Montag, 16. Oktober 2023

"Der Schatten von Caravaggio" - "Caravaggio's shadow" (2023)

Eben bin ich aus dem 2. Spielfilm, der im 17. Jahrhundert spielt und dieses Jahr hier ins Kino kam raus gekommen. Mit dem eigenwilligen Musketierfilm [1] hat dieser Streifen gemein, dass ein Darsteller erneut eine wichtige Rolle spielt [2].

I have just come out of the second feature film, which is set in the 17th century and was released here this year. What this film has in common with the idiosyncratic Musketeer film [1] is that an actor once again plays an important role [2].

 

 

Filmplakat. Es fässt recht gut den Stil und die Farben des Films zusammen. - Poster of the movie. It shows perfectly the colours and style of the movie. (photo: André Hanselmann, 2023)

Ebenso wie der Musketierstreifen ist auch dieser Film beinahe immer in der Dunkelheit gedreht. In Rom und den anderen Handlungsorten herrscht entweder Nacht oder ein bedeckter Himmel taucht die Szenerie in eine Farbpalette von Brauntönen, die hier und da die teils bunten Kostüme aufblitzen lassen. Spielt etwas in Rom in eher freiem Gelände so wurde in antiken Ruinen gedreht, wo Caravaggio gerne Federball spielt [3]. Das Leben Caravaggios wird ab den frühen 1590ern aus der Retrospektive geschildert. Denn der vom Papst beauftragte Inquisitor befragt Lebensgefährten des Malergenies: die reiche Constanza Sforza Colonna über Prostituierte bis hin zu einem Trinker, der Caravaggio wie soviele als Modell diente. Das Drehbuch versucht akribisch all die Orte und Mäzene aufzuzählen an denen Caravaggio und für die er arbeitete. Dies erlaubt keine Überraschungen, denn der Film mutet vielmehr als eine Rechtfertigung der Verbrechen des Malers an. So wird geschildert wie er 1605 den Gemahl einer Geliebten zusammen schlug und daher nach Genua fliehen musste und wie sich die Feindschaft mit den ausgezeichneten etablierten Malern entwickelte, die ihn scheinbar beneideten wegen seinem Talent bis hin zur fatalen Beziehung zu einem Tomassoni. Zu meinem Erstaunen wurde Caravaggios Ende 1610 recht deutlich gezeigt ohne Fragen über Verantwortung und Täter offen zu lassen.

Like the Musketeer flick, this film is almost always shot in the dark. In Rome and the other locations it is either night or an overcast sky bathes the scenery in a colour palette of brown tones, which allows the sometimes colourful costumes to flash here and there. If something takes place in Rome in a rather open area, it was filmed in ancient ruins, where Caravaggio likes to play badminton [3]. Caravaggio's life is described retrospectively from the early 1590s. The inquisitor commissioned by the Pope questions the painter's genius' companions: the rich Constanza Sforza Colonna, prostitutes and a drunk who, like so many others, served as a model for Caravaggio. The script tries to meticulously list all the places and patrons where Caravaggio worked and for whom he worked. This leaves no surprises, as the film seems more like a justification of the painter's crimes. It describes how he beat up the husband of a lover in 1605 and therefore had to flee to Genoa and how the enmity developed with the excellent, established painters, who apparently envied him because of his talent and even had a fatal relationship with a Tomassoni. To my surprise, Caravaggio end was shown quite clearly in 1610 without leaving any questions about responsibility and perpetrators unanswered.

Sonntag, 8. Oktober 2023

Ausblick auf das nächste Jahr - A view into the next year

Wie sich das einige Blogleser gewünscht haben, wird sich der Blog nächstes Jahr mit dem Polnischen Thronfolgekrieg beschäftigen. Obwohl mich die Geschichte des Hauses Wettin immer sehr beschäftigt hat, will ich da aber nicht allzu tief ins Detail gehen um nicht allzusehr vom Sinn unseres Blogs abzuweichen. Mit dem frühen Tod König August II. von Polen am 1. Februar 1733 in Warschau bahnt sich rasch ein großer Konflikt an. Anders als bei seinem Vater musste sich Kurfürst Friedrich August II. (1696-1763) nicht sosehr mit einem Widerstand in Kursachsen gegen seinen Versuch die polnische Krone zu erwerben durchsetzen [1]. Anfänglich schien aber ein Sieg des Schwiegervaters von König Louis XV im Kampf um die Krone, der natürlich von Frankreich unterstützt wurde, durchaus in greifbare Nähe zu rücken. Stanisław Leszczyński (1677-1766) war kurz vor dem sächsischen Bewerber bereits am 11. September 1733 zum König gewählt worden. Vor allem Russland, welches bereits im Großen Nordischen Krieg auf der Seite Sachsens gekämpft hatte, gelang es maßgeblich an der Vertreibung von König Stanisław mitzuwirken und dadurch den ohnehin schon enormen Einfluss in Polen auszuweiten. 

