Donnerstag, 3. April 2025

Die Achtung vor dem Amtmann - The respect for the bailiff (in 1775)

Es ist spannend wie penibel die Amtspersonen im 18. Jahrhundert auf ihre Würde achteten. So bestand man darauf, dass dem Amtmann die nötige Achtung entgegen gebracht wurde. Wir versuchen das auch auf unseren Veranstaltungen in unserem Verhalten widerzuspiegeln. Normalerweise findet man keine Vergehen, die sich gegen die Würde der Obrigkeit verging, was auch heißen kann, dass man früher nicht so akribisch darauf geachtet hatte. Es ist indessen auch nicht so, dass die Vertreter der Reichsstadt in der Fläche wie die Schultheißen selbst immer ganz vorbildlich sich verhielten. So habe ich in den Jahren meiner Recherchen schon einmal einen Schultheiß gefunden, der mehrfach straffällig wurde indem er einfach so Einwohner seines Dorfes mit seiner Flinte bedrohte und beschimpfte.

It is exciting how meticulously officials in the 18th century paid attention to their dignity. So it was insisted that the bailiff was shown the necessary respect. We also try to reflect this in our behavior at our events. Normally you don't find any offenses against the dignity of the authorities, which may also mean that they weren't so meticulous in the past. However, it is not the case that the representatives of the imperial city in the area, like the mayors themselves, always behaved in an exemplary manner. In the years of my research, I have already found a mayor who committed multiple crimes by simply threatening and insulting the residents of his village with his gun.

Der Amtmann 1763 im Steigengasthaus mit dem damaligen Pfarrer und seiner Frau. Bei Kirchenvisitationen speiste der Amtmann regelmäßig mit den Pfarrern in den Wirtshäusern in seinem Amt. - The bailiff in the tavern together with the vicar and his wife in 1763. At the occassion of the "Kirchenvisitationen" the bailiff regulary took his meal with the priests in the inns of his district. (photo: M. Paulick 2013)

 

Konkrete Beispiele findet man immer wieder in einer der besten Quellen zum Leben der Bauern untereinander und mit der Obrigkeit in Form der Amtsrechnungen. Die Häufung solcher Fälle von scheinbar gedemütigtem Stolz der Vertreter des Staates ist 1775 aber wirklich ungewöhnlich. Ich habe ja zuvor bereits viele Amtsrechnungen anderer Jahre durchgesehen. Ein Bauer aus Hegenau[1] beispielsweise trat am 25. Juli vor eine Deputation ohne seinen Hut abzuziehen, wobei es scheinbar allein schon schlimm genug war, dass er die „HeydStuben“ betrat mit Hut auf dem Kopfe. Der Bauer sollte 1775 1 fl. Strafe für diese „Grobheit“ bezahlen[2]

Concrete examples can always be found in one of the best sources on the lives of farmers among themselves and with the authorities in the form of official accounts. The accumulation of such cases of seemingly humiliated pride among state representatives is really unusual in 1775. I have already looked through many official accounts from other years. A farmer from Hegenau[1], for example, appeared before a deputation on July 25th without taking off his hat, although it was apparently bad enough that he entered the “HeydStuben” with a hat on his head. In 1775 the farmer had to pay a fine of 1 fl. for this “rudeness” [2].

 

Der Amtmann siegelt 1769 ein Schreiben. - The bailiff put his seal on a writing in 1769. (photo: C. Behnke, 2019)

Ebenso wollte auch ein Schultheiß keinen Schimpf auf sich sitzen lassen. So verklagte der Schultheiß des kleinen Dorfes Rieden einen Hans Jörg Weidner, ebenfalls von dort, der ihn damit beleidigt haben soll, dass er angeblich besser zum „Eselstreiber“ statt zum Schultheißen getaugt hätte[3]. Wenige Tage danach am 12. August verging sich auch ein Bauer, Jörg Adam Haug, aus Biebersfeld, welcher die Herrschaften in der Amtsstube geärgert habe indem er ohne anzuklopfen und mit dem Hut auf dem Kopf eingetreten sei[4]. Leider wird die Amtsstube nicht näher beschrieben und ich habe bislang nichts weiter darüber gefunden. Der Amtmann des Amtes Rosengarten selbst hatte auf dem Land keinen Amtssitz[5] sondern wohnten in den Mauern der Reichsstadt, wo sie bei Anliegen der Untertanen wie Anzeigen von Straftaten scheinbar in ihrer Privatwohnung aufgesucht wurden.

