Freitag, 18. März 2022

Ein Spiel wird vorbereitet - Preparing for a game

Da ich in letzter Zeit sehr viel Recherche für unsere historischen Hintergründe unserer beiden Veranstaltungen in Wackershofen betrieben habe, will ich diesmal hier ein ganz anderes Thema ansprechen. Ich verwende ja öfter als Illustration zu unseren Artikeln über den Österreichischen Erbfolgekrieg Fotos von unseren Tabletop-Spielen. Vielleicht interessiert es ja den einen oder anderen wie ich so ein Spiel vorbereite.

Since I've been doing a lot of research for the historical background of our two events in Wackershofen lately, I want to address a completely different topic this time. I often use photos from our tabletop games as illustrations for our articles about the War of the Austrian Succession. Maybe one or the other is interested in how I prepare such a game.

Der erste Schritt ist natürlich ein Szenario zu kreieren. Ich lese viel in dem österreichischen Standardwerk über den Österreichischen Erbfolgekrieg. In dem Fall der nächsten großen Schlacht, die ich hier vorstellen möchte, die Schlacht bei Laeffeldt, handelt es sich um Band 9[1]. Bücher wie Reed Brownings Werk [2] über den Österreichischen Erbfolgekrieg geben eher einen groben Überblick über einen solchen Kampf. Auch im Internet bieten verschiedene Blogs oder Websides interessante Darstellungen und Einschätzungen zu der Schlacht[3]. Besonders stark weichen oftmals die Angaben der Anzahl der Kämpfer auseinander. Das kann natürlich auch daher kommen, dass bestimmte Autoren nur die aktiv in die Kämpfe verwickelten Truppen mit einrechnet und andere alle anwesenden Einheiten in die Schätzungen mit einbeziehen. Zuerst muss man natürlich überhaupt erst einmal auf eine Schlacht stoßen. Wenn ich mich mit Bekannten unterhalten, auch Leuten, die sich eigentlich für die Kriegsführung des 18. Jahrhunderts interessieren, da kennt kaum jemand den Österreichischen Erbfolgekrieg. Die Schlachten Friedrich II. sind da vielleicht eine Ausnahme. Doch wer kennt schon die Schlachten bei Piacenza oder Simbach? Größere Gefechte, welche aus einem anderen Konflikt wie beispielsweise dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, den Begriff Schlacht bekommen hätten wie das Gefecht bei Grimbergen sagen erstrecht niemanden und tauchen in allgemeineren oder politischen Abhandlungen über den Krieg garnicht auf.

The first step is of course to create a scenario. I read a lot in the standard Austrian work on the War of the Austrian Succession. In the case of the next major battle that I would like to present here, the Battle of Laeffeldt, it is Volume 9[1]. Books like Reed Browning's work [2] on the War of the Austrian Succession give a rough overview of such a fight. Various blogs and websites also offer interesting descriptions and assessments of the battle on the Internet[3]. The information on the number of fighters often differs particularly greatly. Of course, this can also be due to the fact that certain authors only count the troops actively involved in the fighting and others include all units present in the estimates. First, of course, you have to encounter a battle in the first place. When I talk to acquaintances, including people who are actually interested in warfare in the 18th century, hardly anyone knows about the War of the Austrian Succession. The battles of Frederick II are perhaps an exception. But who knows the battles at Piacenza or Simbach? Larger skirmishes, which would have received the term battle from another conflict such as the American Revolutionary War, such as the encounter of Grimbergen, certainly do not tell anyone and do not appear in more general or political treatises on the war.

Idealerweise findet man belastbares Zahlenmaterial. Im Falle der Schlacht bei Laeffeldt ist da das Buch von le Beau und von Hödl ziemlich ergiebig. Ohne leichte Truppen geben die beiden beispielsweise für die Pragmatische Armee 88 Bataillone und 132 Eskadrone an. Für das Regelwerk Honours of War [4] muss ich dann die Einheiten in regeltypische Einheitenformate umrechnen. In HoW gibt es beispielsweise keine Eskadrone. Sondern eigentlich sind Kavallerieregimenter die taktische Einheit. Ein Kavallerieregiment von nur 2 Eskadrons, die dann meinetwegen sogar eher schwache Eskadrone sind, kann man aber als Kleine Einheiten definieren. 

Ideally, you will find reliable figures. In the case of the Battle of Laeffeldt, the book by le Beau and by Hödl is quite productive. Excluding light troops, for example, the two give 88 battalions and 132 squadrons for the Pragmatic Army. For the set of rules Honors of War [4] I then have to convert the units into rule-typical unit formats. For example, there are no squadrons in HoW. Actually, cavalry regiments are the tactical unit. A cavalry regiment of only 2 squadrons, which I think are actually rather weak squadrons, can be defined as small units.

Wenn ich den Ablauf einer Schlacht möglichst präzise kenne, dann geht es daran welche Phase der Schlacht ich gerne in meinem Spiel/Simulation behandeln möchte. Bei der Schlacht bei Mingolsheim (1622) ist mir beispielsweise aufgefallen, dass ich für die Gesamtschlacht noch garnicht genug Modelle habe, so dass ich mich entschlossen habe nur einen Ausschnitt zu behandeln[5]. Einige Schlachten sind so lang, dass wir ewig spielen würden bis es für uns interessant wird. Im Fall meines Szenarios der Schlacht bei Rocoux [6] habe ich beispielsweise den langen Anmarschweg weggelassen und einen idealen Zeitpunkt [7] ausgewählt.