As some blog readers have requested, next year's blog will deal with the War of the Polish Succession. Although the history of the House of Wettin has always occupied me very much, I don't want to go into too much detail so as not to deviate too much from the spirit of our blog. With the early death of King August II of Poland on February 1, 1733 in Warsaw, a major conflict quickly developed. In contrast to his father, Elector Friedrich August II (1696-1763) did not have to resist his attempt to acquire the Polish crown so much in Electoral Saxony [1]. Initially, however, a victory for King Louis XV's father-in-law in the battle for the crown, which was of course supported by France, seemed within reach. Stanisław Leszczyński (1677-1766) had been elected king on September 11, 1733, shortly before the Saxon candidate. Above all, Russia, which had already fought on the side of Saxony in the Great Northern War, was able to play a key role in the expulsion of King Stanisław and thereby expand the already enormous influence in Poland.

Die Festung Kehl am Rhein mit der Stadt Straßburg im Hintergrund auf dem großen plan relief. - The fortress of Kehl and the city of Strasbourg in the background on the great plan relief. (Musée d'Histoire, Strasbourg, photo: Cecilia Hanselmann, 2023)

 

Schon kurz nach Stanisławs Wahl kam es in Deutschland zu ersten Kriegshandlungen indem die schwäbische Kreisfestung Kehl von den Franzosen belagert wurde. Über 30.000 Mann unter dem kampferfahrenen Maréchal duc de Berwick (1670-1734) schlossen die kleine von Kreistruppen schwach besetzte Festung ein und erreichten nach etwa 2 Wochen Belagerung die Einnahme derselben. Da ich kein Experte für Festungsbelagerungen bin, werde ich auf diese wie auch auf die folgenden von Pizzighettone, Danzig, Trarbach und Gaeta nicht näher eingehen. 

Links eine Fahnenspitze des Schwäbischen Kreises von 1716. Wehrgeschichtliches Museum Rastatt. - At the left a flag tip of the Swabian circle from 1716. WGM Rastatt. (photo: Cecilia Hanselmann 2023)


Shortly after Stanisław's election, the first acts of war broke out in Germany, with the Swabian district fortress of Kehl being besieged by the French. More than 30,000 men under the battle-experienced Maréchal duc de Berwick (1670-1734) surrounded the small, weakly by troops of the circle occupied fortress and managed to capture it after a siege of about 2 weeks. Not being an expert on fortress sieges, I won't go into detail about this one, nor the ones that followed from Pizzighettone, Danzig, Trarbach and Gaeta.

Ein näherer Blick auf die Festung Kehl im Zustand vor 1734 auf dem zeitgenössischen Modell. - A closer look on the fortress of Kehl in the situation around 1734 on the contemporary model. (Musée d'histoire, Strasbourg, photo: Cecilia Hanselmann)

 

Sehr bedeutend nicht zuletzt für den Schwäbischen Kreis der direkt durch das französische Heer bedroht wurde, sollte die Reaktion des Kaisers auf den Konflikt werden. Karl VI. (1685-1740) hatte bereits für einen künftigen Krieg mit Frankreich vorgesorgt indem er mit dem militärisch erstarkten Preußen einen Vertrag über die Stellung eines Heeres von 30.000 Mann im Kriegsfall abschloss. Dieser Vertrag verdeutlicht aber auch die Ohnmacht des Reiches, die nicht zuletzt daher rührte, dass die kurbrandenburgischen Herrscher seit dem Großen Kurfürst jegliche Stellung von Truppen für die Reichsarmee abgelehnt hatten. Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth berichtete in ihren Memoiren recht eindrücklich von den Verhandlungen ihres Vaters Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) mit dem Kaiser [2]. 

The reaction of the emperor to the conflict was to be very important, not least for the Swabian district, which was directly threatened by the French army. Charles VI (1685-1740) had already prepared for a future war with France by concluding a contract with the militarily strengthened Prussia on the deployment of an army of 30,000 men in the event of war. However, this contract also illustrates the impotence of the empire, which was not least due to the fact that the Electoral Brandenburg rulers had rejected any deployment of troops for the imperial army since the Great Elector. In her memoirs, Margravine Wilhelmine von Bayreuth gave an impressive account of the agreements between her father Friedrich Wilhelm I (1688-1740) and the Emperor [2].

