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Samstag, 1. Oktober 2022

Die Würzburger auf der Steige - the Würzburg soldiers at the inn p. 3

Der Sonntag stand bei uns ganz im Zeichen der Sonntagsdarstellung. Da wir auch diesmal keinen Pfarrer als Darsteller dabei hatten, haben wir uns auf eine Andacht ohne Predigt beschränkt. Immerhin finden sich zumindest in Schwäbisch Hall durch die Pietisten Versammlungen ohne offiziellen Anstrich der Kirche, welche aber auch von Seiten der eher orthodoxen Lutheraner im Magistrat bisweilen kritisch angesehen wurden [1]. 

 

Bei der Andacht. Lesung aus der Bibel. - At the devotional, I was reading the bible. (Foto: Michael Leyendecker)

For us, Sunday was all about the Sunday presentation. Since we didn't have a pastor as an actor this time again, we limited ourselves to a devotional without a sermon. Nevertheless, at least in Schwäbisch Hall, the Pietists found meetings without the official smear of the church, which, however, were sometimes viewed critically by the more orthodox Lutherans in the magistrate [1].

 

Wir versammelten uns vor dem Steigengasthaus und sangen einige Lieder wie "Nun danket alle Gott", "Lobet den Herren" und "Wach auf wach auf, Du deutsches Land!". Die Loblieder passten zu dem Regen nach der langen Dürre, auch wenn dieses Thema zum Juni 1749 so eigentlich nicht gepasst hätten wie es 28. August 2022 stimmig war.  

 

We gathered in front of the Steigengasthaus and sang a few songs like "Nun danket alle Gott", "Lobet den Herren" and "Wach auf, wach auf, du deutsches Land!". The songs of praise went well with the rain after the long drought, even if this topic would not have suited June 1749 as it did on August 28, 2022.

 

Ausgelassener Tanz vor dem Wirtshaus. - Exuberant dance in front of the inn. (Foto: Michael Leyendecker)

Anschließend verbrachten wir den Sonntag mit zahlreichen kleineren und größeren Aktionen. So saß ich manchmal auch einfach nur mit meinem Knecht Johann vor dem Wirtshaus und sang mit ihm zeitgenössische Lieder [2]. Wir haben soviel getanzt wie noch nie auf unseren Sonntagsdarstellungen. Dabei hatten wir auch sehr einfache Tänze dabei, welche auch die Möglichkeit für weniger erfahrene Tänzer boten mitzumachen. Daneben wurde mit Holzstöcken und Holzdegen "gekämpft"; in der Wirtsstube wurde Karten gespielt. Die Kinder hatten auch die Chance auf Stelzen zu laufen und haben Reifen mit einem Stöckchen über den Hof vor dem Gasthaus getrieben. 

 

Der Kampf mit den Holzdegen zwischen Wirt und Schultheiß. - The "fight" of the inn keeper and the "Schultheiß" using wooden small swords. (Foto: Michael Leyendecker)
 

We then spent the Sunday with numerous smaller and larger activities. So sometimes I just sat with my servant Johann in front of the inn and sang contemporary songs with him [2]. We danced as much as never before on our Sunday performances. We also had very simple dances with us, which also offered the opportunity for less experienced dancers to take part. In addition, they "fought" with wooden sticks and wooden swords; cards were played in the inn. The children also had the chance to walk on stilts and used a stick to drive tires across the yard in front of the inn.

Dienstag, 20. September 2022

Die Würzburger auf der Steige - the soldiers of Würzburg at the inn p. 2

Der Samstag stand ganz im Zeichen des Straßenbaus [1], der 1749 nachweislich unweit der Steige stattfand. Zwar konnten wir nich die "Straße" bei der Steige wie es die Baurechnung der Reichsstadt ausweist pflastern, aber wir konnten den Graben ein bisschen ausbessern. Dadurch wurde wieder der kleine Grenzstein aus dem 16.Jh. sichtbar, den wir bereits im Vorjahr wieder freigelegt hatten. Einen Geleitstein hatte es 1749 bereits oberhalb der historischen Roten Steige gegeben [2]. Als besonders beschwerlich gestaltete es sich nach den Regenfällen, die kurz zuvor niedergegangen waren, Material für die Deckschicht der Straße herbei zu schaffen. Der Regen hatte die "Straße" im Hohlweg zwischen dem Steigengasthaus und unseren Häusern [3] weiter ausgespült, so dass ein klassischen "Geleise" sichtbar wurde wie es in der Instruktion für Straßenbau des Schwäbischen Kreises von 1739 erwähnt wird [4]. Immerhin gelang es meinen Knechten und mir einen großen Teil des Bewuchses zurück zu schneiden und den Riegel auszubessern. Die Straßenreperatur hingegen blieb eher hinter meinen Erwartungen zurück. Dabei empfehlt die Fachliteratur für den Straßenbau tatsächlich feuchtes Wetter. Leider konnte der Wirt von der Roten Steige keine Männer zur Arbeit an der Steige absenden. Ob ihm das wohl vom Amtmann einmal übel genommen wird? 