Beleidigungen mit groben Worten wurden aber härter geahndet. Ähnlich wie es dem Riedener Schultheiß ergangen war, wurden auch die beiden Schultheißen [6] von Uttenhofen und auch der dortige Wirt Seckel durch Friedrich Zörn "elende Tropfen" genannt, wofür Zörn immerhin 3 fl. Strafe zahlen musste [7].

Likewise, a mayor (Schultheiß) did not want to endure any insults. The mayor of the small village of Rieden sued Hans Jörg Weidner, also from there, who is said to have insulted him by saying that he would have been better suited to be a “donkey driver” instead of a mayor[3]. A few days later, on August 12th, a farmer, Jörg Adam Haug, from Biebersfeld, also committed himself because he annoyed the people in the office by entering without knocking and with his hat on his head[4]. Unfortunately, the office is not described in more detail and I have not found anything further about it so far. The bailiff of the Rosengarten office himself did not have an official residence in the countryside[5] but lived within the walls of the imperial city, where they were apparently visited in their private apartment if their subjects had concerns such as reporting crimes.

However, insults with harsh words were punished more severely. Similar to what happened to the Rieden mayor, the two mayors [6] of Uttenhofen and the local innkeeper Seckel were called "miserable drops" by Friedrich Zörn, for which Zörn had to pay a fine of 3 fl. [7].

Sonntag, 16. März 2025

Fuhrleute 1775 - Carters in 1775

 

Das Thema der Fuhrleute hat uns nebenbei dieses Jahr bei der Recherche wegen dem Salzhandel interessiert[1]. Ganz überwiegend waren auch die Fuhrleute in der Reichsstadt selbst dies nur im Nebengewerbe[2]. Dennoch finden wir teils auch schon recht früh die Erwähnung von Begriffen wie Karrenmann wie für den 1561 erwähnten Hans Söldner[3]. Eine ähnliche Verknüpfung mit einem Hauptbroterwerb mit einer anderen Funktion kennen wir ja auch von den Metzgern, die in der Anfangszeit des Postwesens für dieses eine herausragende Rolle spielten[4]

The topic of carters also interested us this year when we were researching the salt trade[1]. The majority of the carters in the imperial city itself were only part-time businesses[2]. Nevertheless, we find the mention of terms such as "Karrenmann" quite early on, as for Hans Söldner, mentioned in 1561[3]. We also know a similar connection with a main source of income with a different function from the butchers, who played an outstanding role in the early days of the postal system[4].

Auch bei Regen ist ein Fuhrmann unterwegs wie bei uns 1771 auf unserer Veranstaltung. - The coachman is working in rain too for example in 1771 on our event. (photo: S. Winter, 2021)

 

Wir wissen wenig über das Leben der meisten Fuhrleute in Hall. Ein Fuhrmann namens Johann Georg Drescher, der in der Gelbinger Gasse wohnte, hatte 1775 in seinem Konkursverfahren immerhin 600 fl. hinterlassen[5]. Etwa um die gleiche Zeit verstarb der Karrenmann Johann Caspar Strobel, der sein Gewerbe mit einem alten Pferd und „zwei schlechten „Wägelen und Truhenkarren betrieben“ hatte. Immerhin besaß Strobel neben seinem kleinen Fuhrpark ein Haus am Spitalbach, auch eine Wiese und ein Garten[6]. Im Gegensatz zu den Karrenmännern verfügten die Fuhrleute über mehrere Pferde wie der Beisitzer und Fuhrmann Johann Georg Trescher, der 1755 immerhin 5 Fuhrpferde besaß nebst einem Wein- und einem Dungwagen. Deutlich wird sein ungleich größeres Vermögen auch durch eine kleine Scheune, die er neben einem Haus sein Eigen nannte, sowie eine Wiese und einen Acker. Zwei seiner Kinder konnten sogar das Bürgerrecht erwerben[7]. Insgesamt muss man aber sagen, dass die Fuhrleute eher zu den ärmeren Einwohnern der Stadt zählten. Viele waren nur Beisitzer und genossen nicht das kostspielige Bürgerrecht[8]

