Sonntag, 9. Mai 2021

Die Habseligkeiten einer Dienstmagd

Das heutige Inventar führt uns in die soziale Schicht der städtischen Dienstboten.
Die Dienstmagd Ursula Maria Gerwigin verstarb 1764, sie war in Diensten bei einem Ratsherren gewesen[1].
Auffällig ist hier, dass gar keine Kopfbedeckungen zu finden sind (mit "Mützle" sind Jacken/Oberteile gemeint), ob sie ihre einzige Haube mit ins Grab genommen hat?
Ebenso wird kein Ehemann erwähnt, wahrscheinlich war sie ledig Mutter geworden, denn sie vererbte ihre wenigen Hinterlassenschaften ihrem Sohn.

 

 

Ein Bild von einer unserer Veranstaltungen 2012.

 

 





Bettwerk

1 zwischen Deckbett
1 dito Liegbett
1 dito Pfülben (?)
1 dito Küßen

mit Enden und Hühnerfedern gefüllt 4fl 20ß

Weißzeuch
12 ß
 


Weiblichen Kleidern

1 schwartz zeuchenen Rock 20ß
1 dito                                      1 fl
1 brauner dito                         1 fl 15ß
1 schwartz zeuchen Mützle          10 ß
1 zeuchen Mützle schwartz          12 ß
1 Goller* dito                                 15 ß
1 getruckter Schurtz                     6 ß
1 rothtüchen Mieder               1 fl
1 Hembd                                        1 ß



Summa 10 fl 28 ß 

* Ein "Goller" war eigentlich laut Frauenzimmerlexikon ein aus weißer Leinwand, Baumwolle oder Nesteltuch geschnittenes über dem Hals geschlagenes "Halbbrüstlein" oder "Kräglein".[2]

 

Text: Cecilia Hanselmann

Foto: Wolf Hanselmann


1)Stadtarchiv Schwäbisch Hall: Inventar der Ursula Maria Gerwig, 1764

2) "Frauenzimmerlexikon" Leipzig, 1715, Reprint des Verlages Edition Leipzig, Leipzig, 1980, S. 1075

Samstag, 1. Mai 2021

Dienstboten im 18. Jh. / servants during the 18th century T. 3 p. 3

Am Tag der Arbeit geht es weiter mit unserer Serie zu den Dienstboten.

At the labor day we continue our series about the servants. 

Dienstzeit und Löhne

Es ist schwierig über die Dauer des Dienstes und die Löhne zu generalisieren. Wenn man sich die Einkünfte der Dienstboten im 18. Jahrhundert anschaut, muss man ja auch die unterschiedlichen Lebenshaltungskosten ansehen und auch der unterschiedliche Wert des Geldes in den verschiedenen Regionen. Denn erschwerend zur Einschätzung kommen die unterschiedlichen Währungen, Aspekte wie Münzverschlechterungen und ähnliches zur Wirkung. Daher ist es eigentlich am sinnvollsten die Dienstboten innerhalb einer Region, eines Staates oder am besten innerhalb einer Stadt oder Gemeinde zu vergleichen. Besonders aussagekräftig scheinen mir, auch wenn es hier in der Serie über Dienstboten garnicht um Dienerschaft an Höfen gehen soll die recht gut dokumentierten Rechnungen für Personalausgaben von Hofhaltungen. Das Schöne an diesen ist auch, dass man dort so ziemlich alle verschiedenen Typen von Dienstboten[1] findet, die es während der Epoche gab.

Length of service and wages 

It is difficult to generalize about length of service and wages. If you look at the income of the servants in the 18th century, you also have to look at the different cost of living and the different value of money in the different regions. Because the different currencies, aspects such as coin deterioration and the like make the assessment more difficult. Therefore, it actually makes the most sense to compare the servants within a region, state or, best, within a city or town. Particularly meaningful to me, even if the series about servants is not supposed to be about servants at courts, are the well-documented bills for personnel expenses of court holdings. The nice thing about these is that you can find pretty much all the different types of servants [1] that existed during the era.

Zwei Jungen servieren in einem Schokoladentrinkhaus. Gerade für solche Dienste hat man Kindern gern eingesetzt. - Two boys are serving in a chocoladedrinkinghouse. Especially for such jobs kids were used often. (Deutsch oder Italienisch: "Die Schokoladentrinkstube" 18. Jh.)

