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Sonntag, 10. Mai 2026

Der Zöllner und die zehn Musketiere - The customs officer and the ten musketeers. P. 3

Am Sonntag gingen wir wieder zu der Andacht, wobei nicht unerwähnt blieb, dass sich die Zahl der Musketiere verringert hatte, was ich natürlich auf die derzeit wütende Pestilenz [1] schob. Direkt danach übten wir uns auf der "Straße" vor dem Haus des Weinbauers im Tanzen, was ein großer Spaß war.

Wir tanzen auf der "Straße". - We are dancing in the street. (photo: M. Leyendecker)


On Sunday we went to the service again, and it was mentioned that the number of musketeers had decreased, which I naturally attributed to the plague currently raging [1]. Immediately afterwards, we practiced dancing on the "street" in front of the winegrower's house, which was great fun.

Nach der Andacht wurde die Tanzmusik eingeübt. - After the services we practiced the dancing music. (photo: M. Leyendecker)

Vor unserem Wirts- und Zollhaus wurde nicht nur getanzt, sondern auch gekegelt, mit hölzernen Schwertern und Degen gefochten, Karten gespielt und was sonst noch zu einer Kirmes gehört. Vor allem kurz nach dem Tanzen war es ein sehr buntes Treiben. 

In front of our inn and customs house, people not only danced, but also bowled, fenced with wooden swords and rapiers, played cards, and did all the other things that belong to a fair. Especially right after the dancing, it was a very lively and colorful scene.

Aufgestellt zum Tanzen vor dem Zollhaus. - Positioned for dancing in front of the customs house. (Foto: Stefan Winter)

Auf der Kirmes. - At the fair. (photo: Stefan Winter)

Der Weinbauer schlägt die Trommel. - The winemaker is beating the drum. (photo: R. Mahr)


Anschließend konnte man mehr über das Zollhaus erfahren und die verbliebenen Musketiere schossen auf eine improvisierte Schützenscheibe. 

Der Korporal macht sich mit dem neuen Ziel auf den Weg. - The corporal with his new target. (photo: S. Winter)

Afterwards, one could learn more about the customs house, and the remaining musketeers shot at an improvised target.

Montag, 20. April 2026

Der Zöllner und die zehn Musketiere - The customs officer and the ten musketeers P. 2

Der folgende Tag unterschied sich schon allein dadurch, dass wir auch arbeiten konnten. Das heißt, dass beispielsweise die Schmiede in der Schmiede hämmerten. Wir haben Eisenteile für ein Joch geliefert bekommen. Uns wurden auch Schüreisen geschmiedet und die anderen Landleute bestellten auch kleinere Reperaturen, während einer der Schmiede an einem Hauschwert arbeitete.

Ein neuer Morgen in meiner Schankstube. - A new morning in the tavern. (Foto: Michael Leyendecker)

The following day was different simply because we were able to work. This meant, for example, that the blacksmiths were hammering away in their forge. We received iron parts for a yoke. They also forged pole irons for us, and the other villagers ordered minor repairs, while one of the blacksmiths worked on a domestic sword.

Die Schmiede liefern ihre Arbeit bei uns ab. - The blacksmiths are bringing their work. (photo: M. Leyendecker)




Für mich und meine beiden Knechte bedeutete es, dass wir das auf einem großen Wagen aufgeschichtete Getreide dreschen konnten, was wir zu dritt bewacht von ein paar der Musketiere ziemlich rasch erledigten. Es ist ja wirklich so, dass 1626 durch die Wetterverhältnisse im Reich teilweise schlimme Missernten vorkamen [1]. Auch wenn wir noch keine an den Bettelstab gebrachten bayerischen Landleute zu Gesicht bekommen haben, so konnte auch uns jederzeit die grassierende Seuche betreffen, welche insbesondere Württemberg heimsuchte [2]. Einer der Dreschflegel ging zu Bruch. Gerade diese Zeit, wenn es noch sehr kalt ist, wird für Gewöhnlich für Aufgaben wie die Reperatur von Geräten genutzt. 

Das Kalb vor dem Kuhstall. - The calf in front of the cowshed. (Foto: Stefan Winter)



For me and my two farmhands, it meant we could thresh the grain piled up on a large wagon, which the three of us accomplished quite quickly, guarded by a few of the musketeers. It is indeed true that in 1626, due to the weather conditions, there were some severe crop failures in the empire [1]. Although we have not yet seen any Bavarian peasants reduced to beggary, the rampant epidemic, which particularly afflicted Württemberg [2], could have affected us at any time. One of the flails broke. This time of year, when it is still very cold, is usually used for tasks such as repairing equipment.