If I know the course of a battle as precisely as possible, then it depends on which phase of the battle I would like to deal with in my game/simulation. During the Battle of Mingolsheim (1622), for example, I noticed that I didn't have enough models for the entire battle, so I decided to reflect a short part of the battle[5]. Some battles are so long that we would play forever until they got interesting for us. For example, in the case of my Battle of Rocoux [6] scenario, I left out the long approach route and chose an ideal timing [7].

Hier das Beispiel Rocoux. Der rote Rahmen zeigt den Ausschnitt für meine Tischskizze. Die Vorlage ist meines Erachtens topographisch recht präzise. - Here is the example of Rocoux. The red frame shows the section for my table sketch. In my opinion, the template is topographically quite precise. (Karte: copyright André Hanselmann)

Ein weiterer Fixpunkt für mich persönlich ist mein Spieltisch. Dank meiner lieben Co-Autorin hier im Blog habe ich eine Spielfläche von etwa 1,80 x 2,40 m zur Verfügung. Ich suche natürlich nach verwertbarem Kartenmaterial. Mit viel Glück bekommt man sehr präzise Karten. Christian Rogge hat mir dankbarerweise Karten für die Schlacht bei Laeffeldt zur Verfügung gestellt. Er hat selbst meines Erachtens exzellent sein eigenes Spiel zu der Schlacht dargelegt auf seinem Blog [8]. In anderen Fällen arbeite ich mit zeitgenössischen Kartenmaterial, das ich eventuell mit Luftbildern abgleiche, da sich auf altem Kartenmaterial manchmal die Ersteller der Karten mit der Topographie vertan haben. Bisweilen muss ich aus dem Text plausible Positionen der Truppen herauslesen. Im Fall von Grimbergen war ich beispielsweise sehr frei mit der Positionierung der Truppen, da die Quellenlage einfach sehr dünn war [9]. Man kann dann, wenn man sein Kartenmaterial dieses in ein einfaches Zeichenprogramm einfügen und entsprechend hoch- oder herunterskalieren, dass es auf den Tisch passt. Ich arbeite dabei sehr gern im Maßstab 1:10. Somit hat mein Rahmen auf der Zeichnung Kantenlängen von 18 und 24 Zentimeter, was sehr gut auf ein Papier in DIN A4 Format passt. Ich zeichne dann einfach entsprechend über den Scan, den ich im Hintergrund lasse und setze beispielsweise Quadrate stellvertretend für sogenannte BUAs [10] auf die Position der Ortschaften. Am Ende dieses Prozesses lösche ich dann einfach den Hintergrund heraus und habe eine für mich ausreichende Planskizze.

Another fixed point for me personally is my gaming table. Thanks to my dear co-author here in the blog, I have a playing area of ​​about 1.80 x 2.40 m. Of course I'm looking for usable maps. With a lot of luck you get very precise maps. Thankfully, Christian Rogge provided me with maps for the Battle of Laeffeldt. In my opinion, he himself presented his own play on the battle excellently on his blog [8]. In other cases, I work with contemporary maps, which I may compare with aerial photos, since the creators of the maps sometimes got the topography wrong on old maps. Sometimes I have to read plausible positions of the troops from the text. In the case of Grimbergen, for example, I was very free with the positioning of the troops because the sources were very scarce [9]. If you insert your map material into a simple drawing program, you can scale it up or down accordingly so that it fits on the table. I like to work on a scale of 1:10. So my frame on the drawing has edge lengths of 18 and 24 centimeters, which fits very well on paper in DIN A4 format. I then simply draw over the scan, which I leave in the background, and set squares, for example, to represent so-called BUAs [10] at the position of the towns. At the end of this process, I simply erase the background and have a sketch plan that is sufficient for me.

Ein paar Kärtchen mit Kommandeuren werden für Laeffeldt ausgeschnitten. - Some tiny cards with commanders are to be cut out for Laeffeldt. (Foto: André Hanselmann)

Dienstag, 8. März 2022

Sendehinweis zu Söldnern und Bauern im Dreißigjährigen Krieg

 Liebe Leser dieses Blogs,

 wir möchten euch auf einen Livestream auf dem Kanal von Keines Weibes Knecht auf Youtube am Donnerstag, dem 10. März hinweisen. Ich werde mit Daniel vom Regiment Johann Wolf[1] und Eike von KeinesWeibesknecht [2] über Themen wie Rekrutierung, Plünderung und Durchmärsche und das sowohl aus der Perspektive der Landleute wie auch der der Söldner sprechen.

Der Titel wird "Soldaten, Not und Elend im 30-jährigen Krieg" sein. Hier der Link zu der Episode 89 von Talk aus der Wachstube: https://www.youtube.com/watch?v=7oPMCxAs_xs Der Livestream beginnt um etwa 20 Uhr. Aber man kann die Folge auch später anschauen. 

Am Donnerstag, dem 17. März, gibt es Teil 2: https://www.youtube.com/watch?v=QvL87CS9b-Q Ich freue mich schon auf Fragen. Diesmal wird der Schwerpunkt auf dem Thema Plünderung und eher dem Alltag zwischen Söldnern und Zivilisten liegen.

