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Dienstag, 29. September 2026

Anno Domini 1746 "Raufhändel ..." P 3

Der Sonntag bedeutete eine große Neuheit, da wir endlich einen neuen Pastor bekommen hatten, der die Andacht zelebrierte. Wir sangen das "Kriegslied", "Nach grüner Farb mein Herz begehrt", "Lobet den Herrn" und "Eine feste Burg ist unser Gott". Die etwas zweifelhaften Schmiede von denen ein paar dem Schultheißen unbekannt waren, missbrauchten die freie Zeit mit Würfelspiel am Rande.

Sunday brought a significant change, as we finally had a new pastor to conduct the service. We sang the "War Song," "My Heart Longs for the Color Green," "Praise the Lord," and "A Mighty Fortress Is Our God." The somewhat unsavory blacksmiths—some of whom were unknown to the village magistrate—misused their free time by playing dice off to the side.


Das sollte sich aber rasch rächen, als nämlich ein Steckbrief gegen Mittag aus Hall kam, worin ein Hammerschmied namens Preischel gesucht wurde [1]. Der in dem großen Haus bei der Schmiede wohnende Schmied war mir natürlich als Schultheiß bekannt. Es konnte aber ein wandernder Schmiedegeselle ergriffen werden. Da er mir keinen Ausweis, das heißt nicht seine Kundschaft [2], vorweisen konnte - auch nicht nachdem er bewacht vom Grabenreiter in der Schmiede gesucht hatte - sperrten wir ihn kurzerhand im Pferdestall des Steigengasthauses ein [3]. Später fand sich der ortsansässige Schmied ein, der für ihn bürgen wollte und schließlich auch eine Kundschaft aus Solothurn vorweisen konnte. Dass er mit dieser von dort bis ins Hällische gelaufen war, schien uns dennoch verdächtig. Dennoch beschied uns der Grabenreiter ganz richtig, dass wir gegen den Gesellen nichts mehr in der Hand hatten und ihn laufen lassen mussten.

However, this soon backfired when, around midday, a wanted notice arrived from Hall seeking a hammer-smith named Preischel [1]. Naturally, I knew the smith who lived in the large house by the forge in my capacity as village magistrate. However, a traveling journeyman smith was apprehended. Since he could not produce any identification—that is, his "Kundschaft" [2] (travel papers)—even after searching for them in the forge under the watchful eye of the "Grabenreiter" [3], we promptly locked him up in the horse stable of the Steigen Inn. Later, the local smith arrived, willing to vouch for him and eventually producing a set of papers from Solothurn. The fact that he had walked all the way from there to the territory of Hall with those papers struck us as suspicious nonetheless. Even so, the ditch rider rightly informed us that we had no further grounds to hold the journeyman and were obliged to let him go.


Danach versammelten sich alle Gemeinsmänner im Schankraum. Wir beschlossen, dass wir eine Dorfordnung für Leoweiler aufsetzen wollten, damit es nicht wieder zu Unsicherheiten wie die mit dem Hausgenossen kam [4]. Zugegen war ich als der Schultheiß, mein Nachbar als der neue Dorfmeister [5], der Schmied und der Steigenwirt [6]. Den Hausgenossen wurde nur 1 Stück Vieh zugestanden, war einer der Artikel. Jeder der vorerst 4 Artikel wurde einstimmig beschlossen.

 

Afterwards, all the commoners gathered in the taproom. We decided to draft a set of village regulations for Leoweiler to prevent a recurrence of the uncertainties surrounding the "Hausgenossen" [4]. Present were myself as the village headman, my neighbor as the new village master [5], the blacksmith, and the innkeeper [6]. One of the articles stipulated that "Hausgenossen" were permitted to own only a single head of livestock. Each of the four initial articles was adopted unanimously.

Tanzen vor dem Wirtshaus. - Dancing in front of the inn. (photo:  @kaefferleindesign)


Als wir rasch etwas gegessen hatten, wurde vor dem Gasthaus, wenngleich etwas weniger zahlreich wie am Vortag, getanzt. Dabei ist das Tanzen an Sonntagen eigentlich ungern gesehen. Aber der Grabenreiter schritt nicht ein.

Hufeisenwerfen am Gasthaus. - Horseshoe pitching at the inn. (photo: @kaefferleindesign)

 

After we had quickly grabbed a bite to eat, people were dancing in front of the inn—albeit in somewhat smaller numbers than the day before. Dancing on Sundays is actually frowned upon, yet the "Grabenreiter" did not intervene.

