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Dienstag, 1. Juli 2025

Inventar eines Hauptmanns einer Stadtkompanie 1774 - Inventory of a captain of the city's company in 1774

Während wir oft über Vorgänge im Kreiskontingent informiert werden[1], erfährt man meistens wenig über die Stadtkompanien. 1775 hingegen ist der Lieutenant (wahrscheinlich der Rang des Kommandeurs) der „Über Kochener Compagnie“ gestorben, der durch den Rotgerber und ehemaligen Fähndrich Weckerle ersetzt wurde. Die ihm nachgeordnete Erste Sergeant und Seiler Röhler übernahm nun den Posten von Weckerle. Gleichzeitig war der Fähndrich der Kompanie „in der Gelbinger Gassen“ gestorben und wurde durch den amtierenden Ersten Sergeanten und „Hochzeit Bäder Kozner“ ersetzt. Die neuen Diensthabenden sollten vom Rat den Stadtsoldaten der jeweiligen Kompanien vorgestellt werden[2].

While we are often informed about events in the district contingent[1], we usually learn little about the city companies. In 1775, however, the lieutenant (probably the rank of commander) of the “Über Kochener Company” died, who was replaced by the red tanner and former ensign Weckerle. The first sergeant and roper Röhler, who was subordinate to him, now took over Weckerle's position. At the same time, the ensign of the company “in der Gelbinger Gassen” died and was replaced by the acting first sergeant and “Hochzeit Bäder Kozner”. The council should introduce the new officers to the city soldiers of the respective companies[2].

Porträt des Johann Friedrich Deutelin, Wirt der "Güldenen Glocke" und Hauptmann einer Stadtkompanie, Kopie nach Gemälde von Georg Adam Eger, 1779 - Portray of Johann Friedrich Deutelin, innkeeper of the "Güldene Glocke" (Golden Bell) and captain of one of the city's companies, copy of a painting by Georg Adam Eger, 1779 (photo: C. Hanselmann)

 

 

Die Reichsstadt verfügte im 18. Jahrhundert über 5 Bürgerkompanien, die dem Stadthauptmann oder Stadtleutnant als Oberkommandierenden unterstanden[3]. Die wesentlichste Aufgabe der Bürgerkompanien bestand in Wachtdiensten - insbesondere wenn die Kreistruppen abwesend waren oder wie in der Zeit nach dem Stadtbrand von 1728 komplett abgeschafft. Diese Kompanien wurden von Offizieren kommandiert, die ihrerseits anders als die Stadthauptmänner, keine professionelle militärische Ausbildung genossen hatten. Ein Inventar[4] eines solchen "Capitains der Burgerl. Compagnie jenseits Kochers" hat sich überliefert [5].

In the 18th century, the imperial city had 5 citizen companies, which were subordinate to the city captain or city lieutenant as commander-in-chief[3]. The most important task of the citizen companies was guard duty - especially when the district troops were absent or, as was the case after the city fire of 1728, were completely abolished. These companies were commanded by officers who, unlike the city captains, had not received any professional military training. An inventory[4] of such a "captain of the Burgerl. Compagnie beyond Kocher" has come down to us [5].


Dieser Hauptmann namens Johann Michael Zimmerer war auch als Baumwirt scheinbar neben seinem militärischen Rang eine bedeutende Person in seinem Stadtviertel. Seine vier Töchter vermochte er an einen Gastwirt in Eltershofen, einen Bäcker in Hall, einen Schmied und einen Leinenweber zu vermählen, während ihm sein einziger Sohn, Georg Michael, als Baumwirt nachfolgen sollte.

This captain named Johann Michael Zimmerer, as the "Baumwirt" (innkeeper of the "Baum"-tavern), was apparently, in addition to his military rank, an important person in his district. He was able to marry off his four daughters to an innkeeper in Eltershofen, a baker in Hall, a blacksmith and a linen weaver, while his only son, Georg Michael, was to succeed him as innkeeper of the "Baum"-tavern.

