Der Sonntag bedeutete eine große Neuheit, da wir endlich einen neuen Pastor bekommen hatten, der die Andacht zelebrierte. Wir sangen das "Kriegslied", "Nach grüner Farb mein Herz begehrt", "Lobet den Herrn" und "Eine feste Burg ist unser Gott". Die etwas zweifelhaften Schmiede von denen ein paar dem Schultheißen unbekannt waren, missbrauchten die freie Zeit mit Würfelspiel am Rande.
Sunday brought a significant change, as we finally had a new pastor to conduct the service. We sang the "War Song," "My Heart Longs for the Color Green," "Praise the Lord," and "A Mighty Fortress Is Our God." The somewhat unsavory blacksmiths—some of whom were unknown to the village magistrate—misused their free time by playing dice off to the side.
Das sollte sich aber rasch rächen, als nämlich ein Steckbrief gegen Mittag aus Hall kam, worin ein Hammerschmied namens Preischel gesucht wurde [1]. Der in dem großen Haus bei der Schmiede wohnende Schmied war mir natürlich als Schultheiß bekannt. Es konnte aber ein wandernder Schmiedegeselle ergriffen werden. Da er mir keinen Ausweis, das heißt nicht seine Kundschaft [2], vorweisen konnte - auch nicht nachdem er bewacht vom Grabenreiter in der Schmiede gesucht hatte - sperrten wir ihn kurzerhand im Pferdestall des Steigengasthauses ein [3]. Später fand sich der ortsansässige Schmied ein, der für ihn bürgen wollte und schließlich auch eine Kundschaft aus Solothurn vorweisen konnte. Dass er mit dieser von dort bis ins Hällische gelaufen war, schien uns dennoch verdächtig. Dennoch beschied uns der Grabenreiter ganz richtig, dass wir gegen den Gesellen nichts mehr in der Hand hatten und ihn laufen lassen mussten.
However, this soon backfired when, around midday, a wanted notice arrived from Hall seeking a hammer-smith named Preischel [1]. Naturally, I knew the smith who lived in the large house by the forge in my capacity as village magistrate. However, a traveling journeyman smith was apprehended. Since he could not produce any identification—that is, his "Kundschaft" [2] (travel papers)—even after searching for them in the forge under the watchful eye of the "Grabenreiter" [3], we promptly locked him up in the horse stable of the Steigen Inn. Later, the local smith arrived, willing to vouch for him and eventually producing a set of papers from Solothurn. The fact that he had walked all the way from there to the territory of Hall with those papers struck us as suspicious nonetheless. Even so, the ditch rider rightly informed us that we had no further grounds to hold the journeyman and were obliged to let him go.
Danach versammelten sich alle Gemeinsmänner im Schankraum. Wir beschlossen, dass wir eine Dorfordnung für Leoweiler aufsetzen wollten, damit es nicht wieder zu Unsicherheiten wie die mit dem Hausgenossen kam [4]. Zugegen war ich als der Schultheiß, mein Nachbar als der neue Dorfmeister [5], der Schmied und der Steigenwirt [6]. Den Hausgenossen wurde nur 1 Stück Vieh zugestanden, war einer der Artikel. Jeder der vorerst 4 Artikel wurde einstimmig beschlossen.
Afterwards, all the commoners gathered in the taproom. We decided to draft a set of village regulations for Leoweiler to prevent a recurrence of the uncertainties surrounding the "Hausgenossen" [4]. Present were myself as the village headman, my neighbor as the new village master [5], the blacksmith, and the innkeeper [6]. One of the articles stipulated that "Hausgenossen" were permitted to own only a single head of livestock. Each of the four initial articles was adopted unanimously.
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| Tanzen vor dem Wirtshaus. - Dancing in front of the inn. (photo: @kaefferleindesign) |
Als wir rasch etwas gegessen hatten, wurde vor dem Gasthaus, wenngleich etwas weniger zahlreich wie am Vortag, getanzt. Dabei ist das Tanzen an Sonntagen eigentlich ungern gesehen. Aber der Grabenreiter schritt nicht ein.
