Dienstag, 15. Dezember 2020

Jahresausklang / End of the year

Das Jahr neigt sich dem Ende und ich will mit unseren Lesern zurück- und vorausschauen. 2020 sind alle von uns organisierten Veranstaltungen ausgefallen. Auch die Recherche in Schwäbisch Hall selbst blieb dabei auf der Strecke. Stattdessen konnten wir uns stärker unserem Blog widmen. Dadurch haben wir etwa zwei Einträge pro Monat geschafft. Wir haben 2 neue Serien begonnen zu Interviews mit Historikern und zum Thema Schanzen. Besonders viel gelesen wurden unsere Beiträge zum Gefecht bei Grimbergen 1745 und unser Bericht der Wanderung durch das frühere Territorium der Reichsstadt Hall , die wir im August unternommen haben. Letzteres freut mich natürlich besonders, da das ja unmittelbar zum ursprünglichen Hintergrund unseres Blogs passt.

The year is drawing to a close and I want to look back and ahead with our readers. In 2020 all events we organized were canceled. The research in Schwäbisch Hall itself also fell by the wayside. Instead, we could devote more time to our blog. As a result, we managed about two entries per month. We have started 2 new series on interviews with historians and on redoubts. Our contributions to the battle at Grimbergen in 1745 and our report of the hike through the former territory of the imperial city of Hall, which we undertook in August, were read particularly well. Of course, I'm particularly happy about the latter, as it fits in with the original background of our blog.

 

Auf Festung Königsstein. - On the Königsstein fortress in Saxonia.

Wir haben selber situationsbedingt nur kaum Pläne für Veranstaltungen im nächsten Jahr. Auf jeden Fall werden wir euch weiterhin auf unserer Reise über die Kriegsschauplätze mit den 275-Jahres-Turnus teilhaben lassen. Die Schlachten von Piacenza und Rocoux werden von daher nächstes Jahr Höhepunkte darstellen und wir haben eine Menge Aufwand in die Recherche investiert. Für Rocoux gab es sogar schon ein Testspiel. Das Thema Dienstbotendarstellung liegt leider wegen der derzeitigen Lage immernoch auf Eis. Weitere zivile Themen wären auch Aspekte wie Kleidung der Bauernschaft. Eigentlich bräuchte der Schultheiß Gunkel eine lederne Hose, da diese praktisch obligatorisch für hällische Bauern war. Außerdem wirft das Ende der Mainhardter Bande ihre Schatten voraus. Das ist auf jeden Fall ein Thema wozu wir das uns vorliegende Material nochmal sichten und ergänzen werden. Die dieses Jahr angefangenen Serien werden fortgesetzt. Auch zu Festungswerken werden wir nochmal den einen oder anderen Abstecher machen. Ich möchte hiermit nicht nur unseren treuen Lesern danken, sondern auch insbesondere denjenigen, die in letzter Zeit Kommentare hinterlassen haben, die einfach unheimlich motivierend gewesen sind. 

 

Ein Blick auf das Schlachtfeld von Rocoux von unserem ersten Testspiel. - A view on the battlefield of Rocoux from our first test game.


Depending on the situation, we ourselves hardly have any plans for events in the next year. In any case, we will continue to let you take part in our journey through the theaters of war with the 275-year cycle. The battles of Piacenza and Rocoux will therefore be highlights next year and we have invested a lot of effort in research. There was even a test match for Rocoux. The subject of servants is unfortunately still on hold due to the current situation. Other civilian projects would also include aspects such as the clothing of the peasantry. The mayor Gunkel would actually need leather trousers, as these were practically compulsory for Halle farmers. In addition, the end of the Mainhardt gang casts its shadow. In any case, this is a topic for which we will review and supplement the material available to us. The series started this year will be continued. We will also make one or two side trips to fortress works. I don't just want to thank our loyal readers, but especially those who have recently left comments that have been incredibly motivating.

 

Ein liebes Geschenk von einer Freundin: Sprüngerli nach Originalmodeln. Am letzten Wochenende gab es eine kleine Soirée bei uns daheim (3 Personen!) mit Tanz, Kartenspiel und Speisen nach Rezepten aus dem 18. Jh.. - A very lovely gift by a friend: Sprüngerli with original models. Last weekend we had a very small soirée at home (3 persons only) with dancing, playing cards and delicious meals using cooking recipes from the 18th century.

 

Text: André Hanselmann

Fotos: André & Cecilia Hanselmann


[1] https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2020/08/the-combat-at-grimbergen-on-august-23rd.html

[2]https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2020/09/auf-den-spuren-der-rauber-on-traces-of_21.html

Donnerstag, 3. Dezember 2020

Die Franzosenschanze in Freiburg - The French redoubt at Freiburg

Ein hübsches hölzernes Schild am Husarenwegle aber ... / A nice wooden sign at the Husarenwegle (Hussars track) but...

 
... keine Husaren weit und breit. - no hussars here and there!

