Montag, 16. Mai 2022

Landleben 1622 - Das Bier kommt nach Hall (The beer is coming to Hall) Part 4

Der Montag war für uns ein besonders schwieriger Tag. Wir hatten das Problem, dass ein paar Darsteller wegen Ausfällen anderer hatten einspringen müssen und diese neuen Darsteller teilweise früher abreisten. Daher waren wir am Montag deutlich weniger Leute als an den anderen Tagen. Da wir die Küche im Haus aus Zaisenhausen nicht nutzen durften, konnten wir leider auch nicht brauen obwohl das ja ursprünglich eines der Hauptthemen der Veranstaltung gewesen war. Da 1623 im Dorf Sanzenbach die erste Brauerei eines Haller Braumeisters [1] eröffnet wurde, wäre das mit dem Brauen aber vielleicht auch ein nettes Nebenthema für nächstes Jahr. Immerhin konnte ich in meiner Rolle als Wirt darstellen, dass es nur teuren Wein gibt indem ich den wohl betuchten Apotheker für ein bisschen Wein habe gut zahlen lassen.

Am Montagmorgen gab es eine weitere Andacht anlässlich dem Ostersonntag. Die verbliebenen Söldner sollen während der Bibellesung gespielt haben [2]. 
 
Nach der Andacht hat der Ausschuss um so mehr exerziert. Leider ist uns nicht wie im Fall von Schmalkalden [3] ein Reglement für den Drill der Miliz bekannt. Diesmal machten wir schwierigere Griffe wie man soe beispielsweise zum Durchqueren eines Tores braucht. 
 
Außerdem haben wir zwei verschiedene Tänze, sogenannte Branles, getanzt. Das Tanzen wurde wie wir schonmal thematisiert haben in der Frühen Neuzeit streng reglementiert [4].
 
Tanz vor meinem Wirtshaus. - Dancing in front of my tavern. (Foto: Stefan Winter)



Der Apotheker aus Köln kam in mein Wirtshaus um dort seine Dienste anzubieten. Ich ließ mich erneut wie an den vorigen zwei Tagen von ihm schröpfen. Das Dumme war, dass es ziemlich kalt in meiner Stube war, so dass es nicht so angenehm war wie es hätte sein können. Damals ging es beim Schröpfen primär darum bestimmte Säfte wie in dem Falle den Schleim dem Körper zu entziehen.

Der Apotheker setzt die Schröpfköpfe in meiner Schankstube. - The pharmacist places the cupping glasses in my taproom. (Foto: Hildegund Bemmann)

Wir würfelten zwischen dem Üben der Handhabung der Piken oder spielten Karnöffel. Genau um 5 Uhr wurde das letzte Bierfass leer.

Ein Musketier auf einem Pferd ist ein Dragoner. - A musketeer on a horse is a dragoon. (Foto: Stefan Winter)



Dienstag, 10. Mai 2022

Landleben 1622 - Das Bier kommt nach Hall (The beer is coming to Hall) Part 3

 

Am Sonntagmorgen hatten wir nachdem ich vom Ausmisten des Stalls und Striegeln der Kühe gekommen war und gefrühstückt hatten eine weitere Andacht. "Ein feste Burg ist unser Gott" wurde schon viel besser gesungen. 

Der Dorfhauptmann im Kuhstall wie alle Morgen. - The captain of the village in the cowshed as in all mornings. (Foto: Stefan Winter)
 

Kurz darauf versammelte sich der Ausschuss des Dorfes. Leider waren wir nur drei Mann, weil mein Schankknecht nicht mehr für Dienst in der Landkompanie taugte. Dafür konnte er weiterhin ausschenken, während wir uns auf den Weg zum Hof vom Jäger-Bauer machten. Dort holten wir dessen Knecht ab, der aber noch keine Pike hatte. Deswegen marschierten wir am Riegel vorbei zurück zum Wirtshaus, wo ihm ein alter Spieß gegeben wurde. Wir übten das Aufnehmen und Absetzen vom Spieß. Der bayerische Sergent bemerkte, dass wir darin nicht so besonders gut waren [1]. 


Wir sind am Hof vom Bauer Jäger angekommen und dessen Knecht hat sich eingereiht. Links die bayerischen Pikeniere und rechts die Landleute vom Ausschuss angeführt von Rittmeister Rauchhaubt. - We arrived at the farm of the farmer Jäger and lined up his farmhand. At the left the Bavarian pikemen and at the right the local militia under the command of captain Rauchhaubt. (Foto: Janine Krämer)

 

Später vermochte der Rittmeister nicht die Söldner zurück zu halten, als sie in einen Weiler kamen, wo die Auslage an Schuhen eines wandernden Schusters zu verlockend wirkte so dass die Söldner anfingen zu plündern, was ihnen wertvoll erschien, wobei ihnen eine Marketenderin, die einen Tag zuvor erst in unserem Ort angekommen war gute Dienste leistete [2]. Die Plünderer trugen Schuhe und etliches an Hausrat hinweg. 

Wir und die Söldner sind am geschlossenen Riegel. - We and the mercenaries are at the closed barrier. (Foto: Janine Krämer)

 

Da der Sergent aber in meinem Gasthaus zahlte, ließ ich mir nichts anmerken. Wir ließen uns das Festtagsmahl einen Entenbraten schmecken und spielten bis tief in die Nacht Karten und würfelten.

Die Söldner sind auf dem Hof vom Bauer Jäger. Einem gefällt der Hut des Schuhmachers. - The mercenaries are on the farm of the farmer Jäger. One of them likes the hat of the shoemaker. (Foto: Janine Krämer)


Donnerstag, 5. Mai 2022

Landleben 1622 - Das Bier kommt nach Hall (The beer is coming to Hall) Part 2

Für den Samstag hatte ich eine ganze Menge vor, vor allem da es ja der einzige Tag zwischen all den Feiertagen war an dem ich wirklich arbeiten konnte. Als ich aus dem Kuhstall kam, stellten wir fest, dass eines meiner Hosenbeine völlig kaputt war und meine Mutter (in der Darstellung) reparierte meine Hose notdürftig. 

Danach gab es ein bisschen Unterricht für die Kinder. Wir hatten ja diesmal soviele Kinder wie selten und so machte das einfach mehr Spaß. Es geht bei mir in der Schule einfach um die typischen Inhalte der damaligen Zeit wie Katechismus, Singen, Mathematik mit einem Rechenbrett, Schreiben und Themen wie die passende Bibelstelle zur Osterzeit. 


 

Die bayerischen Söldner haben sich vor meinem Wirtshaus versammlt. Ob Rittmeister Rauchhaubt, ganz links im Bild, es schafft sie in ein anderes Gebiet zu führen? - The Bavarian mercenaries are assembled in front of my tavern. Will captain Rauchhaubt be able to lead them into another country? (Foto: Janine Krämer)

Wir hatten ja schon vor ein paar Jahren einen Riegel errichtet, den wir nun ausbessern wollten, da er mittlerweile beschädigt worden war [1]. Zusammen mit dem Bauer Jäger brachten wir neue Pfosten an und suchten uns einen Schlagbaum, den wir vielleicht nutzen konnten. Im Jahr 1619 war es ja am Riegel bei Großallmerspann zu einem blutigen Zusammenstoß gekommen [2]. Die Reperatur der Heeg war eine typische Fronarbeit, welche von den Untertanen auf dem Land zu leisten war. Ich beschloss, dass es am nächsten Tag eine Musterung der Dorfbevölkerung geben sollte, wobei uns Landleute ja Rittmeister Rauchhaubt in der Handhabung der Langspieße unterweisen konnte.

Hefezopf wird für die Feiertage vorbereitet. - Hefezopf is to be prepared for the upcoming feasts. (Foto: Hildegund Bemmann)

 

Am Abend spielten wir verschiedene Spiele. Vor allem das für die Zeit schon belegte Karnöffelspiel haben wir besser gelernt. 

