Montag, 1. Juli 2019

Mobilität im 18. Jh. (Teil 4) Unter fremden Flaggen – mobility during the 18th century (part 4) under foreign flags


Da wir in Teil 2 und 3 dargestellt haben, dass weder die Städter von Schwäbisch Hall scharenweise in ferne Gegenden des Erdballs aufbrachen noch die hällischen Untertanen auf dem Land, möchte man fast glauben, dass die Leute doch so ziemlich in ihrer Gegend blieben. Aber es gab eine große Ausnahme und das waren Soldaten. Schwäbisch Hall hatte außer in Kriegszeiten wie etwa im 7-jährigen Krieg nie Probleme ihr eigenes Kreiskontingent durch die Anwerbung von Freiwilligen zu füllen. Deswegen hatte der Rat der Stadt offenbar nichts dagegen, wenn Untertanen für ausländische Mächte Dienste annahmen.
As we did show in part 2 and 3, neither the citizens of Schwäbisch Hall left the town for far sides of the globe, nor the subjects in the countryside did so. We might believe, that the folks all more or less stayed in the region. But there was one great exception and that were soldiers. Schwäbisch Hall never had problems to recruit voluntaries for the own contingent of the Imperial circle except during wartime like the Seven years’ war.  Therefore the magistrate of the town obviously had no concerns, if subjects took service for foreign powers.
Besonders augenscheinlich wird das, wenn der Rat ständig ausländischen Werbern die Erlaubnis erteilte auf dem Land zu rekrutieren wie zahlreiche Einträge in den Ratsprotokollen belegen. Dies tat die Stadt obwohl die Kaiser ausländische Werbungen wiederholt verboten. Auf ein besonderes Beispiel werde ich detailliert eingehen. Das Prozedere war relativ einfach und wiederholte sich praktisch ständig. Es verging scheinbar kaum ein Monat, wenn sich nicht ein Offizier beim Rat einstellte, um die Genehmigung zur Werbung anzusuchen. Der Offizier wies sich beim Magistrat mit einem Schriftstück seines Souveräns aus. Dann musste er einen Vertrag[1] unterzeichnen, welcher ihm die Modalitäten der Werbung im Hällischen klar machte. Die Werber suchten vor allem Wirtshäuser und andere öffentliche Orte auf, um Freiwillige zu finden. Auch der Einsatz von Wein oder anderem Alkohol war obligatorisch. War der Werber nun erfolgreich und entsprach in seinem Verhalten dem Vertrag, so musste er mit dem Geworbenen vor dem Magistrat erscheinen und dieser genehmigte oder verbot die Mitnahme des Rekruten.
Es gibt aber auch Hinweise wie bei dem 1673 von Hohenlohe-Schillingsfürstischen Werbern geworbenen Hans David Hauschel, dass sich herausstellte, dass die Werber fragwürdige Methoden anwendeten und scheinbar den Geworbenen betrunken machten. Wegen der Unverantwortbarkeit des Vorgehens – Hauschel hätte seine Kinder und eine kranke Kindbetterin zurück gelassen – ging der Rat dann auch gegen diese Werbung vor[2].
That becomes very obvious, when the magistrate constantly was giving permissions to recruit in the countryside as many entries in the magistrate’s protocols verify. The town did that despite several emperors forbid foreign recruitment. I will focus on a special example later on. The procedure was relatively easy and repeated always. It seems that rarely a month passed without an officer who arrived in front of the magistrate with a document of his sovereign. Then he had to sign a contract, which clarified to him the modus of recruitment in the territory of Hall. The recruiting officers mostly went to taverns and other public places to find voluntaries. The use of vine and other alcohol was obligatory. When the recruiting officer was successful and his conduct was true to the contract, he had to appear in front of the magistrate and the magistrate allowed or forbid the take along of the recruit.
There were examples like that of Hans David Hauschel, who was enlisted by recruiters of Hohenlohe-Schillingsfürst in 1673, where the methods were questionable and the recruiters made the recruit completely drunken. The proceeding was absolutely inadequate, especially because Hauschel had children and a sick baby’s mother at home. Therefore the magistrate prevented the recruitment.

Seitenansicht einer preußischen Grenadiersmütze, 18. Jh. - sideview on a Prussian mitre cap (Foto: Cecilia Hanselmann, Burgmuseum Altena)
I have the impression that the cap is very low - is it actualy a grenadier's cap?

