Manchmal
stößt man auf Schätze, in unserem Fall hatten wir das Glück in einem
Antiquariat auf eine Liste von Steckbriefen zu stoßen, die 1754 in
Konstanz gedruckt wurde. Diese Liste wurde wohl an Amtsstuben verteilt.
Ein Delinquent hatte 101 Beschreibungen von Kriminellen aus seinem
Bekanntenkreis zu Protokoll gegeben.
Da
die Garderobe, die sie am Leibe trugen meist das einzige waren, was
diese Leute an Bekleidung besaßen, wurde sehr viel Wert auf deren
Beschreibung gelegt. Das ist natürlich spannend für alle die sich für
die Kleidung des einfachen Volkes, in diesem Fall auch für die damals
sozial am niedrigsten stehenden Vaganten / nicht sesshaften.
Mittwoch, 7. November 2018
Donnerstag, 1. November 2018
Wandern im Schwarzwald – walking in the black forrest.
Wir
wollen einen kleinen Eindruck davon vermitteln, was wir sonst unternehmen, wenn
wir nicht gerade in Wackershofen unsere Veranstaltungen durchführen oder
recherchieren. In diesem Sommer haben zwei von uns versucht herauszufinden wie
es in der 2. Hälfte des 18.Jh. für Hausierer gewesen sein muss, wenn sie mit
ihrer Ware von Haus zu Haus zogen. Wir mussten natürlich einige Abstriche
machen und breiteten unsere „Waren“ nur im Freilichtmuseum Vogtsbauernhöfe aus,
wo wir vor allem Schülern erläuterten für was all die Dinge dienten, die wir
ihnen zeigten.
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| Wir im Freilichtmuseum Vogtsbauernhof - we are in the open-air museum Vogtsbauernhof |
We want to show you an impression of our activities, when we don’t carry
out our events at Wackershofen or research. This summer two of us tried to
discover how it felt for a hawker in the second halve of the 18th
century, when they walked with their goods from house to house. Naturally we
had to compromise and laid out our “goods” in the Freilichtmuseum
Vogtsbauernhof only, where we explained them mostly to pupils.
Leider
war es sehr heiß, als wir in Elzach aufbrachen. Wir stiegen bei Prechtal immer
weiter den Schwarzwald hinauf. Damals hätten wohl Hausierer diese Höhen wie an
den Bergspitzen oberhalb von Gutach (Schwarzwaldbahn) vermieden. Aber die
Passstraße über das Landwassereck ist heute eine vor allem im Sommer stark
befahrene Landesstraße (L107) – beliebt unter Motorradfahrern. Die Reaktionen
der Wanderer und Einheimischen, die wir unterwegs trafen, waren durchweg
positiv. Besonders schön war es an den Prechtaler Schanzen vorbei zu kommen,
welche Teil der auf dem Schwarzwald um 1700 angelegten Befestigungslinien sind.
Unfortunately it was very hot, when we set out at Elzach. We climbed up
in the black forest near Prechtal. The historical hawkers surely had avoided
such heights like at the pikes over Gutach (Schwarzwaldbahn). But the Mountain
pass over the Landwassereck today in summer is a much used Landesstraße (L107)
– popular among motorcyclists. The reactions of walkers and locals were all
very positive, when we met them. It was especially nice to pass the
Prechtal-redoubts, which were elements of the fortified lines which were built
on the black forest around 1700.
Donnerstag, 6. September 2018
Neues vom Gefecht bei Übrigshausen – News about the combat at Übrigshausen
Auf
unserer letzten Veranstaltung im Hohenloher Freilandmuseum Wackershofen haben
wir von einem kenntnisreichen Besucher erfahren, dass man den Ort des Gefechts
bei Übrigshausen durchaus genauer lokalisieren kann. Es habe auf der alten
Übrishauser Allmende stattgefunden, wo man auch Relikte des Zusammenstoßes gefunden
habe.
At our
last event at the Hohenloher Freilandmuseum Wackershofen a man from the audience mentioned,
that one could localize exactly the place of the combat of Übrigshausen. The
fighting took place at the old Übrigshauser Allmende (common pasture), where
relicts of the fight were found.
