Sonntag, 21. November 2021

Dienstboten im 18. Jahrhundert T. 5 / servants during the 18th century p. 5

Ich als Hausherr

Ich will nun auch einmal aus meiner Perspektive als "Herrschaft" berichten. Ich muss sagen, dass ich den Eindruck habe, dass mir als "Herrschafts"-Darsteller unbedingt hilft, auch die andere Perspektive kennen gelernt zu haben um einzuschätzen, was man "Dienstboten" zumuten kann und wie man ein gutes Zusammenspiel hinbekommt. 

Myself as the "master"

I now want to report from my perspective as "the master of a household". I have to say that I have the impression that, when reenacting a master, it definitely helps to know the other perspective to assess what one can expect from the "servants" and how to achieve a good teamwork.

Wie kam ich überhaupt dazu?

Neben den Veranstaltungen in den Museen von Kommern, Bad Windsheim, Roscheider Hof, Kiekeberg und Wackershofen hat es immer wieder auch rein private Veranstaltungen gegeben. Das heißt, dass dabei ein Schlosshotel gemietet oder einfach ein Ausflug in einen Park in "historischer Gewandung" unternommen wurde. Wir haben auch organisiert von verschiedenen Hobbyisten Opernbesuche vor allem in Bayreuth gehabt. Irgendwann vor nunmehr 15 Jahren kamen wir dazu selber als Organisatoren solcher privater Treffen zu fungieren. Dabei realisierte ich rasch, dass es keinen Sinn ergab oder vielmehr schwierig realisierbar ist gleichzeitig als "Diener" aufzutreten und zugleich die Veranstaltung zu managen. Da ergab dann die Rolle des Hausherrn einfach mehr Sinn. Mit den Jahren kamen mehr und mehr Darsteller hinzu, welche Gefallen darin fanden als Dienstboten zu fungieren und es erwies sich für mich, dass diese zum Gelingen der Treffen weit wichtiger waren als die Herrschaftsdarsteller. Sprich wenn jemand, der sich für ein privates Treffen angemeldet hatte und das Geld für Übernachtung und Speisen beispielsweise überwiesen hatte, dann nicht kam, war das weniger tragisch als wenn ein erfahrener "Dienstbote" verhindert war. Denn diese Dienstboten-Darsteller gewannen ja über die Jahre in unseren "Diensten" zusehends mehr Einblicke und Wissen darum wie man einen Tisch deckt oder wie das Zusammenspiel innerhalb des "Gesindes" funktioniert.

Ich mit einem meiner ersten Dienstboten. Mein Diener Jakob berät mich, während ich einen Brief aufsetze. Eine typische Szene auf Schloss Zeilitzheim an einem Freitag, als unser Treffen erst anfing. Da hat man noch mehr Zeit für sowas. Die Veranstaltung spielte in den 1750ern. - Myself with one of my first servants ever. My valet Jakob talks to me while I'm writing a letter. That's a typical scene at the Zeilitzheim castle on a Friday, when the event is beginning and we had more time for something like that. The event was situated in the 1750s. (Foto: Cecilia Hanselmann, 2008)

How did I get there in the first place?

In addition to the events in the museums of Kommern, Bad Windsheim, Roscheider Hof, Kiekeberg and Wackershofen, there have always been purely private events. This means that a castle hotel was rented or simply a trip to a park in "historical clothing" was undertaken. We have also had opera visits organized by various hobbyists, especially in Bayreuth. Sometime 15 years ago we came to act as organizers of such private meetings ourselves. In doing so, I quickly realized that it made no sense, or would be rather difficult to implement, to act as a "servant" and manage the event at the same time. Then the role of host just made more sense. Over the years, more and more actors were added, who found pleasure in acting as servants and it turned out to me that they were far more important than the dominant actors (gentry or rich bourgeois) for the success of the meeting. In other words, if someone who had registered for a private meeting and had transferred the money for accommodation and food, for example, did not come, it was less tragic than if an experienced "servant" was prevented. Because over the years these servant actors gained noticeably more insights and knowledge about how to set a table or how the interplay within the "servants" works in our "services".
 
Ich bin als Hausherr "1781" im Gespräch mit meinem Diener Niedrighusen und der Haushälterin. - Myself as the master discussing in "1781" with my servant Niedrighusen and my housekeeper. (Foto: Cecilia Hanselmann, in Schloss Zeilitzheim, 2011)

 

Der Haushalt

Über die Jahre lernt man dazu, welche Darsteller für welche Rollen prädestiniert sind. Man erfährt auch, welche Rollen man für ein privates Treffen braucht. Als Beispiel: ich brauche keinen Kutscher, wenn man keine Pferde auftreiben kann und das Schloss, in welchem die Veranstaltung stattfindet weder Remise noch Stallungen hat. Ich brauche keine Köchin, wenn man nur mit Speisen arbeiten muss, welche vom Schlosshotel gestellt werden usw.. 

Die weiblichen Dienstboten decken den Tisch im Schönbornsaal von Schloss Zeilitzheim. - The female servants are preparing the table in the Schönbornsaal at the Zeilitzheim castle. (Foto von Michael Paulick, 2011)

 

Wir alle haben unsere Stärken und Schwächen. Ich selbst habe bis jetzt nicht gelernt wie man einen Herrn rasiert. Deswegen führe ich das nicht vor und stelle eben keinen Diener dar, der das "beamtendeutsch ausgedrückt" im "Tätigkeitsprofil" hat. Manch einer kann wunderschön einen Tisch decken, aber er mag es einfach nicht einen so nahen körperlichen Kontakt zu haben, den man als Kammerdiener einfach haben muss, wenn man seinen Herrn beispielsweise ankleidet. 

Unsere ausgezeichneten Dienstboten "1781". Ich glaube, dass das unsere erste Veranstaltung mit einer größeren Anzahl an Dienstboten war. Es war großartig. - Our excellent servants "in 1781". I think that it maybe was our first time with a larger number of servants in our household. It was a great experience. (Foto: Michael Paulick 2011)

 

Über die Jahre haben sich einige Rollen für "unseren Haushalt" rauskristallisiert, die man praktisch fast immer braucht: 

A: einen leitenden Dienstboten - nach damaligen Gepflogenheiten gleichzusetzen mit einem Kellermeister oder einer Haushofmeisterin [1] 

B: eine Anzahl von Lakaien

C: eine Anzahl von Mägden für die Küche oder ähnliche vorbereitende Tätigkeiten

D: eventuell je nach Schwerpunkt auch Jäger, Musiker oder andere speziellere Dienstboten

Manche Darsteller haben sich als gewissermaßen Konstanten erwiesen - verlässliche Teilnehmer, die immer wieder in die gleiche Rolle geschlüpft sind und mit denen man kaum noch Allgemeines bereden brauchte. 

Ich zahle unser Gesinde bei einem Treffen auf Schloss Zeilitzheim aus. - I'm paying the wages for my servants at an event in the Zeilitzheim castle. (Foto: Michael Paulick, 2013)

The household

Over the years you learn which actors are predestined for which roles. You also learn which roles you need for a private meeting. For example: I don't need a coachman if you can't get horses and the castle in which the event takes place has neither a coach house nor stables. I don't need a cook if you only have to work with dishes that are provided by the castle hotel, etc.

We all have our strengths and weaknesses. I have not yet learned how to shave a man myself. That is why I am not demonstrating this and I am not representing a servant who has these abilities "in officialese" in his "job profile". Some people can set a table beautifully, but they just don't like the close physical contact that a valet has to have, for example when dressing his master.
Over the years some roles for "our household" have emerged that are always needed from a practical way of view:

A: a senior servant - according to the customs of the time, equated with a cellar master or a housekeeper [1]

B: a number of lackeys

C: a number of maids for the kitchen or similar preparatory work

D: possibly also hunters, musicians or other more specialized servants, depending on the focus

Some actors have turned out to be constants, so to speak - reliable participants who have slipped into the same role over and over again and with whom there was hardly any need to discuss general issues.