Im Jahr 1734 versammelte dann Prinz Eugen sein Heer aus Reichstruppen und Verbündeten bei Heilbronn. Doch dazu mehr im nächsten Jahr!

In 1734, Prince Eugene assembled his army of imperial troops and allies near Heilbronn. But more on that next year!

Text: André Hanselmann

Fotos: André Hanselmann, Cecilia Hanselmann


Notizen / Notes:

1)  Karl Czok: "August der Starke und seine Zeit" Piper, München, 2006, S. 72-74

2) Wilhelmine von Bayreuth: Memoiren, insel, Frankfurt, 1990, S.113

Freitag, 15. September 2023

Die Mainhardter Räuberbande - The band of robbers of the Mainhardt forest 25.-27.8.2023

Wir sind nun von unserer größten Veranstaltung des Jahres mit etwa 50 Teilnehmern [1] heim gekehrt. Wir wollen euch ein paar Eindrücke von unserem Programm liefern. Der  Amtmann traf im Amt Rosengarten ein und brachte einige Steckbriefe und das Jaunerpatent von 1751 [2] [3] zum Zöllner von Bubenorbis [4]. Der Zöllner und der ehemalige Schulmeister berichteten mir von Neuigkeiten aus dem Dorf. Die in der Gegend eingesetzten Jäger ergriffen kurz darauf einen Verdächtigen, der sich allerdings als Handwerker herausstellte, der laut seinem Ausweispapier [5] ein unschuldiger Reisender war. 

Szene an der Zollstation. Der Rattenfänger wird kontrolliert. - Scene at customs office. They are checking the rat catcher. (photo: M. Leyendecker)
 

We have now returned from our biggest event of the year with around 50 participants [1]. We want to give you a few impressions of our program. The bailiff arrived at the Rosengarten office and brought some wanted letters and the Jaunerpatent from 1751 [2] [3] to the customs officer from Bubenorbis [4]. The customs officer and the former schoolmaster told me about news from the village. The hunters deployed in the area soon seized a suspect who, however, turned out to be a craftsman who, according to his identity paper [5], was an innocent traveler.

Enttäuscht von dem Fehlen eines Bratens verließ der Amtmann das Steigengasthaus um die Frau Pfarrerin zu besuchen. Er gratulierte zum Geburtstag und überreichte einen Brief mit der Mahnung für den Pastor künftig mehr "Betstunden" wegen der Mäuseplage von 1773 einzulegen [6] und sich stärker um die örtliche Schule zu kümmern. Wenig beruhigt von den Erlebnissen reisten der Amtmann und sein Grabenreiter ab.

Der Amtmann - hier in Rot - ist diesmal wenig beeindruckt von der Küche des Steigengasthauses. Sein Amtsschreiber - in Blau - unterstützt ihn. - The bailiff in his red coat is not really impresses by the menu in the "Steigengasthaus". The secretary of the district in a blue coat is supporting him. (photo: Stefan Winter)

 

Disappointed by the lack of a roast, the bailiff left the Steigengasthaus to visit the pastor's wife. He congratulated him on his birthday and handed over a letter admonishing the pastor to put in more "prayer hours" in the future because of the mouse plague of 1773 [6] and to take better care of the local school. Little reassured by the experiences, the bailiff and his trench rider left.

Eine Räuberin überfällt eine Magd unweit der Zollstation. - A female robber attacks a maid next to the house of the custom officer ... (photo: M. Leyendecker)

Der Komplize steht mit seiner Flinte bereit. - The accomplice is ready with his musket. (photo: M. Leyendecker)


Am nächsten Tag schickte er eine Botschaft wegen der Schwarzwälder Bande an den Zöllner von Bubenorbis, der wegen der Bande streifen lassen sollte [7]. Kurz hinter der württembergischen Grenze wurde eine meiner Mägde nachdem sie ihre Korbwaren verzollt hatte von Räubern ausgeraubt. Sie brachte das sogleich bei mir als einem hällischen Schultheiß zur Anzeige. Ich hatte aber schon damit zu tun die Obrigkeit in Kenntnis zu setzen, dass nur so wenige Kinder zur Sommerschule erschienen waren [8]. Der Mäusefänger, der Tags zuvor auch dem Amtmann aufgefallen war, erhielt von mir ein Dokument. Gegen einen kleinen Obulus brachte er eine Nachricht zum Zöllner von Bubenorbis. 

