Sonntag, 26. April 2020

Wie geht es weiter mit dem Blog? – How the blog will continue? Fontenoy? 1620?


Nachdem bereits die Landleben 1620-Veranstaltung vom Freilandmuseum abgesagt worden ist, haben wir nun auch die Bestätigung erhalten, dass auch unsere Anno Domini-Jubiläumsveranstaltung im August ersatzlos entfällt. Die erzwungenermaßen erfolgten Ausfälle der Veranstaltungen bringen das Freilandmuseum Wackershofen natürlich in Schwierigkeiten, weshalb wir unsere Leser folgenden Aufruf nahelegen wollen: https://www.wackershofen.de/freilandmuseum-in-not/


After canceling our „Landleben 1620“-event, we received the acknowledgement, that our Anno Domini-anniversary event in August is deleted without replacement too. The forced omissions of the events naturally bring many difficulties for the open air museum Wackershofen. That’s why we want to suggest to you the following call: https://www.wackershofen.de/freilandmuseum-in-not/


Wozu dann aber unser Anno Domini-Blog, wenn wir keine Veranstaltungen in absehbarer Zeit zu erwarten haben?

Es geht selbstredend darum das Museum weiter zu bewerben.

Wir werden voraussichtlich in den nächsten Monaten die Interviewreihe fortsetzen.

Außerdem gibt es dann Artikel zu speziellen historischen Jubiläen, wenn diese in den zeitlichen Rahmen unserer Veranstaltungen passen. Das betrifft zum Beispiel die Schlacht bei Fontenoy.

Ein Bild unseres Spiels vor ein paar Jahren mit Sam Mustafa's Fontenoy-Szenario - A Picture of our game some years ago, using Sam Mustafa's Fontenoy Scenario (Foto: Cecilia Hanselmann)



Why we should continue the Anno Domini-blog, when we have not to expect events in a foreseeable amount of time?

It’s about promotion for the museum.

We will continue most possibly our series of interviews.

Besides we will offer postings about historical anniversaries if they are falling into the timeframe of our events. That includes for example the battle of Fontenoy.



Wir sind an unserem Ziel, einer Burgruine nahe Waldkirch angekommen - we have arrived at our destination, a ruined Castle near Waldkirch. (Foto: Anna-Amalia Hanselmann)
 
Man kann fleißig sein - one can be diligent (Foto: André Hanselmann)


Übrigens haben wir am 19. April sozusagen als persönlichen Ausgleich für den Wegfall der Landleben 1620 Veranstaltung einen kleinen Ausflug unternommen. Entsprechend den Vorschriften in Baden-Württemberg in Zeiten der Corona-Krise nur unsere Familie im Wald und im angemessenen Abstand zu anderen Wanderern.

Im 17. Jahrhundert gab es vielerlei Ursachen als Landleute unterwegs zu sein. Natürlich waren immer Leute auf dem Weg zwischen dem Dorf und dem städtischen Markt. Andere mussten im Zuge kriegerischer Ereignisse aus ihren Wohnstätten fliehen oder wurden aus religiösen Motiven verfolgt. Man denke etwa an das Los der protestantischen Untertanen Ferdinand II., als dieser in Kärnten und der Steiermark die Herrschaft antrat.


Freitag, 10. April 2020

Die Österreichische Armee 1744 – The Austrian army in 1744


Was liegt näher als sich mit der österreichischen Armee zu beschäftigen? Ich begegnete ihr schon auf den Schlachtfeldern von Simbach[1], Übrigshausen[2], Freiburg[3] und Breisach[4]. Für Veranstaltungen habe ich mich zwangsläufig mit ihr beschäftigt und bei Szenarien für Honours of War[5] kommt man nicht um die österreichische Armee herum. Vielmehr stößt man dadurch zwangsläufig auf einiges charakteristisches.

Das offensichtliche Problem ist der Zeitschnitt. Dazu gleich mehr.


What is more likely than to occupy yourself with the Austrian army? I met her on the battlefields of Simbach[1], Übrigshausen[2], Freiburg[3] and Breisach[4]. I had researched about her for events and for scenarios for Honours of War[5]. By creating these scenarios you bump into some characteristics of the army.

The most obvious problem however is the time frame. But more about it later.


Eine österreichische Armee für Honours of War - an Austrian army for Honours of War (Foto: André Hanselmann).



Eine Armee der Spekulationen.

