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Mittwoch, 16. Oktober 2024

Anno Domini 1734: Die Post ist da - The mail has arrived p. 2

Am Samstag repräsentierten wir den 7. September 1734, als ebenfalls ein Krankentransport nach Hall gelangte. Dadurch verlief  der Vormittag recht ähnlich. Gegen Mittag trafen zahlreiche Briefe und auch Zeitung ein, welche dann von der Briefträgerin Charlotte verteilt wurden. Es war interessant wie wichtig eigentlich gewesen wäre, dass der Posthalter sein Amt ernst nahm, denn zwischen den Briefen, welche die Briefbotin beförderte, fand sich sogar ein auf Französisch beschrifteter Brief, der nach Wien adressiert war. Offenbar hatte der Posthalter die Briefe nicht sortiert, die vom Postreiter eingetroffen waren...

Der Postreiter in seiner schönen gelben Uniform. - The postrider in his nice yellow uniform. (photo: J. Krämer)

 

On Saturday we represented September 7th, 1734, when a patient transport also arrived in Hall. The morning was pretty similar. Around midday, numerous letters and newspapers arrived, which were then distributed by the female letter carrier Charlotte. It was interesting how important it actually was that the postmaster took his office seriously, because among the letters that the postwoman delivered there was even a letter written in French that was addressed to Vienna. Apparently the postman hadn't sorted the letters that had arrived from the postman...

Ein weiterer Wagen mit Kranken vor der Posthalterei. - Another cart with ill soldiers in front of the post office. (photo: M. Leyendecker)

 

Gegen Mittag wurde auch Wäsche gewaschen, wobei sich die Jüngsten auszeichneten. Das Wetter war ideal zum Bleichen der Hemden auf einer nahe gelegenen Wiese. In der Scheune in unserem Weiler wurde auch für die kranken Soldaten Stroh gedroschen, das man nach Hall liefern sollte [1]. Leider war es so heiß, dass wir damit nicht sonderlich weit kamen. 

Briefträgerin Charlotte, Posthalter und Postreiter. - Letter carrier Charlotte, the post master and the post rider. (photo: M. Leyendecker)

 

Laundry was also done around midday, with the youngest ones excelling. The weather was ideal for bleaching the shirts in a nearby meadow. In the barn in our hamlet straw was also threshed for the sick soldiers, which was to be delivered to Hall [1]. Unfortunately it was so hot that we didn't get very far.

Wir dreschen das Getreide zu Stroh. Die Kutsche im Hintergrund passt nicht in die Zeit, stand da aber einfach rum. - We thresh the grain to get straw. The coach in the background doesn't fit into the period but stood in our barn. (photo: C. Hanselmann)

 

Donnerstag, 14. März 2024

Posthalter / Postmaster: Johann Caspar Schmidt

 Als 2. Teil unserer Serie von Recherchen für unsere Veranstaltung

"Anno Domini 1734 - Die Post kommt"

wenden wir uns diesmal dem Posthalter zu nachdem wir zuletzt Postreiter und Briefträger angeschaut haben [1]. Da wir im Fall des 1734 tätigen Posthalters Johann Caspar Schmidt erstaunlich viel über sein Leben wissen, werden wir weniger auf andere Beispiele schauen. Von den Haller Postreitern kennen wir ja aus der für uns interessanten Zeitspanne nur Philipp Reichart Grätter (gestorben 1724?) [2] [3] und Hans Caspar Schmidt.

 

As the 2nd part of our series of research for our event

"Anno Domini 1734 - The post is coming"

This time we turn to the postmaster after we last looked at the postman and letter carrier [1]. Since we know a surprising amount about the life of the postmaster Johann Caspar Schmidt, who worked in 1734, we will look less at other examples. Of the Hall post riders, we only know Philipp Reichart Grätter (died 1724?) [2] [3] and Hans Caspar Schmidt from the period that interests us.