Arbeiter auf der Baustelle. Man erkennt ein bisschen den Zustand der Straße. - Workers at the building side. The constitution of the road is a bit visible here. (photo: Franziska Stanger)

 

Saturday was all about road construction [1], which is proven to have taken place not far from the Steige in 1749. Although we weren't able to pave the "street" by the climb as the building bill of the imperial city shows, we were able to repair the ditch a bit. As a result, the small boundary stone from the 16th century was restored. visible, which we had uncovered again last year. In 1749 there was already a guide stone above the historic Rote Steige [2]. After the rains that had fallen shortly before, it was particularly difficult to get material for the surface layer of the road. The rain had further washed out the "road" in the ravine between the Steigengasthaus and our houses [3], so that a classic "track" became visible as it is mentioned in the instructions for road construction of the Swabian District from 1739 [4]. At least my servants and I managed to cut back a large part of the growth and repair the bolt. The road repair, on the other hand, fell short of my expectations. The specialist literature for road construction actually recommends damp weather. Unfortunately, the landlord of the Red steep track inn could not send any men to work on the steep road. Will the magistrate take offense at him?

Man erkennt hier gut den Riegel mit dem Schlagbaum. - You can see the barricade with the turnpike here very well. (photo: Stefan Winter)

 

 

Während wir an der Straße arbeiteten haben meine Mägde und meine Frau Wäsche gewaschen, was trotz des nassen Wetters erstaunlich gut funktionierte. Vielleicht haben sie auch in den Jahren genug Erfahrungen gesammelt um auch bei widrigeren Bedingungen zu arbeiten.  

While we were working on the road, my maids and wife did laundry, which worked surprisingly well despite the wet weather. Perhaps they have gained enough experience over the years to work under more adverse conditions.

 

An diesem Tag war auch der Wachtmeister aus Hall [5] überraschenderweise im Dorf. Wir berichteten ihm von dem Überfall am Vortag und er versprach es weiter zu sagen, wenn er in die Reichsstadt zurück gekehrt sei. Auch der Schultheiß Kaiser fasste einen Bericht an den Amtmann Sanwald ab, der vom Grabenreiter in die Stadt gebracht werden konnte [6]. 

Der Wachtmeister aus Hall in seiner roten Uniform neben dem Gastwirt von der Roten Steige hinten an der Wand. - The sergeant from Hall with his red uniform next to the innkeeper of the "Rote Steige" at the wall. (photo: Stefan Winter)

 

Surprisingly, the sergeant from Hall [5] was also in the village that day. We told him about the robbery the day before and he promised to say more when he returned to the imperial city. The Schultheiss Kaiser also wrote a report to the bailiff Sanwald, which was brought to the city by the Grabenreiter [6].

 

Der Schultheiß von Michelfeld und der Schulmeister überlegen wohl, was sie dem Amtmann schreiben wollen? - What are the "Schultheiß" of Michelfeld and the teacher are thinking about? Maybe it's what they will write to the "Amtmann" (bailiff)? (photo: Stefan Winter)

Am Abend wurde wieder tüchtig im Wirtshaus getanzt, auch um sich auf den Sonntag vorzubereiten. Natürlich sind zwar Tänze an Sonntagen streng verboten gewesen und die Regularien zu Tänzen waren ohnehin sehr scharf in der Gegend, aber es passte einfach so gut - zumal das Wetter versprach ideal dafür zu werden [7].  

