Samstag, 25. April 2026

Schlacht an der Dessauer Brücke - The battle at Dessau Bridge 1626

Dieses Jahr jährt sich die berühmte Schlacht an der Dessauer Brücke zum 400. Mal. Diese hat zwar keinen direkten Bezug zu unserer Veranstaltung in Wackershofen. Aber so ist das ja immer wieder bei uns auf dem Blog. Wir haben aber bereits mehrere Schlachten des Hauptprotagonisten, des Grafen von Mansfeld (1580-1626) vorgestellt [1] [2] [3]. Immerhin wäre diese bedeutende Schlacht im Frühjahr 1626 gewiss in Schwäbisch Hall Gesprächsthema auf den Straßen der Reichsstadt gewesen.

Trompeter der schweren kaiserlichen Reiterei um 1626 auf unserer Landlebenveranstaltung. - Trumpeter of heavy Imperial horse around 1626 on our Landleben event. (H. Engel, 2025)

 

This year marks the 400th anniversary of the famous Battle of Dessau Bridge. While this doesn't have a direct connection to our event in Wackershofen, it's a recurring theme on our blog. However, we have already featured several battles fought by the main protagonist, Count of Mansfeld (1580-1626) [1] [2] [3]. After all, this important battle would certainly have been a topic of conversation on the streets of Schwäbisch Hall in the spring of 1626.


Ursprüngliche Positionen. Mansfeld beschießt Aldringens Artillerie in der Schanze an der Brücke. Bemerkenswert ist die kaiserliche Kavallerie in dem Wald am linken Mansfelder Flügel. - Initial positions. Mansfeld shoots at Aldringen's artillery in the redoubt at the bridge. (photo: C. Hanselmann)

 

Wie wir in unseren Recherchen früher schon gesehen haben, hatten Mansfeld und Christian von Braunschweig (1599-1626) ein immer gleiches Muster entwickelt. Sie stellten Armeen auf, verloren diese durch die Niederlagen gegen ligistische, spanische und kaiserliche Truppen oder durch Desertion und suchten nach den Fehlschlägen erneut wohlhabende Geldgeber, welche die Mittel beschafften, um erneut Truppen anzuwerben. Wenngleich beide Feldherren in diesen Jahren durchweg im grob gesagt protestantischen Lager blieben, waren doch die Ziele unterschiedliche. Für Mansfeld war es nach dem Versuch Böhmen zu verteidigen, danach derjenige die Armee zu konservieren und danach die Rheinpfalz zu befreien, wobei ihm immer wieder misslang mit anderen Feldherren wie Christian von Braunschweig und Georg Friedrich von Baden-Durlach (1573-1638) erfolgreich zu kooperieren. 

As we have seen in our earlier research, Mansfeld and Christian of Brunswick (1599-1626) developed a consistent pattern. They raised armies, lost them through defeats against Catholic League, Spanish, and Imperial troops, or through desertion, and after these setbacks, sought wealthy patrons to provide the funds to recruit more troops. Although both commanders remained broadly within the Protestant camp during these years, their objectives differed. For Mansfeld, after attempting to defend Bohemia, the next goal was to conserve his army and then liberate the Palatinate, though he repeatedly failed to cooperate successfully with other commanders such as Christian of Brunswick and George Frederick of Baden-Durlach (1573-1638).

Karte der Schlacht an der Dessauer Brücke für CC. C. W. von Brandenburg [4] und Wallenstein haben auf ihren Feldern auch Infanterie - hier nicht zu erkennen. Ich habe die Mansfelder Schanzen der Einfachheit halber weggelassen. - Map of the battle at the bridge of Dessau for CC. C.W. von Brandenburg [4] and Wallenstein have infantry on their hex. I have decided to omit Mansfeld's redoubt to make it easier. (map: André Hanselmann)


