Montag, 8. Mai 2017

Landleben 1617 - 22.-23.April 2017

Obwohl die offiziellen Programmpunkte nur am Samstag und Sonntag stattfanden, trafen die meisten Darsteller von uns bereits am Donnerstag ein, damit beispielsweise das Pferd Zeit zur Eingewöhnung hatte.
Although our official activities did only happen on saturday and sunday, most of us did already arrive on thursday. For example the horse needed some time to get used to the unusual surrounding.

 
Als ich an „meinem“ Haus eintraf, hatte ich das Glück, dass eine meiner Mägde bereits dabei war. Gegen Abend hatten wir uns schon soweit in der Kammer neben der Stube eingerichtet, dass wir in Ruhe unseren Stallknecht Stefan und unsere zweite Magd warten konnten. Ich rief sie fortan einfach nur Kleinmagd rief, da sie erstmals dabei war. Folglich war Katharina die Großmagd, wenngleich dem Alter nach die jüngste Magd. Ich war froh, dass ich somit bereits rasch drei von meinen 5 Leuten vom Gesinde des Hauses beisammen hatte, denn etwa gleichzeitig mit dem Stallknecht kamen auch schon der Reisende und seine Frau.
When I arrived at „my“ house, I was lucky to have one of the maids already with me. In the evening we had the chamber next to the parlour ready and could wait relaxed for the groom and another maid. I did call her „Kleinmagd“ (literally „small maid“, this was how the youngest of the farmmaids was called) as it was her first reenactment event. I was so happy that I had already half of the houses staff! At the same time the „traveller“ with his wife did arrive.

Am nächsten Tag war ich als erster auf. Machte mich rasch ans Feuermachen und trompetete meinen Stallknecht mit einem just dazu komponierten Liedlein aus den Federn. Das Feuer prasselte bereits lustig, als unsere Großmagd ihre schöne Frisur mit den zwei Zöpfen fertig hatte, die allerdings ohnehin unter der feinen Haube versteckt wurde. Nach einem leichten Frühstück, verlegte der Lehrer seinen Unterricht vor das Haus, weil es draußen viel wärmer als drinnen war. Immerhin gab es ja schon meine Tochter im Hause und auch die Mägde konnten etwas dazu lernen im Schreiben sowie Lehre im Katechismus gut vertragen.
The next day, I was the first to get up. I lighted the fire and woke up the groom with a little song I thought of especially for this purpose. The fire was already crackling, when our „Großmagd“ had her hair done at last in two beautiful braids that were hidden emidiatly under her dapper cap. After a light breakfast, the village teacher (me) did hold a lesson in front of the house, because it was warmer outside than inside. My own daughter was the only child present yet, but it would also do the maids no harm to polish their skills in writing and the cathecism.

Erstmals ein bisschen Dorfschule Anno 1617 vor dem Haus.
 - School for the first time in front of the house.
 

Sonntag, 5. März 2017

Recherchen im Stadtarchiv und beeindruckende Ergebnisse / Research in the local archive and stunning results

In diesem Jahr soll auf unserer Veranstaltung im April ja der Unionstag von Schwäbisch Hall ein bisschen im Fokus stehen. Aus dem Anlass habe ich im letzten Oktober im örtlichen Archiv Recherchen betrieben.

Angesichts der langen Zeit wie sich damals die Gesandtschaften verschiedener Staaten in Schwäbisch Hall aufhielten, ist es doch sehr wahrscheinlich, dass dieses Großereignis einigen Einfluss auf die Landbevölkerung hatte. Zahlreiche Fürsten und Grafen werden in den Furierzetteln von 1609/10 erwähnt, die sich heute noch im Stadtarchiv von Schwäbisch Hall finden. Als am herausragendsten unter den Gästen sind sicherlich die Kurfürsten von Brandenburg und der Pfalz mit ihrem zahlreichen Gefolge zu nennen. Hunderte von Personen befanden sich in der Entourage der hohen Herren, vom Edelmann bis zum Schneider. Hier wurde große Politik gemacht, es fehlte aber auch nicht an Lustbarkeiten, welche den adligen Gepflogenheiten Rechnung trugen wie ein „Ringel-Rennen“. Ja, in Schwäbisch Hall wurde beinahe über das Schicksal Europas entschieden. Peter Milger zitiert einen Zeitgenossen, der im Februar 1610 an den französischen König schrieb: „Wir sind bei dem Augenblick angelangt, welcher die Geschicke des Hauses Österreich entscheidet.“ Alles deutete auf einen großen Krieg hin. Frankreich wollte 34.000 Mann entsenden, auch die Union wollte nicht zurückbleiben und schickte ebenfalls Truppen in den Streit um Jülich.
Schauplatz des Ganzen war die damals bedeutende Reichsstadt Schwäbisch Hall. Leider konnte ich keine zeitgenössischen Darstellungen von dem Treffen finden. Dafür ist mir etwas aufgefallen, das mir früher bei meinen Besuchen der Stadt immer entgangen ist, auch wenn ich schon desöfteren durch das Weiler Tor gegangen bin. An einem Türmchen findet sich die Jahreszahl „1617“ – wie passend, da wir dieses Jahr unsere April-Veranstaltung unter das Motto „Landleben 1617“ stellen. Sicherlich entsannen sich die Untertanen von Schwäbisch Hall des großen Unionstages von 1610, als im nahen Heilbronn ebenfalls 1617 eine solche Versammlung stattfand. 