Wir dreschen in meiner alten Scheune, die direkt neben dem Zollhaus steht. - We are threshing in my old barn, which is direct next to the customs house. (Foto: M. Leyendecker)

Donnerstag, 9. April 2026

Der Zöllner und die zehn Musketiere - The customs officer and the ten musketeers P 1

Nun sind wir zurück von unserer Landleben-Veranstaltung, deren Reihe wir vor 10 Jahren begonnen haben [1]. Diesmal hatten wir soviele Teilnehmer wie noch nie dabei, letztlich bedingt durch das Thema der Veranstaltung: "Der Zöllner und die zehn Musketiere 1626". Zum primären Thema habe ich die Inhalte schon veröffentlicht [2]. Trotz einiger kurzfristiger Absagen, nicht zuletzt des Darstellers des Leutnants Geyer [3], hatten wir ausreichend viele Teilnehmer für alle Rollen.

Das von einem bedeutenden Künstler gemalte und frisch angelieferte Wirtshausschild des Zöllners Hans Jacob Müller. - The sign of the inn was newly painted by a famous artist. (Foto: Stefan Winter)


We are now back from our Landleben event, a series we started 10 years ago [1]. This time we had more participants than ever before, ultimately due to the event's theme: "The Tax Collector and the Ten Musketeers 1626". I have already published the content related to the primary theme [2]. Despite some last-minute cancellations, not least from the actor playing Lieutenant Geyer [3], we had enough participants for all the roles. 

 

Der Korporal am Morgen mit Pelzmütze am Tisch mit seinen zahlreichen Musketieren. - In the morning the corporal with his fure cap is sitting at the table with his many musketeers. (photo: M. Leyendecker)

 

Nach dem Eintreffen der meisten Darsteller am Donnerstag, begann unsere Veranstaltung am Karfreitag mit einer Andacht beim Weinbauer Pahlhuber, der im Haus aus Sachsenflur wohnte [4]. Vor allem die Bewohner des württembergischen Zoll- und Wirtshauses mit dem Zöllner Hans Jacob Müller [5] samt den dort einquartierten württembergischen Söldnern trafen bei dem Bauer ein, der schon vieles vorbereitet hatte. Man hörte nicht nur die entsprechende Passage aus der Bibel, sondern erfuhr auch von den Drangsalen, welche dem Herzogtum Württemberg zusetzten. Herzog Johann Friedrich wurde in die Fürbitten freilich eingeschlossen.

Begleitet von den zehn Musketieren ziehen wir zum Hof des Weinbauers. - We are walking to the farm of the wine farmer together with the ten musketeers. (Foto: Michael Leyendecker)

After most of the performers arrived on Thursday, our event began on Good Friday with a service at the home of the winegrower Pahlhuber, who lived in the house from Sachsenflur [4]. The inhabitants of the Württemberg customs and inn, including the customs officer Hans Jacob Müller [5] and the Württemberg mercenaries quartered there, gathered at the farmer's house, where he had already made many preparations. They not only heard the relevant passage from the Bible but also learned of the tribulations afflicting the Duchy of Württemberg. Duke Johann Friedrich was, of course, included in the prayers.


Bei der Andacht am Karfreitag. In der zweiten Reihe sitzt der Korporal der Württemberger Musketiere und dahinter Leutnant Geyer. - During the prayers at the Good Friday. In the second row the corporal of the Württemberg musketeers is sitting and behind him lieutenant Geyer. (Foto: Michael Leyendecker)

Den ganzen Tag lang hatte ich damit zu tun vorbeifahrende Karren zu untersuchen, ob denn der Zoll auch entrichtet wurde. Ein Fuhrmann wollte mir weismachen, er müsse ja nichts entrichten, da seine Fuhre Holz nur zur Roten Steige ginge. Dabei liegt diese ja schon im Hällischen und erzählen kann der Mann viel. Genauso gut, kann er das Scheiterholz weiter nach Crailsheim oder ins comburgische Steinbach fahren.

Freitag, 12. Dezember 2025

Was noch geschah 2025 - What happened more in 2025 P 1

Neben unseren eigenen Veranstaltungen hatten wir auch ein paar Veranstaltungen anderer Leute, die wir besuchten und private Ausflüge. Im Freilichtmuseum Gottersdorf hatte ich wieder die Funktion als Gastwirt. In meinem Haus war auch ein Apotheker mit Frau untergebracht. Zwar hatte ich keine Mägde, aber zwei Knechte.