Es ist seltsam. Hier in Freiburg war über lange Zeit eine Garnison – vor und nach der Belagerung von 1744. Zahlreiche bauliche Zeugnisse der vorderösterreichischen Zeit haben damit zu tun. Die Karlskaserne steht noch zum Teil[6]. Ein Torbogen eines weiteren Kasernenbaus des 18. Jahrhunderts findet sich heute auf dem Spielplatz am Augustinermuseum. Ganz augenfällig ist aber die Alte Wache am Freiburger Münster.


An army of speculations.

It’s odd. Here in Freiburg was a garrison for a long time – before and after the siege of 1744. Many structural testimonies of the Further Austria period are connected to this aspect. The Karlskaserne still exists partially[6]. An archway of one more barracks’ building from the 18th century is still situated today on the playground next to the Augustinermuseum. The Alte Wache (old guardhouse) near the Freiburg Münster is eye-catching.


Die Alte Wache in Freiburg, errichtet 1773, heute - the "Alte Wache" at Freiburg built up in 1773 today (Foto: André Hanselmann, 2020).



Gelangweilte „Pfeiffer“ und Trommler der hiesigen Garnison haben sich während des ganzen 18. Jahrhunderts direkt daneben verewigt. Sie haben mit Säbeln ihre Namen und Kanönchen in den Sandstein der Münsterfassade geritzt.


Bored „Pfeiffer“ (pipers) and drummers of the town’s garission perpetuated themselves during the whole 18th century nearby. They had scratched their names and small canons in the sandstone of the façade of the Münster.


Zeugnis eines Tambours am Münster - testimony of a drummer (Tam for Tambour) at the Münster (Foto: André Hanselmann, 2020).




 

Eine besonders frühe Inschrift an dieser Stelle von 1713 - an early inscription at this site from 1713 (Foto: André Hanselmann, 2020).





Und all die Kanönchen - and all those small Canons (Foto: André Hanselmann, 2020).








Die Zahl der infrage kommenden Regimenter dieser Tambours ist schon beachtlich. 1714 bis 1800 lag das Infanterieregiment Nr. 12 in der Stadt. Das IR 45 hatte den schwäbischen Werbebezirk und ab 1713 war es in Freiburg. Für den Österreichischen Erbfolgekrieg ebenfalls interessant: Regiment 40, 45 und 49 waren 1740, also bei Kriegsausbruch, mit je einer Kompanie in Philippsburg und der Rest zur Hälfte jeweils in Breisach und Freiburg stationiert. Nur um ein paar Beispiele zu nennen[7].

Aber zeitgenössische Abbildungen dieser Truppen in Freiburger Museen? Nix zu finden.


The number of possible regiments of these drummers is remarkable. From 1714 to 1800 the infantry regiment 12 was in the town. The IR 45 had the Swabian recruiting district and was in Freiburg since 1713. It’s interesting regarding the war of the Austrian succession, that regiments 40, 45 and 49 were with one company at Philippsburg in 1740, when the war commenced, and the rest was split up – one halve in Breisach and the other in Freiburg. Only to mention some examples[7].

But can we see contemporary pictures of these troops in the museums of Freiburg? No, nothing to be found.


Was die Taktik und Organisation angeht, stütze ich mich vorzugsweise auf das österreichische Standardwerk, Band 1[8].

Schwieriger wird es bei den Uniformen. Von beispielsweise der deutschen Übersetzung von Haythornthwaites Osprey-Bänden zur österreichischen Armee[9] halte ich wenig. Teils wegen der mangelhaften bis unbrauchbaren Übersetzung, teils weil sich der Autor offenkundig vorzugsweise auf historistische Illustrationen (v.a. Ottenfeld) als Quelle stützt. Da bevorzuge ich doch die Bilder von Gudenus und David Morier. Gudenus ausgezeichnete Tafeln sind immer noch antiquarisch verfügbar, zeigen aber die österreichischen Truppen unter Prinz Eugen 1734 im Lager von Heilbronn[10]. Moriers Bilder findet man zum Teil in Farbe auf der Homepage der Royal Collection[11]. Doch zeigen Moriers Gemälde die Armee in den Niederlanden 1748[12]. Vor allem bei den ungarischen Regimentern, Legionen genannt, war das Erscheinungsbild 1743 bis 1745 noch ein völlig anderes. Gerade für Prinz Karl von Lothringens Feldzug im Elsass 1744 spielten sie wie Forgàchs Regiment bei Weißenburg eine herausragende Rolle. So muss man viel zwischen beiden Quellen „interpolieren“ wie der Vermesser sagen würde. Oder man nutzt eher unbekanntere Abbildungen wie das schöne Gemälde auf der Veste Oberhaus in Passau[13].