Dienstboten und "Standespersonen"

Neben den Dienstboten und der Familie des Hausherrn gab es zwangsläufig auch weitere "Standespersonen" oder dergleichen. Bei Veranstaltungen in Schlosshotels war es üblich zu gewissen Modalitäten diese "Standespersonen" auch finanziell die Veranstaltung mit tragen zu lassen. Im Gegenzug durften sie genießen "bedient zu werden".

Unsere sehr guten Mägde bereiten zusammen mit der Hausherrin (mit Dreispitz) alles für die abendliche Soirée nach dem Souper vor. - Our excellent maids are preparing everything together with the landlady (with tricorn) for the soirée after the souper. (Zeilitzheim 2014)


 

Mittwoch, 3. November 2021

„Anno Domini 1771 – Bauen im 18. Jahrhundert“ - "Anno Domini -1771 - Building in the 18th c." 20.-22.08.2021 p. 3

Teil 3 / Part 3

Aus der Bibel wurde auch passend zu den Ereignissen 1771 vorgelesen. Leider war ja meine weitaus würdigere Sonntagskleidung am Vortag völlig durchnässt worden. - I started reading from the bible parts which were perfect for the events in 1771. Unfortunately my more worthy sunday's clothing got soaked completely at the day before.


Wir wussten schon im Vorhinein, dass am Sonntag das Wetter nicht so besonders gut werden würde. Deswegen trommelte ich so rasch ich konnte alle Leute aus meinem Haushalt zusammen um diesmal eine unserer Mägde im Katechismus zu examinieren [1] [2]. Natürlich ist das eher eine Aufgabe für einen Pfarrer. Aber generell waren Andachten im häuslichen Rahmen hingegen etwas absolut typisches, auch wenn sie pietistisch geprägt waren, es vorkommen konnte, dass der Haller Rat solche eher kritisch betrachtete. Ich las aus der Bibel vor, hörte den Katechismus ab und wir sangen das alte reformationszeitliche Lied „Wach auf, wach auf, du deutsches Land“ [3]. Insbesondere durch die Missernte von 1770/71 zeigten sich Anzeichen von intensiver Frömmigkeit in Hall durch die Abhaltung von besonderen Bettagen und mehr.

We knew in advance that the weather wasn't going to be that good on Sunday. That's why I drummed up all the people in my household as quickly as I could, this time to examine one of our maids in the catechism [1] [2]. Of course this is more of a job for a pastor. But in general, devotions in a domestic setting were something absolutely typical, even if they were pietistic, it could happen that the council of Hall viewed them rather critically. I read from the Bible, listened to the catechism and we sang the old Reformation time song "Wach auf, wach auf, du deutsches Land" [3]. In particular, the poor harvest of 1770/71 showed signs of intense piety in Hall, special prayer days were celebrated and more.

Die Magd trat vor um ihre Kenntnisse kund zu tun. - The maid stepped forward to show what she knew. (photo: Franziska Stanger)


Nach dem Mittagsmahl haben wir wegen des Regens im Tanzsaal des Steigengasthauses getanzt. Das hat diesmal ganz vorzüglich geklappt.  

After lunch we danced because of the rain in the dance hall of the Steigengasthaus. That worked out very well this time.

 

Im Wirtshaus wurde getanzt. - We danced in the inn. (photo: Stefan Winter)


Die besonders schmuck, sonntäglich gekleidete Frau des Pfarrers lauschte besonders aufmerksam dem Schultheiß Gunkel, der begeistert von seiner Magd berichtete. - The very nice looking and finely dressed wife of the parson listened attentively when the "Schultheiß" Gunkel reported enthusiastic about his maid. (photo: Stefan Winter)

Ich begab mich zur Frau Pfarrerin und bat sie ihrem Gemahl zu schreiben, welche Fortschritte die Kenntnis des Katechismus in unserem Haus machte. Leider war der Nachmittag von einem Wechsel von Regen und kurzen trockenen Phasen geprägt. Mein Knecht und ich versuchten den Graben unweit dem Grenzstein von 1576 wieder ein bisschen auszubessern. Leider ist der Boden insbesondere durch den Kies der immer wieder in den Graben abgerutscht ist, sehr schwer zu bearbeiten. Die Ausbesserung der Gräben und das Entfernen des Straßenmorasts wurden im 18. Jahrhundert als besonders wichtig erkannt. Natürlich ist unsere „Straße“ beileibe keine Chaussee, schon allein von der Breite her [4]. 

I went to the pastor's wife and asked her to write to her husband about the progress that our knowledge of the catechism was making in our house. Unfortunately, the afternoon was characterized by an alternation of rain and short dry phases. My farmhand and I tried to repair the trench a little not far from the boundary stone from 1576. Unfortunately, the soil is very difficult to work, especially due to the gravel that has repeatedly slipped into the ditch. The repair of the ditches and the removal of the street mud were recognized as particularly important in the 18th century. Of course, our “street” is by no means a road, if only in terms of its width [4].


Der Grabenreiter arbeitet als Fuhrmann und brachte mich und die Frau des Pfarrers zum Steigengasthaus. - The trench rider worked as a coachman and brought myself and the wife of the pastor to the steep track inn. (Foto: Stefan Winter)






Unsere Wäsche mussten wir in unserer Scheune in Sicherheit bringen zum Trocknen. - Our laundry had to be brought into the barn in safety to stay to be dry. (photo: Franziska Stanger)

Montag, 11. Oktober 2021

Rocoux 11. Okt. 1746 Part 2

Wie auch bei unseren übrigen Beiträgen im Blog dieser Reihe zum Österreichischen Erbfolgekrieg, wird auch dieser mit Bildern unseres Wargaming-Spiels illustriert, da ich solche Bilder irgendwie erhellend finde, auch wenn ein Spiel natürlich nicht exakt ein historisches Ereignis widerspiegelt.

As with our other blog posts in this series on the War of the Austrian Succession, this one is also illustrated with pictures of our Wargaming game, as I find such pictures somehow enlightening, even if a game does not, of course, exactly reflect a historical event.

Die Aufstellung beider Seiten (die französische Infanterie und die Artillerie sind noch vollständig) bevor den Hauptkämpfen in der Situation am Morgen des 11. Oktober und die Bewegungen in unserem Spiel. - The deployment of both sides (not all of the French infantry and artillery are built up) before the main fightings in the situation in the morning of October 11th and the following movements during our game. (photo: Cecilia Hanselmann)


Der Angriff auf Ance

Im Lager der pragmatischen Armee liefen widersprüchliche Beobachtungen ein. Zum Teil sah der österreichische Kommandeur der leichten Truppen Baranyay seine Vermutung eines französischen Angriffs bestätigt, zum Teil wurde ein solcher für unwahrscheinlich gehalten [1]. Allein schon wegen der ungünstigen Geländeverhältnisse vor der Front der österreichischen Truppen zwischen Fexhe und Enick, welche durch ein Ravin gedeckt war, schien aus französischer Sicht dem Angriff durch den Comte de Clermont gegen Ance die größte Bedeutung beigemessen zu werden. 

Die Verbündeten hatten schon alle Vorbereitungen zum Rückzug über die Maas getroffen; die Bagage war bereits über die Maas vorraus geschickt worden, als es an diesem 11. Oktober 1746 tatsächlich doch noch zur Schlacht kam[2]. Ich frage mich offengestanden, ob dies nicht etwas bei den Soldaten der pragmatischen Armee bewirkt haben muss zu wissen, dass das Oberkommando garnicht beabsichtigte ernsthaft die Stellung zu verteidigen. Entgegen einem Plan des Prinzen von Waldeck seine leichten Truppen nach Rocoux zu ziehen, verblieben diese zur Flankensicherung am linken Flügel. Generalmajor Zievel verfügte - typisch für die gemischte Verteilung der pragmatischen Kräfte - unter seinem Kommando auch unter ehemaligen Trenck'schen Panduren [3] sowie abkommandierter ungarischer Infanterie. Diese Kräfte besetzten Ance und wurden zusätzlich von den bereits mehrfach bewährten Niederländischen Freikompanien dahinter gedeckt [4]. 