Nach dem Tanzen sitzt man im Wirtshaus. Im Vordergrund sieht man ein Scheitholt. - After dancing they are sitting in the inn. In the foreground a "Scheitholt" is visible. (photo: Stefan Winter)

 

In the evening there was a lot of dancing in the tavern again, also to prepare for Sunday. Of course, dancing on Sundays was strictly forbidden and the regulations on dancing were very strict in the area anyway, but it just fitted so well - especially since the weather promised to be ideal for it [7].

 

 

Text: André Hanselmann

Fotos: Stefan Winter, Franziska Stanger


Notizen / Notes:

1) zum Straßenbau siehe auch - about the road building: https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2020/03/straenbau-im-18-jahrhundert-road.html

2) zu Geleitsteinen siehe: Hans Mattern, Reinhard Wolf: "Die Haller Landheg - Ihr Verlauf und ihre Reste" Thorbecke, Sigmaringen, 1990, S. 71-72

3) In der Baugruppe Weinland. - In the group of buildings called "Weinland".

4) In Auszügen in: Johann Georg Krünitz: „Oekonmische Encyklopädie, oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- u. Landwirthschaft in alphabetischer Ordnung“ Band 62 - Band 63, Pauli, Berlin, 1794

5) Eine besonders bedeutende Rolle hatte der Wachtmeister auf unserer Viehmarktveranstaltung gespielt. - The sergeant (Wachtmeister) played an important role on our event about the cattle market. Siehe: https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2016/12/viehmarkt-1756-19-21august-2016.html

6) Denn dies fällt in die Aufgaben der Grabenreiter. - That's one of the duties of a "Grabenreiter" (trench rider). Siehe dazu: Hildegard Nordhoff-Behne: "Gerichtsbarkeit und Strafrechtspflege in der Reichsstadt Schwäbisch Hall seit dem 15. Jahrhundert", Epinger-Verlag, Schwäbisch Hall, 1968, S. 89-90 

7) dazu ausführlich: https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2020/01/wie-wichtig-ist-das-tanzen-how_2.html 

Donnerstag, 8. September 2022

Die Würzburger auf der Steige - The Würzburg soldiers on the "Steige" 1749 p. 1


Als eine kleine Besonderheit als eine unserer Veranstaltungen des Cerle d'Histoire Vivante im Hohenloher Freilandmuseum Wackershofen wiederholten wir diesmal quasi ein Thema beziehungsweise ließen eine Veranstaltung nochmals im selben Jahr spielen wie 2014 [1]. Diesmal konzentrierten wir uns allerdings auf die Ereignisse vom 16. Juni und dabei insbesondere das, was an diesem Tag um 8 Uhr auf der Steige geschehen ist. Um den Besuchern etwas mehr zu bieten, haben wir die Ereignisse von der Tageszeit her etwas nach hinten verlegt. 

Die beiden Würzburger. Für eine Weste hat es meinerseits leider nicht gereicht. - Two Würzburgers. Unfortunately I had no time to make a military waistcoat. (photo: Stefan Winter)

 

As a small special feature as one of our events of the Cerle d'Histoire Vivante in the Hohenlohe Freilandmuseum Wackershofen, we repeated a topic this time or let an event take place again in the same year as in 2014 [1]. This time, however, we are concentrating on the events of June 16, and in particular what happened on the "Rote Steige" at 8 a.m. that day. In order to offer the visitors a little more, we have moved the events back a bit from the time of day.

Die Würzburger sind im Gelände unterwegs - hier am Sommerkeller auf der Suche nach Bier? - The soldiers from Würzburg are moving through the area - here at the summer cellar maybe looking for beer? (photo: Stefan Winter)

 

Am Freitagmorgen versammelte sich eine kleine Truppe um unseren Hauptmann Gröll von Grimmenstein in der Baugruppe Weinland. Hier war also für unser Spiel das comburgische Territorium an diesem Tag. Leider haben ja nur zwei von uns Uniformröcke des Regiments Bamberg wie er uns von Gudenus überliefert ist [2]. Die Aufschlagfarbe Blau entspricht einer Augenzeugenaussage wie sie aus den Prozessakten hervorgeht [3]. Die Borten der Hüte waren uns unbekannt, weshalb wir einfach Dreispitze ohne Borte genommen haben. Da wir eine zusätzliche Muskete hatten, haben wir einen weiteren Bewaffneten dazu genommen. Immerhin finden sich in den Quellen auch zivile aufgebotene Untertanen in manchen Aktionen der Würzburger im hällischen Gebiet.

