Samstag, 11. September 2021

„Anno Domini 1771 – Bauen im 18. Jahrhundert“ "Anno Domini 1771 building during the 18th century" 20.-22.08.2021 p.2

 Teil 2 / Part 2


Morgendliche Szenerie an unserem Häuschen. - Scenery in the morning at our small house. (Foto: Stefan Winter)

Wir hatten uns für den Samstag eigentlich vorgenommen insbesondere das Thema Bauen vorzustellen. Das Problem war, dass wir keine Gefache hatten, die wir ausbessern durften und es zum anderen generell zu trocken war um die Schlaglöcher der „Straße“ auszubessern [1]. Daher habe ich mich darauf beschränkt zusammen mit meinem Knecht den Grenzstein im Hohlweg wieder auf zu richten. Nächstes Jahr werden wir dann hoffentlich auch wieder den Riegel reparieren können, den aufmerksame Leser von unserer letzten Landleben-Veranstaltung her kennen [2]. Unsere Hausgenossen suchten einen Haushalt zu finden, der sich das Haus anstreichen oder Ausbesserungsarbeiten vornehmen ließ.

We had actually planned to present the topic of building in particular on Saturday. The problem was that we had no compartments that we were allowed to repair and, on the other hand, it was generally too dry to repair the potholes in the "road" [1]. So I limited myself to straightening up the boundary stone in the ravine together with my farmhand. Next year we will hopefully be able to repair the bolt that the attentive reader knows from our last country life event [2]. Our housemates tried to find a household that could have the house painted or repaired.


Die Hausgenossen machen sich auf den Weg in die Umgegend. - The "Hausgenossen" are preparing for their tour through the neighbourhood. (Foto: Stefan Winter)

Die Küche des Hauses aus Zaisenhausen ist immer ein herrlicher Ort. - The kitchen of the house from Zaisenhausen are a very nice place to be there. (Foto: Stefan Winter)


Die Mägde unseres Haushalts und die Schultheißin haben derweil Wäsche gewaschen. Dabei haben sie sich an zeitgenössischen Artikeln orientiert [3]. Das „Besondere“ war diesmal für uns, dass insbesondere Seife genommen wurde. Die Wäsche wurde auf einer Wiese hinter dem Wohnhaus zum Bleichen ausgelegt und immer wieder befeuchtet. Das hat diesmal auch wirklich sehr gut geklappt.

The maids of our household and the wife of the mayor have meanwhile done laundry. In doing so, they have orientated themselves on contemporary articles [3]. The "special" thing this time for us was that soap was used in particular. The laundry was laid out on a meadow behind the house to be bleached and repeatedly moistened. That worked out really well this time.

Das Wäschewaschen bei unserem Häuschen. - Making the laundry in front of our house. (Foto: Franziska Stanger)

Die Schultheißin mit unserem neuen Waschtrog. - The wife of the mayor with our new laundry tub. (Foto: Franziska Stanger)

Leider hatten wir auch nicht das geeignete Holz um wie sonst Schindeln herzustellen. Wir haben aber mit Hilfe der Pferde einen Stamm herbei geschafft, den wir dann im Hof zersägt haben. Ich fand es beeindruckend wie unser Grabenreiter das Pferd mit dem langen Stamm in den Hof lenken konnte.

Unfortunately, we didn't have the right wood to make shingles as we usually do. But with the help of the horses we managed to get a trunk that we then sawed up in the courtyard. I found it impressive how our trench rider was able to steer the horse with the long trunk into the yard.

Ich führte das Zugpferd zu dem Stamm, der an der Mühle lag. - I led the draft horse to the stem next to the mill. (Foto: Stefan Winter)

Grabenreiter und Stallknecht manöverierten die Pferde in "meinem Hof" den Stamm ohne Schwierigkeiten. - The ditch rider and the groom have moved the stem into my courtyard without problems. (Foto: Janine Krämer)

Der Stamm wird in unseren Hof gezogen. Rechts hier auf dem Bild steht ein Handkarren mit unseren Werkzeugen für den Straßenbau. Im Hintergrund ist schon die Wäsche aufgehangen. - The stem was pulled into the courtyard. At the right you can notice the tools for our working at the road. The laundry is already at the clothes line. (Foto: Stefan Winter)

Wir hängen den Stamm von der Kette ab mit der er aus einiger Entfernung heran gezerrt wurde. - We remove the stem from the chain. (photo: Stefan Winter)

Montag, 6. September 2021

„Anno Domini 1771 – Bauen im 18. Jahrhundert“ / "Anno Domini 1771 - building during the 18th century" 20.-22.08.2021 - 1

 Teil 1 / Part 1

Der Amtmann und der Grabenreiter schon in der Nähe des Hauses, wo die Frau des Pfarrers diesmal wohnt. - The Amtmann and the ditch rider are already near the house where the pastor's wife lives for that event. (Foto: Stefan Winter)

Wir haben nun endlich geschafft seit Sommer 2019 das erste Mal wieder eine Veranstaltung in Wackershofen durchzuführen. Ich will hier nicht allzuviele Worte zu den Auflagen durch die derzeitige Corona-Krise verlieren. Daher will ich mich auf den Ablauf der Veranstaltung konzentrieren. Am Donnerstag waren schon viele unserer Teilnehmer eingetroffen.

We have now finally managed to hold an event in Wackershofen for the first time since summer 2019. I don't want to waste too many words here about the conditions imposed by the current corona crisis. Therefore I want to concentrate on the course of the event. Many of our participants had already arrived on Thursday.

Die beiden Reiter am Dorfanger. - Both of the riders are near the village green. (Foto: Stefan Winter)


Am Freitag fungierte ich als Amtmann, ab dem Nachmittag aber wieder als Schultheiß von „Bubenorbis“. Der Amtmann kam in das Amt um den Pfarrer von Michelfeld zu sprechen – was etwas ulkig war, da ich als Veranstalter schon lange zuvor wusste, dass die Rolle diesmal unbesetzt blieb. Die Idee dahinter war, dass der Amtmann auf dem Weg zum Pfarrer auch die wichtigen Personen im schwäbisch-hällischen Amt Rosengarten über die Neuigkeiten in Kenntnis setzen konnte. Nach einer Weile traf er bei der Pfarrerin ein, bei welcher er sich für einen späteren Besuch ankündigte. Denn er hatte davon erfahren, dass ein wichtiger Grenzstein entfernt worden war [1]. Beim Herumreiten in der Umgegend brauchten er und sein Grabenreiter eine ganze Weile bis sie den abseits einer Straße an einer Böschung liegenden Stein fanden. Der Amtmann beschloss, dass der Stein unverzüglich wieder aufzurichten war [2].