Dennoch wurde genau dieser Versuch 1626 erneut unternommen. Es wurde ein Plan entworfen, wonach Ernst von Mansfeld mit seinem kleinen nur 12.000 Mann starken Heer von Brandenburg nach Schlesien durchbrechen sollte, während König Christian IV. von Dänemark, dem sich Mansfeld unterstellen musste, in Niedersachsen operierte. Dieses Unterfangen scheiterte allerdings bereits in der Gegend von Dessau, wo er zuerst einmal auf die Truppen unter Graf von Aldringen (1588-1634) traf [5], der Befestigungswerke an der Elbbrücke errichtet hatte. Denn Wallenstein hatte seit dem Einrücken Mansfelds in die Altmark im Februar dessen Absicht des Elbübergangs durchschaut [6], da er das Vorgehen einer Abteilung unter Fuchs [7] rasch parierte, da dieser statt Mansfeld zu unterstützen sich von Wallensteins Truppen bei Magdeburg und Tangermünde schlagen und zum Rückzug zwingen ließ. Ohne Fuchs war das Unternehmen Mansfelds gegen die Dessauer Brücke bereits etwas weniger erfolgversprechend. Dennoch griff er Aldringens Stellungen am 12. April an und versuchte dessen Schanzen im Handstreich zu nehmen.

Nevertheless, this very attempt was made again in 1626. A plan was devised whereby Ernst von Mansfeld, with his small army of only 12,000 men, was to break through from Brandenburg into Silesia, while King Christian IV of Denmark, to whom Mansfeld had to submit, operated in Lower Saxony. This undertaking, however, failed in the vicinity of Dessau, where he first encountered the troops under Count von Aldringen (1588-1634) [5], who had constructed fortifications at the Elbe bridge. Wallenstein had seen through Mansfeld's intention to cross the Elbe since his entry into the Altmark in February [6], as he quickly countered the advance of a detachment under Fuchs [7], who, instead of supporting Mansfeld, allowed himself to be defeated by Wallenstein's troops at Magdeburg and Tangermünde and forced to retreat. Without Fuchs, Mansfeld's operation against the Dessau bridge was already somewhat less promising. Nevertheless, he attacked Aldringen's positions on April 12th and attempted to take his fortifications in a surprise attack.

Mit der Karte "Short Supply" habe ich zwar früh im Spiel die kaiserlichen Reiter in meiner Flanke auf die Grundlinie verbannt. Dafür habe ich als Mansfeld aber auch schon viel meiner Reiterei an den Flügeln eingebüßt. - Using the "Short supply"-card I forced the Imperial horse in my flank to fall back on the Imperial baseline. In return I as Mansfeld lost much of my horse at my wings already. (photo C. Hanselmann)


Dieser Versuch misslang und statt daraus den Schluss zu ziehen, dass er das Unternehmen aufgeben musste, weil Fuchs kaum mehr als Verstärkung taugen würde, verschob Mansfeld den Zeitpunkt des Angriffes auf den 25. April, als Aldringens Kompanien bereits verstärkt worden waren, was die Verluste dieser Truppen durch den anhaltenden Beschuss durch die Mansfelder mehr als ausglich. Die mit Zeltplanen kaschierte Elbbrücke hatte dazu geführt, dass für General von Mansfeld das Überqueren der Elbe durch zahlreiche Kaiserliche unbekannt geblieben war. Der Sturmangriff der Mansfelder erlahmte mit der Zeit und die - wie manche zeitgenössische Darstellungen vermitteln - aus ihren Schützengräben hervor brechenden Mansfelder Söldner wurden zusehends in eine Art Abwehr gedrängt. Schließlich brach eine in einem Wäldchen postierte kaiserliche Reiterei [8] hervor und fiel die überraschten Kaiserlichen an, die mithin zwischen zwei Feuer gerieten und auf ihrem Rückzug vor den Toren von Zerbst erneut angegriffen wurden. Während der 5-stündigen Kämpfe geriet das nahe Dorf Rodleben - so auch sehr lebendig auf besagtem Stich von Merian dargestellt - in Brand.

