Samstag, 25. Mai 2024

Bitonto 25.05.1734

Man kann die kleine Schlacht bei Bitonto als eine der Entscheidungsschlachten des 18. Jh. ansehen, wenn auch die eigentlichen Chancen der Habsburger das Königreich Neapel in ihrer Hand zu behalten bereits zu dem Zeitpunkt als marginal zu bezeichnen waren. Die Niederlage kann also eher als ein Schlusspunkt unter die Geschichte gesehen werden. Nachdem die spanischen Bourbonen bereits im Krieg der Quardrupelallianz durch eine Landung auf Sizilien erfolglos versucht hatte, dem Habsburger Karl VI. das Königreich Neapel zu entreißen, wurden nun mit dem Kriegsausbruch 1733 im Fahrwasser eines Krieges an der Seite Frankreichs ein erneuter Anlauf genommen. Der Widerstand den die Österreicher unter dem Vizekönig Visconti (1664-1750) und Feldmarschall Traun (1677-1748) [1] war vollkommen unzureichend. So konnte Don Carlos (1716-1788) am 15. Mai 1734 in Neapel einziehen. Der Vizekönig von Neapel suchte das Weite und damit brach rasch die Herrschaft der Habsburger über das Königreich in sich zusammen. 

Die Aufstellung am Anfang vor der Schlacht. - The initial deployment before the battle. (photo: C. Hanselmann, 2023)

The small battle of Bitonto can be seen as one of the decisive battles of the 18th century, even if the Habsburgs' actual chances of keeping the Kingdom of Naples in their hands could already be described as marginal at that point. The defeat can therefore be seen as a final point in history. After the Spanish Bourbons had already unsuccessfully attempted to land on Sicily in the War of the Quardruple Alliance, the Habsburg Charles VI. With the outbreak of war in 1733, a new attempt was made to wrest the Kingdom of Naples away in the wake of a war on the side of France. The resistance of the Austrians under Viceroy Visconti (1664-1750) and Field Marshal Traun (1677-1748) [1] was completely inadequate. So Don Carlos (1716-1788) was able to enter Naples on May 15, 1734. The Viceroy of Naples fled and the Habsburgs' rule over the kingdom quickly collapsed.  

Meine Karte für mein ursprüngliches Szenario, welches dem Buch von Gerba folgt. - My map for my original scenario folowing Gerba's book. (copyright: André Hanselmann)


Die wenigen und ohne Artillerie ausgestatteten Truppen unter Joseph Anton von Pignatelli (1682-1762) [2] hatten kaum eine Chance und suchten der nicht nur nummerisch überlegenen Armee unter General von Montemar (1671-1747) aus dem Wege zu gehen. Die Strategie der habsburgischen Seite war zum Scheitern verurteilt. So gingen alle Stützpunkte der habsburgischen Kräfte verloren. Nur die Festung Gaeta wurde noch seit dem April durch Feldmarschallleutnant von Tattenbach gehalten [3]. Traun als wohl erfahrenster Feldherr verließ nachdem er ausmanöveriert worden war den Kriegsschauplatz.

Ich habe meinen Plan anhand der Darstellung aus dem 18. Jh. überarbeitet. - I changed my plan according to the picture from the 18th century. (photo: Cecilia Hanselmann, 2023)

 

 

The few troops under Joseph Anton von Pignatelli (1682-1762) [2], which were not equipped with artillery, had little chance and tried to avoid the army under General von Montemar (1671-1747), which was not only numerically superior. The Habsburg side's strategy was doomed to failure. So all the bases of the Habsburg forces were lost. Only the Gaeta fortress had been held by Lieutenant Field Marshal von Tattenbach since April [3]. Traun, probably the most experienced general, left the theater of war after being outmaneuvered.

Eine neuere Karte, die völlig der zeitgenössischen Darstellung folgt. - A new map following the contemporary picture. (copyright: André Hanselmann)


Da Pignatelli seine Truppen nicht evakuieren konnte und bei dem Städtchen Bitonto eingeholt wurde, stellte er sich mit diesen zur Schlacht. Bis auf die Kontingente aus 3 Infanterieregimentern jeweils in etwa in Bataillonsstärke [4] verfügte er über keine nennenswerte Infanterie. Denn viele der übrigen Fußsoldaten waren Rekruten oder Milizen [5] mit unbekannter Qualität oder Moral. An Kavallerie verfügte er lediglich über etwa 2 1/2 Regimenter [6]. Ursprünglich habe ich nur mit dem Standardwerk des k.u.k. Kriegsarchivs über diesen Krieg gearbeitet [7]. Aber mittlerweile wurde eine zeitgenössische Karte auf Wikipedia hochgeladen, welche ein anderes Bild der Schlacht liefert [8]. Gerbas Beschreibung der Aufstellung der Armee unter dem General der Kavallerie Pignatelli widerspricht deutlich der besagten Karte. Denn bei Gerba befindet sich die Stadtmauer von Bitonto 600 Schritt direkt hinter der parallel zu ihr aufgestellten 2.000 Schritt breiten Formation der Österreicher [9]. Von daher wäre ein direkter Rückzug Pignatellis im Fall der Niederlage in die schützenden Mauern plausibel [10]. Andererseits könnten sich Mauern im Rücken auch als Falle auswirken. Wir wissen leider nicht, was Pignatellis strategische Optionen waren, ob zum Beispiel ein Rückzug nach Norden von ihm angedacht worden wäre. Möglicherweise hätte dabei auch eine mangelnde Versorgung zur Auflösung seiner kleinen Armee geführt.


S. Antonio wurde in unserem letzten Spiel sogleich von spanischen Garden angegriffen. Die unerfahrenen Truppen hielten vorerst stand. - In our last game S. Antonio was under attack by the Spanish guards early in the game. The inesxperienced toops could defend themselves for the first round. (photo: Cecilia Hanselmann 2023)

Since Pignatelli could not evacuate his troops and was overtaken near the town of Bitonto, he joined them in battle. Apart from the contingents of 3 infantry regiments, each roughly battalion-sized [4], he had no infantry worth mentioning. Because many of the remaining foot soldiers were recruits or militia [5] of unknown quality or morale. He only had about 2 1/2 regiments of cavalry [6]. Originally I only worked with the standard work of the k.u.k. War archives about this war [7]. But a contemporary map has now been uploaded to Wikipedia, which provides a different picture of the battle [8]. Gerba's description of the formation of the army under General of Cavalry Pignatelli clearly contradicts the map in question. At Gerba, the city wall of Bitonto is 600 paces directly behind the 2,000 paces wide formation of the Austrians that was set up parallel to it [9]. Therefore, Pignatelli's direct retreat into the protective walls in the event of defeat would be plausible [10]. On the other hand, walls in the back could also act as a trap. Unfortunately, we do not know what Pignatelli's strategic options were, for example whether he would have considered a retreat to the north. A lack of supplies might have led to the dissolution of his small army.

 

Ich spielte die Österreicher und war froh, dass die Wallonische Infanterie gegen meinen rechten Flügel nicht so recht vorran kam. Ich stellte die Kürassiere so auf, dass sie eventuell gegen die spanische Reiterei eine Attacke reiten konnte. Einige Grenadiere sollten als meine verlässlichste Truppe ein Gehöft im Zentrum meiner Aufstellung halten. - I played the Austrians and I was happy that the Waloon infantry could not advance faster against my right wing. I positioned my cuirassiers to eventualy order a charge against the Spanish horse. Some grenadiers had to defend a small hamlet in my center because they were one of my more reliable units. (photo: C. Hanselmann, 2023)

Insgesamt verfügte Pignatelli über etwa 6.000 Mann, während die Spanier mit 16.000 Mann deutlich überlegen waren, so dass eine Einschließung und Überflügelung im Raum standen. Immerhin hatten sich die Vorgefechte als nicht zu negativ dargestellt, so dass Montemars Truppen einmal auf ihr Lager vor Bitonto zurück gegangen waren. Ebenso wie auf der zeitgenössischen Karte stellt auch Gerba dar, dass die Österreicher zahlreiche vor der Stadt gelegene Gehöfte für ihre Verteidigung nutzbar machen konnten. Im Übrigen war das Terrain allerdings für eine Abwehrschlacht wenig geeignet und nicht dazu hinreichend den Nachteil Pignatellis auszugleichen. Die Generalfeldwachtmeister Strongoli, Rutowski und Vinal kommandierten linken Flügel, Zentrum und rechten Flügel. Die Klosteranlage von San Antonio [11] bildete einen Angelpunkt von Pignatellis Armee, der die linke Flanke sicherte. Hier hatten sich die "letzten Recrouten" [12] unter Obristwachtmeister Arriosti (1690-1766) verschanzt [13].

 

Montag, 13. Mai 2024

Ein paar neue Reiter - Some new cavalry

Ich habe mich in den letzten Wochen etwas zurück gehalten nachdem ich für unsere Kampagne mit Honours of War [1] einige Österreicher für den Polnischen Thronfolgekrieg bemalt hatte [2]. Dann sind mir ein paar Figuren aufgefallen, die ich noch in meiner Sammlung gefunden habe. Ich hatte ja schon einige Spielberichte hier vorgestellt, wenn ich für kleinere Scharmützel Pikeman's Lament [3] verwendet habe. Besonders überraschend fand ich ein Vorgefecht der Schlacht bei Stadtlohn [4].

(photo: André Hanselmann)

 

I've been holding back a bit in the last few weeks after painting some Austrians for the War of the Polish Succession for our Honours of War [1] campaign [2]. Then I noticed a few figures that I still found in my collection. I have already presented some game reports here when I used Pikeman's Lament [3] for smaller skirmishes. I found a preliminary encounter to the Battle of Stadtlohn [4] particularly surprising.

(photo: André Hanselmann)

Donnerstag, 2. Mai 2024

Historiker von nebenan/historians alongside: Daniel Klotz P2

Hier geht das Interview auch inhaltlich anschließend mit Daniel Klotz weiter.

We continue with the interview with Daniel Klotz.

Auch das Tragen von Wasser kann zum Dienst eines Musketiers gehören. - To carry water can be part of the service of a musketeer. (photo: Michael Leyendecker, 2024)


André Hanselmann: Die Frage ist aber auch, da Du das Thema praktisch ansprichst [1] wie es denn um die Disziplin im 17. Jahrhundert bestellt war? Ich denke da an das eine Duell von Jan von Werth [2], als ein ihm unterstellter Offizier ihn auf einer Kommandositzung angreift. Wir reden immer wieder von desertierenden Söldnern [das allerdings bis weit ins 18. Jh.], Insubordinationen, Amtsanmaßungen usw.. Manchmal finden wir harsche Bestrafungen und häufig aber auch eine große Nachsicht gegenüber Verhalten, das ein Jahrhundert später mit Haft oder gar Hinrichtung geendet hätte.

Daniel Klotz: Das ist wirklich eine gute Frage. Die Artikelbriefe (das Kriegsrecht) liefern eine Menge Gesetze (in den Bayerischen Artikelbriefen 72 Gesetze für den Infanteristen), wie sich die Soldaten zu verhalten haben, was alles verboten ist und welche Strafen bei Zuwiderhandlung drohen. Wie Du aber schon erwähnt hast, gibt es viele zeitgenössische Quellen, die belegen, dass diese Gesetze - auch von hohen Offizieren - gebrochen wurden. Ich habe oft den Eindruck, dass vieles toleriert wurde, solange es dem Offizier keine Probleme oder persönlichen Nachteile brachte. Ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass die Strafen einfach weniger gut dokumentiert sind als ein Jahrhundert später bzw. die Dokumentation der Strafen heute nicht so bekannt ist. Es gibt z. B. zwei Musterungslisten der Kompanien Hammer und Linck aus den Jahren 1622/23, in denen eine ganze Reihe von Strafen für die verschiedensten Vergehen der Soldaten dokumentiert sind [3]. Das reicht von Beleidigungen über kleine Wirtshausraufereien bis hin zum Erstechen eines Militärmetzgers bei einer Schlägerei.

Fähndrich und Sergeant an der Spitze einer Truppe Pikeniere. - The ensign and the sergeant at the head of a group of pike. (photo: Michael Leyendecker 2024)


André Hanselmann: But the question is also, since you address the topic practically [1] what was the state of discipline in the 17th century? I'm thinking of Jan von Werth's one duel [2] when an officer subordinate to him attacked him at a command meeting. We always talk about deserting mercenaries [this continued well into the 18th century], insubordination, presumption of office, etc. Sometimes we find harsh punishments and often a great deal of leniency towards behavior that ended in imprisonment or even execution a century later would have.

Daniel Klotz: That's a really good question. The Article Letters (the law of war) provide a lot of laws (in the Bavarian Article Letters 72 laws for the infantryman), how the soldiers should behave, what is forbidden and what punishments there are for violations. But as you already mentioned, there are many contemporary sources that prove that these laws were broken - even by high-ranking officers. I often have the impression that a lot of things were tolerated as long as they didn't cause any problems or personal disadvantages for the officer. But I can also well imagine that the punishments are simply less well documented than they were a century later or that the documentation of the punishments is not as well known today. There is e.g. B. two muster lists from the Hammer and Linck companies from 1622/23, in which a whole series of punishments for a wide variety of soldiers' offenses are documented [3]. This ranges from insults to small bar fights to the stabbing of a military butcher in a fight.

Kartenspielen war im Dreißigjährigen Krieg oft Anlass für Streitigkeiten. Hier sieht man ihn und eine Marketenderin vor unserem Wirtshaus im Jahre 1622. - Card games often were an ocassion for trouble during the TYW- Here you can see him with a sutler in front of our inn in the year 1622. (photo: Ulf Dahm, 2022)



Daniel hier inmitten weiterer Pikeniere. Vor allem die Pike spielte als Nahkampfwaffe im Dreißigjährigen Krieg noch eine wichtige Rolle. - Daniel in the midst of other pikemen. The pike still played an important role with other close combat weapons during the TYW. (photo: Ellie Wout)

A. Hanselmann: Um beim Militärischen zu bleiben. Ich kann mich daran erinnern, dass früher bedingt durch Grimmelshausens Aussage in seinem "Springinsfeld" über den Pikenier als Unschuldigen, der keiner Fliege was zu Leibe tut [4], die Ansicht kursierte, dass Nahkampfwaffen im Dreißigjährigen Krieg kaum noch eine Rolle spielten. Neuere Forschung wie die Untersuchung der Leichen vom Schlachtfeld von Wittstock [5] vermitteln einen anderen Eindruck [6]. Dr. Stefan Mäder hat in seinem Vortrag in Breisach die hohe Bedeutung der Waffen wie Pike und Stichwaffen untermauert [7]. Was ist Dein Eindruck auch durch Deinen Fokus auf das Thema als Pikenier? Der Einsatz des Spießes gegen gegnerisches Fußvolk ist doch nicht nur durch zeitgenössische Darstellungen [8] deutlich dokumentiert oder nicht?

D. Klotz: Die Aussage Grimmelshausens über die Pikeniere im „Springinsfeld“ scheint mir sehr übertrieben, um zu zeigen, dass das Leben eines Pikeniers nicht gerade leicht war. Immerhin musste er eine Rüstung und einen langen Spieß tragen. Außerdem ist so ein Pikenier allein ziemlich wirkungslos und hat nur in einer größeren Einheit einen wirklichen Kampfwert. Grimmelshausen vergleicht den Pikenier auch mit dem Musketier, den er als „wohlgeplagte, arme Kreatur“ bezeichnet. Das zeigt, dass er wohl ganz allgemein das harte Leben als Soldat - egal welcher Truppengattung - schildert. Wie Du richtig sagst, gibt es zahlreiche Belege für den Einsatz der Pike als Offensivwaffe gegen feindliches Fußvolk und nicht nur als Defensivwaffe gegen die Kavallerie. Ein Beispiel dafür sind die zahlreichen Schlachtendarstellungen und -beschreibungen von Merian oder Snayers. Auch in meiner Reenactment-Erfahrung als Pikenier macht der Einsatz gegen Fußvolk durchaus Sinn. Die Pike kann in der Masse eine sehr effektive Waffe sein. Vor allem bei Kräfteungleichgewichten zwischen angreifenden Pikenhaufen oder bei Flankenangriffen zeigen die Pikeniere, wie wertvoll sie auf dem Schlachtfeld sein können. Man muss aber auch bedenken, dass wir Schlachten heute anders darstellen, als sie wirklich waren. Beispielsweise haben wir heute nur selten Kavallerie auf dem Schlachtfeld, weshalb die Pikeniere ganz anders agieren können und müssen, als dies im Dreißigjährigen Krieg der Fall war.


Seite an Seite unter den spanischen Pikeniere. Man beachte die verschiedenen Helmformen und verschiedenen Rüstungen. - Side by side with Spanish pikemen. Please note the different forms of helmets and different armour.

Montag, 22. April 2024

Landleben 1624 - ein gutes Jahr? / a good year? P3

Nun kommt der finale Teil unserer Reihe zur diesjährigen Landleben-Veranstaltung. Am Sonntagmorgen gab es die traditionelle Andacht mit dem Abfragen des Katechismus von Johannes Brenz [1] und einer umfangreichen Abkündigung. Diejenigen, welche der Andacht fern geblieben sind wurden wie damals üblich [2] zu geringen Geldstrafen herangezogen. In meiner Funktion als Heiligenpfleger und Dorfhauptmann machte ich mich daher auf den Weg. Als besonders gravierend wurde empfunden, wenn man sich auf der Straße erwischen ließ, weil dies offenbar als eine Schande für die Gemeinde angesehen wurde und einen schlechten Eindruck auch für Auswärtige machte.

Die kleine Gemeinde vor meinem Wirtshaus. - The small comunity in front of my tavern. (photo: S. Winter, 2024)

Ich ziehe die Strafen ein. Die Bäuerin hat mir eben ein paar kleine Münzen gegeben und ihr Hausgenosse gab der Gemeinde ein paar Kerzen. - I'm taking the penalties. The farmer's wife has given some small coins and her lodger gave some small candles. (photo: Stefan Winter)


Now comes the final part of our series on this year's country life event. On Sunday morning there was the traditional devotion with the reading of Johannes Brenz's catechism [1] and an extensive announcement. Those who stayed away from worship were punished with small fines, as was usual at the time [2]. In my role as caretaker of saints and village captain, I set out. Getting caught on the street was seen as particularly serious because it was obviously seen as a disgrace to the community and also made a bad impression on foreigners (travelers).


Die Bayern gingen als Katholiken in die katholische Kapelle in einem anderen "Weiler". - As catholics the Bavarians visited an catholic chapell in another "hamlet". (photo: S. Brandus)

Freitag, 19. April 2024

Landleben 1624 - Ein gutes Jahr? / a good year? P2

Am Samstagmorgen konnte ich mich schon auf etwas gefasst machen. Die Söldner, die mir am Tag zuvor noch eine Salva Guardia [1] ausgestellt hatten, wollten nun Getreide einsacken. Sie zwangen mich dazu meine Vorräte zu dreschen. Dummerweise habe ich noch einen lahmen Arm und das gestaltete sich daher recht schmerzhaft, während mein größter Knecht in der "Küche" zugange war. Unter dem Schimpfen und Pöbeln der Söldner mussten wir also in meiner schönen Scheune dreschen. Ich war aber erleichtert als unsere liebe Wirtin den Knecht Johann herbei führte. 

Der Wirt ist in Nöten und wird vom Offizier zum Dreschen für die Fourage aufgefordert. - The innkeeper is in trouble and forced by the officer to thresh for fourage. (photo: M. Leyendecker)


On Saturday morning I was able to prepare myself for something. The mercenaries who had issued me a Salva Guardia [1] the day before now wanted to bag grain. They forced me to thresh my supplies. Unfortunately, I still have a lame arm and it was quite painful while my biggest servant was busy in the "kitchen". So we had to thresh in my beautiful barn under the insults and abuse of the mercenaries. But I was relieved when our dear landlady brought the servant Johann over.