We know little about the lives of most teamsters in Hall. A carter named Johann Georg Drescher, who lived on Gelbinger Gasse, left behind 600 florins in his bankruptcy proceedings in 1775[5]. Around the same time, the cart man Johann Caspar Strobel, who had run his business with an old horse and “two bad carts and chest carts,” died. After all, in addition to his small fleet of vehicles, Strobel owned a house on Spitalbach, as well as a meadow and a garden[6]. In contrast to the cartmen, the carters had several horses, like the assessor and carter Johann Georg Trescher, who in 1755 owned at least 5 cart horses in addition to a wine cart and a dung cart. His much greater wealth is also made clear by a small barn, which he owned next to a house, as well as a meadow and a field. Two of his children were even able to acquire citizenship[7]. Overall, however, it must be said that the carters were among the poorer residents of the city. Many were only assessors and did not enjoy the costly citizenship[8].

 

Samstag, 1. März 2025

Die französische Armee des Österr. Erbfolgekrieges - The French army of the WAS p. 5

Die Kavallerie war die Waffengattung mit der höchsten Reputation in der Armee. Dabei war die Eigenwahrnehmung ganz offensichtlich eine vollkommen andere als die von außen. In zahlreichen Schlachten des Österreichischen Erbfolgekrieges hatte die Reiterei ein jämmerliches Schauspiel abgeliefert. Das betrifft nicht nur die kleineren Gefechte wie bei Grimbergen [1] sondern auch die großen Schlachten. Es gab verschiedene Versuche die Unterlegenheit der Schlagkraft der französischen Kavallerie zu beheben indem man die Angriffsformation änderte [2]. 

The cavalry was the branch with the highest reputation in the army. The self-perception was obviously completely different than that from the outside. In numerous battles during the War of the Austrian Succession, the cavalry put on a pitiful display. This applies not only to the smaller battles like at Grimbergen [1] but also to the major battles. There were various attempts to remedy the inferiority of the French cavalry by changing the attack formation [2].

Meine Cavalerie Légère und Gendarmes. - My Cavalerie Légère and Gendarmes. (photo: A. Hanselmann, 2025)

Ebenso umstritten war der Einsatz der Feuerwaffen auch im Kampf gegen gegnerische Reiterei. Dabei sieht man, dass es bei den Eliteeinheiten der Maison du Roi - den Gendarmes und Chevaulegers de la Garde keine Karabiner gab. Die Herkunft der Angewohnheit lediglich die Pistolen auf den Gegner abzufeuern und sodann mit dem Pferd vor der Front des Gegners abzubiegen, scheint aus der Epochen der Caracoles zu stammen. Man erinnert sich an Gemälden wie einem der Schlacht bei Fleurus von Peter Snayers von 1622 [3], wo man diese Vorgehensweise bereits erkennt. Der Einsatz mit Pistolen gegen Infanterie, die ohnehin eine weitaus dichtere und höhere Feuerkraft als die Reiterei besaß und obendrein mit den Gewehren der Epoche eine größere Reichweite, erscheint als besonders fragwürdig.

The use of firearms in combat against enemy cavalry was equally controversial. You can see that the elite units of the Maison du Roi - the Gendarmes and Chevaulegers de la Garde - did not have carbines. The origin of the habit of simply firing pistols at the opponent and then turning the horse in front of the opponent's front seems to come from the era of the Caracoles. One remembers paintings such as one of the Battle of Fleurus by Peter Snayers from 1622 [3], where one can already see this approach. The use of pistols against infantry, which already had a much denser and higher firepower than the cavalry and, on top of that, a greater range with the muskets of the era, appears to be particularly questionable.