Das Jan-von-Werth-Denkmal in Köln. Wir waren Anfang des Jahres da und neben dem Wirtshaus "Jan von Werth" ist uns auch dieses Denkmal aufgefallen. - The Jan-von-Werth monument in Cologne. At the beginning of the year we were there and we noticed the "Jan von Werth" inn and later this monument. (photo: A. Hanselmann)


In addition to our own events, we also attended a few other people's events and had private excursions. At the Gottersdorf Open-Air Museum, I again served as innkeeper. A pharmacist and his wife also lived in my house. Although I didn't have any maids, I did have two farmhands.

 

Beim Apotheker 1625 in Gottersdorf auf einer Veranstaltung von Daniel Klotz [1]. - In the room of the pharmacist in 1625 in Gottersdorf on an event of Daniel Klotz [1]. (Foto: Cecilia Hanselmann)


In Gottersdorf war das Thema die Einquartierung eines kaiserlichen Regimentes zu Fuß im Jahr 1625. Es wurde marodiert und es kam zu einem Scharmützel zwischen der Landbbevölkerung und den Besatzern.

In Gottersdorf, the issue was the quartering of an imperial foot regiment in 1625. It was marauded and a skirmish broke out between the rural population and the occupiers.

Im Jahr 1804. Ich trage einen Hofanzug mit einer handbestickten Weste [2]. - I'm wearing a court suit with a new handstitched waistcoat for 1804 [2]. (Foto: A.-A. Hanselmann)

Im Mai waren wir obendrein auf einer privaten Veranstaltung in Franken, wo wir früher selbst Veranstaltungen organisiert haben und ich war an der Ostsee.

In May we also went to a private event in Franconia, where we used to organize events ourselves, and I was at the Baltic Sea.

Um 1800 habe ich an der Ostsee die Küste gezeichnet. - I made a drawing of the coast at the Baltic Sea around 1800. (Foto: T. Melczuk)

Im Juni nahmen wir an einer Veranstaltung von "Les Soirées Amusantes" [3], wo Tanz und Kartenspiel in einem Museum in Basel vorgeführt wurden. Die Zeitstellung war spätes 18. Jahrhundert. Es passte also von daher ganz gut zu unserer diesjährigen Veranstaltung in Wackershofen.

In June, we participated in an event organized by "Les Soirées Amusantes" [3], where dance and card games were presented at a museum in Basel. The setting was the late 18th century, so it was a good fit for this year's event in Wackershofen.

Wir waren Anfang Juni im Haus zum Kirschgarten in Basel. Dort haben wir Whist-à-trois gespielt und getanzt in einem schönen Saal mit Gemälden von Hubert Robert. Die Zeitstellung war etwa um 1780. - We were in the Haus zum Kirschgarten museum in Basel at the beginning of June. We played Whist-à-trois and danced in a beautiful room with a painting by Hubert Robert. The period represented was around 1780. (Foto: C. Hanselmann)


Viele Impressionen lieferte unsere Reise nach Italien, wo wir Verona, Venedig und Vicenza besichtigten. Neben vielen Zeugnissen der Antike, die schon im 18. Jahrhundert die Menschen enorm beschäftigten, gab es auch spannende Bauten aus der Renaissance und dem Barock, die wir anschauten. Besonders fasziniert war ich von den Gebäuden von Palladio in Vicenza, welche für die Baukunst des 18. Jahrhunderts vorbildlich waren.

Our trip to Italy, where we visited Verona, Venice, and Vicenza, provided many impressions. In addition to many relics of antiquity, which were already of great interest to people in the 18th century, we also viewed fascinating buildings from the Renaissance and Baroque periods. I was particularly fascinated by Palladio's buildings in Vicenza, which were exemplary examples of 18th-century architecture.

 

Bei unserem Besuch in Verona war ich beeindruckt vom Aussehen des Museo Lapidario Maffeiano aus dem 18. Jh.. - At our trip to Verona I was impressed by the look of the Museo Lapidario Maffeiano from the 18th century. (photo: C. Hanselmann)



 

In Venedig kann man in dem Museum in der Casa di Carlo Goldoni diese originalen Figuren aus dem 18. Jahrhundert bestaunen. - You can see these original figures from the 18th century in the Casa di Carlo Goldoni museum in Venice. (photo: C. Hanselmann)

Im schönen Schlosspark von Schwetzingen waren wir auf den Spuren von Kurfürst Carl Theodor. In den 1790ern war das Schloss nicht mehr ein Wohnsitz des Kurfürsten der Pfalz, da Carl Theodor mittlerweile in München statt in Mannheim residierte.


