Montag, 7. November 2022

Zwei interessante Gemälde um 1750 - Two interesting paintings from around 1750

Dieses Jahr bin ich auf Rügen und in Stralsund auf zwei Gemälde mit schwedischen Uniformen gestoßen. Das war eher zufällig und obwohl es vielleicht nicht haargenau hier in den Blog passt, wollte ich es euch nicht vorenthalten. Beide Bilder sind offenbar um die gleiche Zeit entstanden.

Das eine findet man in einer der drei großen Stralsunder Kirchen, der Marienkirche. Diese ist generell sehr sehenswert, da die Bilder und Plastiken darin mit den Grablegen Stralsunder Bürger viel über das Selbstverständnis der Protestanten in der Frühen Neuzeit aussagen. Hinter dem Altar der Kirche fand ich dieses Gemälde, dessen Beschriftung eine ganze Karriere eines Offiziers der schwedischen Armee von ganz unten nach oben beschreibt.

Da heißt es also: "Hier Ruhet in GOTT, der Weyland Wohlgebohrne HERR Staabs Major Christof v. Beezen Anno 1670 d. 1. May in Pommern gebohren ist, und in Anno 1690 in der Crohn Schweden Diensten als Reüter unter dem Pommerschen Cavalerie Regiment gekommen, und bis RitMeister sich aufgedienet hat. Anno 1721 ist er von Ihro Königl.[iche] Majestät in Schweden zum Stabs Major alhier in Stralsund gesetzet worden, ist gestorben den 18. April 1746". 

This year I came across two paintings of Swedish uniforms on Rügen and in Stralsund. That was rather coincidental and although it might not exactly fit here in the blog, I didn't want to withhold it from you. Both pictures were apparently taken around the same time. 

One can be found in one of the three large Stralsund churches, the Marienkirche. This is generally very worth seeing, as the pictures and sculptures in it with the burial places of Stralsund citizens say a lot about the self-image of the Protestants in the early modern period. Behind the altar of the church I found this painting, the caption of which describes a whole career of a Swedish Army officer from bottom to top. 

So it says: "Here rests in GOD, the Weyland well-born Lord Staabs Major Christof von Beezen was born in Pomerania in 1670 on May 1st, and in 1690 in Crohn Sweden he served as a Reuter under the Pomeranian Cavalry Regiment , and until captain has served himself. Anno 1721 he was appointed by Her Royal Majesty in Sweden to Staff Major here in Stralsund, died April 18, 1746".

 

Das Bildnis des Stabsmajors von Beezen im Ganzen. Der Rahmen zeigt mit dem Wappen die typischen Attribute dieser Zeit. - The whole portray of the staff major of Beezen. The frame shows the coat of arms as the typical attributes of his period. (photo: André Hanselmann)

 

Das Gemälde an sich von Nahem. Man erkennt deutlich die sehr schlichte schwedische Uniform. - The painting in more detail. You can make out the very simple Swedish uniform. (photo: André  Hanselmann)

 

Einen solchen Aufstieg vom einfachen Reiter zum Offizier musste ein anderer Porträtierter wohl nicht hinlegen. Im Jagdschloss Granitz einem der wichtigsten Schlösser der Familie der Fürsten von Putbus im 19. Jahrhundert wohin sogar die Fürsten nach dem Brand des Schlosses in Putbus übergesiedelt sind, sah ich ein freilich feiner gemaltes und sich in einem besseren Zustand befindliches Gemälde. Im 18. Jahrhundert hatten die Grafen von Putbus bereits umfangreichen Besitz auf der Insel Rügen. Zeitweise gehörte einem derer von Putbus sogar Schloss Spycker, welches vor allem dadurch berühmt geworden ist, dass es nach dem Dreißigjährigen Krieg an den Feldmarschall von Wrangel (1613-1676) gekommen ist. Der Feldherr ist auf Schloss Spycker sogar verstorben. Zwei der Grafen von Putbus werden beide in schwedischen Uniformen auf großen Gemälden dargestellt: Malte Friedrich von Putbus (1725-1787) und Wilhelm Malte I. (1783-1854).  