Ein Turm nahe dem Weiler Tor. A small tower near the Weiler Tor.

Dienstag, 31. Januar 2017

Zum Weiterlesen / Blogs of interest

Heute möchten wir euch ein paar Blogs vorstellen, die wir ganz interessant finden, wenn man über unsere Zeit recherchieren will.

https://warsoflouisxiv.blogspot.de/

Dieser englische Blog beschäftigt sich mit der Zeit des englischen Bürgerkrieges bis hin in die Mitte des 18.Jh.. Der Blogger hat bereits zur Schlacht bei Sedgemoor publiziert und wirkt seit langem bei The Sealed Knot mit.
Man findet dort zahlreiche Abbildungen aus dem 17./18. Jh. sowie Hinweise zur Reenactmentszene in Großbritannien mit ihren zahlreichen Veranstaltungen.

Sehr interessant ist auch https://kriegsbuch.blogspot.de/#!/
Ein Blog, der sich mit so spannenden Aspekten des Dreißigjährigen Krieges wie dem Gelände bestimmter Schlachten beschäftigt. Hier erfährt man seltene Details.

Today we start to publish some postings in english, which we found interesting and helpful, if you want to research our period.
We'll begin with blogs, that we thought to be of intrest:

https://warsoflouisxiv.blogspot.de/
is an good example. This english blog offers much information about the time of the english civil war and the early to mid 18th century. The blogger had published a book about the battle of Sedgemoor and was a member of the Sealed knot for a long time.
You may find there many pictures of the 17th and 18th century and anouncements about the reenactment in UK. 

Very interesting too: https://kriegsbuch.blogspot.de/#!/
You will find many rare details about the 30 years war in this blog. 

Sonntag, 8. Januar 2017

Landleben 1616, 16.-17. April 2016

Das erste Mal wagten wir uns vergangenes Jahr auf eine Zeitreise ins 17.Jahrhundert. Es gibt keinen geeigneteren Ort im Museum das zu tun, als im Haus aus Zaisenhausen. Dieses wurde mit einem bäuerlichen Haushalt bestehend aus einem Bauern (ich), seiner Familie, einem Knecht, zwei Mägden und Kindern probiert. Es gab zwar kein konkretes Programm, aber wir hatten uns ein bisschen was vorgenommen. Wir durften einen Weidenzaun ausbessern und ich hatte mir insbesondere zum Ziel gesteckt eine Stange für einen Spieß vorzubereiten.



Die Reisenden in ihrer prächtigen Kleidung vor unserem schönen Haus.Im Hintergrund: ich und die beiden Mägde.

Samstag, 3. Dezember 2016

Viehmarkt 1756 - 19.-21.August 2016

Dieses Jahr hatten wir uns mit dem Viehmarkt einen besonders großen Brocken vorgenommen, der viel Aufwand bedeutete. Sämtliche Gunkels nächtigten nun im Haus aus Zaisenhausen.

Ein neuer Modus sollte gewährleisten, dass diesmal alle Darsteller ab Freitags 9 Uhr bis Sonntags 18 Uhr anwesend sein sollten.