Regarding the tactic and organization, I’m relying on the first volume of the Austrian standard work[8].

The uniforms are more difficult. For example I think little of the German translation of Haythornthwaite’s Osprey volumes about the Austrian army[9]. That’s partly because of the defective up to useless translation, partly because the author relies obviously preferably on illustrations from the period of historicism (mainly by Ottenfeld) as his source. I prefer the contemporary pictures by Gudenus and David Morier. Copies of Gudenus’ excellent panels are still available on the secondhand in Bleckwenn’s book. However they show the prince Eugen’s Austrian troops during the camp at Heilbronn in 1734[10]. Morier’s paintings you may find partly in colour on the homepage of the Royal Collection[11]. But Morier’s tableaus show the army in the Low Countries in 1748[12]. Especially the Hungarian regiments, named legions, the appearance was very different from 1743 to 1745. They had a special importance for prince Charles of Lorrain’s campaign in the Alsace in 1744 – for example the regiment Forgàch at Weißenburg had an outstanding role. Therefor you have much to interpolate as the surveyor would call it. Or you may use more unknown pictures like the very nice painting at the Oberhaus fortress in Passau[13].   


Figuren für eine Tabletop Armee sind entsprechend problematisch im Maßstab 1/72. Ich wüsste beispielsweise keinen Hersteller für frühe ungarische Infanterie. Die Produzenten Revell und HäT hatten sich für den Siebenjährigen Krieg entschieden. Der Uniformschnitt weicht zu dem von 1741-47 erheblich ab, vor allem wenn man sich auf Gudenus stützt, teilweise aber auch zu Morier. Viele Infanterieregimenter waren noch ohne Rabatten. Es gab noch eigentümlich preußisch anmutende Aufschlagformen wie 1734 bei Merulli. Zum Teil muss man darüber hinwegsehen. Teils habe ich aber auch die Miniaturen für meine Einheiten erheblich verändert, manchmal auch mit Greenstuff bearbeitet. Die Bandbreite der von mir verwendeten Hersteller ist enorm: Germania, Revell, HäT, Zvezda, Orion, Art-Miniaturen, Strelets. Bevorzugt benutze ich Plastikfiguren. Ungern klebe ich Gliedmaßen an. Manche Hersteller produzieren wunderschön detaillierte Miniaturen, die aber fürs Tabletop, wo man sie immer wieder anfasst, nicht zu gebrauchen sind. Passende Artillerie stellt keiner dieser Hersteller her, nur Geschütze nach dem System Liechtensteins.


Figures for wargaming armies are problematic for the 1/72 scale. For example I don’t know a manufacturer for early Hungarian infantry. The producers Revell and HäT clearly had decided for the seven years’ war. The cut of the uniforms from 1741-1747 is very different; especially if you use Gudenus as your primary source, but even if you are using Morier. Many of the infantry regiments didn’t had facings. There were still strange and Prussian like cuffs in 1734 as the Merulli regiment had them. Partly you have to ignore these aspects. Partly I changed the appearance of the miniatures using green stuff. The number of manufactures I used is fairly spectacular: Germania, Revell, HäT, Zvezda, Orion, Art-Miniaturen. I prefer plastic figures. I glue limbs, weapons and arms reluctantly on the figures. Some manufacturers produce very nicely detailed miniatures, which are useless for the wargaming, because you touch them too often while gaming. No manufacturer offers suitable artillery – only Liechtenstein’s system.


Alles von der Seite der Grenadiere - everything from a different angle (Foto: André Hanselmann).



Die österreichische Armee ist durch den Facettenreichtum an Truppen von den wild anmutenden Parteigängern Franz von der Trencks bis hin zu den geachteten Kürassieren und Grenadieren geprägt. Der zeitgenössische Ruf der österreichischen Armee war gut und noch Dr. Bleckwenn attestierte für „die ganze Armee“ sie habe sich 1740 bis 1748 „geradezu glänzend und erfolgreich“ für Maria Theresia geschlagen[14]. Die Österreicher vermochten auch ohne tiefgreifende Reformen in den 1740ern wiederholt vor allem die französischen und spanischen Armeen teilweise überraschend deutlich zu schlagen (Piacenca 1746). Der Feldzug im Elsass ist ein klares Zeugnis der taktischen Überlegenheit eines Traun gegenüber Coigny auf der einen und der Schlagkraft der österreichischen Truppen gegenüber den französischen auf der anderen Seite.