Another portrayed person probably did not have to make such a rise from simple rider to officer. In the Granitz hunting lodge, one of the most important castles of the Putbus prince family in the 19th century, where even the princes moved to after the fire in the Putbus castle, I saw a painting that was admittedly finer and in better condition. In the 18th century, the Counts of Putbus already owned extensive property on the island of Rügen. At one point, one of those from Putbus even owned Spycker Castle, which became famous above all because it came to Field Marshal von Wrangel (1613-1676) after the Thirty Years' War. The commander even died at Spycker Castle. Two of the Counts of Putbus are both depicted in Swedish uniforms in large paintings: Malte Friedrich von Putbus (1725-1787) and Wilhelm Malte I (1783-1854).

Malte Friedrich von Putbus als Oberst schwedischer Husaren, um 1750, Gemälde von Anna Rosina de Gasc (1713-1783) - Malte Friedrich of Putbus as colonel of the Swedish hussars, around 1750, painting by Anna Rosina de Gasc (1713-1783) (photo: Cecilia Hanselmann)

 

Dienstag, 1. November 2022

Der Amtmann bei der Schultheißenwahl - Sailer 1770 - The bailiff at the election of the Schultheiß by Sailer in 1770

Sebastian Sailer (1714-1777) darf wohl als einer der besten Dramatiker des 18. Jahrhunderts gelten, der auch Priester war. Ganz kurz war auch einmal das Licht der Weltgeschichte auf ihn gerichtet, als Marie Antoinette auf ihrer Durchreise nach Frankreich im Kloster Obermarchtal am 1. Mai 1770 Station machte, wurde eines seiner Werke aufgeführt.

Sebastian Sailer (1714-1777) can probably be considered one of the best dramatists of the 18th century who was also a priest. For a very short time, the light of world history was directed at him when Marie Antoinette stopped at Obermarchtal Abbey on May 1, 1770 on her way to France, and one of his works was performed.


Sailer erzählt in seinem Lustspiel "Die Schultheißenwahl zu Limmelsdorf" von 1770 [1] ein typisches Ereignis wie wir es auch aus dem hällischen Territorium kennen. Im Gebiet der Reichsstadt erwählten die Gemeindemitglieder - die sogenannten Gemeinsmänner - zwei Kandidaten für den Posten des Schultheißen woraus sich die Obrigkeit einen aussuchte [2]. 

Ähnlich ist es in Sailers Stück. Der Amtmann ist zugegen, als es in Limmelsdorf zur Wahl kommt. Vor allem der Dorfwirt Wenzel Krezer hat dabei gute Chancen, da viele ihm etwas schuldig zu sein scheinen und die, wie es für den Amtmann deutlich wird, daraus motiviert den Wirt wählen wollen.

In his comedy "The Mayor's election in Limmelsdorf" from 1770 [1], Sailer tells a typical event as we know it from the territory of Hell. In the area of ​​the imperial city, the community members - the so-called community men - elected two candidates for the post of mayor from which the authorities chose one [2].

It is similar in Sailer's play. The bailiff (Amtmann) is present when the election takes place in Limmelsdorf. Above all, the village innkeeper Wenzel Krezer has good chances, since many seem to owe him something and, as the bailiff can see, are motivated to choose the innkeeper.

Die Gemeindeversammlung auf einer unserer ersten Veranstaltungen nachdem der Wirt (2. von links mit der Büchse) vom Amtmann (Mitte verdeckt von dem Mann im hellbraunen Rock) zum Schultheißen ausgewählt worden ist. - The assembly of the community on one of our first events after the bailiff has chosen the inkeeper (second from the left with a rifle). (Foto: Michael Paulick, 2011)