This attempt failed, and instead of concluding that he had to abandon the undertaking because Fuchs would be of little use as reinforcements, Mansfeld postponed the attack until April 25th, when Aldringen's companies had already been reinforced, more than compensating for the losses these troops had suffered from the sustained bombardment by the Mansfeld troops. The Elbe bridge, concealed with tarpaulins, had meant that General von Mansfeld was unaware of the numerous Imperial troops crossing the Elbe. The Mansfeld assault gradually weakened, and the Mansfeld mercenaries—as some contemporary accounts suggest—who were emerging from their trenches, were increasingly forced into a defensive posture. Finally, an Imperial cavalry unit [8] positioned in a small wood broke out and attacked the surprised Imperial troops, who thus found themselves caught between two fires and were attacked again during their retreat before reaching the gates of Zerbst. During the 5-hour battle, the nearby village of Rodleben – as vividly depicted in the aforementioned engraving by Merian – caught fire.


Die Kaiserlichen haben leichte Verluste auf ihrem rechten Flügel. Aber Mansfelds linker Flügel scheint kaum noch Widerstand zu leisten, auch wenn ich am Anfang ein bisschen Glück hatte, da ein Einbruch von Aldringens Reiterei gegen seinen rechten Flügel nicht durchschlagenden Erfolg hatte. - The Imperial troops have light losses at their right wing. But it seems that Mansfeld's left can't really resist. However I had some luck at the beginning because Aldringen's horse had not resounding success with their breakthrough. (photo: C. Hanselmann)

Beinahe typisch für Ernst von Mansfeld büßte er viele Kanonen und fast seine ganze niederländische Reiterei ein. Angesichts der geringen Ausgangsstärke seines Heeres muss man Verluste in Höhe von über 5.000 Mann als gravierend bezeichnen. Nicht mehr als 3.000 Mann soll Mansfeld letztlich nur noch gesammelt haben [9], was den Eindruck einer vollkommenen Vernichtung seiner Armee vermittelt. Die zeitgenössischen Abbildungen weichen stark voneinander ab. So wird die wahrscheinlich Mansfeld unbekannte letztlich aber wohl vorhandene nummerische Übermacht der Kaiserlichen kaum dargestellt. Auf einem Stich befindet sich sogar Dessau auf der falschen Elbseite [10] ! Das spannende Tagebuch von Johann Konrad Holderbusch erwähnt amüsanterweise die Schlacht bei Dessau als einen Sieg Mansfelds gegen Tilly [11]!

Almost typical of Ernst von Mansfeld, he lost many cannons and nearly his entire Dutch cavalry. Given the small initial strength of his army, losses of over 5,000 men must be considered severe. Mansfeld is said to have ultimately mustered no more than 3,000 men [9], which gives the impression of the complete annihilation of his army. Contemporary illustrations vary considerably. For example, the numerical superiority of the Imperial forces, probably unknown to Mansfeld but likely present, is hardly depicted. In one engraving, Dessau is even shown on the wrong side of the Elbe [10]! The fascinating diary of Johann Konrad Holderbusch amusingly mentions the Battle of Dessau as a victory for Mansfeld against Tilly [11]!

Die kaiserliche Artillerie hat einige Treffer abbekommen und Wallenstein hat seine Reserven über die Elbe geschickt. - The imperial artillery have received some hits and Wallenstein has send his reserves crossing the Elbe river. (photo: C. Hanselmann)

Zu meiner eigenen Überraschung ist eines meiner Reiterregimenter nachdem es ein kaiserliches Regiment Arkebusierreiter an der Elbe zerschlagen hat in die Schanze eingebrochen und attackiert die kaiserliche Artillerie von hinten. Kurzzeitig scheint es zumindest Wallenstein [12] so, als könne sie verlieren. - To my own surprise one of my regiments of horse has broken into the redoubt after smashing a regiment of harquebusiers at the Elbe - now my horse is attacking the Imperial artillery from behind. On short term at least Wallenstein [12] thinks that he could lose the battle. (photo: C. Hanselmann)