Hinteransicht der Mütze - backview of the cap (Foto: Cecilia Hanselmann, Burgmuseum Altena)
Frontalansicht der Mütze - frontal view of the cap (Foto: Cecilia Hanselmann, Burgmuseum Altena)

Mittwoch, 19. Juni 2019

Mobilität im 18. Jahrhundert (Teil 3) Auswanderung auf dem Land – mobility during the 18th century (part 3) emigration in the countryside


„Der Deutsche ist weder gedrückt genug – wenn man etwa die Pfalz und besonders den reformirten Theil der Pfalz, der wohl der grösste ist, ausnimmt – um sich den vielen Übeln, die eine jede Revolution zur Folge hat, unterziehen zu müssen …“ schrieb Reichardt in seinen Briefen 1792[1]. Tatsächlich lässt sich nach dem Deutschen Bauernkrieg feststellen, dass die Bauern im Hällischen mit der Herrschaft nie ernsthaft unzufrieden waren. Man hört nicht einmal etwas von "Aufruhr und Beschwerden"[2].

„The German is neither too much pressed – when we exclude the Palatine and especially the reformed portion, which is the biggest – to undergo the evils of a revolution …” wrote Reichardt in his letters in 1792. Indeed it is noticeable after the German Peasant’s war, the peasants in the territory of Hall were never earnestly dissatisfied with their rulers. You even don’t hear of "revolt or complaints".

Während um 1600 die Bauern Leibeigene waren, ging die Zahl der Leibeigenen danach zurück. Leibeigene durften allerdings ohne vorherige Aufhebung der Leibeigenschaft Bürger in einer anderen Stadt werden, auch wenn sie das in Hall selbst nicht durften[3]. Der Freikauf aus der Leibeigenschaft war für erst 20 dann 15 Gulden jederzeit möglich. Man hatte schon im späten 17. Jahrhundert, aber auch im frühen 18.Jahrhundert verstärkt darüber im beraten, ob man die Leibeigenschaft nicht ganz aufheben wolle, da sie als unrentabel galt und der Verwaltungsaufwand größer als der Nutzen schien[4].

In 1600 the peasants were serfs, but the number of them declined afterwards. Though the serfs could become citizen of another town without a previous abolition of the serfdom, however they could not do so in Hall itself. The ransoming from serfdom was always possible for 20 and later 15 florins. The rulers had debated during the late 17th and early 18th century about the complete abolition of serfdom, because it was noticed as unprofitable and the administrative expenses were bigger then the benefit.

Detail von Vier Montatsbildern, Tempera auf Leinwand, 2. Hälfte 17. Jh. - Detail from four month-pictures, Tempera on canvas, 2nd halve of 17th century (Hällisch-Fränkisches Museum, Foto: Kim Krawiec)


Donnerstag, 13. Juni 2019

Mobilität im 18. Jahrhundert (Teil 2) Auswanderung in die Ferne – mobility during the 18th century (part 2) – emigration to foreign lands


Wenn man sich die Auswanderung in Deutschland anschaut, dann überlegt man natürlich zuerst, warum kam es etwa zu Auswanderung? Religiöse Ursachen wie die Unterdrückung des Protestantismus in Salzburg und Österreich fallen einem da sogleich ein. Aber natürlich gab es auch wirtschaftliche Gründe wie etwa der Niedergang eines bestimmten Gewerbes oder aber Überbevölkerung.

Wenn man sich die Entwicklung der Einwohnerzahl der Reichsstadt im 18. Jahrhundert anschaut, fallen keine großen Schwankungen auf. Nennenswerte Einbrüche in der Bevölkerungszahl haben Epidemien wie die in den 1760ern grassierende Ruhr gebracht. So starben 1765 bei nur 178 Geburten 292 Menschen[1]. Folglich waren die Städte durch solche Ereignisse auf Zuzug angewiesen, wenn sie nicht aussterben wollten, da die Zahl der Geburten und Sterbenden sich in anderen Zeiten in etwa die Waage hielt.
Anhand der Beetlisten wurden auch konkrete Einwohnerschätzungen unternommen, die aber laut Wunder zweifelhaft bleiben. Immerhin gibt die Anzahl der Haushalte in der Stadt einen gewissen Anhaltspunkt. So waren es 1680 919, 1750 1063 und 1800 1476[2].


