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Donnerstag, 4. September 2025

Anno Domini 1775 Wie das Salz getragen wurde P 1

Dieses Mal war unsere Veranstaltung ein bisschen davon geprägt, dass die Darsteller von zwei sehr im Fokus stehenden Rollen - Zöllner und Steigenwirt - kurzfristig ausfielen. Zum Glück konnten wir das durch sehr flexible Teilnehmer kompensieren und teilweise habe ich das sogar in der Veranstaltung mit eingebaut. Ihr werdet sehen!

Die Zeitung ist voller Nachrichten aus England und Amerika. - The Newspapers are full of news from America and England. (photo: S. Winter)

 

This time, our event was somewhat affected by the fact that the actors playing two very prominent roles—the customs officer and the innkeeper—could not attend at short notice. Fortunately, we were able to compensate for this with very flexible participants, and I even incorporated some of this into the event. You'll see!

 

Der Amtmann ist zu Ross beim Zöllner eingetroffen. - The bailiff meets the custom officer. (Foto: art_fotografie_sulmtalix) 

Entsprechend der Quellen zu den drei Mitgliedern einer jüdischen Diebesbande [1], kam das Thema auch bei uns vor. Der Amtmann ritt ins Amt Rosengarten und verlas einen Steckbrief. Der einige Jahre zuvor in den Diensten des Schultheißen von Leoweiler gestandene Knecht, soll sich unterdessen mit einer Bande durchschlagen für die er Bauerngüter ausspioniert. Seit 1773 [2] hat er sich davon gemacht und wird mit dem Überfall auf eine Magd in Verbindung gebracht [3]. Der Zöllner vom Michelfelder Landturm [4] [5] versprach dem Landreiter und dem Amtmann den Steckbrief dem Schultheiß zuzustellen, der in diesen Tagen in Heilbronn weilen sollte.

Der Amtmann überbringt den Steckbrief. - The bailiff hands over the warrant. (photo: M. Leyendecker)

 
Wir reiten zu dritt zum Gasthaus. - We three are riding to the inn. (photo: M. Leyendecker)

According to the sources concerning the three members of a Jewish gang of thieves [1], the topic also arose in our country. The bailiff rode into the Rosengarten district and read out a warrant. The farmhand, who had been in the service of the mayor of Leoweiler for a few years, was said to be making a living with a gang for which he spied on farms. Since 1773 [2], he has been absconding and is linked to the attack on a maid [3]. The customs officer from the Michelfeld country tower [4] [5] promised the country rider and the bailiff that he would deliver the warrant to the mayor, who was supposed to be in Heilbronn at the time.

 

Unsere Pferde vor dem Steigengasthaus. - Our horses in front of the inn. (Foto: art_fotografie_sulmtalix)

Der Amtmann ritt anschließen nach Leoweiler und zur Roten Steige, wo er ein kärgliches Mahl einnahm [6]. An der Steige traf man auf Salzträger, die wie wir wissen, arme Teufel waren [7], weshalb wir sie nicht stärker behelligten. Ich reiste recht zufrieden ab und konnte immerhin für das Amt verbuchen, dass wie nur 1 fl. 30 ß hatten für "Zehrung" zahlen brauchen.

Der Tabak war gut im Wirtshaus. - The tobacco was good in the inn. (photo: art_fotografie_sulmtalix)


 

Samstag, 2. März 2024

Postreiter und Briefboten - Post rider and letter carrier

Unsere nächste Anno Domini-Veranstaltung wird den Titel "Die Post ist da!" tragen. Daher werden wir uns verschiedenen Aspekten zu dem Thema zuwenden. Daneben wird das Jahr 1734 in Bezug auf Schwäbisch Hall eine große Rolle spielen. Die Ereignisse vor allem des Polnischen Thronfolgekrieges boten viel Material für die damaligen Zeitungen, die auch von der Post befördert wurde.

 

Our next Anno Domini event will be titled “The Post is here!”. We will therefore address various aspects of the topic. In addition, the year 1734 will play a major role in relation to Schwäbisch Hall. The events, especially the War of the Polish Succession, provided a lot of material for the newspapers of the time, which were also carried by the post office.

Diese Schützenscheibe zeigt neben einer weiblichen Postreiterin (wohl berittene Briefträgerin) auch zahlreiche interessante Details im Hintergrund wie die Landschaft mit einem Landturm rechts. - The shooting target shows a female rider (obviously it is a letter carrier) and there are some interesting details in the background such as the landscape and a land tower. (Schützenscheibe, Hällisch-Fränkisches Museum, Foto: Kim Krawiec)

Zuerst wollen wir bei der Post auf die untere Charge an Personal schauen: den Postreitern. Postreiter beförderten Post auf den Postcoursen von einer Poststation zur nächsten. Die Posthaltereien dienten vor allem zur Unterbringung der Postpferde für diese Reiter und als Übernachtungsmöglichkeit. Zahlreiche Postcourse wurden ja auch nur von Postreitern bedient. Im Fall von Schwäbisch Hall haben wir mindestens die Postlinie von Heilbronn nach Crailsheim, die über die Reichsstadt verlief [1].

 

First we want to look at the lower level of staff at the post office: the post riders. Post riders transported mail from one post station to the next on the post courses. The post offices were primarily used to accommodate the post horses for these riders and as a place to stay overnight. Many post courses were only served by post riders. In the case of Schwäbisch Hall we have at least the postal line from Heilbronn to Crailsheim, which ran via the imperial city [1].