Um das Jahr 1800 im Park von Schwetzingen. - A regency period walk in the park of Schwetzingen. (Foto: A.-A. Hanselmann)

Im Juli waren wir in Frankreich auf einer privaten Veranstaltung, wo wir ins Jahr 1796 eintauchten. Während die Zeitungen vom geplanten Einfall des Generals Bonaparte in Tirol berichteten, haben andere die heldenhafte Verteidigung des Breisgaus durch den dortigen Landsturm und Bauern thematisiert [4]. Unser Reiseweg wäre 1796 ziemlich unmöglich oder zumindest höchst erschwert gewesen, da im Juli 1796 die Postverbindung zwischen Karlsruhe und Freiburg unterbrochen war und die Post über Stuttgart nach Basel umgeleitet wurde. Es gab praktisch im ganzen Westen von Hüningen bzw. Kenzingen bis hinauf nach Wetzlar heftige Kämpfe. Es kam sogar zu Falschmeldungen wie aus Donaueschingen, dass ein Prinz von Schwarzenberg, Obrist eines österreichischen Kürassierregiments gefangengenommen sein soll, während dieser später in Wetzlar gesichtet wurde, während stattdessen ein Prinz von Fürstenberg in die Hände der Franzosen gefallen war [5]. An unseren Tagen in der Champagne haben wir modische Unterhaltung genossen: Theater gespielt, Billard und Whist gespielt, getanzt, gesungen...

Donnerstag, 18. September 2025

Anno Domini 1775 - Wie das Salz getragen wurde P 2

Am nächsten Morgen begab sich der Schultheiß zum Zöllner. Er hatte ja den Steckbrief erhalten und war nun angehalten wie in den Land- und Dorfordnungen zu lesen [1] nach herum streunendem Gesindel wie Räuber, Diebe und "Landtsknecht" Ausschau zu halten. Daher wurde ein reisender Fuhrmann besonders scharf untersucht, welcher zwar das Chausseegeld am Gelbinger Tor [2] entrichtet hatte, aber offenbar teures Glas schmuggeln wollte, zumal der mitreisenden Krämerin nicht im Traume einzufallen schien, dass sie die teuren Seiden- und Baumwollstoffe in ihrem Gepäck verzollen musste. Ein armer Salzträger erkaufte sich einen Landzollzettel.

Der Zoll wird schließlich doch gezahlt. - Finally they pay customs. (photo: art_fotografie_sulmtalix)

 
Sie fahren weiter. - They continue their journey. (photo: art_fotografie_sulmtalix)

The next morning, the mayor went to the customs officer. He had received the warrant and was now required, as stated in the rural and village regulations [1], to be on the lookout for vagrant rabble such as robbers, thieves, and "landsknechts." Therefore, a traveling cart driver was particularly closely investigated. He had paid the toll at the Gelbinger Gate [2] but was apparently trying to smuggle expensive glass, especially since the accompanying shopkeeper didn't seem to dream that she would have to pay customs duty on the expensive silk and cotton fabrics in her luggage. A poor salt carrier bought himself a rural customs slip.

Dorfschule vor "unserem" Haus. - School in front of our house. (photo: C. Hanselmann)


Anschließend ging ich zu meinem Nachbar hinter dessen Schweinestall eine schöne Wiese liegt, wo wir mit einem seiner Knechte und meinem Knecht das Heu ernteten. Das machten wir diesmal weitaus geschwinder als in den Vorjahren. Vielleicht sind die Landleute auch motivierter, wenn sie nicht die Herrschaftliche Wiese, sondern ihre eigene, abmähen müssen [3].

 

Auf der Wiese meines Nachbarn. - At the meadow of my neighbour. (photo: art_fotografie_sulmtalix)

Afterwards, I went to my neighbour, behind whose pigpen lies a beautiful meadow, where we harvested the hay with one of his farmhands and my farmhand. This time, we did it much faster than in previous years. Perhaps the farmers are also more motivated when they have to mow their own meadow, not the lord's meadow [3].

Der Knecht des Nachbars ist besonders gut dabei. - This farmhand of my neighbour is very good. (art_fotografie_sulmtalix)

Der Schulheiß ist aber auch scheinbar sehr stolz. - The "Schultheiß" is very proud nevertheless. (photo: art_fotografie_sulmtalix)


 

Die drei Schmiede an der Arbeit. - The three blacksmiths working. (photo: S. Winter)