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| Das Tor von Schloss Braunsbach mit Wappen - the gate of Braunsbach-castle with the coat of arms. |
Der
Besucher empfahl einen Besuch in Braunsbach, wo der ungarische Husarenoffizier
beerdigt wurde, der am Anfang des Gefechts gleich getötet worden war. Da dieser
Offizier Baron Stephan Perényi de Nagy Szölösz[1]
ein Katholik war, soll er auf dem katholischen Friedhof von Braunsbach
bestattet worden sein. Daher machten wir auf unserer Rückfahrt von der
Veranstaltung einen Abstecher nach Braunsbach.
The
visitor recommended a trip to Braunsbach where the Hungarian hussar’s officer,
who was shot at the first moment of the combat, was buried. The officer baron
Stephan Perényi de Nagy Szölösz was a Catholic; therefore he could only be
buried at the catholic cemetery of Braunsbach.
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| Ein Flügel des Schlosses mit Turm - a wing of the castle with a tower. |
Das
markanteste Bauwerk von Braunsbach, wenn man von Süden kommt, ist das Schloss. Kurz
vor den Wehrmauern der alten Anlage steht eine kleine protestantische Kirche,
die Bonifatiuskirche aus dem 12. Jahrhundert. Im Schloss selber befindet sich
die katholische Kirche, die erst 1714 eingebaut wurde[2].
Vor dem Döttinger Tor, das heute ebenfalls noch erhalten ist, wurde 1740 für
die ab 1714 angesiedelten Katholiken ein Friedhof angelegt[3],
der noch heute erhalten ist. Hier fanden wir in der Mitte des Friedhofs das
Grabmonument des Stephan Perényi de Nagy Szölösz.
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| Das Monument auf dem katholischen Friedhof von Braunsbach - the monument on the Catholic cemmetery of Braunsbach. |
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Mittwoch, 29. August 2018
Anno Domini 1743 – Freud und Leid Teil 3 / Part 3
Sonntag 26. August - sunday 26th august.
Nun kam der Tag der Hochzeit. Unsere Großmagd
Kathrina hatte eine feine Suppe für uns alle gekocht. Danach zogen wir mit dem
Brautpaar und Musik zur nächsten Kapelle, wo uns bereits der Pfarrer erwartete.
Dieser hielt einen langen Sermon über den Sinn der Ehe und ermahnte Johann
Gunkel und dessen künftige Gunkelin ihn zu beachten. Das Wetter konnte besser
nicht sein und tröstete über die Tränen der ziemlich unglücklich wirkenden
Braut.
Am Wirtshaus bekam das Hochzeitspaar einen nur
kleinen Hochzeitsstrauß, wovon wohl der gute Holländische Gulden von Anno 1680
das Beste war. Die Wirtin tischte uns ein köstliches Hochzeitsmahl auf. Danach
setzten sich die Männer zusammen zu einer Pfeife Tabak. Die Weibspersonen
spielten Karten. Der Pfarrer konnte sich nicht genug über die Manieren der Gunkelbrüder
entsetzen.
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| Wir erwarten die köstliche Mahlzeit im Wirtshaus - we are waiting for our delicious meal at the inn. |
Now the wedding‘s day came. Our maid
Kathrina had cooked a fine soup for us all. Then we walked –while music was
played by our musicians - up to the next small chapel, where the vicar waited
for us. The vicar told a long sermon about the sense of a marriage and recalled
Johann Gunkel and his wife to remember that. The weather could not be better.
By the way it seemed that the bride was unhappy about her engagement with my
excellent brother.
In front of the inn the couple got a
very small “Hochzeitsstrauß” only including a good Old Dutch florin from
1680.The hostess offered us a very delicious meal. Afterwards the men sat
together smoking pipes while the woman played cards. The vicar could not be
surprised enough about the bad manners of the Gunkel-brothers.
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| Die Männer mit den Pfeifen und - the man with pipes and ... |
Im strahlenden Sonnenschein wurde getanzt. Die
Musik spielte herrlich und wir waren guter Dinge. Danach war die Hochzeit bald
beendet, denn ärmere Leute können sich keine ausschweifenden Feste leisten.
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| Tanz vor dem Wirtshaus - dancing in front of the inn. |
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Anno Domini 1743 – Freud und Leid Teil 2 / Part 2
Am nächsten Tag fungierte ich wieder als
Schultheiß von Übrigshausen. Wir stellten nach, was wohl am 7. Juli 1743 passiert sein kann. Nach einem hervorragenden Frühstück mit Musmehl
und Früchten, die es in diesem Jahr in solch einer Fülle gab, begannen die
Mägde Johanna und Kathrina vor unserem Haus mit der Wäsche. Leider setzte just
in dem Augenblick der Regen ein. Wir fragten uns natürlich wie die Wäsche
trocken werden sollte.