 

Die beiden Handwerker vor dem Steigengasthaus bevor die Würzburger eintreffen. - Two craftsmen in front of the tavern at the "Steige" before the Würzburg military is arriving. (photo: M. Menger/L. Preussner)

 

On Friday morning, a small group gathered around our Captain Gröll von Grimmenstein in the Weinland building group. So here was the Comburgian territory for our game that day. Unfortunately, only two of us have uniform coats of the Bamberg regiment as it has been handed down to us by Gudenus [2]. The blue color corresponds to an eyewitness testimony as it emerges from the trial files [3]. The trims of the hats were unknown to us, which is why we simply took cocked hats without trims. Since we had an extra musket, we added another gunman. After all, the sources also mention civilian subjects in some of the Würzburg actions in the Hall area.

Der Hauptmann entwendet das Wirtshausschild. - The captain takes away the sign of the tavern. (photo: M. Menger/L. Preussner)

 

Wir marschierten also zu Dritt in Richtung des Sommerkellers, der leider geschlossen war. Der Hauptmann ließ uns dort lagern bevor es wieder hinab ging. Denn nun sollten wir beim Pfarrer Messerer Lärm machen. Ihm wurde von uns gedroht, dass man sein Gehalt einbehielte, wenn man erführe, dass er den Messwein aus der Steige nähme [4]. Leider war der Pfarrer nicht anwesend. In Ermangelung eines Wirtshauses wie es historisch das des Comburger Wirtes in Michelfeld gewesen wäre, zogen wir zum Museumsgasthaus "Zum Roten Ochsen", wo wir es uns gut gehen ließen. 


 

Die Würzburger Musketiere bedrohen die Leute auf der Steige. - The musketeers from Würzburg are talking to the civilians at the tavern. (photo: M. Menger/L. Preussner)

So the three of us marched in the direction of the summer cellar, which unfortunately was closed. The captain let us camp there before we went back down. Because now we should make noise at Pastor Messerer's. We threatened him that his salary would be withheld if we found out that he was taking the altar wine from the crate [4]. Unfortunately the pastor was not present. In the absence of an inn like the Comburger Wires in Michelfeld historically would have been, we moved to the museum inn "Zum Roten Ochsen", where we had a good time.

Der Wein wird sogar ausgesoffen! - Even the vine of the inn was drunk. (photo: Michael Leyendecker)

 

Dienstag, 6. September 2022

Historiker von nebenan / historians alongside with Thorsten Butter P. 2

Hallo Thorsten!

Nun sind wir zurück aus Wackershofen und ich freue mich schon sehr auf Deine Impressionen. 

Wie hat Dir die Veranstaltung gefallen?

 

Thorsten Butter: Sehr sehr gut! Das Freilandmuseum ist einfach wunderschön. Von historischen Gebäuden, über Wiesen, bis hinzu Tieren ist alles vorhanden. Abgerundet wird die ganze Örtlichkeit von einem gut bürgerlichen Restaurant, in dem man immer wieder einkehren möchte, für ein kühles Bier.

Die „Mitspieler“ waren durchgehen freundlich, nett und immer offen für ein plausch. Auch kommen einfach die unterschiedlichsten Menschen im Hobby zusammen. Es ist einfach erfrischend den Mägden beim Nähen zu zuschauen, während man als 3 Herren daneben sitzt und ein Pfeifchen genießt.


Hello Thorsten!

Now we are back from Wackershofen and I am really looking forward to your impressions.

How did you like the event?


Thorsten Butter: Really really good! The open-air museum is simply beautiful. From historic buildings to meadows and animals, everything is there. The whole location is rounded off by a good middle-class restaurant, where you always want to stop for a cold beer.

The "players" were always friendly, nice and always open for a chat. Also, the most diverse people simply come together in the hobby. It's just refreshing to watch the maids sewing while you sit next to each other as 3 gentlemen and enjoy a pipe.

Auf dem Weg von der Baugruppe Weinland zum Wirtshaus an der Roten Steige. - On the way from the "Weinland"-group of buildings to the "Rote Steige"-tavern. (photo: M. Leyendecker)


Hast Du Dich gut vorbereitet gefühlt von uns durch unsere historische Info oder das, was man auf unserem Blog finden kann[1]?