Freitag, 6. Juni 2025

Inventar eines Baders von 1615 - Inventory of a barber from 1615

 Zufällig sind wir 2024 auf ein Inventar eines Haller Bürgers gestoßen, das sehr viele spannende Details über Kleidung und Bewaffnung eines Mannes des beginnenden 17. Jahrhunderts bietet. Der Name des Baders lautet Caspar Neuberkhen und er wird als "Bürger und Erekenbäder" tituliert. Schon auf der ersten Seite seines Inventars findet sich "Auss einer Musquete erlösst 6 fl 15 ß". Man bekam also für eine ehemals dem Bader gehörende Muskete 6 Gulden und 15 Schillinge.

By chance, in 2024, we came across an inventory from a citizen of Hall that offers a lot of exciting details about the clothing and weaponry of a man from the beginning of the 17th century. The bather's name is Caspar Neuberkhen and he is referred to as "Citizen and Erekenbäder". Already on the first page of his inventory there is “One musquet yields 6 fl 15 ß”. So you got 6 guilders and 15 shillings for a musket that formerly belonged to barber.

Rechts im Bild: wohlhabender Bürger mit großem Filzhut, großem Kragen, schwarzem Wams und Hosen sowie Rapier. Ähnliche Dinge hat der Bader hinterlassen. - At the right in the photo: a wealthy citizen with large felt hat, large collar, black doublet and trousers and a rapier. The bather was looking similar. (photo: M. Leyendecker, 2024)



Der Bader hinterließ neben Guthaben bei vielen anderen Bürger wie einem Schneider, der bei ihm Schulden hatte, natürlich viele Werkzeuge wie Scheren, die er für sein Handwerk benötigte. Einer Erbin namens Barbara hat er eine erstaunliche Menge an Büchern hinterlassen: ein Werk über das Neue Testament, ein "Teutsch Testament", "Ein geschrieben Argument", "Poemata Pythagorea", 5 kleine Büchlein "von allerhand Carminibs", ein Buch mit Fabeln von Äsop (!) sowie ein Buch mit Leichenpredigten. Ich habe offengestanden noch nie einen Nachlass an derart vielen und unterschiedlichen Büchern von einem Haller Bürger gefunden. Während die Töchter nur solchen Hausrat und die Bücher bekamen, erhielt sein Sohn Hans Caspar:

1 Muskete samt Gabel und "Schiesladen"

1 Luntenflasche

1 Zundfläschlein

1 "Rappier"

1 "Hellenbart"

1 Feldbinde

Leider erfährt man nichts zum Wert dieser Waffen und Ausrüstungsstücke. Zumindest die Hellenbarde und Feldbinde könnten auf eine hervorgehobene Rolle im Haller Stadtmilitär hindeuten.

 

Der Bürger von weiter oben mit Muskete, Rapier, Zündflasche, Gabel. - The same citizen with musket, rapier, powderflask and fork. (photo: D. Klotz, 2025)

In addition to credits to many other citizens, such as a tailor who was in debt to him, the Bader naturally left many tools such as scissors that he needed for his craft. He left an heiress named Barbara an astonishing number of books: a work on the New Testament, a "Teutsch Testament", "A Written Argument", "Poemata Pythagorea", 5 small books "of all sorts of Carminibs", a book with fables by Aesop (!) and a book with funeral sermons. To be honest, I have never found a legacy of so many and different books from a citizen of Hall. While the daughters only received household goods and books, his son Hans Caspar received:

1 musket with fork and "Schiesladen"

1 match bottle

 1 ignition bottle

 1 rapier

 1 "Hellenbeard"

 1 field sash

Unfortunately, nothing is known about the value of these weapons and pieces of equipment. At least the halberd and field armband could indicate a prominent role in Hall's city military.

