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Freitag, 30. Oktober 2026

Das spanische Projekt - The Spanish project

 Vielleicht habe ich es schonmal erwähnt, dass ich ursprünglich garnicht vorhatte spanische Truppen zu bemalen, da einfach der Platz bei uns nicht ausreicht für alle Nationen des Österreichischen Erbfolgekrieges. Für Piacenza [1] habe ich darum ausschließlich Franzosen verwendet, die Basen mit Fahnen weggelassen und spanische Fahnen verstreut. Das sah für mich auch ganz gut aus, da die spanischen Uniformen sehr ähnlich bis beinahe identisch wie französische Uniformen aussehen bis auf die rote Kokarde an den Hüten.

Das Regiment Castilia. - The Castilia regiment. (Foto: F. Hanselmann)
 

I may have mentioned this before, but I originally had no intention of painting Spanish troops, simply because we don't have enough space for all the nations involved in the War of the Austrian Succession. For Piacenza [1], I therefore used only French figures, omitting the bases with flags and instead scattering Spanish flags among them. To me, the result looked quite good, given that Spanish uniforms are very similar—or even nearly identical—to French ones, save for the red cockade on the hats.


Das Regiment von hinten. - The regiment from behind. (Foto: F. Hanselmann)

Dann sind mir von Minarions Miniatures aber die Miquelets ins Auge gefallen, die in ihren ausgefallenen Posen zu bezaubern wissen [2]. Außerdem habe ich überzählige Figuren von anderen Sets entdeckt, woraus ich kleine Einheiten mit nur 4 Basen für die Guardias Reales du Corps und die Lusitania und Monroy Dragoner gebildet habe [3]. Strelets hat in der Folge weitere Sets veröffentlicht, die ich haben wollte, da sie teilweise interessante Posen enthalten, die ich dann für französische Infanterie verwerten kann [4]. Überzählige Miniaturen aus den Sets verwende ich nun für meine recht kleinen spanischen Einheiten, wobei ich bei der Linieninfanterie mit dem klassischen Regiment Castilla begonnen habe.

 

Das Regiment Africa. - The Africa regiment. (Foto: F. Hanselmann)

Und dasselbe Regiment von hinten. - The same unit from behind. (photo: F. Hanselmann)


However, the Miquelets from Minarions Miniatures caught my eye; their distinctive poses are truly captivating [2]. I also discovered spare figures from other sets, which I used to form small units—comprising just four bases each—for the Guardias Reales du Corps and the Lusitania and Monroy Dragoons [3]. Subsequently, Strelets released further sets that I wanted to acquire, as some contain interesting poses that I can repurpose for French infantry [4]. I am now using the surplus miniatures from these sets for my relatively small Spanish units, starting with the classic Castilla Regiment for the line infantry.

Im Vordergrund die Miquelets, dahinter spanische Artillerie und dahinter das irische Fremdregiment Hibernia. - In the foreground the Miquelets, behind them Spanish artillery and behind the Irish Foreign regiment Hibernia. (photo: F. Hanselmann)



Inmitten der Spanier ein General. - Within the Spaniards a general. (photo: F. Hanselmann)



Sonntag, 11. Oktober 2026

Rocoux 1746 encore une fois

Ein Soldat des Leibregiments, das bei Rocoux am linken Flügel der Alliierten kämpfte auf unserer diesjährigen Anno Domi Veranstaltung 2026. Die Bayern haben sich gut geschlagen in der Schlacht. - A soldier of the Leibregiment which fought at Rocoux at the Allied left wing - here at our Anno Domini in 2026. The Bavarians performed very well in the battle. (photo: S. Winter)

Ein Husar vom Regiment Nadàsdy auf unserer Anno Domini Veranstaltung 2018. Das Regiment befand sich bei Rocoux am rechten Flügel unter den österreichischen Truppen. Es spielte keine wichtige Rolle in der Schlacht. - A hussar of the Nadásdy regiment at our Anno Domini event in 2018. The regiment stood at the right wing with the other Austrian troops. It didn't played an important role in the battle. (photo: J. Krämer)


Da wir diesmal im Jahr 1746 unterwegs sind in Wackershofen und sogar ein bisschen das Thema Militär behandeln, lag es nahe, dass wir uns nochmal der Schlacht bei Rocoux zuwenden. Wegen des historischen Hintergrunds habe ich bereits sehr viel dargestellt [1].

Das gesamte Schlachtfeld gesehen von Westen nach Osten. Das Dorf Fexhe befindet sich links im Vordergrund. - The complete battlefield on a look from West to East. The village of Fexhe is in the foreground at the left. (photo: C. Hanselmann)

 

Since we are in Wackershofen in 1746 this time, and even touching on the topic of the military, it seemed natural to revisit the Battle of Rocoux. I have already presented a great deal of information about it due to its historical context [1]. 

Meine Karte der Schlacht. - My map of the battle. (copyright: A. Hanselmann)

 

Damals haben wir aber irgendwie die zahlreichen Fotos verloren und das war ein zusätzlicher Grund uns nochmal dieser Schlacht zuzuwenden, abgesehen davon, dass die Bayern, die im Spätsommer 1746 von Bayern nach Flandern rechtzeitig für diese große Schlacht eintrafen [2].


Ein Blick von der französischen Seite in Richtung des linken verbündeten Flügels unter dem Prinzen von Waldeck. Hinter Ance stehen Massen an Kavallerie bereit. Wie auch in der historischen Schlacht, könnte sich ein Eingreifen Hammersteins als entscheidend auszahlen. - A view from our French side in the direction of the Allied left wing under the prince of Waldeck. There are masses of cavalry behind Ance ready to react. The impact of Hammerstein could pay off as it happened in the historical battle. (Foto: C. Hanselmann)

However, we somehow lost the numerous photographs at that time, and that was an additional reason to turn our attention to this battle again, apart from the fact that the Bavarians, who arrived in Flanders from Bavaria in late summer 1746, were in time for this great battle [2].