 
Es gibt viele Orte an denen die Belagerung von Freiburg von 1744 heute noch sichtlich ist. Manch ein Name wie etwa der vom Husarenwegle am Roßkopf scheinen daran zu erinnern. Bereits in meiner Reihe über die Belagerung von Freiburg habe ich von der Franzosenschanze berichtet[1], die oberhalb vom Waldsee südlich vom Stadtteil Freiburg-Wiehre an den Hängen gelegen ist, die bis zum Kybfelsen hinauf führen. Man kann diese Schanze recht bequem sowohl vom Waldsee als auch von der Sternwaldwiese oder gar aus Richtung Günterstal kommend erreichen. Diese Schanze passt von daher aber auch prima in meine Reihe über Schanzen, da sie sich einfach recht gut untersuchen lässt und ich ohne größeren Aufwand dorthin zurückkehren kann. Die Schanze taucht sogar in Kartenwerken der Belagerung von Freiburg auf, wobei sie offenbar unterschiedlich dargestellt wird. Auf einem Plan mit dem Titel „Plan qui représent les premiers établissement des attaques de la ville de Fribourg“[2], der sich heute in Vincennes befindet, wird generell nur eine Schanze auf dieser Seite des Dreisamtals gezeigt . Dabei findet man auf dem Plan „Fribourg in Brisgau“ von Fr. Jos. Weis von 1769 [3] immerhin 2 Schanzen am „Bronberg“ (eigentlich Bromberg), die hier als „Kay: alte Linie“ (also Kaiserliche alte Linie) bezeichnet sind . Zwei Pläne zeigen zwei recht unterschiedliche Schanzen von denen aber immerhin eine zu unserer Franzosenschanze passen will, nämlich der Plan „Freyburg nebst der anno 1744, den 22ten Octobris angefangenen und durch Übergab dieser Vöstung den 6ten Novembris geendigten Belagerung“ (eigenwillige Datierung!) von A. Ehrenberg [4] heute im Wehrgeschichtlichen Museum Rastatt und dem Plan von Weis und Perrier „Plan de Fribourg et des attaques par l’armée du Roi …“, der 1744 in Straßburg erschienen ist[5]. Zwei sehr ähnliche rechteckige Schanzen werden neben anderen Kartenwerken auch auf dem „Plan von der Vestung und denen daran gelegenen Berg Schlösser Freyburg sampt der Attaque, welche 1744 angefangen“ gezeigt [6], der sich heute in der Kunsthalle Karlsruhe befindet. Egal aber in welchen Plänen und ob sie sich heute in Vincennes, Freiburg oder anderswo befinden, verdeutlichen alle, dass die Schanzen am Kybfelsen beziehungsweise Bromberg in einem größeren Netz von Anlagen der Belagerer rund um die Freiburger Festung eingebunden war. Eine der größten solcher Schanzen befand sich wohl am Hirzberg auf der östlichen Seite des Bergrückens, der sich bis zum Schlossberg erstreckt. Von dort aus sollten Ausfälle oder eine Kommunikation mit Österreich unterbunden werden. Eine lange Linie von Erdwerken wurde auch zur Sperrung des Dreisamtals angelegt um etwa Entsatzversuche zu verhindern. 
 
Das ist der Ort wo man die Schilder mit der Franzosenschanze West und Ost findet. - That's the place where you can find the signs of the Western and Eastern French redoubt.

 
 
Die beiden erwähnten Schilder. Die Franzosenschanze, die ich meine, ist ein Stückchen entfernt. - The two signs which I mentioned. The real French redoubt is some steps away.
 

 
There are many places in Freiburg where you can see something of the siege of Freiburg in 1744. Some names such as the „Husarenwegle“ (Hussar’s path) seem to let us remember the siege. I have already told about the „Franzosenschanze“ in my series about the siege of Freiburg. The redoubt is situated above the Waldsee in the South of the quarter Freiburg-Wiehre at the hillsides which are leading up to the Kybfelsen („Kyb-rocks“). You can reach the redoubt relatively easy coming from the Waldsee or the Sternwaldwiese or even from Günterstal. This redoubt fits especially well into this series because it is very easily for me to be studied without a great effort and I may come back to the place frequently. The redoubt is to be found even on maps from the siege of Freiburg although it is depicted very differently. On a map „Plan qui représent les premiers établissement des attaques de la ville de Fribourg“ which is in Vincennes today only one redoubt is to be found on that side of the Dreisam valley. However there are two different redoubts at the „Bronberg“ on a map „Fribourg in Brisgau“ by Fr. Jos. Weis from 1769 which are labeled as „Kay: alte Linie“ (imperial old line). Two maps represent two completely different redoubts of whom one is at least looking like the today still existing „French redoubt“ – these are the maps: „Freyburg nebst der anno 1744, den 22ten Octobris angefangenen und durch Übergab dieser Vöstung den 6ten Novembris geendigten Belagerung“ („Freiburg with the siege from the year 1744 which started on October 22nd and ended with the surrender of this fortress on November 6th“ – obviously these dates are wrong!) by A. Ehrenberg and „Plan de Fribourg et des attaques par l’armée du Roi …“ by Weis and Perrier which was published at Strasbourg in 1744. Two very similar rectangular redoubts are represented on some maps for example the „Plan von der Vestung und denen daran gelegenen Berg Schlösser Freyburg sampt der Attaque, welche 1744 angefangen“ („plan of the fortress and the attached mountain castles of Freiburg together with the attack which was started in 1744“) which today is in the Kunsthalle Karlsruhe. Regardless which plan we use it is obvious that the redoubts at the Bromberg or the Kybfelsen area were connected into a network of buildings by the besiegers encircling the fortress of Freiburg. One of the largest of these redoubts was situated at the Hirzberg, which is part of the ridges which are leading up to the Schlossberg itself. From there sorties and communication with Austria could be prevented. A long line of entrenchements were built in the Dreisam valley to block the valley and stop the Austrians to send relief forces. 
 
Der Eingang zur Schanze 2020. - The entry of the redoubt in 2020.

 
Der Graben hat noch immer eine beachtliche Tiefe (trotz der Mountainbike-Strecke). - The ditch still has a significant depth.

Skizze der Schanze von André Hanselmann. - Sketch of the redoubt by André Hanselmann.