Das Stück gibt es online auf verschiedenen Wegen lesbar und möchte ich jedem, der am Leben auf einem Dorf im 18.Jh. interessiert ist, wärmstens ans Herz legen. Neben dem zeittypischen Geklüngel der Dörfler, welches den Amtmann in Erstaunen versetzt, da er nicht verstehen kann, warum man nicht den redlichsten Kandidaten wählt, ist der Ablauf des Verfahrens spannend. Der Amtsschreiber ruft die Gemeindemitglieder auf, die einer nach dem anderen denjenigen mündlich benennen, den sie wählen wollen. Während der Amtmann ein honoriges Standarddeutsch spricht, reden die Bauern einen für Außenstehende wohl kaum verständlichen massiven Schwäbischen Dialekt, der aber durch die Reaktionen des Amtmannes für die des Schwäbischen ungelernten Zuschauer gewissermaßen übersetzt wird. Zwar wird am Ende tatsächlich der noch am ehesten aus Sicht der Obrigkeit geeignete Kandidat Florian Simpel gewählt. Doch das geschieht nicht ohne, dass der Amtmann seinen Amtsknecht den unverschämten Veit Balger verhaften lassen will indem der Amtmann sagt: 
"Marx Kempf! pack an und steck den Flegel gleich ins Loch."
Der gehorsame Amtsknecht hat offenbar einen Bart, was ja auch typisch für Soldaten im 18.Jh. war und der Amtsknecht sagt:
"Komm, Balger, komm! ich will den Amtsbefehl vollziehen;
du mußt in's Loch, komm her! du wirst mir nicht entfliehen.
Du schwätzst einmal zu grob; du bist einmal zu hart!
Komm, komm! denn nicht umsonst trag ich um's Maul ein' Bart."

Montag, 17. Oktober 2022

Der Amtmann bei F. T. Hase (1779) - the "Amtmann" in a work by F.T. Hase (1779)

Einen ganz anderen Eindruck vom Ansehen der Anstellung als Amtmann bekommt man in Friedrich Traugott Hases (1754-1823) "Gustav Aldermann", einem von Hases dramatischen Romanen. Hase betonte in der fiktiven Biographie des Karrieristen Gustav Aldermann wie wenig der Posten des Amtmannes sein konnte, wenn der Vater des aufstrebenden Sohnemanns offenbar nicht nur Doktor der Rechte sondern auch eine höchst angesehene Figur an einem Gericht war. Magister Sonder, ein Vertrauter des Doktors, bezog in einem Gespräch mit Doktor Aldermann Partei für einen gewissen Herrn, der sehr zufrieden mit seiner Aufgabe als Amtmann war, während ihm Dr. Aldermann entgegen hielt, dass man doch von diesem "tref[f]lichen Mann" erwartet habe, dass er Minister würde. Alle Argumente von Magister Sonder, dass der besagte Amtmann auf seiner Position gutes bewirke, wischte Dr. Aldermann mit dem Hinweis beiseite: "Ein Präsident kann doch mehr ausrichten als ein Amtmann." [1] 

 

Ähnlich wie in Hases Roman, der 1779 erschienen ist, ist unser Amtmann  auf einer Veranstaltung, die 10 Jahre vorher spielen soll, offenbar mit seinem Beruf recht zufrieden [2]. - Similar like in Hase's novel from 1779 our bailiff on an event which is located 10 years earlier is very happy with his profession [2]. (photo: Claudia Behnke, 2019)

One gets a completely different impression of the status of being an "Amtmann" (bailiff) in Friedrich Traugott Hase's (1754-1823) "Gustav Aldermann", one of Hase's dramatic novels. In the fictitious biography of the careerist Gustav Aldermann, Hase emphasized how little the post of bailiff could be when the father of the up-and-coming son was apparently not only a doctor of law but also a highly respected figure in a court. In a conversation with Doctor Aldermann, Magister Sonder, a confidante of the doctor, took the side of a certain gentleman who was very satisfied with his job as bailiff, while Dr. Aldermann countered that one had expected this "good man" to become a minister. All of Magister Sonder's arguments that the said bailiff was doing good in his position were brushed aside by Dr. Aldermann with the note aside: "A president can do more than an "Amtmann"." [1]

 

Wir werden unsere Reihe über den Amtmann in der Literatur sicherlich fortsetzen.

We will surely continue our series about the bailiff in literature.

 

Text: André Hanselmann


Notizen / Notes:

1) Friedrich Treugott Hase: "Gustav Aldermann - Ein dramatischer Roman" J.B. Metzlerische Verlagsbuchhandlung, Stuttgart, 1964, S. 20-21

2) Vergleiche: https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2019/09/anno-domini-1769-von-hall-in-die-fremde_29.html


Samstag, 1. Oktober 2022

Die Würzburger auf der Steige - the Würzburg soldiers at the inn p. 3

Der Sonntag stand bei uns ganz im Zeichen der Sonntagsdarstellung. Da wir auch diesmal keinen Pfarrer als Darsteller dabei hatten, haben wir uns auf eine Andacht ohne Predigt beschränkt. Immerhin finden sich zumindest in Schwäbisch Hall durch die Pietisten Versammlungen ohne offiziellen Anstrich der Kirche, welche aber auch von Seiten der eher orthodoxen Lutheraner im Magistrat bisweilen kritisch angesehen wurden [1]. 

 

Bei der Andacht. Lesung aus der Bibel. - At the devotional, I was reading the bible. (Foto: Michael Leyendecker)

For us, Sunday was all about the Sunday presentation. Since we didn't have a pastor as an actor this time again, we limited ourselves to a devotional without a sermon. Nevertheless, at least in Schwäbisch Hall, the Pietists found meetings without the official smear of the church, which, however, were sometimes viewed critically by the more orthodox Lutherans in the magistrate [1].

 

Wir versammelten uns vor dem Steigengasthaus und sangen einige Lieder wie "Nun danket alle Gott", "Lobet den Herren" und "Wach auf wach auf, Du deutsches Land!". Die Loblieder passten zu dem Regen nach der langen Dürre, auch wenn dieses Thema zum Juni 1749 so eigentlich nicht gepasst hätten wie es 28. August 2022 stimmig war.  

 

We gathered in front of the Steigengasthaus and sang a few songs like "Nun danket alle Gott", "Lobet den Herren" and "Wach auf, wach auf, du deutsches Land!". The songs of praise went well with the rain after the long drought, even if this topic would not have suited June 1749 as it did on August 28, 2022.

 

Ausgelassener Tanz vor dem Wirtshaus. - Exuberant dance in front of the inn. (Foto: Michael Leyendecker)

Anschließend verbrachten wir den Sonntag mit zahlreichen kleineren und größeren Aktionen. So saß ich manchmal auch einfach nur mit meinem Knecht Johann vor dem Wirtshaus und sang mit ihm zeitgenössische Lieder [2]. Wir haben soviel getanzt wie noch nie auf unseren Sonntagsdarstellungen. Dabei hatten wir auch sehr einfache Tänze dabei, welche auch die Möglichkeit für weniger erfahrene Tänzer boten mitzumachen. Daneben wurde mit Holzstöcken und Holzdegen "gekämpft"; in der Wirtsstube wurde Karten gespielt. Die Kinder hatten auch die Chance auf Stelzen zu laufen und haben Reifen mit einem Stöckchen über den Hof vor dem Gasthaus getrieben. 

 

Der Kampf mit den Holzdegen zwischen Wirt und Schultheiß. - The "fight" of the inn keeper and the "Schultheiß" using wooden small swords. (Foto: Michael Leyendecker)
 

We then spent the Sunday with numerous smaller and larger activities. So sometimes I just sat with my servant Johann in front of the inn and sang contemporary songs with him [2]. We danced as much as never before on our Sunday performances. We also had very simple dances with us, which also offered the opportunity for less experienced dancers to take part. In addition, they "fought" with wooden sticks and wooden swords; cards were played in the inn. The children also had the chance to walk on stilts and used a stick to drive tires across the yard in front of the inn.