Die Bayern übten sich im Umgang mit ihren Waffen, während sie durch das Gelände streiften. - The Bavarians have some exercices with their weapons while they are moving through the countryside. (Foto: Stefan Winter)

 

I had a lot planned for Saturday, especially since it was the only day between all the public holidays that I could actually work on. When I came out of the cowshed we found that one of my pant legs was completely broken and my mother (in the portrayal) did a makeshift repair on my pant. 

Die beiden Gemeinsmänner beraten sich an dem Wirtshaustisch vor meinem Haus. - Both members of the community are discussing at the table of the tavern in front of my house. (Foto: Stefan Winter)

 

After that there was a little class for the kids. This time we had more children than seldom, so it was just more fun. My school is simply about the typical content of that time such as catechism, singing, mathematics with an arithmetic board, writing and topics such as the right Bible passage for Easter. 

Zum Ärgernis des Wirtes lagern am Abend die Söldner wieder am Gasthaus. - The innkeeper is frustrated observing that the mercenaries are again camping at the tavern. (Foto: Stefan Winter)

 

We had already erected a bar a few years ago, which we now wanted to repair because it had been damaged in the meantime [1]. Together with the farmer Jäger, we installed new posts and looked for a turnpike that we might be able to use. In 1619 there had been a bloody collision at the Riegel near Großallmerspann [2]. The repair of the Heeg was a typical compulsory labor that had to be done by the subjects in the countryside. I decided that there should be a survey of the village population the next day, whereby Rittmeister Rauchhaubt could instruct us in the handling of long spears. 

Die Wirtin hängt die Wäsche am Brunnen zum Trocknen auf. - The hostess is hanging up the laundry for drying at the well. (Foto: Stefan Winter)

 

In the evening we played different games. Above all, we learned the Karnöffelspiel, which was already occupied for the time, better.


Text: André Hanselmann

Fotos: Stefan Winter, Dr. Hildegund Bemmann, Janine Krämer


Notizen/Notes:

1) https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2019/04/landleben-1619-die-kaiserlichen-kommen.html

2) Hier haben wir schon darüber berichtet / We have reported here:  https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2019/03/29-juni-161929th-of-june-1619-das.html



Sonntag, 1. Mai 2022

Landleben 1622 - Das Bier kommt nach Hall (The beer is coming to Hall) Part 1


Dieses Jahr durften wir endlich vom 16.4.-18.4. einmal wieder eine Landleben-Veranstaltung im Hohenloher Freilandmuseum Wackershofen genießen. Wir haben den Fokus auf das Thema Brauen gesetzt [1]. Leider konnten wir im Haus aus Zaisenhausen wegen einer Verfügung nicht auf dem Herd kochen und entsprechend konnten wir auch nicht Brauen, weshalb wir uns auf die Darstellung des Ausschanks und typischer Spiele in einem Wirtshaus beschränken mussten.

Als wir eintrafen, erfuhren wir gleich die Hiobsbotschaft, die natürlich um so gravierender ist, da wir in dem einzigen anderen brauchbaren Gebäude, dem Haus dem 15. Jahrhundert, auch schon immer nicht auf dem Herd kochen dürfen. Vor dem Hintergrund bitte ich gnädig die Unstimmigkeiten auf unseren Fotos zu übersehen. 

Der Wirt rollt das Fass heran vor dem Anstich. - The host is rolling a barrel before the tapping. (Foto: Cecilia Hanselmann)

 

Am Freitag ging es gleich ganz gut los. Die Veranstaltung begann zwar eigentlich noch nicht offiziell, aber wir hatten einen wichtigen Termin: nämlich das Anstechen des ersten Bierfasses (die Fässer wurden dem Museum vom Haller Löwenbräu gespendet [2]). Im Laufe des Tages trafen nicht nur ein zusätzlicher Knecht und eine Magd für unser Haus, sondern auch eine Anzahl bayerischer Söldner ein. Drei bayerische Pikeniere wurden von einem bayerischen Sergenten [3] angeführt bei mir einquartiert. Der Sergent präsentierte mir eine Notiz des Grafen Tilly, welche ihn zur Einquartierung ermächtigte. Mein Verweis darauf, dass ja Mansfeld bereits seine Soldaten bei mir einquartiert hätte, nutzte mir nichts. Immerhin zahlte der Sergent im Vorraus mit gutem bayerischen Geld. 

Der bayerische Sergent ist angekommen, hier mit Krug und Gepäck. - The Bavarian sergeant has arrived here with his knapsack and a jug. (Foto: Stefan Winter)

Die Einquartierung führte dazu, dass ich den bei mir untergebrachten Apotheker aus Köln ausquartieren musste, der sich bei meinem Nachbar, dem Bauer Jäger in einem benachbarten Weiler [4] eine Unterkunft besorgen musste. 

Durch die Einquartierung der Bayern muss der feine und gut zahlende Kölner Apotheker leider einpacken und ... / When the Bavarians arrived to take their quarters the fine and well paying pharmacist from Cologne has to wrap up his stuff and ... (Foto: Stefan Winter)

 

Mittwoch, 27. April 2022

Die Schlacht bei Mingolsheim - Mansfelds einziger Sieg? / The battle of Mingolsheim - Mansfeld's only victory?

Nachdem wir 2020 nicht dazu kamen uns näher mit dem Krieg in Böhmen zu beschäftigen, wollen wir uns 2022 hier im Blog stärker mit dem Kriegsverlauf auseinandersetzen - auch weil sich dieser zusehends in das Gebiet der Reichsstadt Schwäbisch Hall und überhaupt in den Schwäbischen Reichskreis verlagerte.

Since we did not get to deal with the war in Bohemia in 2020, we want to deal more closely with the course of the war here in the blog in 2022 - also because it increasingly shifted to the area of ​​the imperial city of Schwäbisch Hall and generally to the Swabian Empire.

Der Feldzug 1622 und die beiden Gegner

Bereits 1620 war der spanische General Ambrosio Spinola (1569-1630), der schon erfolgreich in den Niederlanden operiert hatte [1], in die Kurpfalz vorgestoßen. Die Anführer der Union, die bei Oppenheim ein Lager aufgeschlagen hatten, konnten oder wollten den Vormarsch Spinolas nicht aufhalten. Zeitgenössische Flugblätter [2] verhöhnten die Tatenlosigkeit der unionierten Fürsten, die insbesondere durch die Einnahme Oppenheims selbst kompromitiert wurden. 1621 legte der Markgraf von Baden-Durlach bei Ihringen ein befestigtes Lager an und das Jahr 1622 sah dann wieder größere Feldschlachten. Als die erste dieser Schlachten ist die von Mingolsheim am 27. April 1622 anzusehen. 

Das Heer des Grafen Tilly, welches auch das Territorium Schwäbisch Halls durchquert hatte [3], war von Böhmen herüber gekommen um bei der Einnahme der Kurpfalz zu Gunsten des bayerischen Kurfürsten Maximilian I. teilzunehmen. Tillys Aufgabe rührte auch von dem Misstrauen des Kurfürsten, dem nach den Verhandlungen mit dem Kaiser die Kurpfalz als Lohn für seine Mühen zustand[4].

Ein bayerischer Musketier um 1622 auf unserer Veranstaltung in Wackershofen. - A Bavarian musketeer in 1622 on our event in Wackershofen. (Foto: Stefan Winter)

 

Zwei Feldherren spielten in der ersten Jahreshälfte die wichtigste Rolle: der Markgraf Georg Friedrich von Baden-Durlach (1573-1638) und Graf Ernst von Mansfeld (1580-1626). Für die Schlacht bei Mingolsheim ist vor allem Mansfeld interessant, der von Münkler als typischster Kriegsunternehmer des 30-jährigen Krieges dargestellt wurde [5]. Mansfeld war einer der Protagonisten der ersten Stunde. Er war von den böhmischen Ständen angestellt worden, die anfangs vor allem auf eigene und eher unprofessionelle Ständetruppen unter dem Grafen Heinrich Matthias von Thurn (1567-1640) gesetzt hatten. Die erste berühmter gewordene Waffentat des Grafen Mansfeld war der Kampf um die bedeutende Stadt Pilsen. Daraufhin verlor Mansfeld die erste Feldschlacht des Krieges, die Schlacht bei Sablat [6]. Der Graf von Mansfeld hatte in der Folge vermocht nicht gänzlich in den Strudel der schweren Niederlage der Böhmen am Weißen Berg mit hinein gezogen zu werden. Bei Weißhausen in der Oberpfalz versuchte Mansfeld ein neues Heer aufzustellen. Um dem Zugriff durch die Ligatruppen zu entgehen, bot Mansfeld dem bayerischen Landesherrn an "gegen Erlegung etlicher Tonnen Goldes" die Seiten zu wechseln und in kaiserliche Dienste zu treten. Mansfeld zerriss daraufhin den Vertrag und zog, nachdem er die Bischöfe von Würzburg und Bamberg bedroht hatte, mit 20.000 Mann [7] von dannen. Knapp war Mansfeld einem auf ihn angesetzten Meuchelmörder entgangen [8].