Ansicht von Schwäbisch Hall nach dem großen Stadtbrand von 1728. Ganz links bei den zwei schmalen Türmen liegt die Gelbinger Gasse. - A view on Schwäbisch Hall after the great fire of 1728. At the far left near the two slim towers is the Gelbinger Gasse. (photo: André Hanselmann)


Der Posthalter war der Vorsteher einer Posthalterei. Im Falle von Schwäbisch Hall lässt sich nachweisen, dass Johann Caspar Schmidt beide Häuserhälften der heutigen Gelbinger Gasse 91 erwarb. Bereits 1692 hatte Hans Caspar Schmidt, der offenbar mit Johann Caspar Schmidt identisch ist, als Postreiter die eine Haushälfte, die seinem Vorgänger als Postreiter Phil. R. Grätter gehört hatte, der Stadt für 510 Gulden abgekauft. Am 13. September 1692 heiratete Schmidt zum ersten Mal [4]. Schmidt konnte schließlich für 490 Gulden auch die andere Haushälfte erwerben [5]. 1724 kam Schmidts Vorgänger als Posthalter namens Johann Michael Rohnfelder arbeitsunfähig ins Spital [6]. Offensichtlich war Johann Caspar Schmidt ein erfolgreicher Bürger der Reichsstadt, da er es sogar bis in das Amt eines Mitglieds des Äußeren Rates brachte. Der Äußere Rat hatte allerdings kaum Befugnisse, konnte weder in der Außenpolitik noch in der Rechtsprechung mitwirken [7], wozu freilich die oft juristisch gebildeten Mitglieder des Inneren Rates auch deutlich besser geeignet waren.

The postmaster was the head of a post office. In the case of Schwäbisch Hall, it can be proven that Johann Caspar Schmidt purchased both halves of the house at today's Gelbinger Gasse 91. As early as 1692, Hans Caspar Schmidt, who is apparently identical to Johann Caspar Schmidt, as "Postreiter", bought one half of the house that had belonged to his predecessor as Postreiter Phil. R. Grätter from the city for 510 guilders. On September 13, 1692, Schmidt married for the first time [4]. Schmidt was finally able to purchase the other half of the house for 490 guilders [5]. In 1724, Schmidt's predecessor as postmaster, Johann Michael Rohnfelder, was hospitalized because he was unable to work [6]. Apparently Johann Caspar Schmidt was a successful citizen of the imperial city, as he even achieved the position of member of the Outer Council. However, the Outer Council had hardly any powers and could neither participate in foreign policy nor in jurisprudence [7], for which the members of the Inner Council, who were often legally trained, were much better suited.

Samstag, 2. März 2024

Postreiter und Briefboten - Post rider and letter carrier

Unsere nächste Anno Domini-Veranstaltung wird den Titel "Die Post ist da!" tragen. Daher werden wir uns verschiedenen Aspekten zu dem Thema zuwenden. Daneben wird das Jahr 1734 in Bezug auf Schwäbisch Hall eine große Rolle spielen. Die Ereignisse vor allem des Polnischen Thronfolgekrieges boten viel Material für die damaligen Zeitungen, die auch von der Post befördert wurde.

 

Our next Anno Domini event will be titled “The Post is here!”. We will therefore address various aspects of the topic. In addition, the year 1734 will play a major role in relation to Schwäbisch Hall. The events, especially the War of the Polish Succession, provided a lot of material for the newspapers of the time, which were also carried by the post office.

Diese Schützenscheibe zeigt neben einer weiblichen Postreiterin (wohl berittene Briefträgerin) auch zahlreiche interessante Details im Hintergrund wie die Landschaft mit einem Landturm rechts. - The shooting target shows a female rider (obviously it is a letter carrier) and there are some interesting details in the background such as the landscape and a land tower. (Schützenscheibe, Hällisch-Fränkisches Museum, Foto: Kim Krawiec)

Zuerst wollen wir bei der Post auf die untere Charge an Personal schauen: den Postreitern. Postreiter beförderten Post auf den Postcoursen von einer Poststation zur nächsten. Die Posthaltereien dienten vor allem zur Unterbringung der Postpferde für diese Reiter und als Übernachtungsmöglichkeit. Zahlreiche Postcourse wurden ja auch nur von Postreitern bedient. Im Fall von Schwäbisch Hall haben wir mindestens die Postlinie von Heilbronn nach Crailsheim, die über die Reichsstadt verlief [1].

 

First we want to look at the lower level of staff at the post office: the post riders. Post riders transported mail from one post station to the next on the post courses. The post offices were primarily used to accommodate the post horses for these riders and as a place to stay overnight. Many post courses were only served by post riders. In the case of Schwäbisch Hall we have at least the postal line from Heilbronn to Crailsheim, which ran via the imperial city [1].