Vom Setting definitiv! Durch das historische Pamphlet oder Erzählungen, war das Leben im 18. Jahrhundert kein Mysterium für mich. Auch addierten sich die Informationen gut zu dem was ich selbst schon kenne.

Was mir nicht bewusst war, ist wie nahen historischen Handwerken an modernen ist. Ob Zieheisen oder Stampfer, ist alles heute ähnlich vorzufinden. Meist nur maschinell.

André Hanselmann: Did you feel well prepared by our historical info or what can be found on our blog[1]?

Thorsten Butter: Definitely from the setting! Through the historical pamphlet or tales, life in the 18th century was no mystery to me. The information added up well to what I already know myself.

What I wasn't aware of is how close historical crafts are to modern ones. Whether drawing iron or rammer, everything is similar today. Just machine driven.

 

Inmitten dem Trubel des Überfalls durch die Würzburger. - In the mid of the chaos during the raid of the Würzburg military. (photo: M. Leyendecker)

A. Hanselmann: Gab es für Dich einen persönlichen Höhepunkt auf der Veranstaltung? Jeder hat ja da seinen eigenen Fokus und wenn ich mich auf früheren Wackershofen-Events am liebsten an einen Ritt mit meinem Grabenreiter erinnere, dann haben ja die meisten anderen das Erlebnis gar nicht gehabt.

 

T. Butter: Zwei Ereignisse fallen mir da direkt ein. Zunächst das tägliche Feuer für das Frühstück. Früh morgens, als erste wache Person nur mit Holz, einer Kerze und Feuersteinen, ein Feuer zu produzieren ist ein wunderschönes Erlebnis. Hier muss ich zugeben, dass ich spätestens am zweiten Tag, ein wenig mit dem Feuerzeug nachhelfen musste, um pünktlich heißes Wasser anbieten zu können.

Das andere war die Küche, genauer meine Einführung in den Gebrauch des historischen Ofens. Hier nochmals vielen Dank an Sonja. Es ist faszinierend wie Hitze in einem gemauerten Ofen entsteht und reguliert wird. Ein wahres Zusammenspiel von Bäcker*in und Ofenzuständigen.

Am Morgen wird das Feuer vorbereitet. - In the morning he is preparing the fire. (photo: Stefan Winter)

Donnerstag, 16. Juni 2022

Wie klaut man ein Wirtshausschild? - How you can steel the sign of a tavern? 1749

"Mit klingendem Spiel" überquerten die Würzburger Soldaten die Grenze zum hällischen Nachbarn [1]. Die Soldaten waren so einen Einfall ins benachbarte Territorium gewohnt. Mit ihrem Offizier, Grill von Grimmenstein, hatten sie einen entschlossenen Kommandeur, der bereit war notfalls die Interessen von Ritterstift und Fürstbischof mit Waffengewalt durchzusetzen. Der Weg war nicht weit, aber weiter als zu ihren letzten Einsätzen [2]. Vom Kochertal marschierten sie herauf auf die Hochebene auf der die Dörfer Michelfeld, Bibersfeld und Rieden verstreut lagen. Eine Kompanie stark rückten sie auf das Wirtshaus an der Roten Steige heran. Die Aufgabe war klar. Man hatte die Klagen vom Michelfelder Wirt gehört [3]. Aus Würzburger Sicht war die Sache klar: mit dem Wirtshaus an der Steige musste Schluss sein. So drangen sie ohne irgendeinen Widerstand brechen zu müssen ins Wirtshaus ein. Soldaten schwärmten aus und durchsuchten das Anwesen, an dem noch immer gebaut wurde. Endlich wurden sie fündig. Als alle Versuche das verhasste Wirtshausschild [4] zu zerstören gescheitert waren, beschloss man es mitzunehmen. Die Wirtsleute wurden bedroht. Das Haus, so hieß es, dürfe weiter fertiggestellt werden, wenn daraus kein Wirtshaus würde.