Schon als Postreiter gehörte Johann Caspar Schmidt die Hälfte vom Haus Gelbinger Gasse 91. - Even as a postrider Johann Casper Schmidt already had half of the building Gelbinger Gasser 91. (photo: M. Leyendecker, 2024) 


Als Postreiter konnte man viel erleben. Interessant ist ein Postreiter namens Johann Georg Grätter, der versuchte auf Nebenwegen das Hohenloher Territorium zu durchqueren. Deswegen beschwerte sich die Regierung von Hohenlohe-Neuenstein 1698 bei Hall. Als der Postreiter ertappt wurde, ließ er sich zu "Scheltworten" hinreißen, was wohl zu weiterem Unmut führte [2]. 

Freitag, 15. September 2023

Die Mainhardter Räuberbande - The band of robbers of the Mainhardt forest 25.-27.8.2023

Wir sind nun von unserer größten Veranstaltung des Jahres mit etwa 50 Teilnehmern [1] heim gekehrt. Wir wollen euch ein paar Eindrücke von unserem Programm liefern. Der  Amtmann traf im Amt Rosengarten ein und brachte einige Steckbriefe und das Jaunerpatent von 1751 [2] [3] zum Zöllner von Bubenorbis [4]. Der Zöllner und der ehemalige Schulmeister berichteten mir von Neuigkeiten aus dem Dorf. Die in der Gegend eingesetzten Jäger ergriffen kurz darauf einen Verdächtigen, der sich allerdings als Handwerker herausstellte, der laut seinem Ausweispapier [5] ein unschuldiger Reisender war. 

Szene an der Zollstation. Der Rattenfänger wird kontrolliert. - Scene at customs office. They are checking the rat catcher. (photo: M. Leyendecker)
 

We have now returned from our biggest event of the year with around 50 participants [1]. We want to give you a few impressions of our program. The bailiff arrived at the Rosengarten office and brought some wanted letters and the Jaunerpatent from 1751 [2] [3] to the customs officer from Bubenorbis [4]. The customs officer and the former schoolmaster told me about news from the village. The hunters deployed in the area soon seized a suspect who, however, turned out to be a craftsman who, according to his identity paper [5], was an innocent traveler.

Enttäuscht von dem Fehlen eines Bratens verließ der Amtmann das Steigengasthaus um die Frau Pfarrerin zu besuchen. Er gratulierte zum Geburtstag und überreichte einen Brief mit der Mahnung für den Pastor künftig mehr "Betstunden" wegen der Mäuseplage von 1773 einzulegen [6] und sich stärker um die örtliche Schule zu kümmern. Wenig beruhigt von den Erlebnissen reisten der Amtmann und sein Grabenreiter ab.

Der Amtmann - hier in Rot - ist diesmal wenig beeindruckt von der Küche des Steigengasthauses. Sein Amtsschreiber - in Blau - unterstützt ihn. - The bailiff in his red coat is not really impresses by the menu in the "Steigengasthaus". The secretary of the district in a blue coat is supporting him. (photo: Stefan Winter)

 

Disappointed by the lack of a roast, the bailiff left the Steigengasthaus to visit the pastor's wife. He congratulated him on his birthday and handed over a letter admonishing the pastor to put in more "prayer hours" in the future because of the mouse plague of 1773 [6] and to take better care of the local school. Little reassured by the experiences, the bailiff and his trench rider left.

Eine Räuberin überfällt eine Magd unweit der Zollstation. - A female robber attacks a maid next to the house of the custom officer ... (photo: M. Leyendecker)

Der Komplize steht mit seiner Flinte bereit. - The accomplice is ready with his musket. (photo: M. Leyendecker)


Am nächsten Tag schickte er eine Botschaft wegen der Schwarzwälder Bande an den Zöllner von Bubenorbis, der wegen der Bande streifen lassen sollte [7]. Kurz hinter der württembergischen Grenze wurde eine meiner Mägde nachdem sie ihre Korbwaren verzollt hatte von Räubern ausgeraubt. Sie brachte das sogleich bei mir als einem hällischen Schultheiß zur Anzeige. Ich hatte aber schon damit zu tun die Obrigkeit in Kenntnis zu setzen, dass nur so wenige Kinder zur Sommerschule erschienen waren [8]. Der Mäusefänger, der Tags zuvor auch dem Amtmann aufgefallen war, erhielt von mir ein Dokument. Gegen einen kleinen Obulus brachte er eine Nachricht zum Zöllner von Bubenorbis. 

The next day he sent a message about the Black Forest gang to the customs officer from Bubenorbis, who was supposed to patrol because of the gang [7]. Shortly after the Württemberg border, one of my maids was robbed by robbers after she had declared her basketry. She immediately reported this to me as a Hellish mayor. But I was already busy informing the authorities that so few children had turned up for the summer school [8]. The mouse catcher, who had also noticed the bailiff the day before, received a document from me. For a small fee he brought a message to the Bubenorbis customs officer.

Viel Verkehr an der Zollstation. Hier reist der jüdische Krämer mit einem Fuhrmann ins Württembergische. - A lot of traffic at the customs office. Here you can see the jewish chandler travelling on the cart of a carter into the Wurttemberg territory. (photo: M. Leyendecker)

 

Ich verkaufte Holzschnitte und Liedertexte zum Schicksal des Georg Michael Schönmann [9], die gesungen angeworben reißenden Absatz fanden. 