Dienstag, 20. September 2022

Die Würzburger auf der Steige - the soldiers of Würzburg at the inn p. 2

Der Samstag stand ganz im Zeichen des Straßenbaus [1], der 1749 nachweislich unweit der Steige stattfand. Zwar konnten wir nich die "Straße" bei der Steige wie es die Baurechnung der Reichsstadt ausweist pflastern, aber wir konnten den Graben ein bisschen ausbessern. Dadurch wurde wieder der kleine Grenzstein aus dem 16.Jh. sichtbar, den wir bereits im Vorjahr wieder freigelegt hatten. Einen Geleitstein hatte es 1749 bereits oberhalb der historischen Roten Steige gegeben [2]. Als besonders beschwerlich gestaltete es sich nach den Regenfällen, die kurz zuvor niedergegangen waren, Material für die Deckschicht der Straße herbei zu schaffen. Der Regen hatte die "Straße" im Hohlweg zwischen dem Steigengasthaus und unseren Häusern [3] weiter ausgespült, so dass ein klassischen "Geleise" sichtbar wurde wie es in der Instruktion für Straßenbau des Schwäbischen Kreises von 1739 erwähnt wird [4]. Immerhin gelang es meinen Knechten und mir einen großen Teil des Bewuchses zurück zu schneiden und den Riegel auszubessern. Die Straßenreperatur hingegen blieb eher hinter meinen Erwartungen zurück. Dabei empfehlt die Fachliteratur für den Straßenbau tatsächlich feuchtes Wetter. Leider konnte der Wirt von der Roten Steige keine Männer zur Arbeit an der Steige absenden. Ob ihm das wohl vom Amtmann einmal übel genommen wird? 

Arbeiter auf der Baustelle. Man erkennt ein bisschen den Zustand der Straße. - Workers at the building side. The constitution of the road is a bit visible here. (photo: Franziska Stanger)

 

Saturday was all about road construction [1], which is proven to have taken place not far from the Steige in 1749. Although we weren't able to pave the "street" by the climb as the building bill of the imperial city shows, we were able to repair the ditch a bit. As a result, the small boundary stone from the 16th century was restored. visible, which we had uncovered again last year. In 1749 there was already a guide stone above the historic Rote Steige [2]. After the rains that had fallen shortly before, it was particularly difficult to get material for the surface layer of the road. The rain had further washed out the "road" in the ravine between the Steigengasthaus and our houses [3], so that a classic "track" became visible as it is mentioned in the instructions for road construction of the Swabian District from 1739 [4]. At least my servants and I managed to cut back a large part of the growth and repair the bolt. The road repair, on the other hand, fell short of my expectations. The specialist literature for road construction actually recommends damp weather. Unfortunately, the landlord of the Red steep track inn could not send any men to work on the steep road. Will the magistrate take offense at him?

Man erkennt hier gut den Riegel mit dem Schlagbaum. - You can see the barricade with the turnpike here very well. (photo: Stefan Winter)

 

 

Während wir an der Straße arbeiteten haben meine Mägde und meine Frau Wäsche gewaschen, was trotz des nassen Wetters erstaunlich gut funktionierte. Vielleicht haben sie auch in den Jahren genug Erfahrungen gesammelt um auch bei widrigeren Bedingungen zu arbeiten.  

While we were working on the road, my maids and wife did laundry, which worked surprisingly well despite the wet weather. Perhaps they have gained enough experience over the years to work under more adverse conditions.

 

An diesem Tag war auch der Wachtmeister aus Hall [5] überraschenderweise im Dorf. Wir berichteten ihm von dem Überfall am Vortag und er versprach es weiter zu sagen, wenn er in die Reichsstadt zurück gekehrt sei. Auch der Schultheiß Kaiser fasste einen Bericht an den Amtmann Sanwald ab, der vom Grabenreiter in die Stadt gebracht werden konnte [6]. 