Dienstag, 4. Februar 2025

Schwäbisch Hall 1775

1775 scheint ersteinmal kein irgendwie bedeutendes Jahr, wenn wir auf Deutschland und insbesondere den Schwäbischen Kreis schauen. Während es in Frankreich große Umwälzungen gab, wurde die Welt aber vor allem durch die Ereignisse in den 13 Kolonien erschüttert, die in Zeitungsmeldungen auch nach Deutschland strahlten. Wenn wir in die 1770er schauen, so wurden diese bis dahin durch die Unruhen in Polen [1], die auch Deutschland betrafen und die Hungerkatastrophe bestimmt [2]. Die Mainhardter Bande beschäftigte auch lange Zeit die Gemüter und die Behörden der angrenzenden Territorien [3]. Schauen wir in die zeitgenössischen Zeitungen, so erfahren wir vor allem von den Einschnitten, die mit der Aufhebung des Jesuitenordens überall in katholischen Gebieten auch im Heiligen Römischen Reich einher gingen [4]. Die Konkurrenz um die Vormacht im Reich zwischen Österreich und Preußen hielt an. 

At first glance, 1775 does not seem to be a significant year in any way if we look at Germany and especially the Swabian Circle. While there were major upheavals in France, the world was primarily shaken by the events in the 13 colonies, which were also reflected in newspaper reports in Germany. If we look at the 1770s, up until then they were dominated by the unrest in Poland [1], which also affected Germany, and the famine catastrophe [2]. The Mainhardt gang also occupied the minds and authorities of the neighboring territories for a long time [3]. If we look at contemporary newspapers, we learn primarily about the cuts that accompanied the abolition of the Jesuit order everywhere in Catholic areas, including in the Holy Roman Empire [4]. The competition for supremacy in the empire between Austria and Prussia continued.

Wir waren ja "1774" in Frankreich, weshalb wir uns schon 2024 mit den Umständen der Zeit um 1775 beschäftigt haben. Hier die Dame des Hauses beim Ballabend in Gala mit typischer Frisur der 1770er. - We were in "1774" in France. Therefore we researched for the historical background of 1775. Here you can see the lady of our house in gala at our ball evening with a typical hairstyle from the 1770s. (photo: C. Bernath)


Andererseits nahm der Einfluss Frankreichs auf das Reich ab. Die "Augspurgische Ordinari Postzeitung" frohlockte über die Entlassung der höchst wirksamen Minister Louis XV [5] und die Wiedereinsetzung des alten Parlamentes, welches ja alle Reformen vor 1771 behindert hatte [6]. Es ist hier die Frage, ob die "schmeichelhafteste Hofnung", welche die Zeitung erwähnt, vielleicht eher darauf abzielte, dass Frankreich durch die Veränderungen unter Louis XVI wieder politisch an Macht verlor. Tatsächlich kam es ja unter Louis XVI trotz der Sparmaßnahmen [7] zur großen Finanzkrise und Schwäche der Monarchie gegenüber der Erstarkung der Aristokratie.

On the other hand, France's influence on the empire declined. The "Augspurgische Ordinari Postzeitung" rejoiced over the dismissal of the highly effective ministers of Louis XV [5] and the reinstatement of the old parliament, which had hindered all reforms before 1771 [6]. The question here is whether the "most flattering hope" that the newspaper mentions was perhaps aimed at France losing political power again as a result of the changes under Louis XVI. In fact, despite the austerity measures [7], under Louis XVI the royal power was in decline while the aristocracy regained influence on politics.

Ich habe in meiner Funktion als Hausherr auch 1774 mein Hausgesinde entlohnt - wie damals üblich mit großen Unterschieden zwischen männlichen und weiblichen Dienstboten [8]. - I have paid my household in my function as the master of the house in 1774 - as it was common in the period there were big differences between male and female servants. [8] (Foto: C. Bernath)


Schwäbisch Hall war von alledem kaum betroffen. Luxusgüter wie Seiden wurden teurer [9] - aber das kümmerte ja den einfachen Landmann nicht. Als recht folgenschwer auf die Zukunft Schwäbisch Halls sollte sich das sich abzeichnende Aussterben der Brandenburg-Ansbachischen Markgrafenhäuser auswirken [10] mit dem Hall ohnehin wegen des Amtes Hohnhardt in beständigem Konflikt verwickelt war. 