The Austrian army is shaped by the richness of facets from wildly appearing light troops under Franz of Trenck up to the widely respected cuirassiers and grenadiers. The contemporary reputation of the Austrian army was well and even Dr. Bleckwenn attested for the “whole army”, that the army fought “virtually well and successful” for Maria Theresia[14]. The Austrians were able to beat especially French and Spanish armies surprisingly clearly (Piacenca 1746 for example) repeated during the 1740s even without reforms. The campaign in the Alsace is a good testimony of the tactical superiority of Trau over Coigny on one side and the striking power of the Austrian troops over the French on the other side.


Bei der Zusammenstellung meiner Tabletop-Armee habe ich versucht alle Bestandteile des österreichischen Heeres wider zu spiegeln. Bei dem Generalstab habe ich mich an Porträts orientiert, die ich im Internet, vor allem auf der Homepage kuk-wehrmacht[15], gesehen hatte. Das Problem bei vielen Porträts ist eine fehlende exakte Datierung. Eigentlich hat sich eine dezidierte Generalsuniform in der österreichischen Armee erst nach dem Krieg etabliert. Zuvor trugen Generäle oft, was sie wollten oder die Uniform des Regiments, dessen Inhaber sie waren. In Schlachtbeschreibungen etwa der Schlacht bei Simbach tauchen auch bisweilen Obristen wie Graf Thürheim als wichtige Befehlshaber in Schlüsselrollen auf[16]. In Ordres de Bataille findet man Namen der Befehlshaber und kann so ihre Porträts suchen. Es wäre hier auch naheliegend ein bisschen die internationale Diversität innerhalb der habsburgischen Armee widerzuspiegeln - etwa den hohen Anteil von Italienern noch in dieser Zeit[17].


I tried to reflect all those components of the Austrian army, when I was building up my wargaming army. Regarding the staff I orientated myself using portraits from the internet, especially from the kuk-wehrmacht Homepage[15]. The absent dating of many portraits is a real problem. Actually a real general’s uniform was established just after that war. Before the generals had what they preferred or the uniform of their own regiment. In descriptions of some battles colonels (Obrist) appear as commanders in key roles like count Thürheim at Simbach[16]. You may find the names of the leaders in the orders of battle and may search than for portraits. It would be obvious to reflect the international diversity within the Habsburg army – for example the high percentage of Italians during this period[17].





Meine Oberkommandierenden - my commanders (Foto: André Hanselmann)



Dienstag, 31. März 2020

Straßenbau im 18. Jahrhundert - road building during the 18th century

Bauen im 18. Jh. (Teil 1) - Straßenbau - Building during the 18th century (part 1) - road building.




Auch wenn wir noch nicht wissen wie es dieses Jahr mit den Veranstaltungen weitergeht, habe ich die Absicht Inhalte zur diesjährigen Anno-Domini-Veranstaltung zu veröffentlichen.


Warum haben wir das Thema Bauen 2020 im Fokus?

Die würzburgischen Übergriffe auf das Steigengasthaus an der Roten Steige haben etwas irgendwie Destruktives an sich. Hier sollte letztlich effektiv die wirtschaftliche Lebensgrundlage der Wirtsfamilie Kircher zerstört werden. Allerdings wurde die Bautätigkeit am Steigengasthaus durch Johann Martin Kircher und seine Arbeiter fortgesetzt und schließlich abgeschlossen.

Daneben gab es konkret direkt vor der Haustür des Steigengasthauses 1749 eine große Baustelle. Die Ausbesserung der breiten Straße, welche von Michelfeld über die Steige hinauf nach Bubenorbis und dann weiter nach Mainhardt führte, was sicherlich auch für das Steigengasthaus von einer gewissen Bedeutung.   