Eintrittsalter und Diensteintritt

Man kann hierrüber nichts allgemein gültiges sagen. Bisweilen finden wir nützliche Angaben in Biographien. Nicht ganz unüblich scheint mir das Schicksal der Susanne Margaretha Brandt, welche als Waise aufwuchs und von daher wohl keine besonders andere Perspektive hatte außer sich als Magd in Dienste zu begeben[2]. Sehr schön hat die Beweggründe etwa die eigenen Kinder in Dienste zu schicken Renate Dürr in ihrer Arbeit über die Mägde in Hall dargestellt. Sie verdeutlicht auch, dass die Mägde nicht unbedingt den unteren Bevölkerungsschichten entstammen mussten, sondern im Falle von Hall durchaus auch den führenden Bürgerfamilien der Reichsstadt entstammen konnten. Insbesondere eine große Schar von Kindern kann die Eltern dazu gezwungen haben zumindest einige von ihnen über eine Dienstbotenanstellung versorgt zu wissen. Gerade bei den höheren Familien war aber die Anstellung als Magd offenbar kein Hinderungsgrund später wieder als gleichberechtigt betrachtet in reiche Patrizierfamilien verheiratet zu werden[3].

Die Versorgung der Herrschaften einer Stadt mit einer ausreichenden Anzahl an Dienstboten war das ständige Augenmerk der damaligen Obrigkeit - also der Regierung eines Staates oder des Magistrats einer Stadt. Man findet von dieser Seite her auch immer wieder Klagen über zuviele Leute, welche statt  in Dienste zu treten versuchten mit ihrer Hände Arbeit als eine Art Tagelöhner, mit Spinnen und dergleichen Tätigkeiten eine Bleibe zu finden und unabhängig zu bleiben. Diese Menschen waren der Obrigkeit auch daher ein Dorn im Auge, da sie früher oder später etwa den Sozialkassen zur Last fielen. Auch die Eltern wie insbesondere "arme Wittweiber" wie es in Hall heißt wurden sogar mit Androhung einer Strafe dazu gezwungen ihre Kinder in Dienste zu schicken[4].

Einerseits versuchte zwar die Obrigkeit durch eine gewisse Transparenz und die Verordnung einer Art Fairness der Herrschaft gegenüber den Dienstboten die Arbeit als Gesinde attraktiv zu machen. Andererseits herrschte auch gewiss ein gewisser Eigennutz, da die Gesetzgeber letztlich ja auch selbst Herrschaft ihrer Dienstboten waren und wenn überhaupt von den Wohlhabenden auf kurze Sicht politischen Druck zu befürchten hatten[5]. Typisch für die doch eher einseitige Interessenlage der Obrigkeit ist die Verfügung von möglichst niedrigen Löhnen, welche zum Schutz der Herrschaft reguliert wurden. Einem sich gegenseitigen Abwerben mit höheren Löhnen sollten Gesindeordnungen einen Riegel vorschieben[6].

Je nach Gegend konnte neben der Obrigkeit auch eine eher private Art von Stellenvermittlung in Form der Gesindemäkler, "Gesindevermiether", "Knechtväter" oder "Mägdemütter", die aber mit der Obrigkeit insofern verbändelt ist, dass Krünitz erwähnt, dass diese Vermittlungen nur diejenigen Dienstboten annahmen, die auf die Gesindeordnung vereidigt und bei der örtlichen Polizei gemeldet waren[7].  

Entry age and entry into service 

One cannot say anything generally applicable about this. Sometimes we find useful information in biographies. The fate of Susanne Margaretha Brandt, who grew up as an orphan and therefore probably had no particularly different perspective other than to serve as a maid, seems to me not entirely unusual [2]. Renate Dürr's work on the maids in Hall very nicely portrayed the motivation to send one's own children into service. It also makes it clear that the maids did not necessarily have to come from the lower classes of the population, but in the case of Hall could also come from the leading bourgeois families of the imperial city. A large number of children in particular may have forced their parents to know that at least some of them are being cared for by servants. In the case of higher families in particular, however, employment as a maid was apparently no obstacle to later being married into wealthy patrician families as having equal rights [3]. 

Providing the rulers of a city with a sufficient number of servants was the constant focus of the then authorities - that is, the government of a state or the magistrate of a city. From this point of view, one finds again and again complaints about too many people who instead of entering service tried to work with their hands as a kind of day laborer, with spiders and similar activities to find a place to stay and to remain independent. These people were a thorn in the side of the authorities because sooner or later they would be a burden on the social security funds. The parents, especially "poor widow women" as it is called in Hall, were even forced to send their children into service with the threat of punishment [4]. 