Schwäbisch Hall was hardly affected by all of this. Luxury goods such as silk became more expensive [9] - but the simple farmer didn't care about that. The looming extinction of the Brandenburg-Ansbach margrave houses was to have a very serious impact on the future of Schwäbisch Hall [10] with which Hall was already involved in constant conflict because of the Hohnhardt district.

Der Amtmann reitet 1771 durch die Gegend. - The Amtmann is riding through the countryside in 1771. (Foto: J. Obergfell)

Donnerstag, 31. Oktober 2024

Eindrücke aus Schwäbisch Hall

Heute, am Reformationstag, sind wir zurück aus Schwäbisch Hall. Wir waren vor allem dort um das Archiv aufzusuchen und dort für die nächstjährigen Veranstaltungen zu recherchieren. Unser Fokus ist diesmal auf den Salzhandel um 1775, Fuhrleute, Träger und Diebe gewesen. Vor allem die Ratsprotokolle von 1775 sind da sehr ergiebig gewesen [1]. Soweit es die Zeit zuließ, die wir an den beiden Tagen in Hall hatten durchsuchten wir auch Inventare aus diesem Jahr [2].

Abendstimmung am Kocher. (Foto: C. Hanselmann, 2024)


Zufälligerweise stießen wir dabei auch auf das Inventar eines Bürgers von Hall aus dem frühen 17. Jahrhundert [3], das wir zu einem späteren Zeitpunkt gesondert darstellen werden. Im 17. Jh. gestaltet sich die Recherche wegen der schwer leserlichen Schrift und den sehr dünnen Angaben in den Ratsprotokollen stets sehr schwierig. Immerhin haben wir in einer Chronik aus dem frühen 20. Jh. [4] einige weitere Anhaltspunkte zu den Ereignissen 1625 gefunden, die so in der Form bei Riegler [5] nicht zu finden waren.

Montag, 1. Juli 2024

Inventar der Frau Bäckerin 1762

Nach einem ungemein erfolgreichen Monat wollen wir euch ein weiteres Inventar einer Einwohnerin von Schwäbisch Hall im 18. Jahrhundert vorstellen. 


Herr und Dame um 1750, als Staffagefiguren auf einer Ansicht von Kempten. (Foto: Cecilia Hanselmann, Stadtmuseum Kempten)

 

Es handelt sich um "Johanna Jacobina Dorothea, Johann Dietrich Stangen, Burger und Becken zu Unterlimpurg" Ehefrau und das Inventar stammt vom 10. November 1762 [1]. Es ist sehr umfangreich und verdeutlicht, welch einen Umfang und finanziellen Wert ein Nachlass an Kleidern darstellen kann.


"an weiblichen Kleidern


1 schwarz tüchen Rock und Camisöl  12 fl
1 schwarz zeuchenen Rock 2fl
1 hell gestreiften zeuchenen dito 3fl
1 roth flannellenen Rock 1fl 13ß
1 alten dito 1fl
1 abgenehten zeuchenen Rock 2fl 14ß
1 schwarz tüchen Camisölein 1 fl 15ß
1 schwarz creppen dito 15ß
1 müzlein von blauem halbseiden zeuch 2fl 15ß [2]
1 dito rothlechtes 1fl
1 schwarz cottonen Camisölein 1fl 15ß
1 violetten dito 15ß
1 schwarz pomesinen Camisölein 20ß
1 weiß barcheten dito 1fl
1 weiß barcheten leible 5ß
3 cottonen Schürz, à 20ß  2fl
1 muselinener Schurz
1 blau pomesinen Schurz 15ß
1 alt leinen dito
4 schwarze Schürz baumwollene u. leinene 2fl
1 marder Schlupfer 15ß

Latus 37fl 5ß

Donnerstag, 17. August 2023

Ein Inventar einer gewöhnlichen Frau von 1744 - An inventory of a common women from 1744

Wir möchten euch heute einmal wieder ein Inventar vorstellen.
 