In der Bildmitte vorne die Gendarmes - dem Namen nach die Schwere Kavallerie. - In the middle of the photo in the foreground my Gendarmes - which were the socalled heavy cavalry. (photo: A. Hanselmann, 2025)


Die Rückseite der Gendarmes. Es sind die beiden Eskadrons der Gendarmes Anglois und Eccossais. - The back of my Gendarmes. These are from the squadrons of the Gendarmes Anglois and Eccossais. (photo: A. Hanselmann, 2025)

Recht typisch ist, wenn wie in der Schlacht bei Fontenoy im Mai 1745 nur ein kleines Häuflein von Reitern in die gegnerische Infanterie einbrach, während der Rest des Reiterregiments abbog ehe es mit der Infanterie zu Zusammenstoß kam. Die wenigen Männer des Regiments Noailles konnten dann kaum etwas ausrichten und wurden zwischen den britischen Fußsoldaten aufgerieben. Nur 14 Mann des führenden Schwadrons überlebten einen Ansturm um die Mittagszeit, 10 von ihnen wurden gefangen genommen [4].

It is quite typical when, as in the Battle of Fontenoy in May 1745, only a small group of cavalry broke into the opposing infantry, while the rest of the cavalry regiment turned away before clashing with the infantry. The few men of Noailles' regiment could hardly do anything and were wiped out between the British foot soldiers. Only 14 men from the leading squadron survived a midday rush, and 10 of them were captured [4].

Das Regiment Royal de Carabiniers (No. 12), eigentlich eines der sehr großen Regiment er. - The regiment Royal de Carabiniers (No. 12) - in reality one of the very large regiments. (photo: A. Hanselmann, 2025)

Clermont-Tonnerre Cavalerie (No. 32 1748) - Clermont-Tonnerre Cavalerie (No. 32 1748). (photo: A. Hanselmann)


Das Regiment Royal Cavalerie nahm die Nummer 4 ein. - The regiment Royal cavalerie had the number 4. (photo: A. Hanselmann, 2025) 

Montag, 17. Februar 2025

1620s Dumas-Campaign?

At the request of a tabletop player, I want to sacrifice myself. We started a new PML campaign with a few new characters. We have previously used the ruleset for historical skirmishes [1]. A few manufacturers have released models of figures that fit the famous novels of Alexandre Dumas such as "Les trois mousquetaires" [2].

The escort is near the pont while Milady's troops are advancing. (photo: C. H.)

 
Some Commanded Shot are at the waggon with the war chest and some light riders are ready to defend them. (photo: C.H.)

A while ago the two films came out in France that have little to do with the novel. The second half of "Les trois Mousquetaires" shows the king's musketeers in action in the war. The many sets in 1/72 are of no use for the Thirty Years' War, as the king's musketeers, for example, were not there at Freiburg in 1644 [3].

After some bad luck for my forces finally I'm arriving with supporting units to attack Milady's left wing. The Bavairan cuirassiers are losing one of them and you can find Milady in the ranks of her musketeers in the center of the photo. (photo: C.H.)

 
Augustus von Wiesel has his duel with Milady and to my own surprise is victorious. (photo: C. H.)

Since "Les trois Mousquetaires" is set in the 1620s, I thought it would be appropriate to set a campaign in this time. For some reason, in a parallel world, Milady apparently survived the executioner of Lille. She has to make ends meet as an agent and in our first game she was looking for compensation for the lack of income from Cardinal Richelieu's donations. So, based on a scenario from the rulebook [4], a squad of mercenaries escorting a war chest was ambushed. The guard group wanted to go splashing in a pond on the side of the road and suddenly they were attacked.

After the loss of Milady it was a hard fighting for the waggon. I had to be very aggressive and lost many of my mercenaries. But Milady's troops brought the war chest into safety. (photo: C. H.)

 

After a lot of luck, the first battle of the campaign ended in a bit of a mess for Milady. I have a character (Augustus von Wiesel) who is pretty stubborn and can avoid duels with impunity. To Milady's surprise, my main character challenged Milady to a duel and got her out of the way. I still couldn't steal the war chest.