Unsere Tochter kam zur Schule und es gefiel ihr
sehr gut, weil es lustig gewesen sein soll, was der Lehrer beibrachte. Die
Kinder lernten „Geh aus mein Herz und suche Freud“ (Paul Gerhardt).
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| Eine unserer Mägde bei der Wäsche - one of our maids making the laundry. |
Next day I was again the Schultheiß
of Übrigshausen. We recreated what maybe happened at the july 7th 1743. After a very delicious breakfast with “Musmehl” and fruits –
we had plenty of them especially this year – the maids Johanna and Kathrina
started to make the laundry. Unfortunately the rain came and we feared that the
laundry could not dry.
Our daughter went to the school and she
was very pleased with it because it was so funny there. The kids learned “Geh
aus mein Herz und suche Freud” by Paul Gerhardt).
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| Wir stellten Dachschindeln her, zuerst auf dem Hackklotz - we produced roofing shingles at the chopping block. |
Da der Regen eher stärker als schwächer wurde,
mussten wir uns dazu entschließen statt der Getreideernte zu dreschen. Dies
fand in der Scheune beim Schulmeister Weidner statt und wir hatten alle unseren
Spaß damit. Es war spannend zu erleben wieviel Körner man in gewisser Weise
heraus dreschen konnte und wir versuchten zu dritt und zu viert mit
verschiedenen Sprüchen wie „Die Worscht hoat zwoa Zipfal“ oder „Och-sen-kopf“
im Takt zu bleiben, um möglichst rasch viel zu dreschen.
As the rain became more and more
heavy, we decided to make threshing instead of our grain harvest. This took
place in schoolmaster Weidner’s barn and we all had our fun. It was interesting
to learn how many grain we get and we tried out several mottos like “Die
Worscht hoat zwoa Zipfal” or “Och-sen-kopf”. We were three or four men.
Später war es an der Zeit die Verwundeten nach
Hall zu schaffen. Etwas verspätet kam ein Fuhrwerk an, das von einem
österreichischen Husaren bewacht wurde. Der Husar bot uns Bauern verschiedene
Waffen wie Degen, Säbel und eine Flinte aber auch Kleidung wie einen roten
Dragonerrock und mehr zum Kauf an. Aber wir konnten nichts damit anfangen und
hatten wohl auch schon gehört, dass der Rat solche Waren wieder einziehen
könnte. Die meisten Einwohner bis auf ein paar Mägde zeigten sich froh, dass
die Franzosen endlich fort waren.
Die Verwundungen waren laut einem neuen Barbier,
der sie beschaute nicht so schlimm wie es zuvor der Barbier von Übrigshausen
gesagt hatte. Dennoch ächzte ein grauhaariger Füsilier doch so ziemlich während
ein Grenadier mit seinem Schnurbart recht munter wirkte. Wir vermuteten, dass
einer der Verwundeten ein Dagroneroffizier war. Denn er hatte einen langen
grauen Mantel und schien mit den Soldaten nicht viel gemein zu haben. Es war
nicht schwierig alle auf den Wagen zu laden.
Wie gewohnt klang der Abend im Wirtshaus aus. Dort
war nun auch ein jüdischer Krämer angekommen, der seine Bänder anbot und
jüdische Lieder zum Besten gab.
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Anno Domini 1743 – Freud und Leid Teil 1 / Part 1
Anno Domini 1743 – Freud und Leid Teil 1 / Part
1
Nach einigen Blogeinträgen zu verschiedenen
anderen Themen gibt es nun endlich den Bericht zu unserer letzten
Veranstaltung. Diesmal in 3 Teilen, 1 Teil pro Tag. Einige unserer Darsteller
waren diesmal schon am Dienstag in Wackershofen, auch die Pferde unseres
Grabenreiters wurden schon früher als sonst auf die Koppel gestellt.
Einige unglückliche Umstände führten dazu, dass
wie ewig nicht mehr viele Darsteller viel zu spät ankamen und wir darum viel
Aufwand mit dem Ausgleichen der Ausfälle hatten. Zum Glück waren die Anwesenden
so flexibel, dass die Programmpunkte dennoch allesamt stattfinden konnten. Mein
Dank in der Hinsicht an die entsprechenden Teilnehmer, die einsprangen.