Später stellte ich als Schultheiß eine Streife aus 2 Gemeinsmännern, dem Schmied und 2 Knechten auf, die entsprechend der Aufforderung des Amtmannes vom Vortag nach dem Dieb suchten. Wir wurden zwar weder in Scheune noch Haus fündig, trafen dann aber zufällig einen Burschen, der sich als Handwerker ausgab, aber keine gültigen Papiere [4] vorweisen konnte, was dazu führte, dass wir ihn gefangen nahmen. Wir führten den Gefangenen zum Steigengasthaus, wo wir ihn in eine Stube sperrten, worinnen er von 2 Bewaffneten beaufsichtigt wurde und die nur eine Tür hatte wodurch er nur durch einen Sprung aus dem Fenster hätte flüchten können. Wir behielten von einem der Tische der großen Schankstube den Verdächtigen im Auge. Nach einem Glas Wein für jeden Streifer marschierten wir weiter nach Hall, wo wir ihn dem Magistrat übergeben wollten. Als wir den städtischen Schuldturm schon beinahe sahen, wollte der Gefangene davon rennen. Er kam aber nicht weit...

Ein Bewaffneter zu Pferd nimmt auch Teil an der Streife. - We have one armed rider with us at our patrol. (photo: art_fotografie_sulmtalix)

 

Ein Gemeinsmann und ein Knecht brechen zur Streife auf. - A commoner and a farmshand are going out for patrol. (photo: S. Winter)

 
Wir treffen den Schmied am Wirtshaus. - We are meeting the blacksmith at the inn. (photo: Stefan Winter)

Donnerstag, 7. November 2024

Anno Domini 1734: Die Post ist da - The mail has arrived p. 3

 Den Sonntag begingen wir mit einer kurzen Andacht, wobei wir von Johann Balthasar Beyschlag [1] sein "Kriegslied" sangen [2], welches nicht nur inhaltlich hervorragend zu der Veranstaltung passt [3]. Sehr passend behandelte die Bibelpassage, die ich ausgewählt hatte, die Heilung eines Kranken in einem gewissen Teich [4] an einem Sabbat. Ich war besonders froh, dass die Kinder so schön das "Kriegslied" in unserer Schule auswendig gelernt hatten. Manch einer machte seinen Unmut darüber kund, dass wir keinen neuen Pfarrer bekommen hatten...

Die Gemeinde in froher Erwartung der Andacht. - The community waiting for the devotion. (photo: M. Leyendecker)

 

We celebrated Sunday with a short devotion, where we sang Johann Balthasar Beyschlag [1]'s "War Song" [2], which not only fits the event perfectly in terms of content [3]. Very appropriately, the Bible passage I chose dealt with the healing of a sick person in a certain pool [4] on a Sabbath. I was particularly happy that the children had so beautifully memorized the "War Song" in our school. Some people expressed their displeasure that we hadn't gotten a new pastor...

Sehr andächtig wird gesungen. - They are singing very pious. (photo: M. Leyendecker)

 

Nach dem Mittagessen wurde vor dem Wirtshaus wie jedes Jahr getanzt. Diesmal machten wir einen "neuern" Tanz [5]. Das klappte sehr gut. Daraufhin veranstalteten wir ein Wettrennen. Nicht nur, dass uns der verdächtigte Knecht des Schankwirtes allen davon lief und ein sehr schönes Halstuch gewann, sondern ich musste zu allem Überfluss auch noch beim Lauf mit dem Fuß umknicken. Danach warfen die Frauen ein Hufeisen nach einem Stecken wobei eine der Mägde meines Nachbarn das wunderschöne bedruckte Halstuch gewann. Leider war ich danach nicht mehr so wirklich dazu in der Lage an irgendetwas teilzunehmen.

Kartenspiel vor dem Wirtshaus am Sonntag. - Gambling in front of our tavern on Sunday. (photo: C. Behnke)

 

After lunch there was dancing in front of the inn like every year. This time we did a "new" dance [5]. That worked very well. We then held a race. Not only did the innkeeper's suspected servant run away from all of us and win a very nice scarf, but to make matters worse, I also had to twist my ankle while running. Afterwards the women threw a horseshoe at a stick and one of my neighbor's maids won the beautiful printed scarf. Unfortunately, I wasn't really able to take part in anything after that.

Hufeisenwerfen vor dem Gasthaus. - The threw horseshoes in front of the inn. (photo: C. Behnke)