Ein noch besseres Überblicksbild. - A better view. (Foto: F. Hanselmann)

 

 

Dienstag, 29. September 2026

Anno Domini 1746 "Raufhändel ..." P 3

Der Sonntag bedeutete eine große Neuheit, da wir endlich einen neuen Pastor bekommen hatten, der die Andacht zelebrierte. Wir sangen das "Kriegslied", "Nach grüner Farb mein Herz begehrt", "Lobet den Herrn" und "Eine feste Burg ist unser Gott". Die etwas zweifelhaften Schmiede von denen ein paar dem Schultheißen unbekannt waren, missbrauchten die freie Zeit mit Würfelspiel am Rande.

Sunday brought a significant change, as we finally had a new pastor to conduct the service. We sang the "War Song," "My Heart Longs for the Color Green," "Praise the Lord," and "A Mighty Fortress Is Our God." The somewhat unsavory blacksmiths—some of whom were unknown to the village magistrate—misused their free time by playing dice off to the side.


Das sollte sich aber rasch rächen, als nämlich ein Steckbrief gegen Mittag aus Hall kam, worin ein Hammerschmied namens Preischel gesucht wurde [1]. Der in dem großen Haus bei der Schmiede wohnende Schmied war mir natürlich als Schultheiß bekannt. Es konnte aber ein wandernder Schmiedegeselle ergriffen werden. Da er mir keinen Ausweis, das heißt nicht seine Kundschaft [2], vorweisen konnte - auch nicht nachdem er bewacht vom Grabenreiter in der Schmiede gesucht hatte - sperrten wir ihn kurzerhand im Pferdestall des Steigengasthauses ein [3]. Später fand sich der ortsansässige Schmied ein, der für ihn bürgen wollte und schließlich auch eine Kundschaft aus Solothurn vorweisen konnte. Dass er mit dieser von dort bis ins Hällische gelaufen war, schien uns dennoch verdächtig. Dennoch beschied uns der Grabenreiter ganz richtig, dass wir gegen den Gesellen nichts mehr in der Hand hatten und ihn laufen lassen mussten.

However, this soon backfired when, around midday, a wanted notice arrived from Hall seeking a hammer-smith named Preischel [1]. Naturally, I knew the smith who lived in the large house by the forge in my capacity as village magistrate. However, a traveling journeyman smith was apprehended. Since he could not produce any identification—that is, his "Kundschaft" [2] (travel papers)—even after searching for them in the forge under the watchful eye of the "Grabenreiter" [3], we promptly locked him up in the horse stable of the Steigen Inn. Later, the local smith arrived, willing to vouch for him and eventually producing a set of papers from Solothurn. The fact that he had walked all the way from there to the territory of Hall with those papers struck us as suspicious nonetheless. Even so, the ditch rider rightly informed us that we had no further grounds to hold the journeyman and were obliged to let him go.


Danach versammelten sich alle Gemeinsmänner im Schankraum. Wir beschlossen, dass wir eine Dorfordnung für Leoweiler aufsetzen wollten, damit es nicht wieder zu Unsicherheiten wie die mit dem Hausgenossen kam [4]. Zugegen war ich als der Schultheiß, mein Nachbar als der neue Dorfmeister [5], der Schmied und der Steigenwirt [6]. Den Hausgenossen wurde nur 1 Stück Vieh zugestanden, war einer der Artikel. Jeder der vorerst 4 Artikel wurde einstimmig beschlossen.

 

Afterwards, all the commoners gathered in the taproom. We decided to draft a set of village regulations for Leoweiler to prevent a recurrence of the uncertainties surrounding the "Hausgenossen" [4]. Present were myself as the village headman, my neighbor as the new village master [5], the blacksmith, and the innkeeper [6]. One of the articles stipulated that "Hausgenossen" were permitted to own only a single head of livestock. Each of the four initial articles was adopted unanimously.

Tanzen vor dem Wirtshaus. - Dancing in front of the inn. (photo:  @kaefferleindesign)


Als wir rasch etwas gegessen hatten, wurde vor dem Gasthaus, wenngleich etwas weniger zahlreich wie am Vortag, getanzt. Dabei ist das Tanzen an Sonntagen eigentlich ungern gesehen. Aber der Grabenreiter schritt nicht ein.

Hufeisenwerfen am Gasthaus. - Horseshoe pitching at the inn. (photo: @kaefferleindesign)

 

After we had quickly grabbed a bite to eat, people were dancing in front of the inn—albeit in somewhat smaller numbers than the day before. Dancing on Sundays is actually frowned upon, yet the "Grabenreiter" did not intervene.

Der Schultheiß und der Leutnant zu Pferd. - The "Schultheiß" and the lieutenant on horseback. (photo: @kaefferleindesign)

Sonntag, 20. September 2026

Anno Domini 1746 "Raufhändel..." P 2

Nach einer langen Nacht wurde ich rechtzeitig wach um mit unserem Knecht das Feuer anzumachen und Wasser zu holen für das Frühstück. Anschließend gab es die Dorfschule, wo diesmal - vielleicht erstmalig ? - 3 Jungen und ein Mädchen dabei waren. Ich wollte den Kindern vor allem das "Kriegslied" von Johann Balthasar Beyschlag [1] beibringen, da es mir besonders gut zu den Ereignissen 1746 zu passen schien. Katechismusunterricht [2] hatten zwei der Kinder noch garnicht gehabt, wobei das in der Schule in unserer Epoche ja neben dem Lesen und Schreiben im Vordergrund steht. Eine Sommerschule lässt sich ja eigentlich im Amt Rosengarten fast garnicht nachweisen, da es in den meisten Dörfern nur eine Winterschule, das heißt einen Schulbesuch der Kinder in 2 Quartalen pro Jahr gab.

