Samstag, 23. April 2022

Maria Theresia (2021) Part 5

Ich habe eine Weile darüber nachgedacht, ob ich etwas über diesen Film schreiben soll. Letztlich ist das krude Bild, welches die Filme von Robert Dornhelm über Maria Theresia und ihre Zeit zeichnen aber auch irgendwie Rezeptionsgeschichte. Diese Fernsehproduktion wird auch bei den Zuschauern eben die Klischees festsetzen, die offenbar intendiert sind. Dornhelms letzter Film zur Kaiserin Maria Theresia bleibt dabei seinem Rezept aus historischen Unwahrheiten und Stereotypen treu. Ich habe ihn am 21. April 22 auf der Arte-Mediathek gesehen.

I've been thinking for a while about writing something about this film. Ultimately, the crude picture that Robert Dornhelm's films paint about Maria Theresa and her time is also somehow history of reception. This television production will also establish the clichés in the viewers that are obviously intended. Dornhelm's last film about Empress Maria Theresia remains true to its formula of historical untruths and stereotypes. I saw it on April 21, 22 on the Arte media library.

Der 5. Teil setzt überhaupt nicht an den 4.Teil an, der irgendwie mitten im Österreichischen Erbfolgekrieg endete. Stattdessen erleben wir plötzlich eine neue Schauspielerin (Ursula Strauss), die wieder eine schlankere Maria Theresia zeigt auch wenn es dafür auf den zeitgenössischen Abbildungen keine Motivation gibt. Zeitlich ist man scheinbar mitten im Siebenjährigen Krieg, auch wenn dieser inhaltlich ulkigerweise fast keine Rolle spielt.

The 5th part is not at all based on the 4th part, which somehow ended in the middle of the Austrian War of Succession. Instead, we suddenly experience a new actress (Ursula Strauss), who again shows a slimmer Maria Theresa, even if there is no motivation for this on the contemporary illustrations. In terms of time, you seem to be in the middle of the Seven Years' War, even if, funnily enough, it plays almost no role in terms of content.

Kaiser Franz Stephan (aus irgendeinem Grund immernoch Vojtěch Kotek [1] ) wird von Maria Theresia damit betraut seinen Sohn Joseph in die Welt der Liebe einzuführen - wozu er ihn mit in ein Bordell nimmt, wo der Kaiser offensichtlich ein gern gesehener Gast ist. Anders als bei Leopold scheitert dieser Versuch der Aufklärung und Joseph ist bei der Heirat mit seiner Gattin Isabella von Parma (deren Darstellerin zu alt wirkt) heillos überfordert. Isabella verliebt sich in Erzherzogin Maria Christina, die sie auch zu sexuellen Handlungen verleitet bei welchen beide sogar in ziemlicher Öffentlichkeit von Kaiser und Kaiserin erwischt werden. In Folge ihrer Schwangerschaft wird Isabella schwermütig, läuft ins Spital um sich bewusst mit den Pocken anzustecken und daran zu sterben. Das ganze Verhältnis zu Joseph wird sehr frei beschrieben - aber dieser rüpelhafte Umgang mit der Ettikette am Hof oder dem Verhalten der Menschen miteinander war ja auch schon in den anderen Folgen ein Stilmittel.

Emperor Franz Stephan (for some reason still Vojtěch Kotek [1] ) is entrusted by Maria Theresia to introduce his son Joseph to the world of love - for which he takes him to a brothel, where the emperor is obviously a welcome guest. Unlike Leopold, this attempt at enlightenment fails and Joseph is hopelessly overwhelmed when he marries his wife Isabella von Parma (whose actress looks too old). Isabella falls in love with Archduchess Maria Christina, who also seduces her into sexual acts, in which both are caught by the Emperor and Empress in fairly public view. As a result of her pregnancy, Isabella becomes melancholy, runs to the hospital to deliberately contract smallpox and die from it. The whole relationship with Joseph is described very freely - but this boorish handling of etiquette at court or the behavior of people with one another was also a stylistic device in the other episodes.

Collage. Maria Antonias Schwiegervater Louis XV und ein Bericht zur Vermählung Joseph II. mit Maria Josepha von Bayern 1765. - Collage. Maria Antonia's father in law Louis XV and a report about the wedding of Joseph II. and Maria Josepha of Bavaria in 1765. (Foto: André Hanselmann)

 

In einer Nebenhandlung wird eine Intrige erzählt. Graf Kaunitz übernimmt hier die Rolle des Bösewichts [2]. Er soll irgendwie bewirkt haben, dass die österreichischen Banknoten an der französischen Börse gehandelt würden wodurch diese in Verruf geraten seien. Kaiser Franz Stephan macht in dem 5. Teil Kaunitz dafür verantwortlich und verfügt dessen Entfernung vom Hof samt seiner Mätresse, welche Maria Theresia nahe stehe. Wie diese ganze Geschichte mit den Banknoten vonstatten gegangen sein soll zu erklären, bleibt der Film schuldig. Dasselbe Motiv kennen wir auch aus den anderen Episoden, wenn historische Ereignisse vollkommen absurd verdreht wurden - vielleicht weil das Drehbuch die wahren politischen Entwicklungen nicht begriff? Als der Kaiser zur Vermählung von einer seiner Töchter mit Maria Theresia nach Innsbruck reist, trifft ihn der Schlag, als er beim Aussteigen Kaunitz wiedersieht, dessen Anwesenheit er untersagt hatte. Maria Theresia ist beim Tod des Kaisers anwesend (obwohl der vollkommen andere Hergang des Todes des Kaisers sehr genau dokumentiert ist und Maria Theresia eindeutig nicht anwesend war!).

An intrigue is told in a subplot. Count Kaunitz takes on the role of the villain [2]. He is said to have somehow caused the Austrian banknotes to be traded on the French stock exchange, which brought them into disrepute. Emperor Franz Stephan blames Kaunitz for this in the 5th part and orders his removal from court along with his mistress, who is close to Maria Theresa. The film fails to explain how this whole business with the banknotes is supposed to have happened. We also know the same motif from the other episodes, when historical events were twisted in a completely absurd manner - perhaps because the screenplay did not understand the real political developments? When the Emperor travels to Innsbruck for the marriage of one of his daughters to Maria Theresa, he is shocked when he sees Kaunitz again when he gets off the train, whose presence he had forbidden. Maria Theresa is present at the death of the Emperor (although the completely different course of events of the Emperor's death is well documented and Maria Theresa was clearly not present!).

Neben dem weiteren Verhältnis von Joseph II. zu seiner Mutter und zu seiner zweiten Gattin Maria Josepha von Bayern wird auch immer wieder kurz etwas zu den anderen Kindern des Kaiserpaares gezeigt. Der Hauptfokus liegt dabei auf Maria Antonia, die hier schon früh von der Kaiserin Marie Antoinette genannt wird [3]. Dabei folgt der Film dem Duktus der Reihe, welche den französischen Hof als vollkommen verblödet und degeneriert darstellt. Deswegen wird Maria Antonia sozusagen zur Dummheit und schlechten Manieren erzogen und der Fokus auf das Tanzen gelegt (wobei Musik und Tanz ja eh in der Ausbildung der Erzherzoginnen eine Rolle spielte - dass sie dezidiert Französisch lernen soll, ist besonders absurd, da ihr Vater ja eh Französisch als Muttersprache hatte ...). 

In addition to the further relationship between Joseph II, his mother and his second wife Maria Josepha of Bavaria, brief information about the other children of the imperial couple is also repeatedly shown. The main focus is on Maria Antonia, who was named here early on by the Empress Marie Antoinette [3]. The film follows the style of the series, which portrays the French court as completely stupid and degenerate. That's why Maria Antonia is brought up to be stupid and bad manners, so to speak, and the focus is on dancing (although music and dance played a role in the archduchess's training anyway - that she should learn French is particularly absurd, since her father anyway has French as mother tongue...).

