Dienstag, 19. Mai 2026

Schlägereien und Schimpfreden 1745/46 - Brawling and rants in 1745/46

Man findet immer wieder Beispiele von Schlägereien wegen Nichtigkeiten und von verschieden gravierendem Ausgang. Je nach Schwere der Verletzungen richtete sich auch die Strafe wie bei einem David Bölz aus Bibersfeld, der einen Michel Kübler aus dem selben Dorf im dortigen Wirtshaus so hart geschlagen hatte, dass er eine Strafe von 3 fl aufgebrummt bekam [1]. In Rieden hat ein Bauer einen anderen des Holzdiebstahls bezichtigt und wurde dafür zu einer höheren Strafe (1 fl.) verurteilt, als der somit Geschädigte (20 ß Strafe), der im Gegenzug seinem Widersacher eine "Maulschelle" verabreichte [2]. 

Ohrfeigen, damals "Maulschelle" genannt, waren sehr üblich und führten auch bei einem Riedener namens Hans Jörg Sanwald [3] nebst Schmähungen zu einer Geldstrafe von 1 fl [4].

Examples of brawls over trivial matters, with varying degrees of severity, are frequently found. The punishment depended on the severity of the injuries, as in the case of David Bölz from Bibersfeld, who beat Michel Kübler, also from Bibersfeld, so severely in the local inn that he was fined 3 florins [1]. In Rieden, a farmer accused another of stealing wood and was sentenced to a higher fine (1 florin) than the alleged victim (20 shillings), who retaliated by slapping his adversary [2].

Slaps, then called "Maulschelle" (literally "mouth slaps"), were very common and, along with insults, resulted in a fine of 1 florin for a resident of Rieden named Hans Jörg Sanwald [3] [4].

 

Das Holz wurde nicht durch einen Holzdiebstahl erworben - versprochen. - The wood is not stolen - promised. (Foto: C. Behnke, 2024)


Hochzeiten sind oft Anlässe für größere Schlägereien und Beschimpfungen wie auf der des Schultheißen Hans Jörg [5] Mugler in Rieden 1745. Als dieser nämlich wider der Polizeiordnung [6] seine Trauerzeit nicht beachtete und die Magd des Jörg Michel Blözen ein Eheversprechen gab, führte sich Hans Jörg Alho nicht nur "unzüchtig und ärgerlich" auf, sondern schlug auch den Schmied Bohler blau wie es dort heißt. Im Gegenzug hatte sich der Schwiegervater des Bräutigams, nämlich besagter Schmied aus Uttenhofen, auch nicht eben besser aufgeführt und Alho "auf den Kopf geschlagen, und die Haar ausgeropfet" [7].

Es nimmt etwas wunder, dass jemanden zu schlagen dasselbe Strafmaß hatte wie Beschimpfungen. So hat der Untertan Michael Deininger aus dem kleinen Weiler Röthenhof seine Nachbarin, "Johann Georg Schneiders Weib", geschlagen und musste ebenso nur 1 Gulden zahlen [8] wie ein Bibersfelder Einwohner, der den ihm vorgesetzten Schultheißen "ohnerfindlich bezichtigt" hatte etwas begangen zu haben, was offenbar auch unter Schimpf abgehandelt wurde [9].

 

Weddings are often occasions for major brawls and insults, as was the case at the wedding of Mayor Hans Jörg Mugler in Rieden in 1745. When Mugler disregarded the police regulations [6] and the maid of Jörg Michel Blözen made a promise of marriage, Hans Jörg Alho not only behaved "indecently and offensively," but also, as the record states, beat the blacksmith Bohler black and blue. In return, the groom's father-in-law, the aforementioned blacksmith from Uttenhofen, had behaved no better, striking Alho "on the head and pulling out his hair" [7].

 It is somewhat surprising that striking someone carried the same penalty as insults. Thus, the subject Michael Deininger from the small hamlet of Röthenhof beat his neighbor, "Johann Georg Schneider's wife", and only had to pay 1 gulden [8], as did a resident of Bibersfeld who had "unbelievably accused" the mayor in charge of him of having done something, which was apparently also dealt with under insults [9].

 

Dem Bräutigam mit dem Dreispitz hier im Bild wurden gewiss nicht die Haare ausgerupft! - The groom in this picture with the tricorn lost not his hair because it was plucked out! (Foto: S. Winter, 2018)

Nicht immer führten Beschimpfungen zu Schlägereien wie im Falle von Muglers Hochzeit, sondern viele mündeten nur in geringen Amtsstrafen wie bei Hans Jörg Schwarzer aus Westheim, der Conrad Hofmann "geschmäht" hatte, wobei sich bei der Streiterei scheinbar ein Wort das andere gab, so dass beide 1 Gulden Strafe zahlen mussten [10] - immerhin mehr als für unerlaubtes oder zu langes Tanzen [11].

Interessant wird es, wenn wir erfahren, warum jemand geschmäht wurde. So kamen sich der Comburger Untertan Kurtz aus Hagenbach und Johann Georg Haas, der "Ziegler" gewesen sei "wegen Abgrabung eines UnterRains" ins Gehege, weshalb Haas den Comburger Untertan schmähte und im Gegenzug als "4 fachen Schelmen" bezeichnete, was scheinbar so schwer wog, dass Kurtz 15 ß mehr als Haas zahlen musste [12].