After some posts about different themes we will offer you now finally
the report of our last event. Some of us arrived on Tuesday.
But this year we had many troubles because many participants could not
make it to our event in time. Fortunately we have flexible participants who
took the roles and that enabled us to do every part of our program. Thanks to
all of you, who helped us immensely!
Das Wetter spielte diesmal nicht ganz so gut mit
wie voriges, den war das wirkliche Jahr 1743 von einer sehr günstigen Witterung
geprägt, die dazu führte, dass trotz Krieg die Preise nicht stiegen, so
herrschte 2018 eine enorme Trockenheit und Hitze. Daher waren auch zahlreiche
Felder bereits abgeerntet.
Am Donnerstagabend war mein Haushalt im Haus aus
Sachsenflur bereits so ziemlich vollständig bis auf eine Magd. In der Nacht
konnte ich noch unserem ersten „Franzosen“ seine Hose übergeben, die wir
gemacht hatten.
https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2018/08/rekonstruktion-einer-franz-hose-teil-2.html
The weather was not as pleasant as
in the last years. In 1743 the weather was very good and that’s why the price
for food etc. didn’t increased although there was a war going on. But in 2018 we had
an extreme dryness and heat. Therefor many fields were ploughed already.
On Thursday’s evening nearly all
members of my household were assembled. During the night the first of our
“Frenchmen” arrived and I could give him the breeches we made. https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2018/08/rekonstruktion-einer-franz-hose-teil-2.html
Freitag, 24. August / friday 24th august
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| Einer unserer verwundeten Franzosen - one of our wounded French soldiers. |
Am nächsten Morgen war ich als Amtmann unterwegs. Mit
meinem Grabenreiter begaben wir uns ins Dorf Münkheim (eine andere Baugruppe
als unsere), wo ich die verwundeten Franzosen in Augenschein nahm. Diese wurden
von einem Barbier aus Übrigshausen versorgt. Er erklärte uns die verschiedenen
Verwundungen und ob man die Franzosen würde bald nach Hall transportieren
können. Vor allem einer von ihnen mit einem gelb bordierten Hut war ein Anblick
des Jammers.
Recht zufrieden mit alledem begab ich mich ins
Wirtshaus, wo ich in der Gesellschaft des Pfarrers und seiner Frau ganz
ausgezeichnet speiste. Sie hatten mich dazu eingeladen zum Geburtstag der Frau
des Pfarrers meine Aufwartung zu machen.
At the next morning I was on the way
as the Amtmann. Together with my Grabenreiter we went in the village Münkheim
(a different part of the museum), where I investigated the “wounded” French. A
barber from Übrigshausen explained us the different wounds and told us if they
could be moved to Hall. Especially one with a yellow lace at his hat looked
very miserable.
Really satisfied I went to the inn.
There I could eat very exquisite in the company of the vicar and his wife. They
invited me to take the coffee with them later.
Nach einem schönen Ritt durch die Gegend kam ich
zum Pfarrhaus. Mein Geschenk zum Geburtstag für die Hausherrin bestand in einem
selbstgemachten Gedicht
„Verstrichen ist nun ein Jahr“,
welches wohl ganz dem Geschmack der Eheleute
entsprach. Es zielte vor allem auf die Tugend und christlichen Taten der guten
Frau. Der Kaffee und der Kuchen schmeckten sehr gut. Mein Aufenthalt war nur
recht kurz, weil ich ja noch einen Ehevertrag aufsetzen sollte.
Es war interessant einen österreichischen Husaren
vom Regiment Nadásdy zu treffen, der von den Siegen prahlte. Die Zeitungen
waren ja wirklich voll davon. Er trieb ein Fuhrwerk auf, das er eskortierte.
Immerhin in 3 Wagen mussten auch österreichische Verwundete nach dem Gefecht
bei Übrigshausen nach Hall gebracht werden.
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| Ein Husar vom Regiment Nadásdy und ein Fuhrwerk - a hussar of the regiment Nadàsdy and a confiscated cart. |
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Dienstag, 14. August 2018
Rekonstruktion einer franz. Hose Teil 2 – Reconstruction of a pair of french breeches part 2
| Unsere Militärhose - our military breeches. |
Nun sind wir endlich mit unserem kleinen Projekt eine französische Militärhose zu herzustellen fertig. Was freilich unbefriedigend war, war die Quellenlage. Die Bildquellen geben praktisch über fast keine Details Auskunft.
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