Der Wachtmeister aus Hall in seiner roten Uniform neben dem Gastwirt von der Roten Steige hinten an der Wand. - The sergeant from Hall with his red uniform next to the innkeeper of the "Rote Steige" at the wall. (photo: Stefan Winter)

 

Surprisingly, the sergeant from Hall [5] was also in the village that day. We told him about the robbery the day before and he promised to say more when he returned to the imperial city. The Schultheiss Kaiser also wrote a report to the bailiff Sanwald, which was brought to the city by the Grabenreiter [6].

 

Der Schultheiß von Michelfeld und der Schulmeister überlegen wohl, was sie dem Amtmann schreiben wollen? - What are the "Schultheiß" of Michelfeld and the teacher are thinking about? Maybe it's what they will write to the "Amtmann" (bailiff)? (photo: Stefan Winter)

Am Abend wurde wieder tüchtig im Wirtshaus getanzt, auch um sich auf den Sonntag vorzubereiten. Natürlich sind zwar Tänze an Sonntagen streng verboten gewesen und die Regularien zu Tänzen waren ohnehin sehr scharf in der Gegend, aber es passte einfach so gut - zumal das Wetter versprach ideal dafür zu werden [7].  

Nach dem Tanzen sitzt man im Wirtshaus. Im Vordergrund sieht man ein Scheitholt. - After dancing they are sitting in the inn. In the foreground a "Scheitholt" is visible. (photo: Stefan Winter)

 

In the evening there was a lot of dancing in the tavern again, also to prepare for Sunday. Of course, dancing on Sundays was strictly forbidden and the regulations on dancing were very strict in the area anyway, but it just fitted so well - especially since the weather promised to be ideal for it [7].

 

 

Text: André Hanselmann

Fotos: Stefan Winter, Franziska Stanger


Notizen / Notes:

1) zum Straßenbau siehe auch - about the road building: https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2020/03/straenbau-im-18-jahrhundert-road.html

2) zu Geleitsteinen siehe: Hans Mattern, Reinhard Wolf: "Die Haller Landheg - Ihr Verlauf und ihre Reste" Thorbecke, Sigmaringen, 1990, S. 71-72

3) In der Baugruppe Weinland. - In the group of buildings called "Weinland".

4) In Auszügen in: Johann Georg Krünitz: „Oekonmische Encyklopädie, oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- u. Landwirthschaft in alphabetischer Ordnung“ Band 62 - Band 63, Pauli, Berlin, 1794

5) Eine besonders bedeutende Rolle hatte der Wachtmeister auf unserer Viehmarktveranstaltung gespielt. - The sergeant (Wachtmeister) played an important role on our event about the cattle market. Siehe: https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2016/12/viehmarkt-1756-19-21august-2016.html

6) Denn dies fällt in die Aufgaben der Grabenreiter. - That's one of the duties of a "Grabenreiter" (trench rider). Siehe dazu: Hildegard Nordhoff-Behne: "Gerichtsbarkeit und Strafrechtspflege in der Reichsstadt Schwäbisch Hall seit dem 15. Jahrhundert", Epinger-Verlag, Schwäbisch Hall, 1968, S. 89-90 

7) dazu ausführlich: https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2020/01/wie-wichtig-ist-das-tanzen-how_2.html 

Donnerstag, 8. September 2022

Die Würzburger auf der Steige - The Würzburg soldiers on the "Steige" 1749 p. 1


Als eine kleine Besonderheit als eine unserer Veranstaltungen des Cerle d'Histoire Vivante im Hohenloher Freilandmuseum Wackershofen wiederholten wir diesmal quasi ein Thema beziehungsweise ließen eine Veranstaltung nochmals im selben Jahr spielen wie 2014 [1]. Diesmal konzentrierten wir uns allerdings auf die Ereignisse vom 16. Juni und dabei insbesondere das, was an diesem Tag um 8 Uhr auf der Steige geschehen ist. Um den Besuchern etwas mehr zu bieten, haben wir die Ereignisse von der Tageszeit her etwas nach hinten verlegt. 