Ansicht von Hall Richtung „Neubau“ (Zeughaus), diese Teil der Stadt blieb 1728 von der Feuersbrunst verschont, 2017 – view on Hall in the direction oft he „Neubau“ (armory), this quarter oft he town was spared from the great fire in 1728, 2017 (Foto: Cecilia Hanselmann)


If we are looking on the emigration in Germany, we are naturally thinking first, why did people emigrate? Soon we have religious reasons in mind – for example the repressions on Protestantism in Salzburg and Austria. But certainly there were economic reasons too. Like for example the decline of some sort of trait or overpopulation.

When we observe the process of the population of the Imperial town during the 18th century, no great fluctuations are showy. Remarkable collapses were caused by epidemics like the dysentery during the 1760s. In 1765 178 persons were born but 292 died. Therefore the towns needed emigration, if they wanted not to die out, because the numbers of births and deaths during other times were balanced.
Some historians tried to estimate the population using the registers of taxation. But the results are questionable. Nevertheless the number of households provide a source. There were 919 in 1680, 1.063 in 1750 and 1.476 in 1800.

Jakob Franz Beyschlag, Gemälde in der Stadtkirche Sankt Michael – Jakob Franz Beyschlag, painting in the town’s church St. Michael


Religiöse Zusammenstöße sind untypisch für Schwäbisch Hall. Die letzten schwerwiegenden inneren Probleme dieser Art fanden während den Schneck’schen Unruhen ab 1602 statt. Nennenswert wäre auch der Versuch einer Gegenreformation im Hällischen durch die Kaiserlichen während des 30-jährigen Krieges.
Im 18. Jahrhundert aber wäre höchstens die Konfrontation des Magistrats und Konsistoriums mit den Anhängern des Pietisten und späteren Haller Predigers Jakob Franz Beyschlag (1701-1766) 1730 von einigem Einfluss. Hierbei tat sich wiederum Nikolaus David Müller hervor, der im Rat die Partei Beyschlags ergriff und dafür von Johann Baltasar Wibel als „Schelm“ beschimpft wurde. Den Höhepunkt der Auseinandersetzung bildete eine Aktion der Anhängerschaft Beyschlags, als 50 von ihnen die Eingänge des provisorischen Rathauses besetzen, um die Übergabe einer Bittschrift an den Rat zu erzwingen[3].
Dennoch gab es scheinbar keine konfessionellen Gründe zu Gehen in Schwäbisch Hall.
Wenn wir uns nun die wirtschaftliche Seite ansehen, so ist als eine der bedeutenden Einschnitte sicherlich die Errichtung des Gradierhauses 1739 zu bewerten. Der Verbrauch an Holz verringerte sich massiv. Statt 20.000 Zentnern Salz im Jahr wie zuvor, konnten fortan um die Mitte des 18. Jahrhunderts 50.000 und Ende des Jahrhunderts gar 85.000 gewonnen werden[4].
Dennoch finden sich einige Einwohner der Reichsstadt, die teilweise in weit entfernte Gegenden ausgewandert sind. Zwischen 1730 und 1769 gingen allein 36 nach Amerika[5].

Wappen der Famile Wibel auf einem Porträt des J.V. Wibel, 18. Jh. – arms of the family Wibel on a portrait of J. V. Wibel, 18th century (Hällisch-Fränkisches Museum Schwäbisch Hall, Foto: Cecilia Hanselmann)

Religious motivated encounters are not typical for Schwäbisch Hall. The last serious intern problems of this kind were the “Schnecken’schen” riots since 1602. The try of the Imperialists to achieve a counterreformation during the Thirty Years war is noticeable too.
But during the 18th century was not more than a confrontation of the followers of the Pietist and later preacher Jakob Franz Beyschlag (1701-1766) against the magistrate and consistory in 1730 of some impact. Nikolaus David Müller stood out again, when he defended Beyschlag in the magistrate and then he was insulted to be a rogue by Johann Balthasar Wibel. On the climax of the conflict 50 followers of Beyschlag occupied the entrances of the provisionally town hall to force the magistrate to except their petition.
When we look at the economic development, we have to recognize the erection of the "Gradierhaus" in 1739. Instead of 20.000 quintals of Salt per year, the Haller could obtain 50.000 in the mid 18th century and 85.000 at the end of the century.
It seems that there were no real confessional reasons to leave in Schwäbisch Hall. Nevertheless there were some inhabitants of the Imperial town, who left the city sometimes for far locations. Betwixt 1730 and 1769 36 alone went to America.

Freitag, 31. Mai 2019

Mobilität im 18. Jahrhundert (Teil 1) Einwanderung – mobility during the 18th century (part 1) - immigration


Wir haben ja dieses Jahr in Wackershofen auf unserer „Anno Domini 1769“-Veranstaltung das Thema der Auswanderung am Beispiel Schwäbisch Halls. Wie mobil waren die Menschen damals? Saß man sein Lebtag lang auf einem Fleck? Warum wanderte man eventuell aus und warum nicht?