Am Ende aber siegt meine Gegenspielerin mit 7 zu 5 Victorybanners. Mansfeld befindet sich mit einem winzigen Häufchen Fußvolk in der kaiserlichen Schanze. Aber seine Armee ist vollkommen aufgerieben, da bis auf ein paar Arkebusiere nahe der Brücke keine Kavallerie mehr übrig ist um seinen Rückzug zu decken, während Wallenstein nicht nur noch über bedeutende Reserven verfügt sondern auch fast alle Mansfelder Truppen in die Flucht geschlagen hat. - In the end my female opponent wins with 7 to 5 victory banners. Mansfeld himself is with a small detachment of foot in the Imperial redoubt. But his army is completely destroyed. He has only some harquebusiers near the bridgehead left and no cavalry else to cover his retreat. Meanwhile Wallenstein has significant reserves and nearly all of Mansfeld's troops routed. (photo: C. Hanselmann)


Einen optisch ansprechenderen Versuch die Schlacht auf einem Spieltisch darzustellen, findet man bei Sorandir: https://sorandirsgallery.blogspot.com/2026/03/die-schlacht-der-dessauer-brucke-1626.html

A more visually appealing attempt to depict the battle on a gaming table can be found at Sorandir's website: https://sorandirsgallery.blogspot.com/2026/03/die-schlacht-der-dessauer-brucke-1626.html


Ein epischer Spieltisch auf der Hamburger TACTICA. Vielen Dank an Sorandir fürs Zeigen dürfen! - A really epic tabletop at the TACTICA in Hamburg. Many thanks to Sorandir for sharing the picture! (photo: Sorandir)


Fotos: Cecilia Hanselmann, Helene Engel, Sorandir

Text: André Hanselmann

Karte: André Hanselmann 


Notizen / Notes:

1) Schlacht bei Zablat 1619. https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2019/12/die-schlacht-von-sablat-1619-battle-of.html

2) Schlacht bei Mingolsheim 1622. https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2022/04/die-schlacht-bei-mingolsheim-mansfelds.html

3) Schlacht bei Fleurus 1622. https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2022/09/fleurus-ein-abschluss-der-ersten-phase.html

4) Christian Wilhelm von Brandenburg (1587-1665), Administrator von Magdeburg, als General des niedersächsischen Kreises unter Mansfeld bei Dessau dabei. - Christian Wilhelm von Brandenburg (1587-1665) as the administrator of Magdeburg and general of the Lower Saxon Circle he served under Mansfeld at Dessau. 

5) Aldringen korrespondierte zu dieser Zeit sogar mit Schwäbisch Hall. Ein Bote von Aldringen trifft am 8. April in Hall ein.  - Aldringen corresponded at this time with Schwäbisch Hall. A messenger was send by Aldringen and arrived at Hall on April 8th. Botenlohn, in Steuerrechnung 1625/26, Stadtarchiv schwäbisch Hall, Sig. 4 a88, S. 127 

6) Diese Auffassung vertritt Münkler.  / That opinion came from Münkler. Herfried Münkler: "Der Dreissigjährige Krieg - Europäische Katastrophe und deutsches Trauma" rowolth, Berlin, 2017, S. 298

7) Hans Philipp Fuchs von Bimbach (1567-1626) - gefallen in der Schlacht bei Lutter am Barenberge. - Hans Philipp Fuchs von Bimbach - killed at the battle of Lutter am Barenberg.