Text: André Hanselmann

Foto: Elmar Hahn - Hohenloher Freilandmuseum Wackershofen



Als Dorfhauptmann an der Arbeit auf dem Ziehbock. (Foto Elmar Hahn, 2019)

Anmerkungen: 

1) Kurbairisches Dragonerregiment Johann Wolf e.V. https://regimentjohannwolf.de/

2) Keines Weibes Knecht - IG Geschichte in Norddeutschland: https://keinesweibesknecht.de/



Mittwoch, 2. März 2022

Der Amtmann bei Wilhelm Meister - eine arme Figur? - The "Amtmann" in Wilhelm Meister - a poor figure? (Goethe)

Nachdem wir am Beispiel einer Erzählung von Karl May [1] einen doch eher fragwürdigen Charakter als Vertreter des Berufsstandes der Amtmänner erlebt haben, tritt uns in Johann Wolfgang von Goethes (1749-1832) "Wilhelm Meisters Lehrjahre" ein ganz anderer Amtmann gegenüber. Vorab sind zwei weitere wesentliche Aspekte zu nennen, welche beide Werke insbesondere im Hinblick auf die Glaubwürdigkeit des Bildes von einem Amtmann unterscheiden. 

After we have experienced a rather questionable character as a representative of the bailiff's profession using the example of a story by Karl May [1], we are faced with a completely different bailiff in Johann Wolfgang von Goethe's (1749-1832) "Wilhelm Meister's Apprenticeship". First of all, two other essential aspects should be mentioned, which distinguish both works, especially with regard to the credibility of the picture of a "Amtmann" (bailiff).

Erstens ist Goethes Roman natürlich dem für uns interessanten historischen Zeitabschnitt, der Mitte beziehungsweise dem dritten Viertel des 18. Jahrhunderts deutlich näher [2]. Goethe schreibt in einem Brief an Karl Ludwig von Knebel bereits im Januar 1791 darüber, dass er an seinem "Wilhelm Meister" wiederum arbeite. 1795/96 ist der Roman schließlich erschienen.

First of all, Goethe's novel is of course much closer to the historical period of interest to us, the middle or third quarter of the 18th century [2]. In a letter to Karl Ludwig von Knebel in January 1791, Goethe wrote that he was working on his "Wilhelm Meister" again. The novel was finally published in 1795/96.

Zweitens hatte Goethe als enger Berater und Minister einen tiefen Einblick in das Innere des Staates von einem der größeren ernestinischen Herzogtümer. Seit 1776 hatte er den Posten eines Legationsrates inne. Durch seine Aufgaben im Wegebau, beim Bergbau und bei der Rekrutierung begegnete er nicht nur auch die einfachen Untertanen seines Herzogs Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach (1757-1828), sondern hatte auch direkt mit den entsprechenden Amtsträgern auf dem Lande wie Amtmännern zu tun. Von daher wird er gewusst haben, was er schrieb, als er die Rolle seines Amtmannes in "Wilhelm Meisters Lehrjahre" entwarf. Außerdem war er als Jurist schon von der Ausbildung (Studium 1765-1771) her mit den Funktionen von Amtmännern gewiss vertraut. Auf seinen Reisen in den frühen Weimarer Jahren, die er auch dazu nutzte beispielsweise den Bergbau im Harz [3] kennen zu lernen oder auf denen er Beziehungen in andere thüringische Staaten [4] knüpfte, dürfte er auch intensiv die Verwaltung in diesen Gegenden kennengelernt haben. 

Second, as a close advisor and minister, Goethe had a deep insight into the interior of the state of one of the larger Ernestine duchies. From 1776 he held the post of legation councilor. Through his duties in road construction, mining and recruiting, he not only met the simple subjects of his Duke Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach (1757-1828), but also had to deal directly with the relevant officials in the country as bailiffs to do. Hence he must have known what he was writing when he was designing the role of his bailiff in "Wilhelm Meister's Apprenticeship". In addition, as a lawyer, he was certainly familiar with the functions of bailiffs from his training (studies 1765-1771). On his travels in the early Weimar years, which he also used, for example, to get to know mining in the Harz Mountains [3] or on which he established relationships with other Thuringian states [4], he should have also got to know the administration in these areas intensively .

Ich selbst in der (unvollständigen) Kleidung als Ratsherr in Schwäbisch Hall. Daneben eine Ratsbank aus dem 18.Jahrhundert. Das Bild wurde in einem der Räume des Hällisch-Fränkischen Museums aufgenommen. Die Amtmänner waren oftmals in Hall gleichzeitig Ratsherren und wohnten auch den Ratssitzungen bei, was aus den Ratsprotokollen im Stadtarchiv hervorgeht. - I myself in the (not complete) clothing as a councilor of Schwäbisch Hall. Besides you can see a bench of the magistrate of Hall of the 18th century. The photo was made in the rooms of the "Hällisch-Fränkische-Museum. The bailiffs often were at the same time councilors and shared in the council meetings, which is documented in the reports of the council in the town's archive. (photo: Cecilia Hanselmann)