After a long night, I woke up in time to light the fire with our farmhand and fetch water for breakfast. Afterward, there was village school; this time—perhaps for the first time?—three boys and one girl were in attendance. Above all, I wanted to teach the children the "War Song" by Johann Balthasar Beyschlag [1], as it seemed to me to fit the events of 1746 particularly well. Two of the children had received no catechism instruction [2] at all—even though, in our era, this subject takes center stage in schools alongside reading and writing. In fact, there is hardly any evidence of a "summer school" in the Rosengarten district, as most villages had only a "winter school"—meaning the children attended classes for just two quarters of the year.


Nicht nur die Schule war recht erfolgreich. Diesmal war das Wetter auch dem Wäschewaschen besonders günstig, so dass die Flecken wirklich rausgingen und die Wäsche vor dem Abendessen bereits getrocknet war. Diesmal herrschte zwischen den Haushalten auch die schönste Eintracht, so dass die Hemden usw. im Innenhof beim Nachbar aufgehängt werden konnten.

It wasn't just the school that was quite successful. This time, the weather was also particularly favorable for doing the laundry, so the stains actually came out and the clothes were dry before dinner. There was also perfect harmony among the households this time, allowing shirts and the like to be hung up in the neighbor's courtyard.

Die Bayern in dem Haus, wo der Schmied wohnt. - The Bavarians in the house of the smith. (photo: J. Krämer)


Das hielt aber nicht sehr lange, da der Hausgenosse eigentlich seine Ziege [3] an mich verkaufen wollte. Bei dem Abschließen des Vertrages, dem sogenannten Weinkauf, wollte er den Verkauf dann aber doch wieder rückgängig machen, worüber ich aus der Haut fuhr. Da wir beide aus einem Schrannen [4] die Beine zogen, mussten wir dem zufällig in der Stalltür stehenden Grabenreiter eine Strafe von einem Taler zahlen. Der Bauer Haug, bei dem der Hausgenosse wohnte, der entsprechend den üblichen Dorfordnungen als "Pürg" [5] zugegen war, wollte dafür einstehen, dass der Hausgenosse später seine Strafe beim Amtmann erlegte.

However, this did not last long, as the housemate actually wanted to sell his goat [3] to me. Yet, upon concluding the agreement—the so-called "wine-purchase" [sealing the deal]—he wanted to back out of the sale, which made me fly into a rage. Since we had both slipped out of the "Schranne" [4], we were obliged to pay a fine of one "Thaler" to the "Grabenreiter" [5], who happened to be standing in the stable doorway. Farmer Haug—with whom the housemate lodged and who was present in his capacity as a "Pürg" [6] in accordance with customary village regulations—offered to vouch for the housemate, guaranteeing that he would pay his fine to the bailiff at a later time.

Nach dem Wäschewaschen bei den Nachbarn im Hof. - After the laundry in the courtyard of our nabours. (photo: S. Winter)

Mittwoch, 9. September 2026

Anno Domini 1746 "Raufhändel..." Part 1

Dieses Jahr sollten wir eine spezielle Veranstaltung bekommen in Wackershofen. Trotz ein paar wenigen Ausfällen ist es wohl die größte Veranstaltung geworden, die wir jemals hatten und der Schankraum war an dem Abenden sehr gefüllt.

Der erste Tag stand ganz im Zeichen der starken Regenfälle, die uns mit Blitzen und Donner seit der Nacht schon beschäftigten. Daher konnte der designierte Amtmann Sanwald, der Nachfolger des am 27. August verstorbenen Arnold [1], nicht in den Weiler reiten, um dem Leutnant des bayerischen Leibregiments zu begegnen. In dem Haus eines Bauern wurden die beiden Bayern nicht fündig.

Den Regen sieht man hier garnicht. Wir haben keinen Deserteur gefunden. Der Dorfmeister war obendrein abwesend. - You can't see the heavy rain here. We didn't found a deserter - yet. Besides the mayor war absent. (photo: S. Winter)

 

This year, we were set to host a special event in Wackershofen. Despite a few minor setbacks, it turned out to be the largest event we have ever held, and the taproom was packed on those evenings.

The first day was dominated by heavy rainfall, accompanied by lightning and thunder that had been battering us since the night before. Consequently, the designated "Amtmann" Sanwald—successor to Arnold [1], who had passed away on August 27—was unable to ride into the hamlet to meet the lieutenant of the Bavarian Life Guards Regiment. The two Bavarians searched a farmer's house but found no trace of the man they were looking for.

Amtmann und Leutnant zusammen im Wirtshaus. - The bailiff and the lieutenant in the tavern. (Foto: S. Winter)


Später musste der baldige Amtmann der Frau des Schultheißen von Leoweiler ein Dekret in Form der "Obrigkeitlichen Verordnung..." [2] übergeben, da der Schultheiß nicht aufzufinden war. Da in dieser Verordnung das Strafmaß für Raufhändel garnicht verzeichnet ist, wurde vom baldigen Amtmann die Polizeiordnung [3] vorgestellt, wo eindeutig geregelt ist, welche Strafen man beispielsweise bei blutigen Wunden im Falle von Schlägereien zu erwarten hat. 