Although we don’t know how this year will continue regarding the events, nevertheless I have the inclination to offer you more about the topics of our Anno-Domini-event for 2020.
The raids of the Würzburg troops on the inn at the Red steep track had a somehow destructive component. Indeed the economic base of the life of the family Kircher, which was the host of the inn, was to be destroyed effectively. However the building process at the tavern was finalized by Johann Martin Kircher and his workers.
Besides there was directly in front of the door of the deep track tavern (Steigengasthaus) a large construction site in 1749. The repair of the wide road, which led from Michelfeld over the steep track up to Bubenorbis and than further to Mainhardt, certainly had some importance for the tavern at the steep track.



Der Straßenbau im 18. Jahrhundert ist ein ungemein komplexes Thema. Durch meine beruflichen Erfahrungen habe ich den Eindruck, dass man schon eine Menge wissen muss, um beispielsweise den Neubau einer Chaussee korrekt darzustellen. Der Artikel in der Enzyklopädie von Krünitz zum Thema Landstraße, der auch konkrete Details zum Straßenbau, der Ausbesserung von Straßen und zahlreichen regionalen Vorschriften enthält, ist mit etwa 890 Seiten[1] entsprechend umfangreich. Sehr anschaulich sind die vielen Abbildungstafeln in dieser Abhandlung.

Deswegen will ich mich auf die Ausbesserung von Straßen speziell im Schwäbischen Reichskreis konzentrieren[2]. Denn 1749 fanden im gesamten Kreis entsprechend den Beschlüssen auf dem Ulmer Kreistag umfangreiche Bauarbeiten am Straßennetz statt. Was Krünitz noch 1794 über den schwäbischen Kreis schrieb, hat offenbar auch schon 45 Jahre zuvor Gültigkeit gehabt:

„In dem Württembergischen, Badischen, Anspachischen, Bayreuthischen, Würzburgischen, und allen übrigen Ländern des schwäbischen und fränkischen Kreises, beschäftigt man sich eifrig mit der Wege-Ausbesserung, und setzt die Wege nach Oesterreich, Böhmen, Bayern, Sachsen, Vogtland und dem Rhein, zur Aufnahme des Handels, in fahrbaren Stand.“[3]

Der umfangreiche Wegebau im schwäbischen Kreis ist auch vor dem Hintergrund eines zunehmend dichteren Fahr- und Reitpostnetzes plausibel. So wurde beispielsweise 1745 ein Felleisen zwischen Frankfurt und Augsburg über Wiesloch, Heilbronn, Cannstatt und Ulm eingerichtet. Dienstags und samstags gingen auf der Strecke von Cannstatt nach Nürnberg und Dienstag und Freitag in der entgegensetzten Richtung Postreiter ab. Daneben wurden 1744 auf den wichtigsten Verkehrsstrecken tägliche Verbindungen, sogenannte „Journalièren“ eingeführt[4]. Der Anstieg der von der Reichspost betriebenen Strecken im heutigen Baden-Württemberg während des 18. Jahrhunderts war enorm. Hatte diese 1730 bereits 2.484 km reitende und 214 km fahrende Post betrieben, so waren es bis 1803 4.036 km reitende und 1.781 km fahrende Post. Allerdings muss man bei letzterer berücksichtigen, dass im Laufe der Zeit keine württembergischen Landkutschenkurse mehr eingerichtet wurden, welche von der Reichspost kompensiert werden mussten[5].
Ein Kuriosum: eine Postreiterin, hier auf einer der zahlreichen Schützenscheiben im Hällisch-Fränkischen Museum Schwäbisch Hall. Man bemerke rechts auf der Scheibe einen der Landtürme (Schützenscheibe von 1750 im Hällisch-Fränkischen Museum Schwäbisch Hall).
Something curious: a female post rider, here to be seen on one of those many shooting Targets at the Hällisch-Fränkische Museum in Schwäbisch Hall. Please note the landtower on the right of the target (Shooting target from 1750 in the Hällisch-Fränkisches Museum)

The road building during the 18th century is a rather complex topic. Through my professional experience I have the impression that you have to know a lot, if you want to recreate for example the new building of a “chaussee”. The article in the encyclopedia by Krünitz about the country road includes exactly details about the road building, the repair of roads and many local regulations about that topic and is very extensive with ca. 890 pages! The bunch of illustrating tables in this article is very helpful to visualize the whole thing.