Die Bänkelsänger ziehen von Dorf zu Dorf um die Lieder und Holzschnitte zu verkaufen. - The singers are walking from village to village to sale the songs and woodcuts. (photo: Michael Leyendecker)

 

I sold woodcuts and song texts on the fate of Georg Michael Schönmann [9], which sold like hot cakes when sung.

Montag, 17. Juli 2023

Grenzsteine aus 3 Jahrhunderten - Boundary stones from 3 centuries

Wir haben viel über die Räuberbande im Mainhardter Wald geschrieben und auch schon hier und dort über die Schwierigkeiten bei der Verfolgung von Straftätern berichtet, welche sich über eine Grenze gerettet haben, weil sich die Behörden der verschiedenen deutschen Staaten oftmals gegenseitig in der Verbrechensbekämpfung behinderten. Besonders erhellend und unterhaltsam fand ich dazu den Text von Patrick Oelze [1]. Wenngleich die zahlreichen Karten der Landesvermessungen von Schwäbisch Hall [2] aus dem 18. Jahrhundert deutlich die Grenzsteine zeigen, haben sich doch nur wenige erhalten. Den auf einer Fotographie bei Mattern und Wolf wiedergegebenen Grenzstein unweit der Roten Steige [3] konnten wir auf unserer Wanderung 2020 leider nicht finden [4]. Auch die zahlreichen erhaltenen Amtsrechnungen dokumentieren die Zersplitterung der Gebiete sodass in Orten wie Bubenorbis gleich Bewohner von nicht weniger als 3 Landesherren in einem Ort lebten.

Südöstlich von Mainhardt stoßen auf dieser Karte von 1762 [5] die Grenzen von Hohenlohe-Waldenburg, Württemberg und Schwäbisch Hall aneinander. Doch so eindeutig wie diese Karte es andeutet, waren die Besitzverhältnisse auf keinen Fall. - On the map from 1762 you can find in the Southeast from Mainhardt that the borders of Hohenlohe-Waldenburg, Württemberg and Schwäbisch Hall are meeting each other. But the borders were not so obvious as it seems on this map. (photo: André Hanselmann, 2023)
 

We have written a lot about the gang of robbers in the Mainhardt Forest and have also reported here and there about the difficulties in pursuing criminals who have saved themselves across a border because the authorities of the various German states often hindered each other in fighting crime. I found the text by Patrick Oelze [1] particularly enlightening and entertaining. Although the numerous maps from the state surveys of Schwäbisch Hall [2] from the 18th century clearly show the boundary stones, only a few have survived. Unfortunately, we were not able to find the boundary stone reproduced in a photograph near Mattern and Wolf not far from the Rote Steige [3] on our hike in 2020 [4]. The numerous surviving official bills also document the fragmentation of the areas, so that in places like Bubenorbis, residents of no fewer than 3 sovereigns lived in one place.

 

Hier auf diesem Ausschnitt einer Postkarte von 1786 [6] sind die Herrschaftszentren einiger Territorien deutlich erkennbar. Bis 1741 war noch Sachsen-Eisenach selbstständig. Südlich davon Meiningen und Hildburghausen, östlich von Eisenach das mächtigste ernestinische Herzogtum S.-Gotha. Südöstlich von Gotha liegen die Gebiete der schwarzburgischen Grafschaften und späteren Fürstentümer. - Here on a detail of the post map from 1786 [6] you can see the centers of power of some territories. Saxon-Eisenach was an independent duchy until 1741. In the South you can notice Meiningen and Hildburghausen, eastwards lies the powerfull of the Ernestine-duchies Saxon-Gotha. In the South-East one of the counties and later principalities of Schwarzburg is located. (photo: André Hanselmann)

 

Besonders schön sind die Grenzsteine entlang dem Rennsteig erhalten, der sich durch weite Teile des Thüringer Waldes, des Frankenwaldes und Schiefergebirges erstreckt und entlang der Herrschaftsgrenzen zahlreicher Landesherren führt, die sogar verschiedenen Reichskreisen - dem Obersächsischen und dem Fränkischen - angehörten. Am häufigsten vertreten sind Grenzsteine der ernestinischen Herzogtümer, also von Sachsen-Gotha, Sachsen-Meiningen und Sachsen-Hildburghausen. Insgesamt haben sich etwa 800 historisch wertvolle Grenzsteine erhalten [7], welche auch für die wechselhafte Geschichte Thüringens und Frankens stehen. Denn einige Staatsgebilde d.h. Herrschaften sind auch verschwunden bzw. haben sich deutlich verändert [8].

Ein sehr schlichter Stein am Rennsteig von 1765 in der Gegend vom Großen Inselsberg. - A very simple stone at the Rennstein from 1765 in the area of the Großer Inselsberg. (photo: Cecilia Hanselmann, 2023)

 
Die andere Seite des Steins zeigt das S.G. für Sachsen-Gotha. - The other front of the same stone shows the S.G. for Saxe-Gotha. (photo: Cecilia Hanselmann, 2023)

The boundary stones along the Rennsteig, which stretches through large parts of the Thuringian Forest, the Franconian Forest and Slate Mountains and leads along the rulership borders of numerous sovereigns who even belonged to different imperial circles - the Upper Saxon and the Franconian - are particularly well preserved. Boundary stones of the Ernestine duchies, i.e. Saxe-Gotha, Saxe-Meiningen and Saxe-Hildburghausen, are most frequently represented. A total of around 800 historically valuable boundary stones have been preserved [7], which also stand for the checkered history of Thuringia and Franconia. Because some state structures, i.e. rulers, have also disappeared or have changed significantly [8].