Der Amtmann ist zu Pferd eingetroffen. - The "Amtmann" arrived at horseback. (Foto: S. Winter)

Montag, 20. Juli 2026

Tanzen verboten? - dancing forbidden?

 Ich habe bereits eine ganze Reihe zum Thema Tanzen hier auf dem Blog veröffentlicht [1]. Ich bin dieses Jahr (2025) bei der Recherche auf einen Fall einer Strafe für das Tanzen gestoßen, die ich sehr interessant fand. Am 16. Oktober 1745 wurde das "Weib" des Landtürmers aus Sanzenbach namens Wacker zu einer Strafe von 20 Schillingen vom Amtmann verurteilt, weil sie an einem Sonntag im "Commenthurhäuslein" getanzt habe. Es muss damals hoch her gegangen sein, denn der Sohn des Forstknechtes Bauer und der Landtürmer Wacker bekamen sich "um erst erwehnten weibs willen" in den "Haaren", wofür beide jeweils 1 fl 15 ß Strafe auferlegt bekamen [2]. Leider erfährt man nicht näher, was die Ursache war, warum sie sich in diesem Gebäude überhaupt aufhielt.

I have already published a whole series of posts on the subject of dancing here on the blog [1]. This year (2025), while conducting research, I came across a case involving a penalty for dancing that I found particularly interesting. On October 16, 1745, the wife of the rural watchman from Sanzenbach—a man named Wacker—was sentenced by the bailiff to a fine of 20 shillings for having danced in the "Commenthurhäuslein" on a Sunday. Things must have gotten quite rowdy on that occasion, for the son of the forester's assistant, Bauer, and the rural watchman, Wacker, came to blows "on account of the aforementioned woman," for which both men were each fined 1 florin and 15 shillings [2]. Unfortunately, the records do not provide any further details regarding the specific reason why she happened to be in that building in the first place.

Dieses abendliche Tanzen (Anno Domini 1734) wäre wohl auch vom Amtmann verboten worden, wenn er davon Wind bekommen hätte. - This evening dancing (Anno Domini 1734) would have been forbidden by the "Amtmann" if he would have get a notice... (Foto: C. Behnke)
 

Freitag, 5. Juni 2026

Krieg und Durchzüge 1746 - war and armies on the road in 1746

Wir stellen ja dieses Jahr in Wackershofen sowohl die Gegend um Hall während des 30-jährigen Krieges als auch während des Österreichischen Erbfolgekrieges dar. Ähnlich wie 1626 waren auch 1746 der Austragungsort größerer Kampfhandlungen [1] oder kleinerer Gefechte [2][3] in der Gegend [4] in eine andere Region weiter gewandert. Dennoch erlebte man die Spuren des Krieges durch teils massive Truppendurchzüge. So findet sich ein österreichischer Offizier namens Auge, der mit seinen Truppen auf den iltalienischen Kriegsschauplatz wechselte und in dem Zuge im August 1746 durch Hall kam [5]. Leider weiß ich nicht, ob sie noch irgendeinen Einfluss auf die militärischen Ereignisse nach der Schlacht bei Rottofredo [6] hatten.

This year in Wackershofen, we are depicting the area around Hall during both the Thirty Years' War and the War of the Austrian Succession. Similar to 1626, in 1746 the focus of major battles [1] or minor skirmishes [2][3] in the area [4] had shifted to another region. Nevertheless, the effects of the war were still evident through the sometimes massive troop movements. For example, there is an Austrian officer named Auge, who moved with his troops to the Italian theater of war and passed through Hall in August 1746 [5]. Unfortunately, I don't know if they had any further influence on the military events after the Battle of Rottofredo [6].

 

Österreichischer Husar Anno Domini 1743. - An Austrian hussar on our Anno Domini 1743 event. (Foto: J. Krämer)


Anders als 120 Jahre zuvor finden wir allerdings keine Plünderungen oder Entwendung von Tieren in großem Maßstab, auch wenn wir es in kleinem Maßstab noch im Zusammenhang mit dem Gefecht bei Übrigshausen kennen, wo ein Bauer dazu kam, weil er seinem ihm entzogenen Pferd gefolgt war und dadurch in die Probleme der Landleute mit den Österreichern verwickelt wurde. Es wurden nicht nur Vorspanntiere oder Schlachttiere nicht entführt, sondern auch bei den durchmarschierenden Truppen und ihren Kommandeuren darauf geachtet selbst kleinere Rechnungen zu begleichen, selbst wenn jemand wie die "Amtmännin Wiblin" vom Magistrat für die Unterbringung eines Stabes eine größere Summe forderte und immerhin 40 Gulden erhielt [7]. 

Unlike 120 years earlier, we find no large-scale looting or theft of animals, although we do know of a small-scale instance in connection with the skirmish at Übrigshausen, where a farmer became involved because he had followed his stolen horse and thus became entangled in the problems of the local people with the Austrians. Not only were draft animals or animals destined for slaughter not stolen, but the passing troops and their commanders were also careful to settle even small bills, even when someone like the "village head Wiblin" demanded a larger sum from the magistrate for the accommodation of a staff and received a mere 40 guilders [7].