Freitag, 14. Februar 2025

Salzträger und Salzkärrner - Salt carriers and salt carters

 Dieses Jahr soll das Thema unserer Veranstaltung im August der Transport von Salz sein. Das ist ziemlich anspruchsvoll, da wir dazu zum einen sehr viel recherchieren mussten und zum anderen auch der Forschung manche Details nicht ganz bekannt sind. So scheint es auch dem Experten unglaubwürdig, wenn wir erfahren, dass die Salzträger 6-8 Meß Salz (das wären 98 bis 130 Kilo) geschleppt haben sollen [1].

This year the theme of our event in August will be the transport of salt. This is quite challenging because, on the one hand, we had to do a lot of research and, on the other hand, some details are not entirely known to researchers. It also seems unbelievable to the expert when we learn that the salt carriers were said to have carried 6-8 measuring salt (that would be 98 to 130 kilos) [1].

In die Kiepe von dem Mann links passen sicher keine 6-8 Meß Salz. - It seems that there are not 6-8 "Meß" of salt in the basket of the men at the left. (Foto: Michael Paulick, 2010 - von unserer ersten Anno Domini-Veranstaltung!)

 

Wie dem auch sei, darf man sich das Leben des Salzträgers für die Haller im Jahre 1775 als wohl kein besonders rosiges vorstellen. Der Verdienst, auf den wir weiter unten eingehen werden, war so gering, dass er den Bewohnern landwirtschaftlich besser nutzbarer Gebiete als zu unlukrativ erschien. Daher übernahmen beinahe ausschließlich die Leute des Mainhardter Waldes, von denen in den 1750ern bis 70ern einige Räuber wurden, aus Not diese Arbeit als Nebenerwerb [2]. Immerhin waren die Salzträger offenbar anders als die Fuhrleute durch die von der hällischen Obrigkeit eingerichteten Einschränkungen auf Straßen und Wegen weniger betroffen. Die Landheeg und anderen Einrichtungen sollten ja dazu dienen die Warentransporte durch das Land zu steuern [3] und beispielsweise die Kaufleute dazu zwingen bestimmte Straßen zu verwenden an denen die Zollstationen von Schwäbisch Hall - wie beispielsweise am Michelfelder Landturm - lagen. Dahingegen bewegten sich die Salzträger recht frei durch das Land, was wir daran sehen wie wenig Notiz man zum Beispiel von den Räubern nahm, die getarnt als Salzträger an einem der großen Coups - dem Überfall auf die Postkutsche an der Cröffelbacher Steige 1768 [4]. Auch das Ende der Mainhardter Bande 1773 [5] stellte keine Zäsur für den Salztransport dar, auch wenn einige Salzträger dadurch ihr Leben verloren. Im Gegenteil war durch die Inovationen in der Salzgewinnung [6], die zu einer Erhöhung der Produktion von 20.000 Zentnern auf 65.000 bis 80.000 Zentner die Mengen, die transportiert werden mussten, entsprechend auch gewaltig gestiegen.

Be that as it may, one cannot imagine the life of the salt carrier for the people of Hall in 1775 as being particularly rosy. The income, which we will discuss below, was so low that it seemed too unlucrative to the residents of areas with better agricultural use. Therefore, almost exclusively the people of the Mainhardt Forest, some of whom became robbers in the 1750s to 70s, took on this work as a sideline out of necessity [2]. After all, unlike the carters, the salt carriers were apparently less affected by the restrictions on roads and paths imposed by the Hellenic authorities. The Landheeg and other facilities were intended to control the transport of goods through the country [3] and, for example, to force merchants to use certain roads on which the customs stations of Schwäbisch Hall - such as the Michelfelder Landturm - were located. The salt carriers, on the other hand, moved quite freely through the country, which we can see in how little attention was paid to the robbers, for example, who, disguised as salt carriers, took part in one of the big coups - the attack on the mail coach on the Cröffelbacher Steige in 1768 [4]. The end of the Mainhardt gang in 1773 [5] did not represent a turning point for salt transport, even if some salt carriers lost their lives as a result. On the contrary, due to the innovations in salt production [6], which increased production from 20,000 hundredweight to 65,000 to 80,000 hundredweight, the quantities that had to be transported also increased enormously.