Ganz richtig hatte der Maréchal de Saxe die Chance erkannt mit den leichten Truppen und der Reiterei vor allem unter d'Estrées aber auch unter dem Comte de Clermont [5] Waldecks Flanke überflügeln zu können. Das kleine Detachment unter dem Maréchal de Camp de Montagne sollte hauptsächlich zur Ablenkung von diesen Absichten am verbündeten rechten Flügel den Ravin durchschreiten und einen Angriff andeuten. Zum Glück für die Pragmatische Armee verzögerten starke nächtliche Regenfälle ein rasches Vorankommen der Franzosen. Gegen 8 Uhr erst kam es zu Plänkeleien bei dem Dorf Aleurs. Zwischen 9 und 10 Uhr eröffneten die Franzosen mit der Artillerie das Feuer auf Waldecks Flügel. Der Prinz von Waldeck schickte nun dem Oberkommandierenden, dem Prinzen von Lothringen einen dringlichen Hinweis, worauf dieser zu Waldeck aufbrach um sich ein Bild von der Lage an der bedrohten Flanke zu machen. Erst um 11 Uhr wurden endgültig Baranyays Vorposten durch französische Infanterie vertrieben. Aber das zögerliche Vorwärtswagen von Clermonts Flügel, der sich teils noch außer Kanonenreichweite hielt, verleitete den Prinzen von Lothringen zu der Annahme, dass keine unmittelbare Gefahr bevorstehe. 

Die Gefahr einer Umklammerung durch die Franzosen wurde auch von diesen selbst zunichte gemacht indem d'Estrées statt in den Rücken des niederländischen Flügels gegen dessen linke Flanke zog - also einem Abschnitt, der eigentlich durch den Comte de Clermont hätte angegriffen werden sollen! D'Estrées hielt die Stellung der Verbündeten bei Ance für zu stark, auch wenn er insbesondere zusammen mit dem Comte de Clermont diesem deutlich überlegen war. Statt anzugreifen beschloss der Comte de Clermont mit einer größeren Batterie 16-Pfündern die verschanzten Panduren zu beschießen. Damit zögerten die französischen Kommandeure noch zu einem Zeitpunkt anzugreifen, als der Maréchal de Saxe bereits bedeutende Fortschritte erwartet hätte, zumal de Saxe sicherlich in Betracht zog, dass ein Tag im Oktober kürzer war als im Sommer. 

Erst am frühen Nachmittag kam es zu ersten Kämpfen rund um das Dorf Ance, die dann aber rasch erbitterter wurden. Der Comte de Clermont konnte über nicht weniger als 36 Geschütze verfügen um die Niederländer und Österreicher aus ihren Stellungen zu vertreiben. Dem ersten ernsthaften Ansturm der französischen Infanterie mussten Zievels Truppen weichen und gingen auf den Hohlweg hinter Ance zurück. Die im Angesicht des heftigen Feuers zum Absitzen kommandierte niederländische Kavallerie bestieg wieder die Pferde um in einer Attacke die nachsetzende französische Infanterie zurück zu werfen. Doch das Gelände war für Birkenfelds Reiter zu ungünstig und der Angriff blieb vor der französischen Infanterie stecken. Auch der Versuch des Generalmajors von Lippe mit Infanterie auszuhelfen scheiterte und die erschütterten bayerischen und niederländischen Truppen wandten sich zur Flucht. Der Prinz von Waldeck musste nun befürchten, dass d'Estrées Vorraustruppen ihm den Rückzugsweg abschneiden würden, da einige über St. Marguerite hinaus bis gegen St. Walburge streiften. Die Heftigkeit der Kämpfe wird auch dadurch deutlich, dass zahlreiche der niederländischen Generäle getötet oder verwundet wurden wie Veldtmann, Hiemstra, Lippe und Zievel. Gegen halb 4 Uhr nachmittags befand sich Waldecks Flügel teilweise gedeckt durch heran gerückte österreichische Infanterie, teils gedeckt durch 1.000 Reiter unter dem Befehl des erfahrenen hannoveranischen Generals Hammerstein (1682-1759) auf dem Rückzug [6] [7]. 

Zum Glück für die Pragmatischen Truppen setzten der Comte de Clermont und Lt.Gén. D'Estrées vorerst eine entschlossene Verfolgung aus, auch weil sie keine Kenntnisse vom Fortgang der Kämpfe im Zentrum hatten und ihnen die neue Auffangstellung des Prinzen von Waldeck wohl zu stark erschien. Außerdem war der Kampf um Ance recht wechselvoll und kräfteraubend gewesen. Obendrein waren die Bedingungen für beide Seiten wegen einsetzendem Regen mehr als ungünstig. Interessant ist, dass dies offenbar nicht dazu geführt hatte, dass man nicht schießen konnte.

The attack on Ance

In the camp of the pragmatic army contradicting observations came in. The Austrian commander, the light troops named Baranyay partly saw his suspicion of a French attack confirmed, in part it was considered improbable [1]. Because of the unfavorable terrain in front of the main line of the Austrian troops between Fexhe and Enick, which was covered by a Ravin, the attack by the Comte de Clermont against Ance seemed to be of greatest importance from the French point of view.

The allies had already made all preparations to retreat across the Meuse; the baggage had already been sent ahead across the Meuse when the battle actually broke out on October 11, 1746 [2]. I ask myself frankly whether this must not have done something to the soldiers of the pragmatic army, knowing that the high command did not intend to seriously defend the position. Contrary to a plan by the Prince of Waldeck to move his light troops to Rocoux, they remained on the left wing to secure their flanks. Major General Zievel had - typical of the mixed distribution of pragmatic forces - under his command also among former Trenck'schen Pandurs [3] as well as detached Hungarian infantry. These forces occupied Ance and were additionally covered by the Dutch free companies that had already proven themselves several times behind them [4].

The Maréchal de Saxe had quite rightly recognized the chance with the light troops and the cavalry, especially under d'Estrées but also under the Comte de Clermont [5] to be able to outflank Waldeck's flank. The small detachment under the Maréchal de Camp de Montagne was supposed to cross the Ravin and demonstrate an attack on the allied right wing, mainly to divert attention from these intentions. Fortunately for the Pragmatic Army, heavy night rains delayed rapid French advance. It was only around 8 o'clock that there were skirmishes in the village of Aleurs. Between 9 a.m. and 10 a.m., the French opened fire on Waldeck's wing with the artillery. The Prince of Waldeck now sent the Commander-in-Chief, the Prince of Lorraine, an urgent notice, whereupon he went to Waldeck to get an idea of ​​the situation on the threatened flank. It was not until 11 a.m. that Baranyay's outposts were finally driven out by French infantry. But the hesitant steps forward by Clermont's wing, some of which was still out of range of the cannon, led the Prince of Lorraine to believe that there was no imminent danger.

The danger of a grip on the part of the French was also nullified by them themselves, as d'Estrées pulled his forces against the left flank instead of in the rear of the Dutch wing - a section that should actually have been attacked by the Comte de Clermont! D'Estrées thought the position of the allies at Ance was too strong, even if he was clearly superior in numbers, especially together with the Comte de Clermont. Instead of attacking the Comte de Clermont decided to bombard the entrenched Pandours with a larger battery of 16 pounders. Thus, the French commanders hesitated to attack at a time when the Maréchal de Saxe had already expected significant progress, especially since de Saxe certainly took into account that a day in October was shorter than in summer.

Only in the early afternoon did the first fighting around the village of Ance break out, but then quickly became more bitter. The Comte de Clermont had no less than 36 guns to drive the Dutch and Austrians out of their positions. Zievel's troops had to give way to the first serious onslaught of the French infantry and went back to the ravine behind Ance. The Dutch cavalry, commanded to dismount in the face of the fierce fire, mounted the horses again to throw back the pursuing French infantry in an attack. But the terrain was too unfavorable for Birkenfeld's riders and the attack got stuck in front of the French infantry. The attempt of Major General von Lippe to help out with infantry also failed and the shaken Bavarian and Dutch troops turned to flee. The Prince of Waldeck now had to fear that d'Estrée's advance troops would cut off his route of retreat, as some of them roamed over St. Marguerite to St. Walburge. The fierceness of the fighting is also evident from the fact that many of the Dutch generals were killed or wounded, such as Veldtmann, Hiemstra, Lippe and Zievel. Around half past three in the afternoon, Waldeck's wing was partly covered by Austrian infantry, partly covered by 1,000 horsemen under the orders of the experienced Hanoverian general Hammerstein (1682-1759) [6] [7].

Fortunately for the Pragmatic Troops, the Comte de Clermont and Lt.Gén. D'Estrées decided to not pursue them for the time being, also because they had no knowledge of the progress of the fighting in the center and the new support position of the Prince of Waldeck seemed too strong to them. In addition, the fight for Ance had been very eventful and exhausting. On top of that, the conditions were more than unfavorable for both sides due to the onset of rain. It is interesting that this apparently did not result in the inability to shoot.

Die Situation in unserem Spiel bei etwa Runde 3. Lt.-Gén. de Maubourg hat unterdessen Rocoux erobert. Aber ein Teil von Douglas Truppen hält noch immer Varoux (außerhalb des Bildes). Es gelang Douglas bei uns immer wieder erschöpfte Bataillone zu ersetzen. Die österreichische Infanterie des ersten Treffens unter Kollowrat unterstützte ihn. Howards wenige Briten rückten für eine vorwärts gerichtete Verteidigung von den Höhen. Dafür sollte bald Howard die Hälfte seiner Infanterie im Angesicht eines Bajonettangriffes von Seedorfs Schweizern verlieren. Während MdC Armentières die Einnahme von Ance gelang, leisteten Zievels Truppen lange genug Widerstand, sodass Smissaert zur Hilfe eilen und dahinter auf dem Höhenzug eine Auffanglinie bilden konnte. Eine Kanonenkugel hatte den Prinzen von Birkenfeld außer Gefecht gesetzt. Doch die hannoveranische und britische Kavallerie unter Hammerstein vermochte rechtzeitig D'Estrées Husaren und Kavalerie zu attackieren, so dass der Flankenangriff der Franzosen zum Erliegen kam. Der Comte de Clermont hatte bereits fast seine gesamte Kavallerie und die Hälfte von Armentières Infanterie eingebüßt. Man erkennt hier auch schon gut, dass Hérouville schon die Hälfte seiner Bataillone verloren hatte. - The situation in our game around round 3. Lt.-Gén. de Maubourg has meanwhile conquered Rocoux. But some of Douglas' troops are still holding Varoux (outside the picture). Douglas succeeded in replacing exhausted battalions again and again. The Austrian infantry of the first meeting under Kollowrat supported him. Howard's few British moved from the heights for a forward defense. In return, Howard was soon to lose half of his infantry in the face of a bayonet attack by Seedorf's Swiss. While MdC Armentières succeeded in capturing Ance, Zievel's troops resisted long enough for Smissaert to rush to help and form a line behind it on the ridge. A cannonball had put the Prince of Birkenfeld out of action. But the Hanoverian and British cavalry under Hammerstein was able to attack D'Estrées hussars and cavalry in time, so that the flank attack by the French came to a standstill. The Comte de Clermont had already lost almost all of his cavalry and half of Armentière's infantry. You can see here that Hérouville had already lost half of its battalions. (photo: Cecilia Hanselmann)

Der Kampf um Rocoux

Mit besonderer Unerbittlichkeit wurde der Kampf um das Dörferdreieck Rocoux-Varoux-Liers geführt, welches von Hessen und vor allem Hannoveraner verteidigt wurde. Hier verschleppte sich noch stärker der Angriff, auch weil der Maréchal de Saxe ursprünglich von einer schwächeren Besetzung der Dörfer ausgegangen war. Es dauerte von etwa 2 bis 4 Uhr nachmittags bis endlich ein ernsthafter Angriff unternommen wurde. Der Kampf wogte nach einem ersten Ansturm der Männer unter dem Lt.Gén. de Luxembourg (1702-1764) [8] gegen Rocoux hin und her. Mit besonderer Wucht wirkten sich hier die vom Maréchal de Saxe bevorzugten und auf Beaurains Darstellung deutlich zu erkennende Kolonnenformation aus. Erst das persönliche Eingreifen des berühmten Maréchal und der Angriff des Korps unter Clermont-Gallerand vertrieb die heftigen Widerstand leistenden Verteidiger. Géneral Lieutenant Fénelon (1688-1746) fand bei den Kämpfen an der Spitze der Brigade Royal Infanterie den Tod. Immerhin über eine halbe Stunde hatten sich die Verteidiger von Rocoux der Übermacht erwehren können. Erst als ihre Lage mit dem Verlust von Rocoux unhaltbar geworden war, zogen sich auch die Hannoveraner der Regimenter Böselager und Maydell sowie Reste des hessischen Regiments Donop aus Varoux zurück, wo man nach dem Verlust eines Teils des Ortes eine weitere Verteidigungslinie errichtet hatte[9]. Sicherlich begünstigt die Beschaffenheit der oftmals von hohen Mauern eingefassten Gehöfte in Belgien die abschnittsweise durchgeführte Verteidigung solcher Dörfer[10].

Donnerstag, 30. September 2021

Rocoux 11.Okt. 1746 Part 1

Die Schlacht von Rocoux darf als eine der sonderbaren der Geschichte gelten. Sie war die größte Schlacht, die bis Dato im 18. Jahrhundert stattgefunden hatte mit schätzungsweise insgesamt etwa 180-200.000 Beteiligten - auch wenn die Schätzungen der Anzahl an Kombattanten stark auseinander gehen[1]. Dennoch spielte ihr Ausgang kaum eine Rolle, während die andere große Schlacht des Jahres 1746 zumindest bedeutende Auswirkungen auf den Ausgang des Krieges in Italien hatte: die Schlacht bei Piacenza[2].

The Battle of Rocoux can be considered one of the strangest in history. It was the largest battle that had taken place to date in the 18th century with circa 180-200.000 fighters - even if the estimates of the number of combatants vary widely [1]. Nevertheless, their outcome hardly played a role, while the other great battle of 1746 had at least a significant impact on the outcome of the war in Italy: the Battle of Piacenza [2].

Ein bisschen Deko für unser kommendes Spiel. - Some decoration for our upcoming game. (photo: André Hanselmann)

Die beiden Armeen und Ziele

Die pragmatische Armee wurde zu dem Zeitpunkt der Schlacht offiziell von Prinz Karl Alexander von Lothringen (1712-1780), dem Bruder des Kaisers Franz I. Stephan, kommandiert. Allerdings hatte Karl Alexander immer wieder die Wünsche und Einwände seiner Verbündeten v.a. der Briten und der Niederländer zu berücksichtigen. Der Duke of Cumberland, der noch bei Fontenoy [3] das Oberkommando inne gehabt hatte, hatte den Kriegsschauplatz gewechselt und die britischen Streitkräfte 1746 in der Schlacht bei Culloden kommandiert. Prinz Karl Alexander musste insbesondere die Bedürfnisse der Briten berücksichtigen, welche auf ihre Nachschublinien bedacht waren. Der Feldzug war bislang auf ein fortgesetztes Manöverieren hinaus gelaufen, auch wenn sich die Hauptarmeen mehrfach in Schlachtordnung aufgestellt hatten und eine Schlacht zu einem früheren Zeitpunkt erwarteten. Sämtliche Ziele der Verbündeten zu verfolgen hatte sich als zunehmend schwieriger erwiesen. Die Armee der Verbündeten litt im gesamten Feldzugsjahr 1746 darunter, dass es nummerisch dem französischen Heer unterlegen gewesen war. Dafür konnte man in kleineren Gefechten und Scharmützeln vor allem durch die überlegenen leichten Truppen gewisse Erfolge verbuchen. Kurz vor der Schlacht wurde die pragmatische Armee durch britische Kontingente erneut verstärkt. 

Die österreichische Armee profitierte vom Friedensschluss mit Preußen insofern, dass dadurch Truppen für die anderen Kriegsschauplätze frei wurden. Doch sieht man die Auswirkungen eher auf dem italienischen Kriegsschauplatz, wo die Armee unter Liechtenstein, Browne und Botta erhebliche Erfolge erzielte. Innerhalb der pragmatischen Armee bei Rocoux stellten die Österreicher das größte Kontingent.

Die zweitbedeutenste Macht innerhalb der pragmatischen Armee stellten die Generalstaaten der Niederlande dar. Die niederländischen Truppen wurden insbesondere durch Subsidientruppen aus Deutschland verstärkt. Die bayerischen Truppen sollten in der Schlacht bei Rocoux eine herausragende Rolle spielen. Der Kommandeur der Niederländer war der innerhalb der Generalstaaten nicht unumstrittene Prinz von Waldeck (1704-1763) [4].

Als Nachfolger des Duke of Cumberland (1680-1770) wurde das britische Kontingent von Sir John Ligonier befehligt. Er war der mit Abstand erfahrenste und älteste Kommandeur im pragmatischen Lager. Doch das österreichische Standardwerk zum österreichischen Erbfolgekrieg lässt seine Rolle in der Entwicklung des Schlachtplans der Schlacht bei Rocoux offen[5]. Zahlreiche hannoveranische Regimenter kämpften Seite an Seite mit den britischen Truppen wie sie es auch schon bei Dettingen und Fontenoy getan hatten[6]. Dabei wurden diese Truppen mal britischen und mal hannoveranischen Generälen unterstellt. Neben den hannoveranischen Truppen genossen die hessischen einen guten Ruf. Ihre Unerschütterlichkeit hatte sich schon im Gefecht bei Weißenburg 1744 noch auf französischer Seite erwiesen.

Prinz Karl Alexander sah sich kurz vor der Schlacht mit der Frage konfrontiert, ob er nach einem Feldzug, in welchem er zahlreiche wichtige Städte an die Franzosen hatte, den Feldzug ohne eine Schlacht zu liefern abbrechen und in die Winterquartiere gehen sollte. Anders als 1744 am Rhein entschied er sich für eine große Schlacht obwohl er von der Übermacht der Franzosen wusste. Strategisch konnte er sich eigentlich keine nennenswerten positiven Auswirkungen vom Ausgang der Schlacht erwarten. 

Die französische Armee unterstand dem Maréchal de Saxe (1696-1750). Dessen Rolle als Oberkommandeur wurde mit dem Weggang des Prince de Conti (1717-1776) endgültig zu Gunsten von de Saxe entschieden, auch wenn dessen Weggang nicht völlig die Querelen innerhalb der Armee beilegte. Wenngleich die Armee während des Feldzuges einige Schwächen aufgezeigt hatte, hatten die Belagerungen u.a. von Mons (bis Anfang Juli) [7] St. Ghislain (Juli) [8], Charleroi (im Juli) [9] und Namur (bis Ende September) [10] aber vor allem die Einnahme Brüssels zu einer weitesgehenden Eroberung Belgiens geführt. Als ein zunehmendes Problem hatte sich schon im gesamten Feldzugsverlauf die enorme Größe des Heeres herausgestellt. Bis die komplette Hauptmacht aufmarschiert war, hatte sich der Gegner bisweilen zurück gezogen. Dieser Aspekt trat dann auch in der Schlacht bei Rocoux offen zutage. Anfang Oktober 1746 entschied sich de Saxe für einen entscheidenden Schlag gegen die pragmatische Armee. Hintergrund der Entscheidung mochte auch sein, dass de Saxe handeln wollte, ehe er Teile seines großen Heeres wieder an andere Kriegsschauplätze absenden musste. Eine Konzentration einer so großen Armee für eine längere Dauer an einem Ort hatte sich mehrfach als schwierig heraus gestellt. 

Anders als bei der pragmatischen Armee, deren Aufteilung teilweise schlichtweg durch die Zugehörigkeit der Truppen zu einer der verbündeten Mächte motiviert worden war, musste sich de Saxe entscheiden wie er nach logischen Gesichtspunkten seine Armee untergliederte. Ein Heer von der Größe war ja einfach deutlich schwerer zu dirigieren als es für Friedrich II. mit den Streitkräften wie er sie etwa bei Hohenfriedeberg zur Verfügung hatte [11]. So untergliederte Maurice de Saxe seine Armee in verschiedene Corps wie man sie auch auf den bedeutenden zeitgenössischen Kartenwerken eindeutig erkennen kann [12]. Das größte Corps stellte das sogenannte "Corps de l'armée du Roy" dar, auf welches de Saxe während der Schlacht offensichtlich den direktesten Zugriff hatte. Bei allen divergierenden Schätzungen kann man doch davon ausgehen, dass die französische Armee Anfang Oktober im Raum Lüttich der pragmatischen Armee bedeutend nummerisch überlegen war. Beau/Hödl gehen von einer Überlegenheit um 40.000 Mann aus [13].

The two armies and their goals

The pragmatic army was officially commanded at the time of the battle by Prince Karl Alexander of Lorraine (1712-1780), brother of Emperor Francis I Stephan. However, Karl Alexander repeatedly had to take into account the wishes and objections of his allies, especially the British and the Dutch. The Duke of Cumberland, who was still in command at Fontenoy [3], had changed the theater of war and commanded the British forces at the Battle of Culloden in 1746. Prince Karl Alexander had to take into account the needs of the British, who were concerned about their supply lines. The campaign had so far resulted in continued maneuvering, even if the main armies had lined up several times and expected a battle at an earlier point in time. Pursuing all of the Allies' goals had proven increasingly difficult. The allied army suffered throughout the campaign year of 1746 from being numerically inferior to the French army. On the other hand, it was possible to achieve certain successes in smaller battles and skirmishes, especially due to the superior light troops. Shortly before the battle, the pragmatic army was reinforced again by British contingents.

The Austrian army benefited from the peace agreement with Prussia to the extent that it freed troops for the other theaters of war. But the effects are more likely to be seen in the Italian theater of war, where the army under Liechtenstein, Browne and Botta achieved considerable success. Within the pragmatic army at Rocoux, the Austrians made up the largest contingent.

The second most important power within the pragmatic army were the States General of the Netherlands. The Dutch troops were reinforced in particular by subsidiary troops from Germany. The Bavarian troops were to play a prominent role in the Battle of Rocoux. The commander of the Dutch was the not undisputed Prince von Waldeck (1704-1763) within the States General [4].

As the successor to the Duke of Cumberland, the British contingent was commanded by Sir John Ligonier (1680-1770). He was by far the most experienced and oldest commander in the pragmatic camp. But the Austrian standard work on the Austrian War of Succession leaves its role in the development of the battle plan for the Battle of Rocoux open [5]. Numerous Hanoverian regiments fought side by side with the British troops, as they had already done at Dettingen and Fontenoy [6]. These troops were sometimes subordinated to British and sometimes Hanoverian generals. In addition to the Hanoverian troops, the Hessian troops enjoyed a good reputation. Their imperturbability had already been proven on the French side in the battle near Weissenburg in 1744.