Bayerischer Offizier vom Leibregiment. - A Bavarian officer from the Leibregiment. (Foto: A. Jäger)


Donnerstag, 21. Mai 2026

"Vivaldi und ich" (Primavera)(2026)

Das Filmplakat zeigt im Hintergrund Anachronismen, im Vordergrund die beiden absoluten Hauptfiguren. - The poster of the movie let you see some anachronisms in the background and the main characters in the foreground. (photo: A. Hanselmann)

 

Es ist faszinierend, dass just in dem Jahr nachdem wir selbst in Venedig waren [1] ein großer Film, der in der Lagunenstadt spielt, in die Kinos kommt. Obendrein ist es auch von daher reizvoll, da unsere diesjährige Veranstaltung in Wackershofen in den 1740ern angesiedelt ist - der Zeit also, als Vivaldi gerade erst verstorben war. In Venedig begegnet man Vivaldi auf Schritt und Tritt, überall hört man jemanden aus den "Vier Jahreszeiten" eine Passage spielen, es gibt Gebäude, die Plaketten haben, die auf seine Lebensphasen hinweisen. Venedig ist natürlich ebenso die Stadt Casanovas über dessen Leben ich momentan lese [2], über den es in letzter Zeit aber keine gelungenen Filme gab [3]. 

It is fascinating that, in the very year following our own visit to Venice [1], a major film set in the Lagoon City is hitting theaters. Moreover, this is particularly intriguing given that our event in Wackershofen this year is set in the 1740s—precisely the era when Vivaldi had just passed away. In Venice, one encounters Vivaldi at every turn; everywhere you go, you can hear someone playing a passage from "The Four Seasons", and buildings bear plaques marking the various stages of his life. Venice is, of course, also the city of Casanova—whose life I am currently reading about [2], though there have been no successful films about him in recent times [3].

Venedig am Abend. Ein Blick auf San Giorgio Maggiore von San Zaccharia aus gesehen. - Venice in the evening. A view from San Zaccharia at San Giorgio Maggiore. (photo: C. Hanselmann)

Dienstag, 19. Mai 2026

Schlägereien und Schimpfreden 1745/46 - Brawling and rants in 1745/46

Man findet immer wieder Beispiele von Schlägereien wegen Nichtigkeiten und von verschieden gravierendem Ausgang. Je nach Schwere der Verletzungen richtete sich auch die Strafe wie bei einem David Bölz aus Bibersfeld, der einen Michel Kübler aus dem selben Dorf im dortigen Wirtshaus so hart geschlagen hatte, dass er eine Strafe von 3 fl aufgebrummt bekam [1]. In Rieden hat ein Bauer einen anderen des Holzdiebstahls bezichtigt und wurde dafür zu einer höheren Strafe (1 fl.) verurteilt, als der somit Geschädigte (20 ß Strafe), der im Gegenzug seinem Widersacher eine "Maulschelle" verabreichte [2]. 

Ohrfeigen, damals "Maulschelle" genannt, waren sehr üblich und führten auch bei einem Riedener namens Hans Jörg Sanwald [3] nebst Schmähungen zu einer Geldstrafe von 1 fl [4].

Examples of brawls over trivial matters, with varying degrees of severity, are frequently found. The punishment depended on the severity of the injuries, as in the case of David Bölz from Bibersfeld, who beat Michel Kübler, also from Bibersfeld, so severely in the local inn that he was fined 3 florins [1]. In Rieden, a farmer accused another of stealing wood and was sentenced to a higher fine (1 florin) than the alleged victim (20 shillings), who retaliated by slapping his adversary [2].

Slaps, then called "Maulschelle" (literally "mouth slaps"), were very common and, along with insults, resulted in a fine of 1 florin for a resident of Rieden named Hans Jörg Sanwald [3] [4].

 

Das Holz wurde nicht durch einen Holzdiebstahl erworben - versprochen. - The wood is not stolen - promised. (Foto: C. Behnke, 2024)


Hochzeiten sind oft Anlässe für größere Schlägereien und Beschimpfungen wie auf der des Schultheißen Hans Jörg [5] Mugler in Rieden 1745. Als dieser nämlich wider der Polizeiordnung [6] seine Trauerzeit nicht beachtete und die Magd des Jörg Michel Blözen ein Eheversprechen gab, führte sich Hans Jörg Alho nicht nur "unzüchtig und ärgerlich" auf, sondern schlug auch den Schmied Bohler blau wie es dort heißt. Im Gegenzug hatte sich der Schwiegervater des Bräutigams, nämlich besagter Schmied aus Uttenhofen, auch nicht eben besser aufgeführt und Alho "auf den Kopf geschlagen, und die Haar ausgeropfet" [7].

Es nimmt etwas wunder, dass jemanden zu schlagen dasselbe Strafmaß hatte wie Beschimpfungen. So hat der Untertan Michael Deininger aus dem kleinen Weiler Röthenhof seine Nachbarin, "Johann Georg Schneiders Weib", geschlagen und musste ebenso nur 1 Gulden zahlen [8] wie ein Bibersfelder Einwohner, der den ihm vorgesetzten Schultheißen "ohnerfindlich bezichtigt" hatte etwas begangen zu haben, was offenbar auch unter Schimpf abgehandelt wurde [9].

 

Weddings are often occasions for major brawls and insults, as was the case at the wedding of Mayor Hans Jörg Mugler in Rieden in 1745. When Mugler disregarded the police regulations [6] and the maid of Jörg Michel Blözen made a promise of marriage, Hans Jörg Alho not only behaved "indecently and offensively," but also, as the record states, beat the blacksmith Bohler black and blue. In return, the groom's father-in-law, the aforementioned blacksmith from Uttenhofen, had behaved no better, striking Alho "on the head and pulling out his hair" [7].

 It is somewhat surprising that striking someone carried the same penalty as insults. Thus, the subject Michael Deininger from the small hamlet of Röthenhof beat his neighbor, "Johann Georg Schneider's wife", and only had to pay 1 gulden [8], as did a resident of Bibersfeld who had "unbelievably accused" the mayor in charge of him of having done something, which was apparently also dealt with under insults [9].