Dienstag, 4. Juli 2023

Die Bande vom Mainhardter Wald - The gang of the Mainhardt forest P 3

Während wir bei einigen Räubern nicht so genau wissen wie die Bande auffliegen konnte, sind bei der Mainhardter Bande die Umstände recht gut bekannt. Anders als bei Franz Troglauer (1754-1801) [1] oder dem Bayerischen Hiasl (1735-1771) sind uns keine konkreten Ermittlungen nach der Bande bekannt. Auch gelang es nicht die Bande wie bei den 4 Männern und 4 Frauen rund um "Die alte Lisel" (ca. 1692-1732) durch eine 15-köpfige Streife zu ergreifen [2]. Dies rührt gewiss nicht zuletzt daher, weil die Bandenmitglieder wie normale Gemeinsmänner innerhalb ihrer Dörfer und Weiler lebten und kein Leben in abgelegenen Schlupfwinkeln führten. So war die Überführung der Bande eher eine Art Zufall. 

While we don't know exactly how the gang got busted with some robbers, the circumstances of the Mainhardter gang are quite well known. Unlike Franz Troglauer (1754-1801) [1] or the Bavarian Hiasl (1735-1771), we are not aware of any concrete investigations after the gang. It was also not possible to seize the gang like the 4 men and 4 women around "The Old Lisel" (ca. 1692-1732) with a 15-man patrol [2]. This is certainly due not least to the fact that the gang members lived like normal commoners within their villages and hamlets and did not lead a life in remote hideaways. So the transfer of the gang was more of a coincidence.

Ein Verdächtiger wird abgeführt auf einer unserer Veranstaltungen. - A suspect is taken away in one of our events. (photo: Claudia Behnke 2018)

Kurz nach einem ihrer größten Coups, dem Überfall auf die Landkutsche bei Germersheim, suchte Johann Martin Haas am 27. April 1773 in Olnhausen den dort lebenden Christian Megerlen auf um ihm gestohlenes Dinkel zu verkaufen. Statt es dabei bewenden zu lassen, stahl das Bandenmitglied der Gögelhofer Rotte aber Megerlen ein Hemd, das er sich sogleich anzog und eine Flinte. Auf dem Rückweg nach Gögelhof wurde Johann Martin Haas ergriffen. Er nannte sich zwar Martin Schmidgall, was ein übliches Vorgehen war sich einen falschen Namen beizulegen, wurde jedoch zum Verhör nach Neuhütten abgeführt. Die hohenlohischen Beamten setzten sich mit den württembergischen Kollegen in Möckmühl in Verbindung. Eine Komission wurde zusammen gesetzt. Unter der Folter wurde aus Johann Martin Haas die Nennung der Namen von einigen Bandenmitgliedern heraus gepresst [3]. Um einer solchen Folter zu entgehen floh Johann Heinrich Weiß, der eigentliche Anführer der Bande, nach Mockmühl. Obwohl der Mainhardter Wirt Weiß selbst vom Freiherrn von Gemmingen-Maienfels als "Spitzbuben Vatter" bezeichnet und also als Oberhaupt erkannt wurde, kam er ziemlich ungeschoren davon. Nur Conrad Wieland, der sogenannte "Gögelstrobele", starb als einer der Anführer in der Haft [4]. 

Dienstag, 6. Juni 2023

Historiker von nebenan/Historians alongside: Bernhard Weigl P. 2

Diesmal geht es weiter mit unserem Interview mit Bernhard Weigl. 

Today we continue with our interview with Bernhard Weigl.

 
Bernhard Weigl als Oberschreiber und ich selbst als Schreiber auf einer Veranstaltung in Burgtreswitz. - Bernhard Weigl as the chief secretary and myself as a secretary at one of the events in Burgtreswitz. 


Wie ich als Amtmann auf unseren Anno Domini-Veranstaltungen hast Du in Burgtreswitz ja auch eine Art Beamten - korrigiere mich bitte, wenn ich das falsch bezeichnet habe - dargestellt. Woher kommt Deine Rollenwahl? Ich selber kann meine Spielszenen aus der Figur dem Amtmannes heraus gewissermaßen moderieren. Wie sieht es bei Deinen Rollen aus? Steht da Dein Interesse an der Strafverfolgung und dem Räuberthema im Hintergrund?

B. Weigl: Das kleine Burgtreswitz war Sitz des sogenannten Pflegers, der gleichzeitig auch Landrichter war. Ich selbst schlüpfte bei den Veranstaltungen (Darstellung um 1760) in die Rolle des Oberschreibers. Der kam rangmäßig tatsächlich direkt hinter dem Pfleger. Da gibt es bezüglich der Gerichtsbarkeit in Bayern tatsächlich immer wieder interessante Details. Z.B. war es um 1750 noch Brauch, dass bei Todesurteilen symbolisch ein Stab gebrochen wurde. In Burgtreswitz gab es einen Streit zwischen Pfleger und Gerichtsschreiber, wer diesen Stab tatsächlich brechen durfte oder musste. Daraufhin befragte die Regierung die verschiedensten Ämter wie dort jeweils dieser Umstand gehandhabt wurde. Als sich herausstellte, das dies überall anders war und man den Brauch sowieso für äußerst rückständig hielt, schuf man ihn ab. Wenn man das aus der Rolle des Gerichtsschreibers heraus vortragen kann, dann lässt sich das natürlich auch sehr lebendig und spannend vermitteln.