On Friday I acted as "Amtmann" (bailiff), but from the afternoon on again as mayor of “Bubenorbis”. The bailiff came into the district to speak to the pastor of Michelfeld - which was a bit strange because I, as the organizer, knew long before that the role would remain vacant this time. The idea behind it was that the bailiff could also inform the important people in the Swabian-Hall' district of the Rosengarten about the news on the way to the pastor. After a while he met the pastor's wife, whom he announced that he would visit later. Because he had found out that an important boundary stone had been removed [1]. While riding around in the area, it took him and his trench rider a long time to find the stone lying off a road on an embankment. The bailiff decided that the stone should be erected again immediately [2].

Der Amtmann speist zusammen mit Grabenreiter und Grabenreiterin vor dem Steigengasthaus. - The Amtmann is eating together with the ditch rider in front of the house at the inn  of the steap road. (Foto: Stefan Winter)


Dann besuchte der Amtmann die Frau des Pfarrers. Er teilte ihr die für das Territorium günstigen Beschlüsse des Haller Magistrats mit. Natürlich sollte ihr Gemahl solche in der nächsten Predigt nicht unerwähnt lassen wie etwa die Aufhebung der „Fruchtsperre“, d.h. die Aufhebung des Verbots gewisse Lebensmittel ins Ausland zu verkaufen [3]. Nach einer guten Tasse Kaffee und frisch gestärkt ritten Amtmann und Grabenreiter zum Steigengasthaus an der Roten Steige, wo sie vor dem Hause zu Mittag aßen. Bevor sich der Amtmann wieder „nach Hall“ begab [4], schärfte er dem Grabenreiter ein für die Ausbesserung der Straße zu sorgen und sich um den Grenzstein zu kümmern.

Then the bailiff visited the pastor's wife. He informed her of the decisions of the Hall magistrate that were favorable for the territory. Of course, her husband should not fail to mention such things in the next sermon, such as the lifting of the "fruit barrier", i.e. the lifting of the ban on selling certain foods abroad [3]. After a good cup of coffee and refreshed, the bailiff and trench rider rode to the Steigengasthaus on the Rote Steige, where they had lunch in front of the house. Before the bailiff went "to Hall" again [4], he instructed the ditch rider to take care of the repair of the road and to take care of the boundary stone.

Die Schule in unserem Dorf mit Mägden von uns und der Roten Steige. - The school in our village with maids of us and the red steap track. (Foto: Stefan Winter)

Dienstag, 10. August 2021

Schlacht bei Rottofreddo - The battle of Rottofreddo 1746

Zwei Monate nach der dramatischen Niederlage von Maillebois und Gages bei Piacenza setzten die siegreichen österreichischen Truppen nach und trafen bei dem Ort Rottofreddo unweit von Piacenza erneut auf die bourbonischen Truppen. 

Leider findet die Schlacht bei Rottofreddo in der mir vorliegenden Literatur nicht sonderlich viel Niederschlag. Das Standardwerk des KuK Kriegsarchives zum Österreichischen Erbfolgekrieg endete leider mit Band 9[1], welcher sich auf den Krieg in Flandern konzentriert. Ein Band 10, der vielleicht den Fortgang des Krieges in Italien behandelt hätte, ist scheinbar nie erschienen. Daher ist neben einer Erwähnung bei Weir[2] und Browning[3] eine zeitgenössische Karte im Hessischen Staatsarchiv[4] meine einzige brauchbare Quelle gewesen, als ich ein Szenario für ein Tabletop-Spiel kreiert habe.

Two months after the dramatic defeat of Maillebois and Gages near Piacenza, the victorious Austrian troops followed suit and met the Bourbon troops again near Rottofreddo, not far from Piacenza.

Unfortunately, the battle of Rottofreddo does not find much account in the literature available to me. The standard work of the KuK War Archives on the War of the Austrian Succession unfortunately ended with Volume 9 [1], which focuses on the war in Flanders. Volume 10, which perhaps would have dealt with the progress of the war in Italy, apparently never appeared. Therefore, in addition to a mention by Weir [2] and Browning [3], a contemporary map in the Hessian State Archives [4] was my only useful source when I created a scenario for a tabletop game.

Der Weg nach Rottofreddo

Betrachten wir die hohen Verluste der bourbonischen Truppen bei Piacenza[5], dann erstaunt es beinahe, dass das Schlachtfeld des nächsten Zusammenstoßes nur etwa 10-12 Kilometer[6] von Piacenza entfernt liegt. Doch wird dies durch den anschließenden Feldzugsverlauf im Juni/Juli 1746 erklärt. Am 26. Juni überquerten Gages und Maillebois Truppen den Po bei Piacenza um auf der nördlichen Seite des Flusses Richtung Pavia zu marschieren. Von dort aus konnte man einen Rückzug nach Frankreich antreten oder gegen Piemont vorgehen. Maillebois bat darum seines Kommandos entbunden zu werden, denn es kam wieder zu Schwierigkeiten im Oberkommando nicht zuletzt durch Einmischungen des Infanten Felipe. 

Das Gebiet der Operationen im Juni bis August 1746 war sehr klein wie hier auch diese Karte verdeutlicht. Die Striche auf der Postroutenkarte von 1786 geben die Wegstunden der damaligen Postkutschen an. - The area of operations from June to August 1746 war really small as this map illustrates perfectly. The small stripes on the lines on that post-road-map from 1786 are showing the hours for travellers on the postcoaches. (photo: André Hanselmann, 2021)

 

Die Piemontesen, welche ja nicht bei Piacenza mitgekämpft hatten, zogen sich nach Stradella zurück. Aber nicht nur die bourbonischen Kommandeure waren sich uneins. Auch der König von Sardinien und die österreichischen Befehlshaber hatten unterschiedliche Vorstellungen wie der Feldzug nach dem Sieg von Piacenza fortgesetzt werden sollte. Ein Teil der österreichischen Einheiten unter Browne, der statt dem Fürsten von Liechtenstein de facto bei Piacenza die Armee geführt hatte, setzte über den Po und dann über die Adda. Derweil suchten die piemontesischen Verbände den Zusammenschluss mit den bei Piacenza verbliebenen Österreichern. Die Verbündeten besetzten Cremona und Pizzeghettone, doch hielt Browne die Stellung der bourbonischen Truppen für zu stark.

Diese Entscheidungen im gegnerischen Lager verleiteten den Infante Felipe zu der Auffassung seine Herrschaft in der Lombardei aufrecht erhalten zu können. [7] Der Tod des spanischen Königs Felipe V. am 9. Juli 1746 schien die Lage von Grund auf zu ändern, da damit dessen Gemahlin Elisabetha Farnese an Einfluss verlor. Doch der neue König Fernando VI (1713-1759) wollte den Infante Felipe nicht in Madrid haben und Fernandos Unterstützung für Felipe konnte ihm zugute gerechnet werden. Von daher änderte sich vorerst nicht viel an der Politik der spanischen Bourbonen.

