Die große in Württemberg grassierende Seuche, die nicht zuletzt von den Söldnern wie denen unter Sachsen-Lauenburg eingeschleppt wurde, ist kein vorrangiges Thema auf unserer Veranstaltung. Dennoch will ich es nicht so ganz unerwähnt lassen. In einer Haller Chronik wird die Dramatik der Ereignisse im angrenzenden Württemberg geschildert, Dort regnete es 10 Wochen lang, so dass das Korn ungenießbar wurde, die Ärmsten, die von ihrem Handwerk nicht mehr leben konnten, gezwungen waren "Graßdisteln, Melten und dergleichen" zu verzehren. Noch härter soll es Bayern getroffen haben, weil man dort sehr einseitig auf den Anbau von Roggen setzte, wodurch viele ihr Land verließen und in Württemberg oder gar dem Elsass betteln gehen mussten. Auf die Missernte folgte in Württemberg die Pest, von der 28.000 Menschen dahingerafft wurden [1].
The great epidemic raging in Württemberg, which was brought in part by mercenaries like those under Saxe-Lauenburg, is not a primary topic at our event. Nevertheless, I don't want to leave it entirely unmentioned. A chronicle from Hall describes the dramatic events in neighboring Württemberg. There, it rained for ten weeks straight, rendering the grain inedible, forcing the poorest, who could no longer make a living from their trades, to eat "grass thistles, ragwort, and the like." Bavaria was said to have been hit even harder because of its heavy reliance on rye cultivation, which led many to abandon their land and beg in Württemberg or even Alsace. The crop failure in Württemberg was followed by the plague, which claimed the lives of 28,000 people [1].
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| Wir haben damals keine Disteln gekocht auf unserer Landleben 1619 Veranstaltung. - We didn't cook any thistles on our Landleben 1619 event. (photo: S. Winter, 2019) |
Die Auswirkungen der Krise sieht man auch im Kleinen, beispielsweise wenn wiederholt Bäcker in Schwäbisch Hall wegen "übel gebackenen" Brot wie David Hoffmann am 12. Mai 1626 oder "zu gering gebackenen Brodt" wie Endris Löchner belangt wurden. Die Reichsstadt hatte klare Maße, welche die Bäcker bei einem gewissen Brotpreis, der vom Magistrat erhöht oder gesenkt werden konnte, eingehalten werden musste, wenn man nicht wie hier mit 4 Talern Strafe belegt werden wollte. Bezeichnenderweise ging die Hälfte von Hoffmanns Strafe, also 2 Taler, an den Haller Bettelvogt [2]. Der Rat erließ im 17. Jahrhundert mehrfach Verbote einheimisches Brot oder Getreide ohne Wissen des Rates auszuführen. Da scheint es beinahe übermäßig milde, wenn dem "weib" des Balthasar Widmann nur eine Strafe von 2 Gulden auferlegt wurde, weil sie "Burgers brot hinaus geben" [3]. Die Vergehen wegen veruntreuten Brotes häufen sich im Frühsommer 1626. Besonders schwer wurde der Bäcker Hans Caspar Glock bestraft, weil er im Juli 40 Laib Brot "zunicht gebacken" wofür er nicht weniger als 12 fl Strafe zahlen musste [4].
The effects of the crisis can also be seen on a smaller scale, for example, when bakers in Schwäbisch Hall were repeatedly fined for "poorly baked" bread, as David Hoffmann was on May 12, 1626, or for "bread baked too thinly," as Endris Löchner was. The imperial city had strict regulations that bakers had to adhere to at a certain bread price, which could be raised or lowered by the city council, if they wanted to avoid a fine of 4 talers, as in this case. Significantly, half of Hoffmann's fine, 2 talers, went to the Hall beggar bailiff [2]. During the 17th century, the council repeatedly issued prohibitions against exporting local bread or grain without its knowledge. In comparison, it seems almost excessively lenient that Balthasar Widmann's wife was only fined 2 guilders for "giving away citizens' bread" [3]. Offenses involving embezzled bread increased in the early summer of 1626. The baker Hans Caspar Glock was punished particularly severely because he "wasted" 40 loaves of bread in July, for which he had to pay a fine of no less than 12 florins [4].
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| Arbeit am Backofen bei Landleben 1625. - Work at the oven on our Landleben 1625 event. (photo: S. Winter) |
Die Aufgabe der Bettelvögte war laut einem Dekret von 1625 die „Schlupfwinkel“ der „Auf- und Fürkäufer“ in Erfahrung zu bringen und diese zu melden. Die Bauern, aber auch Bürger, die gegen bestehende Verordnungen insgeheim Brennholz verkauften, sollten 1 Gulden Strafe zahlen - die obigen Strafen lagen also sogar ein bisschen über der angekündigten Strafe [5]. Man findet wenig Mitleid von Seiten der Reichsstadt gegenüber dem Herzogtum Württemberg, obwohl dort ja Glaubensbrüder lebten. Vielleicht liegt das auch in den brutalen Übergriffen durch die Württemberger im Amt Hohnhardt begründet [6].