Der Schultheiß und der Leutnant zu Pferd. - The "Schultheiß" and the lieutenant on horseback. (photo: @kaefferleindesign)

Sonntag, 20. September 2026

Anno Domini 1746 "Raufhändel..." P 2

Nach einer langen Nacht wurde ich rechtzeitig wach um mit unserem Knecht das Feuer anzumachen und Wasser zu holen für das Frühstück. Anschließend gab es die Dorfschule, wo diesmal - vielleicht erstmalig ? - 3 Jungen und ein Mädchen dabei waren. Ich wollte den Kindern vor allem das "Kriegslied" von Johann Balthasar Beyschlag [1] beibringen, da es mir besonders gut zu den Ereignissen 1746 zu passen schien. Katechismusunterricht [2] hatten zwei der Kinder noch garnicht gehabt, wobei das in der Schule in unserer Epoche ja neben dem Lesen und Schreiben im Vordergrund steht. Eine Sommerschule lässt sich ja eigentlich im Amt Rosengarten fast garnicht nachweisen, da es in den meisten Dörfern nur eine Winterschule, das heißt einen Schulbesuch der Kinder in 2 Quartalen pro Jahr gab.

After a long night, I woke up in time to light the fire with our farmhand and fetch water for breakfast. Afterward, there was village school; this time—perhaps for the first time?—three boys and one girl were in attendance. Above all, I wanted to teach the children the "War Song" by Johann Balthasar Beyschlag [1], as it seemed to me to fit the events of 1746 particularly well. Two of the children had received no catechism instruction [2] at all—even though, in our era, this subject takes center stage in schools alongside reading and writing. In fact, there is hardly any evidence of a "summer school" in the Rosengarten district, as most villages had only a "winter school"—meaning the children attended classes for just two quarters of the year.


Nicht nur die Schule war recht erfolgreich. Diesmal war das Wetter auch dem Wäschewaschen besonders günstig, so dass die Flecken wirklich rausgingen und die Wäsche vor dem Abendessen bereits getrocknet war. Diesmal herrschte zwischen den Haushalten auch die schönste Eintracht, so dass die Hemden usw. im Innenhof beim Nachbar aufgehängt werden konnten.

It wasn't just the school that was quite successful. This time, the weather was also particularly favorable for doing the laundry, so the stains actually came out and the clothes were dry before dinner. There was also perfect harmony among the households this time, allowing shirts and the like to be hung up in the neighbor's courtyard.

Die Bayern in dem Haus, wo der Schmied wohnt. - The Bavarians in the house of the smith. (photo: J. Krämer)


Das hielt aber nicht sehr lange, da der Hausgenosse eigentlich seine Ziege [3] an mich verkaufen wollte. Bei dem Abschließen des Vertrages, dem sogenannten Weinkauf, wollte er den Verkauf dann aber doch wieder rückgängig machen, worüber ich aus der Haut fuhr. Da wir beide aus einem Schrannen [4] die Beine zogen, mussten wir dem zufällig in der Stalltür stehenden Grabenreiter eine Strafe von einem Taler zahlen. Der Bauer Haug, bei dem der Hausgenosse wohnte, der entsprechend den üblichen Dorfordnungen als "Pürg" [5] zugegen war, wollte dafür einstehen, dass der Hausgenosse später seine Strafe beim Amtmann erlegte.

However, this did not last long, as the housemate actually wanted to sell his goat [3] to me. Yet, upon concluding the agreement—the so-called "wine-purchase" [sealing the deal]—he wanted to back out of the sale, which made me fly into a rage. Since we had both slipped out of the "Schranne" [4], we were obliged to pay a fine of one "Thaler" to the "Grabenreiter" [5], who happened to be standing in the stable doorway. Farmer Haug—with whom the housemate lodged and who was present in his capacity as a "Pürg" [6] in accordance with customary village regulations—offered to vouch for the housemate, guaranteeing that he would pay his fine to the bailiff at a later time.

Nach dem Wäschewaschen bei den Nachbarn im Hof. - After the laundry in the courtyard of our nabours. (photo: S. Winter)

Mittwoch, 9. September 2026

Anno Domini 1746 "Raufhändel..." Part 1

Dieses Jahr sollten wir eine spezielle Veranstaltung bekommen in Wackershofen. Trotz ein paar wenigen Ausfällen ist es wohl die größte Veranstaltung geworden, die wir jemals hatten und der Schankraum war an dem Abenden sehr gefüllt.

Der erste Tag stand ganz im Zeichen der starken Regenfälle, die uns mit Blitzen und Donner seit der Nacht schon beschäftigten. Daher konnte der designierte Amtmann Sanwald, der Nachfolger des am 27. August verstorbenen Arnold [1], nicht in den Weiler reiten, um dem Leutnant des bayerischen Leibregiments zu begegnen. In dem Haus eines Bauern wurden die beiden Bayern nicht fündig.

