Dienstag, 29. September 2026

Anno Domini 1746 "Raufhändel ..." P 3

Der Sonntag bedeutete eine große Neuheit, da wir endlich einen neuen Pastor bekommen hatten, der die Andacht zelebrierte. Wir sangen das "Kriegslied", "Nach grüner Farb mein Herz begehrt", "Lobet den Herrn" und "Eine feste Burg ist unser Gott". Die etwas zweifelhaften Schmiede von denen ein paar dem Schultheißen unbekannt waren, missbrauchten die freie Zeit mit Würfelspiel am Rande.

Sunday brought a significant change, as we finally had a new pastor to conduct the service. We sang the "War Song," "My Heart Longs for the Color Green," "Praise the Lord," and "A Mighty Fortress Is Our God." The somewhat unsavory blacksmiths—some of whom were unknown to the village magistrate—misused their free time by playing dice off to the side.


Das sollte sich aber rasch rächen, als nämlich ein Steckbrief gegen Mittag aus Hall kam, worin ein Hammerschmied namens Preischel gesucht wurde [1]. Der in dem großen Haus bei der Schmiede wohnende Schmied war mir natürlich als Schultheiß bekannt. Es konnte aber ein wandernder Schmiedegeselle ergriffen werden. Da er mir keinen Ausweis, das heißt nicht seine Kundschaft [2], vorweisen konnte - auch nicht nachdem er bewacht vom Grabenreiter in der Schmiede gesucht hatte - sperrten wir ihn kurzerhand im Pferdestall des Steigengasthauses ein [3]. Später fand sich der ortsansässige Schmied ein, der für ihn bürgen wollte und schließlich auch eine Kundschaft aus Solothurn vorweisen konnte. Dass er mit dieser von dort bis ins Hällische gelaufen war, schien uns dennoch verdächtig. Dennoch beschied uns der Grabenreiter ganz richtig, dass wir gegen den Gesellen nichts mehr in der Hand hatten und ihn laufen lassen mussten.

However, this soon backfired when, around midday, a wanted notice arrived from Hall seeking a hammer-smith named Preischel [1]. Naturally, I knew the smith who lived in the large house by the forge in my capacity as village magistrate. However, a traveling journeyman smith was apprehended. Since he could not produce any identification—that is, his "Kundschaft" [2] (travel papers)—even after searching for them in the forge under the watchful eye of the "Grabenreiter" [3], we promptly locked him up in the horse stable of the Steigen Inn. Later, the local smith arrived, willing to vouch for him and eventually producing a set of papers from Solothurn. The fact that he had walked all the way from there to the territory of Hall with those papers struck us as suspicious nonetheless. Even so, the ditch rider rightly informed us that we had no further grounds to hold the journeyman and were obliged to let him go.


Danach versammelten sich alle Gemeinsmänner im Schankraum. Wir beschlossen, dass wir eine Dorfordnung für Leoweiler aufsetzen wollten, damit es nicht wieder zu Unsicherheiten wie die mit dem Hausgenossen kam [4]. Zugegen war ich als der Schultheiß, mein Nachbar als der neue Dorfmeister [5], der Schmied und der Steigenwirt [6]. Den Hausgenossen wurde nur 1 Stück Vieh zugestanden, war einer der Artikel. Jeder der vorerst 4 Artikel wurde einstimmig beschlossen.

 

Afterwards, all the commoners gathered in the taproom. We decided to draft a set of village regulations for Leoweiler to prevent a recurrence of the uncertainties surrounding the "Hausgenossen" [4]. Present were myself as the village headman, my neighbor as the new village master [5], the blacksmith, and the innkeeper [6]. One of the articles stipulated that "Hausgenossen" were permitted to own only a single head of livestock. Each of the four initial articles was adopted unanimously.

Tanzen vor dem Wirtshaus. - Dancing in front of the inn. (photo:  @kaefferleindesign)


Als wir rasch etwas gegessen hatten, wurde vor dem Gasthaus, wenngleich etwas weniger zahlreich wie am Vortag, getanzt. Dabei ist das Tanzen an Sonntagen eigentlich ungern gesehen. Aber der Grabenreiter schritt nicht ein.

Hufeisenwerfen am Gasthaus. - Horseshoe pitching at the inn. (photo: @kaefferleindesign)

 

After we had quickly grabbed a bite to eat, people were dancing in front of the inn—albeit in somewhat smaller numbers than the day before. Dancing on Sundays is actually frowned upon, yet the "Grabenreiter" did not intervene.

Der Schultheiß und der Leutnant zu Pferd. - The "Schultheiß" and the lieutenant on horseback. (photo: @kaefferleindesign)

Sonntag, 20. September 2026

Anno Domini 1746 "Raufhändel..." P 2

Nach einer langen Nacht wurde ich rechtzeitig wach um mit unserem Knecht das Feuer anzumachen und Wasser zu holen für das Frühstück. Anschließend gab es die Dorfschule, wo diesmal - vielleicht erstmalig ? - 3 Jungen und ein Mädchen dabei waren. Ich wollte den Kindern vor allem das "Kriegslied" von Johann Balthasar Beyschlag [1] beibringen, da es mir besonders gut zu den Ereignissen 1746 zu passen schien. Katechismusunterricht [2] hatten zwei der Kinder noch garnicht gehabt, wobei das in der Schule in unserer Epoche ja neben dem Lesen und Schreiben im Vordergrund steht. Eine Sommerschule lässt sich ja eigentlich im Amt Rosengarten fast garnicht nachweisen, da es in den meisten Dörfern nur eine Winterschule, das heißt einen Schulbesuch der Kinder in 2 Quartalen pro Jahr gab.