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| Hufeisenwerfen am Gasthaus. - Horseshoe pitching at the inn. (photo: @kaefferleindesign) |
After we had quickly grabbed a bite to eat, people were dancing in front of the inn—albeit in somewhat smaller numbers than the day before. Dancing on Sundays is actually frowned upon, yet the "Grabenreiter" did not intervene.
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| Der Schultheiß und der Leutnant zu Pferd. - The "Schultheiß" and the lieutenant on horseback. (photo: @kaefferleindesign) |
Dieser hatte auch wahrlich wichtigeres zu tun. Denn der bayerische Leutnant von Sauerzapf trat wieder auf den Plan, der von General Zievel [7] die Anweisung bei sich hatte [8] Deserteure zu ergreifen. Ich sollte ihn als Schultheiß dabei unterstützen und wir bilden aus dem bayerischen Musketier, dem Grabenreiter, einem Einwohner von Leoweiler und uns beiden eine Streife, welche zum Haus meines Nachbars aufbrachen. Das Anwesen war zwar schon am Freitag durchsucht worden. Aber ein Deserteur könnte sich ja unterdessen eingeschlichen haben. Tatsächlich wurde dem Hausgenossen Angst und Bange, als er zurückgekehrt vom Dorftanz einen Uniformrock und eine Muskete in seiner Kammer vorfand. Während wir zu dritt - ich, der Grabenreiter und der Herr Leutnant - zu Pferde blieben, durchwühlten die anderen das Haus und den Stall. Schließlich wurde man eines Kerls mit Bart und langem Haar habhaft, den scheinbar der Leutnant sogar wiedererkannte. Der Leutnant versprach ihm ihn nach Flandern mitzunehmen und von einer härteren Strafe abzusehen, wenn er sich nur tüchtig für das Regiment schlug. Mein Nachbar, der Dorfmeister, ließ sich einen Schuldzettel vom Leutnant über 5 Gulden andrehen, statt den versprochenen Dukaten [9] zu bekommen. Mir war es gleich. Der Deserteur wurde von dem Soldaten und dem Schmied erfolgreich abgeführt.
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| Der Deserteur mit der weißen Mütze wird von den Streifern aus dem Haus geholt. - The deserter (with the white cap) is arrested by the patrol in the house. (Foto: @kaefferleindesign) |
He, too, truly had more important things to do. For the Bavarian Lieutenant von Sauerzapf had reappeared on the scene, carrying orders from General Zievel [7] to apprehend deserters [8]. I was to assist him in my capacity as village magistrate, so we formed a patrol—consisting of the Bavarian musketeer, the "Grabenreiter", a resident of Leoweiler, and the two of us—and set out for my neighbor’s house. The property had indeed already been searched on Friday, but a deserter could well have sneaked in since then. In fact, the man living there had been terrified when, upon returning from the village dance, he discovered a uniform coat and a musket in his room. While the three of us—the Lieutenant, the "Grabenreiter", and myself—remained on horseback, the others ransacked the house and the stable. Eventually, they apprehended a fellow with a beard and long hair—a man whom the Lieutenant even seemed to recognize. The Lieutenant promised to take him along to Flanders and spare him a harsher punishment, provided he fought valiantly for the regiment. My neighbor, the village master, allowed the Lieutenant to foist an IOU for 5 guilders upon him instead of the promised ducat [9]. It made no difference to me. The soldier and the blacksmith successfully marched the deserter away.
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| Die Dienstboten werden von mir entlohnt. - My household got their payment. (Foto: C. Hanselmann) |
Wir spielten noch ein wenig Karten bis wir am Abend kegeln durften. Damit endete ein schöner Tag bei recht viel Bewölkung wodurch man weniger geschwitzt hatte und der auch von Besuchern sehr gut angenommen wurde [10].
We played cards for a while longer until it was time for skittles in the evening. This brought to a close a lovely day—characterized by considerable cloud cover that kept us from sweating too much—which was also very well received by visitors [10].





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