On the one hand, the authorities tried to make work as servants attractive through a certain transparency and the regulation of a kind of fairness of the rule towards the servants. On the other hand, there was certainly a certain self-interest, since the legislators were ultimately also in control of their servants and, if at all, had to fear political pressure from the wealthy in the short term [5]. Typical for the rather one-sided interests of the authorities is the provision of the lowest possible wages, which were regulated to protect the rulers. Mutual poaching with higher wages should put a stop to servant orders [6]. 

Depending on the area, in addition to the authorities, a more private type of job placement in the form of "Gesindemäkler" (servant brokers), "Gesinde-Vermiether" (servant lessors), "Knecht-Väter" (farmhand fathers) or "Magd-Mütter" (maid mothers), which is linked to the authorities insofar as Krünitz mentions that these mediations are only used by servants assumptions that were sworn in to the servants' rules and reported to the local police [7].

Dauer des Dienstes

Prinzipiell blieben viele Dienstboten bis zu ihrem Tode in den Diensten irgendeiner Herrschaft. So erwähnt G. Wunder eine Klara Sibille Kurr (1661-1724) sie habe "in Diensten so lange verharrt, bis sie Alters und Baufälligkeit halber nimmer mehr fortkommen können" - immerhin kam diese Magd vor ihrem Tod zur Versorgung ins Spital [8]. In Dienste zu gehen konnte auch eine Art Altersabsicherung bedeuten. So erwähnt Graf Lehndorff, dass die Königin-Mutter Sophie Dorothea von Preußen (1687-1757) verfügt hatte, dass ihre Dienstboten nach ihrem eigenen Ableben finanziell versorgt sein sollten beziehungsweise man sich einfach um sie kümmerte[9] wie es auch eine Frau von Hacke verfügte für ihre Dienstboten[10]. Der treue alte Diener, welcher bis ins hohe Alter und über Generationen seiner Herrschaft brav gedient hat, scheint aber mehr als ein Topos zu sein und ist ein beliebte Figur auf dem Theater[11].

Eine Art von Ideal scheint es aber gewesen zu sein sich als Dienstbote irgendwann durch das Ersparte oder etwa Geld aus dem Vermächtnis der Herrschaft finanziell unabhängig zu machen. Beliebt ist im Theater das Bild des Dieners oder der Zofe, welche durch eine Schenkung der Herrschaft die Möglichkeit bekommt zu heiraten und einen eigenen Hausstand zu führen. 

Ein schönes Beispiel ist die Haller Dienstbotin Susanne Elisabeth Firnhaber (1678-1756), die durch ein Testament ihres Hausherrn des Haller Stättmeisters selber eine gute Partie wurde, im Alter von 41 Jahren den 20 Jahre jüngeren Christoph David Kochendörfer heiratete und noch eine offenbar recht glückliche Ehe führte[12].

Susanna Elisabeth Kochendörffer geb. Firnhaber Tochter eines Wein-und Zinsschreibers, später Haushälterin eines Städtmeisters. (Gemälde im Hällisch Fränkischen Museum Schwäbisch Hall) - Susanne Elisabeth Kochendörfer born as Firnhaber daughter of a vine and tin secretary and later housekeeper of the mayor of Hall.


Christoph David Kochendörffer (1698-1764), Gemälde von P.Meyer 1743, Kaufmann ursprünglich Nadler. - Christoph David Kochendörfer, painting by P. Meyer, merchant former needlesmith (Hällisch Fränkisches Museum Schwäbisch Hall).


Prinzipiell konnte das Dienstverhältnis von beiden Seiten aufgekündigt werden. Die zahlreichen überlieferten Polizeiordnungen und die darin enthaltenen oder separat veröffentlichten Gesindeordnungen regelten diese Auflösungen des Verhältnisses zwischen Herrschaft und Dienstboten. Es gab dafür bestimmte Termine und auch Fristen. In Schwäbisch Hall beispielsweise sollten Dienstboten bis auf Ausnahmen mindestens ein halbes Jahr in Diensten bleiben[13]. Auch das Ausstellen eines Arbeitszeugnisses wurde darin geregelt. Die Kündigung musste auch begründet werden, etwa wenn das Vertrauensverhältnis zwischen Diener und Herrschaft zerstört war oder auf andere Weise ein Böswillen dem jeweils anderen Teil nachgewiesen werden konnte. Man liest aber auch immer wieder von entlaufenen Dienstboten, die beispielsweise ihrer Herrschaft abtrünnig wurden, wenn diese in finanzielle Engpässe kam wie es auch Major Tellheim in "Minna von Barnhelm" widerfuhr[14]. 

Gesinde-Erlassungsscheine nach dem Vorbild bei Krünitz. - Dismissal-documents as mentioned in Krünitz' book.