Dienstag, 8. Oktober 2024

Anno Domini 1734: Die Post ist da - The mail has arrived p. 1

Dieses Jahr stand unsere Veranstaltung ganz im Zeichen der Themen Post [1] und Feldlazarett [2]. Wir hatten vor der Veranstaltung über 50 Zusagen unserer Teilnehmer, dann aber etwas weniger als 10 Absagen, so dass aber die Veranstaltung dennoch eine der größten jemals geworden ist. Am Freitag spielte ich selber einen der kranken Soldaten der kaiserlichen Armee, die von Oppenau nach Schwäbisch Hall transportiert wurden. Obwohl die Kranken eigentlich vorrangig Reiter, Husaren und Stückknechte waren, trugen unsere Kranken die Uniformen des Regimentes Bamberg [3], eines preußischen Infanterieregiments und österreichischer Husaren [4]. Somit bildeten wir einen guten "Querschnitt" durch die damalige Armee ab unter dem Prinzen Eugen ab. Das Haus aus Zaisenhausen fungierte bei uns als die Posthalterei des Posthalters Johann Caspar Schmidt [5]. Vor dieser spielte sich eine spekulative Szene ab. Ein Fuhrmann transportierte auf seinem Wagen einige Kranke wie es am 6. September 1734 geschehen ist [6]. Ein Schreiben wies uns als den angekündigten Transport aus dem Lazarett in Oppenau aus. Wegen der großen Hitze gelang es uns ziemlich leidend auszusehen.

 

Der Krankentransport ist beim Posthalter angekommen. - The transport is arriving at the post office. (photo: M. Leyendecker)

Und noch ein weiterer Blick von oben aus dem Haus. - And another view from above. (photo: M. Leyendecker)  

 

This year our event focused on the topics of post office [1] and field hospital [2]. Before the event, we had over 50 confirmations from our participants, but then a little less than 10 cancellations, so that the event was still one of the largest events ever from our Anno Domini-series. On Friday I played one of the sick soldiers of the imperial army who were transported from Oppenau to Schwäbisch Hall. Although the sick were actually primarily riders, hussars and hired men, our sick wore the uniforms of the Bamberg Regiment [3], a Prussian infantry regiment and Austrian hussar regiment [4]. In this way we represented a good "cross-section" of the army at the time under Prince Eugene. The house from Zaisenhausen served as the post office of the post office manager Johann Caspar Schmidt [5]. A speculative scene took place in front of this building. A carter was transporting some sick people in his wagon, as happened on September 6, 1734 [6]. A letter identified us as the announced transport from the hospital in Oppenau. Because of the intense heat we managed to look pretty suffering.


 

Pfeiferauchen und Wein trinken können die Kranken immerhin noch ganz gut. - At least to smoke a pike and to drink wine was still possible for the ill soldiers. (photo: S. Winter)

 

Später traf ein Husar aus dem Hauptquartier ein, welcher ein Schreiben für einen der Offiziere mitbrachte, welche unter den kranken Soldaten für Disziplin sorgen sollten und in der Reichsstadt einquartiert waren. Dieser Husar stand beispielhaft für die Nachrichtenübermittlung durch Meldereiter. Ich bekam auch einen Brief, der mich darüber informierte, dass man das Getreide ausdreschen sollte, damit die Soldaten Stroh für ihre Bettstätten bekämen. Außerdem erhielt ich eine Abschrift eines Schreibens des Prinzen Eugen, welcher die Ergreifung der zahlreichen Deserteure anordnete. Ich überlegte mir gleich, wer dazu geeignet sein konnte für eine Dublone nach einem Ausreißer zu suchen.

Die Kranken erholen sich ein bisschen vor einem Gasthaus. - The ill soldiers are recovering in front of a tavern. (photo: M. Leyendecker)

 

Later, a hussar from the headquarters arrived with a letter for one of the officers who were supposed to ensure discipline among the sick soldiers and who were quartered in the imperial city. This hussar was an example of the transport of news by messenger riders. I also received a letter informing me that the grain should be threshed so that the soldiers would have straw for their beds. I also received a copy of a letter from Prince Eugene, who ordered the capture of the numerous deserters. I immediately thought about who might be suitable to look for a runaway for a doubloon.

 


Der Meldereiter übergibt mir Mitteilungen aus dem Hauptquartier. - The rider is giving some messages to me, which where from the Imperial headquarters. (photo: Michael Leyendecker)

Ich wollte am Nachmittag einen Pflock herstellen, den wir für das Hufeisenwerfen am Sonntag brauchen konnten, während mein Nachbar einen Herd mauerte, die Mägde und Bäuerinnen nähten und sponnen. In der Schmiede hörte man den Hammer des Schmieds. Trotz der großen Hitze schafften wir so ziemlich alles umzusetzen, auch wenn es nicht ganz einfach für jedermann war immer die komplette Kleidung zu tragen. Manch einer ist einfach empfindlicher gegenüber Hitze und es gab auch vor manchen Gebäuden [7] kaum Schatten.