 

Dem Bräutigam mit dem Dreispitz hier im Bild wurden gewiss nicht die Haare ausgerupft! - The groom in this picture with the tricorn lost not his hair because it was plucked out! (Foto: S. Winter, 2018)

Nicht immer führten Beschimpfungen zu Schlägereien wie im Falle von Muglers Hochzeit, sondern viele mündeten nur in geringen Amtsstrafen wie bei Hans Jörg Schwarzer aus Westheim, der Conrad Hofmann "geschmäht" hatte, wobei sich bei der Streiterei scheinbar ein Wort das andere gab, so dass beide 1 Gulden Strafe zahlen mussten [10] - immerhin mehr als für unerlaubtes oder zu langes Tanzen [11].

Interessant wird es, wenn wir erfahren, warum jemand geschmäht wurde. So kamen sich der Comburger Untertan Kurtz aus Hagenbach und Johann Georg Haas, der "Ziegler" gewesen sei "wegen Abgrabung eines UnterRains" ins Gehege, weshalb Haas den Comburger Untertan schmähte und im Gegenzug als "4 fachen Schelmen" bezeichnete, was scheinbar so schwer wog, dass Kurtz 15 ß mehr als Haas zahlen musste [12].

Insults didn't always lead to brawls, as in the case of Mugler's wedding; many resulted only in minor fines, as in the case of Hans Jörg Schwarzer from Westheim, who had "insulted" Conrad Hofmann. During the argument, one word apparently led to another, so that both had to pay a fine of 1 gulden [10] – still more than for unauthorized or excessively long dancing [11].

It becomes interesting when we learn why someone was insulted. For example, the Comburg subject Kurtz from Hagenbach and Johann Georg Haas, who was a "bricklayer," got into a dispute "over the digging of a lower ravine." Haas insulted the Comburg subject and, in turn, called him a "fourfold scoundrel," which apparently carried so much weight that Kurtz had to pay 15 shillings more than Haas [12].


Ein Amtmann mit seinem Amtsschreiber in Kleidung der 1740er. - The "Amtmann" with his secretary in typical 1740s clothes. (Foto: C. Hanselmann, 2014)

Donnerstag, 1. Januar 2026

Was noch geschah 2025 - What happened more in 2025 P 2

Um den anderen Beitrag nicht zu überfrachten, habe ich diesmal unsere Saisonrückschau zweigeteilt. 

In order not to overload the other post, I have split our season review into two parts this time.

 

Ein Beispiel für wunderschöne Objekte in kleinen Museen ist diese Ofenröhrentür (2. Hälfte 18. Jh.) aus Wriezen im Oderlandmuseum in Bad Freienwalde. - A fine example that you can find very nice objects in small museums is this door of an oven (2nd half of the 18th century) from Wriezen in the Oderlandmuseum Bad Freienwalde. (photo: C. Hanselmann)
 

Erneut waren wir in den Niederlanden, wo wir uns nicht nur von den Gemälden von Frans Hals in Haarlem, sondern auch Eindrücken in Alkmar mit dem berühmten Käsemarkt, sondern auch der besonderen Architektur verzaubern ließen. Neben zahlreichen Gemälden des 17. Jahrhunderts haben wir dieses Jahr auch sehr viele Werke des 18. Jahrhunderts intensiv bestaunt.

Der Ostindienfahrer "Amsterdam" im Het Sheepvarts Museum. - The large East Indiaman "Amsterdam" in the Het Sheepvarts Museum. (photo: C. Hanselmann)

We were back in the Netherlands, where we were enchanted not only by the paintings by Frans Hals in Haarlem, but also by the impressions of Alkmaar with its famous cheese market, and by the unique architecture. In addition to numerous 17th-century paintings, this year we also marveled at many works from the 18th century.

 

Gut, abgefeuert wurden die Geschütze der echten "Amsterdam" wohl nie in ihrem extrem kurzen "Leben". - Okay in reality the guns of the real "Amsterdam" were not used in the short life of the ship. (photo: A. Hanselmann)

Der berühmte Käsemarkt in Alkmar mit der Stadtwaage von 1582 im Hintergrund. - The famous cheese market at Alkmar with the city scale from 1582 in the background. (photo. C. Hanselmann)

 
Anschließend besuchten wir wieder eine unserer eigenen privaten Veranstaltungen in Frankreich. Diesmal waren wir ebenso wie in Wackershofen [1] im Jahr 1775. Durch kleine Aufgaben, die wir unseren Gästen gaben, hatten wir diesmal viel Unerwartetes. So wurde ein Brief entwendet und eine kleine Intrige geschmiedet. Wir haben aber auch viele normale Beschäftigungen für die Oberschicht der Epoche gepflegt wie "Angeln", Fechten, Zeichnen, Malen, Theaterspiel, Boule und kleinere Spiele [2]. Das Wetter war uns oft genug hold, so dass wir auch die Landschaft und den Garten des Schlösschens nutzen konnten.
Der Maler mit dem Perspektivrahmen. - The painter working with the perspective frame. (Foto: C. Hanselmann)

Afterwards, we again attended one of our own private events in France. This time we were there just as we had been in Wackershofen [1] in 1775. Through small tasks we gave our guests, we had many unexpected experiences. A letter was stolen and a small intrigue was hatched. But we also indulged in many normal activities for the upper class of the era, such as fishing, fencing, drawing, painting, theater, boules, and smaller games [2]. The weather was often kind enough to allow us to enjoy the landscape and the garden of the little castle.
 