Schon als Postreiter gehörte Johann Caspar Schmidt die Hälfte vom Haus Gelbinger Gasse 91. - Even as a postrider Johann Casper Schmidt already had half of the building Gelbinger Gasser 91. (photo: M. Leyendecker, 2024) 


Als Postreiter konnte man viel erleben. Interessant ist ein Postreiter namens Johann Georg Grätter, der versuchte auf Nebenwegen das Hohenloher Territorium zu durchqueren. Deswegen beschwerte sich die Regierung von Hohenlohe-Neuenstein 1698 bei Hall. Als der Postreiter ertappt wurde, ließ er sich zu "Scheltworten" hinreißen, was wohl zu weiterem Unmut führte [2]. 

Donnerstag, 4. Januar 2024

Schwäbisch Hall im Krieg / in war 1734 P1

Dieses Jahr soll es zwar auf unserer Veranstaltung in Wackershofen vorrangig um das Thema Post gehen. Aber der Hintergrund ist das Jahr 1734, weil es einfach interessant ist wie die Stadt vor 290 Jahren in den Polnischen Thronfolgekrieg verwickelt wurde. Das größte militärische Ereignis auf dem deutschen Kriegsschauplatz war gewiss die Belagerung der Festung Philippsburg durch den Duke of Berwick (1670-1734). Das kaiserliche Heer unter Prinz Eugen (1663-1736) hatte nicht vermocht im Mai den Durchbruch der Franzosen durch die Ettlinger Linien zu verhindern und kam der eingeschlossenen Stadt nicht zur Hilfe, die dann im Juli kapitulierte. Dies war umso bemerkenswerter, da sich durch ein Rheinhochwasser kurzzeitig eine gute Gelegenheit dazu bot, da die französischen Schiffsbrücken zerstört und die Belagerungstruppen von Verstärkungen abgeschnitten waren.

This year our event in Wackershofen will primarily focus on the topic of post. But the background is the year 1734 because it is simply interesting how the city was involved in the War of the Polish Succession 290 years ago. The greatest military event in the German theater of war was certainly the siege of the Philippsburg fortress by the Duke of Berwick (1670-1734). The imperial army under Prince Eugen (1663-1736) was unable to prevent the French from breaking through the Ettlingen lines in May and did not come to the aid of the surrounded city, which then capitulated in July. This was all the more remarkable because a flood of the Rhine briefly presented a good opportunity to do this, as the French ship bridges were destroyed and the besieging troops were cut off from reinforcements.


Die Belagerung von Philippsburg und der Tod des Herzogs von Berwick. Zeitgenössischer Stich (Ausschnitt). - The siege of Philippsburg and the death of the duke of Berwick. Contemporary print (detail).

Schwäbisch Hall lag prinzipiell recht weit entfernt von allen Kampfhandlungen. Durch den großen Stadtbrand von 1728 war zur Erleichterung der Stadtkasse der Reichsstadt auch vorerst die Stellung des Kreiskontingents erlassen worden [1] wodurch die Stadt allerdings auch ohne professionelle Soldaten war. Wegen des württembergischen Lehens in Westheim musste Hall 1734 allerdings 2 "Lehenreiter" stellen [2]. Zum Zeitpunkt der Belagerung von Philippsburg kam der preußische Kronprinz Friedrich (II.) nebst 2 weiteren Prinzen und General Schulenburg (1685-1741) mit 5 "Chaisen" auf der Durchreise zur Front im Juli nach Hall und wechselte die Pferde auf der Posthalterei ehe er weiterreiste [3]. Immerhin konnten Bürgerkompanien den späteren König bis zum Magistrat eskortieren. Preußen selbst sollte entsprechend dem Traktat von 1728 [4] 10.000 Mann stellen, die erst im Juni 1734 im Lager von Heilbronn eintrafen. Diese Regimenter kamen auch kaum zum Einsatz; in Reichsitalien durften sie entsprechend dem Abkommen anders als die Brandenburger unter dem Alten Dessauer [5] garnicht eingesetzt werden. Im April 1734 war bereits Prinz Eugen über Geislingen vorbei gekommen [6].