Die Lage in Norditalien änderte sich aber vor allem durch die Entschlüsse der Kommandeure im habsburgisch-piemontesischen Lager. König Charles Emmanuel III (1701-1773) erwies sich ebenso wie schon im Polnischen Thronfolgekrieg [8] als ein geschickter Stratege, der stets das Wohl seines Herrschaftsgebietes im Auge behielt. Er schloss sich mit zahlreichen Streitkräften dem Heeresteil unter Browne bis zum 2. August 1746 an. Charles Emmanuel hielt den bourbonischen Truppen die Rückzugswege nach Parma offen - Hauptsache scheinbar sein Territorium Savoyen wurde nicht weiter bedroht. Sein Versuch nun mit überlegenen Kräften die bourbonischen Kräften mit einer Bewegung in die Flanke auszumanöverieren entsprach ganz der Kriegsführung jener Zeit, welche ähnlich wie Feldmarschall Traun auf einer Vermeidung der Schlacht bei einer Erreichung der Ziele setzte [9].

Maillebois gelang es sodann die Spanier zum Rückzug über den Po zu überzeugen. Da Browne und Charles Emmanuel zu weit weg waren um zuzuschlagen, war es nun an dem immernoch bei Piacenza stehenden Antoniotto Botta [10] (1688-1774) dies zu tun. Botta brach am 9. August von Piacenza auf und attackierte Maillebois Nachhut am Tidone am 10. August[11][12].

The way to Rottofreddo

If we consider the high losses of the Bourbon troops at Piacenza [5], it is almost astonishing that the battlefield of the next clash is only about 10-12 kilometers [6] from Piacenza. But this is explained by the subsequent course of the campaign in June / July 1746. On June 26th, Gages and Mailleboi's troops crossed the Po near Piacenza to march on the northern side of the river towards Pavia. From there one could retreat to France or proceed against Piedmont. Maillebois asked to be relieved of his command, because difficulties arose again in the high command, not least due to the interference of the Infante Felipe.

The Piedmontese, who had not fought in Piacenza, withdrew to Stradella. But not only the Bourbon commanders were at odds. The King of Sardinia and the Austrian commanders also had different ideas about how the campaign should continue after the victory of Piacenza. Some of the Austrian units under Browne, who had de facto led the army at Piacenza instead of the Prince of Liechtenstein, crossed the Po and then the Adda. In the meantime, the Piedmontese associations were looking to join forces with the Austrians who remained at Piacenza. The allies occupied Cremona and Pizzeghettone, but Browne thought the position of the Bourbon troops was too strong.

These decisions in the opposing camp led the Infante Felipe to believe that he could maintain his rule in Lombardy. The death of the Spanish King Felipe V on July 9, 1746 seemed to change the situation from the ground up, as his wife Elisabetha Farnese lost influence. But the new King Fernando VI (1713-1759) did not want the Infante Felipe in Madrid and Fernando's support for Felipe could be credited to him. As a result, not much has changed in the policy of the Spanish Bourbons for the time being.

The situation in northern Italy changed primarily due to the decisions of the commanders in the Habsburg-Piedmontese camp. As in the War of the Polish Succession [8], King Charles Emmanuel III (1701-1773) proved to be a skilled strategist who always kept an eye on the welfare of his territory. He joined the army under Browne with numerous armed forces until August 2, 1746. Charles Emmanuel kept the routes of retreat to Parma open for the Bourbon troops - the main thing, apparently, that his territory of Savoy was not threatened any further. His attempt with superior forces to outmaneuver the Bourbon forces with one movement in the flank corresponded entirely to the warfare of that time, which, like Field Marshal Traun, relied on avoiding the battle if the goals were achieved [9].

Maillebois then managed to convince the Spaniards to retreat across the Po. Since Browne and Charles Emmanuel were too far away to strike, it was now up to Antoniotto Botta [10] (1688-1774), who was still near Piacenza, to do so. Botta left Piacenza on August 9 and attacked Mailleboi's rearguard on the Tidone on August 10 [11] [12].

Das Schlachtfeld aus Sicht der Österreicher. - The battlefield from an Austrian perspective. (photo: André Hanselmann)

Mittwoch, 4. August 2021

Mont-Saint-André & Ramillies 1746

Der Feldzug 1746 in Flandern war von zwei Aspekten wesentlich bestimmt: zum einen gelang es den Franzosen anfangs unter der Führung des Prince de Conti und des Maréchal de Saxe ein deutliches nummerisches Übergewicht herzustellen und zum anderen war es davon geprägt, dass die Franzosen die zahlreichen Festungen knacken mussten. 

The 1746 campaign in Flanders was essentially determined by two aspects: on the one hand, the French managed to establish a clear numerical superiority under the leadership of the Prince de Conti and the Maréchal de Saxe, and on the other hand, it was shaped by the fact that the French had to crack numerous fortresses.

Wie in unseren anderen Artikeln hier auch mit begleitenden Bildern eines Spiels. Die Ausgangslage ist gekennzeichnet durch den Versuch Froulays OWM Beck und dessen Kommando bei Mont-Saint-André zu umzingeln und aufzureiben. - As in our other articles here with accompanying pictures of a game. The starting position is characterized by Froulay's attempt to encircle and crush OWM Beck and his command at Mont-Saint-André. (photo: Cecilia Hanselmann, 2021)


Die erheblichen Probleme der Führung der Pragmatischen Armee, die zum Teil auch von den gegenläufigen Interessen der Bündnispartner herrührten, wurden teilweise dadurch negiert, dass vor allem die leichten österreichischen Truppen die Bewegungen der großen französischen Armee sehr empfindlich störten. Die Gefechte bei Mont-St.-André und Ramillies im August 1746 sind dafür gute Beispiele. 

Beck ahnt die Umklammerung und sucht sein Heil in dem Abzug Richtung Rosière. Auf dem offenen Gelände gerät er mit Froulays Linieninfanterie aneinander. - Beck senses the grip and seeks his salvation in the withdrawal towards Rosière. On the open ground he clashes with Froulay's line infantry in a fire fight. (photo: Cecilia Hanselmann, 2021)

 

The considerable problems of the leadership of the Pragmatic Army, some of which also stemmed from the opposing interests of the allies, were partially negated by the fact that the light Austrian troops in particular interfered with the movements of the large French army. The encounters at Mont-St.-André and Ramillies in August 1746 are good examples of this.