Den Regen sieht man hier garnicht. Wir haben keinen Deserteur gefunden. Der Dorfmeister war obendrein abwesend. - You can't see the heavy rain here. We didn't found a deserter - yet. Besides the mayor war absent. (photo: S. Winter)

 

This year, we were set to host a special event in Wackershofen. Despite a few minor setbacks, it turned out to be the largest event we have ever held, and the taproom was packed on those evenings.

The first day was dominated by heavy rainfall, accompanied by lightning and thunder that had been battering us since the night before. Consequently, the designated "Amtmann" Sanwald—successor to Arnold [1], who had passed away on August 27—was unable to ride into the hamlet to meet the lieutenant of the Bavarian Life Guards Regiment. The two Bavarians searched a farmer's house but found no trace of the man they were looking for.

Amtmann und Leutnant zusammen im Wirtshaus. - The bailiff and the lieutenant in the tavern. (Foto: S. Winter)


Später musste der baldige Amtmann der Frau des Schultheißen von Leoweiler ein Dekret in Form der "Obrigkeitlichen Verordnung..." [2] übergeben, da der Schultheiß nicht aufzufinden war. Da in dieser Verordnung das Strafmaß für Raufhändel garnicht verzeichnet ist, wurde vom baldigen Amtmann die Polizeiordnung [3] vorgestellt, wo eindeutig geregelt ist, welche Strafen man beispielsweise bei blutigen Wunden im Falle von Schlägereien zu erwarten hat. 

Der Amtmann ist zu Pferd eingetroffen. - The "Amtmann" arrived at horseback. (Foto: S. Winter)

Sonntag, 10. Mai 2026

Der Zöllner und die zehn Musketiere - The customs officer and the ten musketeers. P. 3

Am Sonntag gingen wir wieder zu der Andacht, wobei nicht unerwähnt blieb, dass sich die Zahl der Musketiere verringert hatte, was ich natürlich auf die derzeit wütende Pestilenz [1] schob. Direkt danach übten wir uns auf der "Straße" vor dem Haus des Weinbauers im Tanzen, was ein großer Spaß war.

Wir tanzen auf der "Straße". - We are dancing in the street. (photo: M. Leyendecker)


On Sunday we went to the service again, and it was mentioned that the number of musketeers had decreased, which I naturally attributed to the plague currently raging [1]. Immediately afterwards, we practiced dancing on the "street" in front of the winegrower's house, which was great fun.

Nach der Andacht wurde die Tanzmusik eingeübt. - After the services we practiced the dancing music. (photo: M. Leyendecker)

Vor unserem Wirts- und Zollhaus wurde nicht nur getanzt, sondern auch gekegelt, mit hölzernen Schwertern und Degen gefochten, Karten gespielt und was sonst noch zu einer Kirmes gehört. Vor allem kurz nach dem Tanzen war es ein sehr buntes Treiben. 

In front of our inn and customs house, people not only danced, but also bowled, fenced with wooden swords and rapiers, played cards, and did all the other things that belong to a fair. Especially right after the dancing, it was a very lively and colorful scene.

Aufgestellt zum Tanzen vor dem Zollhaus. - Positioned for dancing in front of the customs house. (Foto: Stefan Winter)

Auf der Kirmes. - At the fair. (photo: Stefan Winter)

Der Weinbauer schlägt die Trommel. - The winemaker is beating the drum. (photo: R. Mahr)


Anschließend konnte man mehr über das Zollhaus erfahren und die verbliebenen Musketiere schossen auf eine improvisierte Schützenscheibe. 

Der Korporal macht sich mit dem neuen Ziel auf den Weg. - The corporal with his new target. (photo: S. Winter)

Afterwards, one could learn more about the customs house, and the remaining musketeers shot at an improvised target.

Montag, 20. April 2026

Der Zöllner und die zehn Musketiere - The customs officer and the ten musketeers P. 2

Der folgende Tag unterschied sich schon allein dadurch, dass wir auch arbeiten konnten. Das heißt, dass beispielsweise die Schmiede in der Schmiede hämmerten. Wir haben Eisenteile für ein Joch geliefert bekommen. Uns wurden auch Schüreisen geschmiedet und die anderen Landleute bestellten auch kleinere Reperaturen, während einer der Schmiede an einem Hauschwert arbeitete.