Den Verlauf der Schlacht will ich Guthrie folgend widergeben[9][10]. Besonders stark weichen offenbar die Schätzungen der Truppenstärke beider Seiten voneinander ab [11]. Eigenwilligerweise konnte ich bislang keine zeitgenössische Darstellung der Schlacht finden wie wir es von den großen Schlachten des Krieges aber auch von Sablat und Wimpfen kennen. 

Mansfeld, der eine Vereinigung mit dem Heer des Markgrafen von Baden-Durlach suchte, verfügte über eine Ist-Stärke von 18.000 Mann in 16 Fuß- und 10 Kavallerieregimentern. Tilly, der sich am 26. April von Mansfeld nicht aus seiner geschickt gewählten Position bei Wiesloch herauslocken ließ, hatte etwa 15.000 Mann. Die geringe nummerische Überlegenheit Mansfelds wurde durch die höhere Qualität der Ligatruppen wettgemacht, die sich schon mehrfach in diesem Krieg bewährt hatten [12].

Tilly seinerseits korrespondierte mit dem spanischen General Córdoba (1585-1635), welcher Spinola sozusagen als Befehlshaber der Spanier in der Pfalz ersetzt hatte. Doch Córdoba kam diesmal nicht zu Tillys Verstärkung als dieser ihn dazu aufforderte. Denn Tilly fürchtete, dass sich Mansfelds Überlegenheit im freien Feld auswirken würde, wenn er den nun in Richtung Bruchsal abziehenden Feldherrn verfolgen würde.  

The 1622 campaign and the two opponents 

As early as 1620, the Spanish general Ambrosio Spinola (1569-1630), who had already operated successfully in the Netherlands [1], advanced into the Palatinate. The leaders of the Union, who had set up camp near Oppenheim, could not or would not stop Spinola's advance. Contemporary leaflets [2] mocked the inaction of the unionized princes, who were compromised in particular by taking Oppenheim himself. In 1621 the Margrave of Baden-Durlach set up a fortified camp near Ihringen and the year 1622 saw major field battles again. The first of these battles is that of Mingolsheim on April 27, 1622. 

Count Tilly's army, which had also crossed the territory of Schwäbisch Hall [3], had come over from Bohemia to take part in the capture of the Palatinate in favor of the Bavarian Elector Maximilian I. Tilly's task also stemmed from the elector's distrust, who after negotiations with the emperor was entitled to the Electoral Palatinate as a reward for his efforts [4]. 

Pikeniere dieser Zeit auf unserer Veranstaltung in Wackershofen Landleben 1622. - Pikemen from that period on our event "Landleben 1622" in Wackershofen. (Foto: Stefan Winter)

 

Samstag, 23. April 2022

Maria Theresia (2021) Part 5

Ich habe eine Weile darüber nachgedacht, ob ich etwas über diesen Film schreiben soll. Letztlich ist das krude Bild, welches die Filme von Robert Dornhelm über Maria Theresia und ihre Zeit zeichnen aber auch irgendwie Rezeptionsgeschichte. Diese Fernsehproduktion wird auch bei den Zuschauern eben die Klischees festsetzen, die offenbar intendiert sind. Dornhelms letzter Film zur Kaiserin Maria Theresia bleibt dabei seinem Rezept aus historischen Unwahrheiten und Stereotypen treu. Ich habe ihn am 21. April 22 auf der Arte-Mediathek gesehen.

I've been thinking for a while about writing something about this film. Ultimately, the crude picture that Robert Dornhelm's films paint about Maria Theresa and her time is also somehow history of reception. This television production will also establish the clichés in the viewers that are obviously intended. Dornhelm's last film about Empress Maria Theresia remains true to its formula of historical untruths and stereotypes. I saw it on April 21, 22 on the Arte media library.

Der 5. Teil setzt überhaupt nicht an den 4.Teil an, der irgendwie mitten im Österreichischen Erbfolgekrieg endete. Stattdessen erleben wir plötzlich eine neue Schauspielerin (Ursula Strauss), die wieder eine schlankere Maria Theresia zeigt auch wenn es dafür auf den zeitgenössischen Abbildungen keine Motivation gibt. Zeitlich ist man scheinbar mitten im Siebenjährigen Krieg, auch wenn dieser inhaltlich ulkigerweise fast keine Rolle spielt.

The 5th part is not at all based on the 4th part, which somehow ended in the middle of the Austrian War of Succession. Instead, we suddenly experience a new actress (Ursula Strauss), who again shows a slimmer Maria Theresa, even if there is no motivation for this on the contemporary illustrations. In terms of time, you seem to be in the middle of the Seven Years' War, even if, funnily enough, it plays almost no role in terms of content.

Kaiser Franz Stephan (aus irgendeinem Grund immernoch Vojtěch Kotek [1] ) wird von Maria Theresia damit betraut seinen Sohn Joseph in die Welt der Liebe einzuführen - wozu er ihn mit in ein Bordell nimmt, wo der Kaiser offensichtlich ein gern gesehener Gast ist. Anders als bei Leopold scheitert dieser Versuch der Aufklärung und Joseph ist bei der Heirat mit seiner Gattin Isabella von Parma (deren Darstellerin zu alt wirkt) heillos überfordert. Isabella verliebt sich in Erzherzogin Maria Christina, die sie auch zu sexuellen Handlungen verleitet bei welchen beide sogar in ziemlicher Öffentlichkeit von Kaiser und Kaiserin erwischt werden. In Folge ihrer Schwangerschaft wird Isabella schwermütig, läuft ins Spital um sich bewusst mit den Pocken anzustecken und daran zu sterben. Das ganze Verhältnis zu Joseph wird sehr frei beschrieben - aber dieser rüpelhafte Umgang mit der Ettikette am Hof oder dem Verhalten der Menschen miteinander war ja auch schon in den anderen Folgen ein Stilmittel.

Emperor Franz Stephan (for some reason still Vojtěch Kotek [1] ) is entrusted by Maria Theresia to introduce his son Joseph to the world of love - for which he takes him to a brothel, where the emperor is obviously a welcome guest. Unlike Leopold, this attempt at enlightenment fails and Joseph is hopelessly overwhelmed when he marries his wife Isabella von Parma (whose actress looks too old). Isabella falls in love with Archduchess Maria Christina, who also seduces her into sexual acts, in which both are caught by the Emperor and Empress in fairly public view. As a result of her pregnancy, Isabella becomes melancholy, runs to the hospital to deliberately contract smallpox and die from it. The whole relationship with Joseph is described very freely - but this boorish handling of etiquette at court or the behavior of people with one another was also a stylistic device in the other episodes.