The next day he sent a message about the Black Forest gang to the customs officer from Bubenorbis, who was supposed to patrol because of the gang [7]. Shortly after the Württemberg border, one of my maids was robbed by robbers after she had declared her basketry. She immediately reported this to me as a Hellish mayor. But I was already busy informing the authorities that so few children had turned up for the summer school [8]. The mouse catcher, who had also noticed the bailiff the day before, received a document from me. For a small fee he brought a message to the Bubenorbis customs officer.

Viel Verkehr an der Zollstation. Hier reist der jüdische Krämer mit einem Fuhrmann ins Württembergische. - A lot of traffic at the customs office. Here you can see the jewish chandler travelling on the cart of a carter into the Wurttemberg territory. (photo: M. Leyendecker)

 

Ich verkaufte Holzschnitte und Liedertexte zum Schicksal des Georg Michael Schönmann [9], die gesungen angeworben reißenden Absatz fanden. 

Die Bänkelsänger ziehen von Dorf zu Dorf um die Lieder und Holzschnitte zu verkaufen. - The singers are walking from village to village to sale the songs and woodcuts. (photo: Michael Leyendecker)

 

I sold woodcuts and song texts on the fate of Georg Michael Schönmann [9], which sold like hot cakes when sung.

Montag, 4. September 2023

"Jeanne du Barry" (2023)

Nun bin ich unlängst in Maïwenns neuem Film "Jeanne du Barry" gewesen, den ich hier in Freiburg im O-Ton mit deutschem Untertitel gesehen habe. Maïwenn selbst soll wohl bekundet haben, dass es um ihre Illusion von Madame du Barry gegangen sei. Das ist auch offensichtlich der Fall, denn selbst der Historizität suggerierende Erzähler aus dem Off berichtet unhistorische Details wie ein erste öffentlicher Auftritt der Comtesse du Barry mit offenen Haaren. Doch alles der Reihe nach!

Now I was recently in Maïwenn's new film "Jeanne du Barry", which I saw here in Freiburg in the original sound with German subtitles. Maïwenn herself is said to have stated that she was concerned with her illusion of Madame du Barry. This is also quite obviously the case, because even the narrator from the off, who suggests historicity, reports unhistorical details such as a first public appearance of the Comtesse du Barry with her hair loose. But first things first!
 
Ja, der Schmuck hier im Film war meistenteils total modern und Louis XV hat ne ulkige weiße Schleife - immerhin sieht man hier nicht seine Schminke im Gesicht(!). - Yes most of the jewelry here in the movie was modern and Louis XV has a strange white bow in his hair - at least you can't see his makeup here! (photo: André Hanselmann 2023)

Wir begegnen Jeanne als Kind wie sie - warum auch immer ??? - bereits mit ihren für den Film charakteristischen offenen braunen Haaren von einem Künstler auf einem Feld gezeichnet wird. Hier im Film wird sie als junge Frau von ihrer Mutter (Marianne Basler) dazu gezwungen sich dem Laster hinzugeben, nachdem sie das Kloster verlassen muss. Die mittlerweile Mit-Vierzigerin Jeanne (Maïwenn selbst) wird von Monsieur Du Barry (Melvill Poupaud) umgarnt - offen gestanden ohne dass man erkennen könnte warum, da einfach nur ungehobelt und wenig geistreich scheint. Der Duc de Richelieu (Pierre Richard!) setzt sich aus persönlichen Gründen dafür ein Jeanne zur Mätresse des Königs zu etablieren. Dem König (Johnny Depp) fällt auch gleich Jeanne auf, als sie im Spiegelsaal rumsteht. Warum weiß man nicht. Er lässt sie von seinem Diener La Borde (Benjamin Lavernhe) an den Hof holen und in den Gepflogenheiten unterrichten. Man fragt sich an der Stelle wie eine Mit-Vierzigerin nicht davon mitbekommen haben soll wie man sich in gehobenen Kreisen verhältm wenn sie in einer adeligen Gesellschaft aufgewachsen ist wie es ja im Film gezeigt wird.  
 