Ein neuer Morgen in meiner Schankstube. - A new morning in the tavern. (Foto: Michael Leyendecker)

The following day was different simply because we were able to work. This meant, for example, that the blacksmiths were hammering away in their forge. We received iron parts for a yoke. They also forged pole irons for us, and the other villagers ordered minor repairs, while one of the blacksmiths worked on a domestic sword.

Die Schmiede liefern ihre Arbeit bei uns ab. - The blacksmiths are bringing their work. (photo: M. Leyendecker)




Für mich und meine beiden Knechte bedeutete es, dass wir das auf einem großen Wagen aufgeschichtete Getreide dreschen konnten, was wir zu dritt bewacht von ein paar der Musketiere ziemlich rasch erledigten. Es ist ja wirklich so, dass 1626 durch die Wetterverhältnisse im Reich teilweise schlimme Missernten vorkamen [1]. Auch wenn wir noch keine an den Bettelstab gebrachten bayerischen Landleute zu Gesicht bekommen haben, so konnte auch uns jederzeit die grassierende Seuche betreffen, welche insbesondere Württemberg heimsuchte [2]. Einer der Dreschflegel ging zu Bruch. Gerade diese Zeit, wenn es noch sehr kalt ist, wird für Gewöhnlich für Aufgaben wie die Reperatur von Geräten genutzt. 

Das Kalb vor dem Kuhstall. - The calf in front of the cowshed. (Foto: Stefan Winter)



For me and my two farmhands, it meant we could thresh the grain piled up on a large wagon, which the three of us accomplished quite quickly, guarded by a few of the musketeers. It is indeed true that in 1626, due to the weather conditions, there were some severe crop failures in the empire [1]. Although we have not yet seen any Bavarian peasants reduced to beggary, the rampant epidemic, which particularly afflicted Württemberg [2], could have affected us at any time. One of the flails broke. This time of year, when it is still very cold, is usually used for tasks such as repairing equipment.


Wir dreschen in meiner alten Scheune, die direkt neben dem Zollhaus steht. - We are threshing in my old barn, which is direct next to the customs house. (Foto: M. Leyendecker)

Donnerstag, 9. April 2026

Der Zöllner und die zehn Musketiere - The customs officer and the ten musketeers P 1

Nun sind wir zurück von unserer Landleben-Veranstaltung, deren Reihe wir vor 10 Jahren begonnen haben [1]. Diesmal hatten wir soviele Teilnehmer wie noch nie dabei, letztlich bedingt durch das Thema der Veranstaltung: "Der Zöllner und die zehn Musketiere 1626". Zum primären Thema habe ich die Inhalte schon veröffentlicht [2]. Trotz einiger kurzfristiger Absagen, nicht zuletzt des Darstellers des Leutnants Geyer [3], hatten wir ausreichend viele Teilnehmer für alle Rollen.

Das von einem bedeutenden Künstler gemalte und frisch angelieferte Wirtshausschild des Zöllners Hans Jacob Müller. - The sign of the inn was newly painted by a famous artist. (Foto: Stefan Winter)


We are now back from our Landleben event, a series we started 10 years ago [1]. This time we had more participants than ever before, ultimately due to the event's theme: "The Tax Collector and the Ten Musketeers 1626". I have already published the content related to the primary theme [2]. Despite some last-minute cancellations, not least from the actor playing Lieutenant Geyer [3], we had enough participants for all the roles. 

 

Der Korporal am Morgen mit Pelzmütze am Tisch mit seinen zahlreichen Musketieren. - In the morning the corporal with his fure cap is sitting at the table with his many musketeers. (photo: M. Leyendecker)

 

Nach dem Eintreffen der meisten Darsteller am Donnerstag, begann unsere Veranstaltung am Karfreitag mit einer Andacht beim Weinbauer Pahlhuber, der im Haus aus Sachsenflur wohnte [4]. Vor allem die Bewohner des württembergischen Zoll- und Wirtshauses mit dem Zöllner Hans Jacob Müller [5] samt den dort einquartierten württembergischen Söldnern trafen bei dem Bauer ein, der schon vieles vorbereitet hatte. Man hörte nicht nur die entsprechende Passage aus der Bibel, sondern erfuhr auch von den Drangsalen, welche dem Herzogtum Württemberg zusetzten. Herzog Johann Friedrich wurde in die Fürbitten freilich eingeschlossen.

