Mittwoch, 9. September 2026

Anno Domini 1746 "Raufhändel..." Part 1

Dieses Jahr sollten wir eine spezielle Veranstaltung bekommen in Wackershofen. Trotz ein paar wenigen Ausfällen ist es wohl die größte Veranstaltung geworden, die wir jemals hatten und der Schankraum war an dem Abenden sehr gefüllt.

Der erste Tag stand ganz im Zeichen der starken Regenfälle, die uns mit Blitzen und Donner seit der Nacht schon beschäftigten. Daher konnte der designierte Amtmann Sanwald, der Nachfolger des am 27. August verstorbenen Arnold [1], nicht in den Weiler reiten, um dem Leutnant des bayerischen Leibregiments zu begegnen. In dem Haus eines Bauern wurden die beiden Bayern nicht fündig.

Den Regen sieht man hier garnicht. Wir haben keinen Deserteur gefunden. Der Dorfmeister war obendrein abwesend. - You can't see the heavy rain here. We didn't found a deserter - yet. Besides the mayor war absent. (photo: S. Winter)

 

This year, we were set to host a special event in Wackershofen. Despite a few minor setbacks, it turned out to be the largest event we have ever held, and the taproom was packed on those evenings.

The first day was dominated by heavy rainfall, accompanied by lightning and thunder that had been battering us since the night before. Consequently, the designated "Amtmann" Sanwald—successor to Arnold [1], who had passed away on August 27—was unable to ride into the hamlet to meet the lieutenant of the Bavarian Life Guards Regiment. The two Bavarians searched a farmer's house but found no trace of the man they were looking for.

Amtmann und Leutnant zusammen im Wirtshaus. - The bailiff and the lieutenant in the tavern. (Foto: S. Winter)


Später musste der baldige Amtmann der Frau des Schultheißen von Leoweiler ein Dekret in Form der "Obrigkeitlichen Verordnung..." [2] übergeben, da der Schultheiß nicht aufzufinden war. Da in dieser Verordnung das Strafmaß für Raufhändel garnicht verzeichnet ist, wurde vom baldigen Amtmann die Polizeiordnung [3] vorgestellt, wo eindeutig geregelt ist, welche Strafen man beispielsweise bei blutigen Wunden im Falle von Schlägereien zu erwarten hat. 

Der Amtmann ist zu Pferd eingetroffen. - The "Amtmann" arrived at horseback. (Foto: S. Winter)

Later, the official-designate had to deliver a decree—in the form of an "Official Ordinance..." [2]—to the wife of the Leoweiler village "Schultheiß", as the "Schultheiß" himself could not be found. Since this ordinance did not specify the penalties for brawling, the official-designate presented the police regulations [3], which clearly set out the punishments to be expected for offenses such as inflicting bloody wounds during a fight.

Hier erkennt man sehr gut wie das Porte-Manteau mit der Ausstattung des Amtmannes am Pferd befestigt ist. - Here you can see very well how the Porte-Manteau with the equipment of the Amtmann is fixed at the horse. (photo: S. Winter)


Nachdem sich der designierte Amtmann mit dem bayerischen Offizier in gepflegter Gesellschaft befunden hatte, musste er sich die Streitereien der bereits erwähnten Schultheißin mit dem Hausknecht ihres Nachbarn anhören, dessen Ziege Mathilde angeblich vor die Tür des Schultheißen gekackt haben soll. Da sich beide gegenseitig beschimpft hatten, zahlten sie jeweils 15 ß in die Amtskasse. Da aber der Hausgenosse obendrein seinen Hut auf dem Kopf behielt [4] musste er dem Amtmann 1 fl Strafe zahlen. Zu seiner Verwirrung bekam er nichts zurück, als er 1 Taler hergab [5].

Ist das die Ziege, die schuld ist an dem Streit? - Is that the guilty goat? (photo: A.-A. Hanselmann)

 

After the designated bailiff had spent time in the refined company of the Bavarian officer, he was obliged to listen to a dispute between the aforementioned female village head and her neighbor’s manservant—whose goat, Mathilde, had allegedly defecated right in front of the village head’s door. As the two had traded insults, each was required to pay 15 shillings into the administrative coffers. However, because the manservant had also kept his hat on his head [4], he had to pay the magistrate a fine of 1 florin. To his bewilderment, he received no change when he handed over a "Thaler" [5].


Interessanterweise konnte der hohe Herr aus Hall in der aktuellen Zeitung über die bayerischen Truppen lesen, die von den Niederländern in Dienste genommen wurden und sich so wie der Leutnant, dem er begegnet war, nach Flandern begeben mussten [6]. Nach dem Einziehen der Strafen konnte er eskortiert vom Grabenreiter nach Hall zurück reiten.

Interestingly, the high-ranking gentleman from Hall was able to read in the current newspaper about the Bavarian troops who had been taken into Dutch service and—like the lieutenant he had encountered—were obliged to head to Flanders [6]. Once the fines had been collected, he was able to ride back to Hall, escorted by the mounted patrolman.


Ein verregneter Tag neigte sich zum Ende und insbesondere im Steigenwirtshaus trafen langsam die letzten Leute ein, während bei uns in den 2 Häusern meines Nachbarn und bei mir alle bereits anwesend waren. Erst als mein Nachbar aus dem Süden ankam, durfte ich ins Bettchen gehen.

Die Schmiede sind schwer bepackt. - The blacksmiths are heavily laden. (photo: S. Winter)


A rainy day was drawing to a close, and the last few people were slowly arriving—especially at the Steigenwirt inn—whereas everyone was already present at the two houses belonging to my neighbor and myself. Only when my neighbor arrived from the south was I allowed to go to bed.


Text: André Hanselmann

Fotos:  Stefan Winter, A.-A. Hanselmann


Notizen / Notes:

1) Georg Bernhard Arnold

2) "Obrigkeitliche Verordnung Wornach sich des H. Reichs-Stadt Schwäb. Hall Unterthanen und andere Angehörige auf dem Land ... zu verhalten haben" Georg Michael Mayer, Schwäbisch Hall, 1710

3"Erneuerte Policey-Ordnung des Heil. Reichs-Stadt Schwäbischen Hall" Georg Michel Mayer, 1703

4) Ähnlich wie der nicht abgenommene Hut vor der Obrigkeit in der Heidhütte, was wir schonmal erwähnten. Siehe hier: / We mentioned a hat which was not lifted in a hut here: https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2025/04/die-achtung-vor-dem-amtmann-respect-for.html

5) Dabei ist 1 Taler ja 1 1/2 Gulden wert. - 1 "Taler" is 1 1/2 florins.

6) "Auszug aus der neuesten Weltgeschichte" 1746, Nr, 48, S. 386

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