8) Siehe dazu auch den Stich aus dem Theatrum Europaeum von Merian / Look at the print from the Theatrum Europaeum by Merian: "Eigentliche Vorbildung der Mansfeldischen Niederlag bey der Dessawer brücken geschehen den 27. Aprilis an S. Marx tag Anno 1626"

9) Münkler S. 301-302

10) Anonym: "Abbildung/ neben kurtzein Bericht/ welcher gestalt den 15 April. Anno 1626. der Hertzog zu Friedland/ die Mansfeldische Armee von der Elbbrucken zu Dessa abgetrieben/ zertrennt/ und guten theils erlegt hat."

11) Pfarrer Caspart: "Aus J. K. Holderbuschs Chronik." Württemb. Vierteljahrshefte, Band 8, 1886, S. 92 

12) Meine Kuautorin. - My co-author here.

Montag, 20. April 2026

Der Zöllner und die zehn Musketiere - The customs officer and the ten musketeers P. 2

Der folgende Tag unterschied sich schon allein dadurch, dass wir auch arbeiten konnten. Das heißt, dass beispielsweise die Schmiede in der Schmiede hämmerten. Wir haben Eisenteile für ein Joch geliefert bekommen. Uns wurden auch Schüreisen geschmiedet und die anderen Landleute bestellten auch kleinere Reperaturen, während einer der Schmiede an einem Hauschwert arbeitete.

Ein neuer Morgen in meiner Schankstube. - A new morning in the tavern. (Foto: Michael Leyendecker)

The following day was different simply because we were able to work. This meant, for example, that the blacksmiths were hammering away in their forge. We received iron parts for a yoke. They also forged pole irons for us, and the other villagers ordered minor repairs, while one of the blacksmiths worked on a domestic sword.

Die Schmiede liefern ihre Arbeit bei uns ab. - The blacksmiths are bringing their work. (photo: M. Leyendecker)




Für mich und meine beiden Knechte bedeutete es, dass wir das auf einem großen Wagen aufgeschichtete Getreide dreschen konnten, was wir zu dritt bewacht von ein paar der Musketiere ziemlich rasch erledigten. Es ist ja wirklich so, dass 1626 durch die Wetterverhältnisse im Reich teilweise schlimme Missernten vorkamen [1]. Auch wenn wir noch keine an den Bettelstab gebrachten bayerischen Landleute zu Gesicht bekommen haben, so konnte auch uns jederzeit die grassierende Seuche betreffen, welche insbesondere Württemberg heimsuchte [2]. Einer der Dreschflegel ging zu Bruch. Gerade diese Zeit, wenn es noch sehr kalt ist, wird für Gewöhnlich für Aufgaben wie die Reperatur von Geräten genutzt. 

Das Kalb vor dem Kuhstall. - The calf in front of the cowshed. (Foto: Stefan Winter)



For me and my two farmhands, it meant we could thresh the grain piled up on a large wagon, which the three of us accomplished quite quickly, guarded by a few of the musketeers. It is indeed true that in 1626, due to the weather conditions, there were some severe crop failures in the empire [1]. Although we have not yet seen any Bavarian peasants reduced to beggary, the rampant epidemic, which particularly afflicted Württemberg [2], could have affected us at any time. One of the flails broke. This time of year, when it is still very cold, is usually used for tasks such as repairing equipment.


Wir dreschen in meiner alten Scheune, die direkt neben dem Zollhaus steht. - We are threshing in my old barn, which is direct next to the customs house. (Foto: M. Leyendecker)

Donnerstag, 9. April 2026

Der Zöllner und die zehn Musketiere - The customs officer and the ten musketeers P 1

Nun sind wir zurück von unserer Landleben-Veranstaltung, deren Reihe wir vor 10 Jahren begonnen haben [1]. Diesmal hatten wir soviele Teilnehmer wie noch nie dabei, letztlich bedingt durch das Thema der Veranstaltung: "Der Zöllner und die zehn Musketiere 1626". Zum primären Thema habe ich die Inhalte schon veröffentlicht [2]. Trotz einiger kurzfristiger Absagen, nicht zuletzt des Darstellers des Leutnants Geyer [3], hatten wir ausreichend viele Teilnehmer für alle Rollen.