Wie begegnet uns nun der Amtmann? Goethes Hauptfigur der besagte Wilhelm Meister interessierte sich für ein Mädchen, das mit einem Schauspieler durchgebrannt war. Die Eltern des Mädchens hatten die Behörden eingeschaltet [5] und die von einem Aktuarius angeführte Landmiliz überführte die Gefangenen sodann nachdem man sie von einem Stadtschreiber und dessen Eskorte übernommen hatte. Der Täter, also der Schauspieler musste in Ketten neben dem Fuhrwerk hergehen, auf welchem die Ent- oder Verführte saß[6]. Die für die folgende Szene bedeutsame Figur des Amtmannes residierte in einem Amtshaus [7]. Besonders schön finde ich hier die Passage "Der Amtmann, der von solchen außerordentlichen Fällen kein sonderlicher Liebhaber war, weil er meistentheils dabey einen und den andern Fehler machte, und für den besten Willen gewöhnlich von fürſtlicher Regierung mit einem derben Verweise belohnt wurde", aus der meines Erachtens ganz Goethes eigene Anschauung spricht.  Der Amtmann geriet nun in ziemliche Verlegenheit, weil die Entflohene nicht einmal ihren Namen angeben wollte, da diesen der Amtmann ja ausreichend kenne und der Amtmann sowieso wisse, dass sie so alt wie sein eigener Sohn sei. Der Amtmann machte in der Befragung des Mädchens keine Fortschritte indem sie einfach auf ihrer Aussage und der Hoffnung auf die Großmut des Fürsten beharrte. Wilhelm Meister bat nun den Amtmann es auf sich bewenden zu lassen. Daraufhin wurde das Mädchen abgeführt und auch der Schauspieler durch den Amtmann befragt, der dann allerdings anders als die Verführte alles abstritt. Schließlich erlaubte der Amtmann später Wilhelm Meister allein mit Melina, der Entflohenen, zu reden um etwa eine Lösung mit ihren Elten zu bewirken [8]. 

Mittwoch, 16. Februar 2022

Umfrage und Aussichten - Look into the future and voting

Wir haben ja in den letzten Jahren etwas motiviert durch unsere Veranstaltung "Anno Domini 1743 - Freud und Leid" [1] uns ein bisschen neben dem Präsentieren der Rechercheergebnisse für unsere Veranstaltungen auch auf den Österreichen Erbfolgekrieg fokussiert. Unsere Beiträge zur Schlacht bei Simbach [2] und zum Gefecht bei Grimbergen [3] gehören zu den meistgelesenen Artikeln unseres Blogs. Das freut uns nicht nur durch die Arbeit, die wir da hinein gesteckt haben, sondern weil nach wievor der Konflikt in der Öffentlichkeit wenig bis keine Beachtung findet oder nicht selten vollkommen verzerrt dargestellt wird [4]. Mit der Schlacht bei Lauffeldt fand dann 1747 die letzte große offene Feldschlacht des Krieges in Flandern statt und diese werden wir auch wieder auf unserem Blog vorstellen. 

In recent years we have been somewhat motivated by our event "Anno Domini 1743 - Freud und Leid" [1], in addition to presenting the research results for our events, we have also focused a little on the War of the Austrian Succession. Our posts on the Battle of Simbach [2] and the Battle of Grimbergen [3] are among the most read articles on our blog. We are not only pleased about the work that we have put into it, but also because the conflict still receives little or no public attention or is often presented in a completely distorted manner [4]. With the Battle of Lauffeldt in 1747, the last major open battle of the war in Flanders took place and we will present this again on our blog.

Ein Bild der Schlacht von Camposanto auf unserem Tisch, 1743 - A picture of the battle of Campo Santo in 1743 on our table. (photo: Cecilia Hanselmann)

 

Da wir nicht unbegrenzt Zeit für Recherchen in dem Thema haben und andere Formate wie etwa unsere wohl auch noch fortgesetzten Gespräche auf Youtube ein bisschen Arbeit erfordern [5], würde ich gerne etwas anpeilen, ob wir uns in den nächsten Jahren einem anderen Thema zuwenden wollen. Es gäbe ja die Option im 280-Jahre Abstand nochmals den Österreichischen Erbfolgekrieg zu beleuchten. Im Falle der Belagerung von Freiburg, 1744, haben wir vor einer Weile noch eine weitere Schanze angeschaut, die gegenüber der Franzosenschanze [6] an den Hängen des Rosskopfes liegt. 

Andererseits jährt sich im nächsten Jahr auch zum 290. Mal der Ausbruch des Polnischen Thronfolgekrieges. Dieser Krieg wird auch gern ignoriert, etwa mit so steilen Thesen wie der, dass Friedrich Wilhelm I. in Preußen keine Kriege geführt habe [7]. Wenn auch leider nicht mit ebenso gutem Kartenmaterial ausgestattet, liegt uns doch eine recht brauchbare ältere Publikation zu dem Thema vor, welche auch den Feldzug in Italien vollständig behandelt [8]. Zum einen habe ich mich mit dem Krieg schon beschäftigt indem ich ein paar Szenarien kreiert habe. Zum anderen ist er auch von daher naheliegend, da 1734/35 das Gebiet von Schwäbisch Hall Durchmarschgebiet der kaiserlichen Truppen wurde. Besonders das Lager von Heilbronn ist nicht nur durch Gudenus [9] recht gut dokumentiert. Mit der Festung Kehl liegt sogar ein Schlachtfeld des Krieges ziemlich direkt vor unserer Haustür. 