Beck hat sich rasch nach Rosière zurück gezogen. Baranyay bemüht sich mit einem Angriff auf Froulays Berchény Husaren der Entwicklung der leichten französischen Truppen zuvor zu kommen. - Beck quickly retreated to Rosière. Baranyay tries to prevent the development of the French light troops by attacking Froulay's Berchény Hussars. (photo: Cecilia Hanselmann, 2021)


Das Gefecht bei Mont-Saint-André

Da der Maréchal de Saxe wahrgenommen hatte wie oft die leichten Truppen der pragmatischen Armee, die vor allem aus österreichischen Husaren und Panduren bestanden, aber auch einige niederländische Freikompanien oder die aus bayerischen Diensten übernommenen Frangipani [1] und Ferrari Husaren umfassten, die Nachschübe der französischen Armee bedrohten und vereinzelte Posten überrumpelten, befehligte er den Lieutenant Génèral de Lowendal (1700-1755)  und den Comte de Clermont  (1709-1771) entsprechend zu reagieren. Der Prince de Clermont entsendete entsprechend am 3. August 1746 eine Abordnung von 2000 Mann unter dem Maréchal de Camp de Froulay. Diesem folgten 3000 Mann unter dem Kommando des Maréchal de Camp Louis de Conflans Marquis d'Armentières (1711-1774). Froulay erkannte die Chance mit seinen Truppen den mit nur schwachen Kräften allein bei Mont-Saint-André stehenden Obrist-Wachtmeister Beck auszuschalten[2].

Froulay verfügt hinter den Berchény Husaren noch über eine Anzahl leichte Infanterie und Dragonern. - Behind the Berchény Hussars, Froulay still has a number of light infantry and dragoons. (photo: Cecilia Hanselmann, 2021)

 

The encounter at Mont-St.-André

Since the Maréchal de Saxe had noticed how often the light troops of the pragmatic army, which consisted mainly of Austrian hussars and Pandours, but also some Dutch free companies or the Frangipani [1] and Ferrari hussars who had been taken over from Bavarian services, threatened the supplies of the French army and surprised isolated posts, he ordered the Lieutenant Génèral de Lowendal (1700-1755) and the Comte de Clermont (1709-1771) to react accordingly. The Prince de Clermont sent accordingly on August 3, 1746 a detachment of 2,000 men under the Maréchal de Camp de Froulay. He was followed by 3,000 men under the command of the Maréchal de Camp Louis de Conflans Marquis d'Armentières (1711-1774). Froulay noticed the chance to eliminate the Colonel-Wachtmeister Beck, who was alone at Mont-Saint-André with small forces [2].


Spekulativer Plan des Gefechts bei Mont-Saint-André. - Highly speculative plan of the encounter at Mont-Saint-André. (Copyright: André Hanselmann)


Froulay versuchte am Morgen des 4. August 1746 eine Umklammerung von Becks Truppen von Nordosten und Nordwesten kommend. Doch der später auch für sein Geschick gelobte Obristwachtmeister Beck bemerkte die Gefahr und fiel plänkelnd Richtung Hottomont zurück. Denn auf den Höhen zwischen Hottomont und Noville befand sich Feldmarschallleutnant Baranyay mit drei Regimentern Husaren. Es klingt erstaunlich, dass Baranyays Vorposten vermochten durch ihr Feuerdie Kolonne unter Froulay aufzuhalten. Aber wir sehen auch in anderen Schlachten bisweilen den effektiven Einsatz der Karabiner durch die Husaren. Baranyay entschloss sich dem Feind mit den Ghilányi und Beleznay Husaren entgegen zu werfen, während die Károlyi Husaren beim Ort Hottomont zurück bleibend eine Art Reserve bildeten. Die unterdessen gegen Beck und Baranyays Vorposten plänkelnden Berchény-Husaren wurden von dem Ansturm der beiden österreichischen Husarenregimenter weggerissen und die von Froulay zur Verstärkung geschickten 200 französischen Dragoner flüchteten ehe sie so wirklich in den Kampf eingreifen konnten. In dem Chaos wurde auch Froulays recht zahlreiche Infanterie in Unordnung gebracht und zog sich bis auf die Höhe von Mont Saint-André wieder zurück, wo man sich in den bewaldeten Säumen eines Baches sammelte.

Die auf Rosière zurückgezogenen Plänkler von Becks Detachement geraten in ein Feuergefecht mit den nachsetzenden französischen Füsilieren. - The skirmishers from Beck's detachment, who had retired to Rosière, get into a firefight with the pursuing French fusiliers. (photo: Cecilia Hanselmann, 2021)


On the morning of August 4, 1746, Froulay attempted to encircle Beck's troops coming from the northeast and northwest. But Obristwachtmeister Beck, who was later also praised for his skill, noticed the danger and fell back towards the Hottomont, skirmishing. For on the heights between Hottomont and Noville was Lieutenant Baranyay Field Marshal with three regiments of hussars. It sounds amazing that Baranyay's outposts were able to hold back the column under Froulay with their fire. But we sometimes see the effective use of carbines by the hussars in other battles as well. Baranyay decided to throw the Ghilányi and Beleznay hussars against the enemy, while the Károlyi hussars formed a kind of reserve at Hottomont. The Berchény hussars, skirmishing against Beck and Baranyay's outposts, were torn away by the onslaught of the two Austrian hussar regiments and the 200 French dragoons sent by Froulay to reinforce them fled before they could really intervene in the battle. In the chaos, Froulay's quite large number of infantry was disordered and withdrew to the heights of Mont Saint-André, where they gathered in the wooded edges of a brook.

Baranyays Husaren greifen nun mit aller Wucht Froulays Dragoner und Husaren an. - Baranyay's hussars are now attacking Froulay's dragoons and hussars with all their might. (photo: Cecilia Hanselmann, 2021)


Während Froulay zwar Verstärkung durch den Maréchal de Camp Armentières erhalten konnte, trat nun auch Feldmarschallleutnant Trips (+ 1773) in die Kämpfe ein. Er war von Liernu (ca. 8 km von Hottomont) mit zwei seiner Husarenregimenter aufgebrochen, während er eines ähnlich wie Baranyay in Liernu zurück ließ. 

Nachdem die österreichischen Husaren die Berchény Husaren zersprengt hatten, überwinden sie auch Froulays geschlagene und zurück gezogene französische Dragoner bei Gérompont. - After the Austrian hussars had broken up the Berchény hussars, they also overcome Froulay's defeated and withdrawn French dragoons at Gérompont. (photo: Cecilia Hanselmann, 2021)

 

While Froulay was able to receive reinforcements from the Maréchal de Camp Armentières, Field Marshal Lieutenant Trips (+ 1773) also entered the fighting. He had set out from Liernu (about 8 km from Hottomont) with two of his hussar regiments, while he left one similar to Baranyay in Liernu.