Das von einem bedeutenden Künstler gemalte und frisch angelieferte Wirtshausschild des Zöllners Hans Jacob Müller. - The sign of the inn was newly painted by a famous artist. (Foto: Stefan Winter)


We are now back from our Landleben event, a series we started 10 years ago [1]. This time we had more participants than ever before, ultimately due to the event's theme: "The Tax Collector and the Ten Musketeers 1626". I have already published the content related to the primary theme [2]. Despite some last-minute cancellations, not least from the actor playing Lieutenant Geyer [3], we had enough participants for all the roles. 

 

Der Korporal am Morgen mit Pelzmütze am Tisch mit seinen zahlreichen Musketieren. - In the morning the corporal with his fure cap is sitting at the table with his many musketeers. (photo: M. Leyendecker)

 

Nach dem Eintreffen der meisten Darsteller am Donnerstag, begann unsere Veranstaltung am Karfreitag mit einer Andacht beim Weinbauer Pahlhuber, der im Haus aus Sachsenflur wohnte [4]. Vor allem die Bewohner des württembergischen Zoll- und Wirtshauses mit dem Zöllner Hans Jacob Müller [5] samt den dort einquartierten württembergischen Söldnern trafen bei dem Bauer ein, der schon vieles vorbereitet hatte. Man hörte nicht nur die entsprechende Passage aus der Bibel, sondern erfuhr auch von den Drangsalen, welche dem Herzogtum Württemberg zusetzten. Herzog Johann Friedrich wurde in die Fürbitten freilich eingeschlossen.

Begleitet von den zehn Musketieren ziehen wir zum Hof des Weinbauers. - We are walking to the farm of the wine farmer together with the ten musketeers. (Foto: Michael Leyendecker)

After most of the performers arrived on Thursday, our event began on Good Friday with a service at the home of the winegrower Pahlhuber, who lived in the house from Sachsenflur [4]. The inhabitants of the Württemberg customs and inn, including the customs officer Hans Jacob Müller [5] and the Württemberg mercenaries quartered there, gathered at the farmer's house, where he had already made many preparations. They not only heard the relevant passage from the Bible but also learned of the tribulations afflicting the Duchy of Württemberg. Duke Johann Friedrich was, of course, included in the prayers.


Bei der Andacht am Karfreitag. In der zweiten Reihe sitzt der Korporal der Württemberger Musketiere und dahinter Leutnant Geyer. - During the prayers at the Good Friday. In the second row the corporal of the Württemberg musketeers is sitting and behind him lieutenant Geyer. (Foto: Michael Leyendecker)

Den ganzen Tag lang hatte ich damit zu tun vorbeifahrende Karren zu untersuchen, ob denn der Zoll auch entrichtet wurde. Ein Fuhrmann wollte mir weismachen, er müsse ja nichts entrichten, da seine Fuhre Holz nur zur Roten Steige ginge. Dabei liegt diese ja schon im Hällischen und erzählen kann der Mann viel. Genauso gut, kann er das Scheiterholz weiter nach Crailsheim oder ins comburgische Steinbach fahren.

Montag, 30. März 2026

Kettie's ambush - Dumas campaign p. 6

In our new game I had the challenge to bring a wagon to a small abbey in a narrow valley and had no idea where Kettie would try to prevent my arrival at the abbey, where a certain gent in red waits to give me a sack of coins to pay troops to follow his further instructions [1]. 

All of Kettie's troops are hidden in houses or woods. (photo: C. Hanselmann)
 

I decided to let the wagon be guarded by a unit of pikes and August von Wiesel himself while a forlorn hope was send out to find ambushers in the woods. Besides I had 2 troops of ordinary musketeers, some commanded shot and a troop of heavy horse to protect the wagon on the narrow road.

A man in a red robe is waiting for my arrival. (photo: C. Hanselmann)
 

Unfortunately the gent in red had little intention to help me and ordered his 6 guards to stay with him at the abbey. Therefore they could only fight if attacked by Kettie. 

 

I ordered some musketeers to advance towards the hamlet. The cart is moving using the road. (photo: F. Hanselmann)

 

 But after some early bad luck I decide to challenge Kettie to maybe force her troops into failing morale tests... (photo: C. Hanselmann)

Kettie could place two troops of musketeers of the king in the buildings of a small hamlet or in one of the woods in the valley or at the hilltops. A third unit of ordinary musketeers could be hidden in one of the four woods. 
 

Our pike unit is moving through the hamlet as fast as possible. (photo: C. Hanselmann)
 

Kettie herself commanded a troop of Royal musketeers on horseback and had a unit of pikemen to follow her orders which could arrive in the area on one of the smaller roads. My opponents rolled a 2 for both units and therefore they came from the mountainside (on a 3-4 they would come from the opposite direction and on a 5-6 they would not arrive in the turn). 


A small group of forlorn hope is my only unit which manages to shoot - here they fire at the storage building, where 6 musketeers of the king are hidden. (photo: C. Hanselmann)

Freitag, 20. März 2026

Plus des Suisses pour le roi

Ich habe beschlossen, dass ich ein weiteres Regiment der Schweizer für unsere Schlacht bei Rocoux benötige. Ich habe ja bereits das Regiment Bettens [1]. Diesmal habe ich mir das Regiment Diesbach ausgesucht. Die Uniformen sind sehr ähnlich. Als Vorlage habe ich die Zeichnung von Gudenus ausgewählt [2]. Die Kokarde ist weiß und auch die Borte am Hut. Die Fahne stammt von "Not by appointment" [3]. Dieses Jahr werden wir mit unserer Veranstaltung in Wackershofen ins Jahr 1746 gehen. Ein Grund mehr sich mich der Zeit zu beschäftigen.

 

J'aime beaucoup le drapeau du régiment. (photo: C. Hanselmann)

Dienstag, 10. März 2026

The cardinal's guard

 I painted three different tiny units for "Pikeman's Lament". One of them is armed with halberts. We see halberts used in small formations for example in a Hessian regulation [1] in a marching column. For some reason these solders have shoes instead of boots. Maybe they are ordered as a personal guard for the cardinal Richelieu himself. One of them have a more elaborated outfit with lace at his boots and therefore perhaps is to be usd as an officer.

Some guards using their swords. I changed some hats with greenstuff. (photo: A. Hanselmann, 2026)

As usually with these sets the riders fit on the horses very badly. But the details are very nice and sharp. One of the figures missed half of his head and had no hat at all and therefore my son formed a new hat with greenstuff. I was not angry about it because the manufacturer is in the Ukraine during real war now. (photo: A. Hanselmann, 2026)

Perhaps they are fighting their enemies in the blue cassocks... (photo: A. Hanselmann, 2026)



The second group of figures are from the same set [2]. These are more in poses as we know them from movies. Perhaps they are arresting  Eloïse d’Artagnan to get her message [3]? We can doubt that the cardinal's guard used their swords only very often although Dumas presents them doing so fighting the Musketeers of the king at many occassions.

 

I do like the ribbon on the "officers" hat. The guards with halberts are in two different poses in the set. I changed feathers and hats a little to make them looking more interesting. (photo: A. Hanselmann 2026)

Montag, 2. März 2026

Seuchen und Krisen 1626 - Plagues and Crisis in 1626

Die große in Württemberg grassierende Seuche, die nicht zuletzt von den Söldnern wie denen unter Sachsen-Lauenburg eingeschleppt wurde, ist kein vorrangiges Thema auf unserer Veranstaltung. Dennoch will ich es nicht so ganz unerwähnt lassen. In einer Haller Chronik wird die Dramatik der Ereignisse im angrenzenden Württemberg geschildert, Dort regnete es 10 Wochen lang, so dass das Korn ungenießbar wurde, die Ärmsten, die von ihrem Handwerk nicht mehr leben konnten, gezwungen waren "Graßdisteln, Melten und dergleichen" zu verzehren. Noch härter soll es Bayern getroffen haben, weil man dort sehr einseitig auf den Anbau von Roggen setzte, wodurch viele ihr Land verließen und in Württemberg oder gar dem Elsass betteln gehen mussten. Auf die Missernte folgte in Württemberg die Pest, von der 28.000 Menschen dahingerafft wurden [1].

The great epidemic raging in Württemberg, which was brought in part by mercenaries like those under Saxe-Lauenburg, is not a primary topic at our event. Nevertheless, I don't want to leave it entirely unmentioned. A chronicle from Hall describes the dramatic events in neighboring Württemberg. There, it rained for ten weeks straight, rendering the grain inedible, forcing the poorest, who could no longer make a living from their trades, to eat "grass thistles, ragwort, and the like." Bavaria was said to have been hit even harder because of its heavy reliance on rye cultivation, which led many to abandon their land and beg in Württemberg or even Alsace. The crop failure in Württemberg was followed by the plague, which claimed the lives of 28,000 people [1].

Wir haben damals keine Disteln gekocht auf unserer Landleben 1619 Veranstaltung. - We didn't cook any thistles on our Landleben 1619 event. (photo: S. Winter, 2019)


Die Auswirkungen der Krise sieht man auch im Kleinen, beispielsweise wenn wiederholt Bäcker in Schwäbisch Hall wegen "übel gebackenen" Brot wie David Hoffmann am 12. Mai 1626 oder "zu gering gebackenen Brodt" wie Endris Löchner belangt wurden. Die Reichsstadt hatte klare Maße, welche die Bäcker bei einem gewissen Brotpreis, der vom Magistrat erhöht oder gesenkt werden konnte, eingehalten werden musste, wenn man nicht wie hier mit 4 Talern Strafe belegt werden wollte. Bezeichnenderweise ging die Hälfte von Hoffmanns Strafe, also 2 Taler, an den Haller Bettelvogt [2]. Der Rat erließ im 17. Jahrhundert mehrfach Verbote einheimisches Brot oder Getreide ohne Wissen des Rates auszuführen. Da scheint es beinahe übermäßig milde, wenn dem "weib" des Balthasar Widmann nur eine Strafe von 2 Gulden auferlegt wurde, weil sie "Burgers brot hinaus geben" [3]. Die Vergehen wegen veruntreuten Brotes häufen sich im Frühsommer 1626. Besonders schwer wurde der Bäcker Hans Caspar Glock bestraft, weil er im Juli 40 Laib Brot "zunicht gebacken" wofür er nicht weniger als 12 fl Strafe zahlen musste [4].

The effects of the crisis can also be seen on a smaller scale, for example, when bakers in Schwäbisch Hall were repeatedly fined for "poorly baked" bread, as David Hoffmann was on May 12, 1626, or for "bread baked too thinly," as Endris Löchner was. The imperial city had strict regulations that bakers had to adhere to at a certain bread price, which could be raised or lowered by the city council, if they wanted to avoid a fine of 4 talers, as in this case. Significantly, half of Hoffmann's fine, 2 talers, went to the Hall beggar bailiff [2]. During the 17th century, the council repeatedly issued prohibitions against exporting local bread or grain without its knowledge. In comparison, it seems almost excessively lenient that Balthasar Widmann's wife was only fined 2 guilders for "giving away citizens' bread" [3]. Offenses involving embezzled bread increased in the early summer of 1626. The baker Hans Caspar Glock was punished particularly severely because he "wasted" 40 loaves of bread in July, for which he had to pay a fine of no less than 12 florins [4].

Arbeit am Backofen bei Landleben 1625. - Work at the oven on our Landleben 1625 event. (photo: S. Winter)