 

Samstag, 24. April 2021

Schlacht bei Freiburg 1644 T. 4, battle of Freiburg p. 4

Musketier des Dreißigjährigen Krieges. (Dank dafür an Milan M. und seine Gruppe "Die Kompanie" https://www.facebook.com/ProjektDieKompanie ) - A musketeer from the 30-years-war. (many thanks to Milan M. and his group "Die Kompanie" https://www.facebook.com/ProjektDieKompanie )


Die Angriffe des 5. August 1644

Zu Enghiens Entsetzen fand er die Stellungen vor sich am nächsten Tag leer. Mercy war seiner Vernichtung entgangen und noch schlimmer, er hatte sich am Lorettoberg in eine ungleich günstigere Position begeben. Nun blieb den französischen Befehlshabern nur die Möglichkeit entweder anzugreifen und hohe Verluste zu riskieren oder aber Mercy zu umgehen. Letzteres hatte gegen sich, dass Mercy leicht in eine solche Umgehung hätte hinein stoßen können. Genaus deswegen hatte man ja wahrscheinlich schon vor dem 3. August eine weiträumige Umgehung von Mercys Stellungen bei Freiburg bleiben gelassen.

Zwar durften sich die französisch-weimarischen Truppen beispielsweise bei Uffhausen am restlichen 4. August erholen, aber das Oberkommando musste sich entscheiden. Nach und nach trafen Nachzügler der Armée de France ein, die teilweise die gelichteten Reihen auffüllen sollten. Außerdem kam Proviant, Pulver und Blei an[1].

Enghien entschloss sich für den Angriff auf die wohl vorbereiteten Stellungen der Bayern für die frühen Morgenstunden des 5. August.

Auf dem Gelände des damaligen Gaishofs steht heute das Jesuitenschlössle. Unweit hatten die Franzosen am 5. August Batterien aufgefahren um Mercys Loretto-Stellungen zu beschießen. - On the ground of the Gaishof today stands the Jesuitenschlössle. The French had unlimbered batteries on August 5th to bombard Mercy's Loretto positions.

Der Rücken des Lorettoberges wurde bei Merian als Hochfläche dargestellt. An Mercys linken Flügel ist deutlich ein Turmgebäude erkennbar, das heute nicht mehr existiert. Man bemerke, dass bei Merian keine Kavallerie am linken französischen Flügel zu erkennen ist. - The ridge of the Lorettoberg was represented by Merian as a plateau. A tower which no longer exists today can clearly be seen on Mercy's left wing. Note that there's no cavalry visible on the French left wing on Merian's engraving.

The attacks on August 5th 1644

To Enghien's horror, he found the positions in front of him empty the next day. Mercy had escaped destruction, and worse, he had found himself in a far more favorable position on the Lorettoberg. Now the French commanders only had the option of attacking and risking heavy losses or bypassing Mercy. The latter was against the fact that Mercy could easily have pushed into such a bypass. Precisely for this reason, a large-scale evasion of Mercy's positions in Freiburg was probably allowed to remain before August 3rd. 

Although the Franco-Weimar troops were allowed to recover at Uffhausen on the remainder of August 4th, the high command had to make a decision. Little by little, stragglers from the Armée de France arrived to fill in some of the thinned ranks. In addition, provisions, powder and lead arrived [1].

Enghien decided to attack the well-prepared positions of the Bavarians for the early hours of the morning of August 5th.

 

Skizze der Kämpfe vom 5. August. - A sketch of the fightings on August 5th. (Copyright: André Hanselmann)


Die Kämpfe des Vormittages: Der linke französische Flügel

Der linke französische Flügel sollte ursprünglich am 5. August nur einen Ablenkungsangriff unternehmen, da das französische Oberkommando den Angriff von Südwesten aus Merzhausen kommend für deutlich leichter hielt, weil dort auch das Gelände weitaus günstiger war. Man konnte dort gedeckt von Bäumen durch den Becherwald (heute meistenteils überbaut) vorgehen und recht zügig angreifen[2].

Die französischen Angriffe des Vormittages. A: Scheinangriff der Infanterie gegen den Lorettoberg. B: kleinerer Scheinangriff. C: Hauptangriff Richtung Wonnhalde von Merzhausen aus. - The French attacks of the morning. A: Fake attack of the infantry against the Lorettoberg. B: small fake attack. C: Main attack towards the Wonnhalde from Merzhausen.