Like me as a bailiff at our Anno Domini events, you also portrayed a kind of civil servant in Burgtreswitz - please correct me if I used the wrong word. Where does your choice of role come from? I myself can, to a certain extent, moderate my game scenes from the character of the bailiff. What about your roles? Is there your interest in criminal prosecution and the robber issue in the background?

B. Weigl: The small Burgtreswitz was the seat of the so-called caregiver, who was also a judge at the same time. I myself slipped into the role of chief clerk at the events (depicted around 1760). In terms of rank, he actually came directly behind the nurse. There are actually always interesting details about the jurisdiction in Bavaria. For example, around 1750 it was still customary for a staff to be symbolically broken when there was a death sentence. In Burgtreswitz there was a dispute between the nurse and the court clerk as to who was actually allowed or had to break this staff. The government then asked the various offices how this situation was handled there. When it turned out that this was different everywhere and the custom was considered extremely backward anyway, it was abolished. If you can present that from the role of court clerk, then of course it can also be conveyed in a very lively and exciting way.



Das Titelbild einer Rekonstruktion von Bernhard Weigl von Waldeck. - A picture from title of a reconstruction of Waldeck by Bernhard Weigl.

 
Außer Deiner Teilnahme in Wackershofen machst Du ja noch viel mehr in der Richtung Wissensvermittlung, sag ich jetzt mal. Kannst Du unseren Lesern erzählen wo Du sonst noch unterwegs bist? Vielleicht magst Du ja Werbung für Deine künftigen Veranstaltungen machen. 

B. Weigl: Glücklicherweise muss man sich nicht so festlegen, wenn man das einfach aus Spaß als Hobby ausübt. Momentan nimmt mich auch mein Beruf zeitlich sehr in Anspruch, so dass ich kaum dazu komme, selbst Veranstaltungen für das 18. Jahrhundert zu organisieren. Ein Vortrag hier oder dort, das geht dann schon noch. Unter anderem schreibe ich aber auch immer wieder historische Aufsätze oder auch Kurzgeschichten. Geschichte ist sehr vielfältig. Ich habe auch verschiedene Rekonstruktionen erstellt. Sowohl real anzufassende, wie meine Sänfte des 18. Jahrhunderts oder auch meine Draisine (Modell 1817) [1], als auch welche, die man online ansehen kann (z.B. auf Youtube). Sie Sänfte stand vor einigen Jahren auch schon als Leihgabe für eine Ausstellung im Schlosshof in Dresden.
Hier einige Beispiele meiner 3D-Rekonstruktionsvorschläge. U.a. für verschiedene Festungen und Burgen: [2] [3] [4] [5] [6] [7] [8].

Apart from your participation in Wackershofen, you do a lot more in the direction of knowledge transfer, I'll tell you now. Can you tell our readers where else you are traveling? Perhaps you would like to advertise your future events.

B. Weigl: Luckily you don't have to commit yourself that way if you just do it as a hobby for fun. At the moment my job is also taking up a lot of my time, so I hardly get to organize events for the 18th century myself. A lecture here or there, that's fine. Among other things, I also write historical essays and short stories from time to time. History is very diverse. I also made various reconstructions. Both real ones that can be touched, such as my 18th century sedan chair or my handcar (model 1817) [1], as well as some that can be viewed online (e.g. on Youtube). A few years ago, the sedan chair was on loan for an exhibition in the castle courtyard in Dresden.
Here are some examples of my 3D reconstruction proposals. Among other things for various fortresses and castles [2] [3] [4] [5] [6] [7] [8].


Eines von Bernhards Projekten ist diese Sänfte, die auch auf Veranstaltungen zum Einsatz kommt. Hier auf dem Foto wurde sie in der Dresdner Residenz ausgestellt. - One of Bernhard's projects is this sedan chair, which is in action on events too. Here on the photo you can see it presented in the residence at Dresden.

Samstag, 1. April 2023

Historiker von nebenan/Historians alongside: Bernhard Weigl P. 1

Passend zu unserer diesjährigen Veranstaltung habe ich ein Interview mit einem Experten zum Thema Räuberbanden befragt. Viele unserer Leser kennen ihn wahrscheinlich schon von Fotos unserer Anno Domini-Veranstaltungen und durch seine Publikationen [1] [2] [3].

In line with this year's event, I conducted an interview with an expert on the subject of gangs of robbers. Many of our readers probably already know him from photos of our Anno Domini events and through his publications.

Bernhard Weigl in seiner Rolle auf einer unserer Anno Domini Veranstaltungen in Wackershofen. - Bernhard Weigl in his role at one of our Anno Domini events in Wackershofen. 


André Hanselmann: Hallo lieber Bernhard, heute will ich Dich den Leser vorstellen, weil Du Dich schon intensiv mit dem Thema Räuber beschäftigt hast und das sehr gut zu unserer diesjährigen Veranstaltung in Wackershofen "Anno Domini 1773 - Die Mainhardter Bande" passt [4]. Magst Du Dich kurz vorstellen und uns erzählen wie Du darauf gekommen bist, ein Buch über den Räuber Franz Troglauer [5] zu schreiben? 

