Samstag, 25. April 2026

Schlacht an der Dessauer Brücke - The battle at Dessau Bridge 1626

Dieses Jahr jährt sich die berühmte Schlacht an der Dessauer Brücke zum 400. Mal. Diese hat zwar keinen direkten Bezug zu unserer Veranstaltung in Wackershofen. Aber so ist das ja immer wieder bei uns auf dem Blog. Wir haben aber bereits mehrere Schlachten des Hauptprotagonisten, des Grafen von Mansfeld (1580-1626) vorgestellt [1] [2] [3]. Immerhin wäre diese bedeutende Schlacht im Frühjahr 1626 gewiss in Schwäbisch Hall Gesprächsthema auf den Straßen der Reichsstadt gewesen.

Trompeter der schweren kaiserlichen Reiterei um 1626 auf unserer Landlebenveranstaltung. - Trumpeter of heavy Imperial horse around 1626 on our Landleben event. (H. Engel, 2025)

 

This year marks the 400th anniversary of the famous Battle of Dessau Bridge. While this doesn't have a direct connection to our event in Wackershofen, it's a recurring theme on our blog. However, we have already featured several battles fought by the main protagonist, Count of Mansfeld (1580-1626) [1] [2] [3]. After all, this important battle would certainly have been a topic of conversation on the streets of Schwäbisch Hall in the spring of 1626.


Ursprüngliche Positionen. Mansfeld beschießt Aldringens Artillerie in der Schanze an der Brücke. Bemerkenswert ist die kaiserliche Kavallerie in dem Wald am linken Mansfelder Flügel. - Initial positions. Mansfeld shoots at Aldringen's artillery in the redoubt at the bridge. (photo: C. Hanselmann)

 

Wie wir in unseren Recherchen früher schon gesehen haben, hatten Mansfeld und Christian von Braunschweig (1599-1626) ein immer gleiches Muster entwickelt. Sie stellten Armeen auf, verloren diese durch die Niederlagen gegen ligistische, spanische und kaiserliche Truppen oder durch Desertion und suchten nach den Fehlschlägen erneut wohlhabende Geldgeber, welche die Mittel beschafften, um erneut Truppen anzuwerben. Wenngleich beide Feldherren in diesen Jahren durchweg im grob gesagt protestantischen Lager blieben, waren doch die Ziele unterschiedliche. Für Mansfeld war es nach dem Versuch Böhmen zu verteidigen, danach derjenige die Armee zu konservieren und danach die Rheinpfalz zu befreien, wobei ihm immer wieder misslang mit anderen Feldherren wie Christian von Braunschweig und Georg Friedrich von Baden-Durlach (1573-1638) erfolgreich zu kooperieren. 

As we have seen in our earlier research, Mansfeld and Christian of Brunswick (1599-1626) developed a consistent pattern. They raised armies, lost them through defeats against Catholic League, Spanish, and Imperial troops, or through desertion, and after these setbacks, sought wealthy patrons to provide the funds to recruit more troops. Although both commanders remained broadly within the Protestant camp during these years, their objectives differed. For Mansfeld, after attempting to defend Bohemia, the next goal was to conserve his army and then liberate the Palatinate, though he repeatedly failed to cooperate successfully with other commanders such as Christian of Brunswick and George Frederick of Baden-Durlach (1573-1638).

Karte der Schlacht an der Dessauer Brücke für CC. C. W. von Brandenburg [4] und Wallenstein haben auf ihren Feldern auch Infanterie - hier nicht zu erkennen. Ich habe die Mansfelder Schanzen der Einfachheit halber weggelassen. - Map of the battle at the bridge of Dessau for CC. C.W. von Brandenburg [4] and Wallenstein have infantry on their hex. I have decided to omit Mansfeld's redoubt to make it easier. (map: André Hanselmann)


Dennoch wurde genau dieser Versuch 1626 erneut unternommen. Es wurde ein Plan entworfen, wonach Ernst von Mansfeld mit seinem kleinen nur 12.000 Mann starken Heer von Brandenburg nach Schlesien durchbrechen sollte, während König Christian IV. von Dänemark, dem sich Mansfeld unterstellen musste, in Niedersachsen operierte. Dieses Unterfangen scheiterte allerdings bereits in der Gegend von Dessau, wo er zuerst einmal auf die Truppen unter Graf von Aldringen (1588-1634) traf [5], der Befestigungswerke an der Elbbrücke errichtet hatte. Denn Wallenstein hatte seit dem Einrücken Mansfelds in die Altmark im Februar dessen Absicht des Elbübergangs durchschaut [6], da er das Vorgehen einer Abteilung unter Fuchs [7] rasch parierte, da dieser statt Mansfeld zu unterstützen sich von Wallensteins Truppen bei Magdeburg und Tangermünde schlagen und zum Rückzug zwingen ließ. Ohne Fuchs war das Unternehmen Mansfelds gegen die Dessauer Brücke bereits etwas weniger erfolgversprechend. Dennoch griff er Aldringens Stellungen am 12. April an und versuchte dessen Schanzen im Handstreich zu nehmen.