Begleitet von den zehn Musketieren ziehen wir zum Hof des Weinbauers. - We are walking to the farm of the wine farmer together with the ten musketeers. (Foto: Michael Leyendecker)

After most of the performers arrived on Thursday, our event began on Good Friday with a service at the home of the winegrower Pahlhuber, who lived in the house from Sachsenflur [4]. The inhabitants of the Württemberg customs and inn, including the customs officer Hans Jacob Müller [5] and the Württemberg mercenaries quartered there, gathered at the farmer's house, where he had already made many preparations. They not only heard the relevant passage from the Bible but also learned of the tribulations afflicting the Duchy of Württemberg. Duke Johann Friedrich was, of course, included in the prayers.


Bei der Andacht am Karfreitag. In der zweiten Reihe sitzt der Korporal der Württemberger Musketiere und dahinter Leutnant Geyer. - During the prayers at the Good Friday. In the second row the corporal of the Württemberg musketeers is sitting and behind him lieutenant Geyer. (Foto: Michael Leyendecker)

Den ganzen Tag lang hatte ich damit zu tun vorbeifahrende Karren zu untersuchen, ob denn der Zoll auch entrichtet wurde. Ein Fuhrmann wollte mir weismachen, er müsse ja nichts entrichten, da seine Fuhre Holz nur zur Roten Steige ginge. Dabei liegt diese ja schon im Hällischen und erzählen kann der Mann viel. Genauso gut, kann er das Scheiterholz weiter nach Crailsheim oder ins comburgische Steinbach fahren.

Samstag, 1. November 2025

Anno Domini 1775 - Wie das Salz getragen wurde P 3

 Am Morgen fand sich die Gemeinde ein, um einer Andacht beizuwohnen. Leider ist der künftige Vikar auf der Reise nach Michelfeld [1] erkrankt und passenderweise behandelte der Text am 11. Sonntag nach Trinitatis das Thema Demut und das Gleichnis des Pharisäers mit dem Zöllner fanden wir auch sehr passend.

Auf dem Weg zur Andacht. - On our way to the "church". (photo: M. Leyendecker)

 

In the morning, the congregation gathered to attend a devotional service. Unfortunately, the future vicar fell ill on his journey to Michelfeld [1], and fittingly, the text for the 11th Sunday after Trinity dealt with the theme of humility, and we also found the parable of the Pharisee and the tax collector very fitting.


Wir singen sehr schön. - We are singing very well. (photo: M. Leyendecker)

Nach der Andacht versammelte sich die politische Gemeinde des Weilers Leoweiler. Von den 3 Gemeinsmännern [2] fehlte der Wirt der Roten Steige. Dem einen Gemeinsmann wurde vom Schultheißen eine Geldstrafe für das Fehlen eines Gewehrs auferlegt. Dann musste der angeblich in fremde Kriegsdienste entwichene angeblich verschuldete Steigenwirt ersetzt werden, weil er in der Gemeinde das Amt des Dorfmeisters [3] innehatte. Auf Anhieb wurde der einzige andere Gemeinsmann zum Dorfmeister gewählt. Der Grabenreiter, der ja ein Bürger der Stadt ist und daher in der Gemeindeversammlung nichts zu sagen hat, meldete, dass ihm vom Herrn Sanwald [4] der Befehl erteilt wurde sich ins Steigengasthaus zu legen um dort mehrere Tage zu warten, ob auf den Druck der Besetzung des Hauses nicht der Verschwundene heimkehrt. Die Gemeinde beschloss den Amtmann zu bitten sich nach einem neuen Steigenwirt umzusehen, der nicht als Preller der Nachsteuer verdächtigt wurde. Übrigens wurde entsprechend der Instruktion für die Schultheißen darauf hingewiesen, dass die Gemeinsmänner die Dorfwachen durchführen mussten [5]. Die Gemeinde begab sich - wie damals üblich - danach ins Wirtshaus [6].

Ganz Leoweiler ist angetreten. - The whole community of Leoweiler is assembled. (photo: M. Leyendecker)

 

After the service, the political community of the hamlet of Leoweiler gathered. Of the three commoners [2], the innkeeper of the Rote Steige was missing. One of the commoners was fined by the mayor for not having a flintlock musket. Then the innkeeper of the Steigen, who had allegedly deserted to foreign military service and was allegedly in debt, had to be replaced because he held the office of village master [3] in the community. The only other commoner was immediately elected village master. The Grabenreiter, who is a citizen of the town and therefore has no say in the community meeting, reported that he had been ordered by Mr. Sanwald [4] to lie down in the Steigengasthaus and wait there for several days to see whether the missing man would return under pressure from the occupation. The community decided to ask the bailiff to look for a new innkeeper who was not suspected of evading back taxes. Incidentally, according to the instructions for the mayors, it was pointed out that the commoners had to conduct the village guards [5]. The community then went to the inn, as was customary at the time [6].