Bernhard Weigl: Hallo André, das mache ich natürlich gerne. Also, mein Name ist Bernhard Weigl, ich bin Jahrgang 1969 und von Beruf Fachplaner für Haustechnik für ein Münchener Ingenieurbüro. Ich entwerfe dabei z.B. große Lüftungsanlagen für Industrieprojekte in Berlin, München usw. Das hat also erst einmal nicht viel mit historischen Begebenheiten zu tun. Geschichte ist mein Hobby. Und das praktisch schon von Kindesbeinen an. Während sich andere für Fußball interessiert haben, hat es mich halt ins Museum und später ins Archiv getrieben.

Zum Thema Räuber muss ich etwas ausholen. Mitte der 1990er Jahre hatte ich etwas mehr Zeit als heute. Da hat es mich zur Ortsforschung ins Staatsarchiv in Amberg in der Oberpfalz verschlagen. Nach sehr langen und interessanten Recherchen bin ich ganz unerwartet auf einen Akt über eine Räuberbande gestoßen. Diese Gebrüder Troglauer stammten tatsächlich aus meinem Heimatort. Ich war absolut fasziniert von diesem Thema. Dazu muss man wissen, dass es dort auch eine Ortsgründungssage in Bezug auf einen Räuber gibt. An der Stelle, an der der Flecken steht, soll vor Urzeiten ein Räuber seinen Mantel ausgebreitet haben um die Beute darauf unter seinen Gesellen aufzuteilen. Daraufhin wäre die Obrigkeit herangeeilt und hätte ihn an Ort und Stelle erschlagen. Mit dem Geld auf dem Mantel hätten sie dann den Ort oder die Kirche erbaut. Davon würde der Flecken noch immer seinen Namen tragen. Mein Wohnort heißt tatsächlich Mantel. Die Sage ist natürlich ein absoluter Schmarrn. Trotzdem hat man das bei einem solchen Archivfund immer im Hinterkopf. Jedenfalls bin ich der Spur dieser Räuber und ihres Anführers Franz Troglauer (1754-1801) gefolgt. Die Spuren des Troglauers habe ich in vielen Archiven Nordbayerns gefunden. Zum Beispiel in den Stadt- und Staatsarchiven in Bamberg und Nürnberg. Ich habe über Troglauer und seine Bande ein Buch und mehrere Aufsätze geschrieben und schon 2008 eine Ausstellung zum Thema im Oberpfälzischen Freilandmuseum Neusath-Perschen organisiert. Um ehrlich zu sein, manchmal nervt mich das Thema Troglauer inzwischen und ich brauche dann hin und wieder einmal eine kleine Pause von ihm. Trotzdem ist Troglauer auch der Schlüssel, der mir Zugang zum 18. Jahrhundert und zur historischen Darstellung gewährt hat. Gerade die Geschichte der Unterschicht finde ich dabei besonders interessant.


Eines von Bernhard Weigls Büchern: "Der Galgen ist mein Grab" - One of Bernhard Weigl's books: "Der Galgen ist mein Grab".


André Hanselmann: Hello dear Bernhard, today I want to introduce you to the reader, because you have already dealt intensively with the topic of robbers and it fits in very well with this year's event in Wackershofen "Anno Domini 1773 - The Mainhardter Gang". Could you briefly introduce yourself and tell us how you came up with the idea of ​​writing a book [1] about the robber Franz Troglauer?

Bernhard Weigl: Hello André, of course I like doing that. Well, my name is Bernhard Weigl, I was born in 1969 and by profession I am a specialist planner for building technology for an engineering office in Munich. For example, I design large ventilation systems for industrial projects in Berlin, Munich, etc. So that doesn’t have much to do with historical events at first. History is my hobby. And that practically from an early age. While others were interested in football, it drove me to the museum and later to the archive.

I have to go back a bit on the subject of thieves. In the mid-1990s I had a little more free time than I do today. That's when I ended up doing local research in the State Archives in Amberg in the Upper Palatinate. After very long and interesting research, I unexpectedly came across an act about a gang of robbers. These Troglauer brothers actually came from my hometown. I was absolutely fascinated by this topic. You have to know that there is also a local legend about a robber. In primeval times, a robber is said to have spread out his cloak at the spot where the spot is located in order to divide the booty among his companions. The authorities would then have rushed over and killed him on the spot. With the money on their coats they would have built the place or the church. From that, the patch would still bear its name. My place of residence is actually called Mantel. The legend is of course absolute nonsense. Nevertheless, one always has that in the back of one's mind with such an archive find. In any case, I followed the trail of these robbers and their leader Franz Troglauer (1754-1801). I have found traces of the Troglauer in many archives in northern Bavaria. For example in the city and state archives in Bamberg and Nuremberg. I have written a book and several essays about Troglauer and his gang and in 2008 I organized an exhibition on the subject in the Oberpfälzisches Freilandmuseum Neusath-Perschen. To be honest, sometimes the subject of Troglauer annoys me and I need a little break from him every now and then. Nevertheless, Troglauer is also the key that gave me access to the 18th century and the historical account. I find the history of the lower class particularly interesting.