This year we have the topic of emigration at our „Anno Domini 1769“-event with the example of Schwäbisch Hall. How mobile were the people in that period? Did you stayed at the same place for your whole life? Why did people emigrate and why not?

Schützenscheibe des G.C. Hufnagel, 1798, Ausschnitt / target of G. C. Hufnagel, 1798, detail (Hällisch-Fränkisches Museum, Foto: Cecilia Hanselmann)


Das 18. Jahrhundert war gekennzeichnet von großen Auswanderungswellen. Man darf dabei nicht vergessen, dass auch im Jahrhundert nach dem Westfälischen Frieden die Konfessionen eine große Rolle spielten. Die berühmtesten Beispiele von religiös motivierter Einwanderung waren sicherlich die der Calvinisten aus Frankreich, die beispielsweise in Preußen aber auch in Brandenburg-Ansbach und sogar in Kleinstaaten wie Sachsen-Hildburghausen angesiedelt wurden zum einen und die der Salzburger Lutheraner, die auf ihrer strapaziösen Reise nach Preußen einwanderten. Im Falle der Salzburger Lutheraner besteht sogar ein konkreter Zusammenhang zu Schwäbisch Hall, da hier einige der Flüchtlinge Halt machten. Es erstaunt auf wie wenig Solidarität die leidgeprüften Glaubensgenossen trafen.

The 18th century was marked by great waves of emigration. One should not forget that even in the century after the treaty of Westphalia the confessions played a major role. The most famous examples of religious motivated emigration were certainly those of the Calvinists, who settled for example in Prussia, but in Brandenburg-Ansbach too and even in the small state of Saxon-Hildburghausen and the Lutherans from Salzburg, who immigrated to Prussia. In the case of Salzburg Lutherans there is even a connection with Schwäbisch Hall, because some of the emigrants made a stop here. It’s surprising how little solidarity the sorry tested coreligionists found.

Porträt des Nikolaus David Müller (unbekannter Künstler) 18.Jh. /
Portrait of Nikolaus David Müller (unknown artist) 18th century (Foto: André Hanselmann)
Besonders der Pietist und Ratsherr Nikolaus David Müller (1692-1741) bemühte sich 1732 darum, die vor allem von den Zünften beargwöhnten Salzburger Exilanten in Arbeit zu bringen. Durch den großen Stadtbrand von 1728 brauchte man nach wie vor zahlreiche helfende Hände zum Wiederaufbau der zerstörten Teile der Stadt. Die meisten der 200 Emigranten konnten zur Arbeit herangezogen werden und nur 15 Personen fielen dem Hospital zur Last[1]. 




Haus des Nikolaus David Müller / house of Nikolaus David Müller (Foto: Cecilia Hanselmann)


Especially the pietist and senator Nikolaus David Müller (1692-1741) tried to get the exiles from Salzburg into work in 1732, although they were mistrusted by the local guilds. But helping hands were needed due to the great fire of 1728 to rebuild the destroyed quarters of the town. Most of the 200 emigrants could be of use for work and 15 persons only felt to the encumbrance of the hospital.

Stadtbrand von 1728, zeitgenössischer Kupferstich / the great fire of 1728, contemporary print (Hällisch-Fränkisches Museum, Foto: Cecilia Hanselmann)

Dauerhaft wurden in Schwäbisch Hall offensichtlich keine Fremden gezielt angesiedelt wie man das aus anderen Ländern kennt, wo gerade nach den Verwüstungen des 30-jährigen Krieges der Versuch unternommen wurde durch Anlocken von Handwerkern die Wirtschaft zu verbessern und durch Kolonisation bislang ungenutzter Landesteile Einnahmen für die Zukunft zu generieren. Eine Ausnahme stellt die Übersiedlung von Protestanten aus Steinbach dar, die infolge der Gegenreformation das Gebiet des Ritterstifts Comburg verließen und sich im angrenzenden Schwäbisch Hall niederließen.

Freitag, 19. April 2019

"Landleben 1619" Teil 3 - Part 3 (Sonntag/Sunday)


Magd Johanna macht Feuer am Morgen - Johanna started the fire in the morning (Foto: Stefan Winter)



An diesem Morgen machte sich meine Tochter auch wieder im Kuhstall nützlich indem sie das Kalb striegelte und sie half auch die Gänse in das Gehege zu treiben. Überhaupt bin ich sehr stolz auf sie, weil sie auch schon bei den Hühnern gewesen war. Darum durfte sie ganz stolz ein paar Eier nach Hause tragen.