So schaut unser Adler aus. - A detail of the eagle. (photo: M. Leyendecker)


Am Nachmittag fand ein Adlerschießen statt [7]. Von den 6 angekündigten Schützen traten nur 5 an. Ich überprüfte die Schusswaffen entsprechend der Land- und Dorfordnung, welche gezogene Läufe verbot [8]. Die Flinte des Schmieds war offenbar nicht funktionstüchtig, meine eigene Flinte aber um so mehr. Schließlich gewann der Knecht [9] des Bauers Haug aus Leoweiler nebst jemand vom Hausgesinde der Steige das Schießen. Anschließend tanzten die zufriedenen Bauern vor dem Steigengasthaus.

Die Landleute auf dem Vogelschießen. Im Hintergrund der Adler. Im Vordergrund links der Schultheiß mit Sonntagskleidung. - The country people at the bird shooting. Please note the eagle in the background. At the left in the foreground you can see the mayor in his Sunday clothing. (Foto: S. Winter)

 

In the afternoon, an eagle shooting competition took place [7]. Of the six announced shooters, only five participated. I checked the firearms according to the rural and village regulations, which prohibited rifled barrels [8]. The blacksmith's flintlock gun was apparently not functional, but my own shotgun was even more so. In the end, the farmhand [9] of farmer Haug from Leoweiler, along with one of the Steige household staff, won the shooting competition. Afterwards, the satisfied farmers danced in front of the Steigen Inn.

Auch der Schultheiß ist dabei. - The "Schultheiß" in action too. (photo: M. Leyendecker)


Donnerstag, 18. September 2025

Anno Domini 1775 - Wie das Salz getragen wurde P 2

Am nächsten Morgen begab sich der Schultheiß zum Zöllner. Er hatte ja den Steckbrief erhalten und war nun angehalten wie in den Land- und Dorfordnungen zu lesen [1] nach herum streunendem Gesindel wie Räuber, Diebe und "Landtsknecht" Ausschau zu halten. Daher wurde ein reisender Fuhrmann besonders scharf untersucht, welcher zwar das Chausseegeld am Gelbinger Tor [2] entrichtet hatte, aber offenbar teures Glas schmuggeln wollte, zumal der mitreisenden Krämerin nicht im Traume einzufallen schien, dass sie die teuren Seiden- und Baumwollstoffe in ihrem Gepäck verzollen musste. Ein armer Salzträger erkaufte sich einen Landzollzettel.

Der Zoll wird schließlich doch gezahlt. - Finally they pay customs. (photo: art_fotografie_sulmtalix)

 
Sie fahren weiter. - They continue their journey. (photo: art_fotografie_sulmtalix)

The next morning, the mayor went to the customs officer. He had received the warrant and was now required, as stated in the rural and village regulations [1], to be on the lookout for vagrant rabble such as robbers, thieves, and "landsknechts." Therefore, a traveling cart driver was particularly closely investigated. He had paid the toll at the Gelbinger Gate [2] but was apparently trying to smuggle expensive glass, especially since the accompanying shopkeeper didn't seem to dream that she would have to pay customs duty on the expensive silk and cotton fabrics in her luggage. A poor salt carrier bought himself a rural customs slip.

Dorfschule vor "unserem" Haus. - School in front of our house. (photo: C. Hanselmann)


Anschließend ging ich zu meinem Nachbar hinter dessen Schweinestall eine schöne Wiese liegt, wo wir mit einem seiner Knechte und meinem Knecht das Heu ernteten. Das machten wir diesmal weitaus geschwinder als in den Vorjahren. Vielleicht sind die Landleute auch motivierter, wenn sie nicht die Herrschaftliche Wiese, sondern ihre eigene, abmähen müssen [3].

 

Auf der Wiese meines Nachbarn. - At the meadow of my neighbour. (photo: art_fotografie_sulmtalix)

Afterwards, I went to my neighbour, behind whose pigpen lies a beautiful meadow, where we harvested the hay with one of his farmhands and my farmhand. This time, we did it much faster than in previous years. Perhaps the farmers are also more motivated when they have to mow their own meadow, not the lord's meadow [3].