Catharina, Jacob Dierolffs zu Sulzdorf Eheweib, starb 68-jährig im Frühjahr 1744. Interessant ist, dass ein Gesinde im Inventar erwähnt wurde. Arm kann sie also wohl kaum gewesen sein. Dennoch ist der Wert ihrer hinterlassenen Kleidung sehr gering [1].

 

Szenen aus der Siedergeschichte, Aquarell 2. Hälfte 18. Jh. - Scenes of the boiler's history, watercolor 2nd half of the 18th century [2] (photo: Kim Krawiec)

 

 

Today we would like to introduce you to an inventory again.

Catharina, Jacob Dierolff zu Sulzdorf's wife, died at the age of 68 in the spring of 1744. It is interesting that a servant was mentioned in the inventory. So she can hardly have been poor. However, the value of the clothes they left behind is very low [1].

 

3 schwarze Wüfflings Röck


2 wollene dito
 

1 alten Weiber mantel
 

2 rothe Mieder
 

1 kurz Röcklein
 

1 schwarz wüllen Müzlein*
 

2 leinene Schürz
 

1 schwarz alt wüllen Müzlein*
 

11 werckene Hembder
 

8 Kröß

Summa: 5 fl.


 

*unter Müzlein wurde in manchen Gegenden ein Stück Oberbekleidung verstanden, wohl entsprechend einer Jacke

Samstag, 2. April 2022

Inventar einer Magd von 1747

 

Wir möchten einmal wieder in die Inventare schauen. Es passt ganz schön zu unserer Reihe über Dienstboten[1], dass wir ein Verzeichnis der Hinterlassenschaft der Dienstmagd Maria Elisabeth Wörnerin aus dem Jahr 1747.

Ausschnitt aus der Schützenscheibe des Haller Ratsadvokaten Bonhöfer, 1790 (Ausschnitt) (Hällisch Fränkisches Museum Schwäbisch Hall, Foto: Cecilia Hanselmann 2017) 


Maria Elisabeth wurde als Tochter des Schneiders und Haller Bürgers Georg Friedrich Wörner geboren. Da sie ledig und ohne Kinder verstarb, kam ihr Erbe der Enkelin ihrer ebenfalls bereits toten Schwester Margaretha Franke aus Gschlachtenbretzingen (in der Quelle: Schlechtenbretzingen). Insgesamt hat die Verstorbene Aktiva in Höhe von mehr als 167 Gulden hinterlassen.

Die Anzahl der verschiedenen weiblichen Kleider ist immerhin beeindruckend, wenn auch ihr Gesamtwert bescheiden bleibt. Das sind:

1 schw[arz] Tüchen Camisöhl 20 ß

1 Zeugenes [Zeuchenes] dito 15 ß

1 Cottonenes [Baumwolle] 24 ß

1 schwarzen Zeugnenen Rock 1 fl. 6 ß

1 alten dito 20 ß

1 braun Zeugenen Rock 1 fl. 10 ß

1 Wifflings Rock 22 ß 6 hl.

5 Schnür Corallen mit 1 silb[ernen] Schlößle 4 fl.

1 blauen leinen[e]r: Schurz 7 ß 6 hl.

1 braun seiden Tüchle 7 ß 6 hl.

1 weiße Hauben mit Spizen 2 ß

1 seidenzeug: Helle Hauben mit schwarzen Spizen 5 ß

1 roth Crepenen Hauben 4 ß

1 alte schwaz damastene 7 ß 6 hl.

1 d[it]o 7 ß 6 hl.