In principle, Schwäbisch Hall was quite far away from any fighting. Due to the great city fire of 1728, the position of the district contingent was temporarily abolished in order to relieve the imperial city's treasury [1], which meant that the city was without professional soldiers. Because of the Württemberg fiefdom in Westheim, Hall had to provide two "fief riders" in 1734 [2]. At the time of the siege of Philippsburg, the Prussian Crown Prince Friedrich (II), along with 2 other princes and general Schulenburg (1685-1741), came to Hall with 5 "Chaisen" on their way to the front in July and changed the horses at the post office before he continued his journey [3]. At least citizen companies were able to escort the future king to the magistrate. According to the treaty of 1728 [4], Prussia itself was supposed to provide 10,000 men, who only arrived in the Heilbronn camp in June 1734. These regiments were hardly ever used; According to the agreement, they were not allowed to be used in Imperial Italy at all, unlike the Brandenburgers under the Old Dessauer [5]. In April 1734, Prince Eugen had already travelled via Geislingen [6].

Ein französischer Verwundeter (Regiment Lyonais [7] ) auf unserer Anno Domini 1743 Veranstaltung 2018. Die Franzosen hatten bei der Belagerung von Philippsburg enorm hohe Verluste - wohl etwa 10.000 Mann an Toten und Verwundeten [8], was einer effizienten Verteidigung durch General Wutgenau (1674-1736) mit sogar zum Teil Kreistruppen zugerechnet wurde. -  A wounded French soldier (from the Lyonais regiment [7] ) on our Anno Domini 1743 event in 2018. The French had really high losses during the siege of Philippsburg - maybe 10.000 dead and wounded [8], which was caused by the highly effective defense by general G. F. Wutgenau (1674-1736) who even had to rely on troops of the Imperial circles. (photo: Stefan Winter, 2018)


Über 10 Monate versammelte sich diese bunt zusammengewürfelte Armee in Heilbronn. Im Mai schrieb Prinz Eugen nach Wien: "Ganz in dem schlechten Zustand, wie mein Bericht vom Heutigen lautet, habe ich die deutsche Armee gefunden. Die preußischen Truppen machen den Kern derselben aus, das übrige stellt beinahe das Bild der Unbrauchbarkeit dar." [9] Im Juni hatten sich hier 50.000 Mann zu Fuß und 20.000 zu Pferd versammelt [10]. Der junge österreichische Offizier Gudenus hat diese Armee in aller Farbenprächtigkeit abgebildet. Nach dem Fall von Philippsburg verlagerte Prinz Eugen sein Lager nach Bruchsal. Die Franzosen gingen nach Heidelberg.

This motley army gathered in Heilbronn for over 10 months. In May, Prince Eugen wrote to Vienna: "I found the German army in the very poor condition that my report says today. The Prussian troops make up the core of it, the rest is almost a picture of uselessness." [9] In June 50,000 men on foot and 20,000 on horseback gathered here [10]. The young Austrian officer Gudenus depicted this army in all its colours. After the fall of Philippsburg, Prince Eugen moved his camp to Bruchsal. The French went to Heidelberg.


Sponton der Truppen des Schwäbischen Kreises ca. 1740. - Spontoon of the troops of the Swabian Circle ca. 1740. (Wehrgeschichtliches Museum Rastatt, Foto: Cecilia Hanselmann)

Die Kriegszeiten boten offenbar auch Gelegenheit einer gerechten Strafe zu entkommen. Ein gewisser Hans Michel Hirsch aus Rieden (Amt Rosengarten), der eine Dienstmagd im Herbst 1733 geschwängert hatte, floh und begab sich in würzburgische Kriegsdienste. Zwar konnte man ihn deswegen nicht ins Gefängnis stecken wie beabsichtigt, verhing aber von Seiten des Magistrats eine Geldstrafe von 14 Gulden [11].

The times of war apparently also offered an opportunity to escape fair punishment. A certain Hans Michel Hirsch from Rieden (Rosengarten district), who had impregnated a maid in the fall of 1733, fled and went into military service in Würzburg. Although he could not be put in prison as intended, the magistrate did impose a fine of 14 guilders [11].


Würzburgischer Offizier und Mannschaften des Regiments Bamberg nach Gudenus auf unserer Veranstaltung 2022. - An officer and ordinary soldiers of the Würzburg regiment Bamberg following a sketch by Gudenus on our event in 2022. (photo: Menger/Preusser)