Anstatt auf die Rückkehr der Oberbefehlshaber Enghien und Turenne, welche sich mit einem Erkundungsritt Richtung Buck selber in hohe Gefahr gebracht haben[3], zu warten begann am Lorettoberg ein Feuergefecht. Die Vorhut der Kolonne unter Maréchal de Camp Espenan war auf eine Schanze in den Reben[4] gestoßen, welche von bayerischen Dragonern besetzt war.

Der linke französische Flügel am Vormittag des 5. August. - The left French wing on the morning of August 5th.

Die Bayern entschlossen sich die Verteidiger der Schanze zu verstärken und ein heftiges Gefecht entwickelte sich dort. Die offenbar vom Widerstand der Bayern überraschten Franzosen mussten nun erhebliche Kräfte einsetzen, um die Dragoner zu vertreiben.

Man bekommt beim Blick von der heutigen Haltestelle Weddingstraße hinauf Richtung Schlierberg noch einen kleinen Eindruck von der Anstrengung, die ein Angriff bei der Steigung bedeutet haben könnte. Etwa auf der Höhe der Häuser dürfte die Schanze der bayerischen Dragoner gelegen haben. Die zeitgenössische Abbildung von Merian gibt leider keine genauen Hinweise. - You may get a tiny impression of the effort to attack up hill when you are looking upwarts from the tram stop Weddingstraße in the direction of the Schlierberg. The redoubt which was occupied by the Bavarian dragoons may have been situated at the level of the houses. Unfortunately the contemporary print doesn't offer a clear hint.


Das Gelände unterhalb des heutigen Hildaturms. Hier befand sich ebenfalls bayerische Artillerie. Man sieht rechts eine recht ebene Fläche, die für die Einrichtung einer Artilleriestellung ideal gewesen sein dürfte. Bei den Bäumen ganz rechts fällt das Gelände steiler Richtung Tal ab. Im Hintergrund ist der Schönberg zu erkennen. Auf der Wiesenfläche am Waldsaum hat sich nach Schaufler Turennes Kampf vom 3. August abgespielt. - The terrain beneath today's Hildaturm. Here the Bavarian artillery was positioned too. You can notice a quite flat area at the right which should have been ideal for an artillery position. At the extreme right close to the line of trees the terrain is falling down to the valley. You can see the Schönberg mountain in the background. At the edge of the wood - relying on Schaufler - the fighting of Turenne took place on August 3rd.




Das Gelände westlich der heutigen Lorettokapelle. Der gepflasterte Weg links ist sehr schmal und führt auf einer Art Kamm hinauf bis zur Kapelle. Die rechts davon anschließenden Bäume verdecken hier auf dem Bild das unwegsame Gelände des früheren Freiburger Steinbruchs. Weiter rechts sieht man wie steil ein Weg heute hinab führt. Ganz rechts außerhalb des Bildes fällt der Hang sehr steil zum heutigen Freiburg (1644 unbebaut) herab. Unweit der hier dargestellten Örtlichkeit muss sich die von bayerischen Dragonern verteidigte Schanze befunden haben. - The terrain westwards near the today Loretto chapel. The paved path at the left is very narrow and leads on some sort of a ridge up to the chapel. The trees at the right of the track are covering the impassable terrain of the former quarry. A little bit further at the right you can see how steep a path is runing  down the hill. At the far right out of the photo the slope is falling very steep down to today Freiburg (not overbuilt in 1644). Not far awy from this place must have been the redoubt which was defended by the Bavarian dragoons.

The morning's battles: The French left wing 

The left French wing was originally only supposed to undertake a diversionary attack on August 5th, since the French high command considered the attack coming from the southwest from Merzhausen to be much easier, because the terrain there was also much more favorable. Covered by trees, you could proceed through the Becherwald (now mostly built over) and attack quickly [2].

Instead of waiting for the return of the commanders-in-chief Enghien and Turenne, who put themselves in great danger with a reconnaissance ride towards the Buck hill [3], a firefight began on Lorettoberg. The vanguard of the column under Maréchal de Camp Espenan had come across a hill in the vines [4] which was occupied by Bavarian dragoons.

The Bavarians decided to strengthen the defenders of the hill and a fierce battle developed there. The French, apparently surprised by the Bavarian resistance, had to use considerable forces to drive the dragoons away.


Die Kämpfe des Vormittages: Der rechte französische Flügel

Für den Vormittag wurde ein Angriff von Turennes Armee von Merzhausen aus vorgesehen. 1.000 aus Turennes Fußregimentern zusammen gezogene Musketiere unter Maréchal de Camp Leschelle sollten die Kolonne anführen. 4 Falkonetten sollten mit vorgeführt werden und den Angriff unterstützen.
Auf die Vorhut sollten 3 Brigaden Infanterie unter dem Maréchal de Camp D'Aumont folgen. In der 3. Brigade befanden sich auch die besonders stark während der Kämpfe des 3. August dezimierten ehemals weimarischen Regimenter[5].