1 par Belz[ene] Schlüpferte 4 ß

1 blau Cott: Schurz 20 ß

1 schwarzen schetter Schurz 12 ß

1 Weiß Halstüchle 4 ß

1 Weiße Hauben mit Spizen 4 ß

1 d[it]o 4 ß

1 Weiß Halstuch 5 ß

1 par Manchetten 3 ß

2 par alte Ermele à 1 ß – 2 ß

1 stirnbindle 1 ß 6 hl.

1 alte Zughauben 1 ß

1 par Kleine Manchetten 1 ß

1 Steiner 4 ß

1 Weiß Halstüchle 2 ß

1 par Ermele 2 ß

1 alt schw[arz]en par Handschue 1 ß

1 schwarz Seiden Tüchle mit Weißen streifen 10 ß

1 flor Tüchle 4 ß [2]

Auffällig ist das Fehlen von Hemden und Strümpfen. Selbst Schuhe hat Maria Elisabeth Wörnerin nicht hinterlassen, wenn wir dem Inventar Glauben schenken.

 

fl – Gulden (60 Kreuzer)

ß – Schilling (12 Heller oder 2 Kreuzer)

x – Kreuzer (6 Heller)

hl – Heller

[3]

Wir möchten euch darauf hinweisen, dass es dieses Jahr erneut Veranstaltungen mit dem Cercle d'histoire vivante im Freilandmuseum Wackershofen geben wird. Bitte schaut dort in den Veranstaltungskalender um euch zu informieren: https://www.wackershofen.de/

We would like to point out that this year there will again be events with the Cercle d'histoire vivante in the Freilandmuseum Wackershofen. Please check the events calendar there for more informationhttps://www.wackershofen.de/

 

 

Text: André Hanselmann / Cecilia Hanselmann

Foto: Cecilia Hanselmann

 

1) https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2021/01/dienstboten-im-18-jh-servants-duringt.html

2) Inventar der Maria Elisabeth Wörnerin, 3. Juni 1747, Stadtarchiv Schwäbisch Hall Sig. 14-2543

3) Das Schwäbisch Haller Häuserlexikon des Stadtachivs Schwäbisch Hall

Sonntag, 9. Mai 2021

Die Habseligkeiten einer Dienstmagd

Das heutige Inventar führt uns in die soziale Schicht der städtischen Dienstboten.
Die Dienstmagd Ursula Maria Gerwigin verstarb 1764, sie war in Diensten bei einem Ratsherren gewesen[1].
Auffällig ist hier, dass gar keine Kopfbedeckungen zu finden sind (mit "Mützle" sind Jacken/Oberteile gemeint), ob sie ihre einzige Haube mit ins Grab genommen hat?
Ebenso wird kein Ehemann erwähnt, wahrscheinlich war sie ledig Mutter geworden, denn sie vererbte ihre wenigen Hinterlassenschaften ihrem Sohn.

 

 

Ein Bild von einer unserer Veranstaltungen 2012.

 

 





Bettwerk

1 zwischen Deckbett
1 dito Liegbett
1 dito Pfülben (?)
1 dito Küßen

mit Enden und Hühnerfedern gefüllt 4fl 20ß

Weißzeuch
12 ß
 


Weiblichen Kleidern

1 schwartz zeuchenen Rock 20ß
1 dito                                      1 fl
1 brauner dito                         1 fl 15ß
1 schwartz zeuchen Mützle          10 ß
1 zeuchen Mützle schwartz          12 ß
1 Goller* dito                                 15 ß
1 getruckter Schurtz                     6 ß
1 rothtüchen Mieder               1 fl
1 Hembd                                        1 ß



Summa 10 fl 28 ß 

* Ein "Goller" war eigentlich laut Frauenzimmerlexikon ein aus weißer Leinwand, Baumwolle oder Nesteltuch geschnittenes über dem Hals geschlagenes "Halbbrüstlein" oder "Kräglein".[2]

 

Text: Cecilia Hanselmann

Foto: Wolf Hanselmann


1)Stadtarchiv Schwäbisch Hall: Inventar der Ursula Maria Gerwig, 1764

2) "Frauenzimmerlexikon" Leipzig, 1715, Reprint des Verlages Edition Leipzig, Leipzig, 1980, S. 1075

Dienstag, 23. Februar 2021

Inventar der Wirtin

Catharina Rosina Mittenmayer geb. 1742 verheiratet mit einem Haller Wirt.