Dienstag, 4. Februar 2025

Schwäbisch Hall 1775

1775 scheint ersteinmal kein irgendwie bedeutendes Jahr, wenn wir auf Deutschland und insbesondere den Schwäbischen Kreis schauen. Während es in Frankreich große Umwälzungen gab, wurde die Welt aber vor allem durch die Ereignisse in den 13 Kolonien erschüttert, die in Zeitungsmeldungen auch nach Deutschland strahlten. Wenn wir in die 1770er schauen, so wurden diese bis dahin durch die Unruhen in Polen [1], die auch Deutschland betrafen und die Hungerkatastrophe bestimmt [2]. Die Mainhardter Bande beschäftigte auch lange Zeit die Gemüter und die Behörden der angrenzenden Territorien [3]. Schauen wir in die zeitgenössischen Zeitungen, so erfahren wir vor allem von den Einschnitten, die mit der Aufhebung des Jesuitenordens überall in katholischen Gebieten auch im Heiligen Römischen Reich einher gingen [4]. Die Konkurrenz um die Vormacht im Reich zwischen Österreich und Preußen hielt an. 

At first glance, 1775 does not seem to be a significant year in any way if we look at Germany and especially the Swabian Circle. While there were major upheavals in France, the world was primarily shaken by the events in the 13 colonies, which were also reflected in newspaper reports in Germany. If we look at the 1770s, up until then they were dominated by the unrest in Poland [1], which also affected Germany, and the famine catastrophe [2]. The Mainhardt gang also occupied the minds and authorities of the neighboring territories for a long time [3]. If we look at contemporary newspapers, we learn primarily about the cuts that accompanied the abolition of the Jesuit order everywhere in Catholic areas, including in the Holy Roman Empire [4]. The competition for supremacy in the empire between Austria and Prussia continued.

Wir waren ja "1774" in Frankreich, weshalb wir uns schon 2024 mit den Umständen der Zeit um 1775 beschäftigt haben. Hier die Dame des Hauses beim Ballabend in Gala mit typischer Frisur der 1770er. - We were in "1774" in France. Therefore we researched for the historical background of 1775. Here you can see the lady of our house in gala at our ball evening with a typical hairstyle from the 1770s. (photo: C. Bernath)


Andererseits nahm der Einfluss Frankreichs auf das Reich ab. Die "Augspurgische Ordinari Postzeitung" frohlockte über die Entlassung der höchst wirksamen Minister Louis XV [5] und die Wiedereinsetzung des alten Parlamentes, welches ja alle Reformen vor 1771 behindert hatte [6]. Es ist hier die Frage, ob die "schmeichelhafteste Hofnung", welche die Zeitung erwähnt, vielleicht eher darauf abzielte, dass Frankreich durch die Veränderungen unter Louis XVI wieder politisch an Macht verlor. Tatsächlich kam es ja unter Louis XVI trotz der Sparmaßnahmen [7] zur großen Finanzkrise und Schwäche der Monarchie gegenüber der Erstarkung der Aristokratie.

On the other hand, France's influence on the empire declined. The "Augspurgische Ordinari Postzeitung" rejoiced over the dismissal of the highly effective ministers of Louis XV [5] and the reinstatement of the old parliament, which had hindered all reforms before 1771 [6]. The question here is whether the "most flattering hope" that the newspaper mentions was perhaps aimed at France losing political power again as a result of the changes under Louis XVI. In fact, despite the austerity measures [7], under Louis XVI the royal power was in decline while the aristocracy regained influence on politics.

Ich habe in meiner Funktion als Hausherr auch 1774 mein Hausgesinde entlohnt - wie damals üblich mit großen Unterschieden zwischen männlichen und weiblichen Dienstboten [8]. - I have paid my household in my function as the master of the house in 1774 - as it was common in the period there were big differences between male and female servants. [8] (Foto: C. Bernath)


Schwäbisch Hall war von alledem kaum betroffen. Luxusgüter wie Seiden wurden teurer [9] - aber das kümmerte ja den einfachen Landmann nicht. Als recht folgenschwer auf die Zukunft Schwäbisch Halls sollte sich das sich abzeichnende Aussterben der Brandenburg-Ansbachischen Markgrafenhäuser auswirken [10] mit dem Hall ohnehin wegen des Amtes Hohnhardt in beständigem Konflikt verwickelt war. 