Mein Nachbar in seinem Hof. - My neighbour in the courtyard of his house. (photo: M. Leyendecker)

 

In the afternoon I wanted to make a stake that we could use for the horseshoe throwing on Sunday, while my neighbor was building a stove and the maids and farmers' wives were sewing and spinning. In the forge you could hear the blacksmith's hammer. Despite the extreme heat, we managed to do pretty much everything, even if it wasn't easy for everyone to wear all the clothes at all times. Some people are simply more sensitive to heat and there was hardly any shade in front of some buildings [7].

In der Küche des Wirtshauses. - In the kitchen of the tavern. (photo: M. Leyendecker)

 


Es war schön zu sehen wie es schon an diesem Tag klappte mit teilweise neuen Leuten im Steigengasthaus und bei uns in der Baugruppe Weinland ein bisschen Rollenspiel zu entwickeln.

It was nice to see how it worked that day with some new people in the Steigengasthaus and with us in the Weinland-section of the museum to develop a bit of role play.


Text: André Hanselmann

Fotos: Michael Leyendecker, Stefan Winter


Notizen / Notes:

1) https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2024/03/postreiter-und-briefboten-post-rider.html

2) https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2024/01/schwabisch-hall-im-krieg-in-war-1734-p-2.html

3) Ein Infanterieregiment des Fürstbistums Würzburg. - A regiment of the Prince-Bishopric Würzburg. Siehe: Hans Bleckwenn: "Reiter, Husaren und Grenadiere" Hardenberg Kommunikation, Dortmund, 1979, S. 71-72

4) Vgl.: Hans Bleckwenn: "Reiter, Husaren und Grenadiere" Hardenberg Kommunikation, Dortmund, 1979, S. 47-48

5) https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2024/03/posthalter-postmaster-johann-caspar.html

6) Leider hatten wir kein Ochsengespann wie es wohl 1734 verwendet wurde. - Unfortunately we had no cart with oxen which were used in 1734.

7) Wie unserem Häuschen von 1480. - Such as our small house from 1480.

Montag, 22. April 2024

Landleben 1624 - ein gutes Jahr? / a good year? P3

Nun kommt der finale Teil unserer Reihe zur diesjährigen Landleben-Veranstaltung. Am Sonntagmorgen gab es die traditionelle Andacht mit dem Abfragen des Katechismus von Johannes Brenz [1] und einer umfangreichen Abkündigung. Diejenigen, welche der Andacht fern geblieben sind wurden wie damals üblich [2] zu geringen Geldstrafen herangezogen. In meiner Funktion als Heiligenpfleger und Dorfhauptmann machte ich mich daher auf den Weg. Als besonders gravierend wurde empfunden, wenn man sich auf der Straße erwischen ließ, weil dies offenbar als eine Schande für die Gemeinde angesehen wurde und einen schlechten Eindruck auch für Auswärtige machte.

Die kleine Gemeinde vor meinem Wirtshaus. - The small comunity in front of my tavern. (photo: S. Winter, 2024)

Ich ziehe die Strafen ein. Die Bäuerin hat mir eben ein paar kleine Münzen gegeben und ihr Hausgenosse gab der Gemeinde ein paar Kerzen. - I'm taking the penalties. The farmer's wife has given some small coins and her lodger gave some small candles. (photo: Stefan Winter)


Now comes the final part of our series on this year's country life event. On Sunday morning there was the traditional devotion with the reading of Johannes Brenz's catechism [1] and an extensive announcement. Those who stayed away from worship were punished with small fines, as was usual at the time [2]. In my role as caretaker of saints and village captain, I set out. Getting caught on the street was seen as particularly serious because it was obviously seen as a disgrace to the community and also made a bad impression on foreigners (travelers).


Die Bayern gingen als Katholiken in die katholische Kapelle in einem anderen "Weiler". - As catholics the Bavarians visited an catholic chapell in another "hamlet". (photo: S. Brandus)

Freitag, 19. April 2024

Landleben 1624 - Ein gutes Jahr? / a good year? P2

Am Samstagmorgen konnte ich mich schon auf etwas gefasst machen. Die Söldner, die mir am Tag zuvor noch eine Salva Guardia [1] ausgestellt hatten, wollten nun Getreide einsacken. Sie zwangen mich dazu meine Vorräte zu dreschen. Dummerweise habe ich noch einen lahmen Arm und das gestaltete sich daher recht schmerzhaft, während mein größter Knecht in der "Küche" zugange war. Unter dem Schimpfen und Pöbeln der Söldner mussten wir also in meiner schönen Scheune dreschen. Ich war aber erleichtert als unsere liebe Wirtin den Knecht Johann herbei führte. 