Eine der größten Schlachten des 18.Jh. in Norditalien: die Schlacht bei Guastalla 1734. - One of the largest battles of the 18th century in Northern Italy: the battle of Guastalla in 1734. (Foto: Cecilia Hanselmann, 2020)

Ein Blick auf die heran marschierenden Österreicher in der Schlacht bei Guastalla. Ein spannender Angriff auf den linken verbündeten Flügel steht bevor. - A view on the approaching Austrians in the battle of Guastalla. A very exciting attack on the left allied wing is coming. (Foto: Cecilia Hanselmann, 2020)


Since we do not have unlimited time for research on the subject and other formats such as our ongoing discussions on YouTube require a bit of work [5], I would like to consider whether we want to turn our attention to a different topic in the next few years . There would be the option to shed light on the War of the Austrian Succession again 280 years later. In the case of the siege of Freiburg in 1744, we looked at another redoubt a while ago, which is opposite the Franzosenschanze [6] on the slopes of the Rosskopf.

On the other hand, next year will also mark the 290th anniversary of the outbreak of the War of the Polish Succession. This war is also gladly ignored, for example with such bold theses as that Friedrich Wilhelm I did not wage any wars in Prussia [7]. Although unfortunately not equipped with maps that are as good, we have a very useful older publication on the subject, which also covers the campaign in Italy in full [8]. For one thing, I've already dealt with the war by creating a few scenarios. On the other hand, it is also obvious because in 1734/35 the area of ​​Schwäbisch Hall became a transit area for imperial troops. The Heilbronn camp in particular is not only well documented by Gudenus [9]. With the Kehl fortress, there is even a battlefield of the war right on our doorstep.

Ein Bild meines Szenarios der Schlacht bei Quistello, 1734. - A picture of my scenario of the battle of Quistello in 1734. (photo: Cecilia Hanselmann)

 

Ich freue mich auf eure Meinung, egal ob hier in den Kommentaren oder auf anderem Wege. Soll ich mich ab nächstem Jahr hier lieber mit dem Polnischen Thronfolgekrieg oder wieder mit dem Österreichischen Erbfolgekrieg beschäftigen? Was interessiert euch eher?

I look forward to your opinion, whether here in the comments or in other ways. Should I focus on the War of the Polish Succession or the War of the Austrian Succession next year? What are you more interested in?

Text: André Hanselmann

Fotos: Cecilia & André Hanselmann

Avertissement:

Wir möchten euch darauf hinweisen, dass es schön wäre, wenn unsere lieben Leser das Freilandmuseum Wackershofen unterstützen würden, welches durch die Corona-Lage zahlreiche Veranstaltungen absagen oder gar das Museum geschlossen lassen musste/muss. Hier ein Link zur Homepage des Museums: https://www.wackershofen.de/

We want to inform our dear readers, that we would be happy if you would support the open-air-museum Wackershofen which had/has a lot of problems due to the current Corona-crisis because the museum had/has to close and cancel many events. Here is a link to the museum: https://www.wackershofen.de/


Verweise / Notes:

1) https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2018/08/anno-domini-1743-freud-und-leid-teil-1.html 

2) https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2017/09/ein-besuch-des-schlachtfelds-von.html

3) https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2020/08/the-combat-at-grimbergen-on-august-23rd.html 

4) https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2020/02/maria-theresia-2019-rezeption-review.html 

5) https://www.youtube.com/watch?v=nxOVtiC-U0o&t=6240s 

6) https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2020/12/die-franzosenschanze-in-freiburg-french.html

7) Er wird aber auch in der oben bereits angedeuteten "Maria Theresia"-Verfilmung als Hintergrund der Vermählung von Maria Theresia und Franz Stephan von Lothringen unterschlagen.

8) (Hrsg.) Kriegsgeschichtliche Abteilung des k.u.k. Kriegsarchivs: "Feldzüge des Prinzen Eugen von Savoyen" hier: Raimund Gerba: "Polnischer Thronfolgekrieg - Feldzug 1733 und 1734" XIX. Band, Verlag des k.u.k. Generalstabes, Wien, 1891

9) Dr. Hans Bleckwenn: "Reiter, Husaren und Grenadiere - Die Uniformen der Kaiserlichen Armee am Rhein 1734 ..." Harenberg Kommunikation, Dortmund, 1979

Dienstag, 1. Februar 2022

Schwäbisch Hall 1622

Wenn alles gut geht, werden wir dieses Jahr endlich wieder eine Landleben-Veranstaltung in Wackershofen haben. Wie dem auch sei sind die 1620er eine sehr facettenreiche Zeit gerade für die Region im Hällischen. Natürlich hatte der Kriegsverlauf einen ganz ganz großen Einfluss auf das Leben der Menschen. Der Krieg wurde immer wieder von außen befeuert. Im April 1622 meldete eine Zeitung beispielsweise aus Den Haag, dass für 3.000 Mann Rüstungen und "Gewähr" sowie 400 Zentner Pulver nebst Lunten an Herzog Christian von Braunschweig, den man später den "tollen Halberstädter" nennen sollte, geliefert worden sind, während der "Winterkönig" mit vielem Geld über Frankreich in die Pfalz reiste [1]. Der Krieg verlagerte sich seit 1621 von Böhmen in die Kurpfalz. Deswegen marschierten Truppen beider Seiten 1621/22 durch Schwaben. 