An unserem Haus wohnen unsere gefiederten Freunde - Next to our house are living our feathered friends (Foto: Stefan Winter)



Sunday morning my daughter was again useful in the cowshed and she helped to drive the geese in their enclosure. Anyhow I’m very proud of my daughter. She brought food to the chicken and she was allowed to proudly bear some eggs home.


Erstaunen am kleineren Tisch, dass ich meinen Platz wieder habe - astonishment at the small table, because I had my seat again (Foto: Stefan Winter)



Es gelang mir beim Frühstück meinen Platz an meinem Tisch zurück zu erobern. Diese Spanier aber auch! Tragen keine Schwerter, wenn sie nicht gerade marschieren! Da können sie unsereins nicht einschüchtern!


I managed to reconquer my seat at the table before breakfast. These Spaniards! They don’t carry their swords except in service! Oh, then they cannot frighten us!


Gewohnter Anblick: die Hausmutter spielt Drehleier, der Stadthauptmann und Gemahlin lauschen und mein Sohn lässt sich bedienen - habitual view: the landlady is playing the hurdy-gurdy, the city's captain is listening accompanied by his wife and my son is to be served (Foto: Stefan Winter)



Wenn mein holdes Weib nicht gerade beim Spinnen zu sehen war oder sonst etwas zu tun hatte, lieh sie sich die Drehleier meines Knechts.


When my dear wife was not spinning or had to do something else, she lend the hurdy-gurdy of my farmhand.


Der Hausvater schreibt sein Rechenbuch - the father of the house is writing his book of accounts (Foto: Stefan Winter)



Gewissenhaft verzeichnete ich in meiner “Beckenrechnung” die Brote, die mein Bruder bekommen hatte. Ach, da fiel mir dieser Schuster ein, der nie seine Brote bezahlt hatte…


I enjoyed noticing the breads which my brother received in my baker’s accoun. Oh, now I can remember this cobbler who never paid for his breads!


Die Musketiere immer am Exerzieren - musketeer's drill (Foto: Stefan Winter)



Den Vormittag verbrachte ich bei meinem Bruder, wo wir Schindeln aus Holz herstellten. Auch mein Hausgenosse war dabei. Doch bald schon rief mich eine Nachricht heim.

Denn die Spanier, die alle Tage im Gelände herum marschierten und mit ihren Musketen übten, wollten sich wieder bei mir einquartieren. Dass wir nicht endlich diese Söldner loswurden! Ich beschwerte mich bei dem Kriegskomissar. Denn wo sollten meine Kühe hin, wenn die Pferde der Spanier in meinen Kuhstall gestellt wurden? Nun aber ein Brief aus Wien von dem General Dampierre vermag viel.


I spend the morning along with my brother, where we produced wooden shingles. My subtenant accompanied me. But soon I was called home. The Spaniards, who marched up and down and drilled, wished to get quarters again. Could we not finally get rid of those mercenaries! I complained at the military commissary. Where should my cows sleep, when the Spaniards put their mounts in my cowshed? But a letter by general Dampierre from Vienna is very powerfull. 

Montag, 15. April 2019

Landleben 1619 Teil 2 / Part 2 (Sonnabend/Saturday)


Der nächste Morgen begann recht ähnlich wie der letzte. Die Aufgaben für die Kinder in der Schule wurden etwas schwieriger, außerdem hatte ich einen neuen Schüler, was mich sehr freute. Schulgeld ist doch stets willkommen.


Dann begab ich mich mit meinem Hausgenossen mit den Piken an den Riegel. Hier trafen wir auch meinen Bruder. Als uns die Zeit lang zu werden drohte, begannen wir zu würfeln. Der Hauptmann argwöhnte gar, wir würden darüber unsere Pflicht vergessen.

Natürlich wurde auch das Essen zubereitet - naturally it was important to prepare the food (Foto: Stefan Winter)





Doch nicht etwa am Spielen? - Are you gambling? (Foto: Herr Hahn - Museum Wackershofen)



The next morning was similar like the morning before. The lessons became more complicated for my pupils. Besides I got a new pupil in my school, which was very pleasant to me. School fees are always welcome.


Then I and my subtenant marched armed with pikes up to the barrier. When guarding became boring we started to roll dice. The captain was suspicious of that, thinking we forgot our duty. Never!