Meine Knechte arbeiten in der Scheune und dreschen. - My servants are working in the barn and have to thresh. (photo: M. Leyendecker)


Der Fähndrich des bayerischen Fußvolks und sein Sergeant bestimmten, dass uns die Spießer beaufsichtigen und ein Auge auf das Getreide werfen sollten. Doch statt ihr Getreide und Stroh zu bewachen, stellten sie die Säcke einfach in meine Schankstube. Ich Narr hätte einfach einen Knecht oder eine Magd die Dinge beiseite schaffen lassen können. Aber damit wäre der schöne Plan meines Sohnes Essig gewesen und ich hatte mich ja Tags zuvor mit den anderen Gemeinsleuten am Riegel verabredet um dort einen Hinterhalt zu legen. So marschierten wir getarnt als Bautrupp zu viert mit Schubkarre und Werkzeug ab. Der Schlagbaum wurde aus der unweit gelegenen Kelter abgeholt. Die im Straßengraben liegenden Pfosten ließen sich auch mit viel Mühe nicht wieder in den Boden hinein treiben. Deswegen hatten wir nur einen sehr provisorisch anmutenden Riegel dieses Mal. Wir verkleideten uns mit Strohhalmen [2] als mansfeldisches Kriegsvolk - wie auch immer dieses unterdessen nach Schwaben eingedrungen sein soll [3]. Die Lunte an meiner Akebuse glomm aber verflixt schnell und aus "Leoweiler" kam nur der Landmann Jäger herbei, da die anderen Gemeinsleute ihren Kram am Wirtshaus verkaufen wollten. Zufälligerweise vertrödelten die Bayern aber die Zeit dermaßen, dass vor ihrem Aufbruch meine Nachbarn den Hohlweg auf ihrem Rückweg passierten und beschlossen sich mit ihren Stangenwaffen unserem Hinterhalt anzuschließen. 

Ein Teil unserer Nachbarn war mit ihren Waren unterwegs. - Some of our neighbours were on the road with their goods. (photo: S. Brandus)


The Bavarian infantry ensign and his sergeant decided that the Pikemen should supervise us and keep an eye on the grain. But instead of guarding their grain and straw, they simply put the sacks in my bar. I fool could have just had a manservant or maid take care of things. But that would have been my son Essig's nice plan and I had arranged to meet the other community members at the Rial the day before to set up an ambush there. So four of us marched off disguised as a construction crew with a wheelbarrow and tools. The barrier was picked up from the nearby wine press. Even with a lot of effort, the posts lying in the ditch could not be driven back into the ground. That's why we only had a very temporary bar this time. We disguised ourselves with straws [2] as Mansfeld warriors - however they are said to have penetrated into Swabia in the meantime [3]. The fuse on my acebus lit up extremely quickly and only the farmer Jäger came from "Leoweiler" because the other community people wanted to sell their stuff at the inn. As it happened, the Bavarians wasted their time so much that before they left, my neighbors passed the ravine on their way back and decided to join our ambush with their polearms.

Eine Marketenderin und die Wirtin waschen die Wäsche. - The sutler and my wife are making the laundry. (photo: Ulf Dahm)


Dummerweise roch der bayerische Sergeant aber Lunte und hatte nicht nur alle Söldner für den Transport der Fourage zusammen getrommelt sondern umging obendrein den Hohlweg, obwohl der Fuhrmann mit den Packpferden diese Straße vorschlug. So sahen wir uns doppelt getäuscht, als unsere Vorposten die Umgehung der Söldnerkolonne meldeten. Es hätte so schön werden können als Szene wie bei Vrancx [4]. Dummerweise entschlossen sich dann einige von uns die Söldner doch an einem anderen Ortseingang von "Leoweiler" aufzuhalten, wo wir gegen die Übermacht keine Chance hatten. Mein Ruf "Für Mansfeld oder tot!" taugte auch wenig. Ich floh mit einigen anderen durch den Hohlweg dem Wirtshaus zu, während des Sergeanten Muskete durch die Engstelle knallte.

Die Söldner mit einer Handmühle zum mahlen unseres Getreides. - The mercenaries with their small mill for grinding our grain. (photo: Ulf Dahm)

Montag, 15. April 2024

Landleben 1624 - Ein gutes Jahr? / A good year? P1

Ich möchte hiermit unsere Veranstaltung über Ostern 2024 vorstellen. Wie gewöhnlich war die anvisierte Anreise am Gründonnerstag, denn schon am Karfreitagmorgen gab es den ersten Programmpunkt. Die Gläubigen fanden sich zur Andacht zusammen [1]. Vor allem "Nach grüner Farb mein Herz gegehrt" passte sehr gut zu dem nasskühlen Wetter, welches ein bisschen an die kleine Eiszeit des 17. Jahrhunderts erinnerte [2]. Natürlich wünscht sich der Landmann gutes Wetter für die Aussaat, das Gedeihen des Getreides und die Ernte.