Collage. Maria Antonias Schwiegervater Louis XV und ein Bericht zur Vermählung Joseph II. mit Maria Josepha von Bayern 1765. - Collage. Maria Antonia's father in law Louis XV and a report about the wedding of Joseph II. and Maria Josepha of Bavaria in 1765. (Foto: André Hanselmann)

 

In einer Nebenhandlung wird eine Intrige erzählt. Graf Kaunitz übernimmt hier die Rolle des Bösewichts [2]. Er soll irgendwie bewirkt haben, dass die österreichischen Banknoten an der französischen Börse gehandelt würden wodurch diese in Verruf geraten seien. Kaiser Franz Stephan macht in dem 5. Teil Kaunitz dafür verantwortlich und verfügt dessen Entfernung vom Hof samt seiner Mätresse, welche Maria Theresia nahe stehe. Wie diese ganze Geschichte mit den Banknoten vonstatten gegangen sein soll zu erklären, bleibt der Film schuldig. Dasselbe Motiv kennen wir auch aus den anderen Episoden, wenn historische Ereignisse vollkommen absurd verdreht wurden - vielleicht weil das Drehbuch die wahren politischen Entwicklungen nicht begriff? Als der Kaiser zur Vermählung von einer seiner Töchter mit Maria Theresia nach Innsbruck reist, trifft ihn der Schlag, als er beim Aussteigen Kaunitz wiedersieht, dessen Anwesenheit er untersagt hatte. Maria Theresia ist beim Tod des Kaisers anwesend (obwohl der vollkommen andere Hergang des Todes des Kaisers sehr genau dokumentiert ist und Maria Theresia eindeutig nicht anwesend war!).

An intrigue is told in a subplot. Count Kaunitz takes on the role of the villain [2]. He is said to have somehow caused the Austrian banknotes to be traded on the French stock exchange, which brought them into disrepute. Emperor Franz Stephan blames Kaunitz for this in the 5th part and orders his removal from court along with his mistress, who is close to Maria Theresa. The film fails to explain how this whole business with the banknotes is supposed to have happened. We also know the same motif from the other episodes, when historical events were twisted in a completely absurd manner - perhaps because the screenplay did not understand the real political developments? When the Emperor travels to Innsbruck for the marriage of one of his daughters to Maria Theresa, he is shocked when he sees Kaunitz again when he gets off the train, whose presence he had forbidden. Maria Theresa is present at the death of the Emperor (although the completely different course of events of the Emperor's death is well documented and Maria Theresa was clearly not present!).

Neben dem weiteren Verhältnis von Joseph II. zu seiner Mutter und zu seiner zweiten Gattin Maria Josepha von Bayern wird auch immer wieder kurz etwas zu den anderen Kindern des Kaiserpaares gezeigt. Der Hauptfokus liegt dabei auf Maria Antonia, die hier schon früh von der Kaiserin Marie Antoinette genannt wird [3]. Dabei folgt der Film dem Duktus der Reihe, welche den französischen Hof als vollkommen verblödet und degeneriert darstellt. Deswegen wird Maria Antonia sozusagen zur Dummheit und schlechten Manieren erzogen und der Fokus auf das Tanzen gelegt (wobei Musik und Tanz ja eh in der Ausbildung der Erzherzoginnen eine Rolle spielte - dass sie dezidiert Französisch lernen soll, ist besonders absurd, da ihr Vater ja eh Französisch als Muttersprache hatte ...). 

In addition to the further relationship between Joseph II, his mother and his second wife Maria Josepha of Bavaria, brief information about the other children of the imperial couple is also repeatedly shown. The main focus is on Maria Antonia, who was named here early on by the Empress Marie Antoinette [3]. The film follows the style of the series, which portrays the French court as completely stupid and degenerate. That's why Maria Antonia is brought up to be stupid and bad manners, so to speak, and the focus is on dancing (although music and dance played a role in the archduchess's training anyway - that she should learn French is particularly absurd, since her father anyway has French as mother tongue...).

Die Jahre nach Franz Stephans Tod werden noch eher im Galopp durchgegangen. Joseph II. ist anfänglich über das Testament seines Vaters verärgert und muss erst mit der Zeit begreifen, dass dieser viele von Josephs Ansichten geteilt und Reformen beabsichtigt hatte.

Joseph II. auf einem zeitgenössischen Stich. - Joseph II. on a contemporary engraving. (photo: André Hanselmann)

 

The years after Franz Stephan's death are more likely to be galloped through. Joseph II was initially angered by his father's will, and it took time to realize that he shared many of Joseph's views and intended reforms.

Wie auch in den anderen Folgen ist der Aufwand doch arg begrenzt. Man sieht einmal ein paar Bauernkaten, die schon in der ersten Folge auftauchten und das "Volk" wird durch in Lumpen daher gehende Menschen und Prostituierte repräsentiert. Gerade am Anfang der Folge wirkt es regelrecht lächerlich als eine Kutsche am "armen Volk" vorbei fährt, das unwirklich mit Marktbuden oder dergleichen in der Landschaft rumsteht. Der Haupthandlungsort, ein nicht näher deffeniertes Schloss und steht irgendwo in der Landschaft und wird durch plakative Wappenschilder, die über Türen aufgehangen werden als Kaiserschloss identifiziert. Nichts davon hat auch nur im Entferntesten mit der Hofburg oder Schloss Schönbrunn zu tun. Manche Szenen wie wenn eine Handvoll Leute auf der Straße rumstehen wirken regelrecht unfreiwillig komisch inszeniert. 

As in the other episodes, the effort is very limited. You see a few peasant cottages that appeared in the first episode and the "people" are represented by people and prostitutes walking around in rags. Especially at the beginning of the episode it seems downright ridiculous when a carriage drives past the "poor people" who are standing around unreal with market stalls or the like in the landscape. The main setting of the action, an unspecified castle, is somewhere in the landscape and is identified as the imperial castle by striking coats of arms that are hung over doors. None of this has anything to do with the Hofburg or Schönbrunn Palace. Some scenes, like when a handful of people are standing around on the street, seem staged in an involuntarily funny way.

Inhaltlich versucht der Film das Thema Politik außen vor zu lassen - ausgenommen vielleicht eine Familienpolitik. Die Haugwitzschen Reformen und die Umkehrung der Bündnisse und all das werden komplett ausgeklammert ebenso wie die Verfolgung der Protestanten durch Maria Theresia. Der Frieden von Hubertusburg (1763) wird umgedeutet, indem Franz Stephan in einer Szene Maria Theresia dazu gratuliert, dass sie sich behauptet habe. Damit wurde das Ergebnis des Österreichischen Erbfolgekrieges, also der Frieden von Aachen (1748) und der von Hubertusburg miteinander verwechselt. Aber solche Ungenauigkeiten oder Verschiebungen sind ja typisch für diese Produktion. Der Kaiser Franz Stephan wird immerhin nicht als ein Trottel präsentiert, sondern beim Anschauen des 5.Teils kann man sich fragen, ob seine Ideen nicht Österreich besser bekommen wären als ein Österreich Maria Theresias zumindest so wie es uns diese Filmreihe vorstellt. Franz Stephan lässt immer wieder durchblitzen, dass er der Allianzpolitik Maria Theresias nicht viel Nutzen beimisst (was richtig sein kann) und einen stärkeren Fokus auf die Wirtschaft für wichtiger hielte, da ein nach außen hin stark im Mächtekonzert verknüpftes Österreich dennoch schwach ist, wenn die finanziellen Mittel fehlen um Heer und Verwaltung zu bezahlen. 

In terms of content, the film tries to leave out the topic of politics - with the possible exception of family politics. The Haugwitzian reforms and the reversal of the covenants and all that is completely sidelined as is Maria Theresa's persecution of the Protestants. The Peace of Hubertusburg (1763) is reinterpreted in that Franz Stephan congratulates Maria Theresa in a scene that she has asserted herself. This confused the result of the War of Austrian Succession, i.e. the Peace of Aachen (1748) and that of Hubertusburg. But such inaccuracies or shifts are typical of this production. After all, the Emperor Franz Stephan is not presented as an idiot, but when watching the 5th part one can ask oneself whether his ideas would not have been better off Austria than an Austria of Maria Theresa, at least as presented to us in this film series. Franz Stephan keeps letting it slip through that he doesn't see much use in Maria Theresa's alliance policy (which can be right) and that he thinks it is more important to focus more on the economy, since an Austria that is outwardly strongly linked in the concert of powers is still weak if the financial resources are lacking to pay for the army and administration.