Die Wirtin auf dem Gemälde ist nicht die gleiche, deren Kleiderinventar wir hier zeigen können, aber sie veranschaulicht gut, wie auch eine Frau aus einer scheinbar "einfachen" Schicht Kleidung und Accessoires aus teilweise sehr edlen Stoffen besitzen konnte.
War Frau Wirtin eine kleine Modenärrin? Wir wissen es nicht, aber sie besaß die stolze Anzahl von 10 Hauben.

Freitag, 5. Februar 2021

Die Hinterlassenschaft des Grabenreiters Johann Wilhelm Hartmann

Johann Wilhelm Hartmann war Grabenreiter (Funktionsträger) im Amt Rosengarten und Bürger von Schwäbisch Hall[1]. Zum Thema Grabenreiter haben wir bereits einiges berichtet[2]. Der Besitz des Grabenreiters Hartmann war ziemlich bedeutend. Seine "Behausung" allein hatte schon einen Wert von 700 Gulden. Seine Witwe Albertina Regina erhält neben seinen Kindern eine beträchtliche Hinterlassenschaft.

An weiblichen Kleidern, wohl aus Hartmanns erster Ehe hinterließ Hartmann laut "Actum: 26. Juni 1766" folgendes:

Porträt einer Unbekannten. 18. Jahrhundert. (Hällisch-Fränkisches Museum Schwäbisch Hall)

Sonntag, 24. Januar 2021

Frau Müllers schöne Kleider

 (English translation on demand)

Eine meiner liebsten Quellen für die Rechere der Kleidung sind Inventare. Sie geben anders als Abbildungen kein idealisiertes Bild ab und zeigen uns eine realistische Momentaufnahme der Besitztümer einer bestimmten Person, die recht klar zugeordnet werden können.

Ich beginne hier mit dem reichsten Inventar das ich im Stadtarchiv in Schwäbisch Hall gefunden habe[1]. Ironischerweise gehört es der Gemahlin des Herrn Müller[2], dem Vordenker der pietistischen Bewegung in Hall, der regelmäßig gegen Luxus und Prunk predigte. Er hatte auch maßgeblichen Anteil bei der Aufstellung der Kleiderordnungen vor allem ab dem Stadtbrand von 1728[3]. Seine Frau schien anderer Meinung als er zu sein. Während der Rat der Reichsstadt mit Dekreten und Kleiderordnungen vor allem aus ökonomischen Gründen[4] gegen den Import von Testilien vorging, kleidete sich Frau Müller auch im Vergleich zu anderen Hallerinnen  [5] auffällig in französischem Stil [6]. Sie war offenbar ungemein reich, erbte 1724 das Haus ihrer Eltern in der Unteren Herrengasse in Hall. Ein wenig schmeichelhaftes Zeugnis wurde über sie im Sterberegister hinterlassen: "Ihr xstenthum betreffend so kam sie gern ins Hauß Gottes, wie auch zu beicht und Heil. abendmahl, erkannte anbey ihre Fehler und sünden und hitzige Übereilungen. Gott suchte auch ihre Demüthigung in verschiedenen leiden und kranckheiten."[7]

Porträt der Eleonora Bühl (1724-1771). Sie wurde mit 16 Jahren mit dem Lebküchner und späteren Ratsherrn Johann Bernhard Bühl vermählt. Sie trägt wohl ein "deutsches" Kleid.