Sonntag, 12. März 2023

Die Bande vom Mainhardter Wald - The gang of the Mainhardt forest p. 2

 Wer waren nun aber die Räuber und was trug noch zu ihrem Erfolg bei? In unserem ersten Beitrag zur Bande haben wir ja erwähnt, dass die Streifen auf Räuber scheinbar recht ungefährlich für diese waren  [1]. Im Fall der Mainhardter Bande kam hinzu, dass die Räuber zahlreichen verschiedenen Herren unterstanden. Einige waren aus dem Hällischen wie der Wirt von Bubenorbis, einige aus dem Württembergischen wie der Wirt Weiß aus Mainhardt, wieder andere unterstanden beispielsweise dem Schlossherrn von Maienfels, einem Freiherrn der Gemminger. Die verschiedenen Territorialherren behinderten oftmals Nachforschungen der Beamten des jeweils anderen und achteten peinlich auf ihre Rechte hinsichtlich der Jurisdiktion [2].  

But who were the robbers and what else contributed to their success? In our first post about the gang, we mentioned that the stripes on robbers were apparently quite harmless to them [1]. In the case of the Mainhardt gang, there was also the fact that the robbers were subordinate to numerous different masters. Some were from Hall, like the innkeeper from Bubenorbis, some from Württemberg, like the innkeeper Weiß from Mainhardt, while others were subordinate to the lord of the castle from Maienfels, a baron of the Gemmingen family. The different territorial lords often obstructed investigations by each other's officials and were scrupulous about their rights in terms of jurisdiction [2].

 

Ein bewaffneter Gastwirt Anno Domini 1757. - The armed owner of a tavern in 1757. (Foto: Claudia Behnke 2017)

 

Hinzu kommt, dass insbesondere der Wirt Heinrich Weiß von Mainhardt in seiner Funktion als württembergischer Zöllner und Richter sowie der Wirt Hans Jörg Ruth seinerseits als Zöllner in Burbenorbis hervorragend über die Warenströme und Geldtransporte informiert waren, weil sie ja selber der Obrigkeit in ihren jeweiligen Gebieten recht nahestanden. Ruth taucht schon 1759 in den Amtsrechnungen des Amtes Rosengarten auf, wo er damals bereits als "Zoller" bezeichnet wurde und ein Dienstgeld entrichtete, was bedeutete, dass er ein gewöhnlicher hällischer Untertan war [3]. Man sollte annehmen, dass die zahlreichen Zollstationen im Hällischen die Streifzüge und beispielsweise das Heimbringen der Beute behinderten. So gab es hällische Zollstationen für den Wöhrzoll neben der von Bubenorbis am Michelfelder Landturm, am Sanzenbacher Landturm, in Uttenhofen, Geislingen, Rieden, Rückertshausen, Ilshofen, Vellberg und Übrigshausen und daneben den Ilshofener Zoll, der in den Zollstellen von Ilshofen, Cröffelbach, Eckartshausen, Oberaspach und Lorenzenzimmer eingezogen wurde [4]. Die Zollstationen wurden aber auch bisweilen umgangen. So hat 1773 ein Ludwigsburger Metzgerssohn ein Paar Ochsen am Michelfelder Landturm vorbei getrieben ohne den Zoll zu zahlen, wofür er immerhin 7 fl 15 ß Strafe zahlen musste [5]. Anders als die beiden Zöllner waren die meisten Bandenmitglieder arme Teufel. Der Niedergang der Glasherstellung im Mainhardter Wald nach dem Dreißigjährigen Krieg hat die wirtschaftlichen Grundlagen verschlechtert. Hinzu kam für einige von ihnen das Prozessieren gegen ihren Landesherrn, dem Fürsten von Hohenlohe-Bartenstein nachdem man gegen Steuerzahlung und Naturalabgaben rebelliert hatte. Der Kaiser entschied zu Gunsten des Fürsten, was die Landleute weiter ruinierte. Viele der armen Bandenmitglieder betätigten sich als Salzträger. Das hatte zum einen für sich, dass sie viel herum kamen und auch zufällig von manchem gewinnträchtigen Opfer auf der Straße erfuhren und zum anderen durch ihre Funktion recht unauffällig waren. Nach einer Tat, dem Überfall auf die Postkutsche an der Cröffelbacher Steige 1768, gingen sie einfach als Salzträger nach Hall und wurden offenbar garnicht beachtet [6]. 

In addition, the innkeeper Heinrich Weiß von Mainhardt, in his function as a Württemberg customs officer and judge, and the innkeeper Hans Jörg Ruth, in turn, as a customs officer in Burbenorbis, were excellently informed about the flow of goods and the transport of money, because they themselves were right with the authorities in their respective areas close. Ruth appears in the official accounts of the Rosengarten office as early as 1759, where he was already referred to as "Zoller" and paid a service fee, which meant that he was an ordinary subject from Hell [3]. One would assume that the numerous customs posts in the Hall hindered the forays and, for example, the bringing home of the booty. So there were customs stations for the Wöhrzoll in Hall next to the one from Bubenorbis at the Michelfelder Landturm, at the Sanzenbacher Landturm, in Uttenhofen, Geislingen, Rieden, Rückertshausen, Ilshofen, Vellberg and Resthausen and next to it the Ilshofen-customs, which was in the customs offices of Ilshofen, Cröffelbach, Eckartshausen , Oberaspach and Lorenzenzimmer [4]. The customs facilities were also sometimes bypassed. In 1773 a butcher's son from Ludwigsburg drove a pair of oxen past the Michelfelder Landturm without paying the customs duty, for which he had to pay a fine of 7 fl 15 ß [5]. Unlike the two tax collectors, most of the gang members were poor devils. The decline in glass production in the Mainhardt Forest after the Thirty Years' War worsened the economic situation. In addition, some of them had to take legal action against their ruler, the Prince of Hohenlohe-Bartenstein, after they had rebelled against paying taxes and payments in kind. The emperor decided in favor of the prince, which further ruined the country people. Many of the poor gang members worked as salt carriers. On the one hand, this meant that they got around a lot and also found out about some profitable victims on the street by chance and, on the other hand, they were quite inconspicuous due to their function. After one crime, the attack on the mail coach on the Cröffelbacher Steige in 1768, they simply went to Hall to carry salt and were apparently ignored [6].