Maréchal de Camp Armentières rückt mit seinem Korps heran, während ein Teil von Froulays Infanterie bereits versucht Rosière zu erstürmen. FML Trips (dirigiert von mir) hat die Absicht mit seinen Husaren Froulays Infanterie in die Flanke zu fallen ehe Armentières einschreiten kann. -Maréchal de Camp Armentières is advancing with his corps, while part of Froulay's infantry is already trying to storm Rosière. FML Trips (directed by me) intends to flank Froulay's infantry with his hussars before Armentières can intervene. (photo: Cecilia Hanselmann, 2021)

 

Während Baranyays Beleznay-Husaren Froulays Truppen aus dem Wäldchen bei Mont-Saint-André vertrieben, konnte auch Armentières trotz seiner 2 Geschütze, die er mitführte nicht FML Trips 2 Husarenregimentern namens Kalnoky und Nádasdy widerstehen. Die nummerisch offensichtlich bedeutend überlegenen französischen Truppen unter Froulay und Armentières mussten sich schließlich in die Gegend zwischen Orbais und Malèves zurück ziehen.

 

Die Nadásdy-Husaren stürmen über den Bach um die Arquebusiers de Grassin in die Flucht zu schlagen. Die französischen Plänkler ziehen sich aber rasch zurück und die Nadásdy-Husaren stehen allein beinahe dem gesamten Detachment unter Armentières gegenüber und bekommen aus Rosière Feuer, welches unterdessen von Beck geräumt worden war. Beck hat seine leichten Truppen auf Hottomont zurück genommen, da die niederländische leichte Infanterie keine Chance hatte gegen zwei Bataillone französische Infanterie und die aufgefahrene französische Batterie zu bestehen. - The Nadásdy hussars storm across the stream to put the Arquebusiers de Grassin to flight. The French skirmishers withdraw quickly and the Nadásdy Hussars stand alone against almost the entire detachment under Armentières and get fire from Rosière, which has since been evacuated by Beck. Beck has withdrawn his light troops on Hottomont, as the Dutch light infantry had no chance against two battalions of French infantry and the French battery that was driven up. (photo: Cecilia Hanselmann, 2021)

While Baranyay's Beleznay Hussars drove Froulay's troops out of the grove near Mont-Saint-André, Armentières was unable to withstand FML Trips 2 hussar regiments named Kalnoky and Nádasdy, despite the 2 guns he was carrying. The numerically clearly significantly superior French troops under Froulay and Armentières finally had to retreat to the area between Orbais and Malèves.

Unser Gefecht endet mit einer Pattsituation. In Runde 8 sind Armentières Truppen nicht weit genug vorgerückt um Hottomont anzugreifen oder zumindest den Jauchette-Bach zu überqueren. Die Franzosen haben nur 2 Einheiten verloren, die pragmatischen Truppen garkeine. - Our skirmish ends in a stalemate. In turn 8, Armentière's troops have not advanced far enough to attack Hottomont or at least to cross the Jauchette stream. The French lost only 2 units, the pragmatic troops didn’t lost any troops. (photo: Cecilia Hanselmann, 2021)

 

Ein weiteres Mal hatten hatten starke französische Kräfte (5.000 Mann) eine gute Gelegenheit verpasst die leichten Truppen der Pragmatischen Armee (laut Baranyay sollen insgesamt nur 1.000 Mann im Einsatz gewesen sein) empfindlich zu schwächen. Im Gegenteil: die Franzosen hatten trotz ihrer anfangs ausgezeichneten taktischen Situation allein schon 80 Mann an Gefangenen verloren dazu 6 Offiziere, wozu sogar der Kommandeur der Berchény-Husaren zählte. Selbst mit leichten Truppen, die Franzosen hatten ja Husaren und leichte Infanterie (Grassins und Morlières) eingesetzt, waren die französischen Kommandeure in einem solchen Gefecht offensichtlich den österreichischen Kontrahenten deutlich unterlegen.

Once again, strong French forces (5,000 men) had missed a good opportunity to weaken the light troops of the Pragmatic Army (according to Baranyay, a total of only 1,000 men were in action). On the contrary: despite their initially excellent tactical situation, the French had already lost 80 prisoners and 6 officers, including the commander of the Berchény Hussars. Even with light troops, since the French had used hussars and light infantry (Grassins and Morlières), the French commanders were clearly inferior to the Austrian opponents in such a battle.

Es ist nicht ganz einfach zu entscheiden, was denn die Ursachen für die Niederlage der Franzosen waren. Offenbar war das Gelände bei Hottomont ideal für die österreichischen Husaren um dort Kavallerieangriffe auszuführen. Tatsächlich zeigt eine Karte von um 1745 der "Comté de Namur"[3] die Gegend bei Hottomont als wenig bewaldet bis auf einen Wald nördlich von Mont St. André und westlich bei Liernu.

It is not easy to decide what caused the French to lose. Apparently the area near Hottomont was ideal for the Austrian hussars to carry out cavalry attacks there. In fact, a map from around 1745 by the "Comté de Namur" [3] shows the area near Hottomont as sparsely forested except for a forest north of Mont St. André and west near Liernu.

Für Spieler / for gamers

OOB / Ordre de Bataille

Pragmatische Truppen / Pragmatic troops

Oberkommando / CinC: FML Baranyay (Dash.)

GFWM Morocz (Dash.)
2 x Husaren (Ghilányi & Beleznay)
1 x Husaren (Beleznay) in Hottomont

OWM Beck (Dep.) - bei/at Mont St. André
1 x Panduren / Pandours - small
1 x British light infantry - small
1 x Husaren - small

FML Trips (Dash.)
2 x Husaren (Kalnoky & Nadásdy)
1 x Husaren (Esterházy) -- bei/at Liernu (könnte nicht bewegt werden außer auf 5-6 / can't be moved without a 5-6)

BP: 3,5

Franzosen / French

Oberkommando / CinC: MdC de Froulay

Avantgarde (Dep.)
1 x hussards (Berchény)
1 x infanterie légère (Morlières)

Unabhängig/Independent:
1 x dragons

Col. de Castellane (Dep.) - verwundet auf eine/wounded on a 8-12
2 x infanterie

MdC Armentières (Ankunft in Runde/arriving in turn 3)
3 x infanterie
1 x artillerie légère
1 x dragons
1 x infanterie légère (Grassins)

BP: 2,5/5

Limit: 8 Runden/turns

Alle Dörfer und Gehölze leichte Deckung/All villages and woods light cover
Der Bach ist passierbar/The stream is fordable.


Das Gefecht bei Ramillies

In den kleineren Scharmützeln des Monats August 1746 behielten fast immer vor allem die österreichischen Husaren die Oberhand. So vermochte Trips bei einem Angriff auf Lowendals Nachhut bei Perwez am 19. August nicht weniger als 7 französische Offiziere und 300 Mann gefangen zu nehmen[4].

Nach dem missglückten Versuch bei Mont-Saint-André mit erheblichen Kräften der leichten österreichischen Truppen Herr zu werden wurde dergleichen erneut im weiteren Verlauf des Monats August 1746 gegen den scheinbar gefürchteten österreichischen Kommandeur Adolf Karl Sigismund von Trips unternommen. Trips hatte bereits in der Schlacht bei Pfaffenhofen eine maßgebliche Rolle gespielt [5].

The encounter at Ramillies

In the smaller skirmishes of August 1746, the Austrian hussars almost always got the upper hand. In an attack on Lowendal's rearguard at Perwez on August 19, Trips was able to capture no fewer than 7 French officers and 300 men [4].

After the unsuccessful attempt at Mont-Saint-André to master the light Austrian troops with considerable forces, the same thing was undertaken again in the further course of August 1746 against the apparently feared Austrian commander Adolf Karl Sigismund von Trips. Trips had already played an important role in the battle of Pfaffenhofen [5].

Das Gefecht bei Ramillies auf einem eher spekulativen Plan von André Hanselmann. - The encounter near Ramillies on a mostly speculative map by André Hanselmann (bitte beachtet, dass der Plan nur mit Absprache des Autors verwendet werden sollte - please notice to only use this map after asking the author)


Als ich die Karte für das Szenario kreieren wollte, habe ich mich an den Plänen in McNallys Buch zur Schlacht bei Ramillies orientiert[6].

Montag, 12. Juli 2021

Dienstboten im 18. Jh. T. 4 / servants during the 18th century p. 4

Ich selbst als Diener 


Hier will ich nun von meinen Erfahrungen als "Dienstbote" berichten. Sofort als ich 2002 in die Zivildarstellung eingestiegen bin, habe ich mir die Rolle als Dienstbote ausgesucht. Hierbei stellte sich natürlich gleich die Frage, wer denn die Herrschaft sein sollte? Es gab eine Art Testballon auf einer Veranstaltung in Fulda im Jahr darauf, wo wir ursprünglich 2 männliche und ein weiblicher Dienstbote einer Dame sein wollten. Das klappte mangels Begeisterung der Teilnehmer ebenso wenig wie mangels Vorbereitung. 

Myself as a servant

Here I want to report on my experiences as a "servant". As soon as I got into civilian reenactment in 2002, I chose the role of a servant. Here, of course, the question arose, who should be the master? There was a kind of test balloon at an event in Fulda the following year, where we originally wanted to be two male and one female servants of a lady. This didn't work out due to a lack of enthusiasm on the part of the participants, as well as a lack of preparation.

 

Ich nehme Maß an meinem ersten Herrn bei einer Museumsveranstaltung im Freilichtmuseum Kommern. - I take the measures of my first master at an event in the open air museum Kommern. (Foto: Cecilia Hanselmann, 2005)

Kammerdiener für ein paar Jährchen (18. Jahrhundert)

Später habe ich dann recht lange für die Zeit Mitte des 18. Jahrhunderts die Rolle eines Kammerdieners eines Rats übernommen. Da diese Darstellung zumeist im Freilichtmuseum Kommern stattfand, hatten wir dazu auch die nötigen Räumlichkeiten. Wir stellten dabei keinen kompletten Haushalt dar, sondern nur einen reisenden Herrn mit seinem Diener beziehungsweise ein reisendes Paar mit zwei Dienstboten. Ich denke, dass das auch von daher recht gut funktionierte, da wir rasch miteinander einig waren, was der Herr von mir wollte und ich leisten konnte und mochte. Etwas unrealistisch war vielleicht, dass ich in der Rolle zu der Zeit oftmals in einem fremden Haushalt mitdienen musste. Das kam wohl vor wie es auch Lehndorff beschreibt. Aber es war gewiss nicht realistisch, dass der einzige Diener, der an der Tafel bediente, der Diener eines Gastes war. 

Ich bin hier auf einer meiner ersten Veranstaltungen als Dienstbote des Herrn von Bolt in der Nähe von Fulda. - I'm here on one of my first events as the servant of Mr. Bolt near Fulda (Foto: Cecilia Hanselmann).

 

Schön war es ein paar Erfahrungen zu sammeln. Wie ist es stundenlang herum zu stehen ohne etwas sagen zu können, da man nur bereit dazu im Raum steht, Getränke nachzuschänken oder Geschirr aufzutragen? Man hört die Herren und Damen plaudern und kann als Diener keine Kommentare dazu abgeben, denn ein Dienstbote redet einfach nicht unaufgefordert. Außerdem erlebte ich wie es ist vom Morgen bis in die Nacht Diener zu sein. Ich kleidete Morgens meinen Herrn an, bemühte mich den gesamten Tag um sein Wohl und brachte ihn auch Abends zu Bett. Freizeit hatte ich in der Rolle, wenn mein Herr im Bett war. Aber dann waren auch die meisten Leute im Wirtshaus schlafen und ich hatte nur noch 1-2 Stunden um mich mit den paar letzten Leuten, die noch wach waren, zu unterhalten. 

Ich habe meinen Herrn den Rat auch auf seinen Reisen begleitet wie hier im Freilichtmuseum Kommern. Ich habe zu seinen Füßen auf einer Strohmatratze geschlafen und ihm wie hier am Morgen Kaffee gebracht vor dem Ankleiden. - I attended my master the administrator on his journeys as here in the open air museum Kommern. I slept at his feet on a straw mattress and brought him coffee before I could dress him (Foto: Hartmut Writh).

Spannend war auch zu erleben wie man als Lakai oder Kammerdiener zwischen zwei Welten steht. Drinnen im Salon der Herrschaften gab es Wünsche nach Essen, Getränken und so weiter und draußen an der Feuerstelle jene Dienstboten, welche sich ungezwungen da unbeaufsichtigt unterhalten konnten wie dem Haushälter oder Koch und seinen Küchenmägden. Insgesamt ist das Leben als Lakai oder Kammerdiener weitaus reizvoller und unterhaltsamer, wenn es weitere männliche Dienstboten gibt mit denen man sich austauschen kann und mit denen man nicht nur dasselbe Los teilt, sondern auch mit denen man Lösungen für Probleme findet.

Ich pudere die Haare meines zweiten Herrn auf einer Veranstaltung im Museum Roscheider Hof. - I put some powder on the hair of my second master at an event in the museum Roscheider Hof. (Foto: Cecilia Hanselmann, 2008)

 

Valet for a couple of years (18th century)

Later I took on the role of a councilor's valet in the mid-18th century for some time. Since this presentation mostly took place in the open-air museum in Kommern, we also had the necessary space. We did not represent a complete household, but only a traveling gentleman with his servant or a traveling couple with two servants. I think that this worked out quite well because we quickly agreed what the master wanted from me and what I could and would do. Perhaps it was a bit unrealistic that I often had to help out in someone else's household at the time. That probably happened as Lehndorff describes it. But it was certainly not realistic that the only male servant serving at the table was a guest's servant.