Die Einquartierungen belasteten die Landleute enorm und viele verschuldeten sich erheblich [2]. Die Rat von Hall versuchte dieser Entwicklung entgegen zu wirken indem er im ganzen Dreißigjährigen Krieg Abgaben der Bürger und Untertanen, welche über die offiziellen Kontributionen hinaus gingen zu verbieten. Daneben wurde ein Offizier als "Rittmeister von Haus" namens Georg Rauchhaubt aus Untermünkheim in die Dienste genommen, um gegen die Plünderungen und Disziplinlosigkeit vorzugehen. Rauchhaubt sollte die fremden Offiziere ausfragen und darauf einwirken, dass die Truppen bei den Durchzügen rasch weiter marschierten [3]. Ein Beispiel wie ein solches Aushören funktionieren sollte haben wir aus dem Dorf Bibersfeld, wo im August 1622 für mehrere Tage Truppen unbekannter Herkunft lagen. Ein Haller Bürger Johannes Sutorius berichtete von dort an den Stättmeister Wetzel, wann diese Truppen und wohin sie abmarschieren würden. Um genauer Bescheid zu wissen, hatte Sutorius den Obrist Quartiermeister der lagernden Soldaten ausgefragt [4].

Ein Blick von der Katharinen-Vorstand zur Altstadt mit der Stadtkirche St. Michael und dem Neubau genannten Zeughaus, wo im 17.Jh. zahlreiche Waffen lagerten. - A view from the Katharinen-suburb towards the old town with the St. Michael's church and the arsenal so called "Neubau" (new building) where the weapons were stored during the 17th century.  (Foto: André Hanselmann, Dez. 2021)

If all goes well, we will finally have another country life event in Wackershofen this year. Be that as it may, the 1620s are a very multifaceted time, especially for the region of Hall. Of course, the course of the war had a very, very big influence on people's lives. The war was always fueled from outside. In April 1622, for example, a newspaper from The Hague reported that armaments and "warranties" as well as 400 quintals of powder and fuses had been delivered to Duke Christian von Braunschweig, who would later be called the "great Halberstadt", for 3,000 men, during the " Winter King" traveled with a lot of money via France to the Palatinate [1]. Since 1621 the war shifted from Bohemia to the Electoral Palatinate. Therefore troops from both sides marched through Swabia in 1621/22.

The billeting put an enormous strain on the country folk and many got into debt considerably [2]. The council of Hall tried to counteract this development by prohibiting taxes from citizens and subjects that went beyond the official contributions throughout the Thirty Years' War. In addition, an officer named Rauchhaubt from Untermünkheim was taken into service as "Rittmeister von Haus" (captain of horse of the house) in order to take action against the looting and indiscipline. Rauchhaubt was supposed to question the foreign officers and ensure that the troops marched on quickly as they passed through [3]. We have an example of how such an eavesdropping should work from the village of Bibersfeld, where troops of unknown origin lay for several days in August 1622. From there, a resident of Hall, Johannes Sutorius, reported to the "Stättmeister" (mayor) Wetzel when these troops would march and where they would march. In order to know more precisely, Sutorius had asked the colonel quartermaster of the encamped soldiers [4].


Der Neubau aus etwa der gleichen Perspektive auf einem Gemälde der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts. / A view on the "Neubau" from the same perspective but on a painting from the first halve of the 17th century. (Foto: André Hanselmann)


Wenn wir erfahren, dass Rauchhaubt über Musterungsplätze dem Rat berichten sollte, dann sollten wir nicht unerwähnt lassen, dass zahlreiche Haller selber in Kriegsdienste gingen. Der Zeugmacher Kasper Engel (1601-1672) dürfte, berücksichtigt man seine Lebensdaten, um 1622 in ein Heer eingetreten sein. Denn er "geriet gezwungenermaßen in Kriegsdienste" als er auf Wanderschaft gehen wollte. Der Sieder David Bühl (1593-1662) dürfte sich wohl am Beginn des Krieges den Truppen angeschlossen haben. Es heißt nämlich, er sei anderthalb Jahre lang unter dem Mansfelder in Diensten gewesen sein. Es ist immer wieder faszinierend wenn Söldner wie der berühmte Peter Hagendorf [5] praktisch den ganzen Krieg mitmachten, also zahlreiche Schlachten und Seuchen im Feld überlebt haben müssen. Ein Peter Laidig (1598-1658) hat "bei 30 Jahren in Deutschland und den Niederlanden sowie auf See" "redlich bedient" [6].  

Die Motivation Soldat zu werden war immer wieder eine fragwürdige. Der aus Schmalkalden stammende Wendel Kohl hatte eine gewisse Anna Clemen geschwängert und ließ sie am 26. März 1622 sitzen, als er sie heiraten sollte und suchte sein Heil in der Flucht in Kriegsdienste [7]. 

Eine Hellebarde aus dem 17. Jahrhundert. Museum für Stadtgeschichte in Breisach. - A halberd from the 17th century. Museum of the town's history in Breisach. (Foto: André Hanselmann)

 

When we find out that Rauchhaubt was supposed to report to the council about recruiting places, we should not fail to mention that many Hallers went into military service themselves. The clothing maker Kasper Engel (1601-1672), if one takes into account his life dates, probably entered a gentleman around 1622. Because he "was forced into military service" when he wanted to go on a journey. Settler David Bühl (1593-1662) is likely to join the troops at the beginning of the war. It is said that he was in the service of Mansfeld for a year and a half. It is always fascinating when mercenaries like the famous Peter Hagendorf [5] took part in practically the whole war, so they must have survived numerous battles and epidemics in the field. A Peter Laidig (1598-1658) "served" honestly "for 30 years in Germany and the Netherlands as well as at sea" [6]. 