Schwäbisch Hall was hardly affected by all of this. Luxury goods such as silk became more expensive [9] - but the simple farmer didn't care about that. The looming extinction of the Brandenburg-Ansbach margrave houses was to have a very serious impact on the future of Schwäbisch Hall [10] with which Hall was already involved in constant conflict because of the Hohnhardt district.

Der Amtmann reitet 1771 durch die Gegend. - The Amtmann is riding through the countryside in 1771. (Foto: J. Obergfell)

Dienstag, 14. Januar 2025

Die französische Armee des Österr. Erbfolgekrieges - The French army of the WAS p. 4

Man hätte die Dragoner der französischen Armee auch zusammen mit den leichten Truppen [1] vorstellen können, da die französische Armee die Dragoner doch sehr speziell einsetzte. Ähnlich den gemischen leichten Truppen wie den Arquebusiers de Grassin, die aus Berittenen und Fußsoldaten bestanden, kamen Dragoner zu Fuß und zu Pferd zum Einsatz. Häufig agierten Dragoner auch zusammen mit den leichten Truppen wie im Gefecht bei Mont-Saint-André [2] 1746. Anders als in den anderen europäischen Armeen hatten die Dragoner des französischen Heeres noch nicht ihre Funktion als bewegliche Infanterie aufgegeben. Das spiegelt sich auch in der Kombination aus speziellen Gamaschen und Schuhen wider statt der bei den Gegnern sich durchgesetzten Stiefel. Ich kenne keine Armee, wo signifikant die Dragoner abgesessen kämpften. In der Schlacht bei Fontenoy formierten Dragoner der Regimenter Mestre de Camp [3], Royal unter dem Marquis de Beauffremont [4] neben den Schweizer Infanterieregimentern Bettens und Diesbach einen Abschnitt der Frontlinie zwischen dem Dorf Fontenoy und der Stadt Antoing [5].

Meine Dragoner aufgesessen und abgesessen. - My dragoons on horseback and on foot. (photo: A. Hanselmann, 2024)

 

The dragoons of the French army could also have been introduced together with the light troops [1], since the French army used the dragoons very specifically. Similar to the mixed light troops such as the Arquebusiers de Grassin, which consisted of mounted and foot soldiers, dragoons were used on foot and on horseback. Dragoons often acted together with the light troops, as in the battle of Mont-Saint-André [2] in 1746. Unlike in the other European armies, the dragoons of the French army had not yet given up their function as mobile infantry. This is also reflected in the combination of special gaiters and shoes instead of the boots that have become popular among opponents. I don't know of any army where dragoons fought significantly while dismounted. In the Battle of Fontenoy, dragoons from the Mestre de Camp [3], Royal regiments under the Marquis de Beauffremont [4], alongside the Swiss infantry regiments Bettens and Diesbach, formed a section of the front line between the village of Fontenoy and the town of Antoing [5].

Im Vordergrund sieht man mit Hüten das Regiment Beauffremont. - In the foreground you can see with their hats the Beauffremont regiment. (photo: A. Hanselmann)


Die Uniformen haben sich seit dem Polnischen Thronfolgekrieg nicht besonders geändert. Markant sind auf den Darstellungen von Gudenus 1735 die besonders armselig aussehenden Pferde der Dragoner beispielsweise auf einer Zeichnung eines Dragoners des Regiments Harcourt[6]. Ein markanter Unterschied ist, dass Gudenus die Kokarden an den Hüten der Dragoner wie bei den anderen Truppen auch in Weiß darstellt, während es 1748 ausdrücklich zu den Hüten heißt "& cocarde noir" [7]. 

Mit Bonets sieht man hier die Dragoner des Regimentes Orléans Dragons. Ich habe Hüte beschnitten um die Mützen zu machen. - You can see dragoons of the regiment Orléans Dragons. I had to cut hats to make the caps. (photo: A. Hanselmann, 2024)