Karte des Aktionsgebietes der Bande vom Mainhardter Wald. Orte mit unterstrichenen Ortsnamen sind Herkunftsorte von Bandenmitgliedern. Quadrate markieren nachweisbare Tatorte der Räuber. Fettgedruckte Quadrate stehen für größere Überfälle. - Map of the area of activities of the gang from the Mainhardt forest. Places with underlined names are place of origin of gang members. Squares are marking scenes of crimes of the robbers. Bigger raids are highlighted. (map: André Hanselmann, all rights reserved)

 


Die Bande hatte offenbar keine Schwierigkeiten neue Mitglieder anzuwerben, auch wenn die einfachen Beteiligten an einem Raubzug nur wenig von der Beute bekamen, während der Anführer Weiß beispielsweise im Fall des Raubmordes an einem Schultheißen mit 50 Gulden den Löwenanteil erhielten bekamen die ausführenden Täter kaum mehr als 4 Gulden pro Mann [7]. Sogar ein Aufnahmezeremoniell ist überliefert. Die größeren Coups wurden in einer ziemlichen Entfernung der Wohnorte der Räuber durchgeführt, während kleinere Diebstähle wie dem, der schließlich auch zum Auffliegen der Bande führte, auch im näheren Umkreis begangen wurden. Der wohl aufsehenerregendste und am weitesten entfernt stattgefunden Raubzug war 1772 auf die Landkutsche bei Germersheim am Rhein gerichtet [8]. Eine Karte soll das Tätigkeitsfeld der Bande veranschaulichen. Es sind natürlich noch mehr Überfälle denkbar, die nicht in den Prozessakten und anderen Quellen auftauchen.

Donnerstag, 2. März 2023

Die Bande vom Mainhardter Wald - The gang of the Mainhardt forest 1773 Part 1

Wir haben vor etlichen Jahren schonmal das Thema Räuber auf einer Veranstaltung in Wackershofen behandelt. Damals hieß es: "Anno Domini 1761, Jauner, Streifen und Gasthäuser im Amt Rosengarten". Einen ausführlichen Bericht (leider nur auf Deutsch) zur Veranstaltung findet ihr hier auf dem Blog [1]. Schon 1761 war die Mainhardter Bande tätig gewesen. Die nächsten Blogeinträge werden sich mit dieser Bande beschäftigen mit einem Hauptfokus auf das Ende der Bande in den Jahren 1772 und 1773.

Several years ago we dealt with the topic of robbers at an event in Wackershofen. At that time it was: "Anno Domini 1761, "Jauner", patrols and inns in the Rosengarten district". You can find a detailed report (unfortunately only in German) about the event here on the blog [1]. The Mainhardt gang had been active as early as 1761. The next few blog entries will deal with this gang with a main focus on the end of the gang in 1772 and 1773.

Es soll hier ersteinmal garnicht um die Anfänge der Bande gehen, sondern eher um die Rahmenbedingungen, welche offenbar begünstigten, dass eine der größten Räuberbanden in Deutschland in dieser Zeit genau in dieser Gegend ihr Unwesen und das über soviele Jahre treiben konnte. In der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts gab es zahlreiche Räuberbanden auf dem Reichsgebiet. Als Beispiel will ich hier einmal den berühmten Bayerischen Hiasl Matthias Klostermayr (1736-1771) anführen, der seine Tätigkeit als Wilderer Anfang der 1760er aufnahm. Aus dem Jahr 1754 liegt uns eine gewaltige Diebesliste mit der Beschreibung von nicht weniger als 101 Räubern, Räuberinnen und Dieben und sogenannten Sackgreiferinnen aus Österreichisch Schwaben in Folge eines Postkutschenüberfalls vor [2]. Von all diesen Räubern hat es aber keiner zu solch einer Beliebtheit gebracht wie der zu seinen Zeiten so bekannte Cartouche, über den schon 1721 ein amüsantes Theaterstück erschien [3]. Im selben Jahr war Louis Dominique Garthausen, genannt Cartouche (1693-1721), hingerichtet worden.

Ein Gefangener und die, die ihn gefangen haben Anno Domini 1757, bei den Landleuten auf Streife [4]. - A prisoner and those who captured him in 1757 when the country people where on patrol [4]. (photo: Claudia Behnke)

We are not talking about the first years of the gang here, but rather the framework conditions that apparently favored one of the largest gangs of robbers in Germany at that time being able to do their mischief in this area for so many years. In the second half of the 18th century there were numerous bands of robbers on the territory of the empire. As an example, I would like to cite the famous Bavarian Hiasl Matthias Klostermayr (1736-1771), who began his activity as a poacher in the early 1760s. From 1754 we have an enormous list of thieves with the description of no fewer than 101 robbers and so-called bag grabbers from Austrian Swabia as a result of a stagecoach attack [2]. Of all these robbers, however, none became as popular as Cartouche, which was so well known in its day and about which an amusing play was published in 1721 [3]. In the same year, Louis Dominique Garthausen, known as Cartouche, (1693-1721) was executed.