Verstärkungen mit alten Feuerwaffen im Anmarsch - reinforcements with old firearms (Foto: Henrike Schwark)



Rechtzeitig als wir schon von weitem Söldner gesichtet hatten, trafen unsere Verstärkungen ein: meine Großmagd und mein Knecht mit Hakenbüchsen.


Right in time, when we discovered mercenaries in a far distance, our reinforcements arrived: my maid and my farmhand with arquebuses.


Spanier in Sicht! - Spaniards! (Foto: Henrike Schwark)



Der Stadthauptmann ritt mutig dem vom Hügel herabziehenden Kriegsvolk entgegen. Doch suchte er bald das weite, so dass ich einem Schweren Reiter mit schnaubendem Ross gegenüber stand. Ich tat, was Dorfhauptmänner am besten in solch einem Augenblick tun und folgte dem Beispiel des Vorgesetzten, verfolgt vom Reiter.


Our captain from Schwäbisch Hall rode bravely in the direction of the advancing soldiers. But he decided to retreat soon.  Therefore I was confronted with my pike to a heavy horseman on his snorting steed and I did what the captain of a village can do best – I followed the example of my commander. But I was pursued by the rider.


Donnerstag, 11. April 2019

„Landleben 1619 – Die Kaiserlichen kommen“ 6.-7. April 2019 1. Teil


"Landleben 1619" 1. Teil (Freitag) / "1619" first part (Friday)

Nun sind wir gerade von unserer Veranstaltung zurück und ich beginne über diese zu rekapitulieren solange die Erinnerungen und Eindrücke noch so frisch sind.

Worum es ging: Spanier im Land / what it was all about: Spaniards in our country. (Foto: Janine Krämer)


Es war sehr angenehm als wir am 4. April ankamen, festzustellen, dass alle Teilnehmer, die wir für den Donnerstag erwarteten bereits eingetroffen waren – beinahe allesamt gleichzeitig. Nach einer Weile des Eingewöhnens war rasch unser schönes Haus eingerichtet, so dass der Haushalt ziemlich schnell reibungslos funktionierte.
Für den Freitag hatten wir uns vor allem vorgenommen den Riegel (Schranke) im Hohlweg zu errichten, welcher den Riegel bei Allmerspann andeuten sollte.
Nachdem ich mich um die Kühe gekümmert hatte, gab es Frühstück und dann unterrichtete ich die beiden bereits anwesenden Kinder in Katechismus, Rechnen auf der Linien nach Adam Ries, Schreiben und las eine Passage auf der Lutherbibel vor, die in die vorösterliche Zeit passt. Jesus war in Jerusalem angekommen und sagte später die Zerstörung des Tempels voraus.
Gleich darauf begab ich mich zu meinem Bruder, Johann Gunkel, um mit der Errichtung des Riegels zu beginnen. Ich war natürlich viel zu spät dran. Aber zum Glück hatte er schon mit der Arbeit begonnen. Die Stämme mussten entrindet und die Pfosten der Schranke zu gesägt werden. Auf den Ziehböcken vor dem Häuschen meines Bruders bearbeiteten wir die Pflöcke auf denen der Schlagbaum zu liegen kommen sollte.


Arbeit auf den Ziehböcken vor einem der beiden Häuser - working on the drawing bocks in front of the small house (Foto: Hr. Hahn - Museum Wackershofen)



Now we are back from our event and I begin to recap about it, as long as the memories are fresh.
It was very pleasant, when we arrived on April 4th to determine that all participants arrived just in time, which were expected for Thursday. After a short time to accustom we had set up our nice house, so that our household could work smooth.
We had scheduled to build the “Riegel” (barricade) in the defile on Friday. That was supposed to represent the “Riegel” at the village of Allmerspann.
After I took care of the cows, I could take my breakfast. Then I was teaching the kids the catechism, numeracy on the lines after Adam Ries, writing and read a passage of Luther’s bible, which was perfect for the time before Eastern. Jesus arrived in Jerusalem and said later that the temple would be destroyed.
Soon after I went to my brother, Johann Gunkel, to commence with the construction of the “Riegel”. Certainly I was too late. But fortunately he had commenced yet. We had to debark the trunks and we had to size cutting the poles for the barrier. We worked on the pegs on the drawing bocks in front of my brother’s small house.  



Harte Arbeit mit Pickeln - the hard work with pickaxes (Foto: Hr. Hahn - Museum Wackershofen)