Insults didn't always lead to brawls, as in the case of Mugler's wedding; many resulted only in minor fines, as in the case of Hans Jörg Schwarzer from Westheim, who had "insulted" Conrad Hofmann. During the argument, one word apparently led to another, so that both had to pay a fine of 1 gulden [10] – still more than for unauthorized or excessively long dancing [11].

It becomes interesting when we learn why someone was insulted. For example, the Comburg subject Kurtz from Hagenbach and Johann Georg Haas, who was a "bricklayer," got into a dispute "over the digging of a lower ravine." Haas insulted the Comburg subject and, in turn, called him a "fourfold scoundrel," which apparently carried so much weight that Kurtz had to pay 15 shillings more than Haas [12].


Ein Amtmann mit seinem Amtsschreiber in Kleidung der 1740er. - The "Amtmann" with his secretary in typical 1740s clothes. (Foto: C. Hanselmann, 2014)


Sehr ungewöhnlich finde ich, dass eine Strafe erlassen wurde. So stellte man nach dem Tod des Amtmannes Arnold fest, dass man die Ohrfeige des Bubenorbisers Johann Michael Sander gegen den eigenen Schultheißen Wieland bei einer "QuartierAnweisung" nicht nachweisen konnte, weshalb die Verurteilung zu einer Geldstrafe von 2 fl für nichtig erklärt wurde [12].

I find it very unusual that a penalty was waived. For example, after the death of the bailiff Arnold, it was determined that the slap by Johann Michael Sander of Bubenorbis against their own mayor Wieland during a "quarterly order" could not be proven, which is why the conviction and fine of 2 fl was declared null and void [12].

 

Amtmann Georg Bernhard Arnold. Arnold verstarb  im August1746 und wurde durch den späteren Stättmeister J. L. Sanwald ersetzt. - The "Amtmann" Georg Bernhard Arnold. Arnold died in August 1746 and was replaced by J. L. Sanwald, who became mayor later. (photo: C. Hanselmann, 2017)
  

Die offenbar noch 1746 gültige Polizeiordnung von 1703 gibt eine weite Reihe von Strafen unter "Von Schänden und Schmähen / Balgen / Rauffen und Schlagen" an. Die oben erwähnte Bezichtigung einer Unwahrheit wie im Fall des Bibersfelder Schultheißen sollte beispielsweise mit 10 Batzen bestraft werden. Bei "Maulschellen" konnte das Strafmaß bei zwischen 20 ß und 3 Gulden liegen, wobei letzteres verhängt wurde, wenn man "das Bluten in dem Mund oder aus der Nasen" hervorriefe. Ebenso wurden 3 Gulden Strafe als angemessen angesehen, wenn man "ein Bein aus einem Stuhl oder Schrannen [14] damit zuzuschlagen / bräche / oder mit sonst etwas die Hand fütterte" [15].

The police ordinance of 1703, apparently still valid in 1746, lists a wide range of punishments under "For Disgrace and Insult / Brawling / Fighting and Beating." The aforementioned accusation of a falsehood, as in the case of the Bibersfeld mayor, was to be punished with 10 Batzen, for example. For "mouth slapping," the penalty could range from 20 shillings to 3 gulden, the latter being imposed if one caused "bleeding in the mouth or from the nose." Likewise, a fine of 3 gulden was considered appropriate if one "broke a leg from a chair or stall [14] with it / or fed the hand with something else" [15].

 

Text: André Hanselmann

Fotos: Stefan Winter, Claudia Behnke, Cecilia Hanselmann


Notizen / Notes: 

1) Amtsrechnung Amt Rosengarten 1745/46, hier 26. Oktober 1745, Sig. 4/4566, S. 74 

2) ebenda hier 28. Okt. 1745

3) Nicht zu verwechseln mit dem späteren Amtmann Johann Lorenz Sanwald, dem späteren langjährigen Stättmeister. - Not to be confused with the later "Amtmann" Johann Lorenz Sanwald—the future long-serving "Stättmeister".

4) Amtsrechnung Amt Rosengarten 1745/46, hier 22. April 1745 (oder 1746?), S. 76

5) Eine zeittypische Variante unter Bauern für Johann Georg. 

6)   Amtsrechnung Amt Rosengarten 1746/47, hier 18. Juni 1746, Sig. 4/4567, S. 70-71

7 ) ebenda, hier ebenfalls 18. Juni 1746, S. 71 

8) Wohl die von 1703. "Erneuerte Policey-Ordnung des Heil. Reichs-Stadt Schwäbischen Hall" Georg Michel Mayer, 1703, S. 80

9) Amtsrechnung Amt Rosengarten 1745/46, hier 4. Nov. 1745, S. 74-75

10) ebenda hier: 27. Nov. 1745, S. 75-76

11) Dafür wurden zweimal 1745 22 ß Strafe fällig. Siehe in folgendem Blogeintrag! - For this, a fine of 22 shillings was incurred twice in 1745. See the following blog post!

12)  Amtsrechnung Amt Rosengarten 1746/47, hier 28. Mai 1746, Sig. 4/4567, S. 70

13) ebenda S. 70

14) Einfache Sitzbank. - Ordinary bench.

15) Policeyordnung 1703, S. 65-67 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen