Es ist spannend wie penibel die Amtspersonen im 18. Jahrhundert auf ihre Würde achteten. So bestand man darauf, dass dem Amtmann die nötige Achtung entgegen gebracht wurde. Wir versuchen das auch auf unseren Veranstaltungen in unserem Verhalten widerzuspiegeln. Normalerweise findet man keine Vergehen, die sich gegen die Würde der Obrigkeit verging, was auch heißen kann, dass man früher nicht so akribisch darauf geachtet hatte. Es ist indessen auch nicht so, dass die Vertreter der Reichsstadt in der Fläche wie die Schultheißen selbst immer ganz vorbildlich sich verhielten. So habe ich in den Jahren meiner Recherchen schon einmal einen Schultheiß gefunden, der mehrfach straffällig wurde indem er einfach so Einwohner seines Dorfes mit seiner Flinte bedrohte und beschimpfte.
It is exciting how meticulously officials in the 18th century paid attention to their dignity. So it was insisted that the bailiff was shown the necessary respect. We also try to reflect this in our behavior at our events. Normally you don't find any offenses against the dignity of the authorities, which may also mean that they weren't so meticulous in the past. However, it is not the case that the representatives of the imperial city in the area, like the mayors themselves, always behaved in an exemplary manner. In the years of my research, I have already found a mayor who committed multiple crimes by simply threatening and insulting the residents of his village with his gun.
Konkrete Beispiele findet man immer wieder in einer der besten Quellen zum Leben der Bauern untereinander und mit der Obrigkeit in Form der Amtsrechnungen. Die Häufung solcher Fälle von scheinbar gedemütigtem Stolz der Vertreter des Staates ist 1775 aber wirklich ungewöhnlich. Ich habe ja zuvor bereits viele Amtsrechnungen anderer Jahre durchgesehen. Ein Bauer aus Hegenau[1] beispielsweise trat am 25. Juli vor eine Deputation ohne seinen Hut abzuziehen, wobei es scheinbar allein schon schlimm genug war, dass er die „HeydStuben“ betrat mit Hut auf dem Kopfe. Der Bauer sollte 1775 1 fl. Strafe für diese „Grobheit“ bezahlen[2].
Concrete examples can always be found in one of the best sources on the lives of farmers among themselves and with the authorities in the form of official accounts. The accumulation of such cases of seemingly humiliated pride among state representatives is really unusual in 1775. I have already looked through many official accounts from other years. A farmer from Hegenau[1], for example, appeared before a deputation on July 25th without taking off his hat, although it was apparently bad enough that he entered the “HeydStuben” with a hat on his head. In 1775 the farmer had to pay a fine of 1 fl. for this “rudeness” [2].
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Der Amtmann siegelt 1769 ein Schreiben. - The bailiff put his seal on a writing in 1769. (photo: C. Behnke, 2019) |
Ebenso wollte auch ein Schultheiß keinen Schimpf auf sich sitzen lassen. So verklagte der Schultheiß des kleinen Dorfes Rieden einen Hans Jörg Weidner, ebenfalls von dort, der ihn damit beleidigt haben soll, dass er angeblich besser zum „Eselstreiber“ statt zum Schultheißen getaugt hätte[3]. Wenige Tage danach am 12. August verging sich auch ein Bauer, Jörg Adam Haug, aus Biebersfeld, welcher die Herrschaften in der Amtsstube geärgert habe indem er ohne anzuklopfen und mit dem Hut auf dem Kopf eingetreten sei[4]. Leider wird die Amtsstube nicht näher beschrieben und ich habe bislang nichts weiter darüber gefunden. Der Amtmann des Amtes Rosengarten selbst hatte auf dem Land keinen Amtssitz[5] sondern wohnten in den Mauern der Reichsstadt, wo sie bei Anliegen der Untertanen wie Anzeigen von Straftaten scheinbar in ihrer Privatwohnung aufgesucht wurden.
Beleidigungen mit groben Worten wurden aber härter geahndet. Ähnlich wie es dem Riedener Schultheiß ergangen war, wurden auch die beiden Schultheißen [6] von Uttenhofen und auch der dortige Wirt Seckel durch Friedrich Zörn "elende Tropfen" genannt, wofür Zörn immerhin 3 fl. Strafe zahlen musste [7].
Likewise, a mayor (Schultheiß) did not want to endure any insults. The mayor of the small village of Rieden sued Hans Jörg Weidner, also from there, who is said to have insulted him by saying that he would have been better suited to be a “donkey driver” instead of a mayor[3]. A few days later, on August 12th, a farmer, Jörg Adam Haug, from Biebersfeld, also committed himself because he annoyed the people in the office by entering without knocking and with his hat on his head[4]. Unfortunately, the office is not described in more detail and I have not found anything further about it so far. The bailiff of the Rosengarten office himself did not have an official residence in the countryside[5] but lived within the walls of the imperial city, where they were apparently visited in their private apartment if their subjects had concerns such as reporting crimes.
However, insults with harsh words were punished more severely. Similar to what happened to the Rieden mayor, the two mayors [6] of Uttenhofen and the local innkeeper Seckel were called "miserable drops" by Friedrich Zörn, for which Zörn had to pay a fine of 3 fl. [7].