Turennes rechter Flügel bei Merzhausen. - Turenne's right wing at Merzhausen.

Leschelle hörte den Kampflärm vom linken Flügel[6] und ging dadurch davon aus, dass der Kampf bereits begonnen habe. Daher befahl er sogleich den Angriff und wartete nicht mehr das Eintreffen der übrigen Brigaden ab. Das erinnert uns wieder an den ersten Angriff der Brigade Espenan am Bohl vom 3. August[7]. Der Maréchal de Camp wurde aber sogleich von einer bayerischen Kugel getroffen und die Musketiere liefen führungslos auseinander. Der Maréchal de Camp d'Aumont war aber endlich zur Stelle und griff mit der ersten seiner Brigaden[8] an. Der Angriff wurde aber nicht nur durch bayerisches Abwehrfeuer aus günstiger Stellung zum Stehen gebracht, sondern durch einen Gegenangriff auch noch geworfen [9]. 

Der Angriff von Turenne gegen den linken bayerischen Flügel am Vormittag des 5. August. Ganz rechts auf dem Bild im Vordergrund steigt das Gelände Richtung Stephanienruhe an. Hier etwa müssen sich Turenne und Enghien befunden haben, als sie auf einem Ritt auskundschaften wollten, ob sich die Bayern nicht in Richtung Günterstal zurückzogen. Überrascht mussten die beiden Marschälle feststellen, dass die Schlacht gegen ihre Befehle bereits begonnen hatte. - Turenne's attack against the Bavarian left wing in the morning of August 5th. On the far right of the picture in the foreground the terrain rises in the direction of the Stephanienruhe. That's where Turenne and Enghien must have been when they went on a ride to find out whether the Bavarians where not retreating in the diretion of Günterstal. The two marshals were surprised to learn that the battle against their orders had already begun.

Ebenso wie am Bohl [10] suchte nun Enghien, der ja unweit auf seinem Erkundungsritt gewesen war, persönlich in die Kämpfe einzugreifen indem er mit einer Brigade die Bayern auf ihre Schanze zurück warf, während die von Maréchal de Camp Tournon wieder gesammelten Musketiere einen Flankenangriff unternahmen. Obwohl sich Enghien selbst in Lebensgefahr begab und zahlreiche seiner Offiziere um ihn herum fielen, gelang es ihm nicht die Schanze zu erstürmen. Die französische Infanterie von Turennes Armee flutete zurück Richtung Merzhausen. Der Angriff war gescheitert. Mit Mühe und Not konnte Turenne mit Hilfe von Taupadels Kavallerie eine Gegenattacke der Bayern vereiteln[11].  

Dies hier ist der Ort, wo Turennes Franzosen auf die Bayern trafen. - That's the spot, where Turenne's French troops met the Bavarians.

 

The morning's fightings: The French right wing 

An attack by Turenne's army from Merzhausen was planned for the morning. 1,000 musketeers under Maréchal de Camp Leschelle, drawn from Turenne's foot regiments, were to lead the column. 4 falconettes should be shown and support the attack. 

The vanguard was to be followed by 3 infantry brigades under the Maréchal de Camp D'Aumont. The 3rd brigade also included the former Weimar regiments, which were particularly heavily decimated during the fighting on August 3rd [5]. 

Leschelle heard the noise of the fight from the left wing [6] and assumed that the fight had already started. So he immediately ordered the attack and no longer waited for the other brigades to arrive. This reminds us of the first attack by the Espenan Brigade on the Bohl on August 3 [7]. The Maréchal de Camp was immediately hit by a Bavarian bullet and the musketeers dispersed without a leader. The Maréchal de Camp d'Aumont was finally on the spot and attacked with the first of his brigades [8]. The attack was not only brought to a standstill by Bavarian defensive fire from a favorable position, but also thrown back by a counterattack [9]. 

Just like at the Bohl [10], Enghien, who had been on his exploratory ride not far, tried to intervene personally in the fighting by throwing the Bavarians back onto their hill with a brigade, while the musketeers, who had been rallied by Maréchal de Camp Tournon, attacked the flank. Although Enghien put himself in mortal danger and numerous of his officers fell around him, he did not succeed in storming the hill. The French infantry from Turenne's army flooded back towards Merzhausen. The attack had failed. With great difficulty Turenne was able to thwart a counterattack by the Bavarians with the help of Taupadel's cavalry [11].