Therefore I want to focus very closely on the repair of roads especially in the Swabian Circle. In 1749 there were many large road building projects following the decisions of the diet of the Swabian Circle at Ulm. Therefore it’s very obvious that the same was already true, which Krünitz wrote 45 years later in 1794 about the Swabian Circle:

“Within the Wurttemberg, Baden, Ansbach, Bayreuth, Würzburg and all other territories of the Swabian and Franconian Circle many are eagerly occupied with the repair of the tracks and they are concerned about to get the tracks to Austria, Bohemia, Bavaria, Saxony, Vogtland and the Rhine in good condition for trading.”

The large road building within the Swabian Circle is plausible before the background of a growing and closer driving and riding imperial post network. In 1745 for example the fur iron (post sack) between Frankfurt and Augsburg over Wiesloch, Heilbronn, Cannstatt and Ulm was installed. On Tuesday and Saturday the post riders started on the route from Cannstatt to Nuremberg and on Tuesday and Friday in the opposite direction. Besides daily connections were introduced on the most important travelling routes in 1744, which were named “Journalièren”. The increase of the routes used by the imperial post within today Baden-Wurttemberg was enormous during the 18th century. There were 2.484 km of riding and 214 km of driving post in 1730 and 4.036 km of riding and 1.781 km of driving post until 1803. Although you have to note that during that period no more Wurttemberg country coach routes were installed, which the imperial post had to compensate.      

Montag, 16. März 2020

Veranstaltung im April abgesagt - our event in April has been canceled

Liebe Leser dieses Blogs. Ich muss euch leider mitteilen, dass unsere diesjährige April-Veranstaltung (18.-19.04.2020) vom Museum abgesagt wurde[1]. Deswegen werde ich vorerst nichts zum Thema Dreißigjähriger Krieg hier veröffentlichen. Es hätte ein paar Themen etwa wie Preise für mein fiktives Wirtshaus, wo die Söldnerszenen geschehen wären, und auch einfach das Spektrum an glaubhaften Münzen gegeben.
Stattdessen werde ich tiefer in die Themen für unsere August-Veranstaltung einsteigen. Auch wenn wir nicht wissen, was aus dieser wird, werden es Aspekte sein, die auch künftig für unsere Leser und die Teilnehmer unserer Events und die Besucher gleichermaßen interessant sein dürften.





Dear readers. I have to inform you, that our event in April (April 18th-April 19th 2020) was canceled. Therefore I will not post more about the Thirty-years war here. The contemporary prices would be very interesting for my fictional tavern, where the scenes with our mercenaries would have taken place.
Instead I will dig deeper into the topics of our August-event. Although we don’t know, what will happen to that event, these will be aspects which will be interesting for our participants, our visitors and our readers as well anyway.


Text: André Hanselmann


[1] Mehr Infos unter https://www.wackershofen.de/museum-geschlossen/

Donnerstag, 12. März 2020

Review – Miniaturen von Lukas Fischer/Miniatures by Lukas Fischer


Review – Miniaturen von Lukas Fischer/Miniatures by Lukas Fischer

Der Beitrag enthält Werbung. / The post includes advertising.


English text below

Heute gibt es mal etwas Neues. Die Leser unseres Blogs haben ja schon erfahren können, dass ich mich auf ganz verschiedene Weise der Geschichte nähere. Das Hobby Tabletop ist so ein Zugang. Obwohl ich mich ursprünglich auf die Armeen Österreichs und Frankreichs mit dem Hintergrund der Belagerung von Freiburg [1] und dem vorhergehenden Feldzug konzentriert habe, war irgendwann das Jahr 1743 allzu verlockend und dann kommt man auch um die Schlacht bei Dettingen nicht herum. Dazu hatte ich auch dann für das Regelwerk HoW (Honours of War) nach bestem Wissen und Gewissen nach meinem Kenntnisstand ein Szenario verfasst. Bald soll von McNally ein Buch mit dem modernen Forschungsstand bei Osprey erscheinen[2].

Unser Dettingen-Spiel 2019, Briten von RedBox in der Bildmitte links - our Dettingen-game in 2019, British by RedBox in the middle of the picture at the left.


Nichts war also naheliegender als eine britische Armee aufzubauen, welche bei der Infanterie überwiegend auf die beiden Sets von RedBox 72049 und 72050 fußen.