After a long night, I woke up in time to light the fire with our farmhand and fetch water for breakfast. Afterward, there was village school; this time—perhaps for the first time?—three boys and one girl were in attendance. Above all, I wanted to teach the children the "War Song" by Johann Balthasar Beyschlag [1], as it seemed to me to fit the events of 1746 particularly well. Two of the children had received no catechism instruction [2] at all—even though, in our era, this subject takes center stage in schools alongside reading and writing. In fact, there is hardly any evidence of a "summer school" in the Rosengarten district, as most villages had only a "winter school"—meaning the children attended classes for just two quarters of the year.


Nicht nur die Schule war recht erfolgreich. Diesmal war das Wetter auch dem Wäschewaschen besonders günstig, so dass die Flecken wirklich rausgingen und die Wäsche vor dem Abendessen bereits getrocknet war. Diesmal herrschte zwischen den Haushalten auch die schönste Eintracht, so dass die Hemden usw. im Innenhof beim Nachbar aufgehängt werden konnten.

It wasn't just the school that was quite successful. This time, the weather was also particularly favorable for doing the laundry, so the stains actually came out and the clothes were dry before dinner. There was also perfect harmony among the households this time, allowing shirts and the like to be hung up in the neighbor's courtyard.

Die Bayern in dem Haus, wo der Schmied wohnt. - The Bavarians in the house of the smith. (photo: J. Krämer)


Das hielt aber nicht sehr lange, da der Hausgenosse eigentlich seine Ziege [3] an mich verkaufen wollte. Bei dem Abschließen des Vertrages, dem sogenannten Weinkauf, wollte er den Verkauf dann aber doch wieder rückgängig machen, worüber ich aus der Haut fuhr. Da wir beide aus einem Schrannen [4] die Beine zogen, mussten wir dem zufällig in der Stalltür stehenden Grabenreiter eine Strafe von einem Taler zahlen. Der Bauer Haug, bei dem der Hausgenosse wohnte, der entsprechend den üblichen Dorfordnungen als "Pürg" [5] zugegen war, wollte dafür einstehen, dass der Hausgenosse später seine Strafe beim Amtmann erlegte.

However, this did not last long, as the housemate actually wanted to sell his goat [3] to me. Yet, upon concluding the agreement—the so-called "wine-purchase" [sealing the deal]—he wanted to back out of the sale, which made me fly into a rage. Since we had both slipped out of the "Schranne" [4], we were obliged to pay a fine of one "Thaler" to the "Grabenreiter" [5], who happened to be standing in the stable doorway. Farmer Haug—with whom the housemate lodged and who was present in his capacity as a "Pürg" [6] in accordance with customary village regulations—offered to vouch for the housemate, guaranteeing that he would pay his fine to the bailiff at a later time.

Nach dem Wäschewaschen bei den Nachbarn im Hof. - After the laundry in the courtyard of our nabours. (photo: S. Winter)

Mittwoch, 9. September 2026

Anno Domini 1746 "Raufhändel..." Part 1

Dieses Jahr sollten wir eine spezielle Veranstaltung bekommen in Wackershofen. Trotz ein paar wenigen Ausfällen ist es wohl die größte Veranstaltung geworden, die wir jemals hatten und der Schankraum war an dem Abenden sehr gefüllt.

Der erste Tag stand ganz im Zeichen der starken Regenfälle, die uns mit Blitzen und Donner seit der Nacht schon beschäftigten. Daher konnte der designierte Amtmann Sanwald, der Nachfolger des am 27. August verstorbenen Arnold [1], nicht in den Weiler reiten, um dem Leutnant des bayerischen Leibregiments zu begegnen. In dem Haus eines Bauern wurden die beiden Bayern nicht fündig.

Den Regen sieht man hier garnicht. Wir haben keinen Deserteur gefunden. Der Dorfmeister war obendrein abwesend. - You can't see the heavy rain here. We didn't found a deserter - yet. Besides the mayor war absent. (photo: S. Winter)

 

This year, we were set to host a special event in Wackershofen. Despite a few minor setbacks, it turned out to be the largest event we have ever held, and the taproom was packed on those evenings.

The first day was dominated by heavy rainfall, accompanied by lightning and thunder that had been battering us since the night before. Consequently, the designated "Amtmann" Sanwald—successor to Arnold [1], who had passed away on August 27—was unable to ride into the hamlet to meet the lieutenant of the Bavarian Life Guards Regiment. The two Bavarians searched a farmer's house but found no trace of the man they were looking for.

Amtmann und Leutnant zusammen im Wirtshaus. - The bailiff and the lieutenant in the tavern. (Foto: S. Winter)


Später musste der baldige Amtmann der Frau des Schultheißen von Leoweiler ein Dekret in Form der "Obrigkeitlichen Verordnung..." [2] übergeben, da der Schultheiß nicht aufzufinden war. Da in dieser Verordnung das Strafmaß für Raufhändel garnicht verzeichnet ist, wurde vom baldigen Amtmann die Polizeiordnung [3] vorgestellt, wo eindeutig geregelt ist, welche Strafen man beispielsweise bei blutigen Wunden im Falle von Schlägereien zu erwarten hat. 

Der Amtmann ist zu Pferd eingetroffen. - The "Amtmann" arrived at horseback. (Foto: S. Winter)