I would like to introduce our event over Easter 2024. As usual, the planned arrival was on Maundy Thursday, because the first item on the program was already on Good Friday morning. The believers came together to worship [1]. In particular, “My heart belongs to a green color” went very well with the cool, wet weather, which was a bit reminiscent of the Little Ice Age of the 17th century [2]. Of course, the farmer wants good weather for sowing, for the grain to thrive and for the harvest.

 

Lesung aus der Bibel bei der Andacht. - Lecture from the bible to the worship. (photo: Helene Engel)


Ich selber hatte soviel ich konnte für mein Vieh, einige Kühe, ein paar Gänse und 3 "Indische Hühner" [3] getan, um die ich mich alle Tage soviel ich konnte, kümmerte. Die "Indischen Hühner" und Gänse dürfen jeden Tag am Morgen und am Abend ein wenig auf den Wiesen frei herum laufen ehe man sie wieder einfängt und hinein treibt.

Ich bereite mich auf den Unterricht vor. - I make myself ready for my job as the teacher. (photo: Helene Engel)

 

I myself had done as much as I could for my cattle, a few cows, a few geese and 3 "Indian chickens" [3], which I looked after as much as I could every day. The "Indian chickens" and geese are allowed to run around freely in the meadows every morning and evening before they are caught and driven back in.

 

Ähnlich wie ich selber in den ersten Jahren der Landlebenveranstaltung haben die bayerischen Pikeniere eine Pike auf einem Ziehbock gemacht. - As I did it in the first years of the Landleben-events: the Bavarian pikemen produced a pike on a "Ziehbock". (photo: S. Brandus)

 

Dadurch, dass Feiertag war, konnten wir außer Kochen, Backen und Ausmisten nicht viel arbeiten. Das regnerische Wetter war auch den Söldnern nicht besonders günstig, die einen Backofen bauten. Da wir aus den frühen 1620ern wissen, dass damals zwei Söldner die Landleute in der Handhabung der Waffen an "allen" Feiertagen unterwiesen, versammelten wir uns auch am Karfreitag zur Musterung. Wir hatten 4 Langspieße, 1 Kurzspieß, 1 Rapier und 1 Rübengabel, die der Bruder eines Bauers als Spieß vorführte sowie eine Schusswaffe in Form meiner Akebuse. Leider waren die anderen beiden Männer mit Musketen ausgefallen. Dennoch stellten wir im Verhältnis zu den Vorjahren doch eine erhebliche Anzahl an bewaffneten Landleuten dar. Die gerade in unserem Weiler samt meinem eigenen Wirtshaus einquartierten bayerischen Söldner sollten im Zaum gehalten werden. Leider stellten wir fest, dass unser Riegel mal wieder beschädigt worden war [4]. Ich beschloss diesen am nächsten Tag wieder mit anderen Gemeinsleuten zu reparieren. 

Die Musterung des Landvolkes vor dem Haus aus Sachsenflur, welches aus dem 17. Jahrhundert stammt. - The inspection of the country folk in front of the Sachsenflur house which is from the 17th century. (photo: S. Brandus)

Donnerstag, 11. April 2024

Nicolay Dragons - dernière troupe pour Parme

 Ich habe eine letzte Einheit für mein Szenario der Schlacht bei Parma [1] bemalt.

J'ai peint une dernière unité pour mon scénario de la bataille de Parme [1].




Ich hielt abgesessene Dragoner für wichtig, da es solche am Höhepunkt der Schlacht unweit La Crocetta gab. Das Set von Strelets "Dismounted French Dragoons in Skirmish" [2] schien mir ideal für diese Aufgabe, auch wenn die Figuren eigentlich für den Spanischen Erbfolgekrieg gemacht werden.




Je pensais que les dragons débarqués étaient importants car ils existaient près de La Crocetta au plus fort de la bataille. L'ensemble des « Dismounted French Dragoons in Skirmish » [2] de Strelets semblait idéal pour cette tâche, même si les figurines étaient en réalité réalisées pour la guerre de Succession d'Espagne.