Nevertheless, this very attempt was made again in 1626. A plan was devised whereby Ernst von Mansfeld, with his small army of only 12,000 men, was to break through from Brandenburg into Silesia, while King Christian IV of Denmark, to whom Mansfeld had to submit, operated in Lower Saxony. This undertaking, however, failed in the vicinity of Dessau, where he first encountered the troops under Count von Aldringen (1588-1634) [5], who had constructed fortifications at the Elbe bridge. Wallenstein had seen through Mansfeld's intention to cross the Elbe since his entry into the Altmark in February [6], as he quickly countered the advance of a detachment under Fuchs [7], who, instead of supporting Mansfeld, allowed himself to be defeated by Wallenstein's troops at Magdeburg and Tangermünde and forced to retreat. Without Fuchs, Mansfeld's operation against the Dessau bridge was already somewhat less promising. Nevertheless, he attacked Aldringen's positions on April 12th and attempted to take his fortifications in a surprise attack.

Mit der Karte "Short Supply" habe ich zwar früh im Spiel die kaiserlichen Reiter in meiner Flanke auf die Grundlinie verbannt. Dafür habe ich als Mansfeld aber auch schon viel meiner Reiterei an den Flügeln eingebüßt. - Using the "Short supply"-card I forced the Imperial horse in my flank to fall back on the Imperial baseline. In return I as Mansfeld lost much of my horse at my wings already. (photo C. Hanselmann)


Dieser Versuch misslang und statt daraus den Schluss zu ziehen, dass er das Unternehmen aufgeben musste, weil Fuchs kaum mehr als Verstärkung taugen würde, verschob Mansfeld den Zeitpunkt des Angriffes auf den 25. April, als Aldringens Kompanien bereits verstärkt worden waren, was die Verluste dieser Truppen durch den anhaltenden Beschuss durch die Mansfelder mehr als ausglich. Die mit Zeltplanen kaschierte Elbbrücke hatte dazu geführt, dass für General von Mansfeld das Überqueren der Elbe durch zahlreiche Kaiserliche unbekannt geblieben war. Der Sturmangriff der Mansfelder erlahmte mit der Zeit und die - wie manche zeitgenössische Darstellungen vermitteln - aus ihren Schützengräben hervor brechenden Mansfelder Söldner wurden zusehends in eine Art Abwehr gedrängt. Schließlich brach eine in einem Wäldchen postierte kaiserliche Reiterei [8] hervor und fiel die überraschten Kaiserlichen an, die mithin zwischen zwei Feuer gerieten und auf ihrem Rückzug vor den Toren von Zerbst erneut angegriffen wurden. Während der 5-stündigen Kämpfe geriet das nahe Dorf Rodleben - so auch sehr lebendig auf besagtem Stich von Merian dargestellt - in Brand.

This attempt failed, and instead of concluding that he had to abandon the undertaking because Fuchs would be of little use as reinforcements, Mansfeld postponed the attack until April 25th, when Aldringen's companies had already been reinforced, more than compensating for the losses these troops had suffered from the sustained bombardment by the Mansfeld troops. The Elbe bridge, concealed with tarpaulins, had meant that General von Mansfeld was unaware of the numerous Imperial troops crossing the Elbe. The Mansfeld assault gradually weakened, and the Mansfeld mercenaries—as some contemporary accounts suggest—who were emerging from their trenches, were increasingly forced into a defensive posture. Finally, an Imperial cavalry unit [8] positioned in a small wood broke out and attacked the surprised Imperial troops, who thus found themselves caught between two fires and were attacked again during their retreat before reaching the gates of Zerbst. During the 5-hour battle, the nearby village of Rodleben – as vividly depicted in the aforementioned engraving by Merian – caught fire.

Montag, 20. April 2026

Der Zöllner und die zehn Musketiere - The customs officer and the ten musketeers P. 2

Der folgende Tag unterschied sich schon allein dadurch, dass wir auch arbeiten konnten. Das heißt, dass beispielsweise die Schmiede in der Schmiede hämmerten. Wir haben Eisenteile für ein Joch geliefert bekommen. Uns wurden auch Schüreisen geschmiedet und die anderen Landleute bestellten auch kleinere Reperaturen, während einer der Schmiede an einem Hauschwert arbeitete.

Ein neuer Morgen in meiner Schankstube. - A new morning in the tavern. (Foto: Michael Leyendecker)

The following day was different simply because we were able to work. This meant, for example, that the blacksmiths were hammering away in their forge. We received iron parts for a yoke. They also forged pole irons for us, and the other villagers ordered minor repairs, while one of the blacksmiths worked on a domestic sword.