Der Knecht des Nachbars ist besonders gut dabei. - This farmhand of my neighbour is very good. (art_fotografie_sulmtalix)

Der Schulheiß ist aber auch scheinbar sehr stolz. - The "Schultheiß" is very proud nevertheless. (photo: art_fotografie_sulmtalix)


 

Die drei Schmiede an der Arbeit. - The three blacksmiths working. (photo: S. Winter)


Später stellte ich als Schultheiß eine Streife aus 2 Gemeinsmännern, dem Schmied und 2 Knechten auf, die entsprechend der Aufforderung des Amtmannes vom Vortag nach dem Dieb suchten. Wir wurden zwar weder in Scheune noch Haus fündig, trafen dann aber zufällig einen Burschen, der sich als Handwerker ausgab, aber keine gültigen Papiere [4] vorweisen konnte, was dazu führte, dass wir ihn gefangen nahmen. Wir führten den Gefangenen zum Steigengasthaus, wo wir ihn in eine Stube sperrten, worinnen er von 2 Bewaffneten beaufsichtigt wurde und die nur eine Tür hatte wodurch er nur durch einen Sprung aus dem Fenster hätte flüchten können. Wir behielten von einem der Tische der großen Schankstube den Verdächtigen im Auge. Nach einem Glas Wein für jeden Streifer marschierten wir weiter nach Hall, wo wir ihn dem Magistrat übergeben wollten. Als wir den städtischen Schuldturm schon beinahe sahen, wollte der Gefangene davon rennen. Er kam aber nicht weit...

Ein Bewaffneter zu Pferd nimmt auch Teil an der Streife. - We have one armed rider with us at our patrol. (photo: art_fotografie_sulmtalix)

 

Ein Gemeinsmann und ein Knecht brechen zur Streife auf. - A commoner and a farmshand are going out for patrol. (photo: S. Winter)

 
Wir treffen den Schmied am Wirtshaus. - We are meeting the blacksmith at the inn. (photo: Stefan Winter)

Donnerstag, 4. September 2025

Anno Domini 1775 Wie das Salz getragen wurde P 1

Dieses Mal war unsere Veranstaltung ein bisschen davon geprägt, dass die Darsteller von zwei sehr im Fokus stehenden Rollen - Zöllner und Steigenwirt - kurzfristig ausfielen. Zum Glück konnten wir das durch sehr flexible Teilnehmer kompensieren und teilweise habe ich das sogar in der Veranstaltung mit eingebaut. Ihr werdet sehen!

Die Zeitung ist voller Nachrichten aus England und Amerika. - The Newspapers are full of news from America and England. (photo: S. Winter)

 

This time, our event was somewhat affected by the fact that the actors playing two very prominent roles—the customs officer and the innkeeper—could not attend at short notice. Fortunately, we were able to compensate for this with very flexible participants, and I even incorporated some of this into the event. You'll see!

 

Der Amtmann ist zu Ross beim Zöllner eingetroffen. - The bailiff meets the custom officer. (Foto: art_fotografie_sulmtalix) 

Entsprechend der Quellen zu den drei Mitgliedern einer jüdischen Diebesbande [1], kam das Thema auch bei uns vor. Der Amtmann ritt ins Amt Rosengarten und verlas einen Steckbrief. Der einige Jahre zuvor in den Diensten des Schultheißen von Leoweiler gestandene Knecht, soll sich unterdessen mit einer Bande durchschlagen für die er Bauerngüter ausspioniert. Seit 1773 [2] hat er sich davon gemacht und wird mit dem Überfall auf eine Magd in Verbindung gebracht [3]. Der Zöllner vom Michelfelder Landturm [4] [5] versprach dem Landreiter und dem Amtmann den Steckbrief dem Schultheiß zuzustellen, der in diesen Tagen in Heilbronn weilen sollte.

Der Amtmann überbringt den Steckbrief. - The bailiff hands over the warrant. (photo: M. Leyendecker)

 
Wir reiten zu dritt zum Gasthaus. - We three are riding to the inn. (photo: M. Leyendecker)

According to the sources concerning the three members of a Jewish gang of thieves [1], the topic also arose in our country. The bailiff rode into the Rosengarten district and read out a warrant. The farmhand, who had been in the service of the mayor of Leoweiler for a few years, was said to be making a living with a gang for which he spied on farms. Since 1773 [2], he has been absconding and is linked to the attack on a maid [3]. The customs officer from the Michelfeld country tower [4] [5] promised the country rider and the bailiff that he would deliver the warrant to the mayor, who was supposed to be in Heilbronn at the time.

 

Unsere Pferde vor dem Steigengasthaus. - Our horses in front of the inn. (Foto: art_fotografie_sulmtalix)

Der Amtmann ritt anschließen nach Leoweiler und zur Roten Steige, wo er ein kärgliches Mahl einnahm [6]. An der Steige traf man auf Salzträger, die wie wir wissen, arme Teufel waren [7], weshalb wir sie nicht stärker behelligten. Ich reiste recht zufrieden ab und konnte immerhin für das Amt verbuchen, dass wie nur 1 fl. 30 ß hatten für "Zehrung" zahlen brauchen.