Inhaltlich wird vieles aus der Chronologie vermengt. So scheint es als ob 1770 bei Maria Antonias Abreise immernoch wegen Franz Stephan Schwarz getragen wurde (obwohl dessen Tod 5 Jahre zurück lag!!!).

Die Ausstattung bleibt wie gehabt. Der Kaiser trägt überwiegend die selben Klamotten. Er und Kaunitz haben oft nichtmal Knöpfe am Just-au-Corps (weggespart???). Die Damenkostüme auch aus dem engeren Kreis sind nicht besser. Immerhin sieht man keine Bärte [4]. 

Durch die Raffung der Handlung hat man teilweise eher den Eindruck keinen Spielfilm sondern Spielszenen einer Doku oder eines anderen Historytaiment-Formats vor sich zu haben. Ein bisschen mehr nackte Haut, sollte vielleicht über die inhaltlichen Schwächen und die langweilige Inszenierung hinwegtäuschen.

In terms of content, much of the chronology is mixed up. So it seems as if in 1770 at Maria Antonia's departure black was still being worn because of Franz Stephan (although his death was 5 years ago!!!).

The equipment remains as before. The emperor mostly wears the same clothes. He and Kaunitz often didn't even have buttons on the Just-au-Corps (saved away???). The women's costumes from the inner circle are no better. At least you don't see any beards [4].

Due to the tightening of the plot, one sometimes has the impression that one is not looking at a feature film but rather scenes from a documentary or another history animation format. A bit more bare skin should perhaps hide the weaknesses in content and the boring staging.

Text: André Hanselmann

Fotos: André Hanselmann


Notizen / Notes:

1) Warum man ihn durch die Maske altern ließ und das bei Maria Theresia scheinbar nicht tat, habe ich nie irgendwo erklärt gefunden. / I have never been able to find an explanation anywhere as to why he was allowed to age through the mask and apparently not in the case of Maria Theresa.

2) Andere Figuren wie Bartenstein, der in den 1760ern an der Ausbildung von Joseph II. gearbeitet hätte, wurden einfach als Rollen fallen gelassen. / Other characters such as Bartenstein, who would have worked on the education of Joseph II in the 1760s, were simply dropped as roles.

3) Die Darstellerin bekommt sogar schon das Kleid in einer Szenen in dem Marie Antoinette auf einem ihrer berühmtesten Porträts von Élisabeth Vigée-Lebrun 1778 gemalt wurde. / The actress even gets the dress in a scene in which Marie Antoinette was painted in one of her most famous portraits by Élisabeth Vigée-Lebrun in 1778. (Wien, Kunsthistorisches Museum)

4) Wie man sie aus "Thieves of the wood" kennt. / As you know them from "Thieves of the wood". https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2020/02/de-bande-van-jan-de-lichte-thieves-of.html

Samstag, 2. April 2022

Inventar einer Magd von 1747

 

Wir möchten einmal wieder in die Inventare schauen. Es passt ganz schön zu unserer Reihe über Dienstboten[1], dass wir ein Verzeichnis der Hinterlassenschaft der Dienstmagd Maria Elisabeth Wörnerin aus dem Jahr 1747.

Ausschnitt aus der Schützenscheibe des Haller Ratsadvokaten Bonhöfer, 1790 (Ausschnitt) (Hällisch Fränkisches Museum Schwäbisch Hall, Foto: Cecilia Hanselmann 2017) 


Maria Elisabeth wurde als Tochter des Schneiders und Haller Bürgers Georg Friedrich Wörner geboren. Da sie ledig und ohne Kinder verstarb, kam ihr Erbe der Enkelin ihrer ebenfalls bereits toten Schwester Margaretha Franke aus Gschlachtenbretzingen (in der Quelle: Schlechtenbretzingen). Insgesamt hat die Verstorbene Aktiva in Höhe von mehr als 167 Gulden hinterlassen.

Die Anzahl der verschiedenen weiblichen Kleider ist immerhin beeindruckend, wenn auch ihr Gesamtwert bescheiden bleibt. Das sind:

1 schw[arz] Tüchen Camisöhl 20 ß

1 Zeugenes [Zeuchenes] dito 15 ß

1 Cottonenes [Baumwolle] 24 ß

1 schwarzen Zeugnenen Rock 1 fl. 6 ß

1 alten dito 20 ß

1 braun Zeugenen Rock 1 fl. 10 ß

1 Wifflings Rock 22 ß 6 hl.

5 Schnür Corallen mit 1 silb[ernen] Schlößle 4 fl.

1 blauen leinen[e]r: Schurz 7 ß 6 hl.

1 braun seiden Tüchle 7 ß 6 hl.

1 weiße Hauben mit Spizen 2 ß

1 seidenzeug: Helle Hauben mit schwarzen Spizen 5 ß

1 roth Crepenen Hauben 4 ß

1 alte schwaz damastene 7 ß 6 hl.

1 d[it]o 7 ß 6 hl.

1 par Belz[ene] Schlüpferte 4 ß

1 blau Cott: Schurz 20 ß

1 schwarzen schetter Schurz 12 ß

1 Weiß Halstüchle 4 ß

1 Weiße Hauben mit Spizen 4 ß

1 d[it]o 4 ß

1 Weiß Halstuch 5 ß

1 par Manchetten 3 ß

2 par alte Ermele à 1 ß – 2 ß

1 stirnbindle 1 ß 6 hl.

1 alte Zughauben 1 ß

1 par Kleine Manchetten 1 ß

1 Steiner 4 ß

1 Weiß Halstüchle 2 ß

1 par Ermele 2 ß

1 alt schw[arz]en par Handschue 1 ß

1 schwarz Seiden Tüchle mit Weißen streifen 10 ß

1 flor Tüchle 4 ß [2]

Auffällig ist das Fehlen von Hemden und Strümpfen. Selbst Schuhe hat Maria Elisabeth Wörnerin nicht hinterlassen, wenn wir dem Inventar Glauben schenken.

 

fl – Gulden (60 Kreuzer)

ß – Schilling (12 Heller oder 2 Kreuzer)

x – Kreuzer (6 Heller)

hl – Heller

[3]

Wir möchten euch darauf hinweisen, dass es dieses Jahr erneut Veranstaltungen mit dem Cercle d'histoire vivante im Freilandmuseum Wackershofen geben wird. Bitte schaut dort in den Veranstaltungskalender um euch zu informieren: https://www.wackershofen.de/

We would like to point out that this year there will again be events with the Cercle d'histoire vivante in the Freilandmuseum Wackershofen. Please check the events calendar there for more informationhttps://www.wackershofen.de/

 

 

Text: André Hanselmann / Cecilia Hanselmann

Foto: Cecilia Hanselmann

 

1) https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2021/01/dienstboten-im-18-jh-servants-duringt.html

2) Inventar der Maria Elisabeth Wörnerin, 3. Juni 1747, Stadtarchiv Schwäbisch Hall Sig. 14-2543

3) Das Schwäbisch Haller Häuserlexikon des Stadtachivs Schwäbisch Hall

Freitag, 18. März 2022

Ein Spiel wird vorbereitet - Preparing for a game

Da ich in letzter Zeit sehr viel Recherche für unsere historischen Hintergründe unserer beiden Veranstaltungen in Wackershofen betrieben habe, will ich diesmal hier ein ganz anderes Thema ansprechen. Ich verwende ja öfter als Illustration zu unseren Artikeln über den Österreichischen Erbfolgekrieg Fotos von unseren Tabletop-Spielen. Vielleicht interessiert es ja den einen oder anderen wie ich so ein Spiel vorbereite.

Since I've been doing a lot of research for the historical background of our two events in Wackershofen lately, I want to address a completely different topic this time. I often use photos from our tabletop games as illustrations for our articles about the War of the Austrian Succession. Maybe one or the other is interested in how I prepare such a game.