Noch ein schönes Bild des Musketiers dieser Zeit.  - Another nice picture of the musketeer of the period. (Milan M. / Die Kompanie)


Der Nachmittag des 5. August: Die Kämpfe konzentrieren sich auf den Schlierberg

Um die Mittagszeit dieses heißen Augusttages waren die Kämpfe zum Erliegen gekommen. Die Bayern hatten nicht nur geschafft sich wieder mit Dragonern in den Weinreben festzusetzen, sondern es gelang ihnen sogar alle französischen Geschütze bis auf 8 auszuschalten[12]. 

Es ist hier auffällig, dass Enghien seine Entschlossenheit auch im Angesicht hoher Verluste nicht aufgab sondern genauso wie am 3. August bei Ebringen bereit war die Angriffe auch gegen alle Wahrscheinlichkeit auf Erfolg zu erneuern. Ich weiß leider nicht, ob die Truppen unter Espenan oder dieser General selbst, der die Kämpfe am Vormittag gegen den Schlierberg geleitet hatte, nicht Enghien bestürmten von weiteren Angriffen abzusehen. Tatsächlich blieb Enghien scheinbar nichts anderes angesichts der hohen Ausfälle unter Turennes Leuten übrig, wenn er die Armeen nicht hätte komplett umgruppieren wollen. So wurde entschieden, dass die Rollen umgedreht wurden und nun die Armee unter Turenne nicht viel mehr als demonstrieren und den Gegner binden während die Armée de France mit Entschlossenheit den Schlierberg attackieren sollte.  

Sonntag, 11. April 2021

1621 im Hällischen ... / 1621 in the territory of Hall...

 

Ein Teil von uns bereits am Ziel unseres Ausflugs, links die Schneeburg, rechts der Schönberggipfel. - Some of us already arriving at the destination of our trip. At the left lies the Schneeburg and at the right is the peak of the Schönberg visible. (photo: Cecilia Hanselmann, 2021)

 

Wie auch im letzten Jahr konnte auch 2021 unsere Landleben-Veranstaltung in Wackershofen nicht stattfinden. Das Museum ist im Moment geschlossen[1]. Der Termin unserer  Veranstaltung wäre dieses Wochenende (10./11.4.) gewesen. Ebenso wie 2020 haben wir uns dazu entschieden wieder einen Ausflug hier im Umfeld zu unternehmen. Diesmal führte uns die Wanderung auf den Rücken des Schönbergs, also auf das Schlachtfeld der Schlacht bei Freiburg am 3. August 1644[2]. Dazu zeigen wir euch ein paar Bilder.

Der Aufstieg war durchaus schweißtreibend - vor allem für den einen, der die Kiepe trug. - To climb up was a little exhausting at least for the person who carried the basket. (Photo: Cecilia Hanselmann, 2021)

 
Auf dem Weg durch den Höllwald oberhalb dem Bohl. - On the track in the Höllwald below the Bohl location. (Photo: Cecilia Hanselmann, 2021)

As in the previous year, our "Landleben" event in Wackershofen could not take place in 2021. The museum is currently closed [1]. The date of our event would have been this weekend (10/11 April). As in 2020, we decided to go on an excursion in the area of Freiburg again. This time the hike took us to the back of the Schönberg which is part of the battlefield of the battle of Freiburg on August 3 1644 [2]. We show you a few pictures.

Immerhin lag kein Schnee mehr oder vielmehr noch nicht wieder. - At least there was no snow or better to say: no snow again. (photo: Cecilia Hanselmann)

Glückliche Ankunft auf einer Anhöhe gegenüber der Schneeburg. - Happy arrival at the top of a hill near the Schneeburg castle. (photo: Cecilia Hanselmann, 2021)

 