Shortly before the battle, Prince Karl Alexander was confronted with the question of whether, after a campaign in which he had numerous important cities to the French, he should break off the campaign without delivering a battle and go to winter quarters. Unlike in 1744 on the Rhine, he decided on a big battle although he knew that the French were overwhelming. Strategically, he could not expect any significant positive effects from the outcome of the battle.

The French army was under the Maréchal de Saxe (1696-1750). With the departure of Prince de Conti (1717-1776), his role as supreme commander was finally decided in favor of de Saxe, even if his departure did not completely settle the squabbles within the army. Although the army had shown some weaknesses during the campaign, the sieges of Mons (until the beginning of July) [7] St. Ghislain (July) [8], Charleroi (in July) [9] and Namur (until the end of September) [10] but above all the capture of Brussels led to an extensive conquest of Belgium. The enormous size of the army had turned out to be an increasing problem throughout the course of the campaign. Until the entire main force was deployed, the enemy had withdrawn from time to time. This aspect came to light in the Battle of Rocoux. In early October 1746, de Saxe decided to strike a decisive blow against the pragmatic army. The background to the decision may also be that de Saxe wanted to act before he had to send parts of his large army back to other theaters of war. Concentrating such a large army in one place for a long period of time had proven difficult on several occasions.

In contrast to the pragmatic army, the division of which was in part simply motivated by the fact that the troops belonged to one of the allied powers, de Saxe had to decide how to subdivide his army according to logical criteria. An army of this size was simply much more difficult to direct than it was for Frederick II with the armed forces such as he had at Hohenfriedeberg [11]. Maurice de Saxe subdivided his army into different corps as can be clearly seen on the important contemporary maps [12]. The largest corps was represented by the so-called "Corps de l'armée du Roy", to which de Saxe obviously had the most direct access during the battle. Despite all the divergent estimates, one can assume that the French army in the Liege area was significantly numerically superior to the pragmatic army at the beginning of October. Beau / Hödl assume a superiority of 40,000 men [13].

Gelände und Aufstellung

Wie bei allen diesen Schlachten muss man betonen, dass es keine neueren deutschsprachigen Publikationen zu dem Thema gibt und dass obwohl auf beiden Seiten ein erheblicher Anteil deutschsprachiger Truppen im Einsatz war und letztlich gerade bei Rocoux der Blutzoll gerade der Deutschen innehalb des pragmatischen Heeres recht hoch war, egal ob wir jetzt von Hessen, Hannoveranern, Sachsen-Gothaern oder Bayern reden. Immerhin gibt es einen Hoffnungsschimmer, dass auf Englisch in näherer Zukunft ein Werk erscheint, welches den neueren Forschungsstand widerspiegelt [14]. Daher musste ich mich vorwiegend auf die immerhin recht detaillierten zeitgenössischen Karten [15] verlassen, was das Gelände und die Aufstellung anbelangte und habe diese auch mit den umfangreichen Ausführungen in Beau/Hödls Buch abgeglichen. 

Zumindest erwähnenswert scheint mir, dass Prinz Karl Alexander auf eine Aufstellung hinter der Jaar verzichtet hat und stattdessen auf die Höhen zwischen Sling und Lüttich ausgewichen ist. Diese neue Stellung hatte für sich, dass beide Flanken scheinbar gedeckt war, die rechte österreichische mit dem Lauf der Jaar und zusätzlich durch den Ravin bei Sling und Fexhe und die linke niederländische Flanke durch Lüttich. Doch zog sich links die Aufstellung nicht bis zum Ufer der Maas, was daran liegen mochte, dass dort das Gelände schwierig war und die Linie vielleicht zu dünn besetzt gewesen wäre. Außerdem mochte man die Ortschaft Ance für eine ausreichende Flankensicherung gehalten haben. Der Oberkommandeur konnte immerhin auf einige Stärken seiner Position bauen wie dem ansteigenden Gelände und etwa den Befestigungen an der Straße von Tongres nach Lüttich hinter Rocoux. Andererseits stellte das Gelände auch eine gewisse Falle dar, wenn die Schlacht verloren ginge, da Jaar und Maas Richtung Maastricht zusammenfließen und das recht zerschnittene Gelände sich damit dort entlang verengt. Diese Topographie begünstigte allerdings auch den Effekt, dass de Saxe wohl kaum sämtliche Truppen zum Einsatz bringen werden könnte, da kein ausreichender Raum für eine entsprechende Entfaltung der tief aufmarschierenden Kolonnen gegeben wäre, insbesondere wenn de Saxe von einer Durchquerung der Bodenwelle zwischen Paifve [16] und Slins absah. Während die Österreicher auf der Linie von Slins bis Liers standen, wurde das Zentrum vor allem von den Briten, Hannoveranern und Hessen gehalten. Der linke Flügel vor den Toren von Lüttich wurde von den deutschen und niederländischen Truppen unter Waldeck formiert. Dabei muss man aber sagen, dass es anders als bei Fontenoy keine so strikte Trennung der Armeen auf die bestimmten Flügel gab. So zeigt die Karte von Hancko, dass österreichische Truppen des Corps unter Baranyay (1685-1766) beispielsweise auf dem linken pragmatischen Flügel eingeschoben war [17]. Zeitgenossen haben die Vorbereitungen des Prinzen Karl durchaus gelobt [18].

Wir haben ein leicht fiktionales Gefecht bei Slins letztes Jahr gespielt. - We played a small game of the encounter at Slins last year. (photo: Cecilia Hanselmann)

Samstag, 11. September 2021

„Anno Domini 1771 – Bauen im 18. Jahrhundert“ "Anno Domini 1771 building during the 18th century" 20.-22.08.2021 p.2

 Teil 2 / Part 2


Morgendliche Szenerie an unserem Häuschen. - Scenery in the morning at our small house. (Foto: Stefan Winter)

Wir hatten uns für den Samstag eigentlich vorgenommen insbesondere das Thema Bauen vorzustellen. Das Problem war, dass wir keine Gefache hatten, die wir ausbessern durften und es zum anderen generell zu trocken war um die Schlaglöcher der „Straße“ auszubessern [1]. Daher habe ich mich darauf beschränkt zusammen mit meinem Knecht den Grenzstein im Hohlweg wieder auf zu richten. Nächstes Jahr werden wir dann hoffentlich auch wieder den Riegel reparieren können, den aufmerksame Leser von unserer letzten Landleben-Veranstaltung her kennen [2]. Unsere Hausgenossen suchten einen Haushalt zu finden, der sich das Haus anstreichen oder Ausbesserungsarbeiten vornehmen ließ.

We had actually planned to present the topic of building in particular on Saturday. The problem was that we had no compartments that we were allowed to repair and, on the other hand, it was generally too dry to repair the potholes in the "road" [1]. So I limited myself to straightening up the boundary stone in the ravine together with my farmhand. Next year we will hopefully be able to repair the bolt that the attentive reader knows from our last country life event [2]. Our housemates tried to find a household that could have the house painted or repaired.


Die Hausgenossen machen sich auf den Weg in die Umgegend. - The "Hausgenossen" are preparing for their tour through the neighbourhood. (Foto: Stefan Winter)

Die Küche des Hauses aus Zaisenhausen ist immer ein herrlicher Ort. - The kitchen of the house from Zaisenhausen are a very nice place to be there. (Foto: Stefan Winter)


Die Mägde unseres Haushalts und die Schultheißin haben derweil Wäsche gewaschen. Dabei haben sie sich an zeitgenössischen Artikeln orientiert [3]. Das „Besondere“ war diesmal für uns, dass insbesondere Seife genommen wurde. Die Wäsche wurde auf einer Wiese hinter dem Wohnhaus zum Bleichen ausgelegt und immer wieder befeuchtet. Das hat diesmal auch wirklich sehr gut geklappt.