Der erste Schritt ist natürlich ein Szenario zu kreieren. Ich lese viel in dem österreichischen Standardwerk über den Österreichischen Erbfolgekrieg. In dem Fall der nächsten großen Schlacht, die ich hier vorstellen möchte, die Schlacht bei Laeffeldt, handelt es sich um Band 9[1]. Bücher wie Reed Brownings Werk [2] über den Österreichischen Erbfolgekrieg geben eher einen groben Überblick über einen solchen Kampf. Auch im Internet bieten verschiedene Blogs oder Websides interessante Darstellungen und Einschätzungen zu der Schlacht[3]. Besonders stark weichen oftmals die Angaben der Anzahl der Kämpfer auseinander. Das kann natürlich auch daher kommen, dass bestimmte Autoren nur die aktiv in die Kämpfe verwickelten Truppen mit einrechnet und andere alle anwesenden Einheiten in die Schätzungen mit einbeziehen. Zuerst muss man natürlich überhaupt erst einmal auf eine Schlacht stoßen. Wenn ich mich mit Bekannten unterhalten, auch Leuten, die sich eigentlich für die Kriegsführung des 18. Jahrhunderts interessieren, da kennt kaum jemand den Österreichischen Erbfolgekrieg. Die Schlachten Friedrich II. sind da vielleicht eine Ausnahme. Doch wer kennt schon die Schlachten bei Piacenza oder Simbach? Größere Gefechte, welche aus einem anderen Konflikt wie beispielsweise dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, den Begriff Schlacht bekommen hätten wie das Gefecht bei Grimbergen sagen erstrecht niemanden und tauchen in allgemeineren oder politischen Abhandlungen über den Krieg garnicht auf.

The first step is of course to create a scenario. I read a lot in the standard Austrian work on the War of the Austrian Succession. In the case of the next major battle that I would like to present here, the Battle of Laeffeldt, it is Volume 9[1]. Books like Reed Browning's work [2] on the War of the Austrian Succession give a rough overview of such a fight. Various blogs and websites also offer interesting descriptions and assessments of the battle on the Internet[3]. The information on the number of fighters often differs particularly greatly. Of course, this can also be due to the fact that certain authors only count the troops actively involved in the fighting and others include all units present in the estimates. First, of course, you have to encounter a battle in the first place. When I talk to acquaintances, including people who are actually interested in warfare in the 18th century, hardly anyone knows about the War of the Austrian Succession. The battles of Frederick II are perhaps an exception. But who knows the battles at Piacenza or Simbach? Larger skirmishes, which would have received the term battle from another conflict such as the American Revolutionary War, such as the encounter of Grimbergen, certainly do not tell anyone and do not appear in more general or political treatises on the war.

Idealerweise findet man belastbares Zahlenmaterial. Im Falle der Schlacht bei Laeffeldt ist da das Buch von le Beau und von Hödl ziemlich ergiebig. Ohne leichte Truppen geben die beiden beispielsweise für die Pragmatische Armee 88 Bataillone und 132 Eskadrone an. Für das Regelwerk Honours of War [4] muss ich dann die Einheiten in regeltypische Einheitenformate umrechnen. In HoW gibt es beispielsweise keine Eskadrone. Sondern eigentlich sind Kavallerieregimenter die taktische Einheit. Ein Kavallerieregiment von nur 2 Eskadrons, die dann meinetwegen sogar eher schwache Eskadrone sind, kann man aber als Kleine Einheiten definieren. 

Ideally, you will find reliable figures. In the case of the Battle of Laeffeldt, the book by le Beau and by Hödl is quite productive. Excluding light troops, for example, the two give 88 battalions and 132 squadrons for the Pragmatic Army. For the set of rules Honors of War [4] I then have to convert the units into rule-typical unit formats. For example, there are no squadrons in HoW. Actually, cavalry regiments are the tactical unit. A cavalry regiment of only 2 squadrons, which I think are actually rather weak squadrons, can be defined as small units.

Wenn ich den Ablauf einer Schlacht möglichst präzise kenne, dann geht es daran welche Phase der Schlacht ich gerne in meinem Spiel/Simulation behandeln möchte. Bei der Schlacht bei Mingolsheim (1622) ist mir beispielsweise aufgefallen, dass ich für die Gesamtschlacht noch garnicht genug Modelle habe, so dass ich mich entschlossen habe nur einen Ausschnitt zu behandeln[5]. Einige Schlachten sind so lang, dass wir ewig spielen würden bis es für uns interessant wird. Im Fall meines Szenarios der Schlacht bei Rocoux [6] habe ich beispielsweise den langen Anmarschweg weggelassen und einen idealen Zeitpunkt [7] ausgewählt.

If I know the course of a battle as precisely as possible, then it depends on which phase of the battle I would like to deal with in my game/simulation. During the Battle of Mingolsheim (1622), for example, I noticed that I didn't have enough models for the entire battle, so I decided to reflect a short part of the battle[5]. Some battles are so long that we would play forever until they got interesting for us. For example, in the case of my Battle of Rocoux [6] scenario, I left out the long approach route and chose an ideal timing [7].

Hier das Beispiel Rocoux. Der rote Rahmen zeigt den Ausschnitt für meine Tischskizze. Die Vorlage ist meines Erachtens topographisch recht präzise. - Here is the example of Rocoux. The red frame shows the section for my table sketch. In my opinion, the template is topographically quite precise. (Karte: copyright André Hanselmann)

Ein weiterer Fixpunkt für mich persönlich ist mein Spieltisch. Dank meiner lieben Co-Autorin hier im Blog habe ich eine Spielfläche von etwa 1,80 x 2,40 m zur Verfügung. Ich suche natürlich nach verwertbarem Kartenmaterial. Mit viel Glück bekommt man sehr präzise Karten. Christian Rogge hat mir dankbarerweise Karten für die Schlacht bei Laeffeldt zur Verfügung gestellt. Er hat selbst meines Erachtens exzellent sein eigenes Spiel zu der Schlacht dargelegt auf seinem Blog [8]. In anderen Fällen arbeite ich mit zeitgenössischen Kartenmaterial, das ich eventuell mit Luftbildern abgleiche, da sich auf altem Kartenmaterial manchmal die Ersteller der Karten mit der Topographie vertan haben. Bisweilen muss ich aus dem Text plausible Positionen der Truppen herauslesen. Im Fall von Grimbergen war ich beispielsweise sehr frei mit der Positionierung der Truppen, da die Quellenlage einfach sehr dünn war [9]. Man kann dann, wenn man sein Kartenmaterial dieses in ein einfaches Zeichenprogramm einfügen und entsprechend hoch- oder herunterskalieren, dass es auf den Tisch passt. Ich arbeite dabei sehr gern im Maßstab 1:10. Somit hat mein Rahmen auf der Zeichnung Kantenlängen von 18 und 24 Zentimeter, was sehr gut auf ein Papier in DIN A4 Format passt. Ich zeichne dann einfach entsprechend über den Scan, den ich im Hintergrund lasse und setze beispielsweise Quadrate stellvertretend für sogenannte BUAs [10] auf die Position der Ortschaften. Am Ende dieses Prozesses lösche ich dann einfach den Hintergrund heraus und habe eine für mich ausreichende Planskizze.

Another fixed point for me personally is my gaming table. Thanks to my dear co-author here in the blog, I have a playing area of ​​about 1.80 x 2.40 m. Of course I'm looking for usable maps. With a lot of luck you get very precise maps. Thankfully, Christian Rogge provided me with maps for the Battle of Laeffeldt. In my opinion, he himself presented his own play on the battle excellently on his blog [8]. In other cases, I work with contemporary maps, which I may compare with aerial photos, since the creators of the maps sometimes got the topography wrong on old maps. Sometimes I have to read plausible positions of the troops from the text. In the case of Grimbergen, for example, I was very free with the positioning of the troops because the sources were very scarce [9]. If you insert your map material into a simple drawing program, you can scale it up or down accordingly so that it fits on the table. I like to work on a scale of 1:10. So my frame on the drawing has edge lengths of 18 and 24 centimeters, which fits very well on paper in DIN A4 format. I then simply draw over the scan, which I leave in the background, and set squares, for example, to represent so-called BUAs [10] at the position of the towns. At the end of this process, I simply erase the background and have a sketch plan that is sufficient for me.