Der Freitag wurde vom Regen des Vortages überschattet, welcher die Heuernte um 11 Uhr leider ausfallen ließ. Dafür gelang es uns rascher als erwartet die Koppel für den Viehmarkt auszubessern. Wir das waren die beiden Gunkels und mein Knecht sowie Paul, der neue Jäger. Die beiden letzteren schmückten anschließend die Eingänge der Koppel, während wir uns um anderes kümmerten.
Am Morgen hatte ich mich schon mit dem Schultheißen Kaiser ausgetauscht welche Passagen er bei der Gemeindeversammlung vorlesen sollte. Tatsächlich erschienen zahlreiche Männer zur Einteilung der Gemeindewache, auch der Winter, der später ein sonderbares Schicksal haben sollte. Leider konnten wir nicht die Steinschlossflinten vorführen, auch wenn diese als Bewaffnung der Dorfwachse sicherlich plausibel gewesen wäre.
Gegen 4 wurde vor dem Steigenwirtshaus getanzt und dem Puffspiel gefrönt. Das machte wie gewohnt viel Laune. Zum ersten Mal seit langem durfte ich mit Marie, einer Magd des Hauses, tanzen.
Am Abend wurde die Fahne von mir mit Nägeln an die Stange geheftet und von der Magd Kathrina aus dem Schulmeisterhaushalt zuende genäht. Fahne schwingend zogen wir dann auf zum Gasthaus. Die Fahne ist nur ein aus Gelb und Rot zusammengenähtes Fähnchen, das am „Zollhaus“ zum Viehmarkt aufgesteckt werden sollte. Der Abend wurde trommelschlagend und gut gelaunt im Gasthaus beschlossen.

Die beiden Gunkelbrüder und einige Mägde vom Steigenwirtshaus beim Puff-Spiel.

Dienstag, 27. September 2016

Anno Domini 1765 – Bauernhochzeit“ 21.-23. August 2015


Im Herbst 2014 haben wir uns diesmal bei unserer Recherche ganz auf das Thema Bauernhochzeiten konzentriert. Wir haben dazu allerhand Hinweise in der Lands- und Dorfordnung von um 1700 sowie in einigen anderen Erlässen für das Land gefunden. Leider gingen diese Verordnungen und auch die zeitgenössischen Dokumente zum Beispiel Akten über verhängte Strafen im Zusammenhang mit den Hochzeiten nicht so sehr ins Detail wie wir uns das erwünscht hätten. Daher mussten wir uns zum Teil auch auf Beschreibungen zu Brauchtum in Schwaben verlassen (z.B. Jürgen Hohl: „Der Oberschwäbische Hochzeitslader“ in „Der Heimatpfleger“ 1/2001), selbst wenn es nicht ausdrücklich um das Territorium von Hall ging.
Als kleine Nebenthemen hatten wir auch die Feuerordnung. Der Amtmann des Amtes Rosengarten, Johann Ernst Mayer, hatte 1765 moniert, dass nur noch ein gedrucktes Exemplar vorhanden war. Die Feuergefahr war eine ständige Bedrohung in Stadt und Land wie zahlreiche Edikte aus der Zeit ebenso wie Berichte in Chroniken über Großbrände berichten. Gerade 1765 wurde in Schwäbisch Hall selber ein schrecklicher Brand glücklicherweise durch Geistesgegenwart knapp verhindert.
Ziemlich kurzfristig vor der Veranstaltung musste ich auch ein weiteres Thema finden, was mir auch mit der Straßenausbesserung m.E. recht gut gelungen ist. 1765 war Georg Heinrich Fellen, der Michelfelder Landtürmer, für die Wartung der Landstraße in der Gegend der Roten Steige zuständig. Wir hatten beschlossen fußend auf die Information vom 5. Januar 1737 ein paar Straßenausbesserungen vorzunehmen.
Schultheiß Gunkel packt selber an. Zuwucherndes Gestrüpp wird entfernt, der Straßengraben von hineingefallener Erde befreit, dass das Wasser wieder abfließen kann, statt die Straße zu überspülen.

Sonntag, 5. Juni 2016

"Anno Domini 1749 – Landfriedensbruch an der Roten Steige?“ Teil 3 22.-24.August 2014




Nachdem sich Amtmann und Amtsschreiber gut erholt hatten – der Amtsschreiber Brazen unterhielt bei Tisch den guten Amtmann allezeit mit seinen Ansichten ob der Universalhistorie – hörte man am Sonntag die Andacht, die vom Michelfelder Pfarrer zelebriert wurde. Dass hierin scheinbar auch auf die Person des Amtmannes abgezielt wurde, merkte sich dieser freilich. Einen Sanwald sollte man nicht reizen, der sitzt rascher als man denkt im Consistorium!

Der Pfarrer von Michelfeld bei der Predigt