The maids of our household and the wife of the mayor have meanwhile done laundry. In doing so, they have orientated themselves on contemporary articles [3]. The "special" thing this time for us was that soap was used in particular. The laundry was laid out on a meadow behind the house to be bleached and repeatedly moistened. That worked out really well this time.

Das Wäschewaschen bei unserem Häuschen. - Making the laundry in front of our house. (Foto: Franziska Stanger)

Die Schultheißin mit unserem neuen Waschtrog. - The wife of the mayor with our new laundry tub. (Foto: Franziska Stanger)

Leider hatten wir auch nicht das geeignete Holz um wie sonst Schindeln herzustellen. Wir haben aber mit Hilfe der Pferde einen Stamm herbei geschafft, den wir dann im Hof zersägt haben. Ich fand es beeindruckend wie unser Grabenreiter das Pferd mit dem langen Stamm in den Hof lenken konnte.

Unfortunately, we didn't have the right wood to make shingles as we usually do. But with the help of the horses we managed to get a trunk that we then sawed up in the courtyard. I found it impressive how our trench rider was able to steer the horse with the long trunk into the yard.

Ich führte das Zugpferd zu dem Stamm, der an der Mühle lag. - I led the draft horse to the stem next to the mill. (Foto: Stefan Winter)

Grabenreiter und Stallknecht manöverierten die Pferde in "meinem Hof" den Stamm ohne Schwierigkeiten. - The ditch rider and the groom have moved the stem into my courtyard without problems. (Foto: Janine Krämer)

Der Stamm wird in unseren Hof gezogen. Rechts hier auf dem Bild steht ein Handkarren mit unseren Werkzeugen für den Straßenbau. Im Hintergrund ist schon die Wäsche aufgehangen. - The stem was pulled into the courtyard. At the right you can notice the tools for our working at the road. The laundry is already at the clothes line. (Foto: Stefan Winter)

Wir hängen den Stamm von der Kette ab mit der er aus einiger Entfernung heran gezerrt wurde. - We remove the stem from the chain. (photo: Stefan Winter)

Montag, 6. September 2021

„Anno Domini 1771 – Bauen im 18. Jahrhundert“ / "Anno Domini 1771 - building during the 18th century" 20.-22.08.2021 - 1

 Teil 1 / Part 1

Der Amtmann und der Grabenreiter schon in der Nähe des Hauses, wo die Frau des Pfarrers diesmal wohnt. - The Amtmann and the ditch rider are already near the house where the pastor's wife lives for that event. (Foto: Stefan Winter)

Wir haben nun endlich geschafft seit Sommer 2019 das erste Mal wieder eine Veranstaltung in Wackershofen durchzuführen. Ich will hier nicht allzuviele Worte zu den Auflagen durch die derzeitige Corona-Krise verlieren. Daher will ich mich auf den Ablauf der Veranstaltung konzentrieren. Am Donnerstag waren schon viele unserer Teilnehmer eingetroffen.

We have now finally managed to hold an event in Wackershofen for the first time since summer 2019. I don't want to waste too many words here about the conditions imposed by the current corona crisis. Therefore I want to concentrate on the course of the event. Many of our participants had already arrived on Thursday.

Die beiden Reiter am Dorfanger. - Both of the riders are near the village green. (Foto: Stefan Winter)


Am Freitag fungierte ich als Amtmann, ab dem Nachmittag aber wieder als Schultheiß von „Bubenorbis“. Der Amtmann kam in das Amt um den Pfarrer von Michelfeld zu sprechen – was etwas ulkig war, da ich als Veranstalter schon lange zuvor wusste, dass die Rolle diesmal unbesetzt blieb. Die Idee dahinter war, dass der Amtmann auf dem Weg zum Pfarrer auch die wichtigen Personen im schwäbisch-hällischen Amt Rosengarten über die Neuigkeiten in Kenntnis setzen konnte. Nach einer Weile traf er bei der Pfarrerin ein, bei welcher er sich für einen späteren Besuch ankündigte. Denn er hatte davon erfahren, dass ein wichtiger Grenzstein entfernt worden war [1]. Beim Herumreiten in der Umgegend brauchten er und sein Grabenreiter eine ganze Weile bis sie den abseits einer Straße an einer Böschung liegenden Stein fanden. Der Amtmann beschloss, dass der Stein unverzüglich wieder aufzurichten war [2].

On Friday I acted as "Amtmann" (bailiff), but from the afternoon on again as mayor of “Bubenorbis”. The bailiff came into the district to speak to the pastor of Michelfeld - which was a bit strange because I, as the organizer, knew long before that the role would remain vacant this time. The idea behind it was that the bailiff could also inform the important people in the Swabian-Hall' district of the Rosengarten about the news on the way to the pastor. After a while he met the pastor's wife, whom he announced that he would visit later. Because he had found out that an important boundary stone had been removed [1]. While riding around in the area, it took him and his trench rider a long time to find the stone lying off a road on an embankment. The bailiff decided that the stone should be erected again immediately [2].

Der Amtmann speist zusammen mit Grabenreiter und Grabenreiterin vor dem Steigengasthaus. - The Amtmann is eating together with the ditch rider in front of the house at the inn  of the steap road. (Foto: Stefan Winter)


Dann besuchte der Amtmann die Frau des Pfarrers. Er teilte ihr die für das Territorium günstigen Beschlüsse des Haller Magistrats mit. Natürlich sollte ihr Gemahl solche in der nächsten Predigt nicht unerwähnt lassen wie etwa die Aufhebung der „Fruchtsperre“, d.h. die Aufhebung des Verbots gewisse Lebensmittel ins Ausland zu verkaufen [3]. Nach einer guten Tasse Kaffee und frisch gestärkt ritten Amtmann und Grabenreiter zum Steigengasthaus an der Roten Steige, wo sie vor dem Hause zu Mittag aßen. Bevor sich der Amtmann wieder „nach Hall“ begab [4], schärfte er dem Grabenreiter ein für die Ausbesserung der Straße zu sorgen und sich um den Grenzstein zu kümmern.

Then the bailiff visited the pastor's wife. He informed her of the decisions of the Hall magistrate that were favorable for the territory. Of course, her husband should not fail to mention such things in the next sermon, such as the lifting of the "fruit barrier", i.e. the lifting of the ban on selling certain foods abroad [3]. After a good cup of coffee and refreshed, the bailiff and trench rider rode to the Steigengasthaus on the Rote Steige, where they had lunch in front of the house. Before the bailiff went "to Hall" again [4], he instructed the ditch rider to take care of the repair of the road and to take care of the boundary stone.

Die Schule in unserem Dorf mit Mägden von uns und der Roten Steige. - The school in our village with maids of us and the red steap track. (Foto: Stefan Winter)

Dienstag, 10. August 2021

Schlacht bei Rottofreddo - The battle of Rottofreddo 1746

Zwei Monate nach der dramatischen Niederlage von Maillebois und Gages bei Piacenza setzten die siegreichen österreichischen Truppen nach und trafen bei dem Ort Rottofreddo unweit von Piacenza erneut auf die bourbonischen Truppen. 

Leider findet die Schlacht bei Rottofreddo in der mir vorliegenden Literatur nicht sonderlich viel Niederschlag. Das Standardwerk des KuK Kriegsarchives zum Österreichischen Erbfolgekrieg endete leider mit Band 9[1], welcher sich auf den Krieg in Flandern konzentriert. Ein Band 10, der vielleicht den Fortgang des Krieges in Italien behandelt hätte, ist scheinbar nie erschienen. Daher ist neben einer Erwähnung bei Weir[2] und Browning[3] eine zeitgenössische Karte im Hessischen Staatsarchiv[4] meine einzige brauchbare Quelle gewesen, als ich ein Szenario für ein Tabletop-Spiel kreiert habe.