However it was nice to gain some experience. What is it like to stand around for hours without being able to say anything, because you are only standing in the room ready to refill drinks or put on dishes. You can hear the gentlemen and ladies chatting and as a servant you cannot make any comments, because a servant simply does not speak unsolicited. I also experienced what it is like to be a servant from morning until night. I dressed my master in the morning, took care of his well-being all day and also put him to bed in the evening. I had free time in the role when my master was in bed. But then most of the people in the pub were asleep and I only had 1-2 hours to talk to the last few people who were still awake. It was also exciting to experience how a lackey or valet stand between two worlds. Inside in the gentlemen's salon there were requests for food, drinks, and so on, and outside by the fireplace there were those servants who could converse casually and unsupervised like the housekeeper or cook and his kitchen maids. All in all, life as a lackey or valet is far more delightful and entertaining when there are other male servants with whom one can talk and with whom one not only shares the same lot, but also with whom one can find solutions to problems.

Ich repariere den Rock meines Herrn im Freilichtmuseum in Bad Windsheim. Meine Kleidung folgt Vorbildern der 1790er. - I repair the coat of my master at the open air museum in Bad Windsheim. My clothes follow some examples from the 1790s. (Foto: Cecilia Hanselmann)

 

Kellermeister (?) im Empire in einem großen Haushalt

Eine ganz einmalige Erfahrung für mich war die Integration in einen kompletten Haushalt im Rahmen einer Veranstaltung im Freilichtmuseum Bad Windsheim. Ich will das Beispiel hier auch aufführen obwohl es eigentlich nicht ins 18. Jh. passt, da es einfach imposant als Projekt war. Der Haushalt bestand aus der Herrschaft (Herr und Dame ohne Kinder) und zahlreiche Dienstboten (ich als Kammerdiener, eine Kammermagd, ein Knecht für die Küche, eine Köchin und mehrere Küchenmägde). Leider waren die Räumlichkeiten etwas beengt. So bekam ich selber beispielsweise keine authentische Schlafstätte. Das kleine Schlafgemach der Herrschaft verhinderte teilweise ein passendes Ankleiden. Als Höhepunkt gab es ein Diner wobei auch die beiden Dienstboten der Gäste mithalfen. Trotz einiger negativer Erfahrungen bei der Veranstaltung, die vielleicht auch dazu führten, dass die "Herrschaft" von damals sowas in der Form nicht nochmal machte, waren doch einige Erlebnisse auch sehr spannend.

Ich räume am Morgen den Tisch ab. Freilichtmuseum Bad Windsheim. - I clear away the table at the open air museum Bad Windsheim. (Foto: Cecilia Hanselmann)

Als Kellermeister in meinem Element beim Öffnen der Champagnerflaschen. - Working as a real butler opening the bottles of champagne.

Arbeit, Arbeit, Arbeit. Gewehr putzen, Stiefelputzen wie hier - es gab viel zu tun. - Working, working, working. Cleaning the rifle of my master, his boots as shown here - I had a lot to do.

 

Butler during the Regency in a large household

A very unique experience for me was the integration into a complete household as part of an event in the open-air museum Bad Windsheim. I also want to give the example here, although it doesn't actually fit into the 18th century, because it was simply impressive as a project. The household consisted of the master (master and lady without children) and numerous servants (me as a valet, a chambermaid, a servant for the kitchen, a cook and several kitchen maids). Unfortunately the space was a bit cramped. For example, I didn't get an authentic place to sleep myself. The small bedchamber of the rulers sometimes prevented a suitable dressing. As a highlight there was a dinner where the two servants of the guests also helped. Despite some negative experiences at the event, which perhaps also meant that the "rule" from back then did not do something like that again, some experiences were also very exciting.

Mittwoch, 30. Juni 2021

Schwäbisch Hall und die Krise von 1769-71 / Schwäbisch Hall and the crisis of 1769/71

Wir haben uns überlegt für dieses Jahr uns dem Jahr 1771 zuzuwenden, nicht nur weil es 250 Jahre her ist und somit ein rundes Jubiläum, sondern weil es auch sehr spannend ist. International denkt man bei der Jahreszahl wahrscheinlich an die bedeutenden Ereignisse in den 13 Kolonien mit dem sogenannten Boston Massacre 1770 und andererseits dem Staatsstreich von oben durch Louis XV mit der Entmachtung der Parlamente und der Absetzung des Duc de Choiseul[1]. Das tief gespaltene Polen trieb der Polnischen Teilung entgegen.

For this year we have considered turning to the year 1771, not only because it was 250 years ago and thus a round anniversary, but because it is also very exciting. Internationally, one thinks of the significant events in the 13 colonies with the so-called Boston Massacre in 1770 and, on the other hand, the coup d'état from above by Louis XV with the disempowerment of parliaments and the deposition of the Duc de Choiseul [1]. The deeply divided Poland was drifting towards the division of Poland. 

Der Amtmann zu Pferde. Das Foto ist bei einem kleinen Ausflug mit unserem Grabenreiter entstanden.  1770/71 ließ der Haller Rat immer wieder Informationen über die Lage in den Ämtern einholen. - The "Amtmann" on horseback. The photo was made during a small trip with our "Grabenreiter". In 1770 and 1771 the council of Hall again and again researched for information out of the destricts of the territory.  (Foto: Albert Schwark, 2021)

Die Missernte und ihre Auswirkungen

Ähnlich wie andere Gebiete in Europa war Deutschland vor allem durch die Missernte von 1770/71 geprägt. Die meteologischen Ursachen auch anhand der Temperaturentwicklung im fränkischen [2] Nürnberg wurden bereits intensiv in der Publikation "Die Hungerjahre 1770-1772 in den böhmischen Ländern" beleuchtet[3]. In Schwäbisch Hall berichtet uns eine Chronik von 1769 das "Jahr war so naß" wie die vorigen, welche aber nun das "Wachsthum der Früchte" verhinderte. Die Preise stiegen an, so der Dinkel von 3 fl. 30 x 1768 auf 3 fl 40 x "u. drüber" im Jahr 1769[4]. Auch in der Folge ist für die Jahre 1770 und 1771 wiederholt von großer Nässe, dem Verfaulen nicht nur der "Früchte", des Korns, sondern auch vom Verderben der Kräuter und sogar erheblichen Einbußen beim Einbringen des Heus die Rede.