Freitag, 12. Dezember 2025

Was noch geschah 2025 - What happened more in 2025 P 1

Neben unseren eigenen Veranstaltungen hatten wir auch ein paar Veranstaltungen anderer Leute, die wir besuchten und private Ausflüge. Im Freilichtmuseum Gottersdorf hatte ich wieder die Funktion als Gastwirt. In meinem Haus war auch ein Apotheker mit Frau untergebracht. Zwar hatte ich keine Mägde, aber zwei Knechte.

Das Jan-von-Werth-Denkmal in Köln. Wir waren Anfang des Jahres da und neben dem Wirtshaus "Jan von Werth" ist uns auch dieses Denkmal aufgefallen. - The Jan-von-Werth monument in Cologne. At the beginning of the year we were there and we noticed the "Jan von Werth" inn and later this monument. (photo: A. Hanselmann)


In addition to our own events, we also attended a few other people's events and had private excursions. At the Gottersdorf Open-Air Museum, I again served as innkeeper. A pharmacist and his wife also lived in my house. Although I didn't have any maids, I did have two farmhands.

 

Beim Apotheker 1625 in Gottersdorf auf einer Veranstaltung von Daniel Klotz [1]. - In the room of the pharmacist in 1625 in Gottersdorf on an event of Daniel Klotz [1]. (Foto: Cecilia Hanselmann)


In Gottersdorf war das Thema die Einquartierung eines kaiserlichen Regimentes zu Fuß im Jahr 1625. Es wurde marodiert und es kam zu einem Scharmützel zwischen der Landbbevölkerung und den Besatzern.

In Gottersdorf, the issue was the quartering of an imperial foot regiment in 1625. It was marauded and a skirmish broke out between the rural population and the occupiers.

Im Jahr 1804. Ich trage einen Hofanzug mit einer handbestickten Weste [2]. - I'm wearing a court suit with a new handstitched waistcoat for 1804 [2]. (Foto: A.-A. Hanselmann)

Im Mai waren wir obendrein auf einer privaten Veranstaltung in Franken, wo wir früher selbst Veranstaltungen organisiert haben und ich war an der Ostsee.

In May we also went to a private event in Franconia, where we used to organize events ourselves, and I was at the Baltic Sea.

Um 1800 habe ich an der Ostsee die Küste gezeichnet. - I made a drawing of the coast at the Baltic Sea around 1800. (Foto: T. Melczuk)

Im Juni nahmen wir an einer Veranstaltung von "Les Soirées Amusantes" [3], wo Tanz und Kartenspiel in einem Museum in Basel vorgeführt wurden. Die Zeitstellung war spätes 18. Jahrhundert. Es passte also von daher ganz gut zu unserer diesjährigen Veranstaltung in Wackershofen.

In June, we participated in an event organized by "Les Soirées Amusantes" [3], where dance and card games were presented at a museum in Basel. The setting was the late 18th century, so it was a good fit for this year's event in Wackershofen.

Wir waren Anfang Juni im Haus zum Kirschgarten in Basel. Dort haben wir Whist-à-trois gespielt und getanzt in einem schönen Saal mit Gemälden von Hubert Robert. Die Zeitstellung war etwa um 1780. - We were in the Haus zum Kirschgarten museum in Basel at the beginning of June. We played Whist-à-trois and danced in a beautiful room with a painting by Hubert Robert. The period represented was around 1780. (Foto: C. Hanselmann)


Viele Impressionen lieferte unsere Reise nach Italien, wo wir Verona, Venedig und Vicenza besichtigten. Neben vielen Zeugnissen der Antike, die schon im 18. Jahrhundert die Menschen enorm beschäftigten, gab es auch spannende Bauten aus der Renaissance und dem Barock, die wir anschauten. Besonders fasziniert war ich von den Gebäuden von Palladio in Vicenza, welche für die Baukunst des 18. Jahrhunderts vorbildlich waren.

Our trip to Italy, where we visited Verona, Venice, and Vicenza, provided many impressions. In addition to many relics of antiquity, which were already of great interest to people in the 18th century, we also viewed fascinating buildings from the Renaissance and Baroque periods. I was particularly fascinated by Palladio's buildings in Vicenza, which were exemplary examples of 18th-century architecture.

 

Bei unserem Besuch in Verona war ich beeindruckt vom Aussehen des Museo Lapidario Maffeiano aus dem 18. Jh.. - At our trip to Verona I was impressed by the look of the Museo Lapidario Maffeiano from the 18th century. (photo: C. Hanselmann)



 

In Venedig kann man in dem Museum in der Casa di Carlo Goldoni diese originalen Figuren aus dem 18. Jahrhundert bestaunen. - You can see these original figures from the 18th century in the Casa di Carlo Goldoni museum in Venice. (photo: C. Hanselmann)

Im schönen Schlosspark von Schwetzingen waren wir auf den Spuren von Kurfürst Carl Theodor. In den 1790ern war das Schloss nicht mehr ein Wohnsitz des Kurfürsten der Pfalz, da Carl Theodor mittlerweile in München statt in Mannheim residierte.