Die beiden Würzburger. Für eine Weste hat es meinerseits leider nicht gereicht. - Two Würzburgers. Unfortunately I had no time to make a military waistcoat. (photo: Stefan Winter)

 

As a small special feature as one of our events of the Cerle d'Histoire Vivante in the Hohenlohe Freilandmuseum Wackershofen, we repeated a topic this time or let an event take place again in the same year as in 2014 [1]. This time, however, we are concentrating on the events of June 16, and in particular what happened on the "Rote Steige" at 8 a.m. that day. In order to offer the visitors a little more, we have moved the events back a bit from the time of day.

Die Würzburger sind im Gelände unterwegs - hier am Sommerkeller auf der Suche nach Bier? - The soldiers from Würzburg are moving through the area - here at the summer cellar maybe looking for beer? (photo: Stefan Winter)

 

Am Freitagmorgen versammelte sich eine kleine Truppe um unseren Hauptmann Gröll von Grimmenstein in der Baugruppe Weinland. Hier war also für unser Spiel das comburgische Territorium an diesem Tag. Leider haben ja nur zwei von uns Uniformröcke des Regiments Bamberg wie er uns von Gudenus überliefert ist [2]. Die Aufschlagfarbe Blau entspricht einer Augenzeugenaussage wie sie aus den Prozessakten hervorgeht [3]. Die Borten der Hüte waren uns unbekannt, weshalb wir einfach Dreispitze ohne Borte genommen haben. Da wir eine zusätzliche Muskete hatten, haben wir einen weiteren Bewaffneten dazu genommen. Immerhin finden sich in den Quellen auch zivile aufgebotene Untertanen in manchen Aktionen der Würzburger im hällischen Gebiet.

 

Die beiden Handwerker vor dem Steigengasthaus bevor die Würzburger eintreffen. - Two craftsmen in front of the tavern at the "Steige" before the Würzburg military is arriving. (photo: M. Menger/L. Preussner)

 

On Friday morning, a small group gathered around our Captain Gröll von Grimmenstein in the Weinland building group. So here was the Comburgian territory for our game that day. Unfortunately, only two of us have uniform coats of the Bamberg regiment as it has been handed down to us by Gudenus [2]. The blue color corresponds to an eyewitness testimony as it emerges from the trial files [3]. The trims of the hats were unknown to us, which is why we simply took cocked hats without trims. Since we had an extra musket, we added another gunman. After all, the sources also mention civilian subjects in some of the Würzburg actions in the Hall area.

Der Hauptmann entwendet das Wirtshausschild. - The captain takes away the sign of the tavern. (photo: M. Menger/L. Preussner)

 

Wir marschierten also zu Dritt in Richtung des Sommerkellers, der leider geschlossen war. Der Hauptmann ließ uns dort lagern bevor es wieder hinab ging. Denn nun sollten wir beim Pfarrer Messerer Lärm machen. Ihm wurde von uns gedroht, dass man sein Gehalt einbehielte, wenn man erführe, dass er den Messwein aus der Steige nähme [4]. Leider war der Pfarrer nicht anwesend. In Ermangelung eines Wirtshauses wie es historisch das des Comburger Wirtes in Michelfeld gewesen wäre, zogen wir zum Museumsgasthaus "Zum Roten Ochsen", wo wir es uns gut gehen ließen. 


 

Die Würzburger Musketiere bedrohen die Leute auf der Steige. - The musketeers from Würzburg are talking to the civilians at the tavern. (photo: M. Menger/L. Preussner)

So the three of us marched in the direction of the summer cellar, which unfortunately was closed. The captain let us camp there before we went back down. Because now we should make noise at Pastor Messerer's. We threatened him that his salary would be withheld if we found out that he was taking the altar wine from the crate [4]. Unfortunately the pastor was not present. In the absence of an inn like the Comburger Wires in Michelfeld historically would have been, we moved to the museum inn "Zum Roten Ochsen", where we had a good time.

Der Wein wird sogar ausgesoffen! - Even the vine of the inn was drunk. (photo: Michael Leyendecker)

 

Dienstag, 6. September 2022

Historiker von nebenan / historians alongside with Thorsten Butter P. 2

Hallo Thorsten!