Montag, 17. Januar 2022

Historiker von nebenan - Historians alongside: Oliver Schmidt

Nach einer größeren Pause will ich unsere Reihe von Interviews mit Historikern aus unserem Umkreis fortsetzen. Die Resonanz hat mir bislang sehr gut gefallen.

Heute soll es um Oliver Schmidt gehen, der nicht nur eine wichtige Rolle in der Darstellungsgruppe 22e demi-brigade spielt, sondern auch schon an unseren Anno Domini Veranstaltungen in Wackershofen teilgenommen hat. Einige werden ihn durch die sehr informative Webside der 22e [1] oder durch seine Publikationen oder eben von Veranstaltungen im In- und Ausland kennen. 

After a longer break, I want to continue our series of interviews with historians in our cercle. So far, I have enjoyed the response very much. 

Today it will be about Oliver Schmidt, who not only plays an important role in our group 22e demi-brigade, but has also participated in our Anno Domini events in Wackershofen. Some will know him from the very informative website of 22e [1] or from his publications or from events at home and abroad.

Oliver Schmidt als unser Knecht auf der Anno Domini Veranstaltung 2017 [2] beim Fertigen von Besenstielen. - Oliver Schmidt in the role of a farmhand on the Anno Domini Event in 2017 [2] producing a stick for a broom. (photo: Claudia Behnke)

"Ich:  Ich will einmal sozusagen im Urschleim anfangen. Du hast ja Indologie und Geschichte studiert in Heidelberg. Gibt es da noch Erkenntnisse aus Deinen akademischen Studiengängen, die Du heute für das Hobby oder Deine Arbeit nutzt?

Oliver Schmidt: An der Uni habe ich Geschichte nur kurz studiert, für ein Jahr, nachdem ich meinen Magister Artium als Indologe gemacht hatte.
Die richtige Einstellung zur historischen Forschung, vor allem, kritisch alles in Frage zu stellen und anhand der ursprünglichen Quellen zu überprüfen, hatte ich mir da schon längst selber angeeignet. Besonders hilfreich waren dafür die Recherchen fürs Hobby gewesen, und fruchtbare Diskussionen mit anderen Re-Enactors, vor allem mit unserem damaligen Kommandeur Hans-Karl Weiss. 

Me: I want to start with the primordial slime, so to speak. You studied Indology and History in Heidelberg. Are there any findings from your academic courses that you use today for your hobby or your work? 

Oliver Schmidt: I only studied history briefly at the university, for a year after doing my Magister Artium as an Indologist. 

I had long since acquired the right attitude to historical research, above all to critically question everything and check it against the original sources. The hobby research and fruitful discussions with other re-enactors, especially with our commander at the time, Hans-Karl Weiss, were particularly helpful.


 

Ich: Ohne viel Werbung machen zu wollen, erinnere ich mich daran, dass Du damals in den ersten Jahren, die ich bei der 22e war, an einem Buch für den Osprey-Verlag (Prussian Regular Infantryman 1808–15 [3] ) geschrieben hast. Hast Du heute auch noch Buchprojekte? Würde Dich noch etwas reizen, worüber Du eventuell gern einmal wissenschaftlich publizieren würdest?

O.S.: Ich habe mehrere Projekte, mit denen ich mich immer wieder abwechselnd beschäftige, wenn ich gerade Zeit und Lust habe. Ende nächsten Jahres soll beim Zeughaus-Verlag der erste von drei Bänden über die Uniformierung der Preußischen Armee von 1808 bis 1815 erscheinen, von Rolf Fuhrmann illustriert, Markus Stein schreibt dazu die Abschnitte über die Formationsgeschichte. Unter anderem transkribiere ich auch nach und nach die preußischen Exerzier-Vorschriften zwischen 1798 und 1806, die alle nur in alten Abschriften in Archiven erhalten sind und bisher noch nie, selbst damals nicht, im Druck erschienen sind.

Me: Without wanting to do a lot of advertising, I remember that in the first years that I was a member of the 22e, you were writing a book for the Osprey publishing house (Prussian Regular Infantryman 1808–15 [3]) . Do you still have book projects today? Is there something else that you would like to publish scientifically about?

O.S .: I have several projects that I take turns taking turns whenever I have the time and inclination. The first of three volumes on the uniforms of the Prussian Army from 1808 to 1815 will be published by Zeughaus-Verlag at the end of next year, illustrated by Rolf Fuhrmann, and Markus Stein will write the sections on formation history. Among other things, I also gradually transcribe the Prussian drill regulations between 1798 and 1806, all of which have only been preserved in old copies in archives and have never, even then, appeared in print. 

Oliver auf den Spuren der 22e demi-brigade auf dem Pass oberhalb von Fort Bard (im Hintergrund). Ich war auch als einziger Grenadier dabei. Schaut einfach mal unter Berichte auf der Homepage der 22e für mehr Infos! - Oliver on the tracks of the 22e demi-brigade at the pass above of the fortress of Bard (in the background). I was the only grenadier together with him. Just look in the repports on the homepage of the 22e! (photo: André Hanselmann/Oliver Schmidt, 2021)

 

 

Sonntag, 2. Januar 2022

Der böse Amtmann von Wahlsdorf - The evil bailiff of Wahlsdorf (Karl May)

Mich interessiert ja durch meine Darstellung sehr wie ein Amtmann gelebt hat, da ich die Rolle selber in Wackershofen übernehme. Aus der selben Perspektive finde ich Dienstboten spannend [1]. Ich habe mich schon desöfteren hier im Blog [2] aber auch an anderer Stelle zu dem Thema vor allem des Amtmannes im Amt Rosengarten geäußert [3]. Ich greife gerne alle möglichen Informationen über Amtmänner auf, wo ich sie nur finden kann. Die Lebensumstände dieser Beamten sind von Region zu Region vollkommen unterschiedlich. Mal lebten sie inmitten der Bauern auf dem Dorf, mal auf einer Burg wie der Ministeriale des Hochmittelalters oder auch wie beim Beispiel "meines" Amtmannes in der Stadt Schwäbisch Hall ohne einen erkennbaren Dienstsitz.