Die Jahre nach Franz Stephans Tod werden noch eher im Galopp durchgegangen. Joseph II. ist anfänglich über das Testament seines Vaters verärgert und muss erst mit der Zeit begreifen, dass dieser viele von Josephs Ansichten geteilt und Reformen beabsichtigt hatte.

Joseph II. auf einem zeitgenössischen Stich. - Joseph II. on a contemporary engraving. (photo: André Hanselmann)

 

The years after Franz Stephan's death are more likely to be galloped through. Joseph II was initially angered by his father's will, and it took time to realize that he shared many of Joseph's views and intended reforms.

Wie auch in den anderen Folgen ist der Aufwand doch arg begrenzt. Man sieht einmal ein paar Bauernkaten, die schon in der ersten Folge auftauchten und das "Volk" wird durch in Lumpen daher gehende Menschen und Prostituierte repräsentiert. Gerade am Anfang der Folge wirkt es regelrecht lächerlich als eine Kutsche am "armen Volk" vorbei fährt, das unwirklich mit Marktbuden oder dergleichen in der Landschaft rumsteht. Der Haupthandlungsort, ein nicht näher deffeniertes Schloss und steht irgendwo in der Landschaft und wird durch plakative Wappenschilder, die über Türen aufgehangen werden als Kaiserschloss identifiziert. Nichts davon hat auch nur im Entferntesten mit der Hofburg oder Schloss Schönbrunn zu tun. Manche Szenen wie wenn eine Handvoll Leute auf der Straße rumstehen wirken regelrecht unfreiwillig komisch inszeniert. 

As in the other episodes, the effort is very limited. You see a few peasant cottages that appeared in the first episode and the "people" are represented by people and prostitutes walking around in rags. Especially at the beginning of the episode it seems downright ridiculous when a carriage drives past the "poor people" who are standing around unreal with market stalls or the like in the landscape. The main setting of the action, an unspecified castle, is somewhere in the landscape and is identified as the imperial castle by striking coats of arms that are hung over doors. None of this has anything to do with the Hofburg or Schönbrunn Palace. Some scenes, like when a handful of people are standing around on the street, seem staged in an involuntarily funny way.

Inhaltlich versucht der Film das Thema Politik außen vor zu lassen - ausgenommen vielleicht eine Familienpolitik. Die Haugwitzschen Reformen und die Umkehrung der Bündnisse und all das werden komplett ausgeklammert ebenso wie die Verfolgung der Protestanten durch Maria Theresia. Der Frieden von Hubertusburg (1763) wird umgedeutet, indem Franz Stephan in einer Szene Maria Theresia dazu gratuliert, dass sie sich behauptet habe. Damit wurde das Ergebnis des Österreichischen Erbfolgekrieges, also der Frieden von Aachen (1748) und der von Hubertusburg miteinander verwechselt. Aber solche Ungenauigkeiten oder Verschiebungen sind ja typisch für diese Produktion. Der Kaiser Franz Stephan wird immerhin nicht als ein Trottel präsentiert, sondern beim Anschauen des 5.Teils kann man sich fragen, ob seine Ideen nicht Österreich besser bekommen wären als ein Österreich Maria Theresias zumindest so wie es uns diese Filmreihe vorstellt. Franz Stephan lässt immer wieder durchblitzen, dass er der Allianzpolitik Maria Theresias nicht viel Nutzen beimisst (was richtig sein kann) und einen stärkeren Fokus auf die Wirtschaft für wichtiger hielte, da ein nach außen hin stark im Mächtekonzert verknüpftes Österreich dennoch schwach ist, wenn die finanziellen Mittel fehlen um Heer und Verwaltung zu bezahlen. 