The Würzburg soldiers crossed the border to their neighbor Hall [1] "with a ringing game". The soldiers were used to such an incursion into neighboring territory. With their officer, Grill von Grimmenstein, they had a resolute commander who was prepared, if necessary, to assert the interests of the knights' monastery and the prince-bishop by force of arms. The way wasn't far, but further than in her last assignments [2]. From the Kochertal they marched up to the plateau on which the villages of Michelfeld, Bibersfeld and Rieden were scattered. A company strong, they approached the inn on the Rote Steige. The task was clear. One had heard the complaints from the innkeeper in Michelfeld [3]. From the Würzburg point of view, the matter was clear: the inn on the Steige had to end. So they entered the inn without having to put up any resistance. Soldiers swarmed out and searched the property, which was still under construction. Finally they found what they were looking for. When all attempts to destroy the hated inn sign [4] failed, it was decided to take it with them. The innkeepers were threatened. The house, it was said, could continue to be completed if it did not become an inn.

Bauarbeiten in der Nähe des Steigengasthauses, das noch im Hintergrund zu erkennen ist. - Working on wood near the steep track inn which is visible in the background. (Foto: Diana/Michael Paulick)

 

Die ungebetenen Gäste vergaßen nicht auf dem Rückmarsch in Michelfeld einzumarschieren, wo man dem lutheranischen Pfarrer drohte, den "Kommunionswein" zu entwenden, wenn der Pfarrer für seine Abendmahlsfeiern den Wein aus der Roten Steige nehmen würde.

The uninvited guests did not forget to march back into Michelfeld, where the Lutheran pastor was threatened with stealing the "communion wine" if the pastor took the wine from the Rote Steige for his communion celebrations.

Der Grabenreiter trifft am Wirtshaus an der Roten Steige ein, um mehr über die Ereignisse im Wirtshaus zu erfahren. - The ditch rider arrives at the tavern at the red steep track to learn more about the incident at the inn. (Foto: Michael Paulick)

 

Dienstag, 31. März 2020

Straßenbau im 18. Jahrhundert - road building during the 18th century

Bauen im 18. Jh. (Teil 1) - Straßenbau - Building during the 18th century (part 1) - road building.




Auch wenn wir noch nicht wissen wie es dieses Jahr mit den Veranstaltungen weitergeht, habe ich die Absicht Inhalte zur diesjährigen Anno-Domini-Veranstaltung zu veröffentlichen.


Warum haben wir das Thema Bauen 2020 im Fokus?

Die würzburgischen Übergriffe auf das Steigengasthaus an der Roten Steige haben etwas irgendwie Destruktives an sich. Hier sollte letztlich effektiv die wirtschaftliche Lebensgrundlage der Wirtsfamilie Kircher zerstört werden. Allerdings wurde die Bautätigkeit am Steigengasthaus durch Johann Martin Kircher und seine Arbeiter fortgesetzt und schließlich abgeschlossen.

Daneben gab es konkret direkt vor der Haustür des Steigengasthauses 1749 eine große Baustelle. Die Ausbesserung der breiten Straße, welche von Michelfeld über die Steige hinauf nach Bubenorbis und dann weiter nach Mainhardt führte, was sicherlich auch für das Steigengasthaus von einer gewissen Bedeutung.   


Although we don’t know how this year will continue regarding the events, nevertheless I have the inclination to offer you more about the topics of our Anno-Domini-event for 2020.
The raids of the Würzburg troops on the inn at the Red steep track had a somehow destructive component. Indeed the economic base of the life of the family Kircher, which was the host of the inn, was to be destroyed effectively. However the building process at the tavern was finalized by Johann Martin Kircher and his workers.
Besides there was directly in front of the door of the deep track tavern (Steigengasthaus) a large construction site in 1749. The repair of the wide road, which led from Michelfeld over the steep track up to Bubenorbis and than further to Mainhardt, certainly had some importance for the tavern at the steep track.



Der Straßenbau im 18. Jahrhundert ist ein ungemein komplexes Thema. Durch meine beruflichen Erfahrungen habe ich den Eindruck, dass man schon eine Menge wissen muss, um beispielsweise den Neubau einer Chaussee korrekt darzustellen. Der Artikel in der Enzyklopädie von Krünitz zum Thema Landstraße, der auch konkrete Details zum Straßenbau, der Ausbesserung von Straßen und zahlreichen regionalen Vorschriften enthält, ist mit etwa 890 Seiten[1] entsprechend umfangreich. Sehr anschaulich sind die vielen Abbildungstafeln in dieser Abhandlung.