We meet Jeanne as a child like her - why always??? - is already being drawn by an artist on a field with her characteristic loose brown hair for the film. Here in the film, as a young woman, her mother (Marianne Basler) forces her to give in to vice after she has to leave the convent. Jeanne (Maïwenn herself), now in her forties, is being ensnared by Monsieur Du Barry (Melvill Poupaud) - frankly without one being able to see why, as she just seems uncouth and unwitty. For personal reasons, the Duc de Richelieu (Pierre Richard!) is committed to establishing Jeanne as the king's mistress. The king (Johnny Depp) immediately notices Jeanne as she stands around in the hall of mirrors. Nobody knows why. He has his servant La Borde (Benjamin Lavernhe) bring her to court and teach her the customs. One wonders at this point how a woman in her forties should not have noticed how one behaves in upper class circles if she grew up in a noble society as shown in the film.
 

Freitag, 1. September 2023

Ein Besuch in der Schweiz - A visit in Switzerland

Wir waren in diesem August erneut in der Schweiz. Der Anlass war eine Veranstaltung des Museums Haus Blumenstein und der Schweizer Gruppe "Les soirées amusantes". In dem früheren Haus der Kriegsunternehmerfamilie Greder in Solothurn wurden die Kartenspiele Tarot, Pharo, Whist und L'Hombre sowie Tänze, Musik und Lyrik vorgestellt. Wir selbst führten bei einer Modevorführung Kleidung der Zeit um 1773 vor. 

Wolfgang Greder im Alter von 47 Jahren im Jahre 1640 als Obrist eines französischen Regiments. - Wolfgang Greder in the age of 47 in the year 1640, when he was a colonel of a French regiment. (photo: Cecilia Hanselmann, 2023)

 

Neben dem Haus Blumenstein hat Solothurn einiges mehr zu bieten. An mehreren Stellen sind Teile der barocken Stadtbefestigung erhalten. Die Architektur der Stadt ist französisch geprägt. Schon in den Religionskriegen hatten Mitglieder der Familie Grede beispielsweise in der Armee des französischen Königs gedient. Ein französischer Ambassadeur residierte bis ins 18. Jahrhundert in der Stadt an der Aare auch um Vertäge über weitere Söldner mit den lokalen Eliten abzuschließen. Besonders bedeutend war auch das Zeughaus von Solothurn, welches zur Notwendigkeit der Stadtbefestigung beitrug. Noch heute sind dort beeindruckende Mengen von Waffen aus etlichen Jahrhunderten erhalten[1].  

Madame Beyschlag in einem der Räume von Haus Blumenstein. - Mme. Beyschlag in one of the rooms of the Blumenstein house. (photo: A.-A. Hanselmann 2023)

Zufälligerweise sehr passend zu unserer persönlichen Zeit [2] haben wir im Obergeschoss des Hauses Blumenstein eine Ausstellung zur Kathedrale in Solothurn (St. Urs und Viktor) gesehen, die 1773 vollendet wurde. Diese Ausstellung mit zahlreichen Details und Modellen des Kichenbaues können wir nur empfehlen. 

Ein Modell der Kathedrale von Solothurn im Museum Blumenstein. - A model of the cathedral of Solothurn in the Blumenstein museum. (photo: Erich Weber (Museum Blumenstein)

 

We were in Switzerland again this August. The occasion was an event organized by the Museum Haus Blumenstein and the Swiss group "Les soirées amusantes". The card games Tarot, Pharo, Whist and L'Hombre as well as dances, music and poetry were presented in the former house of the Grede family of wartime entrepreneurs in Solothurn. We ourselves presented clothing from around 1773 at a fashion show.

Donnerstag, 17. August 2023

Ein Inventar einer gewöhnlichen Frau von 1744 - An inventory of a common women from 1744

Wir möchten euch heute einmal wieder ein Inventar vorstellen.
 

Catharina, Jacob Dierolffs zu Sulzdorf Eheweib, starb 68-jährig im Frühjahr 1744. Interessant ist, dass ein Gesinde im Inventar erwähnt wurde. Arm kann sie also wohl kaum gewesen sein. Dennoch ist der Wert ihrer hinterlassenen Kleidung sehr gering [1].

 

Szenen aus der Siedergeschichte, Aquarell 2. Hälfte 18. Jh. - Scenes of the boiler's history, watercolor 2nd half of the 18th century [2] (photo: Kim Krawiec)

 

 

Today we would like to introduce you to an inventory again.

Catharina, Jacob Dierolff zu Sulzdorf's wife, died at the age of 68 in the spring of 1744. It is interesting that a servant was mentioned in the inventory. So she can hardly have been poor. However, the value of the clothes they left behind is very low [1].