In terms of content, the film tries to leave out the topic of politics - with the possible exception of family politics. The Haugwitzian reforms and the reversal of the covenants and all that is completely sidelined as is Maria Theresa's persecution of the Protestants. The Peace of Hubertusburg (1763) is reinterpreted in that Franz Stephan congratulates Maria Theresa in a scene that she has asserted herself. This confused the result of the War of Austrian Succession, i.e. the Peace of Aachen (1748) and that of Hubertusburg. But such inaccuracies or shifts are typical of this production. After all, the Emperor Franz Stephan is not presented as an idiot, but when watching the 5th part one can ask oneself whether his ideas would not have been better off Austria than an Austria of Maria Theresa, at least as presented to us in this film series. Franz Stephan keeps letting it slip through that he doesn't see much use in Maria Theresa's alliance policy (which can be right) and that he thinks it is more important to focus more on the economy, since an Austria that is outwardly strongly linked in the concert of powers is still weak if the financial resources are lacking to pay for the army and administration.

Inhaltlich wird vieles aus der Chronologie vermengt. So scheint es als ob 1770 bei Maria Antonias Abreise immernoch wegen Franz Stephan Schwarz getragen wurde (obwohl dessen Tod 5 Jahre zurück lag!!!).

Die Ausstattung bleibt wie gehabt. Der Kaiser trägt überwiegend die selben Klamotten. Er und Kaunitz haben oft nichtmal Knöpfe am Just-au-Corps (weggespart???). Die Damenkostüme auch aus dem engeren Kreis sind nicht besser. Immerhin sieht man keine Bärte [4]. 

Durch die Raffung der Handlung hat man teilweise eher den Eindruck keinen Spielfilm sondern Spielszenen einer Doku oder eines anderen Historytaiment-Formats vor sich zu haben. Ein bisschen mehr nackte Haut, sollte vielleicht über die inhaltlichen Schwächen und die langweilige Inszenierung hinwegtäuschen.

In terms of content, much of the chronology is mixed up. So it seems as if in 1770 at Maria Antonia's departure black was still being worn because of Franz Stephan (although his death was 5 years ago!!!).

The equipment remains as before. The emperor mostly wears the same clothes. He and Kaunitz often didn't even have buttons on the Just-au-Corps (saved away???). The women's costumes from the inner circle are no better. At least you don't see any beards [4].

Due to the tightening of the plot, one sometimes has the impression that one is not looking at a feature film but rather scenes from a documentary or another history animation format. A bit more bare skin should perhaps hide the weaknesses in content and the boring staging.

Text: André Hanselmann

Fotos: André Hanselmann


Notizen / Notes:

1) Warum man ihn durch die Maske altern ließ und das bei Maria Theresia scheinbar nicht tat, habe ich nie irgendwo erklärt gefunden. / I have never been able to find an explanation anywhere as to why he was allowed to age through the mask and apparently not in the case of Maria Theresa.

2) Andere Figuren wie Bartenstein, der in den 1760ern an der Ausbildung von Joseph II. gearbeitet hätte, wurden einfach als Rollen fallen gelassen. / Other characters such as Bartenstein, who would have worked on the education of Joseph II in the 1760s, were simply dropped as roles.

3) Die Darstellerin bekommt sogar schon das Kleid in einer Szenen in dem Marie Antoinette auf einem ihrer berühmtesten Porträts von Élisabeth Vigée-Lebrun 1778 gemalt wurde. / The actress even gets the dress in a scene in which Marie Antoinette was painted in one of her most famous portraits by Élisabeth Vigée-Lebrun in 1778. (Wien, Kunsthistorisches Museum)

4) Wie man sie aus "Thieves of the wood" kennt. / As you know them from "Thieves of the wood". https://wackershofenannodomini.blogspot.com/2020/02/de-bande-van-jan-de-lichte-thieves-of.html

4 Kommentare:

  1. So you wouldn’t recommend it then? It sounds like ‘the Great’, the TV series about Catherine the Great. A romping good entertainment, but only tangentially historical.

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    1. I would not recommend it. It's not historical accurate and not funny or entertaining either. I suppose that it will not be translated in English. Although maybe on Arte ... I don't know.

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