Two months after the dramatic defeat of Maillebois and Gages near Piacenza, the victorious Austrian troops followed suit and met the Bourbon troops again near Rottofreddo, not far from Piacenza.

Unfortunately, the battle of Rottofreddo does not find much account in the literature available to me. The standard work of the KuK War Archives on the War of the Austrian Succession unfortunately ended with Volume 9 [1], which focuses on the war in Flanders. Volume 10, which perhaps would have dealt with the progress of the war in Italy, apparently never appeared. Therefore, in addition to a mention by Weir [2] and Browning [3], a contemporary map in the Hessian State Archives [4] was my only useful source when I created a scenario for a tabletop game.

Der Weg nach Rottofreddo

Betrachten wir die hohen Verluste der bourbonischen Truppen bei Piacenza[5], dann erstaunt es beinahe, dass das Schlachtfeld des nächsten Zusammenstoßes nur etwa 10-12 Kilometer[6] von Piacenza entfernt liegt. Doch wird dies durch den anschließenden Feldzugsverlauf im Juni/Juli 1746 erklärt. Am 26. Juni überquerten Gages und Maillebois Truppen den Po bei Piacenza um auf der nördlichen Seite des Flusses Richtung Pavia zu marschieren. Von dort aus konnte man einen Rückzug nach Frankreich antreten oder gegen Piemont vorgehen. Maillebois bat darum seines Kommandos entbunden zu werden, denn es kam wieder zu Schwierigkeiten im Oberkommando nicht zuletzt durch Einmischungen des Infanten Felipe. 

Das Gebiet der Operationen im Juni bis August 1746 war sehr klein wie hier auch diese Karte verdeutlicht. Die Striche auf der Postroutenkarte von 1786 geben die Wegstunden der damaligen Postkutschen an. - The area of operations from June to August 1746 war really small as this map illustrates perfectly. The small stripes on the lines on that post-road-map from 1786 are showing the hours for travellers on the postcoaches. (photo: André Hanselmann, 2021)

 

Die Piemontesen, welche ja nicht bei Piacenza mitgekämpft hatten, zogen sich nach Stradella zurück. Aber nicht nur die bourbonischen Kommandeure waren sich uneins. Auch der König von Sardinien und die österreichischen Befehlshaber hatten unterschiedliche Vorstellungen wie der Feldzug nach dem Sieg von Piacenza fortgesetzt werden sollte. Ein Teil der österreichischen Einheiten unter Browne, der statt dem Fürsten von Liechtenstein de facto bei Piacenza die Armee geführt hatte, setzte über den Po und dann über die Adda. Derweil suchten die piemontesischen Verbände den Zusammenschluss mit den bei Piacenza verbliebenen Österreichern. Die Verbündeten besetzten Cremona und Pizzeghettone, doch hielt Browne die Stellung der bourbonischen Truppen für zu stark.

Diese Entscheidungen im gegnerischen Lager verleiteten den Infante Felipe zu der Auffassung seine Herrschaft in der Lombardei aufrecht erhalten zu können. [7] Der Tod des spanischen Königs Felipe V. am 9. Juli 1746 schien die Lage von Grund auf zu ändern, da damit dessen Gemahlin Elisabetha Farnese an Einfluss verlor. Doch der neue König Fernando VI (1713-1759) wollte den Infante Felipe nicht in Madrid haben und Fernandos Unterstützung für Felipe konnte ihm zugute gerechnet werden. Von daher änderte sich vorerst nicht viel an der Politik der spanischen Bourbonen.

Die Lage in Norditalien änderte sich aber vor allem durch die Entschlüsse der Kommandeure im habsburgisch-piemontesischen Lager. König Charles Emmanuel III (1701-1773) erwies sich ebenso wie schon im Polnischen Thronfolgekrieg [8] als ein geschickter Stratege, der stets das Wohl seines Herrschaftsgebietes im Auge behielt. Er schloss sich mit zahlreichen Streitkräften dem Heeresteil unter Browne bis zum 2. August 1746 an. Charles Emmanuel hielt den bourbonischen Truppen die Rückzugswege nach Parma offen - Hauptsache scheinbar sein Territorium Savoyen wurde nicht weiter bedroht. Sein Versuch nun mit überlegenen Kräften die bourbonischen Kräften mit einer Bewegung in die Flanke auszumanöverieren entsprach ganz der Kriegsführung jener Zeit, welche ähnlich wie Feldmarschall Traun auf einer Vermeidung der Schlacht bei einer Erreichung der Ziele setzte [9].

Maillebois gelang es sodann die Spanier zum Rückzug über den Po zu überzeugen. Da Browne und Charles Emmanuel zu weit weg waren um zuzuschlagen, war es nun an dem immernoch bei Piacenza stehenden Antoniotto Botta [10] (1688-1774) dies zu tun. Botta brach am 9. August von Piacenza auf und attackierte Maillebois Nachhut am Tidone am 10. August[11][12].

The way to Rottofreddo

If we consider the high losses of the Bourbon troops at Piacenza [5], it is almost astonishing that the battlefield of the next clash is only about 10-12 kilometers [6] from Piacenza. But this is explained by the subsequent course of the campaign in June / July 1746. On June 26th, Gages and Mailleboi's troops crossed the Po near Piacenza to march on the northern side of the river towards Pavia. From there one could retreat to France or proceed against Piedmont. Maillebois asked to be relieved of his command, because difficulties arose again in the high command, not least due to the interference of the Infante Felipe.

The Piedmontese, who had not fought in Piacenza, withdrew to Stradella. But not only the Bourbon commanders were at odds. The King of Sardinia and the Austrian commanders also had different ideas about how the campaign should continue after the victory of Piacenza. Some of the Austrian units under Browne, who had de facto led the army at Piacenza instead of the Prince of Liechtenstein, crossed the Po and then the Adda. In the meantime, the Piedmontese associations were looking to join forces with the Austrians who remained at Piacenza. The allies occupied Cremona and Pizzeghettone, but Browne thought the position of the Bourbon troops was too strong.

These decisions in the opposing camp led the Infante Felipe to believe that he could maintain his rule in Lombardy. The death of the Spanish King Felipe V on July 9, 1746 seemed to change the situation from the ground up, as his wife Elisabetha Farnese lost influence. But the new King Fernando VI (1713-1759) did not want the Infante Felipe in Madrid and Fernando's support for Felipe could be credited to him. As a result, not much has changed in the policy of the Spanish Bourbons for the time being.

The situation in northern Italy changed primarily due to the decisions of the commanders in the Habsburg-Piedmontese camp. As in the War of the Polish Succession [8], King Charles Emmanuel III (1701-1773) proved to be a skilled strategist who always kept an eye on the welfare of his territory. He joined the army under Browne with numerous armed forces until August 2, 1746. Charles Emmanuel kept the routes of retreat to Parma open for the Bourbon troops - the main thing, apparently, that his territory of Savoy was not threatened any further. His attempt with superior forces to outmaneuver the Bourbon forces with one movement in the flank corresponded entirely to the warfare of that time, which, like Field Marshal Traun, relied on avoiding the battle if the goals were achieved [9].

Maillebois then managed to convince the Spaniards to retreat across the Po. Since Browne and Charles Emmanuel were too far away to strike, it was now up to Antoniotto Botta [10] (1688-1774), who was still near Piacenza, to do so. Botta left Piacenza on August 9 and attacked Mailleboi's rearguard on the Tidone on August 10 [11] [12].

Das Schlachtfeld aus Sicht der Österreicher. - The battlefield from an Austrian perspective. (photo: André Hanselmann)