Ein paar Kärtchen mit Kommandeuren werden für Laeffeldt ausgeschnitten. - Some tiny cards with commanders are to be cut out for Laeffeldt. (Foto: André Hanselmann)

Dienstag, 8. März 2022

Sendehinweis zu Söldnern und Bauern im Dreißigjährigen Krieg

 Liebe Leser dieses Blogs,

 wir möchten euch auf einen Livestream auf dem Kanal von Keines Weibes Knecht auf Youtube am Donnerstag, dem 10. März hinweisen. Ich werde mit Daniel vom Regiment Johann Wolf[1] und Eike von KeinesWeibesknecht [2] über Themen wie Rekrutierung, Plünderung und Durchmärsche und das sowohl aus der Perspektive der Landleute wie auch der der Söldner sprechen.

Der Titel wird "Soldaten, Not und Elend im 30-jährigen Krieg" sein. Hier der Link zu der Episode 89 von Talk aus der Wachstube: https://www.youtube.com/watch?v=7oPMCxAs_xs Der Livestream beginnt um etwa 20 Uhr. Aber man kann die Folge auch später anschauen. 

Am Donnerstag, dem 17. März, gibt es Teil 2: https://www.youtube.com/watch?v=QvL87CS9b-Q Ich freue mich schon auf Fragen. Diesmal wird der Schwerpunkt auf dem Thema Plünderung und eher dem Alltag zwischen Söldnern und Zivilisten liegen.

Text: André Hanselmann

Foto: Elmar Hahn - Hohenloher Freilandmuseum Wackershofen



Als Dorfhauptmann an der Arbeit auf dem Ziehbock. (Foto Elmar Hahn, 2019)

Anmerkungen: 

1) Kurbairisches Dragonerregiment Johann Wolf e.V. https://regimentjohannwolf.de/

2) Keines Weibes Knecht - IG Geschichte in Norddeutschland: https://keinesweibesknecht.de/



Mittwoch, 2. März 2022

Der Amtmann bei Wilhelm Meister - eine arme Figur? - The "Amtmann" in Wilhelm Meister - a poor figure? (Goethe)

Nachdem wir am Beispiel einer Erzählung von Karl May [1] einen doch eher fragwürdigen Charakter als Vertreter des Berufsstandes der Amtmänner erlebt haben, tritt uns in Johann Wolfgang von Goethes (1749-1832) "Wilhelm Meisters Lehrjahre" ein ganz anderer Amtmann gegenüber. Vorab sind zwei weitere wesentliche Aspekte zu nennen, welche beide Werke insbesondere im Hinblick auf die Glaubwürdigkeit des Bildes von einem Amtmann unterscheiden. 

After we have experienced a rather questionable character as a representative of the bailiff's profession using the example of a story by Karl May [1], we are faced with a completely different bailiff in Johann Wolfgang von Goethe's (1749-1832) "Wilhelm Meister's Apprenticeship". First of all, two other essential aspects should be mentioned, which distinguish both works, especially with regard to the credibility of the picture of a "Amtmann" (bailiff).

Erstens ist Goethes Roman natürlich dem für uns interessanten historischen Zeitabschnitt, der Mitte beziehungsweise dem dritten Viertel des 18. Jahrhunderts deutlich näher [2]. Goethe schreibt in einem Brief an Karl Ludwig von Knebel bereits im Januar 1791 darüber, dass er an seinem "Wilhelm Meister" wiederum arbeite. 1795/96 ist der Roman schließlich erschienen.

First of all, Goethe's novel is of course much closer to the historical period of interest to us, the middle or third quarter of the 18th century [2]. In a letter to Karl Ludwig von Knebel in January 1791, Goethe wrote that he was working on his "Wilhelm Meister" again. The novel was finally published in 1795/96.

Zweitens hatte Goethe als enger Berater und Minister einen tiefen Einblick in das Innere des Staates von einem der größeren ernestinischen Herzogtümer. Seit 1776 hatte er den Posten eines Legationsrates inne. Durch seine Aufgaben im Wegebau, beim Bergbau und bei der Rekrutierung begegnete er nicht nur auch die einfachen Untertanen seines Herzogs Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach (1757-1828), sondern hatte auch direkt mit den entsprechenden Amtsträgern auf dem Lande wie Amtmännern zu tun. Von daher wird er gewusst haben, was er schrieb, als er die Rolle seines Amtmannes in "Wilhelm Meisters Lehrjahre" entwarf. Außerdem war er als Jurist schon von der Ausbildung (Studium 1765-1771) her mit den Funktionen von Amtmännern gewiss vertraut. Auf seinen Reisen in den frühen Weimarer Jahren, die er auch dazu nutzte beispielsweise den Bergbau im Harz [3] kennen zu lernen oder auf denen er Beziehungen in andere thüringische Staaten [4] knüpfte, dürfte er auch intensiv die Verwaltung in diesen Gegenden kennengelernt haben. 

Second, as a close advisor and minister, Goethe had a deep insight into the interior of the state of one of the larger Ernestine duchies. From 1776 he held the post of legation councilor. Through his duties in road construction, mining and recruiting, he not only met the simple subjects of his Duke Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach (1757-1828), but also had to deal directly with the relevant officials in the country as bailiffs to do. Hence he must have known what he was writing when he was designing the role of his bailiff in "Wilhelm Meister's Apprenticeship". In addition, as a lawyer, he was certainly familiar with the functions of bailiffs from his training (studies 1765-1771). On his travels in the early Weimar years, which he also used, for example, to get to know mining in the Harz Mountains [3] or on which he established relationships with other Thuringian states [4], he should have also got to know the administration in these areas intensively .

Ich selbst in der (unvollständigen) Kleidung als Ratsherr in Schwäbisch Hall. Daneben eine Ratsbank aus dem 18.Jahrhundert. Das Bild wurde in einem der Räume des Hällisch-Fränkischen Museums aufgenommen. Die Amtmänner waren oftmals in Hall gleichzeitig Ratsherren und wohnten auch den Ratssitzungen bei, was aus den Ratsprotokollen im Stadtarchiv hervorgeht. - I myself in the (not complete) clothing as a councilor of Schwäbisch Hall. Besides you can see a bench of the magistrate of Hall of the 18th century. The photo was made in the rooms of the "Hällisch-Fränkische-Museum. The bailiffs often were at the same time councilors and shared in the council meetings, which is documented in the reports of the council in the town's archive. (photo: Cecilia Hanselmann)

Wie begegnet uns nun der Amtmann? Goethes Hauptfigur der besagte Wilhelm Meister interessierte sich für ein Mädchen, das mit einem Schauspieler durchgebrannt war. Die Eltern des Mädchens hatten die Behörden eingeschaltet [5] und die von einem Aktuarius angeführte Landmiliz überführte die Gefangenen sodann nachdem man sie von einem Stadtschreiber und dessen Eskorte übernommen hatte. Der Täter, also der Schauspieler musste in Ketten neben dem Fuhrwerk hergehen, auf welchem die Ent- oder Verführte saß[6]. Die für die folgende Szene bedeutsame Figur des Amtmannes residierte in einem Amtshaus [7]. Besonders schön finde ich hier die Passage "Der Amtmann, der von solchen außerordentlichen Fällen kein sonderlicher Liebhaber war, weil er meistentheils dabey einen und den andern Fehler machte, und für den besten Willen gewöhnlich von fürſtlicher Regierung mit einem derben Verweise belohnt wurde", aus der meines Erachtens ganz Goethes eigene Anschauung spricht.  Der Amtmann geriet nun in ziemliche Verlegenheit, weil die Entflohene nicht einmal ihren Namen angeben wollte, da diesen der Amtmann ja ausreichend kenne und der Amtmann sowieso wisse, dass sie so alt wie sein eigener Sohn sei. Der Amtmann machte in der Befragung des Mädchens keine Fortschritte indem sie einfach auf ihrer Aussage und der Hoffnung auf die Großmut des Fürsten beharrte. Wilhelm Meister bat nun den Amtmann es auf sich bewenden zu lassen. Daraufhin wurde das Mädchen abgeführt und auch der Schauspieler durch den Amtmann befragt, der dann allerdings anders als die Verführte alles abstritt. Schließlich erlaubte der Amtmann später Wilhelm Meister allein mit Melina, der Entflohenen, zu reden um etwa eine Lösung mit ihren Elten zu bewirken [8]. 