Lukas Fischer, der sich auf 3-D-Rekonstruktionen spezialisiert hat, produziert nun selber Plotfiles für Modellfiguren der britischen Linieninfanterie[3], wobei man auch ausgeplottete Minis bestellen kann. Ich habe nun einige Figuren zugesendet bekommen und Gelegenheit gehabt sie mit meinen bereits vorhandenen Minis zu vergleichen. Der Vorteil beim 3D-Druck ist natürlich, dass man die Figuren in beliebigen Maßstäben ausgeben kann.

Vergleich, Highlander von RedBox 72050 links und Briten von Lukas Fischer Rechts unbemalt - Comparison, highlander by RedBox 72050 left and British infantry by Lukas Fischer at the right.

Hier sieht man nun ein paar Beispiele. Im Vergleich zu RedBox fällt auf, dass Details weniger deutlich herausstechen. Knöpfe und Schnallen müssen in meinem Maßstab (1/72) gemalt werden und die Miniaturen geben nicht so deutliche Anhaltspunkte. Aber daran bin ich gewohnt. Die Proportionen ähneln eher dem Stil vieler Revell-Sets und entsprechen meines Erachtens eher dem Real-Scale, während die RedBox-Figuren eher große Köpfe, Hände und dickere Gliedmaßen haben. Die Ausrüstung ist bei den RedBox-Figuren leichter identifizierbar. Die Figuren von Lukas Fischer haben auch generell eine völlig andere Ausstattung, die auf die minimale Ausrüstung mit Muskete, Seitenwaffe und Patronentasche beschränkt ist. Dabei ist allerdings nicht ganz sicher, ob nicht im 18.Jh. teilweise ein Teil der Ausrüstung ohnehin vor der Schlacht zurückgelassen wurde, was das Fehlen der Tornister zum Beispiel plausibel machen würde. Von den Posen her erinnern die Figuren stark an zeitgenössische Kupferstiche. Ein Vorteil gegenüber dem RedBox Set 72049 ist das Vorhandensein der Pose des kniend feuernden Soldaten.

Das Material ist sehr hart, ganz anders als bei Figuren etwa von HäT oder RedBox. Bei den hier von mir bemalten Figuren ist bislang nichts abgebrochen.

Die Figuren vor dem Schattieren und eine Figur mit Grundierung - figures before shading and one figure with shouldered musket with primer.

Ich habe meine Miniaturen als 1st Foot Guards bemalt. Die Details der elaborierten Uniform dieser Einheit wie die doppelte Reihe von Borte auf den Aufschlägen vermochte ich beispielsweise nicht zu malen. Mag aber auch am mangelnden Talent oder falschen Pinseln meinerseits liegen.  

Als Gegenüber der Gardes Francaises etwa bei Fontenoy in der berühmten und von Voltaire erwähnten Situation sind die Foot Guards einfach beinahe ein Muss für den Sammler bzw. Spieler.
Mein King's Regiment (8th) ausschließlich aus Figuren von RedBox set 72049 - my King's or 8th Regiment, only figures by RedBox 72049.

Meine 1st Foot Guards noch ohne Grenadiere und Fahnen - my First Foot Guards without grenadiers and colours.

Insgesamt gefallen mir die Modelle als Ergänzung meiner Sammlung. Ich mische ganz ungeniert Miniaturen unterschiedlichster Hersteller (wie etwa Zvezda und Revell) innerhalb einer Einheit und habe daher auch keine Probleme damit diese Figuren neben meinen RedBox-Figuren einzusetzen. Eine Base fehlt noch zu meiner kompletten Einheit, die am Ende 6 Basen haben wird, da ich bislang noch keine Figuren für Fahnenträger und Grenadiere bekommen habe.

Von der Ästhetik her ist es ja immer Geschmackssache. Ich mag die Minis, auch wenn sie eher starr wirken. Aber in der Gruppe machen sie einen irgendwie imposanten Eindruck.

 
Mehr Details vom Offizier und Trommler - a more detailed view on the officer and drummer.


Freitag, 6. März 2020

Historiker von nebenan mit Günter Schneider - historians alongside with Günter Schneider


Ich möchte hiermit eine kleine Serie von Interviews mit mir bekannten Historikern, Archäologen und anderen Wissenschaftlern oder Autoren starten, die ich über die letzten Jahrzehnten kennengelernt habe.