The crop failure and its effects 

Similar to other areas in Europe, Germany was mainly shaped by the poor harvest of 1770/71. The meteological causes, also based on the temperature development in the Franconian [2] Nuremberg, have already been examined intensively in the publication "The years of hunger 1770-1772 in the Bohemian countries" [3]. In Schwäbisch Hall a chronicle from 1769 tells us that "the year was as wet" as the previous one, but which now prevented the "growth of the fruits". The prices rose, for example the spelled from 3 fl. 30 x 1768 to 3 fl. 40 x "u. over" in 1769 [4]. Subsequently, for the years 1770 and 1771, there is repeated talk of great wetness, the rotting not only of the "fruits" and the grain, but also of the spoilage of the herbs and even considerable losses when the hay is brought in.

Zerstörte Waffen auf der Schützenscheibe des Stadtleutnants Friderich Imanuel Boelz - destroyed weapons on the target of the town's lieutenant Friderich Imanuel Boelz (Foto: Cecilia Hanselmann)


Die Reichsstadt Schwäbisch Hall musste sich während der 1760er zum einen von den finanziellen Belastungen des Siebenjährigen Krieges und zum anderen von den Auswirkungen einer Ruhrepedemie erholen[5]. Das Thema der spanischen Werbungen im Hällischen haben wir bereits thematisiert[6]. Schon im September 1770 musste sich der Haller Rat insbesondere der Versorgung der Armen zuwenden[7]. Verschiedene Gemeinden baten um den Erlass oder die Umwandlung bestimmter Abgaben oder darum, dass der Rat Saatgut aus dem Kornhaus zur Verfügung stellte[8]. Der Haller Rat ebenso wie der Schwäbische Kreis bemühten sich darum den Verbrauch des wenigen Korns zu verringern. Der Kreis verhängte eine "Fruchtsperre" gegen die Ausfuhr von Korn während der Magistrat der Reichsstadt die Branntweinbrennerei verbot[9]. Da bei einer Betstunde am 27. Juli 1770 nur "der gemeine Pöbel" zugegen war, während viele Haller in den Wirtshäusern weilten, hielt man dies für eine Ursache für das an dem Tag eingetretene schreckliche Unwetter, welches sogar das Pflaster aus den Gassen ausspülte und die Treppen vor den Häusern wegriss[10].

Auch wenn Anfang 1771 gehofft wurde, dass sich die Lage verbessern würde, erwies sich auch dieses Jahr wiederum als so verheerend, dass sogar "Brod aus dem schwärzesten Mehl mit Kleie vermischt" gebacken wurde. Es wurden auch "Stein Klee Saamen" und Stroh gemahlen. Doch wurde von der Obrigkeit erkannt, dass dieses Mehl zu Krankheiten führen konnte, weshalb sie das Mehl "wegnehmen" ließ. Unter der Bewachung durch 2 Soldaten wurde das Mehl am Hospital von einer Ratsdeputation ausgeteilt um "den Unfug zu steuern". Am 8. April wurde angeordnet, dass sowohl in der Stadt als auch auf dem Land "bey hoher Strafe" das Tanzen verboten wurde. Am Tag darauf wurde vom Rat verkündet, dass die Bäcker nur noch "Wecken" und Brot backen durften[11]. Im Laufe des Aprils spitzte sich die Lage immer stärker zu bis hin zu der Situation, dass arme Leute, die am Leib Brot unter ihrer Kleidung aus der Reichsstadt schmuggeln wollten, von den Torwachen angehalten wurden. Besonders argwöhnisch wurde von den Haller Regierenden der Zöllner von Bubenorbis[12] gesehen, der dem "Schleichhandel" also Schmuggel Vorschub leistete indem er Fuhren von Korn ohne Pässe durchgehen ließ[13]. Der Preis des Korns stieg während des Frühjahrs 1771 bis auf über 6 Gulden pro Scheffel. Im August sanken die Preise allerdings durch "das holländische [Korn] davon viel hiehergebracht worden ist". Am 8. August sank der Preis sogar auf unter 3 Gulden[14]. Als ein deutliches Zeichen der Entspannung wurde am 12. August vom Stadtschultheißen den Bäckern wieder erlaubt Brot an Fremde zu verkaufen[15].

During the 1760s, the imperial city of Schwäbisch Hall had to recover from the financial burdens of the Seven Years' War on the one hand, and from the effects of an eruption on the other hand [5]. We have already discussed the topic of Spanish recruitment in the territory of Hall [6]. As early as September 1770, the Hall council had to focus on caring for the poor [7]. Various municipalities asked for the remission or conversion of certain taxes or for the council to provide seeds from the granary [8]. The Hall council as well as the Swabian imperial circle tried to reduce the consumption of the little grain. The imperial circle imposed a "fruit barrier" against the export of grain while the city's magistrate banned the distillery [9]. Since only "the common mob" was present at a prayer hour on July 27, 1770, while many Hallers were staying in the inns, this was thought to be a cause of the terrible storm that occurred that day, which even washed the pavement from the streets and tore away the stairs in front of the houses [10].

Even if at the beginning of 1771 it was hoped that the situation would improve, this year again turned out to be so devastating that even "bread made from the blackest flour mixed with bran" was baked. Stone clover seeds and straw were also ground. But it was recognized by the authorities that this flour could lead to diseases, which is why they had the flour "removed". Under the guard of 2 soldiers, the flour was distributed at the hospital by a council deputation in order to "control the mischief". On April 8, it was ordered that dancing be banned "by heavy punishment" in both the city and the countryside. The next day the council announced that the bakers were only allowed to "wake up" and bake bread [11]. In the course of April the situation escalated to the point that poor people who wanted to smuggle bread from the imperial city under their clothes were stopped by the gate guards. The rulers of Hall viewed the customs officer of Bubenorbis [12] with particular suspicion, who encouraged the "surreptitious trade" by allowing grains to pass through without passports [13]. The price of the grain rose to over 6 florins per bushel during the spring of 1771. In August, however, prices fell due to "the Dutch [grain] of which much has been brought here". On August 8, the price even fell below 3 florins [14]. As a clear sign of relief on August 12th the imperial town's sheriff allowed the bakers to sell bread again to the foreigners[15].

Wohl eine allegorische Darstellung der drei Stände auf einer Haller Schützenscheibe von 1771: Bauer in typisch hällischer Tracht, Handwerker/Bürger von Hall (?), Patrizier/Ratsmitglied (?). Schützenscheibe des Friedrich Lorenz Haspel, 1771, Hällisch-Fränkisches Museum Schwäbisch Hall - That maybe is an allegorical reflection of the three states on a target from Hall from the year 1771: a peasant in a typical clothing of Hall, a craftsmen or citizen of Hall (?), a patrician or member of the council (?), target of Friedrich Lorenz Haspel, 1771, Hällisch-Fränkisches Museum Schwäbisch Hall (Foto: Kim Krawiec)