Nun sind wir zurück aus Wackershofen und ich freue mich schon sehr auf Deine Impressionen. 

Wie hat Dir die Veranstaltung gefallen?

 

Thorsten Butter: Sehr sehr gut! Das Freilandmuseum ist einfach wunderschön. Von historischen Gebäuden, über Wiesen, bis hinzu Tieren ist alles vorhanden. Abgerundet wird die ganze Örtlichkeit von einem gut bürgerlichen Restaurant, in dem man immer wieder einkehren möchte, für ein kühles Bier.

Die „Mitspieler“ waren durchgehen freundlich, nett und immer offen für ein plausch. Auch kommen einfach die unterschiedlichsten Menschen im Hobby zusammen. Es ist einfach erfrischend den Mägden beim Nähen zu zuschauen, während man als 3 Herren daneben sitzt und ein Pfeifchen genießt.


Hello Thorsten!

Now we are back from Wackershofen and I am really looking forward to your impressions.

How did you like the event?


Thorsten Butter: Really really good! The open-air museum is simply beautiful. From historic buildings to meadows and animals, everything is there. The whole location is rounded off by a good middle-class restaurant, where you always want to stop for a cold beer.

The "players" were always friendly, nice and always open for a chat. Also, the most diverse people simply come together in the hobby. It's just refreshing to watch the maids sewing while you sit next to each other as 3 gentlemen and enjoy a pipe.

Auf dem Weg von der Baugruppe Weinland zum Wirtshaus an der Roten Steige. - On the way from the "Weinland"-group of buildings to the "Rote Steige"-tavern. (photo: M. Leyendecker)


Hast Du Dich gut vorbereitet gefühlt von uns durch unsere historische Info oder das, was man auf unserem Blog finden kann[1]?

Vom Setting definitiv! Durch das historische Pamphlet oder Erzählungen, war das Leben im 18. Jahrhundert kein Mysterium für mich. Auch addierten sich die Informationen gut zu dem was ich selbst schon kenne.

Was mir nicht bewusst war, ist wie nahen historischen Handwerken an modernen ist. Ob Zieheisen oder Stampfer, ist alles heute ähnlich vorzufinden. Meist nur maschinell.

André Hanselmann: Did you feel well prepared by our historical info or what can be found on our blog[1]?

Thorsten Butter: Definitely from the setting! Through the historical pamphlet or tales, life in the 18th century was no mystery to me. The information added up well to what I already know myself.

What I wasn't aware of is how close historical crafts are to modern ones. Whether drawing iron or rammer, everything is similar today. Just machine driven.

 

Inmitten dem Trubel des Überfalls durch die Würzburger. - In the mid of the chaos during the raid of the Würzburg military. (photo: M. Leyendecker)

A. Hanselmann: Gab es für Dich einen persönlichen Höhepunkt auf der Veranstaltung? Jeder hat ja da seinen eigenen Fokus und wenn ich mich auf früheren Wackershofen-Events am liebsten an einen Ritt mit meinem Grabenreiter erinnere, dann haben ja die meisten anderen das Erlebnis gar nicht gehabt.

 

T. Butter: Zwei Ereignisse fallen mir da direkt ein. Zunächst das tägliche Feuer für das Frühstück. Früh morgens, als erste wache Person nur mit Holz, einer Kerze und Feuersteinen, ein Feuer zu produzieren ist ein wunderschönes Erlebnis. Hier muss ich zugeben, dass ich spätestens am zweiten Tag, ein wenig mit dem Feuerzeug nachhelfen musste, um pünktlich heißes Wasser anbieten zu können.

Das andere war die Küche, genauer meine Einführung in den Gebrauch des historischen Ofens. Hier nochmals vielen Dank an Sonja. Es ist faszinierend wie Hitze in einem gemauerten Ofen entsteht und reguliert wird. Ein wahres Zusammenspiel von Bäcker*in und Ofenzuständigen.

Am Morgen wird das Feuer vorbereitet. - In the morning he is preparing the fire. (photo: Stefan Winter)