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Ich will euch aber dennoch nicht vorenthalten, womit ich mich obwohl die Veranstaltung im Freilandmuseum unwahrscheinlich wurde, beschäftigt habe. Obwohl Schwäbisch Hall nicht zuletzt durch den Unionstag von 1610 und dem Unionskonvent von 1620 durchaus eine nicht zu unterschätzende Rolle spielte, waren die Auswirkungen des sich anbahnenden Konfliktes erst einmal nicht so auffällig. Das Scharmützel bei Allmerspann 1619 [3] sollte scheinbar der größte Kampf in der Gegend bleiben. Ebenso wie andere Unionsmitglieder betonte auch Hall die Treue zum Kaiser und lehnte die Erwerbung der böhmischen Krone durch den Führer der Union, Friedrich V. von der Pfalz, ab. Halls eigenwillige Haltung in dem ausbrechenden Krieg wird darin deutlich, dass die Reichsstadt selbst auf dem in den eigen Mauern abgehaltenen Unionskonvent 1620 die Beschlüsse nicht mit ratifizierte[4]. Fast alle Pläne des Rates der Reichsstadt zur Aufrüstung blieben ohne besondere Auswirkungen, auch weil man scheinbar die Kosten scheute. Bemerkbar machte sich der Krieg aber dann doch durch die rasant zunehmende Teuerung 1621 und das obwohl die Ernten in dieser Zeit noch gut waren[5]. Es gab zahlreiche Einquartierungen 1620/21, die wir 2020 auch gern dargestellt hätten. 2021 habe ich mich insbesondere mit dem Thema Handel beschäftigt. Für Hall war natürlich der Salzhandel aber auch der Weinhandel von großer Bedeutung[6]. Dazu vielleicht ein andermal mehr. 
 
Noch ein Blick zu der Burgruine. - Another view to the ruined castle. (photo: Cecilia Hanselmann, 2021)

 
 
Man kann überall Karten spielen. - You can everywhere play cards... (photo: Cecilia Hanselmann, 2021)

 
 
Nevertheless, I don't want to withhold from you, which I was concerned with although the event in the open air museum was unlikely. Although Schwäbisch Hall played a role that should not be underestimated, not least due to the Union assembly in 1610 and the Union convention of 1620, the effects of the impending conflict were initially not so noticeable. The skirmish at Allmerspann in 1619 [3] was apparently supposed to remain the largest fight in the area. Like other union members, Hall also emphasized loyalty to the emperor and rejected the acquisition of the Bohemian crown by the leader of the union, Frederick V of the Palatinate. Hall's idiosyncratic attitude in the outbreak of war becomes clear in the fact that the imperial city itself did not ratify the resolutions at the union convention held within its own walls in 1620 [4]. Almost all plans of the council of the imperial city for armament remained without special effects, also because one apparently shied away from the costs. However, the war made itself felt by the rapidly increasing inflation in 1621, even though the harvests were still good at that time [5]. There were numerous billets in 1620/21, which we would have liked to have shown in 2020. In 2021 I did read in particular about the topic of trade. For Hall the salt trade was of course of great importance, but also the wine trade [6]. Maybe more on that another time.

Die Obstbäume blühten schon im Jennetal. - The fruit trees were already blooming in the Jennetal. (photo: Kim Krawiec)


Ich habe mir überlegt, dass es toll wäre, wenn wir angesichts der momentanen Lage wenigstens ein bisschen mehr auch außerhalb der leider nicht stattfindenden Veranstaltungen in der Kleidung des 17. Jahrhunderts mehr aktiv dazu lernen könnten. Mal schauen, was da über Wanderungen hinaus gehen könnte... 

Es war teilweise richtig warm. - At some moments it was really warm. (photo: Cecilia Hanselmann)

 

I thought that it would be great if, in view of the current situation, we could learn at least a little more actively outside in 17th century clothing during the time when unfortunately events do not take place. Let's see what could go beyond hiking ...

 

Avertissement:

Wir möchten euch darauf hinweisen, dass es schön wäre, wenn unsere lieben Leser das Freilandmuseum Wackershofen unterstützen würden, welches durch die Corona-Lage zahlreiche Veranstaltungen absagen oder gar das Museum geschlossen lassen musste/muss. Hier ein Link zur Homepage des Museums: https://www.wackershofen.de/

We want to inform our dear readers, that we would be happy if you would support the open-air-museum Wackershofen which had/has a lot of problems due to the current Corona-crisis because the museum had/has to close and cancel many events. Here is a link to the museumhttps://www.wackershofen.de/

Text: André Hanselmann

Fotos: Cecilia Hanselmann, Kim Krawiec

Zum Schluss eines meiner Lieblingsbilder. - For the end one of my favourite pictures. (photo: Cecilia Hanselmann)


1) Homepage des Hohenloher Freilandmuseums: https://www.wackershofen.de/

2) dazu auch: https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2021/03/schlacht-bei-freiburg-1644-t-3-battle.html

3) dazu: https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2019/03/29-juni-161929th-of-june-1619-das.html

4) Versammlung des engeren Union Konvents in Hall 1620, Stadtarchiv Schwäbisch Hall Sig. 4/ 35

5)  Haller Chronik „Schüler’sche Chronik“ SHA Sig. HV HS/89, S.  629-630

6)  Franz Riegler: „Schwäbisch Hall im Dreißigjährigen Krieg“ W. Kolhammer, 1911, S. 13-17