zöllner und die Metzger von Hall – Ein Beitrag zur Geschichte der Zollstation zu Bubenorbis“ in „Der Haalquell“ Nummer 14, 15, 16, Schwäbisch Hall, 1957
2) Die Straße vor dem Wirtshaus und der Schmiede unterstand in der Hinsicht weiterhin Hall. - The road in front of the inn and the forge was still under the rule of Hall.
3) Eine typische Maßnahme der Reichsstadt für diese Periode. Diese Erwerbung kostete immerhin 59.000 Gulden. - A typical measure of the Imperial town in that period. This acquisition cost 59.000 florins. Mehr dazu hier: Dieter Kreil: "Der Stadthaushalt von Schwäbisch Hall im 15. / 16. Jahrhundert" H. Epinger, Schwäbisch Hall, 1967, S. 100
4) ebenda
5) Wilhelm German: „Chronik von Schwäbisch Hall und Umgebung“ W. German Verlag, Schwäbisch Hall, 1900, S. 232
6) Landleben 1623 - Die Württemberger im Hällischen.
7) 1610 sogar einer der bedeutensten Unionstage überhaupt. Dann wieder 1620. - In 1610 there was the most Union's council. Then again in 1620.
8) In einem Ratsprotokoll, als man scheinbar noch gütig mit ihm verhandelte als "Wolff Sigemundt Kröll" verhandelt, als er ankündigte seiner Ordonanz zu Verhandlungen nachzufolgen. - In a magistrate's counts we find the information that "Wolff Sigemundt Kröll" still negotiated with the town and announced that he will follow his adjudant. Ratsprotokoll 29. März 1626, Stadtarchiv Schwäbisch Hall, Sig. 4/230, S. 101 
8) Wilh. German S. 232
9) "Einnamb ..." in Steuerrechnung 1625/1626, Stadtarchiv Schwäbisch Hall, Sig. 4 a88, S. 61 
10) Laut Schüler'scher Chronik starben daran 28.000 Menschen dort. - According to Schüler's chronicles 28.000 peoples died there. Schüler‘sche Chronik, Stadtarchiv Schwäbisch Hall, HV HS 89, S. 636-637
11) Gerhard Fritz: "Studien zum Dreißigjährigen Krieg" Kohlhammer, Stuttgart, 2022, S. 29
12) Franz Riegler: "Schwäbisch Hall im Dreißigjährigen Krieg“ W. Kolhammer, Stuttgart, 1911
13) Caspart: "Aus J. K. Holderbuschs Chronik", Württembergische Vierteljahrshefte für Landesgeschichte,  Band 8, 1886, S. 92
14) „Ausgab umb verehrten Wein, und Auslosung frembder Personen.“ In Steuerrechnung 1625/26, S. 99

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