Die Schmiede liefern ihre Arbeit bei uns ab. - The blacksmiths are bringing their work. (photo: M. Leyendecker)




Für mich und meine beiden Knechte bedeutete es, dass wir das auf einem großen Wagen aufgeschichtete Getreide dreschen konnten, was wir zu dritt bewacht von ein paar der Musketiere ziemlich rasch erledigten. Es ist ja wirklich so, dass 1626 durch die Wetterverhältnisse im Reich teilweise schlimme Missernten vorkamen [1]. Auch wenn wir noch keine an den Bettelstab gebrachten bayerischen Landleute zu Gesicht bekommen haben, so konnte auch uns jederzeit die grassierende Seuche betreffen, welche insbesondere Württemberg heimsuchte [2]. Einer der Dreschflegel ging zu Bruch. Gerade diese Zeit, wenn es noch sehr kalt ist, wird für Gewöhnlich für Aufgaben wie die Reperatur von Geräten genutzt. 

Das Kalb vor dem Kuhstall. - The calf in front of the cowshed. (Foto: Stefan Winter)



For me and my two farmhands, it meant we could thresh the grain piled up on a large wagon, which the three of us accomplished quite quickly, guarded by a few of the musketeers. It is indeed true that in 1626, due to the weather conditions, there were some severe crop failures in the empire [1]. Although we have not yet seen any Bavarian peasants reduced to beggary, the rampant epidemic, which particularly afflicted Württemberg [2], could have affected us at any time. One of the flails broke. This time of year, when it is still very cold, is usually used for tasks such as repairing equipment.


Wir dreschen in meiner alten Scheune, die direkt neben dem Zollhaus steht. - We are threshing in my old barn, which is direct next to the customs house. (Foto: M. Leyendecker)

Donnerstag, 9. April 2026

Der Zöllner und die zehn Musketiere - The customs officer and the ten musketeers P 1

Nun sind wir zurück von unserer Landleben-Veranstaltung, deren Reihe wir vor 10 Jahren begonnen haben [1]. Diesmal hatten wir soviele Teilnehmer wie noch nie dabei, letztlich bedingt durch das Thema der Veranstaltung: "Der Zöllner und die zehn Musketiere 1626". Zum primären Thema habe ich die Inhalte schon veröffentlicht [2]. Trotz einiger kurzfristiger Absagen, nicht zuletzt des Darstellers des Leutnants Geyer [3], hatten wir ausreichend viele Teilnehmer für alle Rollen.

Das von einem bedeutenden Künstler gemalte und frisch angelieferte Wirtshausschild des Zöllners Hans Jacob Müller. - The sign of the inn was newly painted by a famous artist. (Foto: Stefan Winter)


We are now back from our Landleben event, a series we started 10 years ago [1]. This time we had more participants than ever before, ultimately due to the event's theme: "The Tax Collector and the Ten Musketeers 1626". I have already published the content related to the primary theme [2]. Despite some last-minute cancellations, not least from the actor playing Lieutenant Geyer [3], we had enough participants for all the roles. 

 

Der Korporal am Morgen mit Pelzmütze am Tisch mit seinen zahlreichen Musketieren. - In the morning the corporal with his fure cap is sitting at the table with his many musketeers. (photo: M. Leyendecker)

 

Nach dem Eintreffen der meisten Darsteller am Donnerstag, begann unsere Veranstaltung am Karfreitag mit einer Andacht beim Weinbauer Pahlhuber, der im Haus aus Sachsenflur wohnte [4]. Vor allem die Bewohner des württembergischen Zoll- und Wirtshauses mit dem Zöllner Hans Jacob Müller [5] samt den dort einquartierten württembergischen Söldnern trafen bei dem Bauer ein, der schon vieles vorbereitet hatte. Man hörte nicht nur die entsprechende Passage aus der Bibel, sondern erfuhr auch von den Drangsalen, welche dem Herzogtum Württemberg zusetzten. Herzog Johann Friedrich wurde in die Fürbitten freilich eingeschlossen.

Begleitet von den zehn Musketieren ziehen wir zum Hof des Weinbauers. - We are walking to the farm of the wine farmer together with the ten musketeers. (Foto: Michael Leyendecker)

After most of the performers arrived on Thursday, our event began on Good Friday with a service at the home of the winegrower Pahlhuber, who lived in the house from Sachsenflur [4]. The inhabitants of the Württemberg customs and inn, including the customs officer Hans Jacob Müller [5] and the Württemberg mercenaries quartered there, gathered at the farmer's house, where he had already made many preparations. They not only heard the relevant passage from the Bible but also learned of the tribulations afflicting the Duchy of Württemberg. Duke Johann Friedrich was, of course, included in the prayers.


Bei der Andacht am Karfreitag. In der zweiten Reihe sitzt der Korporal der Württemberger Musketiere und dahinter Leutnant Geyer. - During the prayers at the Good Friday. In the second row the corporal of the Württemberg musketeers is sitting and behind him lieutenant Geyer. (Foto: Michael Leyendecker)

Den ganzen Tag lang hatte ich damit zu tun vorbeifahrende Karren zu untersuchen, ob denn der Zoll auch entrichtet wurde. Ein Fuhrmann wollte mir weismachen, er müsse ja nichts entrichten, da seine Fuhre Holz nur zur Roten Steige ginge. Dabei liegt diese ja schon im Hällischen und erzählen kann der Mann viel. Genauso gut, kann er das Scheiterholz weiter nach Crailsheim oder ins comburgische Steinbach fahren.