Um das Jahr 1800 im Park von Schwetzingen. - A regency period walk in the park of Schwetzingen. (Foto: A.-A. Hanselmann)

Im Juli waren wir in Frankreich auf einer privaten Veranstaltung, wo wir ins Jahr 1796 eintauchten. Während die Zeitungen vom geplanten Einfall des Generals Bonaparte in Tirol berichteten, haben andere die heldenhafte Verteidigung des Breisgaus durch den dortigen Landsturm und Bauern thematisiert [4]. Unser Reiseweg wäre 1796 ziemlich unmöglich oder zumindest höchst erschwert gewesen, da im Juli 1796 die Postverbindung zwischen Karlsruhe und Freiburg unterbrochen war und die Post über Stuttgart nach Basel umgeleitet wurde. Es gab praktisch im ganzen Westen von Hüningen bzw. Kenzingen bis hinauf nach Wetzlar heftige Kämpfe. Es kam sogar zu Falschmeldungen wie aus Donaueschingen, dass ein Prinz von Schwarzenberg, Obrist eines österreichischen Kürassierregiments gefangengenommen sein soll, während dieser später in Wetzlar gesichtet wurde, während stattdessen ein Prinz von Fürstenberg in die Hände der Franzosen gefallen war [5]. An unseren Tagen in der Champagne haben wir modische Unterhaltung genossen: Theater gespielt, Billard und Whist gespielt, getanzt, gesungen...

Samstag, 1. November 2025

Anno Domini 1775 - Wie das Salz getragen wurde P 3

 Am Morgen fand sich die Gemeinde ein, um einer Andacht beizuwohnen. Leider ist der künftige Vikar auf der Reise nach Michelfeld [1] erkrankt und passenderweise behandelte der Text am 11. Sonntag nach Trinitatis das Thema Demut und das Gleichnis des Pharisäers mit dem Zöllner fanden wir auch sehr passend.

Auf dem Weg zur Andacht. - On our way to the "church". (photo: M. Leyendecker)

 

In the morning, the congregation gathered to attend a devotional service. Unfortunately, the future vicar fell ill on his journey to Michelfeld [1], and fittingly, the text for the 11th Sunday after Trinity dealt with the theme of humility, and we also found the parable of the Pharisee and the tax collector very fitting.


Wir singen sehr schön. - We are singing very well. (photo: M. Leyendecker)

Nach der Andacht versammelte sich die politische Gemeinde des Weilers Leoweiler. Von den 3 Gemeinsmännern [2] fehlte der Wirt der Roten Steige. Dem einen Gemeinsmann wurde vom Schultheißen eine Geldstrafe für das Fehlen eines Gewehrs auferlegt. Dann musste der angeblich in fremde Kriegsdienste entwichene angeblich verschuldete Steigenwirt ersetzt werden, weil er in der Gemeinde das Amt des Dorfmeisters [3] innehatte. Auf Anhieb wurde der einzige andere Gemeinsmann zum Dorfmeister gewählt. Der Grabenreiter, der ja ein Bürger der Stadt ist und daher in der Gemeindeversammlung nichts zu sagen hat, meldete, dass ihm vom Herrn Sanwald [4] der Befehl erteilt wurde sich ins Steigengasthaus zu legen um dort mehrere Tage zu warten, ob auf den Druck der Besetzung des Hauses nicht der Verschwundene heimkehrt. Die Gemeinde beschloss den Amtmann zu bitten sich nach einem neuen Steigenwirt umzusehen, der nicht als Preller der Nachsteuer verdächtigt wurde. Übrigens wurde entsprechend der Instruktion für die Schultheißen darauf hingewiesen, dass die Gemeinsmänner die Dorfwachen durchführen mussten [5]. Die Gemeinde begab sich - wie damals üblich - danach ins Wirtshaus [6].

Ganz Leoweiler ist angetreten. - The whole community of Leoweiler is assembled. (photo: M. Leyendecker)

 

After the service, the political community of the hamlet of Leoweiler gathered. Of the three commoners [2], the innkeeper of the Rote Steige was missing. One of the commoners was fined by the mayor for not having a flintlock musket. Then the innkeeper of the Steigen, who had allegedly deserted to foreign military service and was allegedly in debt, had to be replaced because he held the office of village master [3] in the community. The only other commoner was immediately elected village master. The Grabenreiter, who is a citizen of the town and therefore has no say in the community meeting, reported that he had been ordered by Mr. Sanwald [4] to lie down in the Steigengasthaus and wait there for several days to see whether the missing man would return under pressure from the occupation. The community decided to ask the bailiff to look for a new innkeeper who was not suspected of evading back taxes. Incidentally, according to the instructions for the mayors, it was pointed out that the commoners had to conduct the village guards [5]. The community then went to the inn, as was customary at the time [6].

So schaut unser Adler aus. - A detail of the eagle. (photo: M. Leyendecker)


Am Nachmittag fand ein Adlerschießen statt [7]. Von den 6 angekündigten Schützen traten nur 5 an. Ich überprüfte die Schusswaffen entsprechend der Land- und Dorfordnung, welche gezogene Läufe verbot [8]. Die Flinte des Schmieds war offenbar nicht funktionstüchtig, meine eigene Flinte aber um so mehr. Schließlich gewann der Knecht [9] des Bauers Haug aus Leoweiler nebst jemand vom Hausgesinde der Steige das Schießen. Anschließend tanzten die zufriedenen Bauern vor dem Steigengasthaus.

Die Landleute auf dem Vogelschießen. Im Hintergrund der Adler. Im Vordergrund links der Schultheiß mit Sonntagskleidung. - The country people at the bird shooting. Please note the eagle in the background. At the left in the foreground you can see the mayor in his Sunday clothing. (Foto: S. Winter)

 

In the afternoon, an eagle shooting competition took place [7]. Of the six announced shooters, only five participated. I checked the firearms according to the rural and village regulations, which prohibited rifled barrels [8]. The blacksmith's flintlock gun was apparently not functional, but my own shotgun was even more so. In the end, the farmhand [9] of farmer Haug from Leoweiler, along with one of the Steige household staff, won the shooting competition. Afterwards, the satisfied farmers danced in front of the Steigen Inn.

Auch der Schultheiß ist dabei. - The "Schultheiß" in action too. (photo: M. Leyendecker)