 

3 schwarze Wüfflings Röck


2 wollene dito
 

1 alten Weiber mantel
 

2 rothe Mieder
 

1 kurz Röcklein
 

1 schwarz wüllen Müzlein*
 

2 leinene Schürz
 

1 schwarz alt wüllen Müzlein*
 

11 werckene Hembder
 

8 Kröß

Summa: 5 fl.


 

*unter Müzlein wurde in manchen Gegenden ein Stück Oberbekleidung verstanden, wohl entsprechend einer Jacke

Freitag, 4. August 2023

Die Schlacht bei Stadtlohn - The battle of Stadtlohn 6.8. 1623

Mit der Schlacht bei Stadtlohn wollen wir uns der letzten großen Schlacht dieser Phase des Krieges zuwenden. Ich hatte zuvor schon die Frage gestellt, warum der Krieg nicht bereits zuvor ausgelaufen ist [1].

With the Battle of Stadtlohn we want to turn our attention to the last major battle of this phase of the war. I had previously asked why the war had not ended earlier [1].

Hellebarden und Partisane des 17. Jh. im Musée Unterlinden in Colmar. - Halbert and  partisan from the 17th century in the musée Unterlinden in Colmar. (Foto: Cecilia Hanselmann)


Vorgeschichte der Schlacht - occurence of the battle

In Stadtlohn selbst wird der Schlacht gelegentlich gedacht. So wurde ihr vom Heimatverein ein kleiner Text gewidmet [2] und auch Dokumentationen wie die von Peter Milger [3] erwähnten die Schlacht. Besonders herauszuheben aus meiner persönlichen Perspektive ist ein gewaltiges Diorama der Schlachten mit Figuren in 1/72 wie ich auch welche von denselben Herstellern verwende [4].

In Stadtlohn itself, the battle is occasionally commemorated. A small text was dedicated to her by the home club [2] and documentation such as that by Peter Milger [3] mentioned the battle. Particularly noteworthy from my personal perspective is a huge diorama of the battles with figures in 1/72 as I use some from the same manufacturers [4].


Nach seinem Durchbruch bei Fleurus trennte sich der "Tolle Halberstädter" wieder vom Grafen von Mansfeld. Erneut gelang es dem glücklosen Heerführer ein zumindest der Größe nach stattliches Heer aufzustellen. Wie schon 1622 war es aber sowohl quantitativ als auch qualitativ dem Ligaheer unter dem Grafen Tilly deutlich unterlegen. Sein Vorhaben diesmal nach Norddeutschland wieder die Fackel des Krieges zu tragen war schon sehr ambitioniert. Es scheint ein wenig, als habe Christian von Braunschweig die neuen Kraftverhältnisse im Reich unterschätzt. Andererseits passt sein Vorgehen zu seinem früheren Handeln. Faszinierend ist ja, dass er immerhin über 16.000 Mann zusammen trommeln konnte. Als Tilly sein großes Heer von mehr als 22.000 Mann nach Niedersachsen führte, sah Christian die Aussichtslosigkeit eines Kräftemessens mit Tilly ein, der ihn ja schonmal geschlagen hatte [5]. Sein Versuch Tillys Zugriff auszuweichen scheiterte jedoch. Eine beeindruckende Darstellung der Schlacht von Matthäus Merian (1593-1650) spiegelt eine nach den Mustern der Zeit gezeichnete Widergabe des Ablaufes der Ereignisse ziemlich präzise nach [6]. Eine auf den Höhepunkt von Christians Debakel fokussierte Abbildung stammt von 1626 [7]. Nach Gefechten zwischen Steinfurt (bei Merian "Bücksteinfurt") und Metelen (bei Merian "Metlen") sowie bei Nienborg (bei Merian "Nienburg") traf man auch bei Ahaus aufeinander. Die Rückzugsgefechte von Christians Nachhut konnten allerdings Tillys Vormarsch offenbar nicht aufhalten. Statt halbwegs unbeschadet in die Niederlande abzuziehen traf Tillys Hauptmacht östlich der Stadt Stadtlohn (bei Merian "Stattlon") am 6. August auf Christians Heer.

Ein Spiel mit PML haben wir zum Gefecht bei Heek an der Dinkel gespielt. Rechts Styrums Reiterei und links die ligistische Vorhut. - We played the skirmish near Heek at the Dinkel. At the right you can see Styrum's cavalry and at the left the vanguard of the League. (photo: Cecilia Hanselmann, 2023)