Mittwoch, 16. Februar 2022

Umfrage und Aussichten - Look into the future and voting

Wir haben ja in den letzten Jahren etwas motiviert durch unsere Veranstaltung "Anno Domini 1743 - Freud und Leid" [1] uns ein bisschen neben dem Präsentieren der Rechercheergebnisse für unsere Veranstaltungen auch auf den Österreichen Erbfolgekrieg fokussiert. Unsere Beiträge zur Schlacht bei Simbach [2] und zum Gefecht bei Grimbergen [3] gehören zu den meistgelesenen Artikeln unseres Blogs. Das freut uns nicht nur durch die Arbeit, die wir da hinein gesteckt haben, sondern weil nach wievor der Konflikt in der Öffentlichkeit wenig bis keine Beachtung findet oder nicht selten vollkommen verzerrt dargestellt wird [4]. Mit der Schlacht bei Lauffeldt fand dann 1747 die letzte große offene Feldschlacht des Krieges in Flandern statt und diese werden wir auch wieder auf unserem Blog vorstellen. 

In recent years we have been somewhat motivated by our event "Anno Domini 1743 - Freud und Leid" [1], in addition to presenting the research results for our events, we have also focused a little on the War of the Austrian Succession. Our posts on the Battle of Simbach [2] and the Battle of Grimbergen [3] are among the most read articles on our blog. We are not only pleased about the work that we have put into it, but also because the conflict still receives little or no public attention or is often presented in a completely distorted manner [4]. With the Battle of Lauffeldt in 1747, the last major open battle of the war in Flanders took place and we will present this again on our blog.

Ein Bild der Schlacht von Camposanto auf unserem Tisch, 1743 - A picture of the battle of Campo Santo in 1743 on our table. (photo: Cecilia Hanselmann)

 

Da wir nicht unbegrenzt Zeit für Recherchen in dem Thema haben und andere Formate wie etwa unsere wohl auch noch fortgesetzten Gespräche auf Youtube ein bisschen Arbeit erfordern [5], würde ich gerne etwas anpeilen, ob wir uns in den nächsten Jahren einem anderen Thema zuwenden wollen. Es gäbe ja die Option im 280-Jahre Abstand nochmals den Österreichischen Erbfolgekrieg zu beleuchten. Im Falle der Belagerung von Freiburg, 1744, haben wir vor einer Weile noch eine weitere Schanze angeschaut, die gegenüber der Franzosenschanze [6] an den Hängen des Rosskopfes liegt. 

Andererseits jährt sich im nächsten Jahr auch zum 290. Mal der Ausbruch des Polnischen Thronfolgekrieges. Dieser Krieg wird auch gern ignoriert, etwa mit so steilen Thesen wie der, dass Friedrich Wilhelm I. in Preußen keine Kriege geführt habe [7]. Wenn auch leider nicht mit ebenso gutem Kartenmaterial ausgestattet, liegt uns doch eine recht brauchbare ältere Publikation zu dem Thema vor, welche auch den Feldzug in Italien vollständig behandelt [8]. Zum einen habe ich mich mit dem Krieg schon beschäftigt indem ich ein paar Szenarien kreiert habe. Zum anderen ist er auch von daher naheliegend, da 1734/35 das Gebiet von Schwäbisch Hall Durchmarschgebiet der kaiserlichen Truppen wurde. Besonders das Lager von Heilbronn ist nicht nur durch Gudenus [9] recht gut dokumentiert. Mit der Festung Kehl liegt sogar ein Schlachtfeld des Krieges ziemlich direkt vor unserer Haustür. 

Eine der größten Schlachten des 18.Jh. in Norditalien: die Schlacht bei Guastalla 1734. - One of the largest battles of the 18th century in Northern Italy: the battle of Guastalla in 1734. (Foto: Cecilia Hanselmann, 2020)

Ein Blick auf die heran marschierenden Österreicher in der Schlacht bei Guastalla. Ein spannender Angriff auf den linken verbündeten Flügel steht bevor. - A view on the approaching Austrians in the battle of Guastalla. A very exciting attack on the left allied wing is coming. (Foto: Cecilia Hanselmann, 2020)


Since we do not have unlimited time for research on the subject and other formats such as our ongoing discussions on YouTube require a bit of work [5], I would like to consider whether we want to turn our attention to a different topic in the next few years . There would be the option to shed light on the War of the Austrian Succession again 280 years later. In the case of the siege of Freiburg in 1744, we looked at another redoubt a while ago, which is opposite the Franzosenschanze [6] on the slopes of the Rosskopf.

On the other hand, next year will also mark the 290th anniversary of the outbreak of the War of the Polish Succession. This war is also gladly ignored, for example with such bold theses as that Friedrich Wilhelm I did not wage any wars in Prussia [7]. Although unfortunately not equipped with maps that are as good, we have a very useful older publication on the subject, which also covers the campaign in Italy in full [8]. For one thing, I've already dealt with the war by creating a few scenarios. On the other hand, it is also obvious because in 1734/35 the area of ​​Schwäbisch Hall became a transit area for imperial troops. The Heilbronn camp in particular is not only well documented by Gudenus [9]. With the Kehl fortress, there is even a battlefield of the war right on our doorstep.

Ein Bild meines Szenarios der Schlacht bei Quistello, 1734. - A picture of my scenario of the battle of Quistello in 1734. (photo: Cecilia Hanselmann)

 

Ich freue mich auf eure Meinung, egal ob hier in den Kommentaren oder auf anderem Wege. Soll ich mich ab nächstem Jahr hier lieber mit dem Polnischen Thronfolgekrieg oder wieder mit dem Österreichischen Erbfolgekrieg beschäftigen? Was interessiert euch eher?

I look forward to your opinion, whether here in the comments or in other ways. Should I focus on the War of the Polish Succession or the War of the Austrian Succession next year? What are you more interested in?

Text: André Hanselmann

Fotos: Cecilia & André Hanselmann

Avertissement:

Wir möchten euch darauf hinweisen, dass es schön wäre, wenn unsere lieben Leser das Freilandmuseum Wackershofen unterstützen würden, welches durch die Corona-Lage zahlreiche Veranstaltungen absagen oder gar das Museum geschlossen lassen musste/muss. Hier ein Link zur Homepage des Museums: https://www.wackershofen.de/

We want to inform our dear readers, that we would be happy if you would support the open-air-museum Wackershofen which had/has a lot of problems due to the current Corona-crisis because the museum had/has to close and cancel many events. Here is a link to the museumhttps://www.wackershofen.de/


Verweise / Notes:

1) https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2018/08/anno-domini-1743-freud-und-leid-teil-1.html 

2) https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2017/09/ein-besuch-des-schlachtfelds-von.html

3) https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2020/08/the-combat-at-grimbergen-on-august-23rd.html 

4) https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2020/02/maria-theresia-2019-rezeption-review.html 

5) https://www.youtube.com/watch?v=nxOVtiC-U0o&t=6240s 

6) https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2020/12/die-franzosenschanze-in-freiburg-french.html

7) Er wird aber auch in der oben bereits angedeuteten "Maria Theresia"-Verfilmung als Hintergrund der Vermählung von Maria Theresia und Franz Stephan von Lothringen unterschlagen.

8) (Hrsg.) Kriegsgeschichtliche Abteilung des k.u.k. Kriegsarchivs: "Feldzüge des Prinzen Eugen von Savoyen" hier: Raimund Gerba: "Polnischer Thronfolgekrieg - Feldzug 1733 und 1734" XIX. Band, Verlag des k.u.k. Generalstabes, Wien, 1891

9) Dr. Hans Bleckwenn: "Reiter, Husaren und Grenadiere - Die Uniformen der Kaiserlichen Armee am Rhein 1734 ..." Harenberg Kommunikation, Dortmund, 1979