Der Tabak war gut im Wirtshaus. - The tobacco was good in the inn. (photo: art_fotografie_sulmtalix)


 

Sonntag, 1. Juni 2025

Wundersame Zeichen - Miracolous signs 1625 p.3

Am Sonntag kamen wir zu Nachbarn um dort die Andacht abzuhalten. Mit "Die ganze Welt, Herr Jesu Christ" [1] sangen wir eines der neuen Lieder. In den hinteren Reihen wurde wie gewöhnlich von den Söldnern gewürfelt.

Auf dem Weg zur Andacht. - On the way to worship. (photo: S. Apfelbaum)

 

On Sunday, we visited our neighbors for worship. We sang one of the new hymns, "The Whole World, Lord Jesus Christ." [1] In the back rows, the mercenaries were rolling dice as usual.

Leider haben wir keine Kirche, die in die Zeit passt. - Unfortunately we have no church for our period. (photo: S. Apfelbaum)


Danach ging es wieder heim. Es wurde viel über das Essen gesprochen und ich sorgte vor allem dafür, dass der Trompeter vor dem Abmarsch der drei von dem Regiment Wittenhorst gut mit Speis und Trank versorgt wurde. Am Tag zuvor saßen die drei viel im Sattel. Besonders der Kürisser übte sich darin möglichst rasch die Rüstung anzulegen, was mir, meinem Knecht und einem Burschen zusehends besser gelang.

Sehr andächtig. - Very reverent. (photo: S. Apfelbaum)

 

After that, we headed home. There was a lot of talk about food, and I was primarily responsible for ensuring that the trumpeter was well-supplied with food and drink before the three men from the Wittenhorst Regiment set off. The day before, the three had spent a lot of time in the saddle. The cuirassier, in particular, practiced putting on his armor as quickly as possible, something that I, my groom, and a boy were becoming increasingly successful at.

Die drei Berittenen vom Regiment Wittenhorst. - The three riders of the Wittenhorst regiment. (photo: M. Leyendecker)

Samstag, 17. Mai 2025

Wundersame Zeichen - Miracolous signs 1625 p.2

 Gegen Morgen ging es auch schon zum Alarmschießen, welches die Versammlung des Landvolkes durch das Feuern der Hakenbüchse auf dem Landturm [1] repräsentierte. 

In the morning, the alarm firing began, which represented the assembly of the rural population by firing the arquebus at the Landturm [1].

Landleute vor dem Alarmschießen. - Peasants before alarm firing. (photo: M. Leyendecker)

Auf dem Landturm war eine Büchse im Einsatz. - At the Landturm a small gun was used. (photo: M. Leyendecker)


Nun war die Frage wieviele Landleute das Schießen hörten und herbei eilten. Aus meinem Haus kam mein Sohn und ein Nachbar angelaufen. Als der Landhauptmann Rauchhaupt da war, hatte sich eine stattliche Anzahl Landleute mit Waffen eingefunden, auch wenn die Qualität der Bewaffnung zu Wünschen übrig ließ [2].

Now the question was how many peasants heard the shooting and rushed over. My son and a neighbor came running out of my house. By the time Captain Rauchhaupt arrived, a considerable number of peasants had gathered with weapons, even though the quality of the weapons left much to be desired [2].

Ich helfe dem Kürisser mit der Rüstung. - I'm helping the cuirassier with his armour. (photo: M. Leyendecker)


Während die Reiter immer wieder vor dem Wirtshaus aufsaßen, abrückten und zurückkehrten, versuchten Krämer ihre Gürtel, Taschen, Teller und so weiter an die Käuferschaft zu bringen. Besonders beeindruckend war für die Landleute der Anblick des voll geharnischten Kürissers. Die unweit meines Wirtshauses arbeitenden Schmiede kehrten immer wieder bei mir ein. Durch die Hitze an der Esse hatten sie natürlich ordentlich Durst, was den Gastwirt freute.

Der Reiter mit geschlossenem Helm. - The rider with his closed helmet. (photo: M. Leyendecker)

 

While the riders repeatedly mounted, departed, and returned to the inn, flying dealers tried to sell their belts, bags, plates, and so on to customers. The sight of the fully armored cuirassier was particularly impressive for the country folk. The blacksmiths who worked not far from my inn repeatedly stopped by my place. The heat from the forge naturally made them quite thirsty, which pleased the innkeeper.

Einige der Schmiede in meinem Wirtshaus. - Some of the black smiths in my tavern. (photo: S. Winter)