Karl May (1842-1912) porträtierte nun auf seine eigene Weise 1875 im Rahmen seiner Erzählung "Ein Stücklein vom Alten Dessauer" einen Amtmann der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Natürlich muss man berücksichtigen, dass May kein allzugroßer historischer Wahrheitsgehalt zuzubilligen ist. So hatte Karl May beispielsweise in "Die Kriegskasse" von 1878 kein Problem damit Feldmarschall Blücher als einen engen Vertrauten der Lützower darzustellen, welche in dieser Novelle gar 1814 am Rhein seine Eskorte stellen[4].  

I am very interested in how a bailiff lived because of my portrayal, since I take on the role myself in Wackershofen. From the same perspective, I find servants exciting [1]. I have already expressed myself several times here in the blog [2] but also elsewhere on the subject, especially of the bailiff in the Rosengarten office [3]. I like to pick up all kinds of information about officials wherever I can. The living conditions of these officials are completely different from region to region. Sometimes they lived in the middle of the farmers in the village, sometimes in a castle like the "Ministeriale" of the High Middle Ages or, as in the example of "my" bailiff in the city of Schwäbisch Hall, without a recognizable official office (bureau).

Karl May (1842-1912) now portrayed a bailiff from the first half of the 18th century in his own way in 1875 as part of his story "A little piece of the old Dessauer". Of course, one has to take into account that May is not too historically truthful. For example, in "Die Kriegskasse" from 1878 Karl May had no problem portraying Field Marshal Blücher as a close confidante of the Lützower, who in this novella even provided his escort on the Rhine in 1814 [4].

Der Amtmann vom Amt Rosengarten auf einer unserer Veranstaltungen. Karl Mays Amtmann Hiller wird wohl keine solche Kleidung getragen haben, die eher die eines Ratsherrn ist. - The bailiff from the Rosengarten office at one of our events. Karl May's bailiff, Hiller, will probably not have worn clothing like that of a councilor.


Ich will hier kurz die Handlung von Karl Mays Erzählung umreißen. Man wird am Anfang in die Situation geworfen, dass sich ein gewisser Amtmann Hiller beim Alten Dessauer meldet, der ihm empfiehlt eine Menge Bauernburschen auf einem Tanzboden zwangsrekrutieren zu können [5]. Hiller gilt im Umkreis des Fürsten von Anhalt als ein geeigneter Beamter. Doch kommt Fürst Leopold I. (1676-1747) rasch Hiller auf die Schliche, dass dieser mit dieser Rekrutenwerbung sich nur den jungen Wilhelm Schmidt vom Halse schaffen will, welchen eine gewisse Annemarie liebt. Annemarie aber soll aus Sicht der Hillers den Sohn des Amtmannes heiraten, was den Hillers umso besser scheint, da sie die Tochter des offenbar wohlhabenden "Wiesenbauers" ist. Fürst Leopold fühlt sich aber zu Hillers Pech just Wilhelms Vater gegenüber verpflichtet, da der alte einarmige Veteran Schmidt vor Jahren das Leben des Fürsten gerettet hatte. Der Fürst verkleidet sich nun und kommt in das Dorf Wahlsdorf. Zufälligerweise bedient sich der für den Amtmann unkenntliche Fürst just an den Pflaumen in Hillers Garten. Daraufhin lässt der Amtmann den Pflaumendieb durch einen sogenannten Wächter Jörge gefangen ins Spritzenhaus führen, welches in Ermangelung eines richtigen Gefängnisses zur Unterbringung von Gefangenen dient. Mit seiner Großzügigkeit und seinem Charisma gelingt es dem vermeintlichen Vagabunden nun Jörge dazu zu bringen mit ihm unterwegs ins Wirtshaus zu gehen, wo der Fürst noch mehr über den Charakter von Amtmann Hiller erfährt. Als es dem Amtmann endlich gelingt den Gefangenen ins Spritzenhaus zu stecken wird es demselben zu bunt und er reißt aus - nicht ohne Amtmann und Wächter ihrerseits in dem "Gefängnis" einzusperren. Der nunmehr freie Fürst begibt sich zu seinem Getreuen Schmidt und tritt dann am Abend auf der Verlobung von Annemarie mit Eduard Hiller auf. Dort gibt sich der Fürst endlich zu erkennen und setzt nicht nur den untauglichen Amtmann Hiller, der sogar das Verstecken eines Deserteurs auf dem Kerbholz hat, ab sondern lässt auch den groß gewachsenen Eduard Hiller unter seine Soldaten stecken. Als Vollendung des Glücklichen Ausgangs wird Wilhelm Schmidt an Hillers Stelle vom Fürsten zum Amtmann ernannt - auch zur Freude des Wiesenbauers, der nun einen Amtmann immerhin zum Schwiegersohn bekommt.