Der Wirt ist in Nöten und wird vom Offizier zum Dreschen für die Fourage aufgefordert. - The innkeeper is in trouble and forced by the officer to thresh for fourage. (photo: M. Leyendecker)


On Saturday morning I was able to prepare myself for something. The mercenaries who had issued me a Salva Guardia [1] the day before now wanted to bag grain. They forced me to thresh my supplies. Unfortunately, I still have a lame arm and it was quite painful while my biggest servant was busy in the "kitchen". So we had to thresh in my beautiful barn under the insults and abuse of the mercenaries. But I was relieved when our dear landlady brought the servant Johann over.

Meine Knechte arbeiten in der Scheune und dreschen. - My servants are working in the barn and have to thresh. (photo: M. Leyendecker)


Der Fähndrich des bayerischen Fußvolks und sein Sergeant bestimmten, dass uns die Spießer beaufsichtigen und ein Auge auf das Getreide werfen sollten. Doch statt ihr Getreide und Stroh zu bewachen, stellten sie die Säcke einfach in meine Schankstube. Ich Narr hätte einfach einen Knecht oder eine Magd die Dinge beiseite schaffen lassen können. Aber damit wäre der schöne Plan meines Sohnes Essig gewesen und ich hatte mich ja Tags zuvor mit den anderen Gemeinsleuten am Riegel verabredet um dort einen Hinterhalt zu legen. So marschierten wir getarnt als Bautrupp zu viert mit Schubkarre und Werkzeug ab. Der Schlagbaum wurde aus der unweit gelegenen Kelter abgeholt. Die im Straßengraben liegenden Pfosten ließen sich auch mit viel Mühe nicht wieder in den Boden hinein treiben. Deswegen hatten wir nur einen sehr provisorisch anmutenden Riegel dieses Mal. Wir verkleideten uns mit Strohhalmen [2] als mansfeldisches Kriegsvolk - wie auch immer dieses unterdessen nach Schwaben eingedrungen sein soll [3]. Die Lunte an meiner Akebuse glomm aber verflixt schnell und aus "Leoweiler" kam nur der Landmann Jäger herbei, da die anderen Gemeinsleute ihren Kram am Wirtshaus verkaufen wollten. Zufälligerweise vertrödelten die Bayern aber die Zeit dermaßen, dass vor ihrem Aufbruch meine Nachbarn den Hohlweg auf ihrem Rückweg passierten und beschlossen sich mit ihren Stangenwaffen unserem Hinterhalt anzuschließen. 

Ein Teil unserer Nachbarn war mit ihren Waren unterwegs. - Some of our neighbours were on the road with their goods. (photo: S. Brandus)


The Bavarian infantry ensign and his sergeant decided that the Pikemen should supervise us and keep an eye on the grain. But instead of guarding their grain and straw, they simply put the sacks in my bar. I fool could have just had a manservant or maid take care of things. But that would have been my son Essig's nice plan and I had arranged to meet the other community members at the Rial the day before to set up an ambush there. So four of us marched off disguised as a construction crew with a wheelbarrow and tools. The barrier was picked up from the nearby wine press. Even with a lot of effort, the posts lying in the ditch could not be driven back into the ground. That's why we only had a very temporary bar this time. We disguised ourselves with straws [2] as Mansfeld warriors - however they are said to have penetrated into Swabia in the meantime [3]. The fuse on my acebus lit up extremely quickly and only the farmer Jäger came from "Leoweiler" because the other community people wanted to sell their stuff at the inn. As it happened, the Bavarians wasted their time so much that before they left, my neighbors passed the ravine on their way back and decided to join our ambush with their polearms.

Eine Marketenderin und die Wirtin waschen die Wäsche. - The sutler and my wife are making the laundry. (photo: Ulf Dahm)


Dummerweise roch der bayerische Sergeant aber Lunte und hatte nicht nur alle Söldner für den Transport der Fourage zusammen getrommelt sondern umging obendrein den Hohlweg, obwohl der Fuhrmann mit den Packpferden diese Straße vorschlug. So sahen wir uns doppelt getäuscht, als unsere Vorposten die Umgehung der Söldnerkolonne meldeten. Es hätte so schön werden können als Szene wie bei Vrancx [4]. Dummerweise entschlossen sich dann einige von uns die Söldner doch an einem anderen Ortseingang von "Leoweiler" aufzuhalten, wo wir gegen die Übermacht keine Chance hatten. Mein Ruf "Für Mansfeld oder tot!" taugte auch wenig. Ich floh mit einigen anderen durch den Hohlweg dem Wirtshaus zu, während des Sergeanten Muskete durch die Engstelle knallte.

Die Söldner mit einer Handmühle zum mahlen unseres Getreides. - The mercenaries with their small mill for grinding our grain. (photo: Ulf Dahm)