Beginnen will ich mit Günter Schneider, der durch mehrere Publikationen mit dem Schwerpunkt auf den ersten Koalitionskriegen auf sich aufmerksam gemacht hat. Ich kenne ihn selber schon seit langer Zeit, da er einige Jahre auch Mitglied der Darstellungsgruppe 22e demi-brigade gewesen ist. In dieser Zeit hat er mir mit seinem profunden Wissen und Interesse zu der Zeit der Französischen Revolution immer imponiert und ich erinnere mich an zahlreiche schöne Abende am Lagerfeuer. Später war er auch schon mehrfach Teilnehmer von Veranstaltungen unserer Anno Domini-Reihe in Wackershofen.

Studiert hat Günter Schneider unter anderem Geschichte und ist als Geschichts- und Französischlehrer sowie als Buchautor tätig. Eines seiner Bücher behandelt die Schlacht bei Hohenlinden[1] und das andere, das ich jedem, der sich für die Epoche begeistern kann, ans Herz legen möchte, den Feldzug der Franzosen 1794 in den Niederlanden und am Niederrhein[2].

I want to start here a small series of interviews with historians, archeologists and other scientists or authors, with whom I became acquianted during the last decades.
I want to comence with Günter Schneider, who has made a name of himself with several publications with the main focus on the Coalition wars. I know him since a long time, because he was a member the reenactment-group 22e demi-brigade for several years. During this time his profund knowledge and interest in the period of the French Revolution was always very impressive for me. I remember very well all these many nice evenings at the campfire. Later he was a participant on several Anno-Domini events at Wackershofen.
Günter Schneider studied history and is a teacher for German and French and an author. One of his books covers the battle of Hohenlinden[1] and the other, which I want recommend to everybody who has an interest in the period, covers the French campaign in the Netherlands and at the Lower Rhine in 1794[2].




Günter Schneider als mein Knecht Tillmann auf einer unserer Anno-Domini-Veranstaltungen - Günter Schneider as Tillman, my farmhand on one of our Anno-Domini-events.


Donnerstag, 27. Februar 2020

Pfaffenhofen 1745 Teil 4 / part 4


Batthyány konnte es freilich nicht zulassen dem französischen Abzug seelenruhig zuzuschauen. Feldmarschallleutnant Mercy war zu langsam, um noch irgendetwas auszurichten und so griff er zu seinen gerade noch verfügbaren Einheiten. Rupelmondes Rückzug musste Einhalt geboten werden. So befahl Serbelloni seinen armen Kürassieren erneut anzugreifen, aber diesmal in Infanterie hinein. Der Kampf war hitzig und wogte hin und her. Serbelloni selbst stürzte verwundet vom Pferd. Seine Kürassiere wurden in die Flucht geschlagen.

Unterdessen hatten die Husaren an Serbellonis Flanke Maréchal de Camp Rupelmonde gefangen genommen und hinter die Linien abgeführt.


Serbelloni dreht durch - Serbelloni becomes mad.



Naturally Batthyány could not allow himself to look quietly how the French retreat went on. Feldmarschalleutnant Mercy was too slowly to achieve anything. Therefor Batthyány used his units, which were near enough. It was important to prevent Rupelmonde’s retreat. Serbelloni ordered his poor cuirassiers to renew their charge, but now they had to attack infantry. The fighting was intense and waltzed forward and backward. Serbelloni fell from his horse. His cuirassiers were routed.

Meanwhile the hussars at Serbelloni’s flank had captured the Maréchal de Camp Crussol and brought him behind the lines.  




Rupelmonde wird von Husaren abgeführt - Rupelmonde was captured by Austrian hussars.



Selbst die selbstständig kämpfenden Panduren griffen nun an. Tatsächlich brachte mich dieser Angriff fast in die Niederlage.

Rupelmondes übrige Bataillone aber stabilisierten die Lage.

Insbesondere die geschickterweise ganz links stehenden Bataillone des Regiments Royal Suédois schlugen mit ihren Salven den Gegner zurück.


Französische Infanterie verteidigt sich erbittert - French infantry defending themselves bitterly.





Die Franzosen feuern so gut sie können - the French are shooting as well as possible.



Even the independently operating pandours attacked now. That assault brought me very near to a total defeat.

But Rupelmonde’s other battalions stabilized the situation.

Especially the battalions of the regiment Royal-Suédois repelled their opponents with their volleys. They were very well positioned at Rupelmonde’s left wing.


Wieder ein glänzender Kampf des Royal-Suédois Regiments - again an excellent fighting of the Royal-Suédois Regiment.