Deswegen will ich mich auf die Ausbesserung von Straßen speziell im Schwäbischen Reichskreis konzentrieren[2]. Denn 1749 fanden im gesamten Kreis entsprechend den Beschlüssen auf dem Ulmer Kreistag umfangreiche Bauarbeiten am Straßennetz statt. Was Krünitz noch 1794 über den schwäbischen Kreis schrieb, hat offenbar auch schon 45 Jahre zuvor Gültigkeit gehabt:

„In dem Württembergischen, Badischen, Anspachischen, Bayreuthischen, Würzburgischen, und allen übrigen Ländern des schwäbischen und fränkischen Kreises, beschäftigt man sich eifrig mit der Wege-Ausbesserung, und setzt die Wege nach Oesterreich, Böhmen, Bayern, Sachsen, Vogtland und dem Rhein, zur Aufnahme des Handels, in fahrbaren Stand.“[3]

Der umfangreiche Wegebau im schwäbischen Kreis ist auch vor dem Hintergrund eines zunehmend dichteren Fahr- und Reitpostnetzes plausibel. So wurde beispielsweise 1745 ein Felleisen zwischen Frankfurt und Augsburg über Wiesloch, Heilbronn, Cannstatt und Ulm eingerichtet. Dienstags und samstags gingen auf der Strecke von Cannstatt nach Nürnberg und Dienstag und Freitag in der entgegensetzten Richtung Postreiter ab. Daneben wurden 1744 auf den wichtigsten Verkehrsstrecken tägliche Verbindungen, sogenannte „Journalièren“ eingeführt[4]. Der Anstieg der von der Reichspost betriebenen Strecken im heutigen Baden-Württemberg während des 18. Jahrhunderts war enorm. Hatte diese 1730 bereits 2.484 km reitende und 214 km fahrende Post betrieben, so waren es bis 1803 4.036 km reitende und 1.781 km fahrende Post. Allerdings muss man bei letzterer berücksichtigen, dass im Laufe der Zeit keine württembergischen Landkutschenkurse mehr eingerichtet wurden, welche von der Reichspost kompensiert werden mussten[5].
Ein Kuriosum: eine Postreiterin, hier auf einer der zahlreichen Schützenscheiben im Hällisch-Fränkischen Museum Schwäbisch Hall. Man bemerke rechts auf der Scheibe einen der Landtürme (Schützenscheibe von 1750 im Hällisch-Fränkischen Museum Schwäbisch Hall).
Something curious: a female post rider, here to be seen on one of those many shooting Targets at the Hällisch-Fränkische Museum in Schwäbisch Hall. Please note the landtower on the right of the target (Shooting target from 1750 in the Hällisch-Fränkisches Museum)

The road building during the 18th century is a rather complex topic. Through my professional experience I have the impression that you have to know a lot, if you want to recreate for example the new building of a “chaussee”. The article in the encyclopedia by Krünitz about the country road includes exactly details about the road building, the repair of roads and many local regulations about that topic and is very extensive with ca. 890 pages! The bunch of illustrating tables in this article is very helpful to visualize the whole thing.

Therefore I want to focus very closely on the repair of roads especially in the Swabian Circle. In 1749 there were many large road building projects following the decisions of the diet of the Swabian Circle at Ulm. Therefore it’s very obvious that the same was already true, which Krünitz wrote 45 years later in 1794 about the Swabian Circle:

“Within the Wurttemberg, Baden, Ansbach, Bayreuth, Würzburg and all other territories of the Swabian and Franconian Circle many are eagerly occupied with the repair of the tracks and they are concerned about to get the tracks to Austria, Bohemia, Bavaria, Saxony, Vogtland and the Rhine in good condition for trading.”

The large road building within the Swabian Circle is plausible before the background of a growing and closer driving and riding imperial post network. In 1745 for example the fur iron (post sack) between Frankfurt and Augsburg over Wiesloch, Heilbronn, Cannstatt and Ulm was installed. On Tuesday and Saturday the post riders started on the route from Cannstatt to Nuremberg and on Tuesday and Friday in the opposite direction. Besides daily connections were introduced on the most important travelling routes in 1744, which were named “Journalièren”. The increase of the routes used by the imperial post within today Baden-Wurttemberg was enormous during the 18th century. There were 2.484 km of riding and 214 km of driving post in 1730 and 4.036 km of riding and 1.781 km of driving post until 1803. Although you have to note that during that period no more Wurttemberg country coach routes were installed, which the imperial post had to compensate.