According to a decree from 1625, the task of the beggars' bailiffs was to discover and report the "hiding places" of the "buyers and resellers." Farmers, but also citizens, who secretly sold firewood in violation of existing regulations were to pay a fine of 1 gulden—the penalties mentioned above were therefore even slightly higher than the announced fine [5]. Little sympathy is found on the part of the Imperial City towards the Duchy of Württemberg, even though fellow believers lived there. Perhaps this is also due to the brutal attacks by the Württembergers in the Hohnhardt district [6].
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| Bayerische Söldner auf unserer Landleben 1622 Veranstaltung. - Bavarian mercenaries on our 1622 event. (Foto: Stefan Winter) |
Neben der Seuche und den Plünderungen stellten auch die Einquartierungen als solche eine enorme Belastung für den hällischen Staatshaushalt dar. Allein für die Truppen des besagten Herzogs von Sachsen-Lauenburg kosteten die Reichsstadt im Jahr 1626 33.197 fl [7]. Die Finanzkrise für die Stadt wurde zwangsläufig auf die Bürger und Untertanen abgewälzt, wobei Erstere 1625 immerhin schon 3500 fl (statt 1520 fl 1574) an Bed aufbringen mussten, was sich bis 1650 auf sage und schreibe 50.000 fl steigerte! Infolge der Probleme mit den Einquartierungslasten sah sich bereits 1625 der Rat dazu gezwungen durch den Verkauf von Vorräten die maßgeblichen Einkünfte aus den Gültfrüchten als Haupteinnahmequelle auf dem Land auf 32.000 fl zu erhöhen, was man danach aber nicht mehr wiederholen konnte [8]. Die kritische Lage des Landes wurde aber auch vom Magistrat berücksichtigt. Besonders hart traf es beispielsweise das Amt Rosengarten, dem wegen "von den Soldaten so grossen Schaden", den diese angerichtet hatten, 20 fl an Abgaben 1625/26 erlassen wurden [9].
Besides the epidemic and the pillaging, the quartering of troops itself represented an enormous burden on the Halle state budget. The troops of the aforementioned Duke of Saxe-Lauenburg alone cost the imperial city 33,197 florins in 1626 [7]. The city's financial crisis was inevitably passed on to its citizens and subjects, with the former already having to raise 3,500 florins in 1625 (instead of 1,520 florins in 1,574), a figure that rose to a staggering 50,000 florins by 1650! As a result of the problems with the quartering burden, the council was forced as early as 1625 to increase the main income from the agricultural land, the primary source of revenue, to 32,000 florins by selling supplies, a measure that could not be repeated afterward [8]. The critical situation of the countryside was also taken into account by the city council. The district of Rosengarten, for example, was particularly hard hit, and because of the “great damage” caused by the soldiers, 20 fl were exempted from taxes in 1625/26 [9].
| Sulferturm mit Tor an der Furt unweit dem Haal. - The Sulferturm at the ford next to the "Haal" (salt boiler). (Foto: C. Hanselmann, 2021) |
Neben Seuchen und finanzieller Krise standen nicht nur die Verhältnisse zu Württemberg nicht zum besten [10]. Ebenso wie Württemberg beschwerte sich auch ein Hohenloher Graf im Mai beim Haller Rat, dass seine Untertanen offensichtlich wie die eigenen Untertanen in einem Dorf von der Reichsstadt mit Kriegslasten belegt wurden [11]. Zwar wird nicht mehr wie ein paar Jahre zuvor die Geldentwertung so stark herausgestellt, aber zwischen "200 fl gut gelt" und "300 fl Neu ... gelt" doch unterschieden [12].
Besides the epidemics and financial crisis, relations with Württemberg were not the best either [10]. Just like Württemberg, a Count of Hohenlohe also complained to the Hall council in May that his subjects were apparently being burdened with war costs by the imperial city, just like his own subjects in a village [11]. Although the devaluation of money is no longer emphasized as strongly as a few years earlier, a distinction is still made between "200 fl good money" and "300 fl new money" [12].
Text: André Hanselmann
Fotos: S. Winter, C. Hanselmann
Notizen / Notes:
1) Schüler‘sche Chronik, Stadtarchiv Schwäbisch Hall, HV HS 89 S. 636-637
2) "Straff vor Rhat" in Steuerrechnung 1625/26, Stadtarchiv Schwäbisch Hall, Sig. 4 a88, S. 43f-44
3) "Straff vor Rhat S. 44
4) ebenda
5) Bettelvögte“ in „Auszüge nach alphabetischer Ordnung der Rathsdecrete“ Tom. 1, 2 & 3, Stadtarchiv SHA, Sig. 4/0431, o. S.
6) Siehe hier:
7) Steuerrechnung 1625/26, Sig. 4 a88, o. S.
8) Wilhelm German: "Chronik von Schwäbisch Hall und Umgebung", W. German's Verlag, Schwäbisch Hall, 1911, S. 143
9) Amtsrechnung Amt Rosengarten 1625/26, Stadtarchiv Schwäbisch Hall, S. 25 f
10) siehe hier zu den württembergisch-hällischen Beziehungen:
11) Ratsprotokoll 24. Mai 1626, Stadtarchiv SHA, Sig. 4/230, S. 131